Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 243: strīlakṣaṇam Die Merkmale der Frau

Samudra beschreibt die glückverheißenden und unheilvollen körperlichen und charakterlichen Merkmale einer Frau. Hervorgehoben wird, dass Gattentreue fehlende äußere Merkmale ausgleicht. Das kurze Kapitel endet mit einem Unheilszeichen.

samudra uvāca | śastā strī cārusarvāṅgī mattamātaṅgagāminī / gurūrujaghanā yā ca mattapārāvatekṣaṇā //

Samudra sprach: Gepriesen ist eine Frau, die an allen Gliedern anmutig ist, die wie ein brünstiger Elefant schreitet, die schwere Schenkel und Hüften hat und Augen wie eine verliebte Taube,

Wort für Wort
śastā strī
gepriesene Frau
cāru-sarva-aṅgī
an allen Gliedern anmutig
matta-mātaṅga-gāminī
wie ein brünstiger Elefant schreitend
guru-ūru-jaghanā
mit schweren Schenkeln und Hüften
matta-pārāvata-īkṣaṇā
mit Augen wie eine brünstige Taube

sunīlakeśī tanvaṅgī vilomāṅgī manoharā / samabhūmispṛśau pādau saṃhatau ca tathā stanau //

mit tiefschwarzem Haar, schlankem Körper, unbehaarten Gliedern, herzbezaubernd; deren Füße gleichmäßig den Boden berühren und deren Brüste eng beieinanderstehen;

Wort für Wort
su-nīla-keśī
mit tiefschwarzem Haar
tanu-aṅgī
schlankgliedrig
viloma-aṅgī
mit unbehaarten Gliedern
sama-bhūmi-spṛśau pādau
gleichmäßig den Boden berührende Füße
saṃhatau stanau
eng stehende Brüste

nābhiḥ pradakṣiṇāvartā guhyamaśvatthapatravat / gulphau nigūḍhau madhyena nābhiraṅguṣṭhamānikā //

[bei der] der Nabel rechtsdrehend gewunden ist, die Scham wie ein Aśvattha-Blatt [geformt], die Knöchel verborgen, und in der Mitte der Nabel das Maß eines Daumens hat.

Wort für Wort
nābhiḥ pradakṣiṇa-āvartā
rechtsgewundener Nabel
guhyam aśvattha-patra-vat
Scham wie ein Aśvattha-Blatt
gulphau nigūḍhau
verborgene Knöchel
aṅguṣṭha-mānikā
daumengroß

jaṭharanna pralambañca romarūkṣā na śobhanā / narkṣavṛkṣanadīnāmnī na sadā kalahapriyā //

Der Bauch soll nicht herabhängen; eine mit rauem Körperhaar ist nicht schön. [Sie soll] nicht nach einem Gestirn, Baum oder Fluss benannt sein, nicht ständig streitsüchtig,

Wort für Wort
jaṭharam na pralambam
Bauch nicht herabhängend
roma-rūkṣā
mit rauem Körperhaar
ṛkṣa-vṛkṣa-nadī-nāmnī
nach Gestirn, Baum, Fluss benannt
kalaha-priyā
streitsüchtig

na lolupā na durbhāṣā śubhā devādipūjitā / gaṇḍair madhūkapuṣpābhair na śirālā na lomaśā //

nicht gierig, nicht schmähsüchtig; glückbringend ist sie, wenn sie die Götter usw. verehrt; mit Wangen wie Madhūka-Blüten, nicht aderig, nicht stark behaart,

Wort für Wort
na lolupā
nicht gierig
na durbhāṣā
nicht übel redend
deva-ādi-pūjitā
die Götter usw. verehrend
madhūka-puṣpa-ābhaiḥ gaṇḍaiḥ
mit Wangen wie Madhūka-Blüten
na śirālā na lomaśā
nicht aderig, nicht behaart

na saṃhatabhrūkuṭilā patiprāṇā patipriyā / alakṣaṇāpi lakṣaṇyā yatrākārāstato guṇāḥ //

nicht mit zusammengewachsenen oder gekrümmten Brauen; die ihren Gatten wie ihr Leben achtet und ihrem Gatten lieb ist. Auch eine ohne [gute] Merkmale ist [so] mit Merkmalen versehen: Wo die [rechte] Gestalt ist, da [folgen] die Vorzüge [?].

Wort für Wort
saṃhata-bhrū-kuṭilā
mit zusammengewachsenen, gekrümmten Brauen
pati-prāṇā
deren Leben der Gatte ist
alakṣaṇā api lakṣaṇyā
auch ohne Merkmale glückbringend
yatra ākārāḥ tataḥ guṇāḥ
wo die Gestalt, da die Vorzüge

bhuvaṅkaniṣṭhikā yasyā na spṛśenmṛtyureva sā //7 //

Eine Frau, deren kleine Zehe den Boden nicht berührt, ist geradezu der Tod.

Wort für Wort
bhuvam
den Boden
kaniṣṭhikā
die kleine Zehe
na spṛśet
berührt nicht
mṛtyuḥ eva sā
sie ist der Tod selbst

Am Versende steht in der Quelle eine doppelte Verszählung „//7 //“.

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