Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 94: śilāvinyāsavidhānam Die Vorschrift für die Grundsteinlegung

Beschrieben wird die Niederlegung der Grundsteine eines Tempels: Vorspenden, Einsetzen der Krüge Subhadra usw. und der Steine Nandā, Bhadrā, Jayā, Riktā und Pūrṇā mit ihren Anrufungsformeln, auch in einer Variante mit fünf Steinen. Den Abschluss bilden die Meditation, Sühnespenden und die Entlassung des Opfers. Die Versnummerierung beginnt in der Quelle mit 2 (Vers 1 fehlt); im Kolophon heißt das Kapitel śilānyāsakathana. V. 15/16 enthalten eine teilweise Wiederholung.

īśvara uvāca | īśādiṣu carakyādyāḥ pūrvavat pūjayedvahiḥ / āhutitritayaṃ dadyāt pratidevamanukramāt //

Īśvara sprach: In [den Ecken] Īśa usw. verehre man außen wie zuvor Carakī usw.; jeder Gottheit gebe man der Reihe nach drei Spenden.

Wort für Wort
īśa-ādiṣu
in [den Ecken] Īśa usw.
carakī-ādyāḥ
Carakī usw.
pūrvavat
wie zuvor
vahiḥ (= bahiḥ)
außen
āhuti-tritayam
drei Spenden
pratidevam anukramāt
jeder Gottheit der Reihe nach

Das Kapitel beginnt in der Quelle mit Vers 2.

datvā bhūtabaliṃ lagne śilānyāsamanukramāt / madhyasūtre nyasecchaktiṃ kumbhañcānantamuttamaṃ //

Nachdem man die Spende für die Wesen (bhūtabali) gegeben hat, [vollziehe man] zum glückverheißenden Zeitpunkt der Reihe nach die Steinlegung. Auf die Mittelschnur lege man die Śakti, den Krug und den erhabenen Ananta.

Wort für Wort
datvā (= dattvā) bhūta-balim
nach Gabe der Wesen-Spende
lagne
zum günstigen Zeitpunkt
śilā-nyāsam
Steinlegung
madhya-sūtre
auf der Mittelschnur
nyaset śaktim
soll die Śakti niederlegen
anantam uttamam
den erhabenen Ananta

datvā für dattvā.

nakārārūḍhamūlena kumbhe 'smin dhārayecchilāṃ / kumbhānaṣṭau sabhadrādīn dikṣu pūrvādiṣu kramāt //

Mit dem Grundmantra (mūla), das auf der Silbe na aufsitzt [?], halte man den Stein auf diesem Krug fest. Acht Krüge, Subhadra usw., [stelle man] in den Richtungen ab Osten der Reihe nach,

Wort für Wort
nakāra-ārūḍha-mūlena
mit dem auf na aufsitzenden Grundmantra [?]
kumbhe asmin
auf diesem Krug
dhārayet śilām
soll den Stein festhalten
kumbhān aṣṭau
acht Krüge
subhadra-ādīn
Subhadra usw.

nakārārūḍha: Bezug auf eine Mantra-Silbe, genaue Bedeutung unsicher; sabhadrādīn für subhadrādīn.

lokapālāṇubhirnyasya śvabhreṣu nyastaśaktiṣu / śilāsteṣvatha nandādyāḥ krameṇa viniyojayet //

nachdem man sie mit den Keimsilben (aṇu) der Welthüter niedergelegt hat; in die Gruben, in die die Śaktis gelegt sind, setze man dann der Reihe nach die Steine Nandā usw. ein,

Wort für Wort
lokapāla-aṇubhiḥ
mit den Keimsilben der Welthüter
nyasya
nachdem man niedergelegt hat
śvabhreṣu
in die Gruben
nyasta-śaktiṣu
in die die Śaktis gelegt sind
nanda-ādyāḥ śilāḥ
die Steine Nandā usw.
viniyojayet
soll einsetzen

lokapālāṇubhir: aṇu hier „Mantra-Silbe“.

śambarair mūrtināthānāṃ yathā syurbhittimadhyataḥ / tāsu dharmādikānaṣṭau koṇāt koṇaṃ vibhāgaśaḥ //

mit den Śambara-[Mantras] [?] der Herren der Verkörperungen, so dass sie in der Mitte der Wand zu liegen kommen. Auf sie [lege man] die acht, Dharma usw., von Ecke zu Ecke abschnittsweise.

