Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 292: mantraparibhāṣā Allgemeine Regeln der Mantras

Agni legt die Grundbegriffe der Mantra-Praxis dar: Einteilung nach Silbenzahl, Geschlecht und Charakter (feurig/mild), Schlaf- und Wachzeiten der Mantras, Prüfung ihrer Eignung für den Adepten, Eigenschaften von Lehrer und Schüler, Rezitationszahlen, Gottheiten der Mondhäuser, Mondtage und Wochentage sowie die Buchstabenauflegung (lipinyāsa) mit den fünfzig Rudras und den Glieder-Mantras. Mehrere Merkformeln und Namen der Rudra-Liste sind in der Digitalisierung verderbt (bes. Verse 10–13, 40, 43–46, 50–51); Vers 51 hat drei Halbverse.

agnir uvāca | mantravidyāhariṃ vakṣye bhuktimuktipradaṃ śṛṇu / viṃśatyarṇādhikā mantrā mālāmantrāḥ smṛtā dvija //

Agni sprach: „Ich werde die Mantra-Wissenschaft [?] darlegen, die Weltgenuss und Erlösung gewährt; höre! Mantras mit mehr als zwanzig Silben gelten als Mālā-(„Kranz“-)Mantras, o Zweimalgeborener.

Wort für Wort
mantra-vidyām
die Mantra-Wissenschaft
vakṣye
ich werde darlegen
bhukti-mukti-pradam
Genuss und Erlösung gewährend
viṃśati-arṇa-adhikāḥ
mehr als zwanzig Silben habend
mālā-mantrāḥ smṛtāḥ
gelten als Kranz-Mantras

mantravidyāhariṃ ist wohl verderbt (etwa für mantravidyāṃ hariḥ oder mantravidyām ahaṃ); übersetzt nach dem Sinn „die Mantra-Wissenschaft“.

daśākṣarādhikā mantrāstadarvāgvījasaṃjñitāḥ / vardhakye siddhidā hy ete mālāmantrāstu yauvena //

Solche mit mehr als zehn Silben sind [eigentliche] Mantras; die darunter heißen Bīja („Keimsilben“). Diese gewähren im Alter Erfolg, die Mālā-Mantras aber in der Jugend.

Wort für Wort
daśa-akṣara-adhikāḥ
mehr als zehn Silben habend
tad-arvāk
darunter
bīja-saṃjñitāḥ
Bīja genannt
vārdhakye siddhi-dāḥ
im Alter Erfolg gebend
yauvane
in der Jugend

vardhakye für vārdhakye, yauvena für yauvane (Digitalisierungs- oder Überlieferungsfehler).

pañcākṣarādhikā mantrāḥ siddhidāḥ sarvadāpare / strīpuṃnapuṃsakatvena tridhāḥ syurmantrajātayaḥ //

Mantras mit mehr als fünf Silben gewähren Erfolg, die übrigen [?] zu jeder Zeit. Nach weiblich, männlich und sächlich gibt es drei Gattungen von Mantras.

Wort für Wort
pañca-akṣara-adhikāḥ
mehr als fünf Silben habend
siddhi-dāḥ
Erfolg gebend
sarvadā apare
die anderen jederzeit
strī-pum-napuṃsakatvena
nach weiblich, männlich, sächlich
tridhā mantra-jātayaḥ
dreifach die Mantra-Gattungen

Der erste Halbvers ist in der Zuordnung unklar (sarvadā apare „die anderen jederzeit“).

strīmantrā vahnijāyantā namontāś ca napuṃsakāḥ / śeṣāḥ pumāṃsaste śastā vakṣyoccāṭaviṣeṣu ca //

Weibliche Mantras enden auf die „Gattin des Feuers“ [Anm.: svāhā], sächliche enden auf namaḥ; die übrigen sind männlich. Diese werden empfohlen bei Unterwerfung, Vertreibung und Giften [?];

Wort für Wort
strī-mantrāḥ
weibliche Mantras
vahni-jāyā-antāḥ
auf die Gattin des Feuers (svāhā) endend
namaḥ-antāḥ napuṃsakāḥ
auf namaḥ endend: sächlich
śeṣāḥ pumāṃsaḥ
die übrigen männlich
vaśya-uccāṭa-viṣeṣu
bei Unterwerfung, Vertreibung, Giften

vakṣyoccāṭaviṣeṣu wohl für vaśyoccāṭaviṣeṣu.

kṣudrakriyāmayadhvaṃse striyo 'nyatra napuṃsakāḥ / mantrāvāgneyasaumyākhyau tārādyantārdvayorjapet //

die weiblichen bei niederen Riten und zur Beseitigung von Krankheit, in anderen Fällen die sächlichen. Zwei Arten von Mantras heißen „feurig“ (āgneya) und „mild“ (saumya); man rezitiere sie mit Tāra [Anm.: oṃ] am Anfang und am Ende [?].

Wort für Wort
kṣudra-kriyā
niedere (Zauber-)Riten
āmaya-dhvaṃse
bei Vertreibung von Krankheit
anyatra napuṃsakāḥ
anderswo die sächlichen
āgneya-saumya-ākhyau
„feurig“ und „mild“ genannt
tāra
Tāra (die Silbe oṃ)

tārādyantārdvayor schwer zu trennen; wohl tāra-ādy-antar dvayoḥ.

tārāntyāgniviyatprāyo mantra āgneya iṣyate / śiṣṭaḥ saumyaḥ praśastau tau karmaṇoḥ krūrasaumyayoḥ //

Ein Mantra, der überwiegend Tāra, den letzten Laut, Agni [Anm.: ra] und den Äther [Anm.: ha] enthält, gilt als feurig; der übrige ist mild. Beide sind empfohlen für grausame bzw. milde Handlungen.

