Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 75: agnisthāpanādividhiḥ Die Vorschrift über die Einrichtung des Feuers usw. (Das Feuerritual)

Īśvara beschreibt das śivaitische Feuerritual (agnikārya): Zurichtung der Feuergrube mit den Glied-Mantras, symbolische Zeugung und Geburt des Feuers aus Vāgīśa und Vāgīśvarī mit den Lebenszyklusriten, Läuterung des Ghee, Öffnung und Vereinigung der fünf Münder, Opfermaße und die abschließenden Bali-Spenden. Der Titel lautet im Kopf agnisthāpanādividhiḥ, im Kolophon agnikāryam. Die Digitalisierung enthält zahlreiche Tippfehler (z.B. yāsi für māsi, indyāya für indrāya); V. 34 und 55 sind schwer verständlich.

īśvara uvāca | arghapātrakaro yāyādagnyāgāraṃ susaṃvṛtaḥ / yāgopakaraṇaṃ sarvaṃ divyadṛṣṭyā ca kalpayet //

Īśvara sprach: Mit dem Arghya-Gefäß in der Hand gehe man, wohlverhüllt [bzw. gesammelt], zum Feuerhaus und richte alle Opfergeräte mit dem göttlichen Blick [Anm.: dem reinigenden, mantrisch aufgeladenen Blick] zu.

Wort für Wort
īśvaraḥ uvāca
Īśvara sprach
arghapātrakaraḥ
das Arghya-Gefäß in der Hand
agnyāgāram
Feuerhaus
susaṃvṛtaḥ
wohlverhüllt, gesammelt
yāgopakaraṇam
Opfergerät
divyadṛṣṭyā
mit göttlichem Blick

udaṅmukhaḥ kuṇḍamīkṣet praokṣaṇaṃ tāḍanaṃ kuśaiḥ / vidadhyādastramantreṇa varmaṇābhyukṣaṇaṃ mataṃ //

Nach Norden gewandt betrachte er die Feuergrube (kuṇḍa); das Besprengen und das Schlagen mit Kuśa-Halmen vollziehe er mit dem Astra-Mantra; das Übersprengen gilt als mit dem Varman(Panzer)-Mantra [zu vollziehen].

Wort für Wort
udaṅmukhaḥ
nach Norden gewandt
kuṇḍam īkṣet
er betrachte die Feuergrube
prokṣaṇam tāḍanam
Besprengen, Schlagen
astramantreṇa
mit dem Waffen-Mantra
varmaṇā abhyukṣaṇam
Übersprengen mit dem Panzer-Mantra

khaḍgena khātamuddhāraṃ pūraṇaṃ samatāmapi / kurvīta varmaṇā sekaṃ kuṭṭanantu śarātmanā //

Mit dem Schwert [Anm.: d.h. dem Astra-Mantra] vollziehe er das Ausgraben, das Herausheben [der Erde], das Auffüllen und auch das Einebnen; mit dem Varman das Begießen, das Feststampfen aber mit dem Pfeil (śara) [Anm.: wiederum dem Astra-Mantra].

Wort für Wort
khaḍgena
mit dem Schwert (Astra)
khātam uddhāram
Ausgraben, Herausheben
pūraṇam samatām
Auffüllen, Einebnen
sekam
Begießen
kuṭṭanam śarātmanā
Stampfen mit dem Pfeil(-Mantra)

sammārjanaṃ samālepaṃ kalārūpaprakalpanaṃ / trisūtrīparidhānaṃ ca varmaṇābhyarcanaṃ sadā //

Das Ausfegen, das Bestreichen, das Vorstellen [der Grube] in Gestalt der Kalā [?], das Umlegen der dreifachen Schnur und das Verehren [vollziehe er] stets mit dem Varman.

Wort für Wort
sammārjanam
Ausfegen
samālepam
Bestreichen
kalārūpaprakalpanam
Vorstellen in Kalā-Gestalt
trisūtrīparidhānam
Umlegen der dreifachen Schnur
abhyarcanam sadā
stets Verehrung

kalārūpaprakalpana: wohl die meditative Einsetzung der Kalā(s) in die Grube; genaue Bedeutung unsicher.

rekhātrayamudak kuryādekāṃ pūrvānanāmadhaḥ / kuśena ca śivāstreṇa yadvā tāsāṃ viparyayaḥ //

Drei Linien ziehe er nach Norden verlaufend, eine nach Osten gerichtete darunter, mit einem Kuśa-Halm und mit dem Śiva-Astra; oder deren Umkehrung.

Wort für Wort
rekhātrayam
drei Linien
udak
nach Norden
pūrvānanām adhaḥ
nach Osten gerichtet, unten
kuśena
mit einem Kuśa-Halm
śivāstreṇa
mit dem Śiva-Astra
viparyayaḥ
Umkehrung

vajrīkaraṇamantreṇa hṛdā darbhaiś catuṣpathaṃ / akṣapātrantatanutreṇa vinyasedviṣṭaraṃ hṛdā //

Mit dem Mantra der Diamantisierung (vajrīkaraṇa) [und] dem Herz-Mantra [lege er] mit Darbha-Gras ein Wegkreuz (catuṣpatha) [an]; das Akṣa-Gefäß [?] [stelle er] mit dem Tanutra (Panzer-Mantra) [hin]; mit dem Herz-Mantra lege er den Grassitz (viṣṭara) nieder.

Wort für Wort
vajrīkaraṇamantreṇa
mit dem Diamantisierungs-Mantra
hṛdā
mit dem Herz-Mantra
darbhaiḥ catuṣpatham
mit Darbha ein Wegkreuz
akṣapātram
Akṣa-Gefäß [?]
tanutreṇa
mit dem Panzer-Mantra
viṣṭaram
Grassitz

akṣapātrantatanutreṇa wohl als akṣapātraṃ tanutreṇa zu trennen; akṣapātra vielleicht Gefäß für ungebrochene Körner (akṣata).

hṛdā vāgīśvarīṃ tatra īśāmāvāhya pūjayet / vahniṃ sadāśrayānītaṃ śuddhapātroparisthitaṃ //

Mit dem Herz-Mantra rufe er dort die Vāgīśvarī und den Īśa herbei und verehre sie. Das Feuer, aus einem guten Hause herbeigebracht, auf einem reinen Gefäß befindlich,

Wort für Wort
vāgīśvarīm
die Herrin der Rede
īśam āvāhya
den Herrn herbeirufend
pūjayet
er verehre
sadāśrayānītam
aus gutem Hause gebracht
śuddhapātroparisthitam
auf reinem Gefäß befindlich

kravyādāṃśaṃ parityajya vīkṣaṇādiviśodhitaṃ / audaryaṃ caindavaṃ bhautaṃ ekīkṛtyānalatrayaṃ //

nachdem er den Anteil des Kravyād (des leichenverzehrenden Feuers) entfernt hat, durch Blicken usw. gereinigt: die drei Feuer, das des Bauches, das mondhafte und das elementare, vereinige er zu einem.

