Puṣkara behandelt die Heirat: Zahl der Frauen je Kaste, Handergreifung bzw. Ersatzriten bei ungleicher Kaste, die Bestandteile der Hochzeit, Wiederverheiratung in fünf Notlagen, Exogamieregeln, die acht Eheformen (hier Brāhma, Ārṣa, Prājāpatya, Āsura, Gāndharva, Rākṣasa, Paiśāca; die Daiva-Form fehlt), die Śacī-Verehrung sowie astrologische Bedingungen (verbotene Zeiten, Mondhäuser, Planetenstellungen). Das Kolophon hat den Druckfehler „satuḥpañcāśad-“; einige astrologische Angaben (V. 7, 17, 19) sind unsicher.
Alle religiösen Handlungen sind nicht mit einer Frau ungleicher Kaste zu vollziehen. Bei Frauen gleicher Kaste ist die Hand zu ergreifen; eine Kṣatriya-Frau ergreife einen Pfeil,
die Vaiśya-Frau nehme einen Treibstock, und ebenso die Śūdra-Frau den Saum [des Gewandes]. Ein Mädchen ist [nur] einmal zu vergeben; wer es [danach] fortnimmt, verfällt der Strafe eines Diebes.
Für den, der dem Verkauf von Nachkommen ergeben ist, wird keine Sühne vorgeschrieben. Hingabe des Mädchens, Śacī-Verehrung [?], Hochzeit und dann die Feier der vierten [Nacht] –
Wort für Wort
apatya-vikraya-āsakte
beim dem Kinderverkauf Ergebenen
niṣkṛtiḥ na vidhīyate
wird keine Sühne vorgeschrieben
kanyā-dānam
Hingabe des Mädchens
śacī-yogaḥ
Śacī-Verehrung
caturthikā
die Feier der vierten (Nacht)
śacīyoga ist unsicher (Verehrung der Śacī, vgl. V. 12).
dies wird als Hochzeit genannt, eine Vierergruppe benannter Riten. Wenn der Gatte verschollen, gestorben, Wanderasket geworden, zeugungsunfähig oder [aus der Kaste] gefallen ist –
Die drei Pūrvā-[Mondhäuser], das Agni-[Mondhaus], das Vāyu-[Mondhaus], die drei Uttarā und Rohiṇī – diese Mondhausgruppe wird für die Handlung [?] stets gepriesen.
Wort für Wort
pūrvā-tritayam
die drei Pūrvā-Mondhäuser
āgneyam vāyavyam
das Agni- und das Vāyu-Mondhaus
uttarā-trayam
die drei Uttarā
rohiṇī
Rohiṇī
bha-gaṇaḥ śasyate sadā
die Mondhausgruppe wird stets gepriesen
caraṇe („beim Gang/Vollzug“) ist unklar; evtl. ist ein anderer Ritus gemeint.
Man wähle keine [Braut] desselben Gotra und keine von derselben Ṛṣi-Abstammung, o Bhārgava; [sondern nur] jenseits des siebten [Grades] von väterlicher und des fünften von mütterlicher Seite.
Die Gabe nach Einladung an einen mit guter Familie und gutem Charakter Versehenen ist die Brāhma-[Ehe]; der daraus Geborene rettet [die Ahnen-]Männer, dauerhaft, kraft der Hingabe des Mädchens.
Ebenso heißt die Ehe durch Gabe eines Rinderpaares die Ārṣa-[Ehe]. Wenn sie [einem] auf dessen Bitte gegeben wird, ist es die Prājāpatya-[Ehe], die das Recht erfüllt.
Durch Brautpreis [entsteht] die Āsura-[Ehe], die niedrige; die Gāndharva durch gegenseitige Wahl; die Rākṣasa durch Raub im Kampf; die Paiśāca durch Überlistung des Mädchens.
Am Hochzeitstag forme man aus Töpferton [eine Figur der] Śacī; nachdem man sie an einem Gewässer verehrt hat, führe man die Frau mit Musik usw. ins Haus.
praśupte keśave naiva vivāhaḥ kārya eva hi / poṣe caitre kujadine riktāviṣṭitatho na ca //
Wenn Keśava schläft, darf keinesfalls eine Hochzeit vollzogen werden; auch nicht im Pauṣa oder Caitra, an einem Marstag (Dienstag), an einem Rikta-Mondtag oder bei Viṣṭi.
Wort für Wort
prasupte keśave
wenn Keśava schläft
na vivāhaḥ kāryaḥ
keine Hochzeit ist zu vollziehen
pauṣe caitre
im Pauṣa und Caitra
kuja-dine
am Marstag
riktā-viṣṭi
Rikta-Tithi und Viṣṭi
poṣe = pauṣe; riktāviṣṭitatho wohl riktāviṣṭitithau.
na śukrajīve 'stamite na śaśāṅke grahārdite / arkārkabhaumayukte bhe vyatīpātahate na hi //
nicht, wenn Venus oder Jupiter untergegangen sind, nicht, wenn der Mond von einem Planeten bedrängt ist, und nicht in einem Mondhaus, das mit Sonne, Saturn oder Mars verbunden oder durch Vyatīpāta getroffen ist.
Ebenso ist ein „menschlich“ genannter Aszendent und ein „menschlich“ genannter Teilabschnitt (aṃśa) heilvoll. Im dritten, ebenso im sechsten, zehnten, elften und achten [Haus]
sind Sonne, Saturn und der Sohn des Mondes (Merkur) günstig, Mars [aber] nicht im achten. Außer im siebten, im letzten und im achten [Haus] [?] sind die übrigen vorzüglichen Planeten günstig.
Wort für Wort
arka-ārki-candra-tanayāḥ
Sonne, Saturn, Mondsohn (Merkur)
praśastāḥ
günstig
na kujaḥ aṣṭamaḥ
Mars nicht im achten
sapta-antya-aṣṭama
siebtes, letztes, achtes
śeṣāḥ śastāḥ graha-uttamāḥ
die übrigen vorzüglichen Planeten sind günstig
candatanayāḥ = candratanayāḥ. saptāntyāṣṭamavargeṣu ist unklar (evtl. „-varjeṣu“).
Dabei dürfen die Planeten nicht im vierten usw. [Haus] stehen, ebenso nicht [alle] in einem [Haus] vereint. Außer an den Knotentagen gehe man zur Frau; der Treuen ist stets Liebesfreude zu gewähren [?].
Wort für Wort
na dātavyāḥ grahāḥ
Planeten dürfen nicht stehen
catur-ādyāḥ
im vierten usw.
eka-gāḥ
in einem (Haus) vereint
parva-varjam
außer an Knotentagen
striyam gacchet
gehe man zur Frau
satyā dattā sadā ratiḥ ist unklar (evtl. satī / satyām).