Kapitel 65: sabhāsthāpanakathanam
Darlegung der Errichtung von Versammlungshallen
Das Kapitel behandelt Bau und Einweihung von Versammlungshallen und Wohnhäusern: Standortwahl, Haustypen mit ein bis vier Hallenflügeln, die Berechnung der Vāstu-Werte āya und vyaya sowie die acht Āya-Einheiten (Dhvaja usw.). Es schließt mit dem Einzugsritual und einem Gebet an die Hausgöttinnen Nandā, Jayā, Pūrṇā und Bhadrā. Die Rechenvorschrift (V. 6-8) und die Hausformen (V. 10, 13) sind knapp und teils unklar überliefert; das Kolophon nennt das Kapitel sabhāgṛhasthāpanam.
Der Erhabene sprach: Die Errichtung von Versammlungshallen usw. werde ich darlegen und ebenso ihre Ingebrauchnahme. Auf dem geprüften Baugrund vollziehe man das Vāstu-Opfer.
svecchayā tu sabhāṃ kṛtvā svecchayā sthāpayet surān / catuṣpathe grāmādau ca na śūnye kārayet sabhāṃ //
Nach eigenem Wunsch baue man eine Halle, nach eigenem Wunsch stelle man (darin) Götter auf; an einer Wegkreuzung, im Dorf usw., nicht an einem öden Ort lasse man eine Halle errichten.
yathā rājñāṃ tathānyeṣāṃ pūrvādyāś ca dhvajādayaḥ / koṇabhujān varjayitvā catuḥśālaṃ tu vartayet //
Wie für Könige, so für andere. Die (Āya-Einheiten) Dhvaja usw. beginnen im Osten. Unter Vermeidung der Eckflügel gestalte man ein Vierhallenhaus (catuḥśāla),
triśālaṃ vā dviśālaṃ vā ekaśālamathāpi vā / vyayādhikaṃ na kurvīta vyayadoṣakaraṃ hi tat //
oder ein Dreihallen-, Zweihallen- oder auch Einhallenhaus. Man baue es nicht so, dass die Ausgabe (vyaya) überwiegt, denn das bewirkt den Fehler des Verlusts.
Wort für Wort
tri-śālam dvi-śālam
Drei-, Zweihallenhaus
eka-śālam
Einhallenhaus
vyaya-adhikam na kurvīta
baue nicht mit überwiegender Ausgabe
vyaya-doṣa-karam
den Verlustfehler bewirkend
vyaya und āya sind technische Maßwerte der Vāstu-Lehre.
und wenn dies durch drei geteilt ist, (so gilt für) den in der Wissenschaft des Garga Kundigen: Was nach Teilung durch acht übrig bleibt, das gilt als die Ausgabe (vyaya).
Wort für Wort
saptārciṣā hṛte bhāge
wenn durch drei (Feuer) geteilt
garga-vidyā-vicakṣaṇaḥ
der in Gargas Wissenschaft Kundige
aṣṭadhā bhājite
durch acht geteilt
yat śeṣam
was übrig bleibt
saḥ vyayaḥ gataḥ
das gilt als Ausgabe
saptārcis ('Feuer') als Zahlwort für 3; die Rechenvorschrift ist knapp und nicht eindeutig.
Oder der Weise multipliziere die Summe der Ellen mit drei; ist sie durch acht geteilt, so bestimme er (den Rest als die Āya-Einheiten), beginnend mit der Erde [?].
Wort für Wort
athavā
oder
kara-rāśim hanyāt
multipliziere die Ellensumme
saptārciṣā
mit drei (Feuer)
vasubhiḥ saṃhṛte bhāge
wenn durch acht geteilt
pṛthvī-ādi parikalpayet
bestimme mit der Erde beginnend
pṛthvyādi vielleicht für die mit Dhvaja beginnende Reihe (V. 9) oder für den Beginn im Osten.
Die drei (Formen des) Dreihallenhauses sind empfohlen, (sofern sie) ohne (Halle im) Norden oder Osten sind [?]; ein Zweihallenhaus, das im Süden an ein anderes Haus anschließt, ist stets zulässig [?].
Ein Einhallenhaus mit der Halle im Süden oder auch mit der Halle im Westen – diese beiden Einhallenhäuser sind empfohlen; die übrigen aber bringen Gefahr.
(das Haus) der Menschen aber, nachdem man es mit dem für die Gesamtheit genannten Ritual geweiht hat. Morgens, nachdem er ein Bad mit allen Heilkräutern genommen hat, rein und unermüdlich,
Wort für Wort
saṃsthāpya
geweiht habend
manujānām
der Menschen
samudāya-ukta-karmaṇā
mit dem für die Gesamtheit genannten Ritual
prātaḥ sarva-oṣadhī-snānam
morgens ein Allkräuterbad
śuciḥ atandritaḥ
rein, unermüdlich
samudāyokta- bezieht sich auf die Gesamt-Einsetzung (Kap. 66).
die Zweimalgeborenen mit Süßspeisen gespeist hat, lasse er (das Haus), das mit vollen Krügen usw. geschmückt und mit Torbögen versehen ist, von den Zweimalgeborenen segnen, (selbst) eine Kuh [?] an der Hand führend.
Der Hausherr betrete das Haus; nachdem er die Astrologen verehrt hat, lasse er sich nieder. Im Haus rezitiere er gesammelt diesen Gedeihen bringenden Mantra:
Die du mit allen Samen und Heilkräutern versehen bist, von allen Edelsteinen und Kräutern umgeben, o Strahlende, Erfreuende, Nandā, Vāsiṣṭhī – verweile hier in Freude!
Von den höchsten Lehrern verehrt, mit Duftstoffen und Kränzen geschmückt, Göttin, die du Wohlergehen des Daseins bewirkst, Bhārgavī – verweile in Freude im Haus!