Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 93: vāstupūjādividhānam Die Vorschrift für die Verehrung des Vāstu

Īśvara beschreibt das 64-feldige Vāstu-Maṇḍala, die Lage des Vāstupuruṣa, die Marman-Punkte und die Opfergaben für die einzelnen Feldgottheiten und die vier Dämoninnen außerhalb. Anschließend werden 81-, 100-feldige und größere Diagramme für Haus, Stadt und Land sowie kleinere Formen genannt. Im Kolophon heißt das Kapitel vāstupūjākathana. Mehrere Stellen (V. 7-8, 32, 35-38) sind verderbt oder dunkel; von den zwölf angekündigten Marmans werden nur acht genannt.

īśvara uvāca | tataḥ prāsādamāsūtrya vartayedvāstumaṇḍapaṃ / kuryāt koṣṭhacatuḥṣaṣṭiṃ kṣetre vedāsrake same //

Īśvara sprach: Dann, nachdem man den Tempel mit der Schnur abgesteckt hat, soll man das Vāstu-Diagramm (vāstumaṇḍapa) ausführen; auf einem ebenen, viereckigen Grundstück lege man vierundsechzig Felder an.

Wort für Wort
prāsādam āsūtrya
nachdem man den Tempel abgeschnürt hat
vartayet
soll ausführen, zeichnen
vāstumaṇḍapam
Vāstu-Diagramm
koṣṭha-catuḥṣaṣṭim
vierundsechzig Felder
kṣetre vedāsrake same
auf ebenem viereckigem Grundstück

vedāsraka: veda als Zahlwort = 4, also „viereckig“. vāstumaṇḍapa hier wohl für vāstumaṇḍala.

koṇeṣu vinyased vaṃśau rajjavo 'ṣṭau vikoṇagāḥ / dvipadāḥ ṣaṭpadāstāstu vāstuntatrārcayed yathā //

In die Ecken lege man zwei Bambusstäbe [Anm.: die Diagonalen], acht Schnüre, die zu den Zwischenecken verlaufen; diese umfassen zwei Felder bzw. sechs Felder. Dort verehre man den Vāstu auf folgende Weise.

Wort für Wort
koṇeṣu
in den Ecken
vaṃśau
zwei Bambusstäbe (Diagonalen)
rajjavaḥ aṣṭau
acht Schnüre
vikoṇa-gāḥ
zu den Zwischenecken gehend
dvipadāḥ ṣaṭpadāḥ
zwei-/sechsfeldig
vāstum arcayet
soll den Vāstu verehren

Die Zuordnung „zwei Felder / sechs Felder“ ist knapp formuliert; bezieht sich wohl auf die von den Schnüren abgegrenzten Götterfelder.

ākuñcitakacaṃ vāstumuttānamasurākṛtiṃ / smaret pūjāsu kuḍyādiniveśe uttarānanaṃ //

Den Vāstu stelle man sich bei den Verehrungen und bei der Errichtung von Wänden usw. vor: mit gekräuseltem Haar, auf dem Rücken liegend, von Asura-Gestalt, das Gesicht nach Norden [?] gewandt.

Wort für Wort
ākuñcita-kacam
mit gekräuseltem Haar
uttānam
auf dem Rücken liegend
asura-ākṛtim
von Asura-Gestalt
smaret
soll sich vergegenwärtigen
kuḍya-ādi-niveśe
bei Errichtung von Wänden usw.
uttara-ānanam
nach Norden blickend

uttarānana: „mit dem Gesicht nach Norden“ oder „nach oben“; da uttāna schon die Rückenlage angibt, ist die Richtungsangabe wahrscheinlicher.

jānunī kūrparau śakthi diśi vātahutāśayoḥ / paitryāṃ pādapuṭe raudryāṃ śiro 'sya hṛdaye 'ñjaliḥ //

Die Knie, die Ellbogen und die Schenkel [liegen] in den Richtungen des Windes und des Feuers [Anm.: Nordwest und Südost]; in der Richtung der Väter [Südwest] die Fußsohlen, in der Richtung Rudras [Nordost] sein Kopf, auf dem Herzen die zusammengelegten Hände.

Wort für Wort
jānunī kūrparau
die beiden Knie, die beiden Ellbogen
śakthi (= sakthi)
Schenkel
diśi vāta-hutāśayoḥ
in der Richtung von Wind und Feuer
paitryām pāda-puṭe
im Südwesten die Fußsohlen
raudryām śiraḥ
im Nordosten der Kopf
hṛdaye añjaliḥ
auf dem Herzen die gefalteten Hände

śakthi wohl = sakthi „Schenkel“.

asya dehe samārūḍhā devatāḥ pūjitāḥ śubhāḥ / aṣṭau koṇādhipāstatra koṇārdheṣvaṣṭasu sthitāḥ //

Die auf seinem Körper sitzenden glückbringenden Gottheiten werden verehrt. Die acht Herren der Ecken befinden sich dort in den acht Eckhälften.

Wort für Wort
asya dehe
auf seinem Körper
samārūḍhāḥ devatāḥ
die aufsitzenden Gottheiten
pūjitāḥ śubhāḥ
verehrt, glückbringend
koṇa-adhipāḥ
Herren der Ecken
koṇa-ardheṣu aṣṭasu
in den acht Eckhälften

ṣaṭpadāstu marīcyādyā dikṣu pūrvādiṣu kramāt / madhye catuṣpado brahmā śeṣāstu padikāḥ smṛtāḥ //

Die sechsfeldigen [Gottheiten], Marīci usw., [liegen] der Reihe nach in den Richtungen, beginnend mit Osten; in der Mitte Brahmā mit vier Feldern; die übrigen gelten als einfeldig.

Wort für Wort
ṣaṭpadāḥ
sechs Felder einnehmend
marīci-ādyāḥ
Marīci usw.
dikṣu pūrva-ādiṣu kramāt
in den Richtungen ab Osten der Reihe nach
madhye catuṣpadaḥ brahmā
in der Mitte der vierfeldige Brahmā
padikāḥ
einfeldig

samastanāḍīsaṃyoge mahāmarmānujaṃ phalaṃ / triśūlaṃ svastikaṃ vajraṃ mahāsvastikasampuṭau //

Wo alle Linien zusammentreffen, ergibt sich ein großer Vitalpunkt (mahāmarman) [?]: Triśūla, Svastika, Vajra, Mahāsvastika und Sampuṭa,

Wort für Wort
samasta-nāḍī-saṃyoge
beim Zusammentreffen aller Linien
mahāmarma
großer Vitalpunkt
phalam
Ergebnis
triśūlam svastikam vajram
Dreizack, Svastika, Donnerkeil
mahāsvastika-sampuṭau
Mahāsvastika und Sampuṭa

mahāmarmānujaṃ phalaṃ ist unklar (evtl. verderbt); übersetzt nach dem Sinn „es ergibt sich ein großer Marman“.

trikuṭuṃ maṇibandhaṃ ca suviśuddhaṃ padaṃ tathā / iti dvādaśa marmāṇi vāstorbhittyādiṣu tyajet //

Trikuṭa [?], Maṇibandha und ebenso das Feld Suviśuddha – dies sind die zwölf Vitalpunkte (marman) des Vāstu; man meide sie bei Wänden usw.

Wort für Wort
trikuṭum (= trikuṭa)
Trikuṭa (Name)
maṇibandham
Maṇibandha („Handgelenk“)
suviśuddham padam
das Feld Suviśuddha
dvādaśa marmāṇi
zwölf Vitalpunkte
bhitti-ādiṣu tyajet
soll bei Wänden usw. meiden

Nur acht Namen genannt, obwohl zwölf angekündigt; trikuṭu wohl für trikuṭa bzw. trikūṭa.

sājyamakṣatamīśāya parjanyāyāmbujodakaṃ / dadītātha jayantāya patākāṃ kuṅkumojjvalāṃ //

Dem Īśa gebe man ungebrochene Körner mit Schmelzbutter, dem Parjanya Lotuswasser, dann dem Jayanta ein von Safran leuchtendes Banner;

Wort für Wort
sa-ājyam akṣatam
ungebrochene Körner mit Schmelzbutter
īśāya
dem Īśa
ambuja-udakam
Lotuswasser
patākām
Banner
kuṅkuma-ujjvalām
von Safran leuchtend

ratnavāri mahendrāya ravau dhūmraṃ vitānakaṃ / satyāya ghṛtagodhūmamājyabhaktaṃ bhṛśāya ca //

dem Mahendra Juwelenwasser, dem Ravi einen rauchfarbenen Baldachin, dem Satya Schmelzbutter und Weizen und dem Bhṛśa Reis mit Schmelzbutter;

Wort für Wort
ratna-vāri
Juwelenwasser
ravau
dem Ravi (Sonne)
dhūmram vitānakam
rauchfarbenen Baldachin
ghṛta-godhūmam
Schmelzbutter und Weizen
ājya-bhaktam
Reis mit Schmelzbutter

vimāṃsamantarīkṣāya śuktuntebhyastu pūrvataḥ / madhukṣīrājyasampūrṇāṃ pradadyādvahnaye śrucaṃ //

dem Antarīkṣa Fleisch [?], und ihnen [allen] im Osten Gerstengrütze. Dem Vahni [Agni] gebe man einen Opferlöffel, gefüllt mit Honig, Milch und Schmelzbutter.

Wort für Wort
vimāṃsam
Fleisch [?]
antarīkṣāya
dem Antarīkṣa
śuktum (= saktum)
Gerstengrütze
pūrvataḥ
im Osten
madhu-kṣīra-ājya-sampūrṇām
mit Honig, Milch, Schmelzbutter gefüllt
śrucam (= srucam)
Opferlöffel

vimāṃsam unklar (vi-māṃsa „Fleisch“ oder „ohne Fleisch“?); śuktuṃ wohl für saktum „Gerstengrütze“; śrucam für srucam.

lājān pūrṇaṃ suvarṇāmbu vitathāya nivedayet / dadyād gṛhakṣate kṣaudraṃ yamarāje palaudanaṃ //

Dem Vitatha bringe man geröstete Reiskörner, ein volles [Gefäß] [?] und Goldwasser dar; dem Gṛhakṣata gebe man Honig, dem Yamarāja Reis mit Fleisch;

Wort für Wort
lājān
geröstete Reiskörner
pūrṇam
Volles [Gefäß?]
suvarṇa-ambu
Goldwasser
gṛhakṣate kṣaudram
dem Gṛhakṣata Honig
pala-odanam
Reis mit Fleisch

pūrṇaṃ steht ohne Bezugswort; evtl. pūrṇapātra gemeint.

gandhaṃ gandharvanāthāya jihvāṃ bhṛṅgāya pakṣiṇaḥ / mṛgāya padmaparṇāni yāmyāmityaṣṭadevatāḥ //

dem Herrn der Gandharvas Duftstoffe, dem Bhṛṅga die Zunge eines Vogels, dem Mṛga Lotusblätter – so [sind] im Süden die acht Gottheiten.

Wort für Wort
gandham
Duftstoff
gandharva-nāthāya
dem Herrn der Gandharvas
jihvām pakṣiṇaḥ
Zunge eines Vogels
padma-parṇāni
Lotusblätter
yāmyām
im Süden
aṣṭa-devatāḥ
acht Gottheiten

pitre tilodakaṃ kṣīraṃ vṛkṣajaṃ dantadhāvanaṃ / dauvārikāya devāya pradadyād dhenumudrayā //

Dem Pitṛ gebe man Sesamwasser, dem Dauvārika-Gott Milch[saft] und ein von einem Baum stammendes Zahnholz, [dargebracht] mit der Kuh-Geste (dhenumudrā);

Wort für Wort
pitre tila-udakam
dem Pitṛ Sesamwasser
kṣīram
Milch
vṛkṣajam danta-dhāvanam
Zahnholz vom Baum
dauvārikāya
dem Türhüter (Dauvārika)
dhenu-mudrayā
mit der Kuh-Geste

Die Zuordnung von kṣīraṃ vṛkṣajaṃ („Baummilch“?) ist nicht eindeutig.

sugrīvāya diśet pūpān puṣpadantāya darbhakaṃ / raktaṃ pracetase padmamasurāya surāsavaṃ //

dem Sugrīva weise man Kuchen zu, dem Puṣpadanta Darbha-Gras, dem Pracetas einen roten Lotus, dem Asura Surā und Branntwein;

Wort für Wort
sugrīvāya
dem Sugrīva
pūpān
Kuchen
darbhakam
Darbha-Gras
raktam padmam
roten Lotus
surā-āsavam
Surā und gegorenen Trank

ghṛtaṃ guḍaudanaṃ śeṣe rogāya ghṛtamaṇḍakān / lājān vā paścimāśāyāṃ devāṣṭakamitīritaṃ //

dem Śeṣa Schmelzbutter und Reis mit Rohzucker, dem Roga Butterkuchen oder geröstete Reiskörner – so ist die Gruppe der acht Götter im Westen genannt.

Wort für Wort
ghṛtam guḍa-odanam
Schmelzbutter, Reis mit Rohzucker
śeṣe
dem Śeṣa
ghṛta-maṇḍakān
Butterkuchen
paścima-āśāyām
im Westen
deva-aṣṭakam
Achtergruppe der Götter

mārutāya dhvajaṃ pītaṃ nāgāya nāgakeśaraṃ / mukhye bhakṣyāṇi bhallāṭe mudgasūpaṃ susaṃskṛtaṃ //

Dem Māruta ein gelbes Banner, dem Nāga Nāgakeśara-Blüten, dem Mukhya feste Speisen, dem Bhallāṭa gut zubereitete Mungbohnensuppe;

Wort für Wort
mārutāya dhvajam pītam
dem Māruta ein gelbes Banner
nāgakeśaram
Nāgakeśara (Mesua ferrea)
mukhye bhakṣyāṇi
dem Mukhya Speisen
mudga-sūpam
Mungbohnensuppe
su-saṃskṛtam
gut zubereitet

somāya pāyasaṃ sājyaṃ śālūkamūṣaye diśet / lopīmaditaye dityai purīmityuttarāṣṭakaṃ //

dem Soma Milchreis mit Schmelzbutter, dem Ṛṣi weise man Lotuswurzeln zu, der Aditi eine Lopī [?], der Diti einen Purī-Kuchen – so die Achtergruppe im Norden.

Wort für Wort
pāyasam sa-ājyam
Milchreis mit Schmelzbutter
śālūkam
Lotuswurzel
ūṣaye (= ṛṣaye)
dem Ṛṣi
lopīm aditaye
der Aditi eine Lopī [?]
dityai purīm
der Diti einen Purī-Kuchen
uttara-aṣṭakam
Achtergruppe im Norden

lopī: Speisebezeichnung unklar; ūṣaye wohl für ṛṣaye.

modakān brahmaṇaḥ prācyāṃ ṣaṭpādāya marīcaye / savitre raktapuṣpāṇi vahnyadhaḥkoṇakoṣṭhake //

Süßkugeln (modaka) dem sechsfeldigen Marīci östlich von Brahman; dem Savitṛ rote Blumen im Eckfeld unterhalb [Anm.: einwärts] der Feuerecke;

Wort für Wort
modakān
Süßkugeln
brahmaṇaḥ prācyām
östlich von Brahman
ṣaṭpādāya marīcaye
dem sechsfeldigen Marīci
savitre rakta-puṣpāṇi
dem Savitṛ rote Blumen
vahni-adhaḥ-koṇa-koṣṭhake
im Eckfeld unter der Feuerecke

tadadhaḥkoṣṭhake dadyāt sāvitryai ca kuśodakaṃ / dakṣiṇe candanaṃ raktaṃ ṣaṭpadāya vivasvate //

im Feld darunter gebe man der Sāvitrī Kuśa-Wasser; im Süden dem sechsfeldigen Vivasvat rotes Sandelholz;

Wort für Wort
tad-adhaḥ-koṣṭhake
im Feld darunter
sāvitryai
der Sāvitrī
kuśa-udakam
Kuśa-Wasser
candanam raktam
rotes Sandelholz
vivasvate
dem Vivasvat

haridraudanamindrāya rakṣodhaḥkrīṇakoṣṭhake / indrajayāya miśrānnamindrādhastānnivedayet //

dem Indra Gelbwurz-Reis im Feld unterhalb der Rakṣas-Ecke; dem Indrajaya bringe man unterhalb von Indra Mischspeise dar;

Wort für Wort
haridra-odanam
Gelbwurz-Reis
rakṣaḥ-adhaḥ-krīṇa(= koṇa)-koṣṭhake
im Feld unter der Rakṣas-Ecke
indrajayāya
dem Indrajaya
miśra-annam
Mischspeise
indra-adhastāt
unterhalb von Indra

krīṇa wohl Verschreibung für koṇa.

varuṇyāṃ ṣaṭpadāsīne mitre saṅuḍamodanaṃ / rudrāya ghṛtasiddhānnaṃ vāyukoṇādhare pade //

im Westen dem auf sechs Feldern sitzenden Mitra Reis mit Rohzucker; dem Rudra in Schmelzbutter gekochte Speise im Feld unterhalb der Windecke;

Wort für Wort
vāruṇyām
im Westen
ṣaṭpada-āsīne mitre
dem auf sechs Feldern sitzenden Mitra
saṅuḍam (= saguḍam) odanam
Reis mit Rohzucker
ghṛta-siddha-annam
in Schmelzbutter bereitete Speise
vāyu-koṇa-adhare pade
im Feld unter der Windecke

saṅuḍam wohl für saguḍam.

tadadho rudradāsāya māsaṃ mārgamathottare / dadīta māṣanaivedyaṃ ṣaṭpadasthe dharādhare //

darunter dem Rudradāsa Fleisch, [und zwar] Wildbret [?]; dann im Norden gebe man dem auf sechs Feldern stehenden Dharādhara eine Speisegabe aus Urdbohnen;

Wort für Wort
tad-adhaḥ
darunter
rudradāsāya
dem Rudradāsa
māsam (= māṃsam) mārgam
Fleisch, Wildbret [?]
māṣa-naivedyam
Speisegabe aus Urdbohnen
ṣaṭpada-sthe dharādhare
dem auf sechs Feldern stehenden Dharādhara

māsaṃ wohl für māṃsam; mārgam („vom Wild stammend“) unsicher.

āpāya śivakoṇādhaḥ tadvatsāya ca tatsthale / kramāddadyāddadhikṣīraṃ pūjayitvā vidhānataḥ //

Dem Āpa unterhalb der Śiva-Ecke und dem Āpavatsa an dessen Stelle gebe man der Reihe nach Sauermilch und Milch, nachdem man sie vorschriftsgemäß verehrt hat.

Wort für Wort
āpāya
dem Āpa
śiva-koṇa-adhaḥ
unterhalb der Śiva-(Nordost-)Ecke
tad-vatsāya
dem Āpavatsa
dadhi-kṣīram
Sauermilch und Milch
pūjayitvā vidhānataḥ
nach vorschriftsmäßiger Verehrung

tadvatsāya wohl für āpavatsāya („dessen Vatsa“).

catuṣpade niviṣṭāya brahmaṇe madhmadeśataḥ / pañcagavyākṣatopetañcaruṃ sājyaṃ nivedayet //

Dem in der Mitte auf vier Feldern sitzenden Brahman bringe man einen Opferbrei (caru) mit Schmelzbutter dar, versehen mit den fünf Kuhprodukten und ungebrochenen Körnern.

Wort für Wort
catuṣpade niviṣṭāya
dem auf vier Feldern sitzenden
madhma(= madhya)-deśataḥ
in der Mitte
pañcagavya-akṣata-upetam
mit Pañcagavya und ungebrochenen Körnern
carum sa-ājyam
Opferbrei mit Schmelzbutter
nivedayet
soll darbringen

madhmadeśataḥ Tippfehler für madhyadeśataḥ.

īśādivāyuparyantakoṇeṣvatha yathākramaṃ / vāstuvāhye carakyādyāś catasraḥ pūjayed yathā //

Dann soll man in den Ecken von Īśa bis Vāyu der Reihe nach, außerhalb des Vāstu, die vier [Dämoninnen], Carakī usw., folgendermaßen verehren:

Wort für Wort
īśa-ādi-vāyu-paryanta-koṇeṣu
in den Ecken von Īśa bis Vāyu
yathākramam
der Reihe nach
vāstu-vāhye (= bāhye)
außerhalb des Vāstu
carakī-ādyāḥ catasraḥ
die vier, Carakī usw.
pūjayet
soll verehren

vāhye für bāhye.

carakyai saghṛtaṃ māṃsaṃ vidāryai dadhipaṅkaje / pūtanāyai palaṃ pittaṃ rudhiraṃ ca nivedayet //

Der Carakī bringe man Fleisch mit Schmelzbutter dar, der Vidārī Sauermilch und einen Lotus, der Pūtanā Fleisch, Galle und Blut;

Wort für Wort
carakyai
der Carakī
sa-ghṛtam māṃsam
Fleisch mit Schmelzbutter
vidāryai dadhi-paṅkaje
der Vidārī Sauermilch und Lotus
palam pittam rudhiram
Fleisch, Galle, Blut
nivedayet
soll darbringen

asthīni pāparākṣasyai raktapittapalāni ca / tato māṣaudanaṃ prācyāṃ skandāya vinivedayet //

der Pāparākṣasī Knochen sowie Blut, Galle und Fleisch. Dann bringe man im Osten dem Skanda Reis mit Urdbohnen dar;

Wort für Wort
asthīni
Knochen
pāparākṣasyai
der Pāparākṣasī
rakta-pitta-palāni
Blut, Galle, Fleisch
māṣa-odanam
Reis mit Urdbohnen
skandāya
dem Skanda

aryamṇe dakṣiṇāśāyāṃ pūpān kṛsarayā yutān / jambhakāya ca vāruṇyāmāmiṣaṃ rudhirānvitaṃ //

dem Aryaman im Süden Kuchen mit Kṛsara [Anm.: Reis-Sesam-Gericht], dem Jambhaka im Westen Fleisch mit Blut;

Wort für Wort
aryamṇe
dem Aryaman
dakṣiṇa-āśāyām
im Süden
pūpān kṛsarayā yutān
Kuchen mit Kṛsara
jambhakāya
dem Jambhaka
āmiṣam rudhira-anvitam
Fleisch mit Blut

udīcyāṃ pilipiñjāya raktānnaṃ kusumāni ca / yajedvā sakalaṃ vāstuṃ kuśadadhyakṣaterjalaiḥ //

im Norden dem Pilipiñja rote Speise und Blumen. Oder man verehre den ganzen Vāstu mit Kuśa, Sauermilch, ungebrochenen Körnern und Wasser.

Wort für Wort
udīcyām
im Norden
pilipiñjāya
dem Pilipiñja
rakta-annam kusumāni
rote Speise und Blumen
sakalam vāstum
den ganzen Vāstu
kuśa-dadhi-akṣataiḥ jalaiḥ
mit Kuśa, Sauermilch, Körnern, Wasser

gṛhe ca nagarādau ca ekāśītipadair yajet / tripadā rajjavaḥ kāryāḥ ṣaṭpadāś ca vikoṇake //

Bei einem Wohnhaus und bei einer Stadt usw. verehre man mit einundachtzig Feldern; die Schnüre sind dreifeldig anzulegen und sechsfeldig in der Zwischenecke [?].

Wort für Wort
gṛhe nagara-ādau
beim Haus, bei Stadt usw.
ekāśīti-padaiḥ
mit einundachtzig Feldern
tripadāḥ rajjavaḥ
dreifeldige Schnüre
ṣaṭpadāḥ
sechsfeldig
vikoṇake
in der Zwischenecke

īśādyāḥ pādikāstasminnāgadyāś ca dvikoṣṭhagāḥ / ṣaṭpadasthā marīcyādyā brahmā navapadaḥ smṛtaḥ //

Īśa usw. sind darin einfeldig, Āpa [?] usw. nehmen zwei Felder ein, Marīci usw. stehen auf sechs Feldern, Brahmā gilt als neunfeldig.

Wort für Wort
īśa-ādyāḥ pādikāḥ
Īśa usw. einfeldig
nāgadyāḥ (āpādyāḥ?)
Āpa usw. [?]
dvi-koṣṭha-gāḥ
zwei Felder einnehmend
ṣaṭpada-sthāḥ
auf sechs Feldern stehend
brahmā navapadaḥ
Brahmā neunfeldig

nāgadyāḥ wohl verderbt (āpādyāḥ?).

nagaragrāmakheṭādau vāstuḥ śatapado 'pi vā / vaṃśadvayaṃ koṇagataṃ durjayaṃ durdharaṃ sadā //

Bei Stadt, Dorf, Kheṭa [Anm.: kleine Siedlung] usw. hat der Vāstu auch wohl hundert Felder; die beiden zu den Ecken gehenden Bambusstäbe [heißen] stets Durjaya und Durdhara [?].

Wort für Wort
nagara-grāma-kheṭa-ādau
bei Stadt, Dorf, Kheṭa usw.
śatapadaḥ
hundertfeldig
vaṃśa-dvayam koṇa-gatam
die zwei diagonalen Bambusstäbe
durjayam durdharam
Durjaya, Durdhara
sadā
stets

Ob durjaya/durdhara Namen oder Attribute („schwer zu bezwingen/zu halten“) sind, bleibt offen.

yathā devālaye nyasas tathā śatapade hitaḥ / grahāḥ skandādayastatra vijñeyāś caiva ṣaṭpadāḥ //

Wie die Anordnung beim Tempel, so ist sie beim Hundertfelder-[Vāstu] angemessen. Die Grahas, Skanda usw., sind dort als sechsfeldig zu verstehen.

Wort für Wort
yathā devālaye
wie beim Tempel
nyasaḥ (= nyāsaḥ)
Anordnung
śatapade hitaḥ
beim Hundertfelder angemessen
grahāḥ skanda-ādayaḥ
die Grahas, Skanda usw.
ṣaṭpadāḥ
sechsfeldig

nyasas für nyāsas.

carakyādyā bhūtapadā rajjuvaṃśādi pūrvavat / deśasaṃsthāpane vāstu catustriṃśacchataṃ bhavet //

Carakī usw. haben fünf Felder (bhūtapada); Schnüre, Bambusstäbe usw. wie zuvor. Bei der Gründung eines Landes soll der Vāstu hundertvierunddreißig [?] Felder haben.

Wort für Wort
bhūta-padāḥ
fünffeldig
rajju-vaṃśa-ādi
Schnüre, Bambusstäbe usw.
pūrvavat
wie zuvor
deśa-saṃsthāpane
bei der Gründung eines Landes
catustriṃśat-śatam
hundertvierunddreißig [?]

bhūta als Zahlwort = 5. catustriṃśacchata ist mehrdeutig (134 oder 3400).

catuḥṣaṣṭipado brahmā marīcyādyāś ca devatāḥ / catuḥpañcāśatpadikā āpādyaṣṭau rasāgnibhiḥ //

Brahmā hat vierundsechzig Felder, die Gottheiten Marīci usw. vierundfünfzig Felder; die acht, Āpa usw., [haben] sechsunddreißig [Felder].

Wort für Wort
catuḥṣaṣṭi-padaḥ
vierundsechzigfeldig
marīci-ādyāḥ
Marīci usw.
catuḥpañcāśat-padikāḥ
vierundfünfzigfeldig
āpa-ādi aṣṭau
die acht, Āpa usw.
rasa-agnibhiḥ
mit 36 (6 und 3)

rasāgnibhiḥ: rasa = 6, agni = 3, in Zahlwortschreibung (von rechts) 36.

īśānādyā navapadāḥ skandādyāḥ śaktikāḥ smṛtāḥ / carakyādyāstadvadeva rajjuvaṃśādi pūrvavat //

Īśāna usw. haben neun Felder; Skanda usw. gelten als Śaktis [?]; Carakī usw. ebenso; Schnüre, Bambusstäbe usw. wie zuvor.

Wort für Wort
īśāna-ādyāḥ navapadāḥ
Īśāna usw. neunfeldig
skanda-ādyāḥ
Skanda usw.
śaktikāḥ
Śakti-[Felder?]
tadvat eva
ebenso
pūrvavat
wie zuvor

śaktikāḥ unklar, evtl. verderbt für eine Zahlangabe.

jñeyo vaṃśasahasraistu vāstumaṇḍalagaḥ padaiḥ / nyāso navaguṇastatra kartavyo deśavāstuvit //

Der im Vāstu-Maṇḍala Befindliche ist mit Tausenden von Bambus[einheiten] [?] an Feldern zu verstehen; dort soll der Kenner des Landes-Vāstu die Anordnung neunfach vornehmen.

Wort für Wort
vaṃśa-sahasraiḥ
mit Tausenden von Bambus[einheiten] [?]
vāstu-maṇḍala-gaḥ
im Vāstu-Maṇḍala befindlich
padaiḥ
mit Feldern
nyāsaḥ navaguṇaḥ
neunfache Anordnung
deśa-vāstu-vit
Kenner des Landes-Vāstu

vaṃśasahasraiḥ schwer verständlich; Sinn wohl „mit Tausenden von Feldern“.

pañcaciṃśatpado vāsturvaitālākhyaścitau smṛtaḥ / anyo navapado vāstuḥ ṣoḍaśāṅghris tathāparaḥ //

Der Vāstu mit fünfundzwanzig Feldern heißt Vaitāla und gilt für den Scheiterhaufen [?]; ein anderer Vāstu hat neun Felder, ein weiterer sechzehn Felder.

Wort für Wort
pañcaviṃśat-padaḥ
fünfundzwanzigfeldig
vaitāla-ākhyaḥ
Vaitāla genannt
citau
beim Scheiterhaufen [?]
navapadaḥ
neunfeldig
ṣoḍaśa-aṅghriḥ
sechzehnfeldig

pañcaciṃśat für pañcaviṃśat; citau „beim Scheiterhaufen“ bzw. „beim Aufschichten“ unsicher.

ṣaḍasratryasravṛttādermadhye syāccaturasrakaṃ / khāte vāstoḥ samaṃ pṛṣṭhe nyāse brahmaśilātmake //

Inmitten von Sechseck, Dreieck, Kreis usw. soll ein Viereck sein. Beim Ausheben der Grube [lege man] den Vāstu gleichmäßig auf den Boden [?], bei der Niederlegung, die im Grundstein (brahmaśilā) besteht,

Wort für Wort
ṣaḍasra-tryasra-vṛtta-ādeḥ
von Sechseck, Dreieck, Kreis usw.
madhye caturasrakam
in der Mitte ein Viereck
khāte
beim Ausheben der Grube
samam pṛṣṭhe
gleichmäßig auf der Fläche
nyāse brahmaśilā-ātmake
bei der Grundsteinlegung

Satzbau von khāte vāstoḥ samaṃ pṛṣṭhe unklar.

śāṣākasya niveśe ca mūrtisaṃsthāpane tathā / pāyasena tu naivedyaṃ sarveṣāṃ vā pradāpayet //

und bei der Einsetzung des Türrahmens [?] sowie bei der Aufstellung des Götterbildes lasse man allen eine Speisegabe aus Milchreis darbringen.

Wort für Wort
śāṣākasya (śākhā?)
des Türrahmens [?]
niveśe
bei der Einsetzung
mūrti-saṃsthāpane
bei der Aufstellung des Bildes
pāyasena naivedyam
Speisegabe mit Milchreis
sarveṣām
allen

śāṣākasya wohl für śākhāyāḥ („Türpfosten“).

uktānukte tu vai vāstuḥ pañcahastapramāṇataḥ / gṛhaprāsādamānena vāstuḥ śreṣṭhastu sarvadā //

Beim Genannten wie beim Ungenannten beträgt der Vāstu fünf Ellen im Maß; nach dem Maß des Hauses bzw. Tempels aber ist der Vāstu stets am besten.

Wort für Wort
ukta-anukte
beim Genannten und Ungenannten
pañca-hasta-pramāṇataḥ
im Maß von fünf Ellen
gṛha-prāsāda-mānena
nach dem Maß von Haus bzw. Tempel
śreṣṭhaḥ
am besten
sarvadā
stets

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