Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 380: gītāsāraḥ Die Essenz der Bhagavadgītā

Agni gibt eine stark verkürzte Zusammenfassung der Bhagavadgītā in Kṛṣṇas Worten: Unvergänglichkeit des Selbst, Entstehung der Begierde, der Standfeste, Erkenntnis als Feuer, die vier Arten der Verehrer, Feld und Feldkenner, das zu Erkennende, die drei Guṇas in Speise, Opfer, Askese, Gabe, Erkenntnis, Handlung und Glück. Die Kürzungen machen manche Stellen elliptisch; mehrere Tippfehler der Digitalisierung (z. B. ammohāt, mahāvaho, saunamāt-) sind in den Anmerkungen vermerkt.

agnir uvāca | gītāsāraṃ pravakṣyāmi sarvagītottamottamaṃ / kṛṣṇo 'rjunāya yamāha purā vai bhuktimuktidaṃ //

Agni sprach: Ich werde die Essenz der Gītā verkünden, die allerhöchste unter allen Gītās, die einst Kṛṣṇa dem Arjuna sagte und die Genuss und Erlösung gewährt.

Wort für Wort
gītā-sāram
die Essenz der Gītā
pravakṣyāmi
ich werde verkünden
sarva-gītā-uttama-uttamam
höchste der höchsten unter allen Gītās
kṛṣṇaḥ arjunāya
Kṛṣṇa dem Arjuna
bhukti-mukti-dam
Genuss und Erlösung gebend

śrībhagavānuvāca | gatāsuragatāsurvā na śocyo dehavānajaḥ / ātmājaro 'maro 'bhedyastasmācchokādikaṃ tyajet //

Der Erhabene sprach: Ob einer verstorben ist oder nicht verstorben – der Verkörperte, Ungeborene ist nicht zu betrauern. Das Selbst ist alterslos, unsterblich, unzerteilbar; darum lege man Kummer und dergleichen ab.

Wort für Wort
gata-asuḥ agata-asuḥ vā
ob des Lebens beraubt oder nicht
na śocyaḥ
nicht zu betrauern
dehavān ajaḥ
der Verkörperte, Ungeborene
ātmā ajaraḥ amaraḥ abhedyaḥ
das Selbst ist alterslos, unsterblich, unzerteilbar
śoka-ādikam tyajet
Kummer usw. soll man aufgeben

dhyāyato viṣayān puṃsaḥ saṅgasteṣūpajāyate / saṅgāt kāmastataḥ krodhaḥ krodhātsammoha eva ca //

Einem Menschen, der über die Sinnesobjekte nachsinnt, entsteht Anhaftung an sie; aus der Anhaftung entsteht Begierde, daraus Zorn, aus dem Zorn Verblendung.

Wort für Wort
dhyāyataḥ viṣayān
der über die Sinnesobjekte nachsinnt
saṅgaḥ
Anhaftung
upajāyate
entsteht
kāmaḥ
Begierde
krodhāt sammohaḥ
aus Zorn Verblendung

ammohāt smṛtivibhraṃśo buddhināśāt praṇaśyati / duḥsaṅgahāniḥ satsaṅgānmokṣakābhī ca kāmanut //

Aus der Verblendung Verwirrung der Erinnerung; durch den Verlust der Einsicht geht er zugrunde. Aus guter Gesellschaft [folgt] das Meiden schlechter Gesellschaft, [man wird] nach Erlösung verlangend und vertreibt die Begierde.

Wort für Wort
sammohāt
aus Verblendung
smṛti-vibhraṃśaḥ
Verwirrung der Erinnerung
buddhi-nāśāt praṇaśyati
durch Verlust der Einsicht geht er zugrunde
duḥsaṅga-hāniḥ
Aufgeben schlechter Gesellschaft
sat-saṅgāt
aus guter Gesellschaft
kāma-nud
die Begierde vertreibend

„ammohāt“ ist Digitalisierungsfehler für „sammohāt“. Das Zwischenglied „smṛtibhraṃśād buddhināśo“ ist verkürzt. „mokṣakābhī“ wohl für „mokṣakāmī“.

kāmatyāgādātmaniṣṭhaḥ sthiraprajñastadocyate / yā niśā sarvabhūtānāṃ tasyāṃ jāgarti saṃyamī //

Durch das Aufgeben der Begierde im Selbst gegründet – dann heißt er „einer von fester Einsicht“. Was Nacht für alle Wesen ist, darin wacht der Selbstbeherrschte;

Wort für Wort
kāma-tyāgāt
durch Aufgeben der Begierde
ātma-niṣṭhaḥ
im Selbst gegründet
sthira-prajñaḥ
von fester Einsicht
niśā sarva-bhūtānām
Nacht aller Wesen
jāgarti saṃyamī
wacht der Selbstbeherrschte

yasyāṃ jāgrati bhūtāni sā niśā paśyato muneḥ / ātmanyeva ca santuṣṭastasya kāryaṃ na vidyate //

worin die Wesen wachen, das ist Nacht für den schauenden Weisen. Wer im Selbst allein zufrieden ist, für den gibt es nichts mehr zu tun.

Wort für Wort
jāgrati bhūtāni
die Wesen wachen
paśyataḥ muneḥ
für den schauenden Weisen
ātmani eva santuṣṭaḥ
im Selbst allein zufrieden
kāryam na vidyate
es gibt nichts zu tun

naiva tasya kṛte nārtho nākṛte neha kaś canaḥ / tattvavittu mahāvaho guṇakarmavibhāgayoḥ //

Für ihn gibt es hier weder im Tun irgendeinen Zweck noch im Nichttun. Wer aber, o Starkarmiger, die Wahrheit über die Scheidung von Guṇas und Handlungen kennt,

Wort für Wort
na eva tasya kṛte arthaḥ
für ihn kein Zweck im Tun
na akṛte
nicht im Nichttun
tattva-vid
Wahrheitskenner
mahābāho
o Starkarmiger
guṇa-karma-vibhāgayoḥ
über die Scheidung von Guṇas und Handlungen

„mahāvaho“ ist verderbt für „mahābāho“; „kaś canaḥ“ für „kaścana“.

guṇā guneṣu vartante iti matvā na sajjate / sarvaṃ jñānaplavenaiva vṛjinaṃ santariṣyati //

der denkt: „Die Guṇas bewegen sich in den Guṇas“ und haftet nicht an. Mit dem Floß der Erkenntnis allein wird er alle Sünde überqueren.

Wort für Wort
guṇāḥ guṇeṣu vartante
die Guṇas bewegen sich in den Guṇas
matvā
denkend
na sajjate
haftet nicht an
jñāna-plavena
mit dem Floß der Erkenntnis
vṛjinam santariṣyati
wird die Sünde überqueren

„guneṣu“ Tippfehler für „guṇeṣu“.

jñānāgniḥ sarvakarmāṇi bhasmasāt kurute 'rjuna / brahmaṇyādhāya karmāṇi saṅgantyaktvā karoti yaḥ //

Das Feuer der Erkenntnis macht alle Handlungen zu Asche, Arjuna. Wer die Handlungen im Brahman niederlegt und die Anhaftung aufgebend handelt,

Wort für Wort
jñāna-agniḥ
Feuer der Erkenntnis
bhasmasāt kurute
macht zu Asche
brahmaṇi ādhāya karmāṇi
die Handlungen im Brahman niederlegend
saṅgam tyaktvā
die Anhaftung aufgebend
karoti
handelt

lipyate na sa pāpena padmapatramivāmbhasā / sarvabhūteṣu cātmānaṃ sarvabhūtāni cātmani //

der wird von Sünde nicht befleckt, wie ein Lotusblatt vom Wasser. Sich selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst

Wort für Wort
lipyate na
wird nicht befleckt
pāpena
von Sünde
padma-patram iva ambhasā
wie ein Lotusblatt vom Wasser
sarva-bhūteṣu ātmānam
das Selbst in allen Wesen

īkṣate yogayuktātmā sarvatra samadarśanaḥ / śucīnāṃ śrīmatāṃ gehe yogabhraṣṭo 'bhijāyate //

erblickt, wer im Yoga gefestigt ist und überall Gleiches schaut. Wer vom Yoga abgefallen ist, wird im Haus reiner und wohlhabender Leute wiedergeboren.

Wort für Wort
īkṣate
erblickt
yoga-yukta-ātmā
dessen Selbst im Yoga gefestigt ist
sama-darśanaḥ
Gleiches schauend
śucīnām śrīmatām gehe
im Haus Reiner und Wohlhabender
yoga-bhraṣṭaḥ abhijāyate
der vom Yoga Abgefallene wird geboren

na hi kalyāṇakṛt kaściddurgatiṃ tāta gacchati / devī hy eṣā guṇamayī mama māyā duratyayā //

Denn niemand, der Gutes tut, mein Lieber, geht einen schlimmen Weg. Diese meine göttliche, aus den Guṇas bestehende Māyā ist schwer zu überwinden.

Wort für Wort
kalyāṇa-kṛt
der Gutes tut
durgatim na gacchati
geht keinen schlimmen Weg
tāta
mein Lieber
guṇa-mayī
aus den Guṇas bestehend
māyā duratyayā
schwer zu überwindende Māyā

māmeva ye prapadyante māyāmetāntaranti te / ārto jijñāsurarthārtho jñānī ca bharatarṣabha //

Die aber allein zu mir Zuflucht nehmen, überwinden diese Māyā. Der Leidende, der Wissbegierige, der nach Gütern Strebende und der Wissende, o Stier unter den Bharatas –

Wort für Wort
mām eva prapadyante
nehmen zu mir allein Zuflucht
māyām etām taranti
überwinden diese Māyā
ārtaḥ
der Leidende
jijñāsuḥ
der Wissbegierige
artha-arthī
der nach Gütern Strebende
jñānī
der Wissende

caturvidhā bhajante māṃ jñānī caikatvamāsthitaḥ / akṣaraṃ brahma paramaṃ svabhāvo 'dhyātmamucyate //

vierfach verehren sie mich; der Wissende aber steht in der Einheit. Das Unvergängliche ist das höchste Brahman; das eigene Wesen heißt Adhyātma.

Wort für Wort
caturvidhāḥ bhajante
vierfach verehren sie
ekatvam āsthitaḥ
in der Einheit stehend
akṣaram
das Unvergängliche
svabhāvaḥ
das eigene Wesen
adhyātmam ucyate
heißt Adhyātma (das auf das Selbst Bezogene)

bhūtabhāvodbhavakaro visargaḥ karmasaṃjñitaḥ / adhibhūtaṃ kṣarobhāvaḥ puruṣaścādhidaivataṃ //

Die Entsendung, die das Entstehen der Daseinszustände der Wesen bewirkt, heißt Karman. Das Adhibhūta ist das vergängliche Sein, und der Puruṣa ist das Adhidaivata.

Wort für Wort
bhūta-bhāva-udbhava-karaḥ
das Entstehen der Daseinszustände bewirkend
visargaḥ
Entsendung, Schöpfung
karma-saṃjñitaḥ
Karman genannt
adhibhūtam kṣaraḥ bhāvaḥ
das Adhibhūta ist das vergängliche Sein
puruṣaḥ adhidaivatam
der Puruṣa ist das Adhidaivata

„kṣarobhāvaḥ“ = „kṣaro bhāvaḥ“.

adhiyajñohamevātra dehe dehabhṛtāṃ vara / antakāle smaranmāñca madbhāvaṃ yātyasaṃśayaḥ //

Das Adhiyajña bin ich hier im Leib, o Bester der Verkörperten. Wer in der Todesstunde meiner gedenkt, gelangt zweifellos zu meinem Sein.

Wort für Wort
adhiyajñaḥ aham
das Adhiyajña bin ich
dehabhṛtām vara
o Bester der Verkörperten
anta-kāle
in der Todesstunde
smaran mām
meiner gedenkend
mad-bhāvam yāti
gelangt zu meinem Sein

yaṃ yaṃ bhāvaṃ smarannante tyajeddehantamāpnuyāt / prāṇaṃ nyasya bhruvormadhye ante prāpnoti matparam //

An welches Sein auch immer einer am Ende denkt, wenn er den Leib verlässt, zu diesem gelangt er. Wer den Lebensatem zwischen die Brauen legt, erlangt am Ende mich, das Höchste.

Wort für Wort
yam yam bhāvam
welches Sein auch immer
smaran ante
am Ende gedenkend
tam āpnuyāt
erlangt dieses
prāṇam nyasya bhruvoḥ madhye
den Atem zwischen die Brauen legend
mat-param
mich als das Höchste

omityekākṣaraṃ brahmavadan dehaṃ tyajantathā / brahmādistambhaparyantāḥ sarve mama vibhūtayaḥ //

Wer „oṃ“, das einsilbige Brahman, sprechend so den Leib verlässt [, gelangt zum Höchsten]. Von Brahmā bis zum Grashalm sind alle [Wesen] meine Machtentfaltungen.

Wort für Wort
om iti eka-akṣaram brahma
„oṃ“, das einsilbige Brahman
vadan
sprechend
deham tyajan
den Leib verlassend
brahma-ādi-stamba-paryantāḥ
von Brahmā bis zum Grashalm
mama vibhūtayaḥ
meine Machtentfaltungen

Die Folge des Relativsatzes (Erlangen des höchsten Ziels) ist ausgelassen; „brahmavadan“ = „brahma vyāharan“.

śrīmantaścorjitāḥ sarve mamāṃśāḥ prāṇinaḥ smṛtāḥ / ahameko viśvarūpa iti jñātvā vimucyate //

Alle Lebewesen, die herrlich und kraftvoll sind, gelten als meine Teile. Wer erkennt: „Ich allein bin allgestaltig“, wird erlöst.

Wort für Wort
śrīmantaḥ ūrjitāḥ
herrlich und kraftvoll
mama aṃśāḥ
meine Teile
prāṇinaḥ
Lebewesen
viśva-rūpaḥ
allgestaltig
vimucyate
wird erlöst

kṣetraṃ śarīraṃ yo vetti kṣetrajñaḥ sa prakortitaḥ / kṣetrakṣetrajñayorjñānaṃ yattajjñānaṃ mataṃ mama //

Das Feld ist der Körper; wer es kennt, heißt Feldkenner. Die Erkenntnis von Feld und Feldkenner – die gilt mir als Erkenntnis.

Wort für Wort
kṣetram śarīram
das Feld ist der Körper
yaḥ vetti
wer es kennt
kṣetrajñaḥ
Feldkenner
kṣetra-kṣetrajñayoḥ jñānam
Erkenntnis von Feld und Feldkenner
matam mama
gilt mir als

„prakortitaḥ“ Tippfehler für „prakīrtitaḥ“.

mahābhūtānyahaṅkāro buddhiravyaktameva ca / indrayāṇi deśaikañca pañca cendriyagocarāḥ //

Die großen Elemente, das Ich-Bewusstsein, die Einsicht und das Unoffenbare, die Sinne – zehn und eines – und die fünf Sinnesbereiche,

Wort für Wort
mahā-bhūtāni
die großen Elemente
ahaṅkāraḥ
Ich-Bewusstsein
buddhiḥ
Einsicht
avyaktam
das Unoffenbare
indriyāṇi daśa ekam ca
die Sinne, zehn und eines
pañca indriya-gocarāḥ
die fünf Sinnesbereiche

„indrayāṇi deśaikañca“ verderbt für „indriyāṇi daśaikaṃ ca“ (zehn Sinne und das Denkorgan).

icchā dveṣaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ saṅghātaścetanā dhṛtiḥ / etatkṣetraṃ samāsena savikāramudāhṛtaṃ //

Wunsch, Abneigung, Freude, Leid, der Zusammenhang [des Leibes], das Bewusstsein, die Standhaftigkeit – dies ist, in Kürze, das Feld mitsamt seinen Umwandlungen.

