Kapitel 32: saṃskārakathanam
Die Darlegung der (achtundvierzig) Sakramente
Agni zählt die bei der Weihe zu vollziehenden Sakramente auf: die Lebenszyklusriten, die Studiengelübde, die sieben Kochopfer, die sieben Havis-Opfer, die sieben Soma-Formen, eine Reihe mit „Gold“ benannter Sonderopfer sowie die acht Tugenden des Selbst. Der Kolophon nennt das Kapitel „aṣṭacatvāriṃśatsaṃskārakathanam“ (Darlegung der 48 Sakramente); die tatsächliche Zählung der Liste geht nicht glatt auf. Einige Namen sind unsicher bzw. verderbt (sūtakatva, sahasreśāḥ).
Agni sprach: Bei den Weihen (dīkṣā), angefangen mit der Nirvāṇa-Weihe, soll der Weise die achtundvierzig Sakramente (saṃskāra) vollziehen lassen. Höre sie, durch die man zu einem Gott wird.
garbhādhānantu yonyāṃ vai tataḥ puṃsavanañcaret / sīmantonnayanañcaiva jātakarma ca nāma ca //
Die Befruchtungszeremonie (garbhādhāna) für den Mutterschoß; danach vollziehe man die Zeremonie zur Erlangung eines Sohnes (puṃsavana), ebenso das Scheitelziehen (sīmantonnayana), die Geburtszeremonie (jātakarman) und die Namengebung,
die erste Speisung mit fester Nahrung (annāśana), danach die Tonsur (cūḍā), und die Gelübde des Brahmanenschülerstandes – (deren sind) vier: das Vaiṣṇava-, das Pārtha-, das Bhautika- und ebenso das Śrotrika-Gelübde,
Wort für Wort
anna-āśanam
erste feste Speise
cūḍā
Tonsur
brahmacarya-vratāni
Gelübde des Schülerstandes
catvāri
vier
vaiṣṇavī pārthī bhautikī śrotrikī
die Gelübde Vaiṣṇavī, Pārthī, Bhautikī, Śrotrikī
Die Namen der vier Studiengelübde (vaiṣṇavī, pārthī, bhautikī, śrotrikī) sind so überliefert; Bedeutung im Einzelnen unklar.
godānaṃ sūtakatvañca pākayajñāś ca sapta te / aṣṭakā pārvaṇaśrāddhaṃ śrāvaṇyagrāyaṇīti ca //
die Kuhgabe (godāna, erste Bartschur) und der Stand des Heimgekehrten [?]; und dies sind die sieben Kochopfer (pākayajña): Aṣṭakā, Pārvaṇa-Śrāddha, Śrāvaṇī, Āgrahāyaṇī,
Wort für Wort
go-dānam
Kuhgabe (erste Bartschur)
sūtakatvam
(wohl snātakatvam) Stand des Heimgekehrten
pāka-yajñāḥ sapta
die sieben Kochopfer
aṣṭakā pārvaṇa-śrāddham
Aṣṭakā, Totenmahl an den Mondwechseln
śrāvaṇī āgrāyaṇī
Śrāvaṇī, Āgrahāyaṇī
sūtakatvaṃ wohl verderbt für snātakatvaṃ (Abschlussbad des Schülers).
caitrī cāśvayujī sapta haviryajñāṃś ca tān śṛṇu / ādhānañcāgnihotrañca darśo vai paurṇamāsakaḥ //
Caitrī und Āśvayujī – (das sind) sieben. Und höre die (sieben) Havis-Opfer: die Feueranlegung (ādhāna), das Agnihotra, das Neumond- und das Vollmondopfer,
das Viermonatsopfer (cāturmāsya), das Tieropfer (paśubandha) und dann als weiteres die Sautrāmaṇī. Höre die sieben Soma-Formen: der Agniṣṭoma, das vorzüglichste Opfer,
Mitleid mit allen Wesen, Geduld und ebenso Geradheit, Reinheit, Freiheit von Mühsal (anāyāsa), glückverheißendes Verhalten (maṅgala) als weitere Tugend,
akārpaṇyañcāspṛhā ca mūlena juhuyācchatam / sauraśākteyaviṣṇvīśadīkṣāstvete samāḥ smṛtāḥ //
Freigebigkeit (Freiheit von Kleinlichkeit) und Begierdelosigkeit. Mit dem Grundmantra soll man hundertmal (ins Feuer) opfern. Die Weihen für Sūrya, Śakti, Viṣṇu und Īśa gelten als gleich.
Wer durch diese Sakramente geweiht ist, erlangt Genuss und Erlösung; von jeder Krankheit befreit, lebt der Mensch wie ein Gott. Durch Murmeln, Opfern, Verehren und Meditieren der Gottheit erlangt er das Erwünschte.