Kapitel 78: pavitrārohaṇakathanam
Darlegung der Pavitra-Darbringung (Vorbereitung und Einweihung der Pavitras)
Beginn der Darstellung des Pavitrārohaṇa: Zeiten, Material, Fadenzahlen, Maße und Knotennamen der Pavitras, dann die Vorbereitungen am Vorabend (adhivāsana) mit Türverehrung, Aufstellung von Krug und Vardhanī, Gaben in die Himmelsrichtungen, Weihe der Pavitras, Einladung Śivas und Nachtwache. Kopftitel pavitrārohaṇakathanaṃ, Kolophon pavitrādhivāsanavidhiḥ. Die Digitalisierung enthält viele Tippfehler (z.B. pūrvitrāṇi, puptake, darṣyā); V. 39-43 sind in der Zuordnung unklar.
Īśvara sprach: Die Darbringung der Pavitras (geweihten Fadenkränze) werde ich verkünden, die Vervollständigung bei Riten, Verehrung usw. Als ständige [Pflicht] ist sie als ständig verordnet; eine andere [Form] ist gelegentlich (naimittika).
āṣāḍhādicaturdaśyāmatha śrāvaṇabhādrayoḥ / sitāsitāsu kartavyaṃ caturdaśyaṣṭamīṣu tat //
Am vierzehnten Mondtag [der Monate] von Āṣāḍha an, oder in Śrāvaṇa und Bhādrapada, in den hellen und dunklen [Monatshälften], ist sie am Vierzehnten und am Achten zu vollziehen.
Oder man vollziehe sie bis zum [Vollmond des] Kārttika. Am Mondtag, beginnend mit dem ersten, [gehört sie] Agni, Brahmā, Ambikā, dem Elefantengesichtigen (Gaṇeśa), dem Nāga, Skanda, der Sonne, dem Dreizackträger (Śiva),
Durgā, Yama, Indra, Govinda, Smara (Kāma), Śambhu und den Nektaressern [?]. [Das Pavitra ist] aus Gold, Silber [bzw.] Kupfer in [den Zeitaltern] Kṛta usw. der Reihe nach,
Wort für Wort
smara
Kāma
sudhābhujām
der Nektaresser [?]
sauvarṇam rājatam tāmram
golden, silbern, kupfern
kṛtādiṣu
in Kṛta usw.
yathākramam
der Reihe nach
sudhābhujām (Nektaresser) bezeichnet wohl die Gottheit des 15. Mondtages; unsicher.
der Allherr und alle Götter mögen der Reihe nach in den neun Fäden [wohnen]. Hundertacht, die Hälfte und deren Hälfte [an Fäden ergeben] die beste [Sorte] usw.
dvādaśāṅgulamānāni vyāsādaṣṭāṅgulāni ca / liṅgavistāramānāni caturaṅgulakāni vā //
[Es gibt Pavitras] mit Längen von zwölf Fingerbreit, und im Durchmesser acht Fingerbreit, oder mit Maßen nach der Breite des Liṅga, oder von vier Fingerbreit.
ebenso eines, das die Piṇḍikā (den Liṅga-Sockel) berührt; das vierte [gehört] allen Gottheiten; das „Gaṅgā-Herabkunft“ genannte ist zu machen. Mit dem Sadyojāta [sei es] gut gewaschen,
Oder es ist ein Pavitra für Mond, Feuer und Sonne zu machen, [und eines] wie für Śiva im Herzen; je eines an der eigenen Gestalt, oder am Buch, am Lehrer [und] an der Schar;
[mit Knoten] von achtundzwanzig an, der Reihe nach um je zehn vermehrt; die Knoten haben darin zwei Fingerbreit Innenraum [und] der Reihe nach einen Fingerbreit Abstand;
am Abend das Opferhaus mit Blumen, Kleidern usw. Nachdem er die gelegentliche Dämmerungsandacht und besonders die Wasserspende (tarpaṇa) vollzogen hat,
verehre er auf einem [dafür] eingenommenen, reinen Stück Boden die Sonne. Nachdem er den Mund gespült und sich ganz gemacht hat (sakalīkaraṇa), [nimmt] der Lehrer Arghya mit Oṃ in die Hand,
besprengt die Türen mit dem Astra und verehrt sie der Reihe nach von Osten an: „Hāṃ, der Tür der Śāntikalā“, ebenso „dem aus der Vidyākalā Bestehenden“,
Auch täglich [verehre er] die Torhüter usw.; nachdem er eingetreten ist, westlich der Tür den Vāstu verehrt und die Reinigung der Elemente (bhūtaśuddhi) vollzogen hat, [ist er,] das besondere Arghya in der Hand, [selbst] Śiva;
prokṣaṇādyaṃ vidhāyātha yajñasambhārakṛnnaraḥ / mantrayeddarbhadūrvādyaiḥ puṣpādyaiś ca hṛdādibhiḥ //
nachdem er dann das Besprengen usw. vollzogen hat, bespreche der Mann, der die Opfergeräte bereitstellt, [diese] mit Darbha, Dūrvā usw., mit Blumen usw. und mit dem Herz[-Mantra] usw.
śivahastaṃ vidhāyetthaṃ svaśirasyadhiropayet / śivo 'hamādiḥ sarvajño mama yajñapradhānatā //
Nachdem er so die Śiva-Hand bereitet hat, lege er sie auf sein eigenes Haupt: „Ich bin Śiva, der Uranfängliche, der Allwissende; mir gebührt der Vorrang beim Opfer“ –
[so] stelle sich der Lehrer, das Schwert des Wissens in der Hand, den Gott eindringlich vor. In die südwestliche Richtung gegangen, werfe er nach Norden gewandt
das Arghya-Wasser und die fünf Kuhprodukte in der ganzen Opferhalle umher. Mit den Streukörnern, die durch die Weihen bis zum Wegkreuz, durch Blicken usw. wohlgeweiht sind –
nachdem er das Streugut dort verstreut hat, fege er es mit einem Kuśa-Büschel zusammen; es bestimme er im Nordosten an der Vardhanī (dem Wasserkrug) zum Sitz.
[verehre er] mit Oṃ als auf dem Stier reitend, dann die Vardhanī als auf dem Löwen stehend; im Krug verehre er den Gott Śiva mit seinen Gliedern, [und ebenso] in der Vardhanī.
lasse der Mantrakundige den Befehl Śivas hören, vom Osten bis zum Bereich des Nordostens; [unter Gießen] eines ununterbrochenen Wasserstrahls spreche er das Grundmantra.
Ringsum lasse er sie, die Waffengestaltige, zum Schutz kreisen. Nachdem er zuerst den Krug aufgestellt hat, [stelle er] zum Zweck der Waffe [die Vardhanī] links von ihm [auf].
die Vereinigung von Bhaga und Liṅga mit der Liṅga-Mudrā. Nachdem er in den Krug das Schwert der Erkenntnis eingesetzt hat, [vollziehe er] ebenso das Murmeln des Grundmantras,
mit einem Zehntel davon in die Vardhanī, und bitte auch um Schutz. Nachdem er Gaṇeśa im Nordwesten verehrt hat, [bade er] Hara mit den fünf Nektaren usw.
Er bade ihn und verehre ihn wie zuvor, und [ebenso] das Śiva-Feuer in der Grube; nachdem er vorschriftsgemäß den Opferbrei (caru) zubereitet hat, gereinigt durch Sampāta-Spenden,
teile er ihn mit dem Löffel dreifach nach der Unterscheidung von Gott, Feuer und Selbst. Nachdem er zwei Teile Śiva und dem Feuer gegeben hat, bewahre er einen Teil für sich.
mit dem Sadyojāta und dem Herz[-Mantra]; im Norden mit dem Vāma[deva] und dem Kopf-Mantra zu Āmalaka gemachtes [?] Wasser; im Nordosten mit Duftstoffen versetztes Wasser,
gebe er im Nordosten mit dem Īśa-Mantra zur Zufriedenheit des Īśāna. Im Osten gebe er den Brei mit Ghee [und] Duftstoffe usw. in einem neuen [Gefäß] [?].
Nachdem er die Pavitras genommen hat, die mit Arghya-Wasser besprengt und durch die Saṃhitā-Mantras geläutert sind, [und sie] in die Nähe des Feuers gebracht hat,
[sie] mit schwarzem Antilopenfell usw. bedeckt, [dabei] Śiva vorstellend als aus dem Jahr bestehend, als Zeugen aller Handlungen, als Hüter, als Unvergänglichen,
Das Haus usw. umwinde er mit Fäden; der Sonne gebe er Duftstoffe usw.; nachdem er [sie] verehrt, den Mund gespült, die Einsetzung (nyāsa) und das Arghya vollzogen hat,
der Vardhanī, dem Vighnarāja, dem Lehrer und sich selbst bringe er [es] dar. Dann jenes Pavitra, mit allen Heilkräutern bestrichen, beräuchert, mit Blumen und Dūrvā,
lade ich dich ein, o Herr, mit dieser, die die Erfüllung deines Willens bewirkt; gewähre dem Opfernden dessen Gelingen, o Herr des Geistigen und Ungeistigen!
und ich werde die Observanz (niyama) auf dein Geheiß halten, höchster Herr.“ Nachdem er so den Gott eingeladen hat, [bringe er] das durch die Ausatmung zu Nektar gemachte [Pavitra],
das auf „śiva“ endende Grundmantra aussprechend, dem Śiva dar. Nachdem er Murmeln, Lobpreis und Verneigung vollzogen hat, bitte er Śambhu um Verzeihung.
hutvā carostṛtīyāṃśaṃ taddaddīta śivāgnaye / digvāsibhyo digīśebhyo bhūtamātṛgaṇebhya u //
Nachdem er ein Drittel des Breis geopfert hat, gebe er es dem Śiva-Feuer [?]. Den in den Richtungen Wohnenden, den Herren der Richtungen, den Scharen der Geister und der Mütter,
den Rudras, den Feldhütern usw.: Verehrung, svāhā – dies ist die Bali-Spende. Mit den Richtungselefanten usw. von Osten an; dem Kṣetra[pāla] und dem Agni [gilt] die Bali-Spende.
Nachdem er den Mund gespült hat, vollziehe er die Opferung, die die Lücken des Ritus füllt. Nachdem er die Vollspende und die Vyāhṛti-Opferung vollzogen hat, schließe er das Feuer ein [?].
verbinde er dann nach der Vorschrift in Form einer Kanalverbindung. Nachdem er [die Pavitras] in ein Gefäß aus Bambus usw. gelegt hat, [bespreche er sie] mit dem Astra und dann mit dem Herz[-Mantra],
nachdem er die Pavitras [darauf] gelegt hat; oder er bespreche sie mit den Kalās; oder er verbinde die sechs Glieder mit den Brahma- und Grund[-Mantras], [nämlich] Herz, Panzer und Waffe.
Nachdem er [das Pavitra] gefertigt, mit Fäden umwunden und mit den aus den Gliedern hervorgegangenen [Mantras] verehrt hat, übergebe er es in Hingabe geneigt dem Herrn der Welt zum Schutz.
Nachdem er [eines] auf das mit Blumen, Räucherwerk usw. verehrte Siddhānta-Buch gelegt hat, gehe er zu den Füßen des Lehrers und gebe [ihm] mit Hingabe ein Pavitra.
Mundgespült, durch Mantras gebunden [geschützt], nachdem er eine Nachtwache mit Gesang gehalten hat, schlafe der nach Genuss Strebende (bubhukṣu) drinnen auf einem Darbha-Lager, an den Herrn denkend.