Wort für Wort
icchā dveṣaḥ
Wunsch, Abneigung
sukham duḥkham
Freude, Leid
saṅghātaḥ
Zusammenfügung, Aggregat
cetanā dhṛtiḥ
Bewusstsein, Standhaftigkeit
sa-vikāram
mitsamt den Umwandlungen

amānitvamadambhitvamahiṃsā kṣāntirārjavam / ācāryopāsanaṃ śaucaṃ sthairyamātmavinigrahaḥ //

Demut, Aufrichtigkeit ohne Heuchelei, Gewaltlosigkeit, Geduld, Geradheit, Dienst am Lehrer, Reinheit, Beständigkeit, Selbstbezähmung,

Wort für Wort
amānitvam
Fehlen von Hochmut
adambhitvam
Fehlen von Heuchelei
ahiṃsā kṣāntiḥ ārjavam
Gewaltlosigkeit, Geduld, Geradheit
ācārya-upāsanam
Dienst am Lehrer
ātma-vinigrahaḥ
Selbstbezähmung

indriyārtheṣu vairāgyamanahaṅkāra eva ca / janmamṛtyujarāvyādhiduḥkhadoṣānudarśanaṃ //

Leidenschaftslosigkeit gegenüber den Sinnesobjekten und Fehlen des Ich-Bewusstseins, das Durchschauen des Übels von Geburt, Tod, Alter, Krankheit und Leid,

Wort für Wort
indriya-artheṣu vairāgyam
Leidenschaftslosigkeit gegenüber Sinnesobjekten
anahaṅkāraḥ
Fehlen des Ich-Bewusstseins
janma-mṛtyu-jarā-vyādhi
Geburt, Tod, Alter, Krankheit
doṣa-anudarśanam
Durchschauen des Übels

āsaktiranabhiṣvaṅgaḥ putradāragṛhādiṣu / nityañca samacittattvamiṣṭāniṣṭopapattiṣu //

Nichtanhaften, Nichtverstricktsein bei Sohn, Frau, Haus usw., und stete Gleichmütigkeit bei erwünschtem und unerwünschtem Geschehen,

Wort für Wort
asaktiḥ
Nichtanhaften
anabhiṣvaṅgaḥ
Nichtverstricktsein
putra-dāra-gṛha-ādiṣu
bei Sohn, Frau, Haus usw.
sama-cittatvam
Gleichmütigkeit
iṣṭa-aniṣṭa-upapattiṣu
bei Erwünschtem und Unerwünschtem

„āsaktiḥ“ ist dem Sinn nach als „asaktiḥ“ (Nichtanhaften) zu lesen.

mayi cānanyayogena bhaktiravyabhicāriṇī / viviktadeśasevitvamaratirjanasaṃsadi //

und unwandelbare Hingabe an mich in ausschließlicher Verbindung, das Aufsuchen abgeschiedener Orte, Unlust an Menschenansammlungen,

Wort für Wort
ananya-yogena
in ausschließlicher Verbindung
bhaktiḥ avyabhicāriṇī
unwandelbare Hingabe
vivikta-deśa-sevitvam
Aufsuchen abgeschiedener Orte
aratiḥ jana-saṃsadi
Unlust an Menschenansammlungen

adhyātmajñānaniṣṭhatvantattvajñānānudarśanaṃ / etajjñānamiti proktamajñānaṃ yadato 'nyathā //

Beständigkeit in der Erkenntnis des höchsten Selbst, das Ausschauen nach der Erkenntnis der Wahrheit – dies wird Erkenntnis genannt; Nichterkenntnis ist, was davon abweicht.

Wort für Wort
adhyātma-jñāna-niṣṭhatvam
Beständigkeit in der Selbsterkenntnis
tattva-jñāna-anudarśanam
Ausschauen nach Wahrheitserkenntnis
jñānam iti proktam
wird Erkenntnis genannt
ajñānam
Nichterkenntnis
ataḥ anyathā
was davon abweicht

jñeyaṃ yattat pravakṣyāmi yaṃ jñātvāmṛtamaśnute / anādi paramaṃ brahma sattvaṃ nāma taducyate //

Was das zu Erkennende ist, will ich verkünden, durch dessen Erkenntnis man Unsterblichkeit genießt: das anfanglose höchste Brahman; es wird „Sein“ genannt.

Wort für Wort
jñeyam
das zu Erkennende
jñātvā amṛtam aśnute
erkennend genießt man Unsterblichkeit
anādi
anfanglos
param brahma
höchstes Brahman
sattvam nāma
„Sein“ genannt [?]

„sattvaṃ nāma“ vielleicht verderbt; die Gītā-Fassung lautet „na sat tan nāsad ucyate“.

sarvataḥ pāṇipādāntaṃ sarvato 'kṣiśiromukham / sarvataḥ śrutimalloke sarvamāvṛtya tiṣṭhati //

Überall hat es Hände und Füße, überall Augen, Köpfe und Münder, überall Ohren in der Welt; alles umhüllend steht es da.

Wort für Wort
sarvataḥ pāṇi-pādam
überall Hände und Füße
akṣi-śiraḥ-mukham
Augen, Köpfe, Münder
śrutimat
mit Ohren versehen
sarvam āvṛtya
alles umhüllend
tiṣṭhati
steht da

„pāṇipādāntaṃ“ = „pāṇipādaṃ tat“.

sarvendriyaguṇābhāsaṃ sarvendriyavivarjitam / asaktaṃ sarvabhṛccaiva nirguṇaṃ guṇabhoktṛ ca //

Es erscheint mit den Eigenschaften aller Sinne und ist doch aller Sinne ledig; unanhaftend und doch alles tragend, frei von Guṇas und doch die Guṇas genießend.

Wort für Wort
sarva-indriya-guṇa-ābhāsam
mit dem Anschein aller Sinneseigenschaften
sarva-indriya-vivarjitam
aller Sinne ledig
asaktam
unanhaftend
sarva-bhṛt
alles tragend
nirguṇam guṇa-bhoktṛ
guṇalos und Guṇa-Genießer

vahirantaś ca bhūtānāmacarañcarameva ca / sūkṣmatvāttadavijñeyaṃ dūrasthañcāntike 'pi yat //

Außen und innen in den Wesen, unbewegt und doch bewegt; wegen seiner Feinheit ist es unerkennbar; fern stehend und doch auch nahe ist es.

Wort für Wort
bahiḥ antaḥ ca bhūtānām
außen und innen der Wesen
acaram caram
unbewegt und bewegt
sūkṣmatvāt
wegen seiner Feinheit
avijñeyam
unerkennbar
dūrastham antike
fern und nahe

„vahir“ = „bahir“.

avibhaktañca bhūteṣu vibhaktamiva ca sthitam / bhūtabhartṛ ca vijñeyaṃ grasiṣṇu prabhaviṣṇu ca //

Ungeteilt in den Wesen und doch wie geteilt bestehend; als Träger der Wesen ist es zu erkennen, als verschlingend und hervorbringend.

Wort für Wort
avibhaktam
ungeteilt
vibhaktam iva sthitam
wie geteilt bestehend
bhūta-bhartṛ
Träger der Wesen
grasiṣṇu
verschlingend
prabhaviṣṇu
hervorbringend

jyotiṣāmapi tajjyotistamasaḥ paramucyate / jñānaṃ jñeyaṃ jñānagamyaṃ hṛdi sarvasya dhiṣṭhitaṃ //

Es ist, heißt es, das Licht auch der Lichter, jenseits der Finsternis: Erkenntnis, zu Erkennendes, durch Erkenntnis Erreichbares, im Herzen eines jeden weilend.

Wort für Wort
jyotiṣām api jyotiḥ
Licht auch der Lichter
tamasaḥ param
jenseits der Finsternis
jñāna-gamyam
durch Erkenntnis erreichbar
hṛdi sarvasya
im Herzen eines jeden
adhiṣṭhitam
weilend

„dhiṣṭhitaṃ“ = „adhiṣṭhitam“.

dhyānenātmani paśyanti kecidātmānamātmanā / anye sāṅkhyena yogena karmayogena cāpare //

Durch Meditation schauen manche das Selbst im Selbst durch das Selbst, andere durch Sāṅkhya-Yoga und wieder andere durch Karma-Yoga.

Wort für Wort
dhyānena
durch Meditation
ātmani paśyanti
schauen im Selbst
ātmānam ātmanā
das Selbst durch das Selbst
sāṅkhyena yogena
durch Sāṅkhya-Yoga
karma-yogena
durch Yoga des Handelns

anye tvevamajānanto śrutvānyebhya upāsate / tepi cāśu tarantyeva mṛtyuṃ śrutiparāyaṇāḥ //

Andere aber, die es so nicht kennen, verehren [es], nachdem sie es von anderen gehört haben; auch sie überqueren gewiss rasch den Tod, dem Gehörten ergeben.

Wort für Wort
ajānantaḥ
nicht kennend
śrutvā anyebhyaḥ
von anderen gehört habend
upāsate
verehren
taranti mṛtyum
überqueren den Tod
śruti-parāyaṇāḥ
dem Gehörten ergeben

sattvātsañjāyate jñānaṃ rajaso lobha eva ca / pramādamohau tamaso bhavato jñānameva ca //

Aus Sattva entsteht Erkenntnis, aus Rajas Gier; Achtlosigkeit und Verblendung entstehen aus Tamas, und ebenso Nichtwissen.

Wort für Wort
sattvāt sañjāyate jñānam
aus Sattva entsteht Erkenntnis
rajasaḥ lobhaḥ
aus Rajas Gier
pramāda-mohau
Achtlosigkeit und Verblendung
tamasaḥ bhavataḥ
entstehen aus Tamas
ajñānam
Nichtwissen

„jñānameva“ ist dem Sinn nach als „ajñānam eva“ zu lesen.

guṇā vartanta ity eva yo 'vatiṣṭhati neṅgate / mānāvamānamitrāritulyastyāgī sa nirguṇaḥ //

Wer denkend „die Guṇas wirken“ feststeht und nicht wankt, gleich gegenüber Ehre und Schmach, Freund und Feind, der Entsagende – der ist jenseits der Guṇas.

Wort für Wort
guṇāḥ vartante
die Guṇas wirken
avatiṣṭhati na iṅgate
steht fest, wankt nicht
māna-apamāna
Ehre und Schmach
mitra-ari-tulyaḥ
gleich gegen Freund und Feind
nirguṇaḥ
jenseits der Guṇas

ūrdhvamūlamadhaḥśākhamaśvatthaṃ prāhuravyayaṃ / chandāṃsi yasya parṇāni yastaṃ veda sa vedavit //

Den Aśvattha-Baum mit den Wurzeln oben und den Zweigen unten nennt man unvergänglich; seine Blätter sind die Metren [des Veda]; wer ihn kennt, ist Veda-kundig.

Wort für Wort
ūrdhva-mūlam
mit Wurzeln oben
adhaḥ-śākham
mit Zweigen unten
aśvattham avyayam
den unvergänglichen Feigenbaum
chandāṃsi parṇāni
die Metren sind die Blätter
veda-vid
Veda-kundig

dvau bhūtasargau loke 'smin daiva āsura eva ca / ahiṃsādiḥ kṣamā caiva daivīsampattito nṛṇāṃ //

Zwei Schöpfungen von Wesen gibt es in dieser Welt: die göttliche und die dämonische. Gewaltlosigkeit usw. und Geduld [erwachsen] den Menschen aus der göttlichen Ausstattung.

Wort für Wort
dvau bhūta-sargau
zwei Wesensschöpfungen
daivaḥ āsuraḥ
göttlich und dämonisch
ahiṃsā-ādiḥ
Gewaltlosigkeit usw.
kṣamā
Geduld
daivī-sampattitaḥ
aus göttlicher Ausstattung

na śaucaṃ nāpi vācāro hy āsurīsampadoddhavaḥ / narakatvāt krodhalobhakāmastasmāttrayaṃ tyajet //

Weder Reinheit noch rechter Wandel [findet sich bei dem], der aus der dämonischen Ausstattung hervorgegangen ist. Weil sie zur Hölle führen, lege man die Dreiheit Zorn, Gier und Begierde ab.

Wort für Wort
na śaucam
keine Reinheit
na api vā ācāraḥ
noch rechter Wandel
āsurī-sampad-udbhavaḥ
aus dämonischer Ausstattung entstanden
narakatvāt
weil zur Hölle führend
krodha-lobha-kāmaḥ trayam tyajet
die Dreiheit Zorn, Gier, Begierde lege man ab

„vācāro“ = „vā ācāraḥ“; „sampadoddhavaḥ“ = „sampad-udbhavaḥ“.

yajñastapas tathā dānaṃ sattvādyaistrividhaṃ smṛtam / āyuḥ sattvaṃ balārogyasukhāyānnantu sāttvikaṃ //

Opfer, Askese und Gabe gelten als dreifach, nach Sattva usw. Speise, die Leben, Sattva, Kraft, Gesundheit und Wohlbefinden fördert, ist sattvisch.

Wort für Wort
yajñaḥ tapaḥ dānam
Opfer, Askese, Gabe
sattva-ādyaiḥ trividham
dreifach nach Sattva usw.
āyuḥ sattvam bala-ārogya-sukha
Leben, Sattva, Kraft, Gesundheit, Wohlbefinden
āya annam
fördernde Speise
sāttvikam
sattvisch

duḥkhaśokāmayāyānnaṃ tīkṣṇarūkṣantu rājasaṃ / amedhyocchiṣṭapūtyannaṃ tāmasaṃ nīrasādikaṃ //

Speise, die Leid, Kummer und Krankheit bringt, scharf und trocken, ist rajasisch; unreine, übrig gebliebene, faulige, saftlose Speise und dergleichen ist tamasisch.

Wort für Wort
duḥkha-śoka-āmaya-āya
Leid, Kummer, Krankheit bringend
tīkṣṇa-rūkṣam
scharf und trocken
amedhya-ucchiṣṭa-pūti-annam
unreine, übrige, faulige Speise
nīrasa-ādikam
saftlos usw.
tāmasam
tamasisch

yaṣṭavyo vidhinā yajño niṣkāmāya sa sāttvikaḥ / yajñaḥ phalāya dambhātmī rājasastāmasaḥ kratuḥ //

Das Opfer, das nach Vorschrift darzubringen ist, ohne Verlangen, ist sattvisch; das Opfer um der Frucht willen, aus Heuchelei, ist rajasisch; [das übrige] Opfer ist tamasisch.

Wort für Wort
yaṣṭavyaḥ vidhinā
nach Vorschrift darzubringen
niṣkāmāya
ohne Verlangen
phalāya
um der Frucht willen
dambha-
aus Heuchelei
tāmasaḥ kratuḥ
tamasisches Opfer

„dambhātmī“ unklar, wohl für „dambhātmā“ o. ä. (heuchlerisch).

śraddhāmantrādividhyuktaṃ tapaḥ śārīramucyate / devādipūjāhiṃsādi vāṅmayaṃ tapa ucyate //

Askese ist, was mit Glauben, Mantras usw. und nach Vorschrift verbunden ist. Körperliche [Askese] heißt: Verehrung der Götter usw., Gewaltlosigkeit usw. Als Askese der Rede gilt:

Wort für Wort
śraddhā-mantra-ādi-vidhi-uktam
mit Glauben, Mantras usw. nach Vorschrift
tapaḥ
Askese
śārīram
körperlich
deva-ādi-pūjā
Verehrung der Götter usw.
vāṅmayam tapaḥ
Askese der Rede

Gliederung nach Sinn: „śārīram ucyate“ gehört zum Folgenden, „vāṅmayaṃ tapa ucyate“ leitet V. 45 ein.

anudvegakaraṃ vākyaṃ satyaṃ svādhyāyasajjapaḥ / mānasaṃ cittasaṃśuddhersaunamātsavinigrahaḥ //

eine nicht aufregende Rede, Wahrheit, Selbststudium des Veda und rechtes Murmeln [von Gebeten]. Geistige [Askese] ist [das, was] aus der Läuterung des Denkens [kommt]: Schweigen und Selbstbezähmung.

Wort für Wort
anudvega-karam vākyam
nicht aufregende Rede
satyam
Wahrheit
svādhyāya-sat-japaḥ
Selbststudium und rechtes Murmeln
mānasam
geistig
citta-saṃśuddheḥ
aus Läuterung des Denkens
maunam ātma-vinigrahaḥ
Schweigen, Selbstbezähmung

„saunamātsavinigrahaḥ“ verderbt, wohl „maunam ātmavinigrahaḥ“.

sāttvikañca tapo 'kāmaṃ phalādyarthantu rājasaṃ / tāmasaṃ parapīḍāyai sāttvikaṃ dānamucyate //

Sattvisch ist die Askese ohne Verlangen, um der Frucht usw. willen ist sie rajasisch, tamasisch zur Schädigung anderer. Sattvisch heißt die Gabe,

Wort für Wort
tapaḥ akāmam
Askese ohne Verlangen
phala-ādi-artham
um Frucht usw. willen
para-pīḍāyai
zur Schädigung anderer
sāttvikam dānam
sattvische Gabe

deśādau caiva dātavyamupakārāya rājasaṃ / ādeśādāvavajñātaṃ tāmasaṃ dānamīritaṃ //

die am [rechten] Ort usw. zu geben ist; die um einer Gegenleistung willen [gegebene] ist rajasisch; die am unrechten Ort usw. und mit Verachtung [gegebene] Gabe heißt tamasisch.

Wort für Wort
deśa-ādau
am rechten Ort usw.
dātavyam
zu geben
upakārāya
um einer Gegenleistung willen
adeśa-ādau
am unrechten Ort usw.
avajñātam
mit Verachtung

oṃtatsaditi nirdeśo brahmaṇastrividhaḥ smṛtaḥ / yajñadānādika karma buktimuktipradaṃ nṛṇāṃ //

„Oṃ tat sat“ – so gilt die dreifache Bezeichnung des Brahman. Handlung wie Opfer, Gabe usw. gewährt den Menschen Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
oṃ tat sat
Oṃ tat sat
nirdeśaḥ
Bezeichnung
brahmaṇaḥ trividhaḥ
dreifach des Brahman
yajña-dāna-ādika karma
Handlung wie Opfer, Gabe usw.
bhukti-mukti-pradam
Genuss und Erlösung gewährend

„buktimukti-“ Tippfehler für „bhuktimukti-“.

aniṣṭamiṣṭaṃ miśrañca trividhaṃ karmaṇaḥ phalaṃ / bhavatyatyāgināṃ pretya na tu sannyāsināṃ kvacit //

Unerwünscht, erwünscht und gemischt – dreifach ist die Frucht der Handlung; sie wird den Nicht-Entsagenden nach dem Tod zuteil, den Entsagenden aber niemals.

Wort für Wort
aniṣṭam iṣṭam miśram
unerwünscht, erwünscht, gemischt
karmaṇaḥ phalam
Frucht der Handlung
atyāginām pretya
den Nicht-Entsagenden nach dem Tod
na tu sannyāsinām
nicht aber den Entsagenden

tāmasaḥ karmasaṃyogāt mohātkleśabhayādikāt / rājasaḥ sāttviko 'kāmāt pañcaite karmahetavaḥ //

Tamasisch ist [die Entsagung] aus Verblendung gegenüber der Verbindung mit Handlungen, rajasisch aus Furcht vor Mühsal usw., sattvisch aus Verlangenlosigkeit. Fünf sind diese Ursachen der Handlung:

Wort für Wort
karma-saṃyogāt mohāt
aus Verblendung gegenüber Handlungsverbindung
kleśa-bhaya-ādikāt
aus Furcht vor Mühsal usw.
akāmāt
aus Verlangenlosigkeit
pañca karma-hetavaḥ
fünf Ursachen der Handlung

Stark verkürzte Wiedergabe der Gītā-Lehre über die drei Arten der Entsagung (tyāga); Subjekt ergänzt.

adhiṣṭhānaṃ tathā kartā karaṇañca pṛthagvidham / trividhāś ca pṛthak ceṣṭā daivañcaivātra pañcamaṃ //

der Sitz [der Handlung], ebenso der Täter, das Werkzeug verschiedener Art, die dreifachen und je verschiedenen Tätigkeiten, und das Schicksal hier als fünftes.

Wort für Wort
adhiṣṭhānam
Sitz, Grundlage
kartā
Täter
karaṇam pṛthagvidham
Werkzeug verschiedener Art
ceṣṭā
Tätigkeiten
daivam pañcamam
das Schicksal als fünftes

ekaṃ jñānaṃ sāttvikaṃ syāt pṛthag jñānantu rājasaṃ / atattvārthantāmasaṃ syāt karmākāmāya sāttvikaṃ //

Einheitliche Erkenntnis ist sattvisch, gesonderte Erkenntnis rajasisch, eine nicht auf das Wahre gerichtete tamasisch. Handlung ohne Verlangen ist sattvisch,

Wort für Wort
ekam jñānam
einheitliche Erkenntnis
pṛthak jñānam
gesonderte Erkenntnis
atattva-artham
nicht auf das Wahre gerichtet
karma akāmāya
Handlung ohne Verlangen

kāmāya rājasaṃ karma mohāt karma tu tāmasaṃ / sīdhyasiddhyoḥ samaḥ kartā sāttviko rājaso 'tyapi //

Handlung um des Verlangens willen rajasisch, Handlung aus Verblendung tamasisch. Der Täter, gleich bei Gelingen und Misslingen, ist sattvisch; rajasisch ist der Übermäßige [?];

Wort für Wort
kāmāya
um des Verlangens willen
mohāt
aus Verblendung
siddhi-asiddhyoḥ samaḥ
gleich bei Gelingen und Misslingen
kartā
Täter
rājasaḥ
rajasisch

„sīdhyasiddhyoḥ“ = „siddhy-asiddhyoḥ“; „rājaso 'tyapi“ unklar, vielleicht verderbt (Gītā: rāgī karmaphalaprepsuḥ).

śaṭho 'lasastāmasaḥ syāt kāryādidhīś ca sāttvikī / kāryārthaṃ sā rājasī syādviparītā tu tāmasī //

der Falsche und Träge ist tamasisch. Die Einsicht in das zu Tuende usw. ist sattvisch; die auf den Nutzen gerichtete ist rajasisch; die verkehrte aber tamasisch.

Wort für Wort
śaṭhaḥ alasaḥ
falsch und träge
kārya-ādi-dhīḥ
Einsicht in das zu Tuende usw.
kārya-artham
auf den Nutzen gerichtet
viparītā
verkehrt
tāmasī
tamasisch

manodhṛtiḥ sāttvikī syāt prītikāmeti rājasī / tāmasī tu praśokādau mukhaṃ sattvāttadantagaṃ //

Die Festigkeit des Geistes ist sattvisch, die auf Freude und Wunsch gerichtete rajasisch, die tamasische aber [haftet] an Kummer usw. Das Glück aus Sattva ist dasjenige, das am Ende [gut] ausgeht [?];

Wort für Wort
manaḥ-dhṛtiḥ
Festigkeit des Geistes
prīti-kāmā
auf Freude und Wunsch gerichtet
praśoka-ādau
bei Kummer usw.
sukham sattvāt
Glück aus Sattva
tad-anta-gam
am Ende dahin gelangend [?]

„mukhaṃ“ = „sukhaṃ“; „tadantagaṃ“ unsicher.

sukhaṃ tadrājasañcāgre ante duḥkhantu tāmasaṃ / ataḥ pravṛttirbhūtānāṃ yena sarvamidantataṃ //

rajasisch ist das Glück, das am Anfang [Glück ist]; das am Ende Leid [bringt], ist tamasisch [?]. Von ihm stammt das Wirken der Wesen, durch den all dies ausgespannt ist;

Wort für Wort
sukham rājasam agre
rajasisches Glück am Anfang
ante duḥkham
am Ende Leid
pravṛttiḥ bhūtānām
das Wirken der Wesen
yena sarvam idam tatam
durch den all dies ausgespannt ist

Die Zuordnung rajasisch/tamasisch ist gegenüber der Gītā verkürzt und unklar.

svakarmaṇā tamabhyarcya viṣṇuṃ siddhiñca vindati / karmaṇā manasā vācā sarvāvasthāsu sarvadā //

wer ihn, Viṣṇu, durch seine eigene Pflichtarbeit verehrt, erlangt Vollendung. In Tat, Geist und Rede, in allen Lagen, jederzeit –

Wort für Wort
sva-karmaṇā
durch die eigene Pflichtarbeit
tam abhyarcya viṣṇum
ihn, Viṣṇu, verehrend
siddhim vindati
erlangt Vollendung
karmaṇā manasā vācā
in Tat, Geist, Rede
sarva-avasthāsu
in allen Lagen

brahmādistambhaparyantaṃ jagadviṣṇuñca vetti yaḥ / siddhimāpnoti bhagavadbhakto bhāgavato dhruvaṃ //

wer die Welt von Brahmā bis zum Grashalm als Viṣṇu erkennt, der dem Erhabenen Hingegebene, der Bhāgavata, erlangt gewiss Vollendung.

Wort für Wort
brahma-ādi-stamba-paryantam
von Brahmā bis zum Grashalm
jagat viṣṇum vetti
erkennt die Welt als Viṣṇu
siddhim āpnoti
erlangt Vollendung
bhagavad-bhaktaḥ
dem Erhabenen hingegeben
dhruvam
gewiss

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