Wort für Wort
kravyādāṃśam
Anteil des Leichenfeuers
parityajya
entfernend
vīkṣaṇādiviśodhitam
durch Blicken usw. gereinigt
audaryam aindavam bhautam
Bauch-, Mond-, Elementarfeuer
ekīkṛtya analatrayam
die drei Feuer vereinend

oṃ hūṃ vahnicaitanyāya vahnivījena vinyaset / saṃhitāmantritaṃ vahniṃ dhenumudrāmṛtīkṛtaṃ //

Mit „oṃ hūṃ vahnicaitanyāya“ (Oṃ hūṃ, dem Bewusstsein des Feuers) lege er [es] mittels des Feuer-Bīja ein. Das Feuer, mit den Saṃhitā-Mantras besprochen, durch die Kuh-Mudrā zu Nektar gemacht,

Wort für Wort
vahnicaitanyāya
dem Bewusstsein des Feuers
vahnibījena
mit der Feuer-Keimsilbe
vinyaset
er lege ein
saṃhitāmantritam
mit den Saṃhitā-Mantras besprochen
dhenumudrāmṛtīkṛtam
durch Kuh-Mudrā zu Nektar gemacht

rakṣitaṃ hetimantreṇa kavacenāvaguṇṭhitaṃ / pūjitantriḥ paribhrāmya kuṇḍasyordhvaṃ pradakṣiṇaṃ //

mit dem Heti(Waffen)-Mantra geschützt, mit dem Kavaca umhüllt und verehrt, lasse er dreimal über der Grube rechtsherum kreisen,

Wort für Wort
rakṣitam hetimantreṇa
durch den Waffen-Mantra geschützt
kavacena avaguṇṭhitam
mit dem Panzer-Mantra umhüllt
triḥ paribhrāmya
dreimal kreisen lassend
kuṇḍasya ūrdhvam
über der Grube
pradakṣiṇam
rechtsherum

śivavījamiti dhyātvā vāgīśāgarbhagocare / vāgīśvareṇa devena kṣipyamānaṃ vibhāvayet //

und im Gedanken „Es ist der Same Śivas“ stelle er sich vor, wie es von dem Gott Vāgīśvara in den Bereich des Schoßes der Vāgīśā geworfen wird.

Wort für Wort
śivabījam iti dhyātvā
denkend: „es ist Śivas Same“
vāgīśāgarbhagocare
in den Schoßbereich der Vāgīśā
vāgīśvareṇa devena
vom Gott Vāgīśvara
kṣipyamānam
geworfen werdend
vibhāvayet
er stelle sich vor

bhūmiṣṭhajānukko mantrī hṛdātmasammukhaṃ kṣipet / tato 'ntasthitavījasya nābhideśe samūhanaṃ //

Mit dem Knie am Boden werfe der Mantrakundige es mit dem Herz-Mantra, sich selbst zugewandt, hinein. Dann [folgt] das Zusammenschieben [des Brennmaterials] an der Nabelstelle des innen befindlichen Samens,

Wort für Wort
bhūmiṣṭhajānukaḥ
mit dem Knie am Boden
mantrī
der Mantrakundige
ātmasammukham kṣipet
er werfe, sich zugewandt
antaḥsthitabījasya
des innen befindlichen Samens
nābhideśe samūhanam
Zusammenschieben an der Nabelstelle

sambhṛtiṃ paridhānasya śaucamācamanaṃ hṛdā / garbhāgneḥ pūjanaṃ kṛtvā tadrakṣārthaṃ śarāṇunā //

das Herbeischaffen der Umhüllung (paridhāna), die Reinigung und das Mundspülen mit dem Herz-Mantra. Nachdem er die Verehrung des Embryo-Feuers vollzogen hat, binde er zu dessen Schutz mit dem Pfeil-Mantra

Wort für Wort
sambhṛtim paridhānasya
Herbeischaffen der Umhüllung
śaucam ācamanam
Reinigung, Mundspülen
garbhāgneḥ pūjanam
Verehrung des Embryo-Feuers
tadrakṣārtham
zu dessen Schutz
śarāṇunā
mit dem Pfeil-Mantra

badhnīyādgarbhajaṃ devyāḥ kakaṅkaṇaṃ pāṇipallave / garbhādhānāya sampūjya sadyojātena pāvakaṃ //

ein [zum] Embryo gehöriges Armband (kaṅkaṇa) an die zweiggleiche Hand der Göttin. Zur Empfängnis (garbhādhāna) verehre er das Feuer mit dem Sadyojāta[-Mantra],

Wort für Wort
badhnīyāt
er binde
garbhajam
zum Embryo gehörig
kaṅkaṇam
Armband, Schutzfaden
pāṇipallave
an die zweiggleiche Hand
garbhādhānāya
zur Empfängnis
sadyojātena pāvakam
das Feuer mit dem Sadyojāta

kakaṅkaṇaṃ ist Tippfehler für kaṅkaṇaṃ.

tato hṛdayamantreṇa juhuyādāhutitrayaṃ / puṃsavanāya vāmena tṛtīye yāsi pūjayet //

dann opfere er mit dem Herz-Mantra drei Spenden. Zum Puṃsavana (Ritus zur Erlangung eines Sohnes) verehre er im dritten Monat mit dem Vāma[deva-Mantra]

Wort für Wort
hṛdayamantreṇa
mit dem Herz-Mantra
juhuyāt āhutitrayam
er opfere drei Spenden
puṃsavanāya
zur Sohneszeugung
vāmena
mit dem Vāma(deva)
tṛtīye māsi
im dritten Monat

yāsi ist Tippfehler für māsi.

