Ablauf der Gayā-Pilgerfahrt: Vorbereitung, Lobpreis des Śrāddha in Gayā und ein Tag-für-Tag-Programm (Uttara- und Dakṣiṇamānasa, Phalgutīrtha, Dharmāraṇya/Mataṅga, Brahmasaras, Gayāśiras mit den Padas, Gadālola, Akṣayavaṭa) mit den zu sprechenden Formeln. Eingeschoben sind die Beispielgeschichten von Viśāla und vom Pretakönig. Kopftitel 'gayāyātrāvidhiḥ', Kolophon 'gayāmāhātmye gayayātrā'; zahlreiche Digitalisierungsfehler, V. 39 hat sechs Pādas.
Agni sprach: Wenn man sich anschickt, nach Gayā zu reisen, soll man vorschriftsgemäß ein Śrāddha [Anm.: Ahnenopfer] vollziehen, die Tracht eines Pilgers anlegen, das Dorf rechts umwandeln
Wort für Wort
udyataḥ
sich anschickend
gayām yātum
nach Gayā zu gehen
vidhānataḥ
vorschriftsgemäß
kārpaṭī-veśam
Pilgertracht
grāmasya pradakṣiṇam
Rechtsumwandlung des Dorfes
kārpaṭī: der in Lumpen (karpaṭa) gekleidete Pilger.
kṛtvā pratidinaṅgacchet saṃyataścāpratigrahī / gṛhāccalitamātrasya gayayā gamanaṃ prati //
und dann Tag für Tag [weiter]gehen, gezügelt und ohne Gaben anzunehmen. Für den, der zum Aufbruch nach Gayā eben nur das Haus verlassen hat, [entsteht]
„Selbst wenn er das Wasser [nur] mit den Füßen berührt – was sollte er uns nicht geben?“ Brahman-Erkenntnis, Śrāddha in Gayā, ebenso Sterben im Kuhstall
na kālādirgayātīrthe dadyāt piṇḍāṃś ca nityaśaḥ / pakṣatrayanivāsī ca punātyāsaptatamaṃ kulaṃ //
Am Tīrtha Gayā gibt es keine [Beschränkung nach] Zeit usw.; man soll allzeit Piṇḍas [Anm.: Kloßspenden für die Ahnen] geben. Wer drei Halbmonate [dort] wohnt, reinigt das Geschlecht bis ins siebte Glied.
aṣṭakāsu ca vṛddhauca gayāyāṃ mṛtavāsare / atra mātuḥ pṛthak śrāddhamanyatra patinā saha //
An den Aṣṭakā-Tagen, bei freudigen Anlässen und in Gayā am Todestag [ist Śrāddha zu vollziehen]; hier [in Gayā] ist für die Mutter ein gesondertes Śrāddha [darzubringen], anderswo [nur] zusammen mit dem Gatten.
Wort für Wort
aṣṭakāsu
an den Aṣṭakā-Tagen
vṛddhau
bei freudigem Anlass
mṛta-vāsare
am Todestag
mātuḥ pṛthak śrāddham
gesondertes Śrāddha für die Mutter
patinā saha
zusammen mit dem Gatten
vṛddhauca = vṛddhau ca (vṛddhi-śrāddha bei glücklichen Familienereignissen).
pitrādinavadaityaṃ tathā dvādaśadaivataṃ / prathame divase snāyāttīrthe hy uttaramānase //
[Man vollziehe das Śrāddha] für die neun Gottheiten, Vater usw., und ebenso für die zwölf Gottheiten. Am ersten Tag soll man im Tīrtha Uttaramānasa baden.
Im heiligen Uttaramānasa soll man zur Mehrung von Lebensdauer und Gesundheit, zur Beseitigung der ganzen Flut von Sünden [und] zur Erlösung das Bad nehmen.
Nachdem man die Götter, Väter usw. mit Wasserspenden gesättigt hat, vollziehe man das Śrāddha und gebe Piṇḍas: „Die Götter im Himmel, im Luftraum und auf der Erde sättige ich.“
ihnen und anderen gebe ich diese Piṇḍas zur Errettung. Oṃ, Verehrung dem Gott Sūrya, der die Gestalt von Soma, Bhauma [Anm.: Mars] und Jña [Anm.: Merkur] hat,
die Gestalt von Jīva [Anm.: Jupiter], Śukra [Anm.: Venus], Śanaiścara [Anm.: Saturn], Rāhu und Ketu hat.“ Wer im Uttaramānasa gebadet hat, rettet das ganze Geschlecht.
da ich nach Gayā gekommen bin, mögen alle meine Väter in den Himmel gehen.“ Nachdem man dann Śrāddha und Piṇḍa vollzogen und sich vor Sūrya verneigt hat, spreche man dies:
oṃ namo bhānave bhartre bhavāya bhava me vibho / bhuktimuktipradaḥ sarvapitṝṇāṃ bhavabhāvitaḥ //
„Oṃ, Verehrung Bhānu, dem Erhalter, zum Wohlergehen! Sei mir [gnädig], o Mächtiger, der du Genuss und Erlösung allen Vätern gewährst, von den Wesen verehrt [?].“
Weil in ihm Glück, Kuh oder Wunschkuh, Wasser, Erde, Augenweide und anderes Frucht tragen, heißt es Phalgutīrtha – [und ist doch] nicht geringwertig [Anm.: Wortspiel mit phalati 'trägt Frucht' und phalgu 'wertlos'].
Wer im Phalgutīrtha, dem König der Tīrthas, ehrfürchtig badet, [tut es] zur Erlangung der Brahmā-Welt für die Väter und zu Genuss und Erlösung für sich selbst.
Nachdem er gebadet, Śrāddha vollzogen und Piṇḍas gegeben hat, verneige er sich vor dem Gott Pitāmaha: „Im Kali-Zeitalter sind die Menschen Verehrer Maheśvaras; hier ist der Gott Gadādhara,
Am zweiten Tag [gehe man] in den Dharmāraṇya, zur vorzüglichen Einsiedelei des Mataṅga; nachdem man im Mataṅga-Teich gebadet hat, vollziehe man Śrāddha und gebe Piṇḍas.
Von mir, der ich zu diesem Mataṅga gekommen bin, ist die Entsühnung der Väter vollzogen.“ Bad, Wasserspende, Śrāddha usw. [vollziehe man] dann im Brahmatīrtha und am Brunnen.
Das Śrāddha zwischen diesem Brunnen und dem Opferpfosten [dient] zur Errettung von hundert Geschlechtern. Wer sich vor dem Mahābodhi-Baum verneigt, wird rechtschaffen und hat teil an der Himmelswelt.
für die Väter zur Brahmā-Welt, [in diesem] von Scharen von Brahmarṣis besuchten [Tīrtha].“ Nach der Wasserspende soll der Śrāddha-Vollzieher den Piṇḍa geben und die Besprengung [vollziehen]; und wer [die Frucht des] Vājapeya wünscht, soll den Opferpfosten Brahmās rechts umwandeln.
„Ein Muni, Krug und Kuśa-Spitzen in der Hand, gießt Wasser an die Wurzel des Mangobaums: Die Mangobäume sind begossen und die Väter gesättigt – eine einzige Handlung, bekannt als zweifach wirksam.“
Und wer sich vor Brahmā verneigt, rettet hundert Geschlechter. Am vierten Tag [vollziehe man] nach dem Bad im Phalgutīrtha die Wasserspende an Götter usw.,
Auf Muṇḍapṛṣṭha ist leibhaftig der Kopf [des Gaya]; darum wird es Gayāśiras genannt. Leibhaftig ist dort Gayāśiras; [dort] ist die Einsiedelei des Phalgu-Tīrtha angelegt.
amṛtaṃ tatra vahati pitṝṇāndattamakṣayaṃ / snātvā daśāśvamedhe tu dṛṣṭvā devaṃ pitāmahaṃ //
Dort fließt Amṛta [Anm.: Unsterblichkeitstrank]; was den Vätern [dort] gegeben wird, ist unvergänglich. Wer in Daśāśvamedha gebadet, den Gott Pitāmaha gesehen
und den Rudrapada [Anm.: Fußspur Rudras] berührt hat, der Mensch wird hier nicht wieder geboren. Wer auf dem Gayāśiras einen Piṇḍa von der Größe eines Śamī-Blattes gegeben hat,
[durch den] gehen die in der Hölle Befindlichen in den Himmel, und die im Himmel Befindlichen erlangen die Erlösung. Mit Milchreis, mit Mehl, mit Grütze und ebenso mit Opferbrei,
Ebenso bewirkt, wer auf dem Viṣṇupada Śrāddha und Piṇḍa gibt, die Befreiung von den Schulden; der Mensch rettet hundert Geschlechter der Väter usw. und sich selbst.
Ebenso führt der Śrāddha-Vollzieher auf dem Brahmapada die Väter in die Brahmā-Welt; ebenso auf dem Pada des Dakṣiṇa-Feuers, ebenso auf dem Pada des Gārhapatya-Feuers;
pade vāhavanīyasya śrāddhī yajñaphalaṃ labhet / āvasathyasya candrasya sūryasya ca gaṇasya ca //
auf dem Pada des Āhavanīya-Feuers erlangt der Śrāddha-Vollzieher die Frucht eines Opfers; [auf den Padas] des Āvasathya-Feuers, des Mondes, der Sonne und des Gaṇa,
des Agastya und des Kārttikeya rettet der Śrāddha-Vollzieher das Geschlecht. Nachdem er sich vor dem Wagen des Āditya verneigt hat, verneige sich der Mensch vor Karṇāditya.
Nachdem er sich vor dem Kanakeśa-Pada verneigt hat, verneige er sich vor Gayākedāraka; von allen Sünden befreit, führt er die Väter in die Stadt Brahmās.
mama raktaḥ pitā putra kṛṣṇaś caiva pitāmahaḥ / abravīt narakaṃ prāptā tvayā muktīkṛtā vayaṃ //
Mein Vater, o Sohn, ist der Rote, und der Schwarze [mein] Großvater.“ Er sprach [weiter]: „Wir waren in die Hölle gelangt; von dir sind wir befreit worden.
Durch die Piṇḍa-Spende gehen wir in die Brahmā-Welt“ – [mit diesen Worten] gingen sie. Viśāla, der Söhne und anderes erlangt hatte, gelangte, nachdem er die Herrschaft ausgeübt hatte, zu Hari.
pretarājaḥ svamuktyai ca vaṇijañcedamabravīt / pretaiḥ sarvaiḥ sahārtaḥ san sukṛtaṃ bhujyate phalaṃ //
Und ein König der Pretas [Anm.: Totengeister] sprach um seiner eigenen Befreiung willen zu einem Kaufmann dies: „Obwohl ich mit allen Pretas zusammen leide, wird [von mir doch] die Frucht einer guten Tat genossen:
śravaṇadvādaśīyoge kumbhaḥ sānnaś ca sodakaḥ / dattaḥ purā sa madhyāhne jīvanāyopatiṣṭhate //
Ein Krug mit Speise und mit Wasser, einst von mir bei der Verbindung von Śravaṇa [Anm.: Mondhaus] und dem zwölften Mondtag gegeben, der steht mir [täglich] am Mittag zum Leben bereit.
Der König der Pretas wurde samt den Pretas befreit und in Haris Stadt geführt. Durch Piṇḍa-Spende auf dem Gayāśīrṣa [rettet man] sich selbst und ebenso seine Väter.
pitṛvaṃśe sutā ye ca mātṛvaṃśe tathaiva ca / guruśvaśurabandhūnāṃ ye cānye bāndhavā mṛtāḥ //
[Man spreche:] „Die im Geschlecht des Vaters und ebenso im Geschlecht der Mutter Geborenen, die verstorbenen Angehörigen von Lehrer, Schwiegervater und Verwandten und die anderen [verstorbenen] Verwandten,
ye me kule luptapiṇḍāḥ putradāravivarjitāḥ / kriyālopagatā ye ca jātyandhāḥ puṅgavas tathā //
die in meinem Geschlecht, denen die Piṇḍas ausgefallen sind, die ohne Sohn und Gattin sind, die vom Ausfall der Riten betroffen sind, die Blindgeborenen und ebenso die Lahmen,
virūpā āmagarbhā ye jñātājñātāḥ kule mama / teṣāṃ piṇḍo mayā datto hy akṣayyamupatiṣṭhatāṃ //
die Missgestalteten, die Fehlgeburten, die Bekannten und Unbekannten in meinem Geschlecht – ihnen möge der von mir gegebene Piṇḍa unvergänglich zuteil werden.
piṇḍo deyastu sarvebhyaḥ sarvair vai kulatārakaiḥ / ātmanastu tathā deyo hy akṣayaṃ lokamicchatā //
Ein Piṇḍa soll für alle gegeben werden von allen, die ihr Geschlecht retten; ebenso soll ihn für sich selbst geben, wer eine unvergängliche Welt wünscht.
snānaṃ karāmi saṃsāragadaśāntyai janārdana / namo 'kṣayavaṭāyaiva akṣayasvargadāyine //
„Ich bade, o Janārdana, zur Heilung von der Krankheit des Saṃsāra.“ [Dann:] „Verehrung dem Akṣayavaṭa [Anm.: 'unvergänglicher Banyanbaum'], der unvergänglichen Himmel gewährt,
Wort für Wort
snānam karomi
ich bade
saṃsāra-gada-śāntyai
zur Heilung der Saṃsāra-Krankheit
akṣaya-vaṭāya
dem unvergänglichen Banyan
akṣaya-svarga-dāyine
unvergänglichen Himmel gebend
karāmi: lies karomi. Wortspiel gadā 'Keule' / gada 'Krankheit'.
Wird [dort] ein einziger Brahmane gespeist, so ist eine Koṭi gespeist; wie viel mehr, wenn viele gegessen haben! Was den Vätern gegeben wird, ist unvergänglich.
Wer in Gayā Speise spendet, durch den haben die Väter einen [wahren] Sohn. Nachdem man sich vor dem Banyan und vor Vaṭeśvara verneigt hat, verehre man den Prapitāmaha [Anm.: 'Urgroßvater', wohl Beiname Brahmās].
Man erlangt unvergängliche Welten und rettet hundert Geschlechter. Ob in der [vorgeschriebenen] Reihenfolge oder nicht – die Pilgerfahrt nach Gayā bringt große Frucht.