Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 114: gayāmāhātmya Die Größe Gayās

Ursprungslegende Gayās: Der durch Askese übermäßig reinigende Asura Gaya gibt seinen Leib für Brahmās Opfer her und wird durch den Götterstein (die verfluchte Dharmavratā/Devavratā) und Viṣṇu als Ādigadādhara unbeweglich gemacht; sein Leib wird zum heiligen Bezirk. Anschließend Brahmās Lohn und Fluch für die Gayā-Brahmanen. Das Kolophonfeld enthält zusätzlich das Titelblatt des zweiten Bandes der Druckausgabe (Mitra, saṃvat 1933); zahlreiche Schreibfehler (V. 8, 17, 21, 28, 36).

agnir uvāca | gayāmāhātmyamākhyāsye gayātīrthottamottamaṃ / gayāsurastapastepe tattapastāpibhiḥ suraiḥ //

Agni sprach: Ich will die Größe Gayās verkünden; das Tīrtha Gayā ist das allervorzüglichste. Der Asura Gaya übte Askese; von den Göttern, die durch diese Askese gequält wurden,

Wort für Wort
gayā-māhātmyam
Größe Gayās
uttama-uttamam
allervorzüglichst
gaya-asuraḥ
der Asura Gaya
tapaḥ tepe
übte Askese
tat-tapas-tāpibhiḥ
von durch seine Askese Gequälten

uktaḥ kṣīrābdhigo viṣṇuḥ pālayāsmān gayāsurāt / tathetyuktvā harirdaityaṃ varaṃ brūhīti cābravīt //

wurde Viṣṇu, der im Milchozean weilt, angesprochen: „Schütze uns vor dem Asura Gaya!“ Hari sagte „So sei es“ und sprach zu dem Daitya: „Nenne einen Wunsch!“

Wort für Wort
uktaḥ
angesprochen
kṣīra-abdhi-gaḥ
im Milchozean weilend
pālaya asmān
schütze uns
tathā iti uktvā
'so sei es' sagend
varam brūhi
nenne einen Wunsch

daityo 'bravītpavitro 'haṃ bhaveyaṃ sarvatīrthataḥ / tathetyuktvā gato viṣṇurdaityaṃ dṛṣṭvā na vā hariṃ //

Der Daitya sprach: „Ich möchte reiner sein als alle Tīrthas.“ Viṣṇu sagte „So sei es“ und ging. Wer den Daitya gesehen hatte – ob [er] Hari [gesehen hatte] oder nicht –,

Wort für Wort
pavitraḥ aham bhaveyam
ich möchte rein sein
sarva-tīrthataḥ
mehr als alle Tīrthas
gataḥ viṣṇuḥ
Viṣṇu ging
daityam dṛṣṭvā
den Daitya gesehen habend
na vā harim
oder nicht Hari

gatāḥ śūnyā mahī svarge devā brahmādayaḥ surāḥ / gatā ūcurhariṃ devāḥ śūnyā bhūstridivaṃ hare //

gelangte in den Himmel; die Erde wurde leer. Die Götter, Brahmā und die übrigen Himmlischen, gingen [zu Hari], und die Götter sprachen zu Hari: „Leer ist die Erde, [alles geht] in den Himmel, o Hari,

Wort für Wort
gatāḥ svarge
gelangten in den Himmel
śūnyā mahī
leer die Erde
brahma-ādayaḥ
Brahmā und die übrigen
ūcuḥ harim
sprachen zu Hari
tri-divam
den Himmel

śūnyā bhūstridivaṃ: Ellipse, wörtlich 'leer die Erde, der Himmel'.

daityasya darśanādeva brahmaṇañcābravīddhariḥ / yāgārthaṃ daityadehaṃ tvaṃ prārthaya tridaśaiḥ saha //

allein durch den Anblick des Daitya.“ Da sprach Hari zu Brahmā: „Erbitte du mit den Göttern den Leib des Daitya für ein Opfer.“

