Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 209: dānaparibhāṣākathanaṃ Die allgemeinen Regeln des Gebens

Agni legt die Grundregeln des Gebens dar: Iṣṭa und Pūrta, günstige Zeiten (Sonnenübergänge mit ihren heiligen Zeitspannen, Yuga- und Manvantara-Anfänge, Aṣṭakās), die zehn großen Gaben, Arten des Vermögens und des Frauenguts, die Abstufung des Verdiensts nach Empfängern, das Verhalten des Empfängers, die Gottheiten der einzelnen Gabengegenstände und die allgemeine Gabenformel. Das Kolophon nennt das Kapitel dānaparibhāṣā. Zahlreiche Schreibfehler der Digitalisierung (z. B. vipuve, āvāṇe, śulkaṃ statt śuklaṃ); in V. 34 ist ein Multiplikator verderbt, die Manvantara-Liste V. 16–18 zählt nur 13 Tage.

agnir uvāca | dānadharmān pravakṣyāmi bhuktimuktidān śṛṇu / dānamiṣṭaṃ tathā pūrtaṃ dharmaṃ kurvan hi sarvabhāk //

Agni sprach: Die Pflichten des Gebens will ich verkünden, die Genuss und Erlösung gewähren; höre! Das Geben [umfasst] das Iṣṭa und ebenso das Pūrta; wer diese Pflicht übt, hat an allem teil.

Wort für Wort
dāna-dharmān pravakṣyāmi
die Pflichten des Gebens werde ich verkünden
bhukti-mukti-dān
Genuss und Erlösung gebend
dānam iṣṭam tathā pūrtam
Geben: Opferwerk (iṣṭa) und gemeinnütziges Werk (pūrta)
dharmam kurvan
die Pflicht übend
sarva-bhāj
an allem teilhabend

vāpīkūpataḍāgāni devatāyatanāni ca / annapradānamārāmāḥ pūrtaṃ dharmaṃ ca muktidaṃ //

Stufenbrunnen, Brunnen und Teiche, Göttertempel, Speisespende und Gärten – das ist das Pūrta-Dharma, und es gewährt Erlösung.

Wort für Wort
vāpī-kūpa-taḍāgāni
Stufenbrunnen, Brunnen, Teiche
devatā-āyatanāni
Göttertempel
anna-pradānam
Speisespende
ārāmāḥ
Gärten
pūrtam dharmam mukti-dam
das Pūrta-Dharma, Erlösung gebend

agnihotraṃ tapaḥ satyaṃ vedānāñcānupālanaṃ / ātithyaṃ vaiśvadevañca prāhuriṣṭañca nākadaṃ //

Das Feueropfer (Agnihotra), Askese, Wahrhaftigkeit, die Bewahrung der Veden, Gastfreundschaft und das Vaiśvadeva-Opfer nennt man Iṣṭa, und es verleiht den Himmel.

Wort für Wort
agnihotram tapaḥ satyam
Feueropfer, Askese, Wahrhaftigkeit
vedānām anupālanam
Bewahrung der Veden
ātithyam vaiśvadevam
Gastfreundschaft, Allgötteropfer
prāhuḥ iṣṭam
man nennt Iṣṭa
nāka-dam
den Himmel verleihend

grahoparāge yaddānaṃ sūryasaṅkramaṇeṣu ca / dvādaśyādau ca yaddānaṃ pūrtaṃ tadapi nākadaṃ //

Die Gabe bei einer Verfinsterung durch einen Planeten (Finsternis), bei den Übergängen der Sonne und am Zwölften und dergleichen – auch diese ist Pūrta und verleiht den Himmel.

Wort für Wort
graha-uparāge
bei einer Verfinsterung
sūrya-saṅkramaṇeṣu
bei den Übergängen der Sonne
dvādaśī-ādau
am Zwölften usw.
pūrtam tat api nāka-dam
auch das ist Pūrta, den Himmel gebend

deśe kāle ca pātre ca dānaṃ koṭiguṇaṃ bhavet / ayane viṣuve puṇye vyatīpāte dinakṣaye //

Am [rechten] Ort, zur [rechten] Zeit und an einen [würdigen] Empfänger wird eine Gabe zehnmillionenfach. An der Sonnenwende (Ayana), am Äquinoktium (Viṣuva), am heiligen Vyatīpāta, an einem ausfallenden Mondtag (Dinakṣaya),

Wort für Wort
deśe kāle ca pātre ca
an Ort, Zeit und Empfänger
koṭi-guṇam bhavet
wird zehnmillionenfach
ayane viṣuve
an Sonnenwende und Äquinoktium
puṇye vyatīpāte
am heiligen Vyatīpāta
dina-kṣaye
am Tagesausfall

yugādiṣu ca saṅkrāntau caturdaśyaṣṭamīṣu ca / sitapañcadaśīsarvadvādaśīṣvaṣṭakāsu ca //

an den Yuga-Anfängen, am Sonneneintritt (Saṅkrānti), am Vierzehnten und am Achten, am Vollmond der hellen Hälfte, an allen Zwölften und an den Aṣṭakā-Tagen,

Wort für Wort
yuga-ādiṣu
an den Anfangstagen der Weltalter
saṅkrāntau
am Sonneneintritt
caturdaśī-aṣṭamīṣu
am Vierzehnten und Achten
sita-pañcadaśī
Vollmond der hellen Hälfte
sarva-dvādaśīṣu aṣṭakāsu
an allen Zwölften und Aṣṭakās

yajñotsavavibāheṣu tathā manvantarādiṣu / vaidhṛte dṛṣṭaduḥkhapne dravyabrāhmaṇalābhataḥ //

bei Opfern, Festen und Hochzeiten, ebenso an den Anfängen der Manu-Perioden, beim Vaidhṛti[-Yoga], nach einem gesehenen bösen Traum, bei Erlangung einer [geeigneten] Substanz oder eines [würdigen] Brahmanen,

Wort für Wort
yajña-utsava-vivāheṣu
bei Opfern, Festen, Hochzeiten
manvantara-ādiṣu
an den Anfängen der Manu-Perioden
vaidhṛte
beim Vaidhṛti-Yoga
dṛṣṭa-duḥsvapne
nach gesehenem bösen Traum
dravya-brāhmaṇa-lābhataḥ
bei Erlangung von Gut oder Brahmanen

vibāheṣu = vivāheṣu; duḥkhapne = duḥsvapne.

