Ursprungslegende Gayās: Der durch Askese übermäßig reinigende Asura Gaya gibt seinen Leib für Brahmās Opfer her und wird durch den Götterstein (die verfluchte Dharmavratā/Devavratā) und Viṣṇu als Ādigadādhara unbeweglich gemacht; sein Leib wird zum heiligen Bezirk. Anschließend Brahmās Lohn und Fluch für die Gayā-Brahmanen. Das Kolophonfeld enthält zusätzlich das Titelblatt des zweiten Bandes der Druckausgabe (Mitra, saṃvat 1933); zahlreiche Schreibfehler (V. 8, 17, 21, 28, 36).
Agni sprach: Ich will die Größe Gayās verkünden; das Tīrtha Gayā ist das allervorzüglichste. Der Asura Gaya übte Askese; von den Göttern, die durch diese Askese gequält wurden,
wurde Viṣṇu, der im Milchozean weilt, angesprochen: „Schütze uns vor dem Asura Gaya!“ Hari sagte „So sei es“ und sprach zu dem Daitya: „Nenne einen Wunsch!“
Der Daitya sprach: „Ich möchte reiner sein als alle Tīrthas.“ Viṣṇu sagte „So sei es“ und ging. Wer den Daitya gesehen hatte – ob [er] Hari [gesehen hatte] oder nicht –,
gelangte in den Himmel; die Erde wurde leer. Die Götter, Brahmā und die übrigen Himmlischen, gingen [zu Hari], und die Götter sprachen zu Hari: „Leer ist die Erde, [alles geht] in den Himmel, o Hari,
Wort für Wort
gatāḥ svarge
gelangten in den Himmel
śūnyā mahī
leer die Erde
brahma-ādayaḥ
Brahmā und die übrigen
ūcuḥ harim
sprachen zu Hari
tri-divam
den Himmel
śūnyā bhūstridivaṃ: Ellipse, wörtlich 'leer die Erde, der Himmel'.
Gayāsura sagte „So sei es“ und fiel nieder; darauf vollzog [Brahmā] auf seinem Kopf das Opfer. Als der Leib [aber] wankte, [während] der Herr die Vollspende [darbringen wollte] [?],
Wort für Wort
apatat
fiel nieder
tasya śirasi
auf seinem Kopf
yāgam cakāra
vollzog das Opfer
calite dehe
als der Leib wankte
pūrṇa-āhutim
die Vollspende
vibhuḥ
der Herr
dehi wohl für dehe; der Satz ist elliptisch bzw. verderbt. pūrṇāhuti: abschließende Vollspende ins Feuer.
sprach Brahmā wiederum zu Viṣṇu: „Zur Zeit der Vollspende hat sich der Asura bewegt.“ Da rief Viṣṇu Dharma herbei und sprach: „Den aus Göttern bestehenden Stein
dhārayadhvaṃ surāḥ sarve yasyāmupari santu te / gadādharo madīyātha mūrtiḥ sthāsyati sāmaraiḥ //
haltet [auf ihm fest]; ihr Götter alle sollt oben auf ihm sein; dann wird meine Gestalt Gadādhara [Anm.: 'Keulenträger'] mit den Unsterblichen [darauf] stehen.“
Als Dharma das gehört hatte, hielt er den vorzüglichen, aus Göttern bestehenden Stein [auf dem Asura fest]. [Dieser war] die Tochter Dharmavratā, die von Dharma und Dharmavatī geboren war.
kuśapuṣpādyaraṇyācca ānīyātiśramānvitaḥ / bhuktvā dharmavratāṃ prāha pādasaṃvāhanaṃ kuru //
Als er [einmal] Kuśa-Gras, Blumen und anderes aus dem Wald herbeigebracht hatte, sehr ermüdet, [und] gegessen hatte, sprach er zu Dharmavratā: „Massiere [mir] die Füße!“
vicintya pūjayāmāsa brahmāṇaṃ cārhaṇādibhiḥ / marīcistāmapaśyat sa śaśāpoktivyatikramāt //
Nachdem sie so überlegt hatte, verehrte sie Brahmā mit Ehrenwasser und anderem. Marīci sah sie [nicht bei sich] und verfluchte sie wegen der Übertretung seines Wortes:
ich bin schuldlos; darum wirst fürwahr du einen Fluch von Śaṅkara empfangen.“ Dharmavratā behielt den Fluch für sich und übte, inmitten von Feuern stehend,
Wort für Wort
a-doṣā aham
ich bin schuldlos
śāpam prāpsyasi
du wirst einen Fluch erlangen
śaṅkarāt
von Śaṅkara
pṛthak
gesondert, für sich
agni-madhya-gā
inmitten der Feuer stehend
dhārayitvāgrimadhyagāt: wohl dhārayitvāgnimadhyagā zu lesen.
dharmavratābravīddevān śāpannirvartayantu me devā ūcuḥ | datto marīcinā śāpo bhaviṣyati na cānyathā //
Dharmavratā sprach zu den Göttern: „Die Götter mögen meinen Fluch aufheben.“ Die Götter sprachen: „Der von Marīci gegebene Fluch wird eintreten, nicht anders.
sarvadevamayī puṇyā niś calāyārasusya hi devavratovāca | yadi tuṣṭāstha me sarve mayi tiṣṭhantu sarvadā //
aus allen Göttern bestehend, heilig, um fürwahr den Asura unbeweglich zu machen.“ Devavratā sprach: „Wenn ihr alle mir gewogen seid, so mögen auf mir immerdar weilen
Brahmā, Viṣṇu, Rudra und die übrigen [Götter] und die Göttinnen mit Gaurī und Lakṣmī an der Spitze.“ Agni sprach: Als sie das Wort der Devavratā gehört hatten, sagten sie „So sei es“ und gingen in den Himmel.
Dieser aus Göttern bestehende Stein wurde von Dharma auf diesem Asura festgehalten. [Doch] samt dem Stein bewegte sich der Daitya; darauf stellten sich Rudra und die übrigen [darauf].
Auch samt den Göttern bewegte sich der Daitya; darauf wurde [Hari] von den Göttern gnädig gestimmt, und Hari im Milchozean gab seine eigene Gestalt, den erhabenen Gadādhara.
„Geht ihr! Ich selbst werde kommen in einer für die Götter zugänglichen Gestalt.“ [So] stand der Gott Gadādhara [dort], dessen Wesen beides ist, offenbar und unoffenbar.
Um [den Asura] unbeweglich zu machen, stand der Gott selbst als Ādigadādhara [Anm.: 'Ur-Keulenträger'] da. Ein Asura namens Gada, ein Daitya, war einst von Viṣṇu getötet worden.
Wäre ich nicht allein auf Viṣṇus Wort hin unbeweglich geworden? Da ich [so] niedergedrückt worden bin, ihr Götter, müsst ihr mir einen Wunsch gewähren.“
Die Götter sprachen: „Weil du von uns zur Schaffung eines Tīrthas unbeweglich gemacht wurdest, wird [dein Leib] der heilige Bezirk Viṣṇus, Śambhus und Brahmās sein,
berühmt vor allen Tīrthas, den Vätern und anderen die Brahmā-Welt verleihend.“ Nachdem sie so gesprochen hatten, blieben die Götter [dort]; [auch] die Göttinnen, die Tīrthas und anderes blieben.
Dörfer [übergab er], nachdem er goldene Berge geschaffen hatte, Flüsse, die Milch und Honig strömen, Teiche mit Dickmilch und Butterschmalz, viele Berge aus Speise und anderem,
kāmadhenuṃ kalpataruṃ svarṇarūpyagṛhāṇi ca / na yācayantu viprendrā alpānuktvā dadau prabhuḥ //
die Wunschkuh, den Wunschbaum und Häuser aus Gold und Silber. „Die besten der Brahmanen sollen Geringe nicht um etwas bitten“ – so sprach der Herr und gab [dies].
mit Havya und Kavya [Anm.: Opferspeisen für Götter und Ahnen], mit Gaben und Śrāddhas, deren hundert Geschlechter werden aus der Hölle in die Himmelswelt und aus der Himmelswelt zum höchsten Ziel gelangen.“
Auch Gaya [Anm.: hier wohl der gleichnamige König] vollzog ein Opfer mit viel Speise und reichem Opferlohn; nach seinem Namen [heißt] die Stadt Gayā. Die Pāṇḍavas verehrten [dort] Hari mit Opfern.