Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 158: srāvādyaśaucam Die Unreinheit bei Fehlgeburt und Verwandtes

Puṣkara setzt die Lehre von der Unreinheit