Wort für Wort
darśanāt eva
allein durch den Anblick
brahmāṇam abravīt
sprach zu Brahmā
yāga-artham
für ein Opfer
daitya-deham
den Leib des Daitya
prārthaya
erbitte
tridaśaiḥ saha
mit den Göttern

tac chrutvā sasuro brahmā gayāsuramathābravīt / atithiḥ prārthayāmi tvāndehaṃ yāgāya pāvanaṃ //

Als Brahmā das gehört hatte, sprach er samt den Göttern zum Asura Gaya: „Als Gast erbitte ich von dir [deinen] reinen Leib für ein Opfer.“

Wort für Wort
sa-suraḥ
samt den Göttern
atithiḥ
als Gast
prārthayāmi
ich erbitte
deham yāgāya
den Leib für das Opfer
pāvanam
reinigend, rein

gayāsurastathetyuktvāpatattasya śirasyatha / yāgaṃ cakāra calite dehi pūrṇāhutiṃ vibhuḥ //

Gayāsura sagte „So sei es“ und fiel nieder; darauf vollzog [Brahmā] auf seinem Kopf das Opfer. Als der Leib [aber] wankte, [während] der Herr die Vollspende [darbringen wollte] [?],

Wort für Wort
apatat
fiel nieder
tasya śirasi
auf seinem Kopf
yāgam cakāra
vollzog das Opfer
calite dehe
als der Leib wankte
pūrṇa-āhutim
die Vollspende
vibhuḥ
der Herr

dehi wohl für dehe; der Satz ist elliptisch bzw. verderbt. pūrṇāhuti: abschließende Vollspende ins Feuer.

punarbrahmābravīdviṣṇuṃ pūrṇakāle 'suro 'calat / śiṣṇurdharmamathāhūya prāha devamayīṃ śilām //

sprach Brahmā wiederum zu Viṣṇu: „Zur Zeit der Vollspende hat sich der Asura bewegt.“ Da rief Viṣṇu Dharma herbei und sprach: „Den aus Göttern bestehenden Stein

Wort für Wort
punaḥ
wiederum
pūrṇa-kāle
zur Zeit der Vollspende
asuraḥ acalat
der Asura bewegte sich
dharmam āhūya
Dharma herbeirufend
deva-mayīm śilām
den aus Göttern bestehenden Stein

śiṣṇur: lies viṣṇur.

dhārayadhvaṃ surāḥ sarve yasyāmupari santu te / gadādharo madīyātha mūrtiḥ sthāsyati sāmaraiḥ //

haltet [auf ihm fest]; ihr Götter alle sollt oben auf ihm sein; dann wird meine Gestalt Gadādhara [Anm.: 'Keulenträger'] mit den Unsterblichen [darauf] stehen.“

Wort für Wort
dhārayadhvam
haltet
yasyām upari
oben auf welchem
santu te
sollen sie sein
gadā-dharaḥ
Gadādhara (Keulenträger)
madīyā mūrtiḥ
meine Gestalt
sa-amaraiḥ
mit den Unsterblichen

dharmaḥ śilāṃ devamayīṃ tac chrutvādhārayat parāṃ / yā dharmāddharmavatyāñca jātā dharmavratā sutā //

Als Dharma das gehört hatte, hielt er den vorzüglichen, aus Göttern bestehenden Stein [auf dem Asura fest]. [Dieser war] die Tochter Dharmavratā, die von Dharma und Dharmavatī geboren war.

Wort für Wort
adhārayat
hielt fest
śilām parām
den vorzüglichen Stein
dharmāt dharmavatyām
von Dharma in Dharmavatī
jātā
geboren
dharmavratā sutā
die Tochter Dharmavratā

marīcirbrahmaṇaḥ putrastāmuvāha taponvitāṃ / yathā hariḥ śriyā reme gauryā śambhus tathā tayā //

Marīci, Brahmās Sohn, heiratete sie, die voll Askese war. Wie Hari sich an Śrī erfreut und Śambhu an Gaurī, so [erfreute er sich] an ihr.

