Kapitel 177: dvitīyāvratāni
Die Gelübde des zweiten Mondtags
Gelübde des zweiten Mondtags: Verehrung der Aśvins und Yamas, das Aśūnyaśayana-Gelübde (gegen Witwenschaft und Trennung der Ehegatten) mit Gebeten an Viṣṇu und Lakṣmī und Ehrengabe an den Mond, das Kānti-Gelübde für Balarāma und Keśava sowie ein viertägiges Viṣṇu-Gelübde mit Kräuterbädern. Mehrere Digitalisierungsfehler (śuktipakṣa, ditīyā, śiṣṇuvrata, rajanīdvarya); die Bīja-Folge in V. 11 ist unklar.
Agni sprach: Ich werde das Gelübde des zweiten Mondtags darlegen, das Genuss und Erlösung gewährt. Wer sich am zweiten [Mondtag] von Blumen ernährt, soll die beiden göttlichen Aśvins verehren;
[wer dies] ein Jahr lang [übt], erlangt als Gelübdeträger Schönheit der Gestalt und Glück und wird des Himmels teilhaftig. Am zweiten Mondtag der hellen Hälfte des Kārttika verehre man Yama;
Wort für Wort
abdam
ein Jahr
svarūpa-saubhāgyam
schöne Gestalt und Glück
svarga-bhāk
des Himmels teilhaftig
śukla-pakṣasya
der hellen Monatshälfte
yamam yajet
man verehre Yama
śuktipakṣasya für śuklapakṣasya; ditīyāyāṃ für dvitīyāyāṃ.
wer ein Jahr lang [so] fastet, gelangt als Gelübdeträger in den Himmel, nicht in die Hölle. Ich werde das [Gelübde] „Aśūnyaśayana“ (Nicht-leeres Lager) darlegen, das Bewahrung vor Witwenschaft usw. gewährt.
Am zweiten Mondtag der dunklen Hälfte des Śrāvaṇa übe man es: „O Träger des Śrīvatsa, Geliebter der Śrī, Stätte der Śrī, Herr der Śrī, Unvergänglicher,
bhābhāsitādigābhoga rāmānuja namo 'stu te / oṃ śrīṃ śrīdharāya namaḥ somātmānaṃ hariṃ yajet //
der du mit Glanz die Weite der Himmelsrichtungen erleuchtest, jüngerer Bruder der Ramā (Lakṣmī), Verehrung sei dir!“ Mit „oṃ śrīṃ śrīdharāya namaḥ“ (Oṃ śrīṃ, Verehrung dem Träger der Śrī) verehre man Hari, der das Wesen des Mondes hat.
Wort für Wort
bhā-bhāsita-dig-ābhoga
der die Weite der Himmelsrichtungen mit Glanz erleuchtet
ramā-anuja
jüngerer Bruder der Ramā
namaḥ astu te
Verehrung sei dir
soma-ātmānam harim
Hari, der das Wesen des Mondes hat
yajet
man verehre
bhābhāsitādigābhoga = bhā-bhāsita-dig-ābhoga; rāmānuja: der Mond als jüngerer Bruder der ebenfalls aus dem Milchozean hervorgegangenen Ramā/Lakṣmī.
ghaṃ ḍhaṃ bhaṃ haṃ śriyai namo daśarūpamahātmane / ghṛtena homo naktañca śayyāṃ dadyāddvijātaye //
[Mit] „ghaṃ ḍhaṃ bhaṃ haṃ, Verehrung der Śrī“ [verehre man die Göttin], [und] dem zehngestaltigen Hochherzigen [?]. Nachts [erfolgt] ein Opfer mit Schmelzbutter; man schenke einem Zweimalgeborenen ein Bett,
Wort für Wort
śriyai namaḥ
Verehrung der Śrī
daśa-rūpa-mahātmane
dem zehngestaltigen Hochherzigen
ghṛtena homaḥ
Opfer mit Schmelzbutter
naktam
nachts
śayyām dadyāt dvijātaye
man schenke einem Zweimalgeborenen ein Bett
Bīja-Folge ghaṃ ḍhaṃ bhaṃ haṃ ungewöhnlich; daśarūpamahātmane („dem Hochherzigen mit zehn Gestalten“, wohl Viṣṇu mit seinen zehn Herabkünften) im Bezug unklar.
dīpānnabhājanair yuktaṃ chatropānahamāsanaṃ / sodakumbhañca pratimāṃ viprāyātha ca pātrakaṃ //
versehen mit Lampe, Speise und Gefäßen, [dazu] einen Schirm, Schuhe, einen Sitz, einen Wasserkrug, das Bild [der Gottheit] und ein Gefäß an den Brahmanen.
patnyā ya evaṃ kurute bhuktimuktimavāpnuyāt / kāntivrataṃ pravakṣyāmi kārttikasya site caret //
Wer dies mit seiner Gattin so ausführt, erlangt Genuss und Erlösung. Ich werde das Kānti-Gelübde (Gelübde der Anmut) darlegen; man übe es in der hellen Hälfte des Kārttika.
Murā, Māṃsī (Narde), Vacā (Kalmus), Kuṣṭha, Śaileya (Steinflechte), die beiden Rajanī (Gelbwurz-Arten), Śaṭī, Campaka und Musta (Zypergras) gelten als die Gruppe „aller Heilkräuter“.
śaśicandraśaśāṅkendusañjñābhiścārghyaṃ indave / naktaṃ bhuñjīta ca naro yāvattiṣṭhati candramāḥ //
Mit den Bezeichnungen Śaśin, Candra, Śaśāṅka und Indu [bringe man] dem Mond eine Ehrengabe; und der Mann esse nachts, solange der Mond [am Himmel] steht.
[Wer dies] sechs Monate [übt], wird rein; [wer es] ein Jahr [übt], erlangt als Gelübdeträger alles. Dieses Gelübde wurde früher von Königen, Frauen, Göttern usw. geübt.