Wort für Wort
tāra-antya-agni-viyat-prāyaḥ
überwiegend aus oṃ, letztem Laut, ra und ha bestehend
āgneyaḥ iṣyate
gilt als feurig
śiṣṭaḥ saumyaḥ
der übrige ist mild
praśastau
beide empfohlen
krūra-saumyayoḥ karmaṇoḥ
für grausame und milde Handlungen

āgneyamantraḥ saumyaḥ syātprāyaśo 'nte namo 'nvitaḥ / saumyamantras tathāgneyaḥ phaṭkāreṇāntato yutaḥ //

Ein feuriger Mantra wird meist mild, wenn am Ende namaḥ angefügt ist; ebenso wird ein milder Mantra feurig, wenn er am Ende mit der Silbe phaṭ verbunden ist.

Wort für Wort
āgneya-mantraḥ
feuriger Mantra
saumyaḥ syāt
wird mild
ante namaḥ-anvitaḥ
am Ende mit namaḥ verbunden
phaṭkāreṇa
mit der Silbe phaṭ
antataḥ yutaḥ
am Ende versehen

suptaḥ prabuddhamātro vā mantraḥ siddhiṃ na yacchati / śvāpakālo mahāvāho jāgaro dakṣiṇāvahaḥ //

Ein Mantra, der schläft oder eben erst erwacht ist, gewährt keinen Erfolg. Die Schlafenszeit ist, wenn [der Atem] links fließt, die Wachzeit, wenn er rechts fließt –

Wort für Wort
suptaḥ
schlafend
prabuddha-mātraḥ
eben erst erwacht
siddhim na yacchati
gewährt keinen Erfolg
svāpa-kālaḥ
Schlafenszeit
jāgaraḥ dakṣiṇa-āvahaḥ
Wachen: bei rechtem Fluss

mahāvāho wohl verderbt für vāmavāhaḥ (Atemfluss durch das linke Nasenloch), dem dakṣiṇāvahaḥ gegenübergestellt.

āgneyasya manoḥ saumyamantrasyaitadviparyayāt / prabodhakālaṃ jānīyādubhayorubhayorahaḥ //

[so] beim feurigen Mantra; beim milden Mantra umgekehrt. Die Zeit des Erwachens erkenne man für beide daran, dass beide [Atemströme fließen] [?].

Wort für Wort
āgneyasya manoḥ
beim feurigen Mantra
saumya-mantrasya
beim milden Mantra
etad-viparyayāt
umgekehrt dazu
prabodha-kālam
die Zeit des Erwachens
jānīyāt
erkenne man

ubhayor ubhayor ahaḥ unklar; wohl gleichzeitiger Fluss durch beide Nasenlöcher gemeint.

duṣṭarkṣarāśividveṣivarṇādīn varjayenmanūn / rājyalābhopakārāya prārabhyāriḥ svaraḥ kurūn //

Man meide Mantras, deren Anfangsbuchstaben usw. einem ungünstigen Mondhaus oder Tierkreiszeichen angehören oder [dem Adepten] feindlich sind. Zur Erlangung von Herrschaft und zum Nutzen … [?]

Wort für Wort
duṣṭa-ṛkṣa-rāśi
ungünstiges Mondhaus und Tierkreiszeichen
vidveṣi-varṇa-ādīn
feindliche Anfangsbuchstaben usw.
varjayet manūn
meide die Mantras
rājya-lābha-upakārāya
zu Herrschaftsgewinn und Nutzen

Der zweite Halbvers (prārabhyāriḥ svaraḥ kurūn) ist verderbt; der Sinn ist nicht sicher herzustellen.

gopālakakuṭīṃ prāyāt pūrṇāmityuditā lipiḥ / nakṣetrekṣakramādyojyā svarāntyau revatīyujau //

Das Alphabet wird nach der Merkformel „gopālakakuṭīṃ prāyāt pūrṇām“ [Anm.: wörtl. „er ging zur vollen Hütte des Kuhhirten“] verteilt; es ist in der Reihenfolge der Mondhäuser zuzuordnen, wobei die beiden letzten Vokale mit Revatī verbunden werden.

Wort für Wort
uditā lipiḥ
das Alphabet wird angegeben
nakṣatra-krama
Reihenfolge der Mondhäuser
yojyā
zuzuordnen
svara-antyau
die beiden letzten Vokale
revatī-yujau
mit Revatī verbunden

Merksatz zur Zuordnung der Buchstaben auf die Nakṣatras; nakṣetrekṣa° für nakṣatra°.

velā guruḥ svarāḥ śoṇaḥ karmaṇaivetibheditāḥ / lipyarṇā vaśiṣu jñeyā ṣaṣṭheśādīṃś ca yojayet //

[Nach der Merkformel] „velā guruḥ svarāḥ śoṇaḥ karmaṇaiva“ sind [die Buchstaben] unterschieden; die Buchstaben des Alphabets sind in den Tierkreiszeichen [?] zu kennen, und man verbinde [sie] mit dem Herrn des sechsten [Hauses] usw.