āhutitritayaṃ dadyācchirasāmbukaṇānvitaṃ / sīmantonnayanaṃ ṣaṣṭhe māsi sampūjya rūpiṇā //

und gebe mit dem Kopf-Mantra drei Spenden, mit Wassertropfen versehen. Das Scheitelziehen (sīmantonnayana) [vollziehe er] im sechsten Monat, nachdem er mit dem „Gestalthaften“ [Anm.: wohl Aghora/Bahurūpa] verehrt hat;

Wort für Wort
āhutitritayam dadyāt
er gebe drei Spenden
śirasā
mit dem Kopf-Mantra
ambukaṇānvitam
mit Wassertropfen versehen
sīmantonnayanam
Scheitelziehen
ṣaṣṭhe māsi
im sechsten Monat
rūpiṇā
mit dem Gestalthaften [?]

rūpiṇā: der Name des Mantras ist unklar, wohl Aghora (bahurūpa).

juhuyādāhutīstisraḥ śikhayā śikhayaiva tu / vaktrāṅgakalpanāṃ kuryādvaktrodghāṭananiṣkṛtī //

er opfere drei Spenden mit dem Śikhā(Haarschopf)-Mantra, eben mit der Śikhā. Er vollziehe die Gestaltung von Gesicht und Gliedern, die Öffnung des Mundes und die Sühnehandlung

Wort für Wort
āhutīḥ tisraḥ
drei Spenden
śikhayā
mit dem Haarschopf-Mantra
vaktrāṅgakalpanām
Gestaltung von Gesicht und Gliedern
vaktrodghāṭana
Öffnung des Mundes
niṣkṛtī
Sühne, Ausgleich

jātakarmanṛkarmabhyāṃ daśame māsi pūrvavat / vahniṃ sandhukṣya darbhādyaiḥ snānaṃ garbhamalāpahaṃ //

durch die Geburtsriten (jātakarman) und den Namengebungsritus [?] im zehnten Monat wie zuvor. Nachdem er das Feuer mit Darbha usw. angefacht hat, [vollziehe er] das Bad, das die Unreinheit der Geburt entfernt.

Wort für Wort
jātakarma
Geburtsritus
nṛkarmabhyām
und dem Namengebungsritus [?]
daśame māsi
im zehnten Monat
vahnim sandhukṣya
das Feuer anfachend
garbhamalāpaham snānam
die Geburtsunreinheit entfernendes Bad

nṛkarma- wohl verderbt, vermutlich für nāmakarma- (Namengebung).

suvarṇabandhanaṃ devyā kṛtaṃ dhyātvā hṛdārcayet / sadyaḥsūtakanāśāya prokṣayedastravāriṇā //

Im Gedanken, dass die Göttin das Anbinden des Goldes vollzogen hat, verehre er mit dem Herz-Mantra. Zur sofortigen Tilgung der Geburtsunreinheit (sūtaka) besprenge er mit Astra-Wasser.

Wort für Wort
suvarṇabandhanam
Anbinden von Gold
devyā kṛtam dhyātvā
denkend: von der Göttin vollzogen
sadyaḥ
sogleich
sūtakanāśāya
zur Tilgung der Geburtsunreinheit
astravāriṇā
mit Astra-Wasser

kumbhantu vahirastreṇa tāḍayedvarmaṇokṣayet / astreṇottarapūrvāgrānmekhalāsu vahiḥ kuśān //

Den Krug aber schlage er außen mit dem Astra und besprenge ihn mit dem Varman. Mit dem Astra [lege er] auf die Umrandungen (mekhalā) außen Kuśa-Halme mit nach Norden und Osten weisenden Spitzen

Wort für Wort
kumbham
den Krug
bahiḥ astreṇa tāḍayet
außen mit dem Astra schlage er
varmaṇā ukṣayet
mit dem Panzer-Mantra besprenge er
uttarapūrvāgrān
mit Spitzen nach Norden und Osten
mekhalāsu
auf die Umrandungen

āsthāpya sthāpayetteṣu hṛdā paridhivistaraṃ / vaktāṇāmastramantreṇa tato nālāpannuttaye //

und nachdem er sie hingelegt hat, stelle er auf ihnen mit dem Herz-Mantra die Reihe der Einfassungshölzer (paridhi) auf. Dann [opfere er] mit dem Astra-Mantra der Münder, zur Entfernung der Nabelschnur,

Wort für Wort
āsthāpya
hinlegend
paridhivistaram
Reihe der Einfassungshölzer
vaktrāṇām
der Münder
astramantreṇa
mit dem Astra-Mantra
nālāpanuttaye
zur Entfernung der Nabelschnur

vaktāṇām ist Tippfehler für vaktrāṇām; nālāpannuttaye für nālāpanuttaye.

samidhiḥ pañca hotavyāḥ prānte mūle ghṛtaplutāḥ / brahmāṇaṃ śaṅkaraṃ viṣṇumanantañca hṛdārcayet //

fünf Brennhölzer, an Ende und Wurzel mit Ghee getränkt, sind zu opfern. Brahmā, Śaṅkara, Viṣṇu und Ananta verehre er mit dem Herz-Mantra

Wort für Wort
samidhaḥ pañca
fünf Brennhölzer
hotavyāḥ
sind zu opfern
prānte mūle
an Ende und Wurzel
ghṛtaplutāḥ
mit Ghee getränkt
hṛdā arcayet
er verehre mit dem Herz-Mantra

dūrvākṣataiś ca paryantaṃ paridhisthānanukramāt / indrādīśānaparyantāntānviṣṭarasthānanukramāt //

mit Dūrvā-Gras und ungebrochenen Körnern ringsum, der Reihe nach an den Plätzen der Einfassungshölzer; [die Götter] von Indra bis Īśāna der Reihe nach an den Plätzen der Grassitze,

Wort für Wort
dūrvākṣataiḥ
mit Dūrvā und Reiskörnern
paryantam
ringsum
paridhisthānānukramāt
nach den Plätzen der Einfassungen
indrādīśānaparyantān
von Indra bis Īśāna
viṣṭarasthānānukramāt
nach den Plätzen der Grassitze

agnerabhimukhībhūtān nijadikṣu hṛdārcayet / nivārya vighnasaṅghātaṃ vālakaṃ pālayiṣyatha //

dem Feuer zugewandt, in ihren eigenen Himmelsrichtungen verehre er sie mit dem Herz-Mantra: „Wehrt die Menge der Hindernisse ab und schützt das Kind!“

Wort für Wort
agneḥ abhimukhībhūtān
dem Feuer zugewandt
nijadikṣu
in ihren eigenen Richtungen
nivārya
abwehrend
vighnasaṅghātam
Menge der Hindernisse
bālakam pālayiṣyatha
ihr werdet das Kind schützen

vālakaṃ = bālakaṃ.