Wort für Wort
marīciḥ
Marīci
brahmaṇaḥ putraḥ
Brahmās Sohn
uvāha
heiratete
tapaḥ-anvitām
mit Askese begabt
śriyā reme
erfreute sich an Śrī

taponvitāṃ = tapo'nvitām.

kuśapuṣpādyaraṇyācca ānīyātiśramānvitaḥ / bhuktvā dharmavratāṃ prāha pādasaṃvāhanaṃ kuru //

Als er [einmal] Kuśa-Gras, Blumen und anderes aus dem Wald herbeigebracht hatte, sehr ermüdet, [und] gegessen hatte, sprach er zu Dharmavratā: „Massiere [mir] die Füße!“

Wort für Wort
kuśa-puṣpa-ādi
Kuśa-Gras, Blumen usw.
araṇyāt ānīya
aus dem Wald bringend
ati-śrama-anvitaḥ
sehr ermüdet
bhuktvā
gegessen habend
pāda-saṃvāhanam kuru
massiere die Füße

viśrāntasya muneḥ pādau tathetyuktvā priyākarot / etasminnantare brahmā munau supte tathāgataḥ //

Die Geliebte sagte „So sei es“ und tat es an den Füßen des ruhenden Muni. Währenddessen, als der Muni schlief, kam Brahmā dorthin.

Wort für Wort
viśrāntasya muneḥ
des ruhenden Muni
priyā akarot
die Geliebte tat es
etasmin antare
unterdessen
munau supte
als der Muni schlief
tathā āgataḥ
kam dorthin

dharmavratācintayañca kiṃ brahmāṇaṃ samarcaye / pādasaṃvāhanaṃ kurve brahmā pūjyo gurorguruḥ //

Und Dharmavratā überlegte: „Soll ich Brahmā verehren oder die Füße massieren? Brahmā ist zu verehren, der Lehrer [meines] Lehrers.“

Wort für Wort
acintayat
überlegte
kim samarcaye
soll ich verehren?
kurve
soll ich tun
pūjyaḥ
zu verehren
guroḥ guruḥ
Lehrer des Lehrers

vicintya pūjayāmāsa brahmāṇaṃ cārhaṇādibhiḥ / marīcistāmapaśyat sa śaśāpoktivyatikramāt //

Nachdem sie so überlegt hatte, verehrte sie Brahmā mit Ehrenwasser und anderem. Marīci sah sie [nicht bei sich] und verfluchte sie wegen der Übertretung seines Wortes:

Wort für Wort
vicintya
überlegt habend
pūjayām āsa
verehrte
arhaṇa-ādibhiḥ
mit Ehrengaben usw.
śaśāpa
verfluchte
ukti-vyatikramāt
wegen Übertretung des Wortes

śilā bhaviṣyasi krodhāddharmavratābravīcca taṃ / pādābhyaṅgaṃ parityajya tvadguruḥ pūjito mayā //

„Du wirst zu Stein werden!“ – aus Zorn. Und Dharmavratā sprach zu ihm: „Ich habe die Fußmassage aufgegeben und deinen Lehrer verehrt;

Wort für Wort
śilā bhaviṣyasi
du wirst Stein werden
krodhāt
aus Zorn
pāda-abhyaṅgam
Fußmassage
parityajya
aufgebend
tvat-guruḥ pūjitaḥ
dein Lehrer wurde verehrt

adoṣāhaṃ yatastvaṃ hi śāpaṃ prāpsyasi śaṅkarāt / dharmavratā pṛthak śāpaṃ dhārayitvāgrimadhyagāt //

ich bin schuldlos; darum wirst fürwahr du einen Fluch von Śaṅkara empfangen.“ Dharmavratā behielt den Fluch für sich und übte, inmitten von Feuern stehend,

Wort für Wort
a-doṣā aham
ich bin schuldlos
śāpam prāpsyasi
du wirst einen Fluch erlangen
śaṅkarāt
von Śaṅkara
pṛthak
gesondert, für sich
agni-madhya-gā
inmitten der Feuer stehend

dhārayitvāgrimadhyagāt: wohl dhārayitvāgnimadhyagā zu lesen.

