Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 88: nirvāṇadīkṣākathanaṃ Darlegung der Nirvāṇa-Dīkṣā (Abschluss)

Reinigung der fünften, höchsten Kalā, der Śāntyatītā (Tattvas Śakti und Śiva, 16 Vokale, Sadāśiva als Ursachengottheit), danach der Abschluss der Nirvāṇa-Dīkṣā: Abschneiden und Opfern der Scheitellocke, die yogische Verbindung (yojanā) der Seele des Schülers mit Śiva über die sieben Viṣuvas und die Stufen der Laute bis zum Dvādaśānta, Verleihung der sechs Eigenschaften Śivas, Segen und Abschlussbad. Die Bezeichnung viṣuva ist in der Vorlage durchgehend zu „vikhara“ entstellt; V. 26 und V. 41 sind verderbt. Das Kolophon nennt das Kapitel „nirvāṇadīkṣāsamāpanam“.

īśvara uvāca | sandhānaṃ śāntyatītāyāḥ śāntyā sārdhaṃ viśuddhayā / kurvīta pūrvavattatra tattvavarṇādi tad yathā //

Īśvara sprach: Die Verbindung der Śāntyatītā [-Kalā] mit der gereinigten Śānti soll man wie zuvor vollziehen; die Tattvas, Silben usw. dort sind folgende:

Wort für Wort
sandhānam śāntyatītāyāḥ
Verbindung der Śāntyatītā
śāntyā sārdham viśuddhayā
mit der gereinigten Śānti
kurvīta pūrvavat
soll wie zuvor vollziehen
tattva-varṇa-ādi
Tattvas, Silben usw.

oṃ hīṃ kṣauṃ hauṃ hāṃ iti sandhānāni ubhau śaktiśivau tattve bhuvanāṣṭakasiddhikaṃ / dīpakaṃ rocikañcaiva mocakaṃ cordhvagāmi ca //

„oṃ hīṃ kṣauṃ hauṃ hāṃ“ – das sind die Verbindungsformeln. Die beiden Tattvas sind Śakti und Śiva; die Achtergruppe der Welten [umfasst] Siddhika [?], Dīpaka, Rocika, Mocaka und Ūrdhvagāmin,

Wort für Wort
sandhānāni
die Verbindungsformeln
ubhau śakti-śivau tattve
die beiden Tattvas Śakti und Śiva
bhuvana-aṣṭakam
die Achtergruppe der Welten
dīpakam rocikam mocakam
Dīpaka, Rocika, Mocaka
ūrdhvagāmi
Ūrdhvagāmin

bhuvanāṣṭakasiddhikam: entweder „die Achtergruppe der Welten samt Siddhika“ oder „die vollendende Achtergruppe“; die Liste (V. 2–3) nennt jedoch nur sieben/acht Namen.

vyomarūpamanāthañca syādanāśritanaṣṭamaṃ / oṅkārapadamīśāne mantro varṇāś ca ṣoḍaśa //

Vyomarūpa und Anātha, und Anāśrita sei der achte. Das Pada ist der Oṃkāra; der Mantra liegt in Īśāna; die Silben sind sechzehn,

Wort für Wort
vyomarūpam anātham
Vyomarūpa, Anātha
anāśritam aṣṭamam
Anāśrita als achter
oṅkāra-padam
das Pada ist der Oṃkāra
īśāne mantraḥ
der Mantra ist Īśāna
varṇāḥ ṣoḍaśa
sechzehn Silben

akārādivisargāntā vījena dehakārakau / kuhūś ca śaṅkhinī nāḍyau devadattadhanañjayau //

von a beginnend bis zum Visarga endend; mit dem Bīja die beiden körperbildenden [?]; die Nāḍīs Kuhū und Śaṅkhinī; Devadatta und Dhanañjaya

Wort für Wort
akāra-ādi-visarga-antāḥ
von a bis zum Visarga
bījena deha-kārakau
mit dem Bīja die körperbildenden [?]
kuhūḥ śaṅkhinī nāḍyau
die Nāḍīs Kuhū und Śaṅkhinī
devadatta-dhanañjayau
Devadatta und Dhanañjaya

bījena dehakārakau ist unklar (vgl. 87.5 bindūpakārakau); wohl verderbt.

marutau sparśanaṃ śrotraṃ indriye viṣayo nabhaḥ / śabdo guṇo 'syāvasthā tu turyātītā tu pañcamī //

sind die Winde; Tastsinn und Gehör die Sinnesorgane; Gegenstand ist der Äther; der Laut ist ihre Eigenschaft; der Zustand aber ist der über den vierten hinausgehende (turyātīta), der fünfte.

Wort für Wort
marutau
die beiden Winde
sparśanam śrotram indriye
Tastsinn und Gehör als Organe
viṣayaḥ nabhaḥ
Gegenstand ist der Äther
śabdaḥ guṇaḥ
der Laut ist die Eigenschaft
turyātītā pañcamī
der über den vierten hinausgehende, der fünfte

hetuḥ sadāśivo deva iti tattvādisañcayaṃ / sañcintya śāntyatītākhyaṃ vidadhyāttāḍanādikaṃ //

Die Ursache ist der Gott Sadāśiva. Nachdem man diese Gesamtheit der Tattvas usw., die Śāntyatītā heißt, bedacht hat, vollziehe man das Schlagen usw.