śraddhā vā yaddine tatra sadā vā dānamiṣyate / ayane dve vipuve dve catasraḥ ṣaḍaśītayaḥ //

oder an dem Tag, an dem Glaube [aufkommt] – dann, oder aber jederzeit, ist das Geben erwünscht. Zwei Sonnenwenden, zwei Äquinoktien, vier Ṣaḍaśīti-[Übergänge]

Wort für Wort
śraddhā vā yat-dine
oder an dem Tag, an dem Glaube [da ist]
sadā vā dānam iṣyate
oder stets ist Geben erwünscht
ayane dve
zwei Sonnenwenden
viṣuve dve
zwei Äquinoktien
catasraḥ ṣaḍaśītayaḥ
vier Ṣaḍaśīti-Übergänge

vipuve = viṣuve.

catasro viṣṇupadyaś ca saṅkrātyo dvādaśottamāḥ / kanyāyāṃ mithune mīne dhanuṣyapi ravergatiḥ //

und vier Viṣṇupadī-[Übergänge] – [das sind] die zwölf vorzüglichsten Sonneneintritte. Der Gang der Sonne in die Jungfrau, die Zwillinge, die Fische und auch den Schützen

Wort für Wort
catasraḥ viṣṇupadyaḥ
vier Viṣṇupadī-Übergänge
saṅkrāntyaḥ dvādaśa uttamāḥ
die zwölf besten Sonneneintritte
kanyāyām mithune mīne
in Jungfrau, Zwillinge, Fische
dhanuṣi api
auch in den Schützen
raveḥ gatiḥ
der Gang der Sonne

saṅkrātyo = saṅkrāntyo.

ṣaḍaśītimukhāḥ proktāḥ ṣaḍaśītiguṇāḥ phalaiḥ / atītānāgate puṇye dve udagdakṣiṇāyane //

wird Ṣaḍaśīti-mukha genannt; [die Gaben dabei sind] an Früchten sechsundachtzigfach. Bei den beiden Sonnenwenden nach Norden und Süden ist die vergangene bzw. die kommende [Zeitspanne] heilig:

Wort für Wort
ṣaḍaśīti-mukhāḥ proktāḥ
werden Ṣaḍaśīti-mukha genannt
ṣaḍaśīti-guṇāḥ phalaiḥ
sechsundachtzigfach an Früchten
atīta-anāgate puṇye
die vergangene und kommende [Zeit] heilig
dve udak-dakṣiṇa-ayane
die beiden Wenden nach Norden und Süden

triṃśat karkaṭake nāḍyo makare viṃśatiḥ smṛtāḥ / vartamāne tulāmeṣe nāḍyāstubhayato daśa //

beim Krebs gelten dreißig Nāḍīs, beim Steinbock zwanzig; bei Waage und Widder, während [der Übergang] im Gang ist, zehn Nāḍīs auf beiden Seiten.

Wort für Wort
triṃśat karkaṭake nāḍyaḥ
dreißig Nāḍīs beim Krebs
makare viṃśatiḥ smṛtāḥ
beim Steinbock gelten zwanzig
vartamāne tulā-meṣe
bei Waage und Widder, während im Gang
nāḍyaḥ tu ubhayataḥ daśa
zehn Nāḍīs auf beiden Seiten

nāḍī: Zeiteinheit von 24 Minuten.

ṣaḍaśītyāṃ vyatītāyāṃ ṣaṣṭiruktāstu nāḍikāḥ / puṇyākhyā viṣṇupādyāñca prākpaścādapi ṣoḍaśa //

Wenn der Ṣaḍaśīti-[Übergang] vergangen ist, werden sechzig Nāḍikās genannt; bei den Viṣṇupadī-[Übergängen] heißen sechzehn vorher und auch nachher heilig.

Wort für Wort
ṣaḍaśītyām vyatītāyām
wenn der Ṣaḍaśīti vergangen ist
ṣaṣṭiḥ uktāḥ nāḍikāḥ
sechzig Nāḍikās werden genannt
puṇya-ākhyāḥ
heilig genannt
viṣṇupadyām
beim Viṣṇupadī
prāk paścāt api ṣoḍaśa
sechzehn vorher und nachher

śravaṇāśvidhaniṣṭhāsu nāgadaivatamastake / yadā syādravivāreṇa vyatīpātaḥ sa ucyate //

Wenn [das Mondhaus] Śravaṇa, Aśvinī, Dhaniṣṭhā oder der Anfang des den Schlangen geweihten [Mondhauses Āśleṣā] mit einem Sonntag zusammentrifft, heißt das Vyatīpāta.

Wort für Wort
śravaṇa-aśvi-dhaniṣṭhāsu
in Śravaṇa, Aśvinī, Dhaniṣṭhā
nāga-daivata-mastake
am Kopf des Schlangen-Mondhauses
yadā syāt ravi-vāreṇa
wenn es mit dem Sonntag [zusammentrifft]
vyatīpātaḥ saḥ ucyate
das heißt Vyatīpāta

nāgadaivatamastake: wohl der Anfang von Āśleṣā (Gottheit: Schlangen).

navamyāṃ śuklapakṣasya kārttike niragāt kṛtaṃ / tretā sitatṛtīyāyāṃ vaiśākhe dvāparaṃ yugaṃ //

Am Neunten der hellen Hälfte im Kārttika ging das Kṛta[-Zeitalter] hervor, die Tretā am hellen Dritten im Vaiśākha, das Dvāpara-Zeitalter

Wort für Wort
navamyām śukla-pakṣasya
am Neunten der hellen Hälfte
kārttike niragāt kṛtam
im Kārttika ging das Kṛta hervor
tretā sita-tṛtīyāyām
die Tretā am hellen Dritten
vaiśākhe dvāparam yugam
im Vaiśākha; das Dvāpara-Zeitalter

darśe vai māghamāsasya trayodaśyāṃ nabhasyake / kṛṣṇe kaliṃ vijānīyāj jñeyā manvantarādayaḥ //

am Neumondtag des Monats Māgha; das Kali erkenne man am Dreizehnten im Nabhasya (Bhādrapada), in der dunklen Hälfte. [Nun] sind die Anfänge der Manu-Perioden zu kennen:

Wort für Wort
darśe māgha-māsasya
am Neumond des Māgha
trayodaśyām nabhasyake kṛṣṇe
am dunklen Dreizehnten des Nabhasya
kalim vijānīyāt
das Kali erkenne man
jñeyāḥ manvantara-ādayaḥ
zu kennen sind die Manvantara-Anfänge

aśvayukacchuklanavamī dvādaśī kārttike tathā / tṛtīyā caiva māghasya tathā bhādrapadasya ca //

der helle Neunte im Aśvayuj, ebenso der Zwölfte im Kārttika, der Dritte des Māgha und ebenso des Bhādrapada,

Wort für Wort
aśvayuk-śukla-navamī
der helle Neunte im Aśvayuj
dvādaśī kārttike
der Zwölfte im Kārttika
tṛtīyā māghasya
der Dritte des Māgha
bhādrapadasya ca
und des Bhādrapada

phālgunasyāpyamāvāsyā pauṣasyaikādaśī tathā / āṣāḍhasyāpi daśamī māghamāsasya saptamī //

auch der Neumond des Phālguna, ebenso der Elfte des Pauṣa, auch der Zehnte des Āṣāḍha, der Siebte des Monats Māgha,

Wort für Wort
phālgunasya amāvāsyā
der Neumond des Phālguna
pauṣasya ekādaśī
der Elfte des Pauṣa
āṣāḍhasya daśamī
der Zehnte des Āṣāḍha
māgha-māsasya saptamī
der Siebte des Māgha

āvāṇe cāṣṭamī kṛṣṇā tathāṣāḍhe ca pūrṇimā / kārttike phālgune tadvaj jyaiṣṭhe pañcadaśī tathā //

im Śrāvaṇa der dunkle Achte, ebenso im Āṣāḍha der Vollmond, im Kārttika, im Phālguna und ebenso im Jyaiṣṭha der Fünfzehnte (Vollmond).

Wort für Wort
śrāvaṇe aṣṭamī kṛṣṇā
im Śrāvaṇa der dunkle Achte
āṣāḍhe pūrṇimā
im Āṣāḍha der Vollmond
kārttike phālgune
im Kārttika, im Phālguna
jyaiṣṭhe pañcadaśī
im Jyaiṣṭha der Fünfzehnte

āvāṇe ist Verderbnis für śrāvaṇe. Die Liste V. 16–18 nennt nur 13 statt der zu erwartenden 14 Manvantara-Anfänge.

ūrdhve caivāgrahāyaṇyā aṣtakāstisra īritāḥ / aṣṭakākhyā cāṣṭamī syādāsu dānāni cākṣyayaṃ //

Nach dem Āgrahāyaṇī-[Vollmond] werden drei Aṣṭakās genannt; und der Achte heißt Aṣṭakā. An diesen sind die Gaben unvergänglich.

Wort für Wort
ūrdhvam āgrahāyaṇyāḥ
nach dem Āgrahāyaṇī-Vollmond
aṣṭakāḥ tisraḥ īritāḥ
drei Aṣṭakās werden genannt
aṣṭakā-ākhyā aṣṭamī
der Achte heißt Aṣṭakā
āsu dānāni akṣayam
an diesen sind Gaben unvergänglich

cākṣyayaṃ = cākṣayaṃ.

gayāgaṅgāprayāgādau tīrthe devālayādiṣu / aprārthitāni dānāni vidyārthaṃ kanyakā na hi //

An Pilgerstätten wie Gayā, Gaṅgā, Prayāga und an Tempeln und dergleichen [gebe man] unerbetene Gaben; für Wissen und ein Mädchen jedoch [gilt das] nicht [?].

Wort für Wort
gayā-gaṅgā-prayāga-ādau tīrthe
an Pilgerstätten wie Gayā, Gaṅgā, Prayāga
deva-ālaya-ādiṣu
an Tempeln usw.
aprārthitāni dānāni
unerbetene Gaben
vidyā-artham kanyakā na hi
für Wissen und Mädchen nicht

Sinn der zweiten Vershälfte unsicher; wohl: um Wissen und um ein Mädchen (zur Ehe) darf gebeten werden.

dadyāt pūrvamukho dānaṃ gṛhṇīyāduttarāmukhaḥ / āyurvivardhate dāturgrahītuḥ kṣīyate na tat //

Mit dem Gesicht nach Osten gebe man die Gabe, mit dem Gesicht nach Norden nehme man sie an. [So] wächst das Leben des Gebers, und das des Empfängers schwindet nicht.

Wort für Wort
dadyāt pūrva-mukhaḥ
man gebe nach Osten gewandt
gṛhṇīyāt uttara-mukhaḥ
man nehme nach Norden gewandt
āyuḥ vivardhate dātuḥ
das Leben des Gebers wächst
grahītuḥ kṣīyate na
das des Empfängers schwindet nicht

nāma gotraṃ samuccārya sampradānasya cātmanaḥ / sampradeyaṃ prayacchanti kanyādāne punastrayaṃ //

Nachdem man Namen und Geschlecht (Gotra) des Empfängers und seiner selbst ausgesprochen hat, übergibt man das zu Gebende; bei der Gabe eines Mädchens aber [nennt man] drei [Generationen].

Wort für Wort
nāma gotram samuccārya
Namen und Geschlecht ausgesprochen habend
sampradānasya ātmanaḥ
des Empfängers und seiner selbst
sampradeyam prayacchanti
man übergibt das zu Gebende
kanyā-dāne punaḥ trayam
bei der Mädchengabe aber drei

snātvābhyarcya vyāhṛtibhirdadyāddānantu sodakaṃ / kanakāśvatilā nāgā dāsīrathamahīgṛhāḥ //

Nachdem man gebadet und verehrt hat, gebe man die Gabe mit den Vyāhṛtis, samt Wasser. Gold, Pferde, Sesam, Elefanten, Sklavinnen, Wagen, Land, Häuser,

Wort für Wort
snātvā abhyarcya
gebadet und verehrt habend
vyāhṛtibhiḥ
mit den Vyāhṛti-Formeln
dadyāt dānam sa-udakam
man gebe die Gabe samt Wasser
kanaka-aśva-tilāḥ nāgāḥ
Gold, Pferde, Sesam, Elefanten
dāsī-ratha-mahī-gṛhāḥ
Sklavinnen, Wagen, Land, Häuser

kanyā ca kapilā dhenurmahādānāni vai daśa / śrutaśauryatapaḥkanyāyājyaśiṣyādupagataṃ //

ein Mädchen und eine braune Kuh (Kapilā) – das sind die zehn großen Gaben. Was durch Gelehrsamkeit, Tapferkeit, Askese, [als Brautgabe für ein] Mädchen, von einem, für den man opfert, und von einem Schüler erlangt ist,

Wort für Wort
kanyā ca kapilā dhenuḥ
ein Mädchen und eine braune Kuh
mahā-dānāni daśa
die zehn großen Gaben
śruta-śaurya-tapaḥ
Gelehrsamkeit, Tapferkeit, Askese
kanyā-yājya-śiṣyāt upagatam
von Mädchen, Opferherrn und Schüler erlangt

śulkaṃ dhanaṃ hi sakalaṃ śulkaṃ śilpānuvṛttitaḥ / kuśīdakṛṣivāṇijyaprāptaṃ yadupakārataḥ //

ist gänzlich „weißes“ (reines) Vermögen; „gesprenkeltes“ [?] ist das aus Ausübung eines Handwerks, das durch Zinsverleih, Ackerbau und Handel erlangte und das aus Gefälligkeit [erworbene];

Wort für Wort
śuklam dhanam sakalam
gänzlich weißes (reines) Vermögen
śabalam [?]
gesprenkelt
śilpa-anuvṛttitaḥ
aus Ausübung eines Handwerks
kusīda-kṛṣi-vāṇijya-prāptam
durch Zins, Ackerbau, Handel erlangt
upakārataḥ
aus Gefälligkeit

Zweimal śulkaṃ (Brautpreis) überliefert; gemeint ist offenbar die Dreiteilung des Vermögens in weißes (śuklam), gesprenkeltes (śabalam) und schwarzes (kṛṣṇam); zu lesen wohl śuklaṃ … śabalaṃ.

pāśakadyūtacauryādipratirūpakasāhasaiḥ / vyājenopāvarjitaṃ kṛtsnaṃ trividhaṃ trividhaṃ phalaṃ //

das durch Würfel, Glücksspiel, Diebstahl und dergleichen, durch Fälschung und Gewalttat, durch Betrug Erworbene ist gänzlich [„schwarz“]. Dreifach [ist das Vermögen], dreifach [entsprechend] die Frucht.

Wort für Wort
pāśaka-dyūta-caurya-ādi
Würfel, Glücksspiel, Diebstahl usw.
pratirūpaka-sāhasaiḥ
durch Fälschung und Gewalt
vyājena upārjitam
durch Betrug erworben
kṛtsnam
gänzlich [schwarz]
trividham trividham phalam
dreifach, dreifach die Frucht

adhyagnyadhyāvāhanikaṃ dattañca prītikarmaṇi / bhrātṛmātṛpitṛprāptaṃ ṣaḍvidhaṃ strīdhanaṃ smṛtaṃ //

Das am Feuer [bei der Hochzeit] Gegebene, das beim Heimführen [der Braut] Gegebene, das bei einem Liebeserweis Gegebene und das von Bruder, Mutter und Vater Erlangte – das gilt als sechsfaches Frauengut (Strīdhana).

Wort für Wort
adhyagni
am Feuer [gegeben]
adhyāvāhanikam
beim Heimführen gegeben
dattam prīti-karmaṇi
bei einem Liebeserweis gegeben
bhrātṛ-mātṛ-pitṛ-prāptam
von Bruder, Mutter, Vater erlangt
ṣaḍvidham strīdhanam smṛtam
gilt als sechsfaches Frauengut

brahmakṣatraviśāṃ dravyaṃ śūdrasyaiṣāmanugrahāt / bahubhyo na pradeyāni gaurgṛhaṃ śayanaṃ stryiyaḥ //

Das Gut der Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas [ist zu geben]; das des Śūdra [nur] mit deren Gunst [?]. Nicht an mehrere zu geben sind: Kuh, Haus, Bett und Frau.

Wort für Wort
brahma-kṣatra-viśām dravyam
das Gut von Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas
śūdrasya eṣām anugrahāt
das des Śūdra durch deren Gunst
bahubhyaḥ na pradeyāni
nicht an mehrere zu geben
gauḥ gṛham śayanam striyaḥ
Kuh, Haus, Bett, Frau

stryiyaḥ = striyaḥ. Sinn von śūdrasyaiṣām anugrahāt unsicher.

kulānāntu śataṃ hanyādaprayacchan pratiśrutaṃ / devānāñca gurūṇāñca mātāpitrostathaiva ca //

Wer das Versprochene nicht gibt, vernichtet hundert Geschlechter. Den Göttern, den Lehrern und ebenso Mutter und Vater

Wort für Wort
kulānām śatam hanyāt
er vernichtet hundert Geschlechter
aprayacchan pratiśrutam
das Versprochene nicht gebend
devānām gurūṇām
der Götter, der Lehrer
mātā-pitroḥ
von Mutter und Vater

puṇyaṃ deyaṃ prayatnena yat puṇyañcārjitaṃ kvacit / pratilābhecchayā dattaṃ yaddhanaṃ tadapārthakaṃ //

ist Verdienst mit Sorgfalt zu geben, was an Verdienst man irgendwo erworben hat. Vermögen, das in der Hoffnung auf Gegenleistung gegeben wird, ist nutzlos.

Wort für Wort
puṇyam deyam prayatnena
Verdienst ist sorgfältig zu geben
yat puṇyam arjitam kvacit
welches Verdienst irgendwo erworben ist
pratilābha-icchayā dattam
mit Wunsch nach Gegengabe gegeben
tat apārthakam
das ist nutzlos

śraddhayā sādhyate dharmo dattaṃ vāryapi cākṣayaṃ / jñānaśīlaguṇopetaḥ parapīḍāvahiṣkṛtaḥ //

Durch Glauben (Śraddhā) wird das Dharma verwirklicht; selbst gegebenes Wasser ist [dann] unvergänglich. Wer mit Wissen, gutem Wandel und Tugenden versehen ist, von der Schädigung anderer fern,

Wort für Wort
śraddhayā sādhyate dharmaḥ
durch Glauben wird Dharma verwirklicht
dattam vāri api akṣayam
auch gegebenes Wasser ist unvergänglich
jñāna-śīla-guṇa-upetaḥ
mit Wissen, Wandel, Tugenden versehen
para-pīḍā-bahiṣkṛtaḥ
fern von Schädigung anderer

vahiṣkṛtaḥ = bahiṣkṛtaḥ.

ajñānāṃ pālanāttrāṇāttat pātraṃ paramaṃ smṛtaṃ / mātuḥ śataguṇaṃ dānaṃ sahasraṃ piturucyate //

der gilt, weil er die Unwissenden behütet und rettet, als höchster Empfänger. Eine Gabe an die Mutter heißt hundertfach, an den Vater tausendfach,

Wort für Wort
ajñānām pālanāt trāṇāt
wegen Behütens und Rettens der Unwissenden
tat pātram paramam smṛtam
gilt als höchster Empfänger
mātuḥ śata-guṇam dānam
an die Mutter hundertfach die Gabe
sahasram pituḥ ucyate
tausendfach an den Vater, heißt es

anantaṃ duhiturdānaṃ sodarye dattamakṣayaṃ / amanuṣye samaṃ dānaṃ pāpe jñeyaṃ mahāphalaṃ //

unendlich die Gabe an die Tochter; das an einen leiblichen Bruder Gegebene ist unvergänglich; an einen Nichtmenschen ist die Gabe gleich [einfach]; an einen Sünder ist sie als von großer Frucht zu erkennen [?].

Wort für Wort
anantam duhituḥ dānam
unendlich die Gabe an die Tochter
sodarye dattam akṣayam
dem leiblichen Bruder Gegebenes unvergänglich
amanuṣye samam dānam
an einen Nichtmenschen gleich
pāpe jñeyam mahā-phalam
an einen Sünder von großer Frucht [?]

pāpe jñeyaṃ mahāphalaṃ widerspricht der Erwartung; möglicherweise verderbt (etwa aphalam „fruchtlos“).

varṇasaṅkare dviguṇaṃ śūdre dānaṃ caturguṇaṃ / vaiśye cāṣṭaguṇaṃ kṣatre ṣoḍaśatvaṃ dvijavruve //

An einen aus einer Kastenmischung zweifach, an einen Śūdra ist die Gabe vierfach, an einen Vaiśya achtfach, an einen Kṣatriya sechzehnfach, an einen bloß dem Namen nach Zweimalgeborenen [?] …

Wort für Wort
varṇa-saṅkare dvi-guṇam
an einen Kastengemischten zweifach
śūdre catur-guṇam
an einen Śūdra vierfach
vaiśye aṣṭa-guṇam
an einen Vaiśya achtfach
kṣatre ṣoḍaśa
an einen Kṣatriya sechzehnfach
dvija-bruve
an einen, der sich nur Zweimalgeborener nennt

ṣoḍaśatvaṃ dvijavruve: der Multiplikator für den dvijabruva ist verderbt oder ausgefallen.

vedādhyāye śataguṇamantaṃ vedabodhake / purohite yājakādau dānamakṣayamucyate //

an einen, der den Veda studiert, hundertfach, unendlich an einen Lehrer des Veda; an einen Hauspriester, einen Opferpriester und dergleichen heißt die Gabe unvergänglich.

Wort für Wort
veda-adhyāyini śata-guṇam
an einen Vedastudierenden hundertfach
anantam veda-bodhake
unendlich an einen Vedalehrer
purohite yājaka-ādau
an Hauspriester, Opferpriester usw.
dānam akṣayam ucyate
die Gabe heißt unvergänglich

antaṃ = anantaṃ; vedādhyāye = vedādhyāyini.

śrīvihīneṣu yaddattaṃ tadanantaṃ ca yajavani / atapasvyanadhīyānaḥ pratigraharucirdvijaḥ //

Was an Verarmte gegeben wird, ist unendlich, ebenso an einen, der Opfer darbringt. Ein Zweimalgeborener, der keine Askese übt, nicht studiert und Gefallen an der Annahme von Gaben findet,

Wort für Wort
śrī-vihīneṣu yat dattam
was Verarmten gegeben wird
tat anantam
das ist unendlich
yajvani
an einen Opfernden
atapasvī anadhīyānaḥ
ohne Askese, nicht studierend
pratigraha-ruciḥ dvijaḥ
ein Brahmane mit Lust am Annehmen

yajavani = yajvani.

ambhasyaśmaplavenaiva saha tenaiva majjati / snātaḥ samyagupaspṛśya gṛhṇīyāt prayataḥ śuciḥ //

versinkt wie mit einem Floß aus Stein im Wasser zusammen mit jenem [Geber]. Nachdem er gebadet und sich ordnungsgemäß mit Wasser berührt hat, nehme er [die Gabe] an, gesammelt und rein.

Wort für Wort
ambhasi aśma-plavena iva
wie mit einem Steinfloß im Wasser
saha tena eva majjati
versinkt zusammen mit jenem
snātaḥ samyak upaspṛśya
gebadet, sich richtig [mit Wasser] berührt habend
gṛhṇīyāt prayataḥ śuciḥ
nehme an, gesammelt und rein

pratigrahītā sāvitrīṃ sarvadaiva prakīrtayet / tatastu kīrtayetsārdhaṃ dravyeṇa saha daivataṃ //

Der Empfänger soll stets die Sāvitrī rezitieren; danach soll er die Gottheit zusammen mit der Substanz nennen.

Wort für Wort
pratigrahītā
der Empfänger
sāvitrīm sarvadā prakīrtayet
rezitiere stets die Sāvitrī
tataḥ kīrtayet
danach nenne er
dravyeṇa saha daivatam
die Gottheit samt der Substanz

pratigrāhī paṭheduccaiḥ pratigṛhya dvijottamāt / mandaṃ paṭhet kṣatriyāttu upāṃśu ca tathā viśaḥ //

Der Empfänger soll laut rezitieren, wenn er von einem vorzüglichen Brahmanen empfangen hat, gedämpft von einem Kṣatriya und ebenso flüsternd von einem Vaiśya,

Wort für Wort
pratigrāhī paṭhet uccaiḥ
der Empfänger rezitiere laut
pratigṛhya dvija-uttamāt
von einem besten Brahmanen empfangen habend
mandam kṣatriyāt
gedämpft [bei Gabe] von einem Kṣatriya
upāṃśu viśaḥ
flüsternd [bei Gabe] von einem Vaiśya

manasā ca tathā śūdrāt svastivācanakaṃ tathā / abhayaṃ sarvadaivatyaṃ bhūmirvai viṣṇudevatā //

und im Geist [bei Gabe] von einem Śūdra; ebenso den Segensspruch (Svastivācana). [Die Gabe der] Furchtlosigkeit hat alle Götter zur Gottheit, das Land hat Viṣṇu zur Gottheit.

Wort für Wort
manasā śūdrāt
im Geist von einem Śūdra
svasti-vācanakam
den Segensspruch
abhayam sarva-daivatyam
Furchtlosigkeit gehört allen Göttern
bhūmiḥ viṣṇu-devatā
das Land hat Viṣṇu zur Gottheit

kanyā dāsas tathā dāsī prājāpatyāḥ prakirtitāḥ / prājāpatyo gajaḥ proktasturago yamadaivataḥ //

Mädchen, Sklave und ebenso Sklavin heißen Prajāpati zugehörig; auch der Elefant heißt Prajāpati zugehörig; das Pferd hat Yama zur Gottheit,

Wort für Wort
kanyā dāsaḥ dāsī
Mädchen, Sklave, Sklavin
prājāpatyāḥ prakīrtitāḥ
heißen Prajāpati zugehörig
gajaḥ
der Elefant
turagaḥ yama-daivataḥ
das Pferd hat Yama zur Gottheit

tathā caikaśaphaṃ sarvaṃ yāmyaś ca mahiṣas tathā / uṣṭraś ca nairṛto dhenū raudrī chāgo 'nalas tathā //

und ebenso alles Einhufige; Yama gehört auch der Büffel; das Kamel gehört Nirṛti, die Kuh Rudra, die Ziege ebenso Anala (Agni);

Wort für Wort
eka-śapham sarvam
alles Einhufige
yāmyaḥ mahiṣaḥ
der Büffel gehört Yama
uṣṭraḥ nairṛtaḥ
das Kamel gehört Nirṛti
dhenuḥ raudrī
die Kuh gehört Rudra
chāgaḥ analaḥ
die Ziege [gehört] Agni

āpyo meṣo hariḥ krīḍa āraṇyāḥ paśavo 'nilāḥ / jalāśayaṃ vāruṇaṃ syādvāridhānīghaṭādayaḥ //

der Widder gehört den Wassern; der Eber [gehört] Hari [?]; die wilden Tiere gehören dem Wind; ein Gewässer gehört Varuṇa, [ebenso] Wasserbehälter, Krüge und dergleichen.

Wort für Wort
āpyaḥ meṣaḥ
der Widder gehört den Wassern
hariḥ kroḍaḥ [?]
der Eber gehört Hari
āraṇyāḥ paśavaḥ anilāḥ
die wilden Tiere gehören dem Wind
jala-āśayam vāruṇam
ein Gewässer gehört Varuṇa
vāri-dhānī-ghaṭa-ādayaḥ
Wasserbehälter, Krüge usw.

hariḥ krīḍa unklar; wohl kroḍaḥ „Eber“ mit Hari als Gottheit.

samudrajāni ratnāni hemalauhāni cānalaḥ / prājāpatyāni śasyāni pakvānnamapi sattama //

Die aus dem Meer stammenden Juwelen, Gold und Metalle gehören Anala (Agni); die Feldfrüchte und auch gekochte Speise gehören Prajāpati, o Bester.

Wort für Wort
samudra-jāni ratnāni
aus dem Meer stammende Juwelen
hema-lauhāni
Gold und Metalle
analaḥ
[gehören] Agni
prājāpatyāni śasyāni
Feldfrüchte gehören Prajāpati
pakva-annam
gekochte Speise

gāndharvaṃ gandhamityāhurvastraṃ vārhaspataṃ smṛtaṃ / vāyavyāḥ pakṣiṇaḥ sarve vidyā brāhmī tathāṅgakaṃ //

Duftstoff nennt man den Gandharvas zugehörig, das Gewand gilt als Bṛhaspati zugehörig; alle Vögel gehören Vāyu; das Wissen gehört Brahmā, ebenso das Aṅga (die Hilfswissenschaften) [?].

Wort für Wort
gāndharvam gandham
Duftstoff gehört den Gandharvas
vastram bārhaspatam
das Gewand gehört Bṛhaspati
vāyavyāḥ pakṣiṇaḥ
die Vögel gehören Vāyu
vidyā brāhmī
das Wissen gehört Brahmā
aṅgakam
das Glied / Hilfswissenschaft [?]

sārasvataṃ pustakādi viśvakarmā tu śilapke / vanaspatirdrumādīnāṃ dravyadevā harestanuḥ //

Bücher und dergleichen gehören Sarasvatī; beim Handwerk aber [ist] Viśvakarman [die Gottheit]; Vanaspati [ist die Gottheit] der Bäume und dergleichen; die Gottheit der Substanzen ist der Leib Haris.

Wort für Wort
sārasvatam pustaka-ādi
Bücher usw. gehören Sarasvatī
viśvakarmā śilpake
beim Handwerk Viśvakarman
vanaspatiḥ druma-ādīnām
Vanaspati [Gottheit] der Bäume usw.
dravya-devāḥ hareḥ tanuḥ
die Gottheiten der Substanzen sind Haris Leib

śilapke = śilpake.

chatraṃ kṛṣṇājinaṃ śayyā ratha āsanameva ca / upānahau tathā yānamuttānāṅgira īritaṃ //

Schirm, schwarzes Antilopenfell, Bett, Wagen und auch Sitz, ein Paar Sandalen und ebenso ein Fahrzeug werden als Uttānāṅgiras zugehörig bezeichnet [?].

Wort für Wort
chatram kṛṣṇa-ajinam śayyā
Schirm, Antilopenfell, Bett
rathaḥ āsanam
Wagen, Sitz
upānahau yānam
Sandalenpaar, Fahrzeug
uttāna-aṅgiraḥ īritam
Uttānāṅgiras zugehörig genannt

uttānāṅgira: Name der Gottheit unsicher.

raṇopakaraṇaṃ śastraṃ dhvajādyaṃ sarvadaivataṃ / gṛhañca sarvadaivatyaṃ sarveṣāṃ viṣṇudevatā //

Kampfgerät, Waffe, Banner und dergleichen haben alle Götter zur Gottheit; auch das Haus hat alle Götter zur Gottheit. Die Gottheit von allem aber ist Viṣṇu

Wort für Wort
raṇa-upakaraṇam śastram
Kampfgerät, Waffe
dhvaja-ādyam
Banner usw.
sarva-daivatam
hat alle Götter zur Gottheit
gṛham
das Haus
sarveṣām viṣṇu-devatā
von allem ist Viṣṇu die Gottheit

śivo vā na tato dravyaṃ vyatiriktaṃ yato 'sti hi / dravyasya nāma gṛhṇīyāddadānīti tathā vadet //

oder Śiva, denn es gibt keine Substanz, die von ihm verschieden wäre. Man nenne den Namen der Substanz und sage ebenso: „Ich gebe“;

Wort für Wort
śivaḥ vā
oder Śiva
na tataḥ dravyam vyatiriktam asti
es gibt keine von ihm verschiedene Substanz
dravyasya nāma gṛhṇīyāt
man nenne den Namen der Substanz
dadāni iti vadet
man sage „ich gebe“

toyaṃ dadyāttato haste dāne vidhirayaṃ smṛtaḥ / viṣṇurdātā viṣṇurdravyaṃ pratigṛhṇāmi vai vadet //

dann gebe man Wasser in die Hand – das gilt als Regel beim Geben. [Der Empfänger] soll sagen: „Viṣṇu ist der Geber, Viṣṇu die Substanz; ich nehme an.“

Wort für Wort
toyam dadyāt haste
man gebe Wasser in die Hand
dāne vidhiḥ ayam smṛtaḥ
das gilt als Regel beim Geben
viṣṇuḥ dātā viṣṇuḥ dravyam
Viṣṇu ist Geber, Viṣṇu Substanz
pratigṛhṇāmi vadet
„ich nehme an“ sage er

svasti pratigrahaṃ dharmaṃ bhuktimuktī phaladvayaṃ / gurūn bhṛtyānna jihīrṣurarciṣyan devatāḥ pitṝn //

[Mit] „Svasti“ [geschieht] die Annahme nach dem Dharma [?]; Genuss und Erlösung sind die zweifache Frucht. Wer Lehrer und Abhängige [aus Not] erretten will oder Götter und Ahnen verehren will,

Wort für Wort
svasti pratigraham
[mit] „Heil“ die Annahme
bhukti-muktī phala-dvayam
Genuss und Erlösung, zweifache Frucht
gurūn bhṛtyān ujjihīrṣuḥ
Lehrer und Abhängige erretten wollend
arciṣyan devatāḥ pitṝn
Götter und Ahnen verehren wollend

jihīrṣur wohl für ujjihīrṣur „erretten wollend“; Konstruktion der ersten Vershälfte unsicher.

sarvataḥ pratigṛhṇīyānna tu tṛpyet svayantataḥ / śūdrīyanna tu yajñārthaṃ dhanaṃ śūdrasya tatphalaṃ //

darf von überall annehmen, soll sich aber selbst nicht daran sättigen. Das Vermögen eines Śūdra [soll man] nicht zum Zweck eines Opfers [nehmen]; [sonst gehört] dessen Frucht dem Śūdra.

Wort für Wort
sarvataḥ pratigṛhṇīyāt
er darf von überall annehmen
na tu tṛpyet svayam tataḥ
sättige sich aber nicht selbst daran
na tu yajña-artham
nicht zum Opferzweck
dhanam śūdrasya
das Vermögen des Śūdra
tat phalam
dessen Frucht

śūdrīyan unklar, wohl śūdrīyaṃ „das dem Śūdra Gehörige“.

guḍatakrarasādyāś ca śūdrādgrāhyā nivartinā / sarvataḥ pratigṛhṇīyādavṛtyākarṣito dvijaḥ //

Rohzucker, Buttermilch, Säfte und dergleichen darf, wer [vom Erwerb] abgewandt lebt [?], von einem Śūdra annehmen. Ein Zweimalgeborener, der von Mangel an Lebensunterhalt bedrängt ist, darf von überall annehmen.

Wort für Wort
guḍa-takra-rasa-ādyāḥ
Rohzucker, Buttermilch, Säfte usw.
śūdrāt grāhyāḥ
von einem Śūdra anzunehmen
nivartinā
von einem Abgewandten [?]
avṛtti-ākarṣitaḥ dvijaḥ
ein vom Mangel an Unterhalt bedrängter Brahmane

nivartinā unsicher.

nādhyāpanādyājanādvā garhitādvā pratigrahāt / doṣo bhavati viprāṇāṃ jvalanārkasamā hi te //

Durch Unterrichten, durch Opfern für andere oder durch anstößige Gabenannahme entsteht [dann] keine Schuld für Brahmanen; denn sie gleichen dem Feuer und der Sonne.

Wort für Wort
na adhyāpanāt yājanāt vā
nicht durch Unterrichten oder Opfern für andere
garhitāt pratigrahāt
durch anstößige Annahme
doṣaḥ bhavati viprāṇām
entsteht Schuld für Brahmanen
jvalana-arka-samāḥ
dem Feuer und der Sonne gleich

kṛte tu dīyate gatvā tretāsvānīya dīyate / dvāpāre yācamānāya kalau tvanugamānvite //

Im Kṛta[-Zeitalter] gibt man, indem man [zum Empfänger] hingeht; in der Tretā gibt man, indem man [ihn] herbeiholt; im Dvāpara dem Bittenden; im Kali aber [nur] dem, der mit Dienstbarkeit verbunden ist.

Wort für Wort
kṛte dīyate gatvā
im Kṛta gibt man hingehend
tretāsu ānīya
in der Tretā herbeiholend
dvāpare yācamānāya
im Dvāpara dem Bittenden
kalau anugama-anvite
im Kali dem mit Gefolgschaft/Dienst Verbundenen

dvāpāre = dvāpare.

manasā pātramuddiśya jalaṃ bhūmau vinikṣipet / vidyate sāgarasyānto nānto dānasya vidyate //

Im Geist auf einen Empfänger gerichtet, gieße man Wasser auf die Erde. Des Ozeans Ende gibt es, der Gabe Ende aber gibt es nicht.

Wort für Wort
manasā pātram uddiśya
im Geist auf einen Empfänger gerichtet
jalam bhūmau vinikṣipet
man gieße Wasser auf die Erde
vidyate sāgarasya antaḥ
es gibt ein Ende des Ozeans
na antaḥ dānasya
kein Ende der Gabe

adya somārkagrahaṇasaṅkrāntyādau ca kālake / gaṅgāgayāprayāgādau tīrthadeśe mahāguṇe //

[Gabenformel:] „Heute, zur Zeit einer Mond- oder Sonnenfinsternis, eines Sonneneintritts und dergleichen, an einem Pilgerort von großer Kraft wie Gaṅgā, Gayā, Prayāga,

Wort für Wort
adya
heute
soma-arka-grahaṇa-saṅkrānti-ādau kālake
zur Zeit von Mond-/Sonnenfinsternis, Sonneneintritt usw.
gaṅgā-gayā-prayāga-ādau
an Gaṅgā, Gayā, Prayāga usw.
tīrtha-deśe mahā-guṇe
an einem Pilgerort von großer Kraft

tathā cāmukagotrāya tathā cāmukaśarmaṇe / vedavedāṅgayuktāya pātrāya sumahātmane //

dem aus dem Geschlecht N. N., dem N. N. Śarman, dem mit Veda und Vedāṅgas ausgestatteten, hochgesinnten würdigen Empfänger

Wort für Wort
amuka-gotrāya
dem aus dem Geschlecht N. N.
amuka-śarmaṇe
dem N. N. Śarman
veda-vedāṅga-yuktāya
mit Veda und Hilfswissenschaften ausgestattet
pātrāya su-mahātmane
dem hochgesinnten Empfänger

yathānāma mahādravyaṃ viṣṇurudrādidaivataṃ / putrapautragṛhaiśvaryapatnīdharmārthasadguṇā //

[gebe ich] diese große Substanz namens so und so, deren Gottheit Viṣṇu, Rudra usw. ist, zur Mehrung von Söhnen, Enkeln, Haus, Herrschaft, Gattin, Dharma, Artha, guten Eigenschaften,

Wort für Wort
yathā-nāma mahā-dravyam
die große Substanz namens so und so
viṣṇu-rudra-ādi-daivatam
mit Viṣṇu, Rudra usw. als Gottheit
putra-pautra-gṛha-aiśvarya
Söhne, Enkel, Haus, Herrschaft
patnī-dharma-artha-sad-guṇa
Gattin, Dharma, Artha, gute Eigenschaften

kīttividyāmahākāmasaubhāgyārogyavṛddhaye / sarvapāpopaśāntyarthaṃ svargārthaṃ bhuktimuktaye //

von Ruhm, Wissen, großen Wünschen, Glück und Gesundheit, zur Befriedung aller Sünden, um des Himmels willen, für Genuss und Erlösung –

Wort für Wort
kīrti-vidyā-mahā-kāma
Ruhm, Wissen, große Wünsche
saubhāgya-ārogya-vṛddhaye
zur Mehrung von Glück und Gesundheit
sarva-pāpa-upaśānti-artham
zur Befriedung aller Sünden
svarga-artham bhukti-muktaye
um des Himmels, um Genuss und Erlösung willen

kītti = kīrti.

etattubhyaṃ sampradade prīyatāṃ me hariḥ śivaḥ / divyāntarīkṣabhaumādisamutpātaughaghātakṛt //

dies übergebe ich dir. Erfreut seien mir Hari [und] Śiva! Er, der die Flut der himmlischen, atmosphärischen, irdischen und sonstigen Unheilszeichen zerschlägt,

Wort für Wort
etat tubhyam sampradade
dies übergebe ich dir
prīyatām me hariḥ śivaḥ
erfreut seien mir Hari, Śiva
divya-antarīkṣa-bhauma-ādi
himmlisch, atmosphärisch, irdisch usw.
samutpāta-ogha-ghāta-kṛt
die Flut der Unheilszeichen zerschlagend

dharmārthakāmamokṣāptyai brahmalokaprado 'stu me / yathānāmasagotrāya viprāyāmukaśarmaṇe //

möge mir zur Erlangung von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa die Brahman-Welt gewähren. Dem Brahmanen N. N. Śarman aus dem Geschlecht so und so

Wort für Wort
dharma-artha-kāma-mokṣa-āptyai
zur Erlangung der vier Lebensziele
brahma-loka-pradaḥ astu me
sei mir Geber der Brahman-Welt
yathā-nāma-sa-gotrāya
dem aus dem Geschlecht so und so
viprāya amuka-śarmaṇe
dem Brahmanen N. N. Śarman

etaddānapratiṣṭhārthaṃ suvarṇaṃ dakṣiṇāṃ dade / anena dānavākyena sarvadānāni vai dadet //

gebe ich zur Befestigung dieser Gabe Gold als Opferlohn.“ Mit dieser Gabenformel gebe man alle Gaben.

Wort für Wort
etat-dāna-pratiṣṭhā-artham
zur Befestigung dieser Gabe
suvarṇam dakṣiṇām dade
Gold als Opferlohn gebe ich
anena dāna-vākyena
mit dieser Gabenformel
sarva-dānāni dadyāt
gebe man alle Gaben

dadet = dadyāt.

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