tapaś cacāra varṣāṇāṃ sahasrāṇyayutāni ca / tato viṣṇvādayo devā varaṃ brūhīti cābruvan //

Askese Tausende und Zehntausende von Jahren. Darauf sprachen die Götter, Viṣṇu an der Spitze: „Nenne einen Wunsch!“

Wort für Wort
tapaḥ cacāra
übte Askese
varṣāṇām sahasrāṇi ayutāni
Tausende und Zehntausende Jahre
viṣṇu-ādayaḥ devāḥ
die Götter mit Viṣṇu an der Spitze
varam brūhi
nenne einen Wunsch

dharmavratābravīddevān śāpannirvartayantu me devā ūcuḥ | datto marīcinā śāpo bhaviṣyati na cānyathā //

Dharmavratā sprach zu den Göttern: „Die Götter mögen meinen Fluch aufheben.“ Die Götter sprachen: „Der von Marīci gegebene Fluch wird eintreten, nicht anders.

Wort für Wort
śāpam nirvartayantu
mögen den Fluch aufheben
dattaḥ marīcinā
von Marīci gegeben
bhaviṣyati
wird eintreten
na ca anyathā
nicht anders

śilā pavitrā devāṅghrilakṣitā tvaṃ bhaviṣyasi / devavratā devaśilā sarvadevādirūpiṇī //

Du wirst ein reiner Stein sein, gezeichnet von den Füßen der Götter, Devavratā, ein Götterstein, der die Gestalt aller Götter usw. trägt,

Wort für Wort
śilā pavitrā
reiner Stein
deva-aṅghri-lakṣitā
von Götterfüßen gezeichnet
deva-śilā
Götterstein
sarva-deva-ādi-rūpiṇī
Gestalt aller Götter usw. habend

Hier und im Folgenden heißt sie Devavratā statt Dharmavratā.

sarvadevamayī puṇyā niś calāyārasusya hi devavratovāca | yadi tuṣṭāstha me sarve mayi tiṣṭhantu sarvadā //

aus allen Göttern bestehend, heilig, um fürwahr den Asura unbeweglich zu machen.“ Devavratā sprach: „Wenn ihr alle mir gewogen seid, so mögen auf mir immerdar weilen

Wort für Wort
sarva-deva-mayī
aus allen Göttern bestehend
niścalāya asurasya
zur Unbeweglichkeit des Asura
yadi tuṣṭāḥ stha
wenn ihr zufrieden seid
mayi tiṣṭhantu
mögen auf mir weilen
sarvadā
immerdar

niś calāyārasusya verderbt; lies niścalāyāsurasya.

brahmā viṣṇuś ca rudrādyā gaurīlakṣmīmukhāḥ surāḥ agnir uvāca | devavratāvacaḥ śrutvā tathetyuktvā divaṅgatāḥ //

Brahmā, Viṣṇu, Rudra und die übrigen [Götter] und die Göttinnen mit Gaurī und Lakṣmī an der Spitze.“ Agni sprach: Als sie das Wort der Devavratā gehört hatten, sagten sie „So sei es“ und gingen in den Himmel.

Wort für Wort
rudra-ādyāḥ
Rudra und die übrigen
gaurī-lakṣmī-mukhāḥ
mit Gaurī und Lakṣmī an der Spitze
devavratā-vacaḥ
das Wort der Devavratā
divam gatāḥ
gingen in den Himmel

sā dharmaṇāsurasyāsya dhṛtā devamayī śilā / saśilaś calito daityaḥ sthitā rudrādayastataḥ //

Dieser aus Göttern bestehende Stein wurde von Dharma auf diesem Asura festgehalten. [Doch] samt dem Stein bewegte sich der Daitya; darauf stellten sich Rudra und die übrigen [darauf].

Wort für Wort
dharmaṇā
von Dharma
dhṛtā
festgehalten
sa-śilaḥ
samt dem Stein
calitaḥ
bewegte sich
sthitāḥ rudra-ādayaḥ
Rudra usw. stellten sich

sadevaś calito daityastato devaiḥ prasāditaḥ / kṣīrābdhigo hariḥ prādāt svamūrtiṃ śrīgadādharaṃ //

Auch samt den Göttern bewegte sich der Daitya; darauf wurde [Hari] von den Göttern gnädig gestimmt, und Hari im Milchozean gab seine eigene Gestalt, den erhabenen Gadādhara.

Wort für Wort
sa-devaḥ
samt den Göttern
prasāditaḥ
gnädig gestimmt
prādāt
gab
sva-mūrtim
seine eigene Gestalt
śrī-gadādharam
den erhabenen Gadādhara

gacchantu bhoḥ svayaṃ yāsyaṃ mūrtyā vai devagamyayā / sthito gadādharo devo vyaktāvyaktobhayātmakaḥ //

„Geht ihr! Ich selbst werde kommen in einer für die Götter zugänglichen Gestalt.“ [So] stand der Gott Gadādhara [dort], dessen Wesen beides ist, offenbar und unoffenbar.

Wort für Wort
gacchantu bhoḥ
geht, ihr
svayam yāsye
ich selbst werde gehen
deva-gamyayā mūrtyā
in götterzugänglicher Gestalt
vyakta-avyakta-ubhaya-ātmakaḥ
offenbar und unoffenbar zugleich

yāsyaṃ = yāsye.

niś calārthaṃ svayaṃ devaḥ sthita ādigadādharaḥ / gado nāmāsuro daityaḥ sa hato viṣṇunā purā //

Um [den Asura] unbeweglich zu machen, stand der Gott selbst als Ādigadādhara [Anm.: 'Ur-Keulenträger'] da. Ein Asura namens Gada, ein Daitya, war einst von Viṣṇu getötet worden.

Wort für Wort
niścala-artham
zur Unbeweglichmachung
ādi-gadādharaḥ
Ur-Keulenträger
gadaḥ nāma asuraḥ
ein Asura namens Gada
hataḥ viṣṇunā
von Viṣṇu getötet
purā
einst

tadasthinirmitā cādyā gadā yā viśvakarmaṇā / ādyayā gadayā hetipramukhā rākṣasā hatāḥ //

Aus seinen Knochen wurde von Viśvakarman die erste Keule gefertigt. Mit [dieser] ersten Keule wurden die Rākṣasas mit Heti an der Spitze

Wort für Wort
tat-asthi-nirmitā
aus dessen Knochen gefertigt
ādyā gadā
die erste Keule
viśvakarmaṇā
von Viśvakarman
heti-pramukhāḥ
mit Heti an der Spitze
rākṣasāḥ hatāḥ
Rākṣasas getötet

gadādhareṇa vidhivat tasmādādigadhādharaḥ / devamayyāṃ śilāyāṃ ca sthite cādigadādhare //

von Gadādhara nach Gebühr getötet; daher [heißt er] Ādigadādhara. Und als auf dem aus Göttern bestehenden Stein Ādigadādhara stand,

Wort für Wort
gadādhareṇa
von Gadādhara
vidhivat
nach Gebühr
tasmāt
daher
deva-mayyām śilāyām
auf dem Götterstein
sthite
als er stand

ādigadhādharaḥ: lies ādigadādharaḥ.

gayāsure niś caleya brahmā pūrṇāhutiṃ dadau / gayāsuro 'bravīddevān kimarthaṃ vañcito hy ahaṃ //

[und] Gayāsura unbeweglich wurde, brachte Brahmā die Vollspende dar. Gayāsura sprach zu den Göttern: „Weshalb bin ich betrogen worden?