Wort für Wort
iti bheditāḥ
so unterschieden
lipi-arṇāḥ
die Buchstaben des Alphabets
rāśiṣu jñeyāḥ
in den Tierkreiszeichen zu kennen
ṣaṣṭha-īśa-ādīn
den Herrn des Sechsten usw.
yojayet
verbinde man

vaśiṣu wohl für rāśiṣu; die Merkformel ist nicht übersetzt.

lipau catuṣpathasthāyāmākhyavarṇapadāntarāḥ / siddhāḥ sādhyā dvitīyasthāḥ susiddhā vairiṇaḥ pare //

Im Buchstabenschema, das auf ein Kreuzfeld [Anm.: catuṣpatha, ein Viererfeld] gesetzt ist, [gilt, gezählt von] den Buchstaben des Namens [des Adepten]: die an erster Stelle sind „erfolgreich“ (siddha), die an zweiter „zu vollbringen“ (sādhya), [die an dritter] „sehr erfolgreich“ (susiddha), die übrigen Feinde.

Wort für Wort
lipau catuṣpatha-sthāyām
im Schema auf dem Viererfeld
ākhyā-varṇa
Buchstaben des Namens
siddhāḥ
erfolgreich
sādhyāḥ dvitīya-sthāḥ
zu vollbringen: die an zweiter Stelle
susiddhāḥ vairiṇaḥ pare
sehr erfolgreich; die übrigen Feinde

ākhyavarṇapadāntarāḥ unklar; die dritte Position ist nicht ausdrücklich genannt.

siddhādīn kalpayedevaṃ siddhātyantaguṇair api / siddhe siddho japāt sādhyo japapūjāhutādinā //

So bestimme man siddha usw., auch mit den höchsten Eigenschaften des siddha. Ein siddha [Mantra] ist [von selbst] wirksam; ein sādhya durch Rezitation, Verehrung, Opfergüsse usw.;

Wort für Wort
siddha-ādīn kalpayet
bestimme man siddha usw.
siddha-atyanta-guṇaiḥ
mit den höchsten Eigenschaften des siddha
siddhe siddhaḥ
der siddha ist wirksam
japāt sādhyaḥ
sādhya durch Rezitation
japa-pūjā-huta-ādinā
durch Japa, Verehrung, Opfer usw.

susiddho dhyānamātreṇa sādhakaṃ nāśayedariḥ / duṣṭārṇapracuro yaḥ syānmantraḥ sarvavininditaḥ //

ein susiddha schon durch bloße Meditation; ein feindlicher [Mantra] vernichtet den Übenden. Ein Mantra, der reich an ungünstigen Buchstaben ist, wird von allen getadelt.

Wort für Wort
susiddhaḥ dhyāna-mātreṇa
susiddha durch bloße Meditation
sādhakam nāśayet ariḥ
der feindliche vernichtet den Übenden
duṣṭa-arṇa-pracuraḥ
reich an schlechten Buchstaben
sarva-vininditaḥ
von allen getadelt

praviśya vidhivaddīkṣāmabhiṣekāvasānikām / śrutvā tantraṃ guror labdhaṃ sādhayedīpsitaṃ manum //

Nachdem man vorschriftsmäßig in die Weihe (dīkṣā) eingetreten ist, die mit der Salbung (abhiṣeka) endet, und das Tantra gehört hat, bringe man den ersehnten, vom Lehrer empfangenen Mantra zur Vollendung.

Wort für Wort
praviśya vidhivat dīkṣām
vorschriftsmäßig in die Weihe eingetreten
abhiṣeka-avasānikām
mit der Salbung endend
śrutvā tantram
das Tantra gehört habend
guroḥ labdham
vom Lehrer empfangen
sādhayet īpsitam manum
vollende den ersehnten Mantra

dhīro dakṣaḥ śucirbhakto japadhyānāditatparaḥ / siddhastapasvī kuśalastantrajñaḥ satyabhāṣaṇaḥ //

Standhaft, geschickt, rein, ergeben, der Rezitation, Meditation usw. hingegeben, vollendet, asketisch, kundig, tantra-kundig, wahrhaftig redend,

Wort für Wort
dhīraḥ dakṣaḥ
standhaft, geschickt
śuciḥ bhaktaḥ
rein, ergeben
japa-dhyāna-ādi-tatparaḥ
Rezitation, Meditation usw. hingegeben
tapasvī
asketisch
tantra-jñaḥ satya-bhāṣaṇaḥ
tantrakundig, wahrhaftig redend

nigrahānugrahe śakto gururityabhidhīyate / śānto dāntaḥ paṭuścīrṇabrahmacaryo haviṣyabhuk //

fähig zu Strafe und Gnade – [ein solcher] heißt Lehrer (guru). Ruhig, beherrscht, gewandt, einer, der das Brahmacarya geübt hat, der Opferspeise isst,

Wort für Wort
nigraha-anugrahe śaktaḥ
fähig zu Strafe und Gnade
guruḥ iti abhidhīyate
heißt Lehrer
śāntaḥ dāntaḥ
ruhig, beherrscht
cīrṇa-brahmacaryaḥ
der das Brahmacarya geübt hat
haviṣya-bhuk
Opferspeise essend

kurvannācāryaśuśrūṣāṃ siddhotsāhī sa śiṣyakaḥ / sa tūpadeśyaḥ putraś ca vinayī vasudas tathā //

der dem Lehrer dient und nach Vollendung strebt – der ist ein Schüler. Er ist zu unterweisen, ebenso ein Sohn, ein Demütiger und einer, der Reichtum gibt.

