Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 256: sīmāvivādādinirṇayaḥ Entscheidung über Grenzstreitigkeiten und andere [Rechtsfälle]

Agni behandelt Grenzstreitigkeiten und ihre Feststellung, Flurschaden durch Vieh und die Haftung der Hirten, Verkauf fremden Guts und Fundsachen, Schenkung, Prüffristen beim Kauf, Gewichtsverlust bei Metallen und Geweben, Sklaverei und Lehrlingsverhältnis, Satzungen von Körperschaften, Lohn- und Dienstverträge sowie das Glücksspiel. Der Text ist an mehreren Stellen verderbt (u.a. V. 11 svarāṣṭraṃ, V. 14 pālo yeṣāntu, V. 35 und V. 49); die plausibelste Lesart wurde übersetzt.

agnir uvāca | sīmno vivāde kṣetrasya sāmantāḥ sthavirā gaṇāḥ / gopāḥ sīmākṛṣāṇā ye sarve ca vanagocarāḥ //

Agni sprach: Bei einem Streit um die Grenze eines Feldes [sollen] die Nachbarn, die Ältesten, die Gemeinschaften, die Hirten, die an der Grenze Pflügenden und alle, die sich im Wald bewegen, —

Wort für Wort
agnir uvāca
Agni sprach
sīmnaḥ vivāde
beim Streit um die Grenze
sāmantāḥ
die Nachbarn (Anrainer)
sthavirāḥ gaṇāḥ
die Ältesten, die Gemeinschaften
sīmākṛṣāṇāḥ
die an der Grenze Pflügenden
vanagocarāḥ
die im Wald Umherziehenden

nayeyurete sīmānaṃ sthalāṅgāratuṣadrumaiḥ / setuvalmīkanimnāsthicaityādyair upalakṣitām //

diese sollen die Grenze festlegen, die durch erhöhtes Gelände, Holzkohle, Spreu, Bäume, Dämme, Ameisenhaufen, Senken, Knochen, Malsteine bzw. Heiligtümer (caitya) und dergleichen gekennzeichnet ist.

Wort für Wort
nayeyuḥ
sie sollen (die Grenze) führen, festlegen
sthala
erhöhtes, trockenes Gelände
aṅgāra-tuṣa-druma
Holzkohle, Spreu, Bäume
setu-valmīka-nimna-asthi
Damm, Ameisenhaufen, Senke, Knochen
caitya
Mal, Heiligtum
upalakṣitām
gekennzeichnet

sāmantā vā samaṃgrāmāś catvāro 'ṣṭau daśāpi vā / raktasragvasanāḥ sīmānnayeyuḥ kṣitidhāriṇaḥ //

Oder Nachbarn und Leute aus demselben Dorf, vier, acht oder auch zehn, sollen – mit roten Kränzen und Gewändern angetan und Erde [auf dem Haupt] tragend – die Grenze festlegen.

Wort für Wort
samaṃgrāmāḥ
Leute desselben Dorfes
catvāraḥ aṣṭau daśa api vā
vier, acht oder auch zehn
rakta-srag-vasanāḥ
mit roten Kränzen und Gewändern
kṣitidhāriṇaḥ
Erde tragend (Eidesritus)
nayeyuḥ
sie sollen festlegen

anṛte tu pṛthagdaṇḍyā rājñā madhyamasāhasam / abhāve jñātṛcihnānāṃ rājā sīmnaḥ pravattakaḥ //

Bei Unwahrheit aber sind sie vom König einzeln mit der mittleren Geldstrafe zu belegen. Fehlen Kundige und Merkmale, so bestimmt der König selbst die Grenze.

Wort für Wort
anṛte
bei Unwahrheit
pṛthak daṇḍyāḥ
einzeln zu bestrafen
madhyamasāhasam
die mittlere Geldstrafe
abhāve jñātṛ-cihnānām
beim Fehlen von Kundigen und Merkmalen
sīmnaḥ pravartakaḥ
Festsetzer der Grenze

pravattakaḥ ist wohl Schreibfehler für pravartakaḥ.

ārāmāyatanagrāmanipānodyānaveśmasu / eṣa eva vidhirjñeyo varṣāmvupravaheṣu ca //

Bei Gärten, Heiligtümern, Dörfern, Tränken, Parks und Häusern ist ebendiese Vorschrift anzuwenden, ebenso bei Regenwasserabläufen.

Wort für Wort
ārāma
Garten
āyatana
Heiligtum, Tempelbezirk
nipāna
Tränke, Wasserstelle
udyāna-veśman
Park, Haus
eṣa eva vidhiḥ
ebendiese Vorschrift
varṣāmbu-pravāha
Regenwasserablauf

varṣāmvu° = varṣāmbu° (b/v-Verwechslung).

maryādāyāḥ prabhedeṣu kṣetrasya haraṇe tathā / maryādāyāś ca daṇḍyāḥ syuradhamottamamadhyamāḥ //

Beim Durchbrechen der Grenzmarkierung, beim widerrechtlichen Aneignen eines Feldes und [beim Versetzen] der Grenzmarkierung sind [die Täter] mit der niedrigsten, der höchsten bzw. der mittleren [Strafe] zu belegen.

Wort für Wort
maryādāyāḥ prabhedeṣu
beim Durchbrechen der Grenzmarkierung
kṣetrasya haraṇe
beim Wegnehmen eines Feldes
daṇḍyāḥ syuḥ
sie sind zu bestrafen
adhama-uttama-madhyamāḥ
niedrigste, höchste, mittlere (Strafe)

Die drei Strafstufen sind der Reihe nach den drei Tatbeständen zuzuordnen.

na niṣedhyo 'lpabādhastu setuḥ kalyāṇakārakaḥ / parabhūmiṃ haran kūpaḥ svalpakṣetro bahūdakaḥ //

Nicht zu verbieten ist ein Damm, der nur geringen Schaden verursacht und Gutes bewirkt, [ebenso] ein Brunnen, der zwar fremden Boden beansprucht, aber wenig Feldfläche einnimmt und viel Wasser liefert.

Wort für Wort
na niṣedhyaḥ
nicht zu verbieten
alpabādhaḥ
von geringem Schaden
setuḥ kalyāṇakārakaḥ
ein heilbringender Damm
parabhūmiṃ haran
fremden Boden beanspruchend
kūpaḥ
Brunnen
svalpakṣetraḥ bahūdakaḥ
wenig Fläche, viel Wasser

svāmine yo 'nivedyaiva kṣetre setuṃ prakalpayet / utpanne svāmino bhogastadabhāve mahīpateḥ //

Wer auf einem Feld einen Damm anlegt, ohne es dem Eigentümer mitzuteilen – wenn [Ertrag] entsteht, gehört die Nutzung dem Eigentümer, fehlt dieser, dem König.

Wort für Wort
svāmine anivedya
ohne dem Eigentümer mitzuteilen
setuṃ prakalpayet
einen Damm anlegt
utpanne
wenn (Ertrag) entstanden ist
svāminaḥ bhogaḥ
die Nutzung gehört dem Eigentümer
tadabhāve mahīpateḥ
fehlt dieser, dem König

phālāhatamapi kṣetraṃ yo na kuryānna kārayet / sa pradāpyo 'kṛṣṭaphalaṃ kṣetramanyena kārayet //

Wer ein Feld, auch wenn es bereits mit der Pflugschar umgebrochen ist, weder bestellt noch bestellen lässt, ist zur Zahlung des Ertrags anzuhalten, der [durch das Nichtbestellen] ausgefallen ist; [der König] soll das Feld durch einen anderen bestellen lassen.

Wort für Wort
phālāhatam
mit der Pflugschar umgebrochen
na kuryāt na kārayet
weder bestellt noch bestellen lässt
pradāpyaḥ
ist zur Zahlung anzuhalten
akṛṣṭaphalam
den Ertrag des Unbestellten
anyena kārayet
soll durch einen anderen bestellen lassen

māsānaṣṭau tu mahiṣī satyaghātasya kāriṇī / daṇḍanīyā tadardhantu gaustadardhamajāvikaṃ //

Eine Büffelkuh, die Feldfrucht vernichtet, ist mit acht Māṣas zu bestrafen [Anm.: gemeint ist ihr Besitzer], eine Kuh mit der Hälfte davon, Ziegen und Schafe mit der Hälfte davon.

Wort für Wort
māṣān aṣṭau
acht Māṣas
mahiṣī
Büffelkuh
sasyaghātasya kāriṇī
Feldfrucht vernichtend
tadardham
die Hälfte davon
gauḥ
Kuh
ajāvikam
Ziegen und Schafe

māsān für māṣān (Münzeinheit); satyaghāta für sasyaghāta (Saatvernichtung).

bhakṣayitvopaviṣṭānāṃ yathoktād dviguṇo damaḥ / samameṣāṃ vivītepi svarāṣṭraṃ mahiṣīsamam //

Haben sie [dort] gefressen und sich niedergelegt, so ist die Strafe doppelt so hoch wie angegeben. Gleich hoch ist sie für sie auch auf Weideland; Esel und Kamel [werden] der Büffelkuh gleichgestellt.

Wort für Wort
bhakṣayitvā upaviṣṭānām
die gefressen und sich niedergelegt haben
yathoktāt dviguṇaḥ damaḥ
doppelte Strafe gegenüber dem Genannten
samam
gleich
vivīte api
auch auf Weideland
kharoṣṭram (Text: svarāṣṭram)
Esel und Kamel
mahiṣīsamam
der Büffelkuh gleich

svarāṣṭraṃ („das eigene Reich“) ergibt keinen Sinn; wohl verderbt für kharoṣṭraṃ („Esel und Kamel“).

yāvat satyaṃ vinaṣṭantu tāvat kṣetrī phalaṃ labhet / pālastāḍyo 'tha gosvāmī pūrvoktaṃ daṇḍamarhati //

So viel Feldfrucht vernichtet ist, so viel an Ertrag soll der Feldbesitzer erhalten; der Hirte ist zu züchtigen, der Rinderbesitzer aber verdient die zuvor genannte Strafe.

Wort für Wort
yāvat sasyaṃ vinaṣṭam
so viel Feldfrucht vernichtet
kṣetrī phalaṃ labhet
der Feldbesitzer erhält den Ertrag
pālaḥ tāḍyaḥ
der Hirte ist zu schlagen
gosvāmī
der Rinderbesitzer
pūrvoktaṃ daṇḍam arhati
verdient die vorgenannte Strafe

satyaṃ für sasyaṃ.

pathi grāmavivītānte kṣetre doṣo na vidyate / akāmataḥ kāmacāre cauravaddaṇḍamarhati //

Bei einem Feld an einem Weg oder am Rand des Dorfweidelands liegt keine Schuld vor, wenn [das Vieh] ohne Absicht [eindringt]; bei absichtlichem Frei-umher-Laufenlassen verdient [der Hirte] Strafe wie ein Dieb.

Wort für Wort
pathi
an einem Weg
grāma-vivīta-ante
am Rand des Dorfweidelands
doṣaḥ na vidyate
gibt es keine Schuld
akāmataḥ
unabsichtlich
kāmacāre
bei absichtlichem Umherlaufenlassen
cauravat daṇḍam arhati
verdient Strafe wie ein Dieb

mahotkṣotsṛṣṭapaśavaḥ sūtikāgantukā ca gauḥ / pālo yeṣāntu mocyā daivarājapariplutāḥ //

Ein großer Stier, freigelassenes [geweihtes] Vieh, eine Kuh, die kürzlich gekalbt hat, und eine zugelaufene, sowie [Tiere], die durch Schicksal oder König in Bedrängnis geraten sind, sind freizugeben; [dasselbe gilt für die Tiere,] deren Hirte [?] …

Wort für Wort
mahokṣa
großer Stier (Zuchtstier)
utsṛṣṭa-paśavaḥ
freigelassenes (geweihtes) Vieh
sūtikā
Kuh nach dem Kalben
āgantukā gauḥ
zugelaufene Kuh
mocyāḥ
sind freizugeben (straflos)
daiva-rāja-pariplutāḥ
durch Schicksal oder König bedrängt

Der Text „pālo yeṣāntu mocyā“ ist unklar; möglicherweise „pālo yeṣāṃ na te mocyāḥ“ oder ähnlich zu lesen („die keinen Hirten haben, sind straflos freizugeben“).

yathārpitān paśūn gopoḥ sāyaṃ pratyarpayettathā / pramādamṛtanaṣṭāṃś ca pradāpyaḥ kṛtavetanaḥ //

Wie ihm das Vieh übergeben wurde, so soll der Hirte es abends zurückgeben; für durch Nachlässigkeit verendetes oder verlorenes [Vieh] ist er, da er seinen Lohn erhalten hat, zum Ersatz anzuhalten.

Wort für Wort
yathārpitān paśūn
das Vieh, wie es übergeben wurde
gopaḥ sāyam
der Hirte am Abend
pratyarpayet
soll zurückgeben
pramāda-mṛta-naṣṭān
durch Nachlässigkeit verendet oder verloren
kṛtavetanaḥ
der seinen Lohn erhalten hat

gopoḥ für gopaḥ.

pāladoṣavināśe tu pāle daṇḍo vidhīyate / ardhatrayodaśapaṇaḥ svāmino dravyameva ca //

Bei einem Verlust durch Schuld des Hirten wird über den Hirten eine Strafe von dreizehneinhalb Paṇas verhängt, und dem Eigentümer [ist] das Gut selbst [zu ersetzen].

Wort für Wort
pāladoṣa-vināśe
bei Verlust durch Schuld des Hirten
daṇḍaḥ vidhīyate
wird eine Strafe verhängt
ardhatrayodaśa-paṇaḥ
dreizehneinhalb Paṇas
svāminaḥ dravyam eva
dem Eigentümer das Gut selbst

grāmecchayā gopracāro bhūmirājavaśena vā / dvijastṛṇaidhaḥpuṣpāṇi sarvataḥ svavadāharet //

Nach dem Wunsch des Dorfes oder nach dem Willen des Königs [ist Land] als Viehweide [freizuhalten]. Ein Zweimalgeborener darf Gras, Brennholz und Blumen überall wie sein Eigentum an sich nehmen.

Wort für Wort
grāmecchayā
nach dem Wunsch des Dorfes
gopracāraḥ
Viehweide
bhūmi-rāja-vaśena
nach dem Willen des Landesherrn
tṛṇa-edhaḥ-puṣpāṇi
Gras, Brennholz, Blumen
svavat āharet
darf wie Eigenes nehmen

dhanuḥśataṃ parīṇāho grāmakṣetrāntaraṃ bhavet / dve śate kharvaṭasya syānnagarasya catuḥśatam //

Zwischen Dorf und Feldern soll ein Umkreis von hundert Bogen[längen] liegen; bei einem Marktflecken sollen es zweihundert sein, bei einer Stadt vierhundert.

Wort für Wort
dhanuḥśatam
hundert Bogenlängen
parīṇāhaḥ
Umkreis, Freifläche
grāma-kṣetra-antaram
Abstand zwischen Dorf und Feld
kharvaṭa
Marktflecken
nagara
Stadt
catuḥśatam
vierhundert

svaṃ labhetānyavikrītaṃ kreturdoṣo 'prakāśite / hīnādraho hīnamūlye velāhīne ca taskaraḥ //

Sein Eigentum, das von einem anderen verkauft wurde, soll [der Eigentümer zurück]erhalten; den Käufer trifft Schuld, wenn [der Kauf] nicht öffentlich [geschah]. Wer von einem Niedrigen, im Geheimen, zu niedrigem Preis oder zur Unzeit [kauft], ist ein Dieb.

Wort für Wort
svaṃ labheta
soll das Seine erhalten
anyavikrītam
von einem anderen verkauft
kretuḥ doṣaḥ
Schuld des Käufers
aprakāśite
bei nicht öffentlichem (Kauf)
hīnāt rahaḥ hīnamūlye
von einem Niedrigen, heimlich, zu niedrigem Preis
velāhīne
zur Unzeit
taskaraḥ
Dieb

naṣṭāpahṛtamāsādya hartāraṃ grāhayennaram / deśakālātipattau vā gṛhītvā svayamarpayet //

Hat [der Eigentümer] Verlorenes oder Gestohlenes [bei jemandem] aufgefunden, soll er den Mann als Dieb festnehmen lassen; oder, wenn Ort und Zeit [für das Einschalten der Behörden] verstrichen sind, soll er ihn selbst ergreifen und [dem König] übergeben.

Wort für Wort
naṣṭa-apahṛtam āsādya
Verlorenes oder Gestohlenes auffindend
hartāram
als Dieb
grāhayet
soll festnehmen lassen
deśa-kāla-atipattau
wenn Ort und Zeit verstrichen sind
gṛhītvā svayam arpayet
selbst ergreifen und übergeben

vikreturdarśanācchuddhiḥ svāmī dravyaṃ nṛpo damam / kretā mūlyaṃ samāpnoti tasmādyastatra vikrayī //

Durch das Vorführen des Verkäufers [erlangt der Besitzer] Entlastung; der Eigentümer erhält das Gut, der König die Strafe, der Käufer den Kaufpreis – [und zwar] von dem, der dabei der Verkäufer war.

Wort für Wort
vikretuḥ darśanāt
durch Vorführen des Verkäufers
śuddhiḥ
Entlastung
svāmī dravyam
der Eigentümer (erhält) das Gut
nṛpaḥ damam
der König die Strafe
kretā mūlyam
der Käufer den Preis
vikrayī
Verkäufer

āgamenopabhogena naṣṭaṃ bhāvyamato 'nyathā / pañcabandho damastasya rājñe tenāpyabhāvite //

Durch Erwerbstitel und Nutzung ist das Verlorene [vom Eigentümer als sein Eigen] nachzuweisen; andernfalls, wenn er es nicht nachweisen kann, ist er zu einer Strafe von einem Fünftel [des Wertes] an den König zu verurteilen.

Wort für Wort
āgamena upabhogena
durch Erwerbstitel und Nutzung
bhāvyam
ist nachzuweisen
ataḥ anyathā
andernfalls
pañcabandhaḥ damaḥ
Strafe von einem Fünftel
abhāvite
wenn nicht nachgewiesen

hṛtaṃ pranaṣṭaṃ yo dravyaṃ parahastādavāpnuyāt / anivedya nṛpe daṇḍyaḥ sa tu ṣannayatiṃ paṇān //

Wer Geraubtes oder Verlorenes aus fremder Hand zurückerlangt, ohne es dem König anzuzeigen, ist mit sechsundneunzig Paṇas zu bestrafen.

Wort für Wort
hṛtaṃ pranaṣṭam
Geraubtes, Verlorenes
parahastāt avāpnuyāt
aus fremder Hand zurückerlangt
anivedya nṛpe
ohne dem König anzuzeigen
daṇḍyaḥ
ist zu bestrafen
ṣaṇṇavatiṃ paṇān
sechsundneunzig Paṇas

ṣannayatiṃ = ṣaṇṇavatiṃ.

śaulkikaiḥ sthānapālair vā naṣṭāpahṛtamāhṛtaṃ / arvāk saṃvatsarāt svāmī labhate parato nṛpaḥ //

Was an Verlorenem oder Gestohlenem von Zöllnern oder Wachleuten beigebracht wurde, erhält der Eigentümer [zurück], wenn er sich vor Ablauf eines Jahres [meldet]; danach [erhält es] der König.

Wort für Wort
śaulkikaiḥ
von Zöllnern
sthānapālaiḥ
von Wachleuten
āhṛtam
beigebracht
arvāk saṃvatsarāt
vor Ablauf eines Jahres
parataḥ nṛpaḥ
danach der König

paṇānekaśaphe dadyāccaturaḥ pañca mānuṣe / mahiṣoṣṭragavāṃ dvau dvau pādaṃ pādamajāvike //

Für ein einhufiges Tier soll [der Eigentümer] vier Paṇas [als Gebühr] geben, fünf für einen Menschen, für Büffel, Kamel und Rinder je zwei, für Ziegen und Schafe je ein Viertel.

Wort für Wort
ekaśaphe
für ein Einhufer (Pferd u.ä.)
catuḥ paṇān
vier Paṇas
pañca mānuṣe
fünf für einen Menschen
mahiṣa-uṣṭra-gavām
für Büffel, Kamel, Rinder
pādaṃ pādam ajāvike
je ein Viertel für Ziege und Schaf

Gemeint ist offenbar die Gebühr für die Rückgabe aufgegriffener Lebewesen.

svakuṭumbāvirodhena deyaṃ dārasutādṛte / nānvaye sati sarvasvaṃ deyaṃ yaccānyasaṃśrutam //

Ohne die eigene Familie zu beeinträchtigen, darf man geben, [jedoch] mit Ausnahme von Frau und Sohn. Sind Nachkommen vorhanden, darf man nicht das ganze Vermögen geben, und auch nicht, was schon einem anderen zugesagt ist.

Wort für Wort
svakuṭumba-avirodhena
ohne die eigene Familie zu beeinträchtigen
deyam
ist zu geben
dāra-suta-ṛte
außer Frau und Sohn
anvaye sati
wenn Nachkommen da sind
sarvasvam
das gesamte Vermögen
anyasaṃśrutam
einem anderen zugesagt

pratigrahaḥ prakāśaḥ syāt sthāvarasya viśeṣataḥ / deyaṃ pratiśrutañcaiva datvā nāpaharet punaḥ //

Die Annahme einer Gabe soll öffentlich geschehen, besonders bei unbeweglichem Gut. Was zugesagt ist, ist auch zu geben, und hat man gegeben, soll man es nicht wieder zurücknehmen.

Wort für Wort
pratigrahaḥ
Annahme (einer Gabe)
prakāśaḥ syāt
soll öffentlich sein
sthāvarasya viśeṣataḥ
besonders bei Immobilien
pratiśrutam
das Zugesagte
datvā na apaharet punaḥ
nach dem Geben nicht zurücknehmen

daśaikapañcasaptāhamāsatryahārdhamāsikaṃ / vījāyovāhyaratnastrīdohyapuṃsāṃ pratīkṣaṇam //

Zehn Tage, einen Tag, fünf, sieben Tage, einen Monat, drei Tage, einen halben Monat [beträgt die Prüffrist] für Saatgut, Eisen, Zugtiere, Edelsteine, Frauen, Milchtiere und Männer [der Reihe nach].

Wort für Wort
daśa-eka-pañca-sapta-aha
zehn, ein, fünf, sieben Tage
māsa-tryaha-ardhamāsikam
ein Monat, drei Tage, ein halber Monat
bīja-ayas-vāhya
Saatgut, Eisen, Zugtier
ratna-strī-dohya-puṃsām
Edelstein, Frau, Milchtier, Mann
pratīkṣaṇam
Prüffrist

Gemeint ist die Frist, binnen derer ein Kauf nach Prüfung rückgängig gemacht werden kann. vījāyo° = bīja-ayas-.

agnau suvarṇamakṣīṇaṃ dvipalaṃ rajate śate / aṣṭau trapuṇi sīse ca tāmre pañcadaśāyasi //

Im Feuer [erleidet] Gold keinen Verlust; beim Silber [sind es] zwei Pala auf hundert, acht bei Zinn und Blei, beim Kupfer fünf, beim Eisen zehn.

Wort für Wort
agnau
im Feuer
suvarṇam akṣīṇam
Gold unvermindert
dvipalaṃ rajate śate
zwei Pala beim Silber auf hundert
trapuṇi sīse
bei Zinn und Blei
tāmre pañca
fünf beim Kupfer
daśa āyasi
zehn beim Eisen

„pañcadaśāyasi“ ist als pañca / daśa āyasi aufgelöst (Kupfer 5, Eisen 10); eine Lesung „fünfzehn beim Eisen“ ist sprachlich ebenfalls möglich.

śate daśapalāvṛddhiraurṇe kārpāsike tathā / madhye pañcapalā jñeyā sūkṣme tu tripalā matā //

Bei Wollenem und ebenso bei Baumwollenem ist auf hundert [Pala] ein Zuwachs von zehn Pala [anzusetzen]; bei mittelfeinem [Garn] gelten fünf Pala, bei feinem aber drei Pala.

Wort für Wort
śate daśapalā vṛddhiḥ
auf hundert zehn Pala Zuwachs
aurṇe
bei Wollenem
kārpāsike
bei Baumwollenem
madhye pañcapalā
bei mittlerem fünf Pala
sūkṣme tripalā
bei feinem drei Pala

Zuwachs (vṛddhi) des Gewichts beim Verweben; daśapalāvṛddhi = daśapalā vṛddhiḥ.

kārmike romabaddhe ca triṃśadbhāgaḥ kṣayo mataḥ / na kṣayo na ca vṛddhistu kauśeye valkaleṣu ca //

Bei gewirktem [gemustertem] Stoff und bei Haargewebe gilt ein Dreißigstel als Verlust; bei Seide und Bastgeweben gibt es weder Verlust noch Zuwachs.

Wort für Wort
kārmike
bei gewirktem (gemustertem) Stoff
romabaddhe
bei Haargewebe
triṃśadbhāgaḥ kṣayaḥ
ein Dreißigstel Verlust
na kṣayaḥ na vṛddhiḥ
weder Verlust noch Zuwachs
kauśeye valkaleṣu
bei Seide und Bastgeweben

deśaṃ kālañca bhogañca jñātvā naṣṭe balābalam / dravyāṇāṃ kuśalā brūyuryattaddāpyamasaṃśayam //

Ist [etwas] verloren gegangen, so sollen Sachkundige nach Prüfung von Ort, Zeit und Nutzung sowie von Güte und Mangel der Stoffe angeben, was zweifelsfrei zu ersetzen ist.

Wort für Wort
deśaṃ kālaṃ bhogam
Ort, Zeit, Nutzung
balābalam dravyāṇām
Güte und Mangel der Stoffe
kuśalāḥ brūyuḥ
Sachkundige sollen angeben
dāpyam asaṃśayam
zweifellos zu ersetzen

balāddāsīkṛtaś caurair vikrītaścāpi mucyate / svāmiprāṇaprado bhaktatyāgāttanniṣkrayādapi //

Wer gewaltsam zum Sklaven gemacht oder von Dieben verkauft wurde, wird freigelassen; [ebenso] wer dem Herrn das Leben rettet, [ferner] durch Verzicht auf die Kost und durch Loskauf.

Wort für Wort
balāt dāsīkṛtaḥ
gewaltsam versklavt
cauraiḥ vikrītaḥ
von Dieben verkauft
mucyate
wird freigelassen
svāmi-prāṇa-pradaḥ
der dem Herrn das Leben rettet
bhaktatyāgāt
durch Verzicht auf die Kost
tanniṣkrayāt
durch dessen Loskauf

pravrajyāvasito rājño dāsa āmaraṇāntikaḥ / varṇānāmānulomyena dāsyaṃ na pratilomataḥ //

Wer vom Stand des Wanderasketen abgefallen ist, ist Sklave des Königs bis zum Tod. Sklaverei [besteht] nach der absteigenden Ordnung der Stände, nicht in umgekehrter Richtung.

Wort für Wort
pravrajyā-avasitaḥ
vom Asketenstand abgefallen
rājñaḥ dāsaḥ
Sklave des Königs
āmaraṇāntikaḥ
bis zum Tod
ānulomyena
in absteigender (regulärer) Ordnung
na pratilomataḥ
nicht in umgekehrter Richtung

kṛtaśilpopi nivaset kṛtakālaṃ gurorgṛhe / antevāsī guruprāptabhojanastratphalaptadaḥ //

Auch wenn er das Handwerk erlernt hat, soll der Lehrling für die vereinbarte Zeit im Haus des Meisters wohnen; er erhält vom Meister die Kost und gibt ihm den Ertrag [seiner Arbeit].

Wort für Wort
kṛtaśilpaḥ api
auch mit erlerntem Handwerk
kṛtakālam
die vereinbarte Zeit
guroḥ gṛhe
im Haus des Meisters
antevāsī
Lehrling
guruprāptabhojanaḥ
vom Meister beköstigt
tatphalapradaḥ
dessen Ertrag gebend

guruprāptabhojanastratphalaptadaḥ verderbt für °bhojanas tatphalapradaḥ.

rājā kṛtvā pure sthānaṃ brāhmaṇānnyasya tatra tu / traividyaṃ vṛttimadbrūyāt svadharmaḥ pālyatāmiti //

Der König soll in der Stadt eine Stätte errichten, dort Brahmanen ansiedeln und den mit Unterhalt versehenen Kennern der drei Veden sagen: „Eure eigene Pflicht werde befolgt!“

Wort für Wort
kṛtvā pure sthānam
in der Stadt eine Stätte errichtend
brāhmaṇān nyasya
Brahmanen ansiedelnd
traividyam
die Kenner der drei Veden
vṛttimat
mit Unterhalt versehen
svadharmaḥ pālyatām
die eigene Pflicht werde befolgt

nijadharmāvirodhena yastu sāmayiko bhavet / so 'pi yatnena saṃrakṣyo dharmo rājakṛtaś ca yaḥ //

Was aber an vereinbarter Satzung ohne Widerspruch zur eigenen Pflicht besteht, auch das ist sorgfältig zu schützen, ebenso die vom König erlassene Ordnung.

Wort für Wort
nijadharma-avirodhena
ohne Widerspruch zur eigenen Pflicht
sāmayikaḥ
auf Vereinbarung beruhend
yatnena saṃrakṣyaḥ
sorgfältig zu schützen
dharmaḥ rājakṛtaḥ
die vom König erlassene Ordnung

gaṇadravyaṃ haredyastu saṃvidaṃ laṅghayecca yaḥ / sarvasvaharaṇaṃ kṛtvā taṃ rāṣṭrādvipravāsayet //

Wer das Vermögen einer Körperschaft an sich nimmt und wer eine Übereinkunft bricht, den soll [der König] nach Einziehung seines ganzen Besitzes aus dem Reich verbannen.

Wort für Wort
gaṇadravyam
Vermögen der Körperschaft
saṃvidaṃ laṅghayet
bricht eine Übereinkunft
sarvasvaharaṇam
Einziehung des ganzen Besitzes
rāṣṭrāt vipravāsayet
aus dem Reich verbannen

kartavyaṃ vacanaṃ sarvaiḥ samūhahitavādibhiḥ / yastatra viparītaḥ syātsa dāpyaḥ prathamaṃ damam //

Das Wort derer, die zum Wohl der Gesamtheit sprechen, ist von allen zu befolgen; wer sich dem widersetzt, ist mit der ersten [niedrigsten] Strafe zu belegen.

Wort für Wort
kartavyaṃ vacanam
das Wort ist zu befolgen
samūha-hita-vādibhiḥ
von denen, die zum Wohl der Gesamtheit sprechen
viparītaḥ
sich widersetzend
dāpyaḥ prathamaṃ damam
zur ersten Strafe anzuhalten

samūhakāryaprahito yallabhettattadarpayet / ekādaśaguṇaṃ dāpyo yadyasau nārpayet svayam //

Wer im Auftrag der Gesamtheit ausgesandt ist, soll, was er dabei erlangt, abliefern; liefert er es nicht von selbst ab, ist er zur Zahlung des Elffachen anzuhalten.

Wort für Wort
samūhakārya-prahitaḥ
in Angelegenheiten der Gesamtheit ausgesandt
yat labheta
was er erlangt
tat arpayet
das soll er abliefern
ekādaśaguṇam
das Elffache
na arpayet svayam
nicht von selbst abliefert

vedajñāḥ śucayo 'lubdhā bhaveyuḥ kāryacintakāḥ / kartavyaṃ vacanaṃ teṣāṃ samūhahitavādināṃ //

Vedakundige, Reine und Nicht-Habgierige sollen die Geschäfte [der Gemeinschaft] besorgen; das Wort dieser, die zum Wohl der Gesamtheit sprechen, ist zu befolgen.

Wort für Wort
vedajñāḥ śucayaḥ alubdhāḥ
vedakundig, rein, nicht habgierig
kāryacintakāḥ
Besorger der Geschäfte
kartavyaṃ vacanaṃ teṣām
ihr Wort ist zu befolgen
samūhahitavādinām
die zum Wohl der Gesamtheit sprechen

śreṇinaigamapākhaṇḍigaṇānāmapyayaṃ vidhiḥ / bhedañcaiṣāṃ nṛpo rakṣet pūrvavṛttiñca pālayet //

Auch für Zünfte, Kaufmannsgilden, Anhänger häretischer Sekten und [sonstige] Verbände gilt diese Vorschrift; der König soll ihre Eigenart schützen und ihre bisherige Lebensweise aufrechterhalten.

Wort für Wort
śreṇi
Zunft
naigama
Kaufmannsgilde
pākhaṇḍin
Anhänger einer häretischen Sekte
gaṇa
Verband
bhedaṃ rakṣet
ihre Eigenart schützen
pūrvavṛttiṃ pālayet
die bisherige Lebensweise wahren

gṛhītavetanaḥ karma tyajan dviguṇamāvahet / agṛhīte samaṃ dāpyo bhṛtyai rakṣya upaskaraḥ //

Wer Lohn empfangen hat und die Arbeit im Stich lässt, soll das Doppelte zahlen; hat er [ihn] nicht empfangen, ist er zur Zahlung des gleichen Betrags anzuhalten. Die Arbeitsgeräte sind von den Bediensteten zu hüten.

Wort für Wort
gṛhītavetanaḥ
der den Lohn empfangen hat
karma tyajan
die Arbeit aufgebend
dviguṇam āvahet
soll das Doppelte zahlen
agṛhīte samam
bei Nichtempfang den gleichen Betrag
bhṛtyaiḥ rakṣyaḥ upaskaraḥ
das Gerät ist von den Bediensteten zu hüten

dāpyastu daśamaṃ bhāgaṃ bāṇijyapaśusasyataḥ / aniścitya bhṛtiṃ yastu kārayetsa mahīkṣitā //

Wer [jemanden] arbeiten lässt, ohne den Lohn festgesetzt zu haben, ist vom König zur Zahlung eines Zehntels aus Handel, Vieh und Feldfrucht anzuhalten.

Wort für Wort
dāpyaḥ daśamaṃ bhāgam
zur Zahlung eines Zehntels anzuhalten
vāṇijya-paśu-sasyataḥ
aus Handel, Vieh und Feldfrucht
aniścitya bhṛtim
ohne den Lohn festzusetzen
kārayet
arbeiten lässt
mahīkṣitā
vom König

bāṇijya = vāṇijya.

deśaṃ kālañca yo 'tīyāt karma kuryācca yo 'nyathā / tatra tu svāminaśchando 'dhikaṃ deyaṃ kṛte 'dhike //

Wer Ort und Zeit [der Arbeit] überschreitet und die Arbeit anders ausführt, bei dem [richtet sich der Lohn] nach dem Belieben des Herrn; ist mehr geleistet, ist mehr zu geben.

Wort für Wort
deśaṃ kālaṃ atīyāt
Ort und Zeit überschreitet
anyathā kuryāt
anders ausführt
svāminaḥ chandaḥ
Belieben des Herrn
adhikaṃ deyam
mehr ist zu geben
kṛte adhike
wenn mehr geleistet ist

yo yāvat kurute karma tāvattasya tu vetanam / ubhayorapyasādhyañcet sādhye kuryādyathāśrutam //

So viel Arbeit einer leistet, so viel Lohn [steht] ihm zu, wenn [die Vollendung] für beide [ohne Schuld] unmöglich ist; ist sie möglich, soll er [die Arbeit] wie vereinbart ausführen.

Wort für Wort
yāvat kurute karma
so viel Arbeit er leistet
tāvat vetanam
so viel Lohn
ubhayoḥ asādhyam
für beide undurchführbar
sādhye
wenn durchführbar
yathāśrutam
wie vereinbart

arājadaivikannaṣṭaṃ bhāṇḍaṃ dāpyastu vāhakaḥ / prasthānavighnakṛccaiva pradāpyo dviguṇāṃ bhṛtim //

Ware, die nicht durch König oder Schicksal verloren ging, muss der Träger ersetzen; wer den Aufbruch behindert, ist zur Zahlung des doppelten Lohns anzuhalten.

Wort für Wort
arājadaivikam naṣṭam
nicht durch König oder Schicksal verloren
bhāṇḍam
Ware
vāhakaḥ
Träger, Fuhrmann
prasthāna-vighna-kṛt
wer den Aufbruch behindert
dviguṇāṃ bhṛtim
doppelten Lohn

prakrānte saptamaṃ bhāgaṃ caturthaṃ pathi saṃtyajan / bhṛtimardhapathe sarvāṃ pradāpyastyājakoapi ca //

Wer beim Aufbruch [die Arbeit] aufgibt, ist zu einem Siebtel [des Lohns] anzuhalten, unterwegs zu einem Viertel, auf halbem Weg zum ganzen Lohn; ebenso auch derjenige, der [den Träger] entlässt.

Wort für Wort
prakrānte
beim Aufbruch
saptamaṃ bhāgam
ein Siebtel
caturthaṃ pathi
ein Viertel unterwegs
ardhapathe sarvām
auf halbem Weg den ganzen
tyājakaḥ api
auch der Entlassende

tyājakoapi = tyājako 'pi.

glahe śatikavṛddhestu sabhikaḥ pañcakaṃ gataṃ / gṛhṇīyāddhūrtakitavāditarāddaśakaṃ śataṃ //

Von dem Spieler, dessen Gewinn hundert [Paṇas] erreicht, soll der Spielhausbetreiber fünf vom Hundert nehmen, von dem anderen Spieler zehn vom Hundert.

Wort für Wort
glahe
beim Einsatz, Spielgewinn
śatika-vṛddheḥ
dessen Gewinn hundert erreicht
sabhikaḥ
Spielhausbetreiber
pañcakaṃ śatam
fünf vom Hundert
dhūrta-kitavāt itarāt
vom anderen (Falsch-)Spieler
daśakaṃ śatam
zehn vom Hundert

„pañcakaṃ gataṃ“ wohl verderbt für „pañcakaṃ śatam“. Die Zuordnung (höherer Gewinn: 5 %, geringerer: 10 %) folgt dem Wortlaut „itarāt“.

sa samyakpālito dadyādrājñe bhāgaṃ yathākṛtaṃ / jitamudgrāhayejjetre dadyātsatyaṃ vacaḥ kṣamī //

Er, [vom König] wohl geschützt, soll dem König den vereinbarten Anteil geben; er soll das Gewonnene [vom Verlierer] eintreiben und dem Gewinner aushändigen; er soll die Wahrheit sagen und nachsichtig sein.

Wort für Wort
samyak pālitaḥ
wohl geschützt
rājñe bhāgaṃ yathākṛtam
dem König den vereinbarten Anteil
jitam udgrāhayet
das Gewonnene eintreiben
jetre dadyāt
dem Gewinner geben
satyaṃ vacaḥ kṣamī
wahrhaftig redend, nachsichtig

prāpte nṛpatinā bhāge prasiddhe dhūrtamaṇḍale / jitaṃ saśabhike sthāne dāpayedanyathā na tu //

Hat der König seinen Anteil erhalten und [findet das Spiel] in einem bekannten Spielerkreis [statt], so soll er den Gewinn an einem Ort mit Spielhausbetreiber auszahlen lassen, anders jedoch nicht.

Wort für Wort
prāpte nṛpatinā bhāge
wenn der König seinen Anteil erhalten hat
prasiddhe dhūrtamaṇḍale
in einem bekannten Spielerkreis
jitam
das Gewonnene
sasabhike sthāne
an einem Ort mit Spielhausbetreiber
anyathā na
anders nicht

draṣṭāro vyavahārāṇāṃ sākṣiṇaś ca ta eva hi / rājñā sacihnā nirvāsyāḥ kūṭākṣopadhidevinaḥ //

Die Aufseher bei den Streitfällen [des Spiels] sind zugleich die Zeugen. Die mit falschen Würfeln oder betrügerisch Spielenden sind vom König gebrandmarkt zu verbannen.

Wort für Wort
draṣṭāraḥ vyavahārāṇām
die Aufseher der Streitfälle
sākṣiṇaḥ
Zeugen
sacihnāḥ nirvāsyāḥ
gebrandmarkt zu verbannen
kūṭa-akṣa-upadhi-devinaḥ
mit falschen Würfeln oder betrügerisch Spielende

dyūtamekamukhaṃ kāryaṃ taskarajñānakāraṇāt / eṣa eva vidhirjñeyaḥ prāṇidyūte samāhvaye //

Das Glücksspiel ist unter einer einzigen Aufsicht zu veranstalten, damit man die Diebe erkennen kann. Ebendiese Vorschrift gilt auch für das Spiel mit Lebewesen, [genannt] samāhvaya [Wette auf Tierkämpfe].

Wort für Wort
dyūtam ekamukham
Spiel unter einer Leitung
taskara-jñāna-kāraṇāt
zum Erkennen der Diebe
eṣa eva vidhiḥ
ebendiese Vorschrift
prāṇidyūte
beim Spiel mit Lebewesen
samāhvaye
beim Samāhvaya (Wette)

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