Wort für Wort
śambaraiḥ
mit Śambara-[Mantras] [?]
mūrti-nāthānām
der Herren der Verkörperungen
bhitti-madhyataḥ
in der Mitte der Wand
dharma-ādikān aṣṭau
die acht, Dharma usw.
koṇāt koṇam
von Ecke zu Ecke
vibhāgaśaḥ
abschnittsweise

śambaraiḥ unklar; vermutlich eine Mantra-Bezeichnung.

subhadrādiṣu nandādyāś catasro 'gnyādikoṇagāḥ / ajitādyāś ca pūrvādijayādiṣvatha vinyaset //

Auf Subhadra usw. [lege man] die vier, Nandā usw., die in den Ecken ab Agni liegen, und dann Ajita usw. auf Jaya usw., beginnend im Osten.

Wort für Wort
subhadra-ādiṣu
auf Subhadra usw.
nanda-ādyāḥ catasraḥ
die vier, Nandā usw.
agni-ādi-koṇa-gāḥ
in den Ecken ab Agni
ajita-ādyāḥ
Ajita usw.
pūrva-ādi-jaya-ādiṣu
auf Jaya usw., ab Osten
vinyaset
soll niederlegen

brahmāṇaṃ copari masya vyāpakaṃ ca maheśvaraṃ / cintayedeṣu cādhānaṃ vyomaprasādamadhyagaṃ //

Darüber vergegenwärtige man sich Brahman und den alldurchdringenden Maheśvara, und in ihnen die Grundlegung (ādhāna), die sich in der Mitte des Himmelstempels befindet [?].

Wort für Wort
brahmāṇam
Brahman
upari asya
darüber
vyāpakam maheśvaram
den alldurchdringenden Maheśvara
cintayet
soll sich vergegenwärtigen
ādhānam
Grundlegung
vyoma-prāsāda-madhya-gam
in der Mitte des Himmelstempels

upari masya Trennfehler für upari asya; vyomaprasāda wohl für vyomaprāsāda.

balindattvā japedastraṃ vighnadoṣanivāraṇaṃ / śilāpañcakapakṣe 'pi manāguddiśyate yathā //

Nachdem man eine Spende gegeben hat, murmle man das Astra-[Mantra], das die Übel der Hindernisse abwehrt. Auch für die Variante mit fünf Steinen wird kurz angegeben, wie [zu verfahren ist]:

Wort für Wort
balim dattvā
nach Gabe einer Spende
japet astram
soll das Astra-Mantra murmeln
vighna-doṣa-nivāraṇam
die Übel der Hindernisse abwehrend
śilā-pañcaka-pakṣe
bei der Variante mit fünf Steinen
manāk uddiśyate
wird kurz angegeben

madhye pūrṇaśilānyāsaḥ subhadrakalaśe 'rdhataḥ / padmādiṣu ca nandādyāḥ koṇeṣvagnyādiṣu kramāt //

In der Mitte die Niederlegung des Pūrṇā-Steins, auf dem Subhadra-Krug zur Hälfte [?]; und auf Padma usw. Nandā usw. in den Ecken ab Agni der Reihe nach.

Wort für Wort
madhye
in der Mitte
pūrṇa-śilā-nyāsaḥ
Niederlegung des Pūrṇā-Steins
subhadra-kalaśe
auf dem Subhadra-Krug
ardhataḥ
zur Hälfte [?]
padma-ādiṣu
auf Padma usw.
koṇeṣu agni-ādiṣu
in den Ecken ab Agni

ardhataḥ unklar.

madhyabhāve catasro 'pi mātṛvadbhāvasammatāḥ / oṃ pūrṇe tvaṃ mahāviśve sarvasandohalakṣaṇe //

Bei Vorhandensein der Mitte gelten auch die vier ihrem Wesen nach wie Mütter [?]. „Oṃ, Pūrṇā, du Große, Allumfassende, Kennzeichen aller Fülle,

Wort für Wort
madhya-bhāve
wenn eine Mitte vorhanden ist
mātṛvat
wie Mütter
bhāva-sammatāḥ
dem Wesen nach anerkannt
pūrṇe
o Pūrṇā
mahāviśve
du Große, Allumfassende
sarva-sandoha-lakṣaṇe
Kennzeichen aller Fülle

Der erste Halbvers ist dunkel.

sarvasampūrṇamevātra kuruṣvāṅgirasaḥ sute / oṃ nande tvaṃ nandinī puṃsāṃ tvāmatra sthāpayāmyahaṃ //

mache hier alles vollkommen, o Tochter des Aṅgiras!“ „Oṃ, Nandā, du Erfreuerin der Menschen, dich stelle ich hier auf.