Wort für Wort
ācārya-śuśrūṣām kurvan
dem Lehrer dienend
siddha-utsāhī
nach Vollendung strebend
śiṣyakaḥ
Schüler
upadeśyaḥ
zu unterweisen
vinayī vasu-daḥ
demütig, Reichtum gebend

mantrandadyāt susiddhau tu sahasraṃ deśikaṃ japet / yadṛcchayā śrutaṃ mantraṃ chalenātha balena vā //

Man soll den Mantra [nur solchen] geben; nach vollem Erfolg aber rezitiere man tausendmal [zu Ehren] des Lehrers [?]. Ein Mantra, der zufällig gehört, durch List oder mit Gewalt [erlangt],

Wort für Wort
mantram dadyāt
man gebe den Mantra
susiddhau
nach vollem Erfolg
sahasram japet
rezitiere tausendmal
yadṛcchayā śrutam
zufällig gehört
chalena balena vā
durch List oder Gewalt

deśikaṃ japet unklar (etwa „für den Lehrer rezitieren“).

patre sthitañca gāthāñca janayedyadyanarthakam / mantraṃ yaḥ sādhayedekaṃ japahomārcanādibhiḥ //

oder auf einem Blatt stehend [gefunden], oder ein [bloßer] Vers, würde Unheil erzeugen. Wer [aber] einen einzigen Mantra durch Rezitation, Opfer, Verehrung usw. vollendet,

Wort für Wort
patre sthitam
auf einem Blatt stehend
gāthām
einen Vers
janayet anarthakam
würde Unheil erzeugen
mantram ekam sādhayet
vollendet einen Mantra
japa-homa-arcana-ādibhiḥ
durch Rezitation, Opfer, Verehrung usw.

kriyābhirbhūribhistasya sidhyante svalpasādhanāt / samyaksiddhaikamantrasya nāsādhyamiha kiñcana //

dem gelingen [auch] die vielen Riten mit geringem Aufwand. Für den, der einen einzigen Mantra vollkommen vollendet hat, ist hier nichts unerreichbar.

Wort für Wort
kriyābhiḥ bhūribhiḥ
die vielen Riten
sidhyante
gelingen
svalpa-sādhanāt
durch geringen Aufwand
samyak-siddha-eka-mantrasya
dessen einer Mantra vollkommen vollendet ist
na asādhyam kiñcana
nichts unerreichbar

bahumantravataḥ puṃsaḥ kā kathā śiva eva saḥ / daśalakṣajapādeka varṇo mantraḥ prasidhyati //

Was soll man erst von einem Mann mit vielen Mantras sagen – er ist Śiva selbst! Ein einsilbiger Mantra gelangt durch zehn Lakh [Anm.: eine Million] Rezitationen zur Vollendung.

Wort für Wort
bahu-mantravataḥ puṃsaḥ
des Mannes mit vielen Mantras
kā kathā
was ist zu sagen
śivaḥ eva saḥ
er ist Śiva selbst
daśa-lakṣa-japāt
durch zehn Lakh Rezitationen
eka-varṇaḥ mantraḥ
einsilbiger Mantra

varṇavṛddhyā japahrāsastenānyeṣāṃ samūhayet / vījāddvitriguṇānmantrānmālāmantre japakriyā //

Mit wachsender Silbenzahl verringert sich die Rezitation; danach erschließe man [die Zahl] für die anderen. Für Mantras, die zwei- oder dreimal [so lang] wie ein Bīja sind, und für den Mālā-Mantra [gilt die entsprechende] Rezitationsweise [?].

Wort für Wort
varṇa-vṛddhyā
mit Zunahme der Silben
japa-hrāsaḥ
Verringerung der Rezitation
anyeṣām samūhayet
erschließe für die anderen
bījāt dvi-tri-guṇān
zwei-, dreimal so lang wie das Bīja
mālā-mantre japa-kriyā
beim Kranz-Mantra die Rezitation

Der zweite Halbvers ist knapp und in der Zuordnung unsicher.

saṅkhyānuktau śataṃ sāṣṭaṃ sahasraṃ vā japādiṣu / japāddaśāṃśaṃ sarvatra sābhiśekaṃ hutaṃ viduḥ //

Wenn keine Zahl angegeben ist, [gelten] bei Rezitation usw. hundertacht oder tausend. Überall gilt ein Zehntel der Rezitation als Feueropfer, verbunden mit Besprengung.

Wort für Wort
saṅkhyā-anuktau
wenn keine Zahl genannt ist
śatam sa-aṣṭam
hundertacht
sahasram vā
oder tausend
japāt daśa-aṃśam
ein Zehntel der Rezitation
sa-abhiṣekam hutam
Opfer mit Besprengung

sābhiśekaṃ für sābhiṣekaṃ.

dravyānuktau ghṛtaṃ home japo 'śaktasya sarvataḥ / mūlamantrāddaśāṃśaḥ syādaṅgādīnāṃ japādikam //

Wenn keine Opfersubstanz angegeben ist, [nimmt man] beim Feueropfer Ghee; für einen, der [zum Opfer] unfähig ist, [tritt] in allen Fällen Rezitation [ein]. Rezitation usw. der Glieder-Mantras usw. beträgt ein Zehntel des Wurzel-Mantras.

Wort für Wort
dravya-anuktau
wenn keine Substanz genannt ist
ghṛtam home
Ghee beim Feueropfer
japaḥ aśaktasya
Rezitation für den Unfähigen
mūla-mantrāt daśa-aṃśaḥ
ein Zehntel des Wurzel-Mantras
aṅga-ādīnām
der Glieder(-Mantras) usw.

japātsaśaktimantrasya kāmadā mantradevatāḥ / sādhakasya bhavet tṛptā dhyānahomārcanādinā //

Durch Rezitation eines Mantras samt seiner Śakti gewähren die Mantra-Gottheiten Wünsche; durch Meditation, Feueropfer, Verehrung usw. werden sie dem Übenden gegenüber zufrieden.

Wort für Wort
sa-śakti-mantrasya
des Mantras samt Śakti
kāma-dāḥ
Wünsche gewährend
mantra-devatāḥ
die Mantra-Gottheiten
sādhakasya tṛptāḥ
dem Übenden gegenüber zufrieden
dhyāna-homa-arcana-ādinā
durch Meditation, Opfer, Verehrung usw.

uccairjapādviśiṣṭaḥ syādupāṃśurdaśabhirguṇaiḥ / jihvājape śataguṇaḥ sahasro mānasaḥ smṛtaḥ //

Die geflüsterte (upāṃśu) [Rezitation] ist zehnfach besser als die laute; die Zungen-Rezitation [gilt als] hundertfach, die geistige als tausendfach.

Wort für Wort
uccaiḥ japāt
als die laute Rezitation
viśiṣṭaḥ
vorzüglicher
upāṃśuḥ daśabhiḥ guṇaiḥ
das Flüstern um das Zehnfache
jihvā-jape śata-guṇaḥ
bei Zungen-Rezitation hundertfach
mānasaḥ sahasraḥ
die geistige tausendfach

prāṅmukho 'vāṅmukho vāpi mantrakarma samārabhet / praṇavādyāḥ sarvamantrā vāgyato vihitāśanaḥ //

Nach Osten oder nach Norden [?] gewandt beginne man das Mantra-Werk. Alle Mantras beginnen mit dem Praṇava [Anm.: oṃ]; mit gezügelter Rede und vorgeschriebener Nahrung

Wort für Wort
prāṅmukhaḥ
nach Osten gewandt
avāṅmukhaḥ
nach unten/Norden [?] gewandt
mantra-karma samārabhet
beginne das Mantra-Werk
praṇava-ādyāḥ
mit oṃ beginnend
vāgyataḥ vihita-aśanaḥ
schweigend, vorgeschriebene Nahrung essend

avāṅmukha heißt eigentlich „nach unten/Süden gewandt“; vermutlich für udaṅmukha „nach Norden“.

āsīnastu japenmantrāndevatācāryatulyadṛk / kuṭīviviktā deśāḥ syurdevālayanadīhradāḥ //

rezitiere man sitzend die Mantras und betrachte Gottheit und Lehrer als gleich. Die Orte sollen eine abgeschiedene Hütte, ein Tempel, ein Fluss oder ein See sein.

Wort für Wort
āsīnaḥ japet
sitzend rezitiere man
devatā-ācārya-tulya-dṛk
Gottheit und Lehrer gleich ansehend
kuṭī viviktā
abgeschiedene Hütte
deva-ālaya
Tempel
nadī-hradāḥ
Flüsse und Seen

siddhau yavāgūpūpair vā payo bhakṣyaṃ haviṣyakam / mantrasya devatā tāvat tithivāreṣu vai japet //

Zur Vollendung [isst man] Gerstenschleim oder Kuchen, [oder] Milch – opferreine Speise. [Die Gottheit] des Mantras rezitiere man an deren Mondtagen und Wochentagen,

Wort für Wort
siddhau
zur Vollendung
yavāgū-apūpaiḥ
mit Gerstenschleim und Kuchen
payaḥ bhakṣyam haviṣyakam
Milch, opferreine Speise
mantrasya devatā
die Gottheit des Mantras
tithi-vāreṣu japet
an Mondtagen und Wochentagen rezitiere man

kṛṣṇāṣṭamīcaturdaśyorgrahaṇādau ca sādhakaḥ / dasro yamo 'nalo dhātā śaśī rudro gururditiḥ //

[ferner] der Übende am achten und vierzehnten Tag der dunklen Monatshälfte, bei Finsternissen usw. [Die Gottheiten der Mondhäuser sind:] Dasra [Anm.: die Aśvins], Yama, Anala [Anm.: Agni], Dhātṛ, der Mond, Rudra, Guru [Anm.: Bṛhaspati], Aditi,

Wort für Wort
kṛṣṇa-aṣṭamī-caturdaśyoḥ
am 8. und 14. der dunklen Hälfte
grahaṇa-ādau
bei Finsternissen usw.
dasraḥ yamaḥ analaḥ
Dasra, Yama, Agni
dhātā śaśī rudraḥ
Dhātṛ, Mond, Rudra
guruḥ aditiḥ
Bṛhaspati, Aditi