Wort für Wort
hetuḥ sadāśivaḥ devaḥ
die Ursache ist Gott Sadāśiva
tattva-ādi-sañcayam
die Gesamtheit der Tattvas usw.
sañcintya
bedenkend
vidadhyāt tāḍana-ādikam
soll das Schlagen usw. vollziehen

kalāpāśaṃ samātāḍya phaḍantena vibhidya ca / praviśyāntar namo 'ntena phaḍantena viyojayet //

Man schlage die Kalā-Fessel, spalte sie mit dem auf phaṭ endenden [Mantra], trete mit dem auf namaḥ endenden hinein und löse sie mit dem auf phaṭ endenden ab.

Wort für Wort
kalā-pāśam samātāḍya
die Kalā-Fessel schlagend
phaṭ-antena vibhidya
mit dem phaṭ-Mantra spaltend
praviśya antaḥ namo-antena
mit dem namaḥ-Mantra eintretend
viyojayet
soll ablösen

śikhāhṛtsampuṭībhūtaṃ svāhāntaṃ sṛṇimudrayā / pūrakeṇa samākṛṣya pāśaṃ mastakasūtrataḥ //

Mit dem von Śikhā- und Herz[-Mantra] umschlossenen, auf svāhā endenden [Mantra], mit der Haken-Geste (sṛṇi-mudrā), unter Einatmen, ziehe man die Fessel aus dem Kopffaden heran,

Wort für Wort
śikhā-hṛt-sampuṭī-bhūtam
von Scheitel- und Herzmantra umschlossen
sṛṇi-mudrayā
mit der Hakengeste
pūrakeṇa samākṛṣya
beim Einatmen heranziehend
pāśam mastaka-sūtrataḥ
die Fessel aus dem Kopffaden

kumbhakena samādāya recakenodbhavākhyayā / hṛtsampuṭanamo 'ntena vahniṃ kuṇḍe niveśayet //

nehme sie unter Anhalten des Atems und setze [sie] beim Ausatmen mit der Udbhava genannten [Mudrā], mit dem vom Herz[-Mantra] umschlossenen, auf namaḥ endenden [Mantra] in das Feuer in der Grube.

Wort für Wort
kumbhakena samādāya
unter Anhalten nehmend
recakena udbhava-ākhyayā
beim Ausatmen mit der Udbhava
hṛt-sampuṭa-namo-antena
mit dem herzumschlossenen namaḥ-Mantra
vahnim kuṇḍe niveśayet
soll ins Feuer in der Grube setzen

asyāḥ pūjādikaṃ sarvaṃ nivṛtteriva sādhayet / sadāśivaṃ samāvāhya pūjayitvā pratarpya ca //

Ihre ganze Verehrung usw. vollbringe man wie bei der Nivṛtti. Nachdem man Sadāśiva herbeigerufen, verehrt und gesättigt hat,

Wort für Wort
asyāḥ pūjā-ādikam sarvam
ihre ganze Verehrung usw.
nivṛtteḥ iva sādhayet
soll wie bei der Nivṛtti vollbringen
sadāśivam samāvāhya
Sadāśiva herbeirufend
pratarpya
sättigend

sadā khyāte 'dhikāre 'smin mumukṣuṃ dīkṣayāmyahaṃ / bhāvyaṃ tvayānukūlena bhaktyā vijñāpayediti //

[spreche man:] „O Sadākhya (Sadāśiva), in diesem deinem Zuständigkeitsbereich weihe ich einen nach Erlösung Strebenden; du sollst gewogen sein“ – so soll man mit Hingabe mitteilen.

Wort für Wort
sadākhya te adhikāre
o Sadākhya, in deinem Bereich
mumukṣum dīkṣayāmi
ich weihe einen Erlösungssuchenden
bhāvyam tvayā anukūlena
du sollst gewogen sein
bhaktyā vijñāpayet
soll mit Hingabe mitteilen

sadā khyāte lies sadākhya te.

pitrorāvāhanaṃ pūjāṃ kṛtvā tarpaṇasannidhī / hṛtsampuṭātmavījena śiṣyaṃ vakṣasi tāḍayet //

Nachdem man die Herbeirufung der Eltern, die Verehrung, Sättigung und Vergegenwärtigung vollzogen hat, schlage man den Schüler mit dem vom Herz[-Mantra] umschlossenen Ātma-Bīja auf die Brust:

Wort für Wort
pitroḥ āvāhanam pūjām
Herbeirufung und Verehrung der Eltern
tarpaṇa-sannidhī
Sättigung und Vergegenwärtigung
hṛt-sampuṭa-ātma-bījena
mit dem herzumschlossenen Ātma-Bīja
śiṣyam vakṣasi tāḍayet
soll den Schüler auf die Brust schlagen

oṃ hāṃ hūṃ haṃ phaṭ praviśya cāpyanenaiva caitanyaṃ vibhajettataḥ / śastreṇa pāśasaṃyuktaṃ jyeṣṭhayāṅkuśamudrayā //

„oṃ hāṃ hūṃ haṃ phaṭ“. Und nachdem man mit eben diesem eingetreten ist, trenne man dann mit dem Waffen[-Mantra] das mit den Fesseln verbundene Bewusstsein ab, mit der ältesten Haken-Geste.

Wort für Wort
praviśya anena eva
mit eben diesem eintretend
caitanyam vibhajet
soll das Bewusstsein abtrennen
śastreṇa pāśa-saṃyuktam
mit dem Waffenmantra das fesselverbundene
jyeṣṭhayā aṅkuśa-mudrayā
mit der ältesten Hakengeste

oṃ hāṃ hūṃ haṃ phaṭ svāhāntena tadākṛṣya tenaiva puṭitātmanā / gṛhītvā tannamo 'ntena nijātmani niyojayet //

Mit „oṃ hāṃ hūṃ haṃ phaṭ“, auf svāhā endend, ziehe man es dann heraus; mit eben diesem, dessen Kern eingeschlossen ist, ergreife man es und füge es mit dem auf namaḥ endenden in das eigene Selbst ein:

Wort für Wort
svāhā-antena tat ākṛṣya
mit dem svāhā-Mantra es herausziehend
puṭita-ātmanā
mit eingeschlossenem Kern
gṛhītvā tat namo-antena
es mit dem namaḥ-Mantra ergreifend
nija-ātmani niyojayet
soll ins eigene Selbst einfügen

oṃ hāṃ haṃ hīṃ ātmane namaḥ pūrvavat pitṛsaṃyogaṃ bhāvayitvodbhavākhyayā / vāmayā tadanenaiva devyā garbhe niyojayet //

„oṃ hāṃ haṃ hīṃ ātmane namaḥ“ (Oṃ hāṃ haṃ hīṃ, Verehrung dem Selbst). Nachdem man wie zuvor die Vereinigung der Eltern vergegenwärtigt hat, füge man es mit der linken Udbhava genannten [Mudrā], mit eben diesem [Mantra], in den Schoß der Göttin ein.

Wort für Wort
pitṛ-saṃyogam bhāvayitvā
die Vereinigung der Eltern vorstellend
udbhava-ākhyayā vāmayā
mit der linken Udbhava-Geste
tat anena eva
es mit eben diesem
devyāḥ garbhe niyojayet
soll in den Schoß der Göttin einfügen

garbhādhānādikaṃ sarvaṃ pūrvoktavidhinā caret / mūlena pāśaśaithilye niṣkṛtyaiva śataṃ japet //

Die Empfängnis usw. vollziehe man vollständig nach der zuvor genannten Regel; mit dem Grund[-Mantra] [opfere man] zur Lockerung der Fesseln; nachdem man die Sühne vollzogen hat, murmele man hundertmal.

Wort für Wort
garbhādhāna-ādikam sarvam
die Empfängnis usw. vollständig
pūrva-ukta-vidhinā caret
soll nach der früheren Regel vollziehen
mūlena pāśa-śaithilye
mit dem Grundmantra zur Lockerung der Fesseln
śatam japet
soll hundertmal murmeln

malaśaktitirodhāne pāśānāñca viyojane / pañcapañcāhutīrdadyādāyudhena yathā purā //

Bei der Verhüllung der Mala-Kraft und bei der Ablösung der Fesseln gebe man je fünf Opfergaben mit dem Waffen[-Mantra], wie zuvor.

Wort für Wort
mala-śakti-tirodhāne
bei der Verhüllung der Mala-Kraft
pāśānām viyojane
bei der Ablösung der Fesseln
pañca-pañca-āhutīḥ
je fünf Opfergaben
āyudhena
mit dem Waffenmantra

pāśānāyudhamantreṇa sapravārābhijaptayā / chindyādastreṇa kartaryā kalāvījayujā yathā //

Die Fesseln soll man mit dem Waffen-Mantra, mit der samt Gefolge [der Glieder-Mantras] besprochenen Schere, mit dem Waffen[-Mantra], das mit dem Kalā-Bīja verbunden ist, durchschneiden, und zwar so:

Wort für Wort
pāśān āyudha-mantreṇa
die Fesseln mit dem Waffenmantra
sa-pravāra-abhijaptayā
samt Gefolge besprochen
chindyāt kartaryā
soll mit der Schere schneiden
kalā-bīja-yujā
mit dem Kalā-Bīja verbunden

sapravārābhijaptayā: „mit Gefolge (d. h. den Aṅga-Mantras) besprochen“ [?].

oṃ hāṃ śāntyatītakalāpāśāya haḥ hūṃ phaṭ visṛjya vartulīkṛtya pāśānastreṇa pūrvavat / ghṛtapūrṇe śruve datvā kalāstreṇaiva homayet //

„oṃ hāṃ śāntyatītakalāpāśāya haḥ hūṃ phaṭ“ (Oṃ hāṃ, der Fessel der Śāntyatītā-Kalā, haḥ hūṃ phaṭ). Nachdem man die Fesseln abgelöst und mit dem Waffen[-Mantra] wie zuvor zur Kugel geformt hat, lege man sie in den mit Ghee gefüllten Opferlöffel und opfere mit dem Kalā-Waffen[-Mantra].

Wort für Wort
śāntyatīta-kalā-pāśāya
der Fessel der Śāntyatītā-Kalā
visṛjya vartulīkṛtya
ablösend, zur Kugel formend
ghṛta-pūrṇe sruve datvā
in den gheegefüllten Löffel legend
kalā-astreṇa homayet
soll mit dem Kalā-Waffenmantra opfern

astreṇa juhuyāt pajca pāśāṅkuśanivṛttaye / prāyaścittaniṣedhārthaṃ dadyādaṣṭāhutīstataḥ //

Mit dem Waffen[-Mantra] opfere man fünf [Gaben] zur Beseitigung der Keime der Fesseln; zur Abwehr von Sühnehandlungen gebe man danach acht Opfergaben.