Wort für Wort
sarva-sampūrṇam
ganz vollkommen
kuruṣva
mache
āṅgirasaḥ sute
o Tochter des Aṅgiras
nandinī puṃsām
Erfreuerin der Menschen
sthāpayāmi
ich stelle auf

prāsāde tiṣṭha santṛptā yāvaccandrārkatārakaṃ / āyuḥ kāmaṃ śriyannande dehi vāsiṣṭha dehināṃ //

Bleibe gesättigt im Tempel, solange Mond, Sonne und Sterne [bestehen]. Gib, Nandā, Tochter des Vasiṣṭha, den verkörperten Wesen Leben, Wunscherfüllung und Glück.

Wort für Wort
prāsāde tiṣṭha
bleibe im Tempel
santṛptā
gesättigt
yāvat candra-arka-tārakam
solange Mond, Sonne, Sterne
āyuḥ kāmam śriyam
Leben, Wunsch, Glück
vāsiṣṭha (= vāsiṣṭhi)
o Tochter des Vasiṣṭha
dehinām
den Verkörperten

asmin rakṣā sadā kāryā prāsāde yatnatastvayā / oṃ bhadre tvaṃ sarvadā bhadraṃ lokānāṃ kuru kāśyapi //

In diesem Tempel sollst du stets eifrig Schutz üben.“ „Oṃ, Bhadrā, schaffe du stets Heil für die Welten, o Tochter des Kaśyapa.

Wort für Wort
asmin prāsāde
in diesem Tempel
rakṣā kāryā
Schutz ist zu üben
yatnataḥ
mit Eifer
bhadre
o Bhadrā
bhadram kuru
schaffe Heil
kāśyapi
o Tochter des Kaśyapa

āyurdā kāmadā devi śrīpradā ca sadā bhava / oṃ jaye 'tra sarvadā devi śrīdā.ayurdā ca sadā bhava //

Sei stets Leben gebend, Wünsche gebend, o Göttin, und Glück spendend.“ „Oṃ, Jayā, sei hier stets, o Göttin, Glück spendend und Leben gebend.

Wort für Wort
āyur-dā
Leben gebend
kāma-dā
Wünsche gebend
śrī-pradā
Glück spendend
jaye
o Jayā
atra sarvadā
hier stets

Der zweite Halbvers wiederholt teilweise V. 16a (vermutlich Doppelschreibung); śrīdā.ayurdā Digitalisierungsfehler für śrīdāyurdā.

oṃ jaye 'tra sarvadā devi tiṣṭha tvaṃ sthāpitā maya / nityañjayāya bhūtyai ca svāminī bhava bhārgavi //

Oṃ, Jayā, bleibe hier stets, o Göttin, von mir aufgestellt; sei zu beständigem Sieg und Gedeihen die Herrin, o Tochter des Bhṛgu.“

Wort für Wort
tiṣṭha tvam
bleibe du
sthāpitā mayā
von mir aufgestellt
nityam jayāya bhūtyai
zu beständigem Sieg und Gedeihen
svāminī bhava
sei Herrin
bhārgavi
o Tochter des Bhṛgu

maya für mayā.

oṃ rikte 'tiriktadoṣaghne siddhimuktiprade śubhaṃ / sarvadā sarvadeśasthe tiṣṭhāsmin viśvarūpiṇi //

„Oṃ, Riktā, die du überschüssige Fehler vernichtest, Vollendung und Erlösung verleihst, Heil [bringend], stets an allen Orten weilend – bleibe in diesem [Tempel], du Allgestaltige!“

Wort für Wort
rikte
o Riktā
atirikta-doṣa-ghne
überschüssige Fehler vernichtend
siddhi-mukti-prade
Vollendung und Erlösung verleihend
sarva-deśa-sthe
an allen Orten weilend
tiṣṭha asmin
bleibe hierin
viśva-rūpiṇi
o Allgestaltige

gaganāyatanandhyātvā tatra tattvatrayaṃ nyaset / prāyaścittantato hutvā vidhinā visṛjenmakhaṃ //

Nachdem man den Himmel als Heiligtum meditiert hat, lege man dort die drei Prinzipien (tattva) nieder; dann bringe man die Sühnespenden dar und entlasse das Opfer nach Vorschrift.

Wort für Wort
gagana-āyatanam
den Himmel als Heiligtum
dhyātvā
nachdem man meditiert hat
tattva-trayam nyaset
soll die drei Prinzipien niederlegen
prāyaścittam hutvā
nach Darbringung der Sühnespende
visṛjet makham
soll das Opfer entlassen

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