śaivīmājñābhimānteṣāṃ śrāvayettadanantaraṃ / gṛhītvā sruksruvāvūrdhvavadanādhomukhaiḥ kramāt //

Diesen Befehl Śivas lasse er sie danach hören. Nachdem er Löffel (sruc) und Schöpflöffel (sruva) der Reihe nach genommen hat, mit nach oben bzw. nach unten gerichteter Öffnung,

Wort für Wort
śaivīm ājñām
den Befehl Śivas
śrāvayet
er lasse hören
gṛhītvā
nehmend
sruksruvau
Opferlöffel und Schöpflöffel
ūrdhvavadanādhomukhaiḥ
mit Öffnung nach oben bzw. unten

pratāpyāgnau tridhā darbhamūlamadhyāgrakaiḥ spṛśet / kuśaspṛṣṭapradeśe tu ātmavidyāśivātmakaṃ //

erhitze er sie im Feuer und berühre sie dreimal mit Wurzel, Mitte und Spitze des Darbha. An den mit Kuśa berührten Stellen aber [lege er] die aus Ātman, Vidyā und Śiva bestehende

Wort für Wort
pratāpya agnau
im Feuer erhitzend
tridhā
dreifach
darbhamūlamadhyāgrakaiḥ
mit Wurzel, Mitte, Spitze des Darbha
spṛśet
er berühre
ātmavidyāśivātmakam
aus Ātman, Vidyā und Śiva bestehend

kramāttattvatrayaṃ nyasya hāṃ hīṃ hūṃ saṃ ravaiḥ kramāt / sruvi śaktiṃ sruve śambhuṃ vinyasya hṛdayāṇunā //

Dreiheit der Prinzipien (tattva) der Reihe nach nieder, mit den Lauten hāṃ hīṃ hūṃ [bzw.] saṃ der Reihe nach; in den Sruc lege er die Śakti, in den Sruva den Śambhu mit dem Herz-Mantra.

Wort für Wort
kramāt
der Reihe nach
tattvatrayam nyasya
die drei Prinzipien einsetzend
ravaiḥ
mit den Lauten
sruci śaktim
in den Löffel die Śakti
sruve śambhum
in den Schöpflöffel Śambhu
hṛdayāṇunā
mit dem Herz-Mantra

hāṃ hīṃ hūṃ saṃ ravaiḥ: vier Silben für drei Prinzipien; Text wohl gestört.

trisūtrīveṣṭitagrīvo pūjitau kusumādibhiḥ / kuśānāmupariṣṭāttau sthāpayitvā svadakṣiṇe //

Die beiden, deren Hals mit der dreifachen Schnur umwunden ist und die mit Blumen usw. verehrt sind, lege er oberhalb der Kuśa-Halme zu seiner Rechten ab.

Wort für Wort
trisūtrīveṣṭitagrīvau
mit dreifacher Schnur am Hals umwunden
pūjitau
verehrt
kusumādibhiḥ
mit Blumen usw.
kuśānām upariṣṭāt
oberhalb der Kuśa-Halme
svadakṣiṇe
zu seiner Rechten

trisūtrīveṣṭitagrīvo für -grīvau.

gavyamājyaṃ samādāya vīkṣaṇādiviśodhitaṃ / svakāṃ brahmamayīṃ mūrtiṃ sañcintyādāya tadghṛtaṃ //

Nachdem er Kuh-Ghee genommen hat, durch Blicken usw. gereinigt, und seine eigene Gestalt als aus Brahmā bestehend vorgestellt hat, nehme er dieses Ghee,

Wort für Wort
gavyam ājyam
Kuh-Ghee
samādāya
nehmend
svakām brahmamayīm mūrtim
seine eigene, aus Brahmā bestehende Gestalt
sañcintya
sich vorstellend
tat ghṛtam
dieses Ghee

kuṇḍasyordhvaṃ hṛdāvartya bhrāmayitvāgnigocare / punarviṣṇumayīṃ dhyātvā ghṛtamīśānagocare //

rühre es über der Grube mit dem Herz-Mantra um und lasse es im Bereich des Feuers kreisen; dann, sich wieder als aus Viṣṇu bestehend vorstellend, [stelle er] das Ghee in den Bereich des Īśāna (Nordosten);

Wort für Wort
kuṇḍasya ūrdhvam
über der Grube
āvartya
umrührend
bhrāmayitvā
kreisen lassend
viṣṇumayīm dhyātvā
als aus Viṣṇu bestehend vorstellend
īśānagocare
im Bereich des Nordostens

dhṛtvādāya kuśāgreṇa svāhāntaṃ śirasāṇunā / juhuyādviṣṇave vinduṃ rudrarūpamanantaraṃ //

es dort abstellend, nehme er mit der Kuśa-Spitze [einen Tropfen] und opfere mit dem auf svāhā endenden Kopf-Mantra einen Tropfen dem Viṣṇu; danach, [sich] als Rudragestalt

Wort für Wort
dhṛtvā
abstellend
ādāya kuśāgreṇa
mit der Kuśa-Spitze nehmend
svāhāntam
auf svāhā endend
śirasāṇunā
mit dem Kopf-Mantra
viṣṇave bindum
dem Viṣṇu einen Tropfen
rudrarūpam
rudragestaltig

bhāvayannijamātmānaṃ nābhau dhṛtvāplavettataḥ / prādeśamātradarbhābhyāmaṅguṣṭānāmikāgrakaiḥ //

sich selbst vorstellend, halte er [das Ghee] am Nabel und vollziehe dann die Läuterung (āplava). Mit zwei spannenlangen Darbha-Halmen, mit den Spitzen von Daumen und Ringfinger

Wort für Wort
bhāvayan nijam ātmānam
sich selbst vorstellend
nābhau dhṛtvā
am Nabel haltend
āplavet
er läutere
prādeśamātradarbhābhyām
mit zwei spannenlangen Darbha-Halmen
aṅguṣṭhānāmikāgrakaiḥ
mit Daumen- und Ringfingerspitzen

āplava/samplava: Läuterung des Ghee durch Hindurchziehen von Grashalmen.

dhṛtābhyāṃ sammukhaṃ vahnerastreṇāplavamācaret / hṛdātmasammukhaṃ tadvat kuryāt samplavanantataḥ //

gehalten, vollziehe er dem Feuer zugewandt mit dem Astra die Läuterung; ebenso vollziehe er danach mit dem Herz-Mantra, sich selbst zugewandt, die Durchläuterung (samplavana).

