Kapitel 171: rahasyādiprāyaścittam
Sühne für geheime Vergehen und die Arten der Bußübungen
Puṣkara nennt Sühnen für geheime Sünden durch das Murmeln von Puruṣa-Lied, Aghamarṣaṇa und Gāyatrī und beschreibt dann systematisch die Bußübungen (Kṛcchras): Vīrāsana, verschiedene Cāndrāyaṇas, Taptakṛcchra, Sāntapana, Parāka, Prājāpatya, Nahrungs-Kṛcchras mit Früchten, Blättern usw. sowie das Brahmakūrca. Der Kopfteil nennt nur prāyaścittāni, der Titel ist aus dem Kolophon (dort verschrieben rahasyādiprāyaśvittaṃ) genommen; in Vers 12 und 15 fehlen offenbar einzelne Bezeichnungen.
puṣkara uvāca | prāyaścittaṃ rahasyādi vakṣye śuddhikaraṃ para / pauruṣeṇa tu sūktena māsaṃ japyādināghahā //
Puṣkara sprach: Ich will die Sühne für geheime (Vergehen) und anderes nennen, die höchste Reinigung bewirkt. Wer einen Monat lang das Puruṣa-Lied murmelt und dergleichen, tilgt die Sünde.
Wer dreimal das Aghamarṣaṇa gemurmelt hat, wird von allen Sünden befreit. Durch Vedamurmeln, Atemzügelung, die Gāyatrī und durch Gelübde (wird man) sündentilgend [?].
Wort für Wort
mucyate pātakaiḥ sarvaiḥ
wird von allen Sünden befreit
japtvā triḥ
dreimal gemurmelt
aghamarṣaṇam
das Sündentilger-Lied
veda-japyāt vāyu-yamāt
durch Vedamurmeln, Atemzügelung
gāyatryā vratataḥ
durch Gāyatrī und Gelübde
vratato 'dyahā ist wohl für vratato 'ghahā verschrieben.
(Täglich) eine Mahlzeit, drei Tage lang geübt, dann der Reihe nach (drei Tage) nur nachts (essen), (drei Tage nur) Unerbetenes, und am Ende (drei Tage) fasten: das ist das Prājāpatya; ein Viertel davon ist das Viertel-Kṛcchra.
Einen Monat mit Früchten ist das Frucht-Kṛcchra; mit Bilva-Früchten heißt es Śrī-Kṛcchra; ebenso (entsprechende Kṛcchras) mit Lotossamen und mit Āmalaka-Früchten; das Blumen-Kṛcchra mit Blumen.
Wort für Wort
phalaiḥ māsam
einen Monat mit Früchten
phala-kṛcchram
Frucht-Buße
bilvaiḥ śrī-kṛcchraḥ
mit Bilva die Śrī-Buße
padmākṣaiḥ āmalakaiḥ
mit Lotossamen, Āmalakas
puṣpa-kṛcchram puṣpakaiḥ
Blumen-Buße mit Blumen
śrīkcchra für śrīkṛcchra. Für padmākṣa und āmalaka fehlen die Namen der Übungen; wohl ausgefallen.
ebenso das Blatt-Kṛcchra mit Blättern, das Wasser-Kṛcchra aber mit Wasser, ebenso das Wurzel-Kṛcchra mit Wurzeln, (und entsprechende) mit saurer Milch, Milch und Buttermilch.
Einen Monat lang vom Essen einer Handvoll Speise (zu leben) sei das Vāyavya-Kṛcchra; mit Sesam zwölf Nächte lang ist das Āgneya-Kṛcchra, das Leiden vertreibt.
Einen halben Monat mit einer Hohlhand voll gerösteter Körner (ist ein weiteres Kṛcchra) [?]. Das Brahmakūrca aber sei so: Nachdem er am Vierzehnten gefastet hat, soll er unmittelbar danach am Fünfzehnten
Wort für Wort
pākṣam
einen halben Monat
prasṛtyā lājānām
mit einer Hohlhand gerösteter Körner
brahma-kūrcam
Brahmakūrca-Buße
upoṣitaḥ caturdaśyām
am Vierzehnten gefastet
pañcadaśyām anantaram
danach am Fünfzehnten
Der Name des Kṛcchra mit gerösteten Körnern ist nicht genannt.
śrīkāmaḥ puṣṭikāmaś ca svargakāmo 'ghanaṣṭaye / devatārādhanaparaḥ kṛcchrakārī sa sarvabhāk //
Wer Glück begehrt, wer Gedeihen begehrt, wer den Himmel begehrt, (oder) zur Tilgung der Sünde: der Kṛcchra-Übende, der der Verehrung der Gottheit hingegeben ist, erlangt alles.