Wort für Wort
astreṇa juhuyāt pañca
soll mit dem Waffenmantra fünf opfern
pāśa-aṅkura-nivṛttaye
zur Beseitigung der Keime der Fesseln
prāyaścitta-niṣedha-artham
zur Abwehr von Sühnen
aṣṭa-āhutīḥ
acht Opfergaben

pajca lies pañca; pāśāṅkuśa lies pāśāṅkura.

sadāśivaṃ hṛdāvāhya kṛtvā pūjanatarpaṇe / pūrvoktavidhinā kuryādadhikārasamarpaṇaṃ //

Nachdem man mit dem Herz[-Mantra] Sadāśiva herbeigerufen und Verehrung und Sättigung vollzogen hat, vollziehe man nach der zuvor genannten Regel die Übergabe der Befugnis.

Wort für Wort
sadāśivam hṛdā āvāhya
Sadāśiva mit dem Herzmantra herbeirufend
pūjana-tarpaṇe
Verehrung und Sättigung
pūrva-ukta-vidhinā
nach der zuvor genannten Regel
adhikāra-samarpaṇam
Übergabe der Befugnis

oṃ hāṃ sadāśiva manovindu śulkaṃ gṛhāṇa svāhā niḥśeṣadagdhapāśasya paśorasya sadāśiva / bandhāya na tvayā stheyaṃ śivājñāṃ śrāvayediti //

„oṃ hāṃ, o Sadāśiva, nimm Manas und Bindu als Entgelt, svāhā.“ „O Sadāśiva, bei diesem Tiere (paśu), dessen Fesseln restlos verbrannt sind, darfst du nicht zur Bindung verbleiben“ – so soll man Śivas Befehl verkünden.

Wort für Wort
mano-bindu śulkam
Manas und Bindu als Entgelt
niḥśeṣa-dagdha-pāśasya
dessen Fesseln restlos verbrannt sind
bandhāya na tvayā stheyam
du darfst nicht zur Bindung bleiben
śiva-ājñām śrāvayet
soll Śivas Befehl verkünden

mūlena juhuyāt pūrṇāṃ visṛjettu sadāśivaṃ / tato viśuddhamātmānaṃ śaraccandramivoditaṃ //

Mit dem Grund[-Mantra] opfere man die Vollspende und entlasse Sadāśiva. Dann [soll] die gereinigte Seele, gleich dem aufgegangenen Herbstmond,

Wort für Wort
mūlena juhuyāt pūrṇām
soll mit dem Grundmantra die Vollspende opfern
visṛjet sadāśivam
soll Sadāśiva entlassen
viśuddham ātmānam
die gereinigte Seele
śarat-candram iva uditam
wie der aufgegangene Herbstmond

saṃhāramudrayā raudryā saṃyojya gururātmani / kurvīta śiṣyadehasthamuddhṛtyodbhavamudrayā //

der Guru mit der furchtbaren (raudrī) Saṃhāra-Mudrā mit sich selbst verbinden und sie, mit der Udbhava-Mudrā herausholend, in den Körper des Schülers setzen.

Wort für Wort
saṃhāra-mudrayā raudryā
mit der furchtbaren Einzugsgeste
saṃyojya ātmani
mit sich selbst verbindend
śiṣya-deha-stham kurvīta
soll in den Körper des Schülers setzen
uddhṛtya udbhava-mudrayā
mit der Hervorbringungsgeste herausholend

dadyādāpyāyanāyāsya mastake 'rghyāmbuvindukaṃ / kṣamayitvā mahābhaktyā pitarau visṛjettathā //

Zu seiner Stärkung gebe er einen Tropfen Arghya-Wasser auf sein Haupt; nachdem er die Eltern mit großer Hingabe um Verzeihung gebeten hat, entlasse er sie ebenso [mit den Worten]:

Wort für Wort
āpyāyanāya asya
zu seiner Stärkung
mastake arghya-ambu-bindukam
einen Tropfen Arghya-Wasser aufs Haupt
kṣamayitvā mahā-bhaktyā
mit großer Hingabe um Verzeihung bittend
pitarau visṛjet
soll die Eltern entlassen

kheditau śiṣyadīkṣāyai yanmayā pitarau yuvāṃ / kāruṇyanānmokṣayitvā tadvraja tvaṃ sthānamātmanaḥ //

„Da ich euch beide, o Eltern, für die Weihe des Schülers bemüht habe, [verzeiht] aus Mitgefühl [?]; so geht nun zu eurem eigenen Ort.“

Wort für Wort
kheditau
bemüht, geplagt
śiṣya-dīkṣāyai
für die Weihe des Schülers
kāruṇyāt
aus Mitgefühl
vraja sthānam ātmanaḥ
geh zum eigenen Ort

Die Zeile ist verderbt: kāruṇyanān mokṣayitvā (etwa kāruṇyān mocayitvā/kṣamayitvā); tvam „du“ für den Dual; Sinn nur ungefähr herstellbar.

śikhāmantritakartaryā bodhaśaktisvarūpiṇīṃ / śikhāṃ chidyācchivāstreṇa śiṣyasya caturaṅgulāṃ //

Mit der durch den Śikhā-Mantra besprochenen Schere schneide er mit dem Śiva-Waffen[-Mantra] die vier Finger lange Scheitellocke (śikhā) des Schülers ab, welche die Gestalt der Erkenntniskraft hat.

Wort für Wort
śikhā-mantrita-kartaryā
mit der durch den Śikhā-Mantra besprochenen Schere
bodha-śakti-svarūpiṇīm
die Gestalt der Erkenntniskraft habend
śikhām chidyāt
soll die Scheitellocke abschneiden
catur-aṅgulām
vier Finger lang

oṃ klīṃ śikhāyai hūṃ phaṭ oṃ haḥ astrāya hūṃ phaṭ sruci tāṃ ghṛtapūrṇāyāṃ goviḍgolakamadhyagāṃ / saṃvidhāyāstramantreṇa hūṃ phaḍantena homayet //

„oṃ klīṃ śikhāyai hūṃ phaṭ“ (Oṃ klīṃ, der Scheitellocke, hūṃ phaṭ); „oṃ haḥ astrāya hūṃ phaṭ“ (Oṃ haḥ, der Waffe, hūṃ phaṭ). Nachdem man sie im mit Ghee gefüllten Opferlöffel in die Mitte einer Kuhdungkugel gelegt hat, opfere man sie mit dem auf hūṃ phaṭ endenden Waffenmantra:

Wort für Wort
sruci ghṛta-pūrṇāyām
im gheegefüllten Opferlöffel
go-viṭ-golaka-madhya-gām
in der Mitte einer Kuhdungkugel
astra-mantreṇa
mit dem Waffenmantra
hūṃ phaṭ-antena homayet
soll mit dem auf hūṃ phaṭ endenden opfern

oṃ hauṃ haḥ astrāya hūṃ phaṭ prakṣālya sruksruvau śiṣyaṃ saṃsnāpyācamya ca svayaṃ / yojanikāsthānamātmānaṃ śastramantreṇa tāḍayet //

„oṃ hauṃ haḥ astrāya hūṃ phaṭ“. Nachdem man Opferlöffel und Kelle (sruc und sruva) gewaschen, den Schüler gebadet und selbst Wasser geschlürft hat, schlage man mit dem Waffenmantra das eigene Selbst, das die Stätte der Verbindung (yojanikā) ist.

Wort für Wort
prakṣālya sruk-sruvau
Löffel und Kelle waschend
śiṣyam saṃsnāpya
den Schüler badend
ācamya svayam
selbst Wasser schlürfend
yojanikā-sthānam ātmānam
das Selbst als Stätte der Verbindung
śastra-mantreṇa tāḍayet
soll mit dem Waffenmantra schlagen

yojanikāsthānam: wohl die Seele des Schülers, die mit Śiva verbunden werden soll [?].

viyojyākṛṣya sampūjya pūrvavad dvādaśāntataḥ / ātmīyahṛdayāmbhojakarṇikāyāṃ niveśayet //

Nachdem man es abgelöst, herangezogen und verehrt hat, setze man es wie zuvor vom Dvādaśānta aus in die Samenkapsel (karṇikā) des Lotus des eigenen Herzens.

Wort für Wort
viyojya ākṛṣya sampūjya
ablösend, heranziehend, verehrend
dvādaśāntataḥ
vom Dvādaśānta aus
ātmīya-hṛdaya-ambhoja
des Lotus des eigenen Herzens
karṇikāyām niveśayet
soll in die Samenkapsel setzen

pūritaṃ śruvamājyena vihitādhomukhaśrucā / nityoktavidhinā.adāya śaṅkhasannibhamudrayā //

Die mit Opferschmalz gefüllte Kelle, auf die der Opferlöffel mit der Öffnung nach unten gelegt ist, ergreife man nach der für das tägliche [Opfer] genannten Regel mit der muschelähnlichen Mudrā,

Wort für Wort
pūritam sruvam ājyena
die mit Schmalz gefüllte Kelle
vihita-adhomukha-srucā
mit dem abwärts gewandten Löffel darauf
nitya-ukta-vidhinā ādāya
nach der täglichen Regel nehmend
śaṅkha-sannibha-mudrayā
mit der muschelähnlichen Geste

prasāritaśirogrīvo nādoccārānusārataḥ / samadṛṣṭiśivaścāntaḥ parabhāvasamanvitaḥ //

mit ausgestrecktem Kopf und Hals, dem Aussprechen des Nāda folgend, mit gleichmäßigem Blick, innerlich śivahaft [?], von höchster Gesinnung erfüllt,

Wort für Wort
prasārita-śiro-grīvaḥ
mit ausgestrecktem Kopf und Hals
nāda-uccāra-anusārataḥ
der Äußerung des Nāda folgend
sama-dṛṣṭiḥ
mit gleichmäßigem Blick
para-bhāva-samanvitaḥ
von höchster Gesinnung erfüllt

samadṛṣṭiśivaś cāntaḥ vielleicht zu lesen samadṛṣṭiḥ śivaś cāntaḥ.

kumbhamaṇḍalavahnibhyaḥ śiṣyādapi nijātmanaḥ / gṛhītvā ṣaḍvidhavidhānaṃ śrugagre prāṇanāḍikaṃ //

soll man aus Krug, Maṇḍala und Feuer, aus dem Schüler und aus dem eigenen Selbst die sechsfache Ordnung [der Wege?] aufnehmen und an der Spitze des Löffels den Prāṇa-Kanal

Wort für Wort
kumbha-maṇḍala-vahnibhyaḥ
aus Krug, Maṇḍala und Feuer
śiṣyāt api nija-ātmanaḥ
aus dem Schüler und dem eigenen Selbst
ṣaḍvidha-vidhānam
die sechsfache Ordnung
sruk-agre prāṇa-nāḍikam
an der Löffelspitze den Prāṇa-Kanal

ṣaḍvidhavidhānam ist metrisch überzählig; wohl ṣaḍadhvānam „die sechs Wege“ (vgl. V. 40).

sañcintya vinduvad dhyātvā kramaśaḥ saptadhā yathā / prathamaṃ prāṇasaṃyogasvarūpamaparantataḥ //

bedenken und wie einen Tropfen meditieren, der Reihe nach siebenfach, und zwar: zuerst [das Viṣuva], das die Form der Vereinigung mit dem Prāṇa hat; dann das nächste

Wort für Wort
sañcintya bindu-vat dhyātvā
bedenkend, wie einen Tropfen meditierend
kramaśaḥ saptadhā
der Reihe nach siebenfach
prathamam prāṇa-saṃyoga-svarūpam
zuerst die Form der Vereinigung mit dem Prāṇa
aparam
das nächste

Es folgt die Lehre von den sieben „Viṣuva“ (in der Vorlage durchweg entstellt als vikhara): Prāṇa-, Mantra-, Nāḍī-, Praśānta-, Śakti-, Kāla- und Tattva-Viṣuva.

hṛdayādikramoccāravisṛṣṭaṃ mantrasañjñakaṃ / pūrakaṃ kumbhakaṃ kṛtvā vyādāya vadanaṃ manāk //

– das Mantra genannte, das durch das Aussprechen in der Reihenfolge Herz[-Mantra] usw. entlassen wird. Nachdem man Einatmen und Anhalten vollzogen und den Mund ein wenig geöffnet hat,

Wort für Wort
hṛdaya-ādi-krama-uccāra
Äußerung in der Folge Herz usw.
visṛṣṭam mantra-sañjñakam
das entlassene, Mantra genannte
pūrakam kumbhakam kṛtvā
Ein- und Anhalten vollziehend
vyādāya vadanam manāk
den Mund ein wenig öffnend

suṣumṇānugataṃ nādasvarūpantu tṛtīyakaṃ / saptame kāraṇe tyāgātpraśāntavikharaṃ layaḥ //

[ist] das dritte die Gestalt des Nāda, der der Suṣumṇā folgt; die Auflösung durch das Aufgeben bei der siebten Ursache [?] ist das Praśānta-Viṣuva.

Wort für Wort
suṣumṇā-anugatam
der Suṣumṇā folgend
nāda-svarūpam tṛtīyakam
das dritte, von Nāda-Gestalt
kāraṇe tyāgāt
durch Aufgeben bei der Ursache
praśānta-viṣuvam layaḥ
das Praśānta-Viṣuva ist die Auflösung

praśāntavikharam lies praśāntaviṣuvam. saptame kāraṇe tyāgāt unsicher („durch Aufgeben der sieben Ursachen“?).

śaktinādordhvasañcārastacchaktivikharaṃ mataṃ / prāṇasya nikhilasyāpi śaktiprameyavarjitaṃ //

Das Aufwärtswandern von Śakti und Nāda gilt als Śakti-Viṣuva. [Der Zustand,] der frei ist von allem Prāṇa sowie von Śakti und Erkennbarem,

Wort für Wort
śakti-nāda-ūrdhva-sañcāraḥ
Aufwärtswandern von Śakti und Nāda
śakti-viṣuvam matam
gilt als Śakti-Viṣuva
prāṇasya nikhilasya
allen Prāṇas
śakti-prameya-varjitam
frei von Śakti und Erkennbarem

tatkālavikharaṃ ṣaṣṭhaṃ śaktyatītañca saptamaṃ / tadetad yojanāsthānaṃ vikharantattvasañjñakaṃ //

ist das Kāla-Viṣuva, das sechste; und das die Śakti überschreitende ist das siebte: dies ist die Stätte der Verbindung (yojanā), das Viṣuva namens Tattva.

Wort für Wort
kāla-viṣuvam ṣaṣṭham
das Kāla-Viṣuva als sechstes
śakti-atītam saptamam
das die Śakti überschreitende als siebtes
yojanā-sthānam
Stätte der Verbindung
viṣuvam tattva-sañjñakam
das Tattva genannte Viṣuva

pūrakaṃ kumbhakaṃ kṛtvā vyādāya vadanaṃ manāk / śanair udīrayan mūlaṃ kṛtvā śiṣyātmano layaṃ //

Nachdem man Einatmen und Anhalten vollzogen und den Mund ein wenig geöffnet hat, [soll man], langsam den Grund[-Mantra] aussprechend, die Auflösung der Seele des Schülers vollziehen

Wort für Wort
pūrakam kumbhakam kṛtvā
Ein- und Anhalten vollziehend
śanaiḥ udīrayan mūlam
langsam den Grundmantra aussprechend
kṛtvā
vollziehend
śiṣya-ātmanaḥ layam
die Auflösung der Seele des Schülers

hakāre taḍidākāre ṣaḍadhvajaprāṇarūpiṇi / ukāraṃ parato nābhervitastiṃ vyāpya saṃsthitaṃ //

im Laut ha, der blitzgestaltig ist und die Gestalt des Prāṇa [aller] sechs Wege hat; [dann] den Laut u, der vom Nabel aufwärts eine Spanne durchdringend verweilt;

Wort für Wort
hakāre taḍit-ākāre
im blitzgestaltigen Laut ha
ṣaḍ-adhva-ga-prāṇa-rūpiṇi
die Prāṇa-Gestalt der sechs Wege habend
ukāram parataḥ nābheḥ
den Laut u oberhalb des Nabels
vitastim vyāpya
eine Spanne durchdringend

ṣaḍadhvaja lies ṣaḍadhvaga („in den sechs Wegen befindlich“).

tataḥ paraṃ makārantu hṛdayāccaturaṅgulaṃ / oṅkāraṃ vācakaṃ viṣṇostato 'ṣṭāṅgulakaṇṭhakaṃ //

danach aber den Laut ma, vier Finger vom Herzen [entfernt]; den Oṃkāra [?], der Viṣṇu bezeichnet; dann die Kehle in acht Fingern [Abstand];

Wort für Wort
makāram hṛdayāt catur-aṅgulam
den Laut ma vier Finger vom Herzen
oṅkāram vācakam viṣṇoḥ
den Oṃkāra als Bezeichnung Viṣṇus [?]
aṣṭa-aṅgula-kaṇṭhakam
die Kehle in acht Fingern

Die Reihe der Laute ist hier in Unordnung (oṅkāra wohl für ukāra, zweimal makāra in V. 41–42); Sinn unsicher.

caturaṅgulatālusthaṃ makāraṃ rudravācakaṃ / tadvallalāṭamadhyasthaṃ vindumīśvaravācakaṃ //

den im Gaumen vier Finger [weiter] befindlichen Laut ma, der Rudra bezeichnet; ebenso den in der Stirnmitte befindlichen Bindu, der Īśvara bezeichnet;

Wort für Wort
catur-aṅgula-tālu-stham
vier Finger weiter im Gaumen befindlich
makāram rudra-vācakam
den Laut ma als Bezeichnung Rudras
lalāṭa-madhya-stham bindum
den Bindu in der Stirnmitte
īśvara-vācakam
Īśvara bezeichnend

nādaṃ sadāśivaṃ devaṃ brahmarandhrāvasānakaṃ / śaktiṃ ca brahmarandhrasthāṃ tyajannityamanukramāt //

den Nāda, den Gott Sadāśiva, der bis zum Brahmarandhra reicht, und die im Brahmarandhra befindliche Śakti – [diese] stets der Reihe nach aufgebend,

Wort für Wort
nādam sadāśivam devam
den Nāda als Gott Sadāśiva
brahmarandhra-avasānakam
bis zum Brahmarandhra reichend
śaktim brahmarandhra-sthām
die im Brahmarandhra weilende Śakti
tyajan anukramāt
der Reihe nach aufgebend

divyaṃ pipīlikāsparśaṃ tasminnevānubhūya ca / dvādaśānte pare tattve paramānandalakṣaṇe //

und eben dort die göttliche, einem Ameisenkrabbeln gleiche Berührung erfahrend, im Dvādaśānta, im höchsten Tattva, das durch höchste Wonne gekennzeichnet ist,

Wort für Wort
divyam pipīlikā-sparśam
die göttliche Ameisen-Berührung
anubhūya
erfahrend
dvādaśānte pare tattve
im Dvādaśānta, im höchsten Tattva
parama-ānanda-lakṣaṇe
durch höchste Wonne gekennzeichnet

bhāvaśūnye mano 'tīte śive nityaguṇodaye / vilīya mānase tasmin śiṣyātmānaṃ vibhāvayet //

in dem von [allem] Sein Leeren, jenseits des Denkens, in Śiva, in dem die Eigenschaften ewig aufgehen – [in] diesem geistig sich auflösend, vergegenwärtige er die Seele des Schülers.

Wort für Wort
bhāva-śūnye
im von Sein Leeren
manaḥ-atīte
jenseits des Denkens
nitya-guṇa-udaye
wo die Eigenschaften ewig aufgehen
vilīya
sich auflösend
śiṣya-ātmānam vibhāvayet
soll die Seele des Schülers vergegenwärtigen

vimuñcan sarpiṣo dhārāṃ jvālānte 'pi pare śive / yojanikāsthiratvāya vauṣaḍantaśivāṇunā //

Einen Strahl Opferschmalz auslassend – bis zum Ende der Flamme, in den höchsten Śiva –, zur Festigung der Verbindung mit dem auf vauṣaṭ endenden Śiva-Mantra,

Wort für Wort
vimuñcan sarpiṣaḥ dhārām
einen Schmalzstrahl auslassend
jvālā-ante pare śive
am Flammenende in den höchsten Śiva
yojanikā-sthiratvāya
zur Festigung der Verbindung
vauṣaṭ-anta-śiva-aṇunā
mit dem auf vauṣaṭ endenden Śiva-Mantra

datvā pūrṇāṃ vidhānena guṇāpadānamacaret / oṃ hāṃ ātmane sarvajño bhava svāhā / oṃ hāṃ ātmane paritṛpto bhava svāhā / oṃ hrūṃ ātmane anādibodho bhava svāhā / oṃ hauṃ ātmane svatantro bhava svāhā / oṃ hauṃ ātman aluptaśaktirbhava svāhā / oṃ haḥ ātmane anantaśaktirbhava svāhā itthaṃ ṣaḍguṇamātmānaṃ gṛhītvā paramākṣarāt //

und nachdem man die Vollspende nach Vorschrift gegeben hat, vollziehe man die Verleihung der Eigenschaften: „oṃ hāṃ ātmane sarvajño bhava svāhā“ (Oṃ hāṃ, dem Selbst: sei allwissend, svāhā); „oṃ hāṃ ātmane paritṛpto bhava svāhā“ (… sei vollkommen gesättigt …); „oṃ hrūṃ ātmane anādibodho bhava svāhā“ (… sei von anfangsloser Erkenntnis …); „oṃ hauṃ ātmane svatantro bhava svāhā“ (… sei unabhängig …); „oṃ hauṃ ātman aluptaśaktir bhava svāhā“ (… o Selbst, sei von unverminderter Kraft …); „oṃ haḥ ātmane anantaśaktir bhava svāhā“ (… sei von unendlicher Kraft …). Nachdem man so das mit den sechs Eigenschaften [begabte] Selbst vom höchsten Unvergänglichen genommen hat,

Wort für Wort
guṇa-āpādanam
Verleihung der Eigenschaften
sarvajñaḥ bhava
sei allwissend
anādi-bodhaḥ
von anfangsloser Erkenntnis
svatantraḥ
unabhängig
ṣaḍ-guṇam ātmānam
das Selbst mit sechs Eigenschaften
parama-akṣarāt
vom höchsten Unvergänglichen

guṇāpadānam acaret lies guṇāpādanam ācaret.

vidhinā bhāvanopetaḥ śiṣyadehe niyojayet / tīvrāṇuśaktisampātajanitaśramaśāntaye //

soll man es nach Vorschrift, mit [entsprechender] Vergegenwärtigung, in den Körper des Schülers einfügen. Zur Beruhigung der durch den heftigen Niedergang der Kraft auf die Seele entstandenen Erschöpfung

Wort für Wort
bhāvanā-upetaḥ
mit Vergegenwärtigung versehen
śiṣya-dehe niyojayet
soll in den Körper des Schülers einfügen
tīvra-aṇu-śakti-sampāta
heftige Kraftherabkunft auf die Seele
janita-śrama-śāntaye
zur Beruhigung der entstandenen Erschöpfung

śiṣyamūrdhani vinyasyedarghyādamṛtavindukaṃ / praṇamayyeśakumbhādīn śivāddakṣiṇamaṇḍale //

setze man aus dem Arghya einen Nektartropfen auf das Haupt des Schülers. Nachdem man [ihn] vor Īśa, dem Krug usw. hat niederfallen lassen, [setze man] im Maṇḍala südlich von Śiva

Wort für Wort
śiṣya-mūrdhani vinyaset
soll aufs Haupt des Schülers setzen
arghyāt amṛta-bindukam
aus dem Arghya einen Nektartropfen
praṇamayya īśa-kumbha-ādīn
vor Īśa, Krug usw. verneigen lassend
śivāt dakṣiṇa-maṇḍale
im Maṇḍala südlich von Śiva

saumyavaktraṃ vyavasthāpya śiṣyaṃ dakṣiṇamātmanaḥ / tvayaivānugṛhīto 'yaṃ mūrtimāsthāya māmakīṃ //

den Schüler mit nach Norden gewandtem Gesicht zur eigenen Rechten nieder [und spreche]: „Von dir allein ist dieser begnadet worden, indem du meine Gestalt annahmst;

Wort für Wort
saumya-vaktram
nach Norden gewandt
vyavasthāpya
hinsetzend
śiṣyam dakṣiṇam ātmanaḥ
den Schüler zur eigenen Rechten
tvayā eva anugṛhītaḥ
von dir allein begnadet
mūrtim āsthāya māmakīm
meine Gestalt annehmend

saumyavaktram: „mit mildem Antlitz“ oder „nach Norden gewandt“; letzteres im Ritualkontext wahrscheinlicher.

deve vahnau gurau tasmādbhaktiṃ cāpyasya vardhaya / iti vijñāpya deveśaṃ praṇamya ca guruḥ svayaṃ //

darum mehre auch seine Hingabe an den Gott, an das Feuer und an den Guru.“ Nachdem er so dem Herrn der Götter Mitteilung gemacht und sich verneigt hat, soll der Guru selbst

Wort für Wort
deve vahnau gurau
an Gott, Feuer und Guru
bhaktim asya vardhaya
mehre seine Hingabe
vijñāpya deveśam
dem Herrn der Götter mitteilend
praṇamya guruḥ svayam
sich verneigend, der Guru selbst

śreyastavāstviti brūyādāśiṣaṃ śiṣyamādarāt / tataḥ paramayā bhaktyā datvā deve 'ṣṭapuṣpikāṃ / putrakaṃ śivakumbhena saṃsnāpya visṛjenmakhaṃ //

dem Schüler ehrerbietig den Segen sprechen: „Heil sei dir!“ Dann soll er mit höchster Hingabe dem Gott die Acht-Blumen-Gabe darbringen, den Putraka (Sohn-Schüler) mit dem Śiva-Krug baden und das Opfer entlassen.

Wort für Wort
śreyaḥ tava astu
Heil sei dir
āśiṣam
den Segen
aṣṭa-puṣpikām
die Acht-Blumen-Gabe
putrakam śiva-kumbhena saṃsnāpya
den Putraka mit dem Śiva-Krug badend
visṛjet makham
soll das Opfer entlassen

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