Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 152: gṛhasthavṛttiḥ Der Lebensunterhalt des Hausvaters

Puṣkara behandelt die erlaubten Erwerbsweisen des brahmanischen Hausvaters: eigene und in der Not fremde Kastenpflichten, Ackerbau, Handel und Geldverleih mit Einschränkungen, Sühne des Ackerbaus, die Rinderzahl am Pflug und die klassischen Erwerbsarten ṛta, amṛta, mṛta, pramṛta und satyānṛta. Das Kolophon hat „gṛhasthavṛttayaḥ“ und den Druckfehler „vripañcāśad-“.

puṣkara uvāca | ājīvaṃstu yathoktena brāhmaṇaḥ svena karmaṇā / kṣatraviṭśūdradharmeṇa jīvennaiva tu śūdrajāt //

Puṣkara sprach: Der Brahmane lebe von seiner eigenen, wie beschrieben [vorgeschriebenen] Tätigkeit; [notfalls] lebe er nach der Pflicht des Kṣatriya, Vaiśya [und] Śūdra, niemals aber von dem, was vom Śūdra herrührt [?].

Wort für Wort
ājīvan
lebend
yathā-uktena svena karmaṇā
durch die eigene, wie beschrieben, Tätigkeit
kṣatra-viṭ-śūdra-dharmeṇa
nach der Pflicht von Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra
jīvet na eva tu śūdra-jāt
nicht aber lebe er von Śūdra-Herkunft

Der Schluss (naiva tu śūdrajāt) ist schwer mit der Nennung des Śūdra-Dharma zu vereinbaren; evtl. ist śūdra im ersten Kompositum verderbt.

kṛṣibāṇijyagorakṣyaṃ kuśīdañca dvijaś caret / gorasaṃ guḍalavaṇalākṣāmāṃsāni varjayet //

Ackerbau, Handel, Viehhut und Geldverleih mag der Zweimalgeborene betreiben; Milchprodukte, Rohzucker, Salz, Lack und Fleisch aber meide er [als Handelsware].

Wort für Wort
kṛṣi-vāṇijya-gorakṣyam
Ackerbau, Handel, Viehhut
kusīdam
Geldverleih
dvijaḥ caret
betreibe der Zweimalgeborene
go-rasam guḍa-lavaṇa
Milchprodukte, Rohzucker, Salz
lākṣā-māṃsāni varjayet
Lack und Fleisch meide er

bhūmiṃ bhitvauṣadhīśchitvā hutvā koṭapipīlikān / punanti khalu yajñena karṣakā devapūjanāt //

Weil sie den Boden aufbrechen, Pflanzen abschneiden und Würmer und Ameisen töten, reinigen sich die Ackerbauern fürwahr durch Opfer und durch Götterverehrung.

Wort für Wort
bhūmim bhittvā
den Boden aufbrechend
oṣadhīḥ chittvā
Pflanzen abschneidend
hatvā kīṭa-pipīlikān
Würmer und Ameisen tötend
punanti yajñena
reinigen sich durch Opfer
karṣakāḥ
die Ackerbauern

koṭa = kīṭa.

halamaṣṭagavaṃ dharmyaṃ ṣaḍgavaṃ jīvitārthināṃ / carturgavaṃ nṛśaṃsānāṃ dvigavaṃ dharmaghātināṃ //

Ein Pflug mit acht Rindern ist rechtmäßig; mit sechs [ist er der] derer, die [bloß] den Lebensunterhalt suchen; mit vier [der] der Grausamen; mit zwei [der] derer, die das Recht verletzen.

Wort für Wort
halam aṣṭa-gavam dharmyam
ein Pflug mit acht Rindern ist rechtmäßig
ṣaḍ-gavam jīvita-arthinām
mit sechs der Unterhaltsuchenden
catur-gavam nṛśaṃsānām
mit vier der Grausamen
dvi-gavam dharma-ghātinām
mit zwei der Rechtsverletzer

cartur = catur.

ṛtāmṛtābhyāṃ jīveta mṛtena pramṛtena vā / satyānṛtābhyāmapivā na svavṛttyā kadā ca na //

Man lebe von Ṛta und Amṛta, von Mṛta oder Pramṛta, oder auch von Satyānṛta, niemals aber vom Hundedienst [Anm.: Ährenlesen, unerbetene Gabe, erbettelte Gabe, Ackerbau, Handel bzw. Lohndienst].

Wort für Wort
ṛta-amṛtābhyām jīveta
man lebe von Ṛta und Amṛta
mṛtena pramṛtena vā
von Mṛta oder Pramṛta
satya-anṛtābhyām api vā
oder auch von Satyānṛta
na śva-vṛttyā kadācana
niemals vom Hundedienst

na svavṛttyā ist als na śvavṛttyā zu lesen.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks