Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 170: prāyaścittāni Sühnehandlungen

Fortsetzung der Sühnelehre: Behandlung des Umgangs mit Gefallenen, Verstoßung und Wiederaufnahme eines Gefallenen, Sühnen für Vergehen gegen Brahmanen, für Verunreinigung durch Caṇḍālas, durch Tierbisse, Körperausscheidungen, Berührung Menstruierender, sowie für die Wiederaufnahme Verschleppter und Abgefallener. Das Kapitel schließt mit einem Halbvers (46). Die Digitalisierung weist viele Schreibfehler auf (z.B. prāśyeyuḥ, carekṣacchram, rathyārkaddama).

puṣkara uvāca | mahāpāpānuyuktānāṃ prāyaścittāni vacmite / saṃvatsareṇa patati patitena sahācaran //

Puṣkara sprach: Ich nenne dir die Sühnen für diejenigen, die mit Hauptsündern verbunden sind. Wer mit einem Gefallenen Umgang pflegt, fällt nach einem Jahr (selbst),

Wort für Wort
mahāpāpa-anuyuktānām
der mit Hauptsündern Verbundenen
prāyaścittāni vacmi te
die Sühnen nenne ich dir
saṃvatsareṇa patati
nach einem Jahr fällt er
patitena saha ācaran
mit einem Gefallenen umgehend

vacmite für vacmi te.

yājanāddhyāpanādyaunānna tu yānāśanāsanāt / yo yena patitenaiṣāṃ saṃsargaṃ yāti mānavaḥ //

durch Opferdienst, Unterricht und Eheverbindung, nicht aber durch (gemeinsames) Fahren, Essen und Sitzen [Anm.: gemeint wohl: durch die ersten drei fällt man sofort, durch die letzten erst nach einem Jahr]. Welcher Mensch mit welchem dieser Gefallenen in Verbindung tritt,

Wort für Wort
yājanāt
durch Opfern (für ihn)
adhyāpanāt
durch Unterrichten
yaunāt
durch Eheverbindung
na tu yāna-aśana-āsanāt
nicht aber durch Fahren, Essen, Sitzen
saṃsargaṃ yāti
tritt in Verbindung

yaunāt ‚durch Ehe- bzw. Blutsverbindung‘.

sa tasyaiva vrataṃ kuryāttatsaṃsargasya śuddhaye / patitasyodakaṃ kāryaṃ sapiṇḍair bāndhavaiḥ saha //

der übe eben dessen Gelübde zur Reinigung von dieser Verbindung. Für den Gefallenen ist die Wasserspende (wie für einen Toten) zu vollziehen, von den Sapiṇḍas zusammen mit den Verwandten,

Wort für Wort
sa tasya eva vratam kuryāt
er übe eben dessen Gelübde
tat-saṃsargasya śuddhaye
zur Reinigung von dieser Verbindung
patitasya udakam kāryam
dem Gefallenen ist Wasser zu spenden
sapiṇḍaiḥ bāndhavaiḥ saha
von Sapiṇḍas mit Verwandten

nindite 'hani sāyāhṇe jñātyṛtvig gurusannidhau / dāso ghaṭamapāṃ pūrṇaṃ paryasyet pretavatpadā //

an einem unglückverheißenden Tag am Abend, in Gegenwart der Verwandten, der Opferpriester und des Lehrers: Ein Diener soll einen mit Wasser gefüllten Krug mit dem Fuß umstoßen wie für einen Toten.

Wort für Wort
nindite ahani
an einem getadelten Tag
sāyāhne
am Abend
jñāti-ṛtvij-guru-sannidhau
vor Verwandten, Priestern, Lehrer
dāsaḥ
ein Diener
ghaṭam apāṃ pūrṇam
einen wassergefüllten Krug
paryasyet pretavat padā
stoße um mit dem Fuß wie für einen Toten

ahorātramupāsītannaśaucaṃ bāndhavaiḥ saha / nivartayeraṃstasmāttu jyeṣṭhāṃśambhāṣaṇādike //

Einen Tag und eine Nacht sollen sie mit den Verwandten die Unreinheit einhalten. Von da an sollen sie ihn ausschließen von Erstgeborenenanteil, Gespräch und dergleichen.

Wort für Wort
ahorātram
Tag und Nacht
upāsīran aśaucam
sie sollen Unreinheit halten
nivartayeran
sie sollen ausschließen
jyeṣṭha-aṃśa
Erstgeborenenanteil
sambhāṣaṇa-ādike
bei Gespräch usw.

upāsītann aśaucam für upāsīrann aśaucam.

jyeṣṭhāṃśamprāpnuyāccāsya yavīyān guṇato 'dhikaḥ / prāyaścitte tu carite pūrṇaṃ kumbhamapāṃ navaṃ //

Seinen Erstgeborenenanteil soll ein jüngerer (Bruder) erhalten, der an Vorzügen überlegen ist. Ist aber die Sühne vollzogen, so sollen sie einen neuen, mit Wasser gefüllten Krug

Wort für Wort
jyeṣṭha-aṃśam prāpnuyāt
den Erstgeborenenanteil erhalte
yavīyān
der Jüngere
guṇataḥ adhikaḥ
an Vorzügen überlegen
prāyaścitte carite
wenn die Sühne vollzogen ist
pūrṇaṃ kumbham apāṃ navam
einen neuen vollen Wasserkrug

tenaiva sārdhaṃ prāśyeyuḥ snātvā puṇyajalāśaye / evameva vidhiṃ kuryuryoṣitsu papitāsvapi //

zusammen mit ihm (in das Wasser) werfen, nachdem sie in einem heiligen Gewässer gebadet haben. Ebenso sollen sie auch bei gefallenen Frauen verfahren.

Wort für Wort
tena eva sārdham
zusammen mit ihm
prāsyeyuḥ
sie sollen werfen
snātvā puṇya-jalāśaye
im heiligen Gewässer gebadet
evam eva vidhim kuryuḥ
ebenso sollen sie verfahren
yoṣitsu patitāsu
bei gefallenen Frauen

prāśyeyuḥ (‚sie sollen essen‘) ist wohl für prāsyeyuḥ (‚sie sollen werfen‘) verschrieben; papitāsu für patitāsu.

vastrānnapānandeyantu vaseyuś ca gṛhāntike / teṣāṃ dvijānāṃ sāvitrī nānūdyeta yathāvidhi //

Kleidung, Speise und Trank sind (den gefallenen Frauen) zu geben, und sie sollen nahe beim Haus wohnen. Diejenigen Zweimalgeborenen, denen die Sāvitrī nicht vorschriftsgemäß vorgesprochen worden ist,

Wort für Wort
vastra-anna-pānam deyam
Kleid, Speise, Trank sind zu geben
vaseyuḥ gṛha-antike
sie sollen nahe beim Haus wohnen
sāvitrī
die Sāvitrī-Strophe
na anūcyeta
wurde nicht vorgesprochen
yathāvidhi
vorschriftsgemäß

nānūdyeta für nānūcyeta (bzw. ‚nicht nachgesprochen‘).

tāṃścārayitvā trīn kṛchrān yathāvidhyupanāyayet / vikarmasthāḥ parityaktāsteṣāṃ mapyetadādiśet //

die lasse man drei Kṛcchras üben und weihe sie dann vorschriftsgemäß ein. Auch für die Verstoßenen, die in verbotenen Tätigkeiten stehen, ordne man dies an.

Wort für Wort
cārayitvā trīn kṛcchrān
drei Kṛcchras üben lassend
upanāyayet
er weihe ein
vikarma-sthāḥ
in verbotenem Tun Stehende
parityaktāḥ
Verstoßene
etad ādiśet
dies ordne er an

mapy für apy.

japitvā trīṇi sāvitryāḥ sahastrāṇi samāhitaḥ / māsaṅgoṣṭhe payaḥ pītvā mucyate 'satpratigrahāt //

Wer gesammelt dreitausend Sāvitrīs murmelt und einen Monat lang im Kuhstall Milch trinkt, wird von (der Schuld) unrechtmäßigen Gabenempfangs befreit.

Wort für Wort
japitvā
gemurmelt habend
trīṇi sāvitryāḥ sahasrāṇi
dreitausend Sāvitrīs
māsam goṣṭhe payaḥ pītvā
einen Monat im Kuhstall Milch trinkend
mucyate
wird befreit
asat-pratigrahāt
vom unrechten Gabenempfang

sahastrāṇi für sahasrāṇi.

brātyānāṃ yājanaṃ kṛtvā pareṣāmantyakarma ca / abhicāramahīnānāntribhiḥ kṛcchair vyapohati //

Wer für Vrātyas (die ohne Weihe Gebliebenen) geopfert, für Fremde die Totenriten vollzogen und einen Schadzauber oder ein Ahīna-Opfer [?] verrichtet hat, tilgt (dies) durch drei Kṛcchras.

Wort für Wort
vrātyānām yājanam
Opfern für Vrātyas
pareṣām antya-karma
Totenriten für Fremde
abhicāram
Schadzauber
ahīna
Ahīna-Opfer [?]
tribhiḥ kṛcchraiḥ vyapohati
durch drei Kṛcchras tilgt er

abhicāram ahīnānām ist unklar; vermutlich für abhicāram ahīnaṃ ca (Schadzauber und mehrtägiges Ahīna-Opfer).

śaraṇāgataṃ parityajya vedaṃ viplāvya ca dvijaḥ / saṃvatsaṃ yatāhārastatpāpamapasedhati //

Hat ein Zweimalgeborener einen Schutzsuchenden im Stich gelassen oder den Veda (unbefugt) verbreitet, so tilgt er diese Sünde, indem er ein Jahr lang maßvoll isst.

Wort für Wort
śaraṇa-āgatam parityajya
einen Schutzsuchenden verlassend
vedam viplāvya
den Veda preisgebend
saṃvatsaram
ein Jahr
yata-āhāraḥ
maßvoll essend
apasedhati
vertreibt er

saṃvatsam für saṃvatsaram.

śvaśṛgālakharair daṣṭo grāmyaiḥ kravyādbhireva ca / naroṣṭrāśvair varāhaiś ca prāṇāyāmena śuddhyati //

Wer von Hund, Schakal oder Esel, von Dorftieren oder Fleischfressern, von Mensch, Kamel, Pferd oder Eber gebissen worden ist, wird durch Atemzügelung rein.

Wort für Wort
śva-śṛgāla-kharaiḥ
von Hund, Schakal, Esel
daṣṭaḥ
gebissen
grāmyaiḥ kravyādbhiḥ
von Dorftieren, Fleischfressern
nara-uṣṭra-aśvaiḥ varāhaiḥ
von Mensch, Kamel, Pferd, Eber
prāṇāyāmena śuddhyati
durch Atemzügelung wird er rein

snātakavratalope ca karmatyāge hy abhojanaṃ / huṅkāraṃ brāhmaṇasyoktvā tvaṅkarañca garīyasaḥ //

Bei Verletzung der Gelübde des Snātaka und beim Unterlassen (vorgeschriebener) Handlungen: Fasten. Hat er zu einem Brahmanen ‚Huṃ!‘ gesagt oder einen Höherstehenden mit ‚du‘ angeredet,

Wort für Wort
snātaka-vrata-lope
bei Verletzung der Snātaka-Gelübde
karma-tyāge
beim Unterlassen der Handlungen
abhojanam
Fasten
huṅkāram
den Laut ‚huṃ‘
tvaṅkāram garīyasaḥ
das Duzen eines Höheren

snātvānaśnannahaḥśeṣamabhivādya prasādayet / avagūrya carekṣacchramatikṛcchrannipātane //

so bade er, faste den Rest des Tages, grüße (ihn) ehrerbietig und stimme (ihn) gnädig. Hat er (einen Brahmanen) bedroht, übe er ein Kṛcchra, hat er ihn niedergeschlagen, ein Atikṛcchra.

Wort für Wort
snātvā anaśnan
badend, nicht essend
ahaḥ-śeṣam
den Rest des Tages
abhivādya prasādayet
grüßend stimme er gnädig
avagūrya
gedroht habend
atikṛcchram nipātane
Atikṛcchra beim Niederschlagen

carekṣacchram für caret kṛcchram.

kṛcchrātikṛcchraṃ kurvīta viprasyotpādya śoṇitaṃ / cāṇḍālādiravijñāto yasya tiṣṭheta veśmani //

Ein Kṛcchrātikṛcchra übe, wer einem Brahmanen Blut vergossen hat. In wessen Haus ein Caṇḍāla oder dergleichen unerkannt wohnt,

Wort für Wort
kṛcchra-atikṛcchram
die Kṛcchrātikṛcchra-Buße
viprasya utpādya śoṇitam
einem Brahmanen Blut vergossen
cāṇḍāla-ādiḥ
ein Caṇḍāla usw.
avijñātaḥ
unerkannt
tiṣṭheta veśmani
im Haus weilt

samyag jñātastu kālena tasya kurvīta śodhanaṃ / cāndrāyaṇaṃ parākaṃ vā dvijānāntu viśodhanaṃ //

der soll, wenn es mit der Zeit sicher erkannt ist, eine Reinigung vornehmen: Cāndrāyaṇa oder Parāka ist die Reinigung für die Zweimalgeborenen,

Wort für Wort
samyak jñātaḥ
sicher erkannt
kālena
mit der Zeit
śodhanam kurvīta
er nehme eine Reinigung vor
cāndrāyaṇam parākam vā
Mondgelübde oder Parāka
dvijānām viśodhanam
Reinigung der Zweimalgeborenen

prājāpatyantu śūdrāṇāṃ śeṣantadanusārataḥ / guṃḍaṅkusumbhaṃ lavaṇaṃ tathā dhānyāni yāni ca //

das Prājāpatya für die Śūdras; das Übrige entsprechend. Rohzucker, Saflor, Salz und die Getreidearten, die (im Haus sind),

Wort für Wort
prājāpatyam śūdrāṇām
Prājāpatya für die Śūdras
śeṣam tad-anusārataḥ
das Übrige entsprechend
guḍam kusumbham lavaṇam
Rohzucker, Saflor, Salz
dhānyāni
Getreide

guṃḍaṅ für guḍaṃ.

kṛtvā gṛhe tato dvāri teṣāndadyāddhutāśanaṃ / mṛṇamayānāntu bhāṇḍānāṃ tyāga eva vidhīyate //

soll er an die Tür des Hauses bringen und ihnen dann Feuer geben; für die irdenen Gefäße ist das Wegwerfen vorgeschrieben.

Wort für Wort
kṛtvā gṛhe dvāri
an die Haustür bringend
dadyāt hutāśanam
gebe er Feuer
mṛnmayānām bhāṇḍānām
der irdenen Gefäße
tyāgaḥ eva vidhīyate
nur das Wegwerfen ist vorgeschrieben

dravyāṇāṃ pariśeṣāṇāṃ dravyaśuddhirvidhīyate / kūpaikapānasaktā ye sparśātsaṅkalpadūṣitāḥ //

Für die übrigen Gegenstände ist die (jeweils zuständige) Stoffreinigung vorgeschrieben. Diejenigen, die aus demselben Brunnen trinken und durch Berührung und Vermischung befleckt sind [?],

Wort für Wort
dravyāṇām pariśeṣāṇām
der übrigen Gegenstände
dravya-śuddhiḥ
Stoffreinigung
kūpa-eka-pāna-saktāḥ
die aus einem Brunnen trinken
sparśāt
durch Berührung
dūṣitāḥ
befleckt

saṅkalpadūṣitāḥ (‚durch Vorstellung befleckt‘) ist wohl verderbt, vgl. saṅkala in Vers 22; übersetzt als ‚durch Vermischung‘ [?].

śuddhyeyurupavāsena pañcagavyena vāpyatha / yastu saṃspṛśya caṇḍālamaśnīyācca svakāmataḥ //

werden durch Fasten oder auch durch Pañcagavya rein. Wer aber einen Caṇḍāla berührt hat und nach Belieben isst,

Wort für Wort
śuddhyeyuḥ
sie werden rein
upavāsena
durch Fasten
pañcagavyena
durch die fünf Kuhprodukte
saṃspṛśya caṇḍālam
einen Caṇḍāla berührt
aśnīyāt sva-kāmataḥ
isst nach Belieben

dvijaścāndrāyaṇaṃ kuryāttaptakṛcchramathāpi vā / bhāṇḍasaṅkalasaṅkīrṇaścāṇḍālādijugupsitaiḥ //

der Zweimalgeborene soll das Cāndrāyaṇa oder auch das Taptakṛcchra üben. Wer durch gemeinsamen Gebrauch der Gefäße mit verabscheuten Caṇḍālas und dergleichen vermischt ist

Wort für Wort
cāndrāyaṇam kuryāt
übe das Mondgelübde
tapta-kṛcchram
die Heiß-Buße
bhāṇḍa-saṅkara-saṅkīrṇaḥ
durch Gefäßvermischung verunreinigt
cāṇḍāla-ādi-jugupsitaiḥ
mit den verabscheuten Caṇḍālas usw.

bhāṇḍasaṅkalasaṅkīrṇaḥ: saṅkala wohl für saṅkara (‚Vermischung‘).

bhuktvāpītvā tathā teṣāṃ ṣaḍrātreṇa viśuddhyati / antyānāṃ bhuktaśeṣantu bhakṣayitvā dvijātayaḥ //

und bei ihnen gegessen und getrunken hat, wird in sechs Nächten rein. Haben Zweimalgeborene den Speiserest der Niedrigsten gegessen,

Wort für Wort
bhuktvā pītvā
gegessen, getrunken
ṣaḍ-rātreṇa viśuddhyati
wird in sechs Nächten rein
antyānām
der Niedrigsten
bhukta-śeṣam
Speiserest
bhakṣayitvā dvijātayaḥ
die Zweimalgeborenen, gegessen habend

vrataṃ cāndrāyaṇaṃ kuryustrirātraṃ śūdra eva tu / caṇḍālakūpabhāṇḍeṣu ajñānātpivate jalaṃ //

so sollen sie das Cāndrāyaṇa-Gelübde üben, der Śūdra aber drei Nächte (Fasten). Wer unwissentlich aus Brunnen oder Gefäßen der Caṇḍālas Wasser trinkt,

Wort für Wort
vratam cāndrāyaṇam
Mondgelübde
trirātram śūdraḥ
der Śūdra drei Nächte
caṇḍāla-kūpa-bhāṇḍeṣu
aus Brunnen, Gefäßen der Caṇḍālas
ajñānāt
unwissentlich
pibate jalam
trinkt Wasser

dvijaḥ śāntapanaṃ kuryācchūdraścopavaseddinaṃ / caṇḍālena tu saṃspṛṣṭo yastvapaḥ pivate dvijaḥ //

(ist er) ein Zweimalgeborener, so übe er das Sāntapana, der Śūdra faste einen Tag. Ein Zweimalgeborener aber, der Wasser trinkt, während er von einem Caṇḍāla berührt ist,

Wort für Wort
dvijaḥ śāntapanam kuryāt
der Zweimalgeborene übe Sāntapana
śūdraḥ upavaset dinam
der Śūdra faste einen Tag
caṇḍālena saṃspṛṣṭaḥ
von einem Caṇḍāla berührt
apaḥ pibate
trinkt Wasser

trirātrantena kartavyaṃ śūdraścopavaseddinaṃ / ucchiṣṭena yadi spṛṣṭaḥ śunā śūdreṇa vā dvijaḥ //

der muss drei Nächte (fasten), der Śūdra faste einen Tag. Wird ein Zweimalgeborener von einem unreinen Hund oder Śūdra berührt,

Wort für Wort
trirātram tena kartavyam
drei Nächte hat er zu vollziehen
ucchiṣṭena
von einem Unreinen
spṛṣṭaḥ
berührt
śunā śūdreṇa vā
von Hund oder Śūdra

ucchiṣṭena: ‚von einem (durch Speisereste) Unreinen‘; kann sich auch auf den Zustand des Berührten beziehen.

upoṣya rajanīmekāṃ pañcagavyena śuddhyati / vaiśyena kṣatriyeṇaiva snānaṃ naktaṃ samācaret //

so fastet er eine Nacht und wird durch Pañcagavya rein; (ist er) von einem Vaiśya oder Kṣatriya (berührt), so nehme er nachts ein Bad.

Wort für Wort
upoṣya rajanīm ekām
eine Nacht fastend
pañcagavyena śuddhyati
durch Pañcagavya wird er rein
vaiśyena kṣatriyeṇa
von Vaiśya, Kṣatriya
snānam naktam
Bad in der Nacht

adhvānaṃ prasthito vipraḥ kāntāre yadyanūdake / pakvānnena gṛhītena mūtroccāraṅkaroti vai //

Wenn ein Brahmane, der sich auf die Reise gemacht hat, in einer wasserlosen Wildnis mit gekochter Speise in der Hand Harn oder Kot ausscheidet,

Wort für Wort
adhvānam prasthitaḥ
auf Reisen gegangen
kāntāre anūdake
in wasserloser Wildnis
pakva-annena gṛhītena
mit gehaltener gekochter Speise
mūtra-uccāram karoti
Harn und Kot ausscheidet

anidhāyaiva taddravyaṃ aṅge kṛtvā tu saṃsthitaṃ / śaucaṃ kṛtvānnamabhyukṣya arkasyāgneyaś ca darśayet //

so soll er diese Sache nicht absetzen, sondern am Körper halten, die Reinigung vollziehen, die Speise besprengen und sie der Sonne und dem Feuer zeigen.

Wort für Wort
anidhāya eva tad dravyam
ohne diese Sache abzusetzen
aṅge kṛtvā
am Körper haltend
śaucam kṛtvā
Reinigung vollzogen
annam abhyukṣya
die Speise besprengend
arkasya agneḥ darśayet
zeige sie Sonne und Feuer

arkasyāgneyaś ca ist verderbt, wohl für arkasyāgneś ca.

mlecchair gatānāṃ caurair vā kāntāre vā pravāsināṃ / bhakṣyābhakṣyaviśuddhyarthaṃ teṣāṃ vakṣyāmi niṣkṛtiṃ //

Für diejenigen, die von Mlecchas oder Räubern (fortgeführt) wurden oder in der Wildnis in der Fremde weilten, will ich zur Reinigung von Erlaubtem und Unerlaubtem (, das sie gegessen haben,) die Sühne nennen.

Wort für Wort
mlecchaiḥ gatānām caurair vā
der von Barbaren oder Räubern Weggeführten
kāntāre pravāsinām
der in der Wildnis Verweilenden
bhakṣya-abhakṣya-viśuddhy-artham
zur Reinigung von Erlaubtem und Unerlaubtem
vakṣyāmi niṣkṛtim
ich werde die Sühne nennen

punaḥ prāpya svadeśañca varṇānāmanupūrvaśaḥ / kṛcchrasyānte brāhmaṇastu punaḥ saṃskāramarhati //

Haben sie ihr Land wiedererlangt, so gilt nach der Reihenfolge der Kasten: Der Brahmane verdient am Ende eines Kṛcchra erneut die Weihe,

Wort für Wort
punaḥ prāpya sva-deśam
das eigene Land wiedererlangt
varṇānām anupūrvaśaḥ
der Kasten der Reihe nach
kṛcchrasya ante
am Ende eines Kṛcchra
punaḥ saṃskāram arhati
verdient erneut die Weihe

pādonānte kṣatriyaś ca ardhānte vaiśya eva ca / pādaṃ kṛtvā tathā śūdro dānaṃ datvā viśuddhyati //

der Kṣatriya am Ende eines um ein Viertel verminderten, der Vaiśya am Ende eines halben; der Śūdra wird rein, wenn er ein Viertel geübt und eine Gabe gegeben hat.

Wort für Wort
pāda-ūna-ante
nach einem um ein Viertel verminderten
ardha-ante
nach einem halben
pādam kṛtvā
ein Viertel geübt
dānam dattvā
eine Gabe gegeben
viśuddhyati
wird rein

udakyā tu savarṇā yā spṛṣṭā cet syādudakyayā / tasminnevāhani snātā śuddhimāpnotyasaṃśayaṃ //

Eine menstruierende Frau aber, die von einer Menstruierenden gleicher Kaste berührt worden ist, erlangt zweifellos Reinheit, wenn sie am selben Tag badet.

Wort für Wort
udakyā
die Menstruierende
savarṇā
gleicher Kaste
spṛṣṭā udakyayā
von einer Menstruierenden berührt
tasmin eva ahani snātā
am selben Tag gebadet
śuddhim āpnoti
erlangt Reinheit

rajasvalā tu nāśnīyāt saṃspṛṣṭā hīnavarṇayā / yāvanna śuddhimāpnoti śuddhasnānena śuddhyati //

Eine Menstruierende aber, die von einer (Menstruierenden) niedrigerer Kaste berührt worden ist, soll nicht essen, bis sie rein wird; durch das Reinigungsbad wird sie rein.

Wort für Wort
rajasvalā
die Menstruierende
na aśnīyāt
sie esse nicht
hīna-varṇayā
von einer niedrigerer Kaste
yāvat na śuddhim āpnoti
bis sie nicht rein wird
śuddha-snānena
durch das Reinigungsbad

mūtraṃ kṛtvā vrajanvartma smṛtibhraṃśājjalaṃ pivet / ahorātroṣito bhūtvā pañcagavyena śuddhyati //

Wer, nachdem er Harn gelassen hat, unterwegs aus Vergesslichkeit Wasser trinkt, wird rein, wenn er einen Tag und eine Nacht gefastet hat, durch Pañcagavya.

Wort für Wort
mūtram kṛtvā
Harn gelassen
vrajan vartma
auf dem Weg gehend
smṛti-bhraṃśāt
aus Vergesslichkeit
ahorātra-uṣitaḥ
Tag und Nacht gefastet
pañcagavyena śuddhyati
durch Pañcagavya wird er rein

mūtroccāraṃ dvijaḥ kṛtvā akṛtvā śaucamātmanaḥ / mohādbhuktvā trirātrantu yavān pītvā viśuddhyati //

Hat ein Zweimalgeborener Harn oder Kot gelassen und, ohne sich zu reinigen, aus Verblendung gegessen, so wird er rein, indem er drei Nächte lang Gerste(nbrei) trinkt.

Wort für Wort
mūtra-uccāram kṛtvā
Harn und Kot gelassen
akṛtvā śaucam ātmanaḥ
ohne sich zu reinigen
mohāt bhuktvā
aus Verblendung gegessen
trirātram yavān pītvā
drei Nächte Gerste trinkend

ye pratyavasitā viprāḥ pravrajyādibalāttathā / anāśakanivṛtāś ca teṣāṃ śuddhiḥ pracakṣyate //

Für die Brahmanen, die vom Wanderasketentum und dergleichen – auch unter Zwang – abgefallen sind, und für die, die vom Fasten bis zum Tod abgelassen haben, wird die Reinigung gelehrt:

Wort für Wort
pratyavasitāḥ viprāḥ
abgefallene Brahmanen
pravrajyā-ādi
Wanderasketentum usw.
anāśaka-nivṛttāḥ
vom Todesfasten abgelassen
teṣām śuddhiḥ
ihre Reinigung
pracakṣyate
wird gelehrt

pravrajyādibalāt ist schwer konstruierbar; übersetzt als ‚vom Wanderasketentum usw., auch unter Zwang‘ [?].

cārayettrīṇi kṛcchrāṇi cāndrāyaṇamathāpi vā / jātakarmādisaṃskāraiḥ saṃskuryāttaṃ tathā punaḥ //

Man lasse ihn drei Kṛcchras oder das Cāndrāyaṇa üben und weihe ihn dann erneut mit den Sakramenten, die mit dem Geburtsritus beginnen.

Wort für Wort
cārayet trīṇi kṛcchrāṇi
lasse drei Kṛcchras üben
cāndrāyaṇam
Mondgelübde
jātakarma-ādi-saṃskāraiḥ
mit den Weihen ab dem Geburtsritus
saṃskuryāt punaḥ
weihe erneut

upānahamamedhyaṃ ca yasya saṃspṛśate mukhaṃ / mṛttikāgomayau tatra pañcagavyañca śodhanaṃ //

Wem ein Schuh oder etwas Unreines den Mund berührt, für den sind Erde und Kuhdung sowie das Pañcagavya die Reinigung.

Wort für Wort
upānaham
einen Schuh
amedhyam
etwas Unreines
saṃspṛśate mukham
berührt den Mund
mṛttikā-gomayau
Erde und Kuhdung
śodhanam
Reinigung

vāpanaṃ vikrayañcaiva nīlavastrādidhāraṇaṃ / tapanīyaṃ hi viprasya tribhiḥ kṛchrair viśuddhyati //

Anbau, Verkauf und das Tragen von Indigo-Gewändern und dergleichen ist für einen Brahmanen eine Verfehlung, die Buße erfordert; durch drei Kṛcchras wird er rein.

Wort für Wort
vāpanam
Anbau
vikrayam
Verkauf
nīla-vastra-ādi-dhāraṇam
Tragen blauer Gewänder usw.
tapanīyam
zu büßen
tribhiḥ kṛcchraiḥ viśuddhyati
durch drei Kṛcchras wird er rein

vāpanam hier als ‚Säen, Anbauen‘ (von Indigo) verstanden; die Beziehung auf nīla ergibt sich aus dem Zusammenhang [?].

antyajātiśvapākena saṃspṛṣṭā strī rajasvalā / caturthe 'hani śuddhā sā trirātraṃ tatra ācaret //

Eine menstruierende Frau, die von einem Angehörigen der niedrigsten Kasten oder einem Śvapāka berührt worden ist, ist am vierten Tag rein; sie übe dabei (ein Fasten von) drei Nächten.

Wort für Wort
antya-jāti-śvapākena
von Niedrigstgeborenem oder Hundekocher
saṃspṛṣṭā
berührt
strī rajasvalā
die menstruierende Frau
caturthe ahani śuddhā
am vierten Tag rein
trirātram ācaret
drei Nächte übe sie

cāṇḍālaśvapacau spṛṣṭvā tathā pūyañca sūtikāṃ / śavaṃ tatsparśinaṃ spṛṣṭvā sadyaḥ snānena śuddhyati //

Wer einen Caṇḍāla oder Śvapaca, ebenso Eiter, eine Wöchnerin, einen Leichnam oder jemanden, der diesen berührt hat, berührt, wird durch ein sofortiges Bad rein.

Wort für Wort
cāṇḍāla-śvapacau spṛṣṭvā
Caṇḍāla und Hundekocher berührt
pūyam
Eiter
sūtikām
die Wöchnerin
śavam tat-sparśinam
Leichnam und dessen Berührer
sadyaḥ snānena
durch sofortiges Bad

nāraṃ spṛṣṭvāsthi sasnehaṃ snātvā vipro viśuddhyati / rathyārkaddamatoyena adhīnābhermṛdodakaiḥ //

Hat ein Brahmane einen menschlichen Knochen berührt, an dem noch Fett ist, so wird er durch Baden rein. (Bei Bespritzung) mit Wasser aus Straßenschlamm unterhalb des Nabels (reinige er sich) mit Erde und Wasser.

Wort für Wort
nāram asthi
menschlichen Knochen
sa-sneham
mit Fett
snātvā viśuddhyati
durch Baden wird er rein
rathyā-kardama-toyena
mit Straßenschlammwasser
adhaḥ nābheḥ
unterhalb des Nabels
mṛd-udakaiḥ
mit Erde und Wasser

rathyārkaddamatoyena für rathyākardamatoyena; adhīnābheḥ für adho nābheḥ.

vānto viviktaḥ snātvā tu ghṛtaṃ prāśya viśuddhyati / snānāt kṣurakarmakartā kṛcchrakṛdgrahaṇe 'nnabhuk //

Wer erbrochen oder abgeführt hat, wird rein, indem er badet und Schmelzbutter zu sich nimmt; wer sich hat scheren lassen, durch ein Bad; wer während einer Finsternis Speise gegessen hat, übe ein Kṛcchra.

Wort für Wort
vāntaḥ
wer erbrochen hat
viriktaḥ
wer abgeführt hat
ghṛtam prāśya
Schmelzbutter essend
kṣura-karma-kartā
wer sich scheren ließ
grahaṇe anna-bhuk
wer bei Finsternis aß
kṛcchra-kṛt
übe ein Kṛcchra

viviktaḥ wohl für viriktaḥ (‚abgeführt‘).

apāṅkteyāśī gavyāśī śunā daṣṭas tathā śuciḥ / kṛmidaṣṭaścātmaghātī kṛcchrājjapyācca homataḥ //

Wer mit Unwürdigen gegessen hat, wer Kuhprodukte (unrechtmäßig) gegessen hat [?], wer von einem Hund gebissen wurde, ebenso ein Unreiner, wer von Würmern gebissen wurde und wer Hand an sich gelegt hat – (sie werden rein) durch Kṛcchra, Murmeln und Feueropfer.

Wort für Wort
apāṅkteya-āśī
wer mit Unwürdigen aß
gavya-āśī
wer Kuhprodukte aß [?]
śunā daṣṭaḥ
vom Hund gebissen
kṛmi-daṣṭaḥ
von Würmern gebissen
ātma-ghātī
wer Hand an sich legte
kṛcchrāt japyāt homataḥ
durch Kṛcchra, Murmeln, Opfer

gavyāśī ist im Zusammenhang unklar [?]; śuciḥ wohl für aśuciḥ.

homādyaiścānutāpena pūyante pāpino 'khilāḥ //46 //

Durch Feueropfer und dergleichen und durch Reue werden alle Sünder geläutert.

Wort für Wort
homa-ādyaiḥ
durch Feueropfer usw.
anutāpena
durch Reue
pūyante
werden geläutert
pāpinaḥ akhilāḥ
alle Sünder

Nur ein Halbvers; die Versnummer ist im Digitalisat doppelt angegeben.

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