Die Reihenfolge Guru–Aditi weicht von der üblichen (Aditi–Bṛhaspati) ab.

sarpāḥ pitaro 'tha bhago 'ryamā śotetaradyutiḥ / tvaṣṭā maruta indrāgnī mitrendrau nirṛtirjalam //

die Schlangen, die Väter, Bhaga, Aryaman, der mit nicht-kühlem Glanz [Anm.: die Sonne, Savitṛ], Tvaṣṭṛ, der Wind (Marut), Indra-Agni, Mitra, Indra, Nirṛti, das Wasser,

Wort für Wort
sarpāḥ pitaraḥ
Schlangen, Väter
bhagaḥ aryamā
Bhaga, Aryaman
śīta-itara-dyutiḥ
der mit nicht-kühlem Glanz (Sonne)
indra-agnī
Indra und Agni
nirṛtiḥ jalam
Nirṛti, Wasser

śotetaradyutiḥ für śītetaradyutiḥ „dessen Glanz nicht kalt ist“ = Sonne.

viśvedevā hṛṣīkeśo vāyavaḥ salilādhipaḥ / ajaikapādahirvradhnaḥ pūṣāśvinyādidevatāḥ //

die Viśvedevas, Hṛṣīkeśa, die Vasus, der Herr der Wasser [Anm.: Varuṇa], Aja Ekapād, Ahirbudhnya, Pūṣan – [das sind] die Gottheiten von Aśvinī usw.

Wort für Wort
viśvedevāḥ
die Viśvedevas
hṛṣīkeśaḥ
Hṛṣīkeśa (Viṣṇu)
salila-adhipaḥ
Herr der Wasser
aja-ekapād ahirbudhnyaḥ
Aja Ekapād, Ahirbudhnya
aśvinī-ādi-devatāḥ
Gottheiten von Aśvinī usw.

vāyavaḥ wohl für vasavaḥ (Gottheiten von Dhaniṣṭhā); °hirvradhnaḥ für °hirbudhnyaḥ.

agnidasrāvumā nighno nāgaś candro divākaraḥ / mātṛdurgā diśāmīśaḥ kṛṣṇo vaivasvataḥ śivaḥ //

[Die Gottheiten der Mondtage sind:] Agni, Dasra, Umā, Vighna [Anm.: Gaṇeśa], der Nāga, der Mond, die Sonne, die Mütter, Durgā, der Herr der Himmelsrichtungen, Kṛṣṇa, Vaivasvata [Anm.: Yama], Śiva,

Wort für Wort
agni-dasrau umā
Agni, Dasra, Umā
vighnaḥ nāgaḥ
Gaṇeśa, der Nāga
candraḥ divākaraḥ
Mond, Sonne
mātṛ-durgā
die Mütter, Durgā
diśām īśaḥ
Herr der Himmelsrichtungen

nighno wohl für vighnaḥ.

pañcadaśyāḥ śaśāṅkastu pitarastithidevatāḥ / haro durgā gururviṣṇurbrahmā lakṣmīrdhaneśvaraḥ //

für den fünfzehnten (Vollmond) der Mond und [für den Neumond] die Väter – [das sind] die Gottheiten der Mondtage. Hara, Durgā, Guru, Viṣṇu, Brahmā, Lakṣmī und der Herr des Reichtums [Anm.: Kubera] –

Wort für Wort
pañcadaśyāḥ śaśāṅkaḥ
für den Fünfzehnten der Mond
pitaraḥ
die Väter
tithi-devatāḥ
Gottheiten der Mondtage
haraḥ durgā guruḥ
Hara, Durgā, Guru
dhana-īśvaraḥ
Herr des Reichtums

ete suryādivāreśā lipinyāso 'tha kathyate / keśānteṣu ca vṛtteṣu cakṣuṣoḥ śravaṇadvaye //

diese sind die Herren von Sonntag usw. Nun wird die Auflegung der Buchstaben (lipinyāsa) beschrieben: auf den Haaransatz, auf das Rund [des Gesichts], auf die Augen, auf die beiden Ohren,

Wort für Wort
sūrya-ādi-vāra-īśāḥ
Herren von Sonntag usw.
lipi-nyāsaḥ kathyate
die Buchstabenauflegung wird beschrieben
keśa-anteṣu
auf den Haaransatz
cakṣuṣoḥ
auf die Augen
śravaṇa-dvaye
auf die beiden Ohren

nāsāgaṇḍauṣṭhadantānāṃ dve dve mūrdhasyayoḥ kramāt / varṇān pañcasuvargānāṃ bāhucaraṇasandhiṣu //

[auf] Nase, Wangen, Lippen und Zähne je zwei, [dann] der Reihe nach auf Scheitel und Mund; die Buchstaben der fünf Klassen [legt man] auf die Gelenke von Armen und Füßen,

Wort für Wort
nāsā-gaṇḍa-oṣṭha-dantānām
auf Nase, Wangen, Lippen, Zähne
dve dve
je zwei
mūrdha-āsyayoḥ
auf Scheitel und Mund
pañca-su-vargāṇām varṇān
die Buchstaben der fünf Klassen
bāhu-caraṇa-sandhiṣu
auf die Gelenke von Armen und Füßen

mūrdhasyayoḥ für mūrdhāsyayoḥ.