Wort für Wort
dhṛtābhyām
mit den beiden gehaltenen
sammukham vahneḥ
dem Feuer zugewandt
āplavam ācaret
er vollziehe die Läuterung
ātmasammukham
sich zugewandt
samplavanam
Durchläuterung

hṛdālabdhadagdhadarbhaṃ śastrakṣepāt pavitayet / dīptenāparadarbheṇa nivāhyānena dīpayet //

Den mit dem Herz-Mantra berührten [und] verbrannten Darbha mache er durch das Werfen der Waffe [d.h. des Astra] zum Reinigungsmittel [?]; mit einem anderen, brennenden Darbha, [über das Ghee] geführt, beleuchte er [es] [?].

Wort für Wort
hṛdālabdha
mit dem Herz-Mantra berührt
dagdhadarbham
verbrannter Darbha
śastrakṣepāt
durch Werfen der Waffe
dīptena aparadarbheṇa
mit einem anderen brennenden Darbha
dīpayet
er beleuchte

Vers verderbt: pavitayet, nivāhyānena unsicher; wohl Reinigung und Beleuchtung (nīrājana) des Ghee mit brennenden Halmen.

astramantreṇa nirdagdhaṃ vahnau darbhaṃ punaḥ kṣipet / kṣiptvā ghṛte kṛtagranthikuśaṃ prādeśasammitaṃ //

Den mit dem Astra-Mantra verbrannten Darbha werfe er wieder ins Feuer. Nachdem er einen verknoteten Kuśa-Halm von Spannenlänge ins Ghee geworfen hat,

Wort für Wort
nirdagdham
verbrannt
vahnau darbham punaḥ kṣipet
er werfe den Darbha wieder ins Feuer
kṣiptvā ghṛte
ins Ghee werfend
kṛtagranthikuśam
verknoteten Kuśa-Halm
prādeśasammitam
spannenlang

pakṣadvayamiḍādīnāṃ trayaṃ cājye vibhāvayet / krāmādbhāgatrayādājyaṃ sruveṇādāya homayet //

stelle er sich im Ghee die beiden Monatshälften [Anm.: die helle und die dunkle] und die Dreiheit Iḍā usw. [Anm.: Iḍā, Piṅgalā, Suṣumṇā] vor. Der Reihe nach nehme er aus den drei Teilen Ghee mit dem Sruva und opfere es,

Wort für Wort
pakṣadvayam
die beiden Monatshälften
iḍādīnām trayam
die Drei, Iḍā usw.
ājye vibhāvayet
im Ghee stelle er vor
bhāgatrayāt
aus den drei Teilen
sruveṇa ādāya homayet
mit dem Sruva nehmend opfere er

krāmād für kramād.

svetyagnau hā ghṛte bhāgaṃ śeṣamājyaṃ kṣipet kramāt / oṃ hāṃ agnaye svāhā / oṃ hāṃ somāya svāhā / oṃ hāṃ agnīṣomābhyāṃ svāhā udghāṭanāya netrāṇāṃ agnernetratraye mukhe //

[sprechend] „svā“ ins Feuer, „hā“ ins Ghee: den Anteil [ins Feuer] und den Rest des Ghee werfe er der Reihe nach [ins Gefäß]: „Oṃ hāṃ, dem Agni svāhā! Oṃ hāṃ, dem Soma svāhā! Oṃ hāṃ, Agni und Soma svāhā!“ – zum Öffnen der Augen, in die drei Augen des Feuers [und] in seinen Mund.

Wort für Wort
svā iti agnau
„svā“ ins Feuer
hā ghṛte
„hā“ ins Ghee
śeṣam ājyam
das übrige Ghee
agnīṣomābhyām
Agni und Soma
udghāṭanāya netrāṇām
zum Öffnen der Augen
netratraye mukhe
in die drei Augen, in den Mund

svetyagnau = svā ity agnau: beim Silbenteil svā wird ins Feuer, bei hā der Rest ins Gheegefäß gegossen.

sruveṇa ghṛtapūrṇena caturthīmāhutiṃ yajet / oṃ hāṃ agnaye sviṣṭakṛte svāhā abhimantrya ṣaḍaṅgena bodhayeddhenumudrayā //

Mit dem mit Ghee gefüllten Sruva opfere er die vierte Spende: „Oṃ hāṃ, dem Agni Sviṣṭakṛt (dem, der das Opfer gelingen lässt) svāhā!“ Nachdem er [das Ghee] mit den sechs Gliedern [-Mantras] besprochen hat, erwecke er es mit der Kuh-Mudrā.

Wort für Wort
ghṛtapūrṇena
mit Ghee gefüllt
caturthīm āhutim
die vierte Spende
sviṣṭakṛte
dem Sviṣṭakṛt
ṣaḍaṅgena abhimantrya
mit den sechs Gliedern besprechend
bodhayet dhenumudrayā
er erwecke mit der Kuh-Mudrā

avaguṇṭhya tanutreṇa rakṣedājyaṃ śarāṇunā / hṛdājyavinduvikṣepāt kuryādabhyukṣya śodhanaṃ //

Mit dem Panzer-Mantra umhüllt, schütze er das Ghee mit dem Pfeil-Mantra. Durch Verspritzen von Ghee-Tropfen mit dem Herz-Mantra vollziehe er nach dem Besprengen die Reinigung.

Wort für Wort
avaguṇṭhya tanutreṇa
mit dem Panzer umhüllend
rakṣet ājyam
er schütze das Ghee
śarāṇunā
mit dem Pfeil-Mantra
ājyabinduvikṣepāt
durch Verspritzen von Gheetropfen
abhyukṣya śodhanam
besprengend die Reinigung

vaktrābhighārasandhānāṃ vaktraikīkaraṇaṃ tathā / oṃ hāṃ sadyojātāya svāhā / oṃ hāṃ vāmadevāya svāhā / oṃ hāṃ aghorāya svāhā / oṃ tatpuruṣāya svāhā / oṃ hāṃ īśānāya svāhā ityekaikaghṛtāhutyā kuryādvaktrābhighārakaṃ //

[Es folgen] das Begießen der Münder, ihr Verbinden und ebenso das Vereinen der Münder: „Oṃ hāṃ, dem Sadyojāta svāhā! Oṃ hāṃ, dem Vāmadeva svāhā! Oṃ hāṃ, dem Aghora svāhā! Oṃ, dem Tatpuruṣa svāhā! Oṃ hāṃ, dem Īśāna svāhā!“ – so vollziehe er mit je einer Ghee-Spende das Begießen der Münder.