Wort für Wort
niścale
unbeweglich geworden
pūrṇa-āhutim dadau
gab die Vollspende
kim-artham
weshalb
vañcitaḥ
betrogen

niś caleya: wohl niścale 'bhūt o.ä.

viṣṇorvacanamātreṇa kinnasyānniś calohyahaṃ / ākrānto yadyahaṃ devā dātumarhata me varaṃ //

Wäre ich nicht allein auf Viṣṇus Wort hin unbeweglich geworden? Da ich [so] niedergedrückt worden bin, ihr Götter, müsst ihr mir einen Wunsch gewähren.“

Wort für Wort
viṣṇoḥ vacana-mātreṇa
durch bloßes Wort Viṣṇus
kim na syām niścalaḥ
wäre ich nicht unbeweglich?
ākrāntaḥ
niedergedrückt, bestiegen
dātum arhata
ihr müsst geben
me varam
mir einen Wunsch

devā ūcuḥ | tīrthasya karaṇe yat tvamasmābhir niś calīkṛtaḥ / viṣṇoḥ śambhorbrahmaṇaś ca kṣetraṃ tava bhaviṣyati //

Die Götter sprachen: „Weil du von uns zur Schaffung eines Tīrthas unbeweglich gemacht wurdest, wird [dein Leib] der heilige Bezirk Viṣṇus, Śambhus und Brahmās sein,

Wort für Wort
tīrthasya karaṇe
zur Schaffung eines Tīrthas
niścalī-kṛtaḥ
unbeweglich gemacht
kṣetram
heiliger Bezirk
tava bhaviṣyati
wird dein sein

prasiddhaṃ sarvatīrthebhyaḥ pitrāderbrahmalokadaṃ / ityuktvā te sthitā devā devyastīrthādayaḥ sthitāḥ //

berühmt vor allen Tīrthas, den Vätern und anderen die Brahmā-Welt verleihend.“ Nachdem sie so gesprochen hatten, blieben die Götter [dort]; [auch] die Göttinnen, die Tīrthas und anderes blieben.

Wort für Wort
prasiddham
berühmt
sarva-tīrthebhyaḥ
vor allen Tīrthas
pitṛ-ādeḥ
den Vätern usw.
brahma-loka-dam
die Brahmā-Welt gebend
sthitāḥ
blieben

yāgaṃ kṛtvā dadau brahmā ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ tadā / pañcakrośaṃ gayākṣetraṃ pañcāśat pañca cārpayet //

Nachdem Brahmā das Opfer vollzogen hatte, gab er damals den Opferpriestern den Opferlohn: Das fünf Krośa [große] Gayā-Gebiet und fünfundfünfzig

Wort für Wort
yāgam kṛtvā
das Opfer vollzogen habend
ṛtvigbhyaḥ
den Opferpriestern
dakṣiṇām
den Opferlohn
pañca-krośam
fünf Krośa groß
pañcāśat pañca
fünfundfünfzig
arpayet
übergab

Gegenstand zu pañcāśat pañca ergibt sich aus V. 34 (grāmān, Dörfer).

grāmān svarṇagirīn kṛtvā nadīrdugdhamadhuśravāḥ / sarovarāṇi dadhyājyair bahūnannādiparvatān //

Dörfer [übergab er], nachdem er goldene Berge geschaffen hatte, Flüsse, die Milch und Honig strömen, Teiche mit Dickmilch und Butterschmalz, viele Berge aus Speise und anderem,

Wort für Wort
grāmān
Dörfer
svarṇa-girīn
goldene Berge
dugdha-madhu-sravāḥ
Milch und Honig strömend
sarovarāṇi dadhi-ājyaiḥ
Teiche mit Dickmilch und Ghee
anna-ādi-parvatān
Berge aus Speise usw.

dugdhamadhuśravāḥ = dugdhamadhusravāḥ.

kāmadhenuṃ kalpataruṃ svarṇarūpyagṛhāṇi ca / na yācayantu viprendrā alpānuktvā dadau prabhuḥ //

die Wunschkuh, den Wunschbaum und Häuser aus Gold und Silber. „Die besten der Brahmanen sollen Geringe nicht um etwas bitten“ – so sprach der Herr und gab [dies].

Wort für Wort
kāma-dhenum
die Wunschkuh
kalpa-tarum
den Wunschbaum
svarṇa-rūpya-gṛhāṇi
Häuser aus Gold und Silber
na yācayantu
sollen nicht bitten
alpān
Geringe
dadau prabhuḥ
der Herr gab

alpānuktvā: alpān uktvā; Sinn unsicher.

dharmayāge pralobhāttu pratigṛhya dhanādikaṃ / sthitā yadā gayāyānte śaptāte brahmaṇā tadā //

Als sie aber aus Gier beim Opfer des Dharma Reichtum und anderes angenommen hatten und [dann] in Gayā verweilten, da wurden sie von Brahmā verflucht:

Wort für Wort
dharma-yāge
beim Opfer des Dharma
pralobhāt
aus Gier
pratigṛhya
angenommen habend
dhana-ādikam
Reichtum usw.
śaptāḥ
verflucht

gayāyānte wohl gayāyāṃ te; śaptāte = śaptās te.

vidyāvivarjitā yūyaṃ tṛṣṇāyuktā bhaviṣyatha / dugdhādivarjitā nadyaḥ śailāḥ pāṣāṇarūpiṇaḥ //

„Ihr werdet ohne Wissen und voller Gier sein; die Flüsse [werden] ohne Milch usw., die Berge [bloß] aus Stein bestehen.“

Wort für Wort
vidyā-vivarjitāḥ
ohne Wissen
tṛṣṇā-yuktāḥ
voller Gier
dugdha-ādi-varjitāḥ
ohne Milch usw.
pāṣāṇa-rūpiṇaḥ
aus Stein bestehend

brahmāṇaṃ brāhmaṇaścocur naṣṭaṃ śāpena śākhilaṃ / jīvanāya prasādannaḥ kuru viprāṃś ca so 'bravīt //

Die Brahmanen sprachen zu Brahmā: „Durch den Fluch ist alles verloren; sei uns gnädig, damit wir leben können.“ Und er sprach zu den Brahmanen:

Wort für Wort
naṣṭam
verloren
śāpena
durch den Fluch
akhilam
alles
jīvanāya
zum Lebensunterhalt
prasādam naḥ kuru
sei uns gnädig

śākhilaṃ: lies sakhilam bzw. cākhilam ('alles').

tīrthopajīvikā yūyaṃ sacandrārkaṃ bhaviṣyatha / ye yuṣmān pūjayiṣyanti gayāyāmāgatā narāḥ //

„Ihr werdet, solange Mond und Sonne bestehen, vom Tīrtha leben. Die Menschen, die nach Gayā kommen und euch verehren

Wort für Wort
tīrtha-upajīvikāḥ
vom Tīrtha lebend
sa-candra-arkam
solange Mond und Sonne bestehen
pūjayiṣyanti
werden verehren
gayāyām āgatāḥ
nach Gayā gekommen

havyakavyair dhanaiḥ śraddhaisteṣāṃ kulaśataṃ vrajet / narakāt svargalokāya svargalokāt parāṅgatiṃ //

mit Havya und Kavya [Anm.: Opferspeisen für Götter und Ahnen], mit Gaben und Śrāddhas, deren hundert Geschlechter werden aus der Hölle in die Himmelswelt und aus der Himmelswelt zum höchsten Ziel gelangen.“

Wort für Wort
havya-kavyaiḥ
mit Götter- und Ahnenspeisen
dhanaiḥ
mit Reichtümern
kula-śatam
hundert Geschlechter
narakāt
aus der Hölle
parām gatim
zum höchsten Ziel

śraddhais: lies śrāddhais.

gayopi cākarodyāgaṃ bahvannaṃ bahudakṣiṇaṃ / gayā purī tena nāmnā pāṇḍavā ījire hariṃ //

Auch Gaya [Anm.: hier wohl der gleichnamige König] vollzog ein Opfer mit viel Speise und reichem Opferlohn; nach seinem Namen [heißt] die Stadt Gayā. Die Pāṇḍavas verehrten [dort] Hari mit Opfern.

Wort für Wort
gayaḥ api
auch Gaya
bahu-annam
mit viel Speise
bahu-dakṣiṇam
mit reichem Opferlohn
tena nāmnā
nach diesem Namen
ījire harim
verehrten Hari mit Opfern

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