pārśvayoḥ pṛṣṭhato nābhau hṛdaye ca kramānnyaset / yādīṃś ca hṛdaye nyasyedeṣāṃ syuḥ saptadhātavaḥ //

auf die Seiten, den Rücken, den Nabel und das Herz lege man sie der Reihe nach; auch ya usw. lege man auf das Herz; diesen [Buchstaben] entsprechen die sieben Körperbestandteile (dhātu):

Wort für Wort
pārśvayoḥ pṛṣṭhataḥ
auf die Seiten, den Rücken
nābhau hṛdaye
auf Nabel und Herz
kramāt nyaset
lege der Reihe nach
ya-ādīn
ya usw.
sapta-dhātavaḥ
die sieben Körperbestandteile

tvagasṛṅmāṃsakasnāyumedomajjāśukrāṇi dhātavaḥ / vasāḥ payo vāsako likhyante caiva lipīśvarāḥ //

Haut, Blut, Fleisch, Sehne, Fett, Mark und Samen sind die Körperbestandteile. … [?] Und es werden die Herren der Buchstaben (lipīśvara) aufgezählt:

Wort für Wort
tvak asṛk māṃsa
Haut, Blut, Fleisch
snāyu medaḥ
Sehne, Fett
majjā śukrāṇi
Mark, Samen
likhyante
werden aufgeschrieben (aufgezählt)
lipi-īśvarāḥ
die Herren der Buchstaben

vasāḥ payo vāsako ist verderbt und unübersetzt gelassen.

śrīkaṇṭho 'nantasūkṣmau ca trimūrtiramareśvaraḥ / agnīśo bhāvabhūtiś ca tithīśaḥ sthānuko haraḥ //

Śrīkaṇṭha, Ananta und Sūkṣma, Trimūrti, Amareśvara, Agnīśa [?], Bhāvabhūti, Tithīśa, Sthāṇuka, Hara,

Wort für Wort
śrīkaṇṭhaḥ
Śrīkaṇṭha
ananta-sūkṣmau
Ananta und Sūkṣma
trimūrtiḥ amareśvaraḥ
Trimūrti, Amareśvara
bhāvabhūtiḥ tithīśaḥ
Bhāvabhūti, Tithīśa
sthāṇukaḥ haraḥ
Sthāṇuka, Hara

Agnīśa steht wohl für Arghīśa der üblichen Rudra-Liste; sthānuko für sthāṇukaḥ.

daṇḍīśo bhautikaḥ sadyojātaścānugraheśvaraḥ / akrūraś ca mahāsenaḥ śaraṇyā devatā amūḥ //

Daṇḍīśa, Bhautika, Sadyojāta und Anugraheśvara, Akrūra und Mahāsena – diese sind die Schutz gewährenden Gottheiten.

Wort für Wort
daṇḍīśaḥ bhautikaḥ
Daṇḍīśa, Bhautika
sadyojātaḥ
Sadyojāta
anugraheśvaraḥ
Anugraheśvara
akrūraḥ mahāsenaḥ
Akrūra, Mahāsena
śaraṇyāḥ devatāḥ amūḥ
diese sind Schutz gewährende Gottheiten

tataḥ krodhīśattaṇḍau ca pañcāntakaśivottamau / tathaiva rudrakūrmau ca trinetrau caturānanaḥ //

Dann Krodhīśa und Caṇḍa, Pañcāntaka und Śivottama, ebenso Rudra und Kūrma, Trinetra, Caturānana,

Wort für Wort
krodhīśa-caṇḍau
Krodhīśa und Caṇḍa
pañcāntaka-śivottamau
Pañcāntaka und Śivottama
rudra-kūrmau
Rudra und Kūrma
trinetraḥ
Trinetra
caturānanaḥ
Caturānana

krodhīśattaṇḍau wohl für krodhīśacaṇḍau; trinetrau (Dual) unklar.

ajeśaḥ śarmasoneśau tathā lāṅgalidārukau / ardhanārīśvaraścomā kāntaścāṣāḍhidaṇḍinau //

Ajeśa, Śarma und Someśa, ebenso Lāṅgalin und Dāruka, Ardhanārīśvara, Umākānta, Āṣāḍhin und Daṇḍin,

Wort für Wort
ajeśaḥ
Ajeśa
śarma-someśau
Śarma und Someśa
lāṅgali-dārukau
Lāṅgalin und Dāruka
ardhanārīśvaraḥ
Ardhanārīśvara
umā-kāntaḥ
Umākānta

śarmasoneśau wohl für śarmasomeśau; ardhanārīśvaraścomā kāntaś ca als Ardhanārīśvara, Umākānta gelesen.

atrirmonaś ca meṣaś ca lohitaś ca śikhī tathā / chagalaṇḍadviraṇḍau dvau samahākālavālinau //

Atri, Mīna, Meṣa, Lohita und ebenso Śikhin, die beiden Chagalaṇḍa und Dviraṇḍa, samt Mahākāla und Vālin,

Wort für Wort
atriḥ mīnaḥ meṣaḥ
Atri, Mīna, Meṣa
lohitaḥ śikhī
Lohita, Śikhin
chagalaṇḍa-dviraṇḍau
Chagalaṇḍa und Dviraṇḍa
mahākāla-vālinau
Mahākāla und Vālin

monaś für mīnaś.

bhujaṅgaś ca pinākī ca khaḍgīśaś ca vakaḥ punaḥ / śveto bhṛgurlaguḍīśākṣaś ca sambartakaḥ smṛtaḥ //

Bhujaṅga und Pinākin, Khaḍgīśa und ferner Baka, Śveta, Bhṛgu, Laguḍīśa, Akṣa [?] und Saṃvartaka werden genannt.

Wort für Wort
bhujaṅgaḥ pinākī
Bhujaṅga, Pinākin
khaḍgīśaḥ bakaḥ
Khaḍgīśa, Baka
śvetaḥ bhṛguḥ
Śveta, Bhṛgu
laguḍīśaḥ
Laguḍīśa
saṃvartakaḥ smṛtaḥ
Saṃvartaka wird genannt

vakaḥ für bakaḥ, sambartakaḥ für saṃvartakaḥ; laguḍīśākṣaś unsicher getrennt.

rudrātmaśaktān likhyādīn namontān vinyaset kramāt / aṅgāni vinyasetsarve mantrāḥ sāṅgāstu siddhidāḥ //

Diese Rudras, mit ihren Śaktis verbunden, lege man der Reihe nach auf, [jeweils] auf namaḥ endend [?]. Man lege die Glieder (aṅga) auf; alle Mantras, [die] mit ihren Gliedern [versehen sind], gewähren Erfolg.

Wort für Wort
rudra-ātma-śaktān
die Rudras mit ihren Śaktis
namaḥ-antān
auf namaḥ endend
vinyaset kramāt
lege der Reihe nach auf
aṅgāni vinyaset
lege die Glieder auf
sa-aṅgāḥ siddhi-dāḥ
mit Gliedern Erfolg gebend

likhyādīn unklar.

hṛllekhāvyomasapūrvāṇyetānyaṅgāni vinyaset / hṛdādīnyaṅgamantrāntair yo japeddhṛdaye namaḥ //

Man lege diese Glieder auf, jeweils mit Hṛllekhā [Anm.: hrīṃ] und Vyoma [Anm.: ha] vorangestellt; mit den Endungen der Glieder-Mantras [gilt]: wer auf das Herz rezitiert: namaḥ,

Wort für Wort
hṛllekhā-vyoma
hrīṃ und ha
sa-pūrvāṇi
vorangestellt
aṅgāni vinyaset
lege die Glieder auf
hṛd-ādīni
Herz usw.
hṛdaye namaḥ
auf das Herz namaḥ

svāhā śirasyatha vaṣaṭśikhāyāṃ kavace c hūṃ / vauṣat netre 'strāya phaṭasyāt pañcāṅgaṃ netravarjitam //

auf den Kopf svāhā, auf die Haarlocke vaṣaṭ, auf den Panzer hūṃ, auf die Augen vauṣaṭ, für die Waffe phaṭ; der fünfgliedrige [Nyāsa] ist der ohne die Augen.

Wort für Wort
svāhā śirasi
svāhā auf den Kopf
vaṣaṭ śikhāyām
vaṣaṭ auf die Haarlocke
kavace hūṃ
hūṃ auf den Panzer
astrāya phaṭ
phaṭ für die Waffe
pañca-aṅgam netra-varjitam
fünfgliedrig: ohne die Augen

c hūṃ für ca hūṃ; vauṣat für vauṣaṭ.

niraṅgasyātmanā cāṅgaṃ nyasyemānniyutaṃ japet / kramābhyāṃ devīṃ vāgīśīṃ yathoktāṃstu tilān hunet //

Bei einem Mantra ohne Glieder lege man die Glieder mit ihm selbst auf. Diese [Buchstaben] rezitiere man hunderttausendmal [?]; … [?] der Göttin Vāgīśī opfere man, wie angegeben, Sesamkörner.

Wort für Wort
niraṅgasya
bei einem Mantra ohne Glieder
ātmanā aṅgam nyaset
lege die Glieder mit ihm selbst auf
niyutam japet
rezitiere hunderttausendmal
devīm vāgīśīm
die Göttin Vāgīśī (Herrin der Rede)
tilān hunet
opfere Sesam

niyutaṃ kann 100 000 oder eine Million bedeuten; kramābhyāṃ unklar.

lipidevī sākṣasūtrakumbhapustakapadmadhṛk / kavitvādi prayaccheta karmādau siddhaye nyaset / niṣkavirnirmalaḥ sarve mantrāḥsidhyanti mātṛbhiḥ //

Die Buchstaben-Göttin, die Rosenkranz, Wasserkrug, Buch und Lotus trägt, gewährt dichterische Fähigkeit usw.; man lege sie zu Beginn der Riten zur Vollendung auf. [Selbst] ein Nicht-Dichter wird fleckenlos [?]; alle Mantras gelangen durch die Mütter [Anm.: die Mātṛkā-Buchstaben] zur Vollendung.“

Wort für Wort
lipi-devī
die Buchstaben-Göttin
sa-akṣasūtra-kumbha-pustaka-padma-dhṛk
Rosenkranz, Krug, Buch und Lotus tragend
kavitva-ādi prayacchet
gewährt Dichtkunst usw.
karma-ādau nyaset
lege man zu Beginn der Riten auf
mātṛbhiḥ sidhyanti
gelangen durch die Mātṛkās zur Vollendung

Drei Halbverse. niṣkavirnirmalaḥ unsicher.

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