Wort für Wort
vaktrābhighāra
Begießen der Münder
sandhāna
Verbinden
vaktraikīkaraṇam
Vereinen der Münder
ekaikaghṛtāhutyā
mit je einer Gheespende
kuryāt
er vollziehe

Beim Tatpuruṣa-Mantra fehlt hāṃ, wohl Auslassung.

auṃ hāṃ sadyojātavāmadevābhyāṃ svāhā / oṃ hāṃ vāmadevāghorābhyāṃ svāhā / oṃ hāṃ aghoratatpuruṣābhyāṃ svāhā / oṃ hāṃ tatpuruṣeśānābhyāṃ svāhā itivaktrānusandhānaṃ mantrair ebhiḥ kramāccaret / agrito gatayā vāyuṃ nirṛtādiśivāntayā //

„Auṃ hāṃ, Sadyojāta und Vāmadeva svāhā! Oṃ hāṃ, Vāmadeva und Aghora svāhā! Oṃ hāṃ, Aghora und Tatpuruṣa svāhā! Oṃ hāṃ, Tatpuruṣa und Īśāna svāhā!“ – so vollziehe er mit diesen Mantras der Reihe nach das Verbinden der Münder, mit [einem Strahl], der vorn [beginnend] zum Vāyu (Nordwesten) geht [und] von Nirṛti (Südwesten) bis Śiva (Nordosten) reicht [?].

Wort für Wort
vaktrānusandhānam
Verbinden der Münder
mantraiḥ ebhiḥ
mit diesen Mantras
kramāt caret
der Reihe nach vollziehe er
agrataḥ gatayā vāyum
vorn zum Vāyu gehend
nirṛtādiśivāntayā
von Nirṛti bis Śiva reichend

Richtungsangabe am Versende unklar.

vaktrāṇāmekatāṃ kuryāt sruveṇa ghṛtaghārayā / oṃ hāṃ sadyojātavāmadevāghoratatpuruṣeśānebhyaḥ svāhā / itīṣṭavaktre vaktrāṇāmantarbhāvastadākṛtiḥ //

Die Einheit der Münder bewirke er mit dem Sruva durch einen Ghee-Strahl: „Oṃ hāṃ, Sadyojāta, Vāmadeva, Aghora, Tatpuruṣa und Īśāna svāhā!“ So [erfolgt] im gewünschten Mund das Aufgehen der [übrigen] Münder, in dessen Gestalt.

Wort für Wort
vaktrāṇām ekatām
Einheit der Münder
sruveṇa
mit dem Schöpflöffel
ghṛtadhārayā
mit einem Gheestrahl
iṣṭavaktre
im gewünschten Mund
antarbhāvaḥ
Aufgehen, Einbeziehung
tadākṛtiḥ
in dessen Gestalt

ghārayā für dhārayā.

īśena vahnimabhyarcya datvāstreṇāhutitrayaṃ / kuryāt sarvātmanā nāma śivāgnistvaṃ hutāśana //

Nachdem er das Feuer mit dem Īśa[-Mantra] verehrt und mit dem Astra drei Spenden gegeben hat, gebe er ihm mit ganzem Selbst den Namen: „Du, Hutāśana (Opferverzehrer), bist das Śiva-Feuer.“

Wort für Wort
īśena
mit dem Īśa-Mantra
vahnim abhyarcya
das Feuer verehrend
astreṇa āhutitrayam
mit dem Astra drei Spenden
sarvātmanā nāma kuryāt
mit ganzem Selbst gebe er den Namen
śivāgniḥ tvam
du bist das Śiva-Feuer

hṛdārcitau visṛṣṭāgnau pitarau vidhipūraṇīṃ / mūlena vauṣaḍantena dadyāt pūrṇāṃ yathāvidhi //

Nachdem er die mit dem Herz-Mantra verehrten Eltern [Anm.: Vāgīśa und Vāgīśvarī] entlassen hat, gebe er im Feuer mit dem auf vauṣaṭ endenden Grundmantra die vorschriftsgemäße Vollspende (pūrṇā).

Wort für Wort
hṛdā arcitau
mit dem Herz-Mantra verehrt
visṛṣṭa
entlassen
pitarau
die Eltern
mūlena vauṣaḍantena
mit dem Grundmantra auf vauṣaṭ
pūrṇām
die Vollspende
yathāvidhi
vorschriftsgemäß

tato hṛdambuje sāṅgaṃ sasenaṃ bhāsuraṃ paraṃ / yajet pūrvavadāvāhya prārthyājñāntarpayecchivaṃ //

Dann verehre er im Herzlotus den höchsten, strahlenden [Śiva] mit seinen Gliedern und seinem Gefolge, nachdem er ihn wie zuvor herbeigerufen hat; nachdem er um Erlaubnis gebeten hat, sättige er Śiva [mit Spenden].

Wort für Wort
hṛdambuje
im Herzlotus
sāṅgam sasenam
mit Gliedern und Gefolge
bhāsuram param
den strahlenden Höchsten
prārthya ājñām
um Erlaubnis bittend
tarpayet śivam
er sättige Śiva

yāgāgniśivayoḥ kṛtvā nāḍīsandhānamātmanā / śaktyā mūlāṇunā homaṃ kuryādaṅgair daśāṃśataḥ //

Nachdem er selbst die Kanalverbindung (nāḍīsandhāna) zwischen dem Opferfeuer und Śiva hergestellt hat, vollziehe er nach Vermögen die Opferung mit dem Grundmantra, mit den Glied-Mantras zu einem Zehntel.

Wort für Wort
yāgāgniśivayoḥ
zwischen Opferfeuer und Śiva
nāḍīsandhānam
Kanalverbindung
śaktyā
nach Vermögen
mūlāṇunā homam
Opferung mit dem Grundmantra
aṅgaiḥ daśāṃśataḥ
mit den Gliedern zu einem Zehntel

ghṛtasya kārṣiko homaḥ kṣīrasya madhunas tathā / śaktimātrāhutirdadhnaḥ prasṛtiḥ pāyasyatu //

Die Spende an Ghee [beträgt] ein Karṣa, ebenso an Milch und Honig; die Spende an Sauermilch das Maß einer Muschelschale [?], an Milchreis eine hohle Hand voll.

