Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 16: buddhādyavatārakathanam (buddhakalkyavatāravarṇanam) Bericht über die Herabkünfte als Buddha und die folgenden (Beschreibung der Herabkünfte als Buddha und Kalkin)

Das Kapitel schildert die Herabkunft Viṣṇus als Buddha, der die Daityas vom Veda abbringt, die Entstehung der Häretiker, den Verfall am Ende des Kali-Zeitalters und die künftige Herabkunft als Kalkin, der die Ordnung wiederherstellt. Es schließt mit der Lehre von den unzähligen Herabkünften und dem Lohn für das Hören der zehn Avatāras.

agnir uvāca | vakṣye buddhāvatārañca paṭhataḥ śṛṇvatorthadam / purā devāsure yuddhe daityair devāḥ parājitāḥ //

Agni sprach: Ich will [nun] die Herabkunft als Buddha verkünden, die dem, der sie rezitiert und hört, Nutzen bringt. Einst, im Kampf zwischen Göttern und Asuras, wurden die Götter von den Daityas besiegt.

Wort für Wort
vakṣye buddha-avatāram
ich werde die Buddha-Herabkunft verkünden
paṭhataḥ śṛṇvataḥ
dem Rezitierenden und Hörenden
artha-dam
Nutzen gebend
deva-asure yuddhe
im Götter-Asura-Kampf
daityaiḥ parājitāḥ
von den Daityas besiegt

śṛṇvatorthadam = śṛṇvato 'rthadam.

rakṣa rakṣeti śaraṇaṃ vadanto jagmurīśvaram / māyamohasvaruposau śuddhodanasuto 'bhavat //

„Schütze uns, schütze uns!“ rufend, gingen sie zum Herrn um Zuflucht. Er, dessen Wesen Täuschung und Verblendung (māyā-moha) ist, wurde der Sohn Śuddhodanas.

Wort für Wort
rakṣa rakṣa iti
„schütze, schütze!“
śaraṇam jagmuḥ īśvaram
gingen zum Herrn um Zuflucht
māyā-moha-svarūpaḥ
dessen Wesen Täuschung und Verblendung ist
śuddhodana-sutaḥ abhavat
wurde Sohn Śuddhodanas

māyamoha für māyāmoha (metrisch).

mohayāmāsa daityāṃstāṃstyājitā vedadharmakam / te ca bauddhā babhūvurhi tebhyonye vedavarjitāḥ //

Er verblendete jene Daityas und brachte sie dazu, die vedische Ordnung aufzugeben; sie wurden zu Bauddhas [Anm.: Buddhisten], und von ihnen [stammten] andere, die ohne Veda waren.

Wort für Wort
mohayāmāsa
verblendete
tyājitāḥ veda-dharmakam
zum Aufgeben der vedischen Ordnung gebracht
bauddhāḥ babhūvuḥ
wurden Buddhisten
veda-varjitāḥ
vedalos

ārhataḥ so 'bhavat paścādārhatānakarot parān / evaṃ pāṣaṇḍino jātā vedadharmādivarjitāḥ //

Später wurde er ein Ārhata [Anm.: Jaina] und machte andere zu Ārhatas. So entstanden die Häretiker (pāṣaṇḍin), bar der vedischen Ordnung und des Übrigen.

Wort für Wort
ārhataḥ abhavat paścāt
wurde später ein Ārhata (Jaina)
ārhatān akarot parān
machte andere zu Ārhatas
pāṣaṇḍinaḥ jātāḥ
Häretiker entstanden
veda-dharma-ādi-varjitāḥ
ohne vedische Ordnung usw.

narakārhaṃ karma cakrurgrahīṣyantyadhamādapi / sarve kaliyugānte tu bhaviṣyanti ca saṅkarāḥ //

Sie verübten Taten, die der Hölle würdig sind, und werden [Gaben] selbst vom Niedrigsten annehmen. Am Ende des Kali-Zeitalters aber werden alle vermischt sein [Anm.: in der Ständeordnung],

Wort für Wort
naraka-arham karma
höllenwürdige Tat
grahīṣyanti adhamāt api
werden sogar vom Niedrigsten annehmen
kali-yuga-ante
am Ende des Kali-Zeitalters
saṅkarāḥ bhaviṣyanti
werden vermischt sein

dasyavaḥ śīlahīnāś ca vedo vājasaneyakaḥ / daśa pañca ca śākhā vai pramāṇena bhaviṣyati //

Räuber und ohne gute Sitte. Der Veda [wird] der Vājasaneyaka [sein], und fünfzehn Zweige werden als maßgeblich gelten.

Wort für Wort
dasyavaḥ
Räuber
śīla-hīnāḥ
ohne gute Sitte
vedaḥ vājasaneyakaḥ
der Veda: der Vājasaneyaka
daśa pañca ca śākhāḥ
fünfzehn Zweige/Schulen
pramāṇena bhaviṣyati
wird maßgeblich sein

Gemeint sind wohl die fünfzehn Schulen der Vājasaneyi-Saṃhitā.

dharmakañcukasaṃvītā adharmarucayas tathā / mānuṣān bhakṣayiṣyanti mlecchāḥ pārthivarūpiṇaḥ //

In den Panzer des Dharma gehüllt, doch am Adharma Gefallen findend, werden Mlecchas [Anm.: Barbaren] in Gestalt von Königen die Menschen verschlingen.

Wort für Wort
dharma-kañcuka-saṃvītāḥ
in den Panzer des Dharma gehüllt
adharma-rucayaḥ
am Adharma Gefallen findend
mānuṣān bhakṣayiṣyanti
werden die Menschen verschlingen
mlecchāḥ pārthiva-rūpiṇaḥ
Barbaren in Königsgestalt

kalkī viṣṇuyaśaḥputro yājñavalkyapurohitaḥ / utsādayiṣyati mlecchān gṛhītāstraḥ kṛtāyudhaḥ //

Kalkin, der Sohn des Viṣṇuyaśas, mit Yājñavalkya als Hauspriester, wird, die Geschosse ergriffen und gerüstet, die Mlecchas ausrotten.

Wort für Wort
kalkī viṣṇuyaśaḥ-putraḥ
Kalkin, Sohn des Viṣṇuyaśas
yājñavalkya-purohitaḥ
mit Yājñavalkya als Hauspriester
utsādayiṣyati mlecchān
wird die Barbaren ausrotten
gṛhīta-astraḥ kṛta-āyudhaḥ
Geschosse ergriffen, bewaffnet

sthāpayiṣyati maryādāṃ cāturvarṇye yathocitām / āśrameṣu ca sarveṣu prajāḥ saddharmavartmani //

Er wird die gebührende Ordnung für die vier Stände und in allen Lebensstadien festsetzen [und] die Geschöpfe auf dem Pfad des wahren Dharma [halten].

Wort für Wort
sthāpayiṣyati maryādām
wird die Ordnung festsetzen
cāturvarṇye
für die vier Stände
yathā-ucitām
wie gebührend
āśrameṣu sarveṣu
in allen Lebensstadien
sat-dharma-vartmani
auf dem Pfad des wahren Dharma

kalkirūpaṃ parityajya hariḥ svargaṃ gamiṣyati / tataḥ kṛtayugānnāma purāvat sambhaviṣyati //

Nachdem Hari die Kalkin-Gestalt abgelegt hat, wird er in den Himmel gehen. Dann wird wie einst das [Zeitalter] namens Kṛta entstehen.

Wort für Wort
kalki-rūpam parityajya
die Kalkin-Gestalt aufgebend
svargam gamiṣyati
wird zum Himmel gehen
kṛta-yugam nāma
das Kṛta genannte Zeitalter
purāvat
wie früher
sambhaviṣyati
wird entstehen

kṛtayugānnāma wohl für kṛtayugaṃ nāma.

varnāśramāś ca dharmeṣu sveṣu sthāsyanti sattama / evaṃ sarveṣu kalpeṣu sarvamanvantareṣu ca //

Die Stände und Lebensstadien werden in ihren jeweiligen Pflichten verharren, o Bester. So [gibt es] in allen Weltperioden (kalpa) und in allen Manvantaras

Wort für Wort
varṇa-āśramāḥ
Stände und Lebensstadien
dharmeṣu sveṣu sthāsyanti
werden in ihren eigenen Pflichten verharren
sattama
o Bester
sarveṣu kalpeṣu
in allen Kalpas
sarva-manvantareṣu
in allen Manu-Perioden

varnāśramāś = varṇāśramāś.

avatārā asaṅkhyātā atītānāgatādayaḥ / viṣṇordaśāvatārākhyān yaḥ paṭhet śṛṇuyānnaraḥ //

unzählige Herabkünfte, vergangene, künftige und andere. Der Mensch, der die sogenannten zehn Herabkünfte Viṣṇus rezitiert oder hört,

Wort für Wort
avatārāḥ asaṅkhyātāḥ
unzählige Herabkünfte
atīta-anāgata-ādayaḥ
vergangene, künftige usw.
daśa-avatāra-ākhyān
die zehn so genannten Herabkünfte
paṭhet śṛṇuyāt naraḥ
der Mensch, der rezitiert oder hört

sovāptakāmo vimalaḥ sakulaḥ svargamāpnuyāt / dharmādharmavyavasthānamevaṃ vai kurute hariḥ / avatīrṇañca sa gataḥ sargādeḥ kāraṇaṃ hariḥ //

erlangt seine Wünsche, wird fleckenlos und gelangt mit seiner Familie in den Himmel. So schafft Hari die feste Ordnung von Dharma und Adharma; herabgestiegen, ist er [wieder] gegangen, Hari, die Ursache der Schöpfung und des Übrigen.

Wort für Wort
avāpta-kāmaḥ
der seine Wünsche erlangt hat
vimalaḥ sa-kulaḥ
fleckenlos, mit der Familie
dharma-adharma-vyavasthānam
die Ordnung von Dharma und Adharma
avatīrṇam ca sa gataḥ
herabgestiegen und gegangen
sarga-ādeḥ kāraṇam
Ursache der Schöpfung usw.

Dreizeiliger Vers.

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