Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 140: vaśyādiyogāḥ Rezepturen zur Unterwerfung und anderem

Īśvara lehrt ein Diagramm aus sechzehn Feldern, in das sechzehn Heilpflanzen mit Zahlenanteilen eingetragen werden; Kombinationen bestimmter Felder (durch Zahlsymbole bezeichnet) ergeben Räucherwerk, Salben, Augensalben, Bäder und Pillen für Unterwerfung, Liebeszauber, Waffenlähmung, leichte Geburt u. a. Das Kolophon nennt das Kapitel „ṣoḍaśapadakā“; einige Zahlsymbole (tridaśa, indra) passen nicht zu den Feldwerten und sind unsicher.

īśvara uvāca | vaśyādiyogān vakṣyāmi likhed dvyaṣṭapade tvimān / bhṛṅgarājaḥ sahadevī mayūrasya śikhā tathā //

Īśvara sprach: Ich werde die Rezepturen für Unterwerfung und dergleichen darlegen; diese [Pflanzen] schreibe man in ein Sechzehn-Felder-Diagramm: Bhṛṅgarāja, Sahadevī, ebenso Mayūraśikhā („Pfauenkamm“),

Wort für Wort
vaśya-ādi-yogān
Rezepturen für Unterwerfung usw.
dvi-aṣṭa-pade
im Diagramm mit 2×8 = 16 Feldern
bhṛṅgarājaḥ
Bhṛṅgarāja (Pflanze)
sahadevī
Sahadevī (Pflanze)
mayūrasya śikhā
Pfauenkamm (Pflanze)

putrañjīvakṛtañjalī hy adhaḥpuṣpā rudantikā / kumārī rudrajaṭā syādviṣṇukrāntā śito 'rkakaḥ //

Putrañjīva, Kṛtāñjali, Adhaḥpuṣpā, Rudantikā, Kumārī, Rudrajaṭā, Viṣṇukrāntā, der weiße Arka,

Wort für Wort
putrañjīva
Putrañjīva (Pflanze)
adhaḥpuṣpā
Adhaḥpuṣpā (Pflanze)
rudantikā
Rudantikā (Pflanze)
viṣṇukrāntā
Viṣṇukrāntā (Pflanze)
sitaḥ arkakaḥ
weißer Arka

śito 'rkakaḥ für sito 'rkakaḥ („weißer Arka“).

lajjālukā mohalatā kṛṣṇadhustūrasañjñitā / gorakṣaḥ karkaṭo caiva meṣaśṛṅgī snuhī tathā //

Lajjālukā, Mohalatā, die „schwarzer Dhustūra“ genannte, Gorakṣa, Karkaṭa, Meṣaśṛṅgī und ebenso Snuhī.

Wort für Wort
lajjālukā
Lajjālukā (Sinnpflanze)
mohalatā
Mohalatā (Pflanze)
kṛṣṇa-dhustūra
schwarzer Stechapfel
meṣaśṛṅgī
Meṣaśṛṅgī (Pflanze)
snuhī
Snuhī (Wolfsmilch)

Die Liste enthält mehr als sechzehn Namen, wenn man alle getrennt zählt; vermutlich sind einige zusammenzufassen.

ṛtvijo 16 vahnaye 3 nāgāḥ 8 pakṣau 2 muni 3 manū 14 śivaḥ 11 / vasavo 8 dik 10 rasā 6 vedā 4 graha 9 rtu6ravi 12 candramāḥ 1 //

Opferpriester (16), Feuer (3), Schlangen (8), Flügel (2), Weise (3), Manus (14), Śiva (11), Vasus (8), Richtungen (10), Geschmacksrichtungen (6), Veden (4), Planeten (9), Jahreszeiten (6), Sonne (12), Mond (1)

Wort für Wort
ṛtvijaḥ
Opferpriester (16)
vahnayaḥ
Feuer (3)
nāgāḥ
Schlangen (8)
manavaḥ
Manus (14)
ṛtu
Jahreszeiten (6)
candramāḥ
Mond (1)

Die Ziffern stehen in der Vorlage im Vers; muni ist mit 3 statt der üblichen 7 beziffert.

tithayaś ca 15 kramādbhāgā oṣadhīnāṃ pradakṣiṇaṃ / prathamena catuṣkeṇa dhūpaścodvartanaṃ paraṃ //

und die Mondtage (15): [Dies sind] der Reihe nach, im Rechtsumlauf, die Anteile der Heilpflanzen. Mit dem ersten Viererblock [bereitet man] Räucherung, mit dem nächsten Einreibung,

Wort für Wort
tithayaḥ
Mondtage (15)
bhāgāḥ oṣadhīnām
die Anteile der Heilpflanzen
pradakṣiṇam
im Rechtsumlauf
prathamena catuṣkeṇa
mit dem ersten Viererblock
dhūpaḥ
Räucherung
udvartanam
Einreibung

tṛtīyenāñjanaṃ kuryāt snānaṃ kuryāccatuṣkataḥ / bhṛṅgarājānulomācca caturdhā lepanaṃ smṛtaṃ //

mit dem dritten bereite man Augensalbe, mit dem vierten Viererblock bereite man ein Bad. Mit Bhṛṅgarāja beginnend in regelmäßiger Folge gilt die Salbung als vierfach.

Wort für Wort
tṛtīyena
mit dem dritten
añjanam
Augensalbe
snānam
Bad
anulomāt
in regelmäßiger Folge
caturdhā lepanam
vierfache Salbung

munayo dakṣaṇe pārśve yugādyāścottarāḥ smṛtāḥ / bhujagāḥ pādasaṃsthāś ca īśvarā mūrdhni saṃsthitāḥ //

Die Weisen gelten als auf der rechten Seite, die mit Yuga beginnenden als nördlich; die Schlangen stehen an den Füßen, die Īśvaras stehen am Kopf.

Wort für Wort
munayaḥ
die Weisen
dakṣiṇe pārśve
auf der rechten Seite
yuga-ādyāḥ
die mit Yuga (4) beginnenden
bhujagāḥ
die Schlangen
mūrdhni saṃsthitāḥ
am Kopf stehend

dakṣaṇe für dakṣiṇe.

madhyena sārkaśaśibhirdhūpaḥ syāt sarvakāryake / etair viliptadehastu tridaśair api pūjyate //

Durch die mittleren zusammen mit Sonne und Mond sei die Räucherung für jedes Unternehmen. Wer mit diesen den Körper gesalbt hat, wird selbst von den Göttern verehrt.

Wort für Wort
madhyena
durch die mittleren
sa-arka-śaśibhiḥ
mit Sonne und Mond
sarva-kāryake
für jedes Unternehmen
vilipta-dehaḥ
mit gesalbtem Körper
tridaśaiḥ api pūjyate
wird selbst von den Göttern verehrt

dhūpastu ṣoḍaśādyastu gṛhādyudvartane smṛtaḥ / yugādyāścāñjane proktā vāṇādyāḥ snānakarmaṇi //

Die Räucherung beginnt mit der Sechzehn; bei der Einreibung gilt [die Reihe] mit den Planeten (9) beginnend [?]; die mit Yuga (4) beginnenden werden bei der Augensalbe genannt, die mit Pfeil (5) beginnenden beim Bad.

Wort für Wort
ṣoḍaśa-ādyaḥ
mit sechzehn beginnend
graha-ādi
mit den Planeten beginnend
udvartane
bei der Einreibung
bāṇa-ādyāḥ
die mit Pfeil (5) beginnenden
snāna-karmaṇi
beim Bad

gṛhādy- ist wohl für grahādy- verschrieben.

rudrādyā bhakṣaṇe proktāḥ pakṣādyāḥ pānake smṛtāḥ / ṛtvigvedartunayanaistilakaṃ lokamohanaṃ //

Die mit Rudra (11) beginnenden gelten beim Essen, die mit Flügel (2) beginnenden beim Getränk. Mit Opferpriester (16), Veda (4), Jahreszeit (6) und Augen (2) [bereitet man] ein Stirnzeichen, das die Welt betört.

Wort für Wort
rudra-ādyāḥ
die mit Rudra (11) beginnenden
bhakṣaṇe
beim Essen
pakṣa-ādyāḥ
die mit Flügel (2) beginnenden
pānake
beim Getränk
tilakam loka-mohanam
welt-betörendes Stirnzeichen

sūryatridaśapakṣaiś ca śailaiḥ strī lepato vaśā / candrendraphaṇirudraiś ca yonilepādvaśāḥ striyaḥ //

Mit Sonne (12), Göttern [?], Flügeln (2) und Bergen (7): Durch Salbung wird eine Frau gefügig. Mit Mond (1), Indra [?], Schlange (8) und Rudra (11): Durch Salbung der Scham werden Frauen gefügig.

Wort für Wort
sūrya
Sonne (12)
tridaśa
Götter (Zahl unsicher)
śailaiḥ
mit Bergen (7)
strī lepataḥ vaśā
eine Frau wird durch Salbung gefügig
yoni-lepāt
durch Salbung der Scham

Der Zahlwert von tridaśa („die Götter“) und indra ist hier unsicher, da die Felder nur Werte bis 16 tragen.

tithidigyugavāṇaiś ca guṭikā tu vaśaṅkarī / bhakṣye bhojye tathā pāne dātavyā guṭikā vaśe //

Mit Mondtag (15), Richtung (10), Yuga (4) und Pfeil (5): eine Pille, die gefügig macht; in Speise, Essen und ebenso im Trank ist die Pille zur Unterwerfung zu geben.

Wort für Wort
tithi-diś-yuga-bāṇaiḥ
mit Mondtag, Richtung, Yuga, Pfeil
guṭikā
Pille
vaśaṅkarī
gefügig machend
bhakṣye bhojye pāne
in Speise, Essen, Trank
dātavyā
zu geben

ṛtviggrahākṣiśailaiś ca śastrastambhe mukhe dhṛtā / śailendravedarandhraiś ca aṅgalepājjale vaset //

Mit Opferpriester (16), Planet (9), Auge (2) und Berg (7): im Mund gehalten zur Lähmung der Waffen. Mit Berg (7), Indra [?], Veda (4) und Öffnung (9): Durch Salbung des Körpers kann man im Wasser verweilen.

Wort für Wort
ṛtvij-graha-akṣi-śailaiḥ
mit Priester, Planet, Auge, Berg
śastra-stambhe
zur Lähmung der Waffen
mukhe dhṛtā
im Mund gehalten
aṅga-lepāt
durch Körpersalbung
jale vaset
man kann im Wasser verweilen

vāṇākṣimanurudraiś ca guṭikā kṣuttṛṣādinut / triṣoḍaśadiśāvāṇair lepāt strī durbhagā śubhā //

Mit Pfeil (5), Auge (2), Manu (14) und Rudra (11): eine Pille, die Hunger, Durst und dergleichen vertreibt. Mit Drei, Sechzehn, Richtung (10) und Pfeil (5): Durch Salbung wird eine unglückliche Frau glücklich.

Wort für Wort
bāṇa-akṣi-manu-rudraiḥ
mit Pfeil, Auge, Manu, Rudra
kṣut-tṛṣ-ādi-nut
Hunger, Durst usw. vertreibend
tri-ṣoḍaśa
drei und sechzehn
durbhagā
die Unglückliche
śubhā
glücklich

tridaśākṣidiśānetrair lepāt krīḍecca patragaiḥ / tridaśākṣeśabhujagair lepāt strī sūyate sukhaṃ //

Mit Göttern [?], Auge, Richtung und Auge: Durch Salbung spiele man mit Vögeln [?]. Mit Göttern [?], Auge, Īśa (11) und Schlange (8): Durch Salbung gebiert eine Frau leicht.

Wort für Wort
krīḍet
man spiele
patragaiḥ
mit Vögeln
īśa
Īśa (11)
bhujagaiḥ
mit Schlange (8)
sūyate sukham
gebiert leicht

patragaiḥ („mit Vögeln“) ist unsicher, vielleicht für pannagaiḥ („mit Schlangen“).

saptadiṅmunirandhraiś ca dyūtajihvastralepataḥ / tridaśākṣyabdhimunibhirdhvajalepāt ratau sutaḥ //

Mit Sieben, Richtung (10), Weiser und Öffnung (9): durch Salbung von Würfel, Zunge und Waffe [?] [Erfolg im Spiel]. Mit Göttern [?], Auge (2), Ozean (4) und Weisen: Durch Salbung des Glieds [erlangt man] beim Liebesakt einen Sohn.

Wort für Wort
sapta-diś-muni-randhraiḥ
mit Sieben, Richtung, Weiser, Öffnung
dyūta
Würfelspiel
abdhi
Ozean (4)
dhvaja-lepāt
durch Salbung des Glieds
ratau sutaḥ
beim Liebesakt ein Sohn

dyūtajihvastralepataḥ ist unklar; das Ergebnis des ersten Halbverses wird nicht genannt.

grahābdhisarpyatridaśair guṭikā syād vaśaṅkarī / ṛtvikpadasthitauṣadhyāḥ prabhāvaḥ pratipāditaḥ //

Mit Planet (9), Ozean (4), Schlange (8) und Göttern [?]: eine Pille, die gefügig macht. [So] ist die Wirkung der in den sechzehn Feldern stehenden Heilpflanzen dargelegt.

Wort für Wort
graha-abdhi-sarpa-tridaśaiḥ
mit Planet, Ozean, Schlange, Göttern
vaśaṅkarī
gefügig machend
ṛtvik-pada-sthita-oṣadhyāḥ
der im Sechzehn-Felder-Diagramm stehenden Heilpflanze
prabhāvaḥ
Wirkung
pratipāditaḥ
dargelegt

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