Wort für Wort
ghṛtasya kārṣikaḥ homaḥ
die Gheespende ein Karṣa
kṣīrasya madhunaḥ
von Milch und Honig
śuktimātrā
muschelschalengroß [?]
dadhnaḥ
von Sauermilch
prasṛtiḥ pāyasasya
eine Handvoll Milchreis

śaktimātrā wohl für śuktimātrā; pāyasyatu für pāyasasya tu.

yathāvat sarvabhakṣāṇāṃ lājānāṃ muṣṭisammitaṃ / khaṇḍatrayantu mūlānāṃ kalānāṃ svapramāṇataḥ //

Von allen Speisen entsprechend; von gerösteten Körnern eine Faust voll; von Wurzeln drei Stücke; von Früchten [?] nach ihrer eigenen Größe;

Wort für Wort
sarvabhakṣāṇām
von allen Speisen
lājānām muṣṭisammitam
von gerösteten Körnern eine Faustvoll
khaṇḍatrayam mūlānām
drei Stücke von Wurzeln
phalānām [?]
von Früchten
svapramāṇataḥ
nach eigenem Maß

kalānāṃ wohl für phalānāṃ.

grāsārdhamātramannānāṃ sūkṣmāṇi pañca homayet / ikṣorāparvikaṃ mānaṃ latānāmaṅguladvayaṃ //

von gekochten Speisen die Menge eines halben Bissens; kleine Dinge opfere er zu fünft; beim Zuckerrohr [gilt] das Maß bis zum Knoten, bei Ranken zwei Fingerbreit;

Wort für Wort
grāsārdhamātram
die Menge eines halben Bissens
annānām
von gekochten Speisen
sūkṣmāṇi pañca
kleine Dinge zu fünft
ikṣoḥ āparvikam
beim Zuckerrohr bis zum Knoten
latānām aṅguladvayam
bei Ranken zwei Fingerbreit

puṣpaṃ patraṃ svamānena samidhāṃ tu daśāṅgulaṃ / candracandanakāśmīrakastūrīyakṣakardamān //

Blume und Blatt nach ihrem eigenen Maß, Brennhölzer aber zehn Fingerbreit; Kampfer, Sandel, Safran, Moschus und Yakṣakardama (Duftpaste),

Wort für Wort
puṣpam patram
Blume, Blatt
svamānena
nach eigenem Maß
samidhām daśāṅgulam
Brennhölzer zehn Fingerbreit
candra
Kampfer
kāśmīra
Safran
yakṣakardama
Yakṣa-Duftpaste

kalāyasammitānenān guggulaṃ vadarāsthivat / kandānāmaṣṭamaṃ bhāgaṃ juhuyādvidhivat paraṃ //

diese in Erbsengröße; Guggulu (Harz) wie ein Jujubenkern; von Knollen den achten Teil: [so] opfere er danach vorschriftsgemäß.

Wort für Wort
kalāyasammitān
erbsengroß
guggulum
Guggulu-Harz
badarāsthivat
wie ein Jujubenkern
kandānām aṣṭamam bhāgam
von Knollen den achten Teil
vidhivat
vorschriftsgemäß

enān für etān.

homaṃ nirvartayedevaṃ brahmavījapadaistataḥ / ghṛtena sruci pūrṇāyāṃ nidhāyādhomukhaṃ sruvaṃ //

So vollende er die Opferung, dann mit den Worten des Brahma-Bīja [?]. Nachdem er auf den mit Ghee gefüllten Sruc den Sruva mit der Öffnung nach unten gelegt,

Wort für Wort
homam nirvartayet
er vollende die Opferung
brahmabījapadaiḥ
mit den Worten des Brahma-Bīja
sruci pūrṇāyām
auf den gefüllten Löffel
nidhāya
legend
adhomukham sruvam
den Schöpflöffel mit Öffnung nach unten

srugagre puṣpamāropya paścādvāmena pāṇinā / punaḥ savyena tau dhṛtvā śaṅkhasannibhamudrayā //

eine Blume auf die Spitze des Sruc gesetzt, beide danach mit der linken Hand, dann wieder mit der rechten in der muschelgleichen Mudrā haltend,

Wort für Wort
srugagre
auf die Löffelspitze
puṣpam āropya
eine Blume setzend
vāmena pāṇinā
mit der linken Hand
savyena
mit der rechten [hier]
śaṅkhasannibhamudrayā
mit der muschelgleichen Mudrā

samudgato ardhakāyaś ca samapādaḥ samitthitaḥ / nābhau tanmūlamādhāya srugagravyagralocanaḥ //

aufgerichtet, halb [aufgerichteten] Körpers, mit gleich gestellten Füßen sich erhebend, ihren unteren Teil am Nabel angesetzt, den Blick unverwandt auf die Spitze des Sruc gerichtet,

Wort für Wort
samudgataḥ
aufgerichtet
ardhakāyaḥ
mit halbem Körper
samapādaḥ
mit gleichgestellten Füßen
nābhau tanmūlam ādhāya
deren Grund am Nabel ansetzend
srugagravyagralocanaḥ
den Blick auf die Löffelspitze gerichtet

samitthitaḥ für samutthitaḥ; savya hier als 'rechts' im Gegensatz zu vāma.

brahmādikāraṇātyāgādviniḥsṛtya suṣumṇayā / vāmastanāntamānīya tayormūlamatandritaḥ //

[den Mantra], der durch das Hinter-sich-Lassen der Ursachen Brahmā usw. durch die Suṣumṇā hervorgegangen ist, bis zum Ende der linken Brust führend, ihren Ansatz [haltend], unermüdlich,

Wort für Wort
brahmādikāraṇatyāgāt
durch Verlassen der Ursachen Brahmā usw.
viniḥsṛtya
hervorgehend
suṣumṇayā
durch die Suṣumṇā
vāmastanāntam ānīya
bis zur linken Brust führend
atandritaḥ
unermüdlich

Konstruktion unklar; gemeint ist wohl der Aufstieg des Mantras durch die Suṣumṇā.

mūlamantramavispaṣṭaṃ vauṣaḍantaṃ samuccaret / tadagnau juhuyādājyaṃ yavasammitadhārayā //

spreche er das Grundmantra undeutlich [d.h. leise], auf vauṣaṭ endend, aus; dann opfere er das Ghee ins Feuer in einem gerstenkorndicken Strahl.

Wort für Wort
mūlamantram
das Grundmantra
avispaṣṭam
undeutlich, leise
vauṣaḍantam samuccaret
auf vauṣaṭ endend spreche er aus
juhuyāt ājyam
er opfere das Ghee
yavasammitadhārayā
mit gerstenkorndickem Strahl

ācāmaṃ candanaṃ datvā tāmbūlaprabhṛtīnapi / bhaktyā tadbhūtimāvandya vidadhyātpraṇatiṃ parāṃ //

Nachdem er Mundwasser, Sandel und auch Betel usw. dargebracht und mit Hingabe dessen Asche verehrt hat, vollziehe er die höchste Verneigung.

Wort für Wort
ācāmam
Mundwasser
candanam
Sandel
tāmbūlaprabhṛtīn
Betel usw.
bhaktyā
mit Hingabe
tadbhūtim āvandya
dessen Asche verehrend
praṇatim parām
die höchste Verneigung

tato vahniṃ samabhyarcya paḍantāstreṇa saṃvarān / saṃhāramudrayāhṛtya kṣamasvetyabhidhāya ca //

Dann, nachdem er das Feuer verehrt hat, ziehe er die Umhüllungen [?] mit dem auf phaṭ endenden Astra weg, nehme [die Gottheiten] mit der Saṃhāra-Mudrā zurück, spreche „Verzeih!“

Wort für Wort
vahnim samabhyarcya
das Feuer verehrend
phaḍantāstreṇa
mit dem auf phaṭ endenden Astra
saṃvarān
die Umhüllungen [?]
saṃhāramudrayā āhṛtya
mit der Rücknahme-Mudrā zurückholend
kṣamasva iti
„Verzeih!“

paḍanta für phaḍanta; saṃvarān (Umhüllungen) unsicher.

bhāsurān paridhīstāṃś ca pūrakeṇa hṛdāṇunā / śraddhayā parayātmīye sthāpayeta hṛdambuje //

und setze jene strahlenden [Götter] und die Einfassungshölzer mit dem Einatmen (pūraka) und dem Herz-Mantra in höchstem Glauben in seinen eigenen Herzlotus ein.

Wort für Wort
bhāsurān
die Strahlenden
paridhīn
die Einfassungshölzer
pūrakeṇa
durch Einatmen
śraddhayā parayā
mit höchstem Glauben
ātmīye hṛdambuje
in den eigenen Herzlotus

sarvapākāgramādāya kṛtvā maṇḍalakadvayaṃ / antarvahirbaliṃ dadyādāgneyyāṃ kuṇḍasannidhau //

Nachdem er den ersten Anteil aller gekochten Speisen genommen und zwei kleine Kreise gemacht hat, gebe er innen und außen eine Bali-Spende im Südosten nahe der Grube.

Wort für Wort
sarvapākāgram
den ersten Anteil aller Speisen
maṇḍalakadvayam
zwei kleine Kreise
antaḥ bahiḥ
innen und außen
balim dadyāt
er gebe eine Bali-Spende
āgneyyām
im Südosten
kuṇḍasannidhau
nahe der Grube

oṃ hāṃ rudrebhyaḥ svāhā pūrve mātṛbhyo dakṣiṇe tathā / vāruṇe hāṃ gaṇebhyaś ca svāhā tebhyastvayaṃ baliḥ //

„Oṃ hāṃ, den Rudras svāhā“ im Osten; ebenso den Müttern im Süden; im Westen „hāṃ, den Gaṇas svāhā; für sie ist diese Bali-Spende“.

Wort für Wort
rudrebhyaḥ
den Rudras
pūrve
im Osten
mātṛbhyaḥ dakṣiṇe
den Müttern im Süden
vāruṇe
im Westen
gaṇebhyaḥ
den Gaṇas
tebhyaḥ tu ayam baliḥ
für sie ist diese Spende

uttare hāñca yakṣebhya īśāne hāṃ grahebhya u / agnau hāmasurebhyaś ca rakṣobhyo nairṛte baliḥ //

Im Norden „hāṃ, den Yakṣas“, im Nordosten „hāṃ, den Planeten“, im Südosten „hāṃ, den Asuras“ und im Südwesten die Bali-Spende für die Rakṣas.

Wort für Wort
uttare
im Norden
yakṣebhyaḥ
den Yakṣas
grahebhyaḥ
den Planeten
agnau asurebhyaḥ
im Südosten den Asuras
rakṣobhyaḥ nairṛte
den Rakṣas im Südwesten

grahebhya u: u wohl Füllsilbe.

vāyavye hāñca nāgebhyo nakṣatrebhyaś ca madhyataḥ / hāṃ rāśibhyaḥ svāhā vahnau viśvebhyo nairṛte yathā //

Im Nordwesten „hāṃ, den Nāgas“, in der Mitte den Mondhäusern; „hāṃ, den Tierkreiszeichen svāhā“ im Südosten, den Viśve[devas] im Südwesten, wie [vorgeschrieben];

Wort für Wort
vāyavye
im Nordwesten
nāgebhyaḥ
den Nāgas
nakṣatrebhyaḥ madhyataḥ
den Mondhäusern in der Mitte
rāśibhyaḥ
den Tierkreiszeichen
viśvebhyaḥ
den Viśvedevas

vāruṇyāṃ kṣetrapālāya antarbalirudāhṛtaḥ / dvitīye maṇḍale vāhye indyāyāgniyamāya ca //

im Westen dem Kṣetrapāla – [dies] ist die innere Bali-Spende. Im zweiten, äußeren Kreis [gebe er] dem Indra, Agni, Yama,

Wort für Wort
vāruṇyām
im Westen
kṣetrapālāya
dem Feldhüter
antarbaliḥ udāhṛtaḥ
die innere Spende ist erklärt
dvitīye maṇḍale bāhye
im zweiten, äußeren Kreis
indrāya agnaye yamāya
Indra, Agni, Yama

indyāya für indrāya.

nairṛtāya jaleśāya vāyave dhanarakṣiṇe / īśānāya ca pūrvādau hīśāne brahmaṇe namaḥ //

Nirṛti, dem Herrn der Gewässer, Vāyu, dem Hüter der Schätze und Īśāna, von Osten an; im Nordosten: „Verehrung dem Brahmā“,

Wort für Wort
nairṛtāya
dem Nirṛti
jaleśāya
dem Herrn der Gewässer (Varuṇa)
dhanarakṣiṇe
dem Schatzhüter (Kubera)
pūrvādau
von Osten an
brahmaṇe namaḥ
Verehrung dem Brahmā

nairṛte viṣṇave svāhā vāyasādervahirbaliḥ / balidvayagatānmantrān saṃhāramudrayā.atmani //

im Südwesten: „dem Viṣṇu svāhā“; außerhalb die Bali-Spende für die Krähen usw. Die in den beiden Bali-Spenden befindlichen Mantras [nehme er] mit der Saṃhāra-Mudrā in sich selbst [zurück].

Wort für Wort
nairṛte
im Südwesten
viṣṇave svāhā
dem Viṣṇu svāhā
vāyasādeḥ bahirbaliḥ
äußere Spende für Krähen usw.
balidvayagatān mantrān
die Mantras der beiden Spenden
saṃhāramudrayā ātmani
mit der Rücknahme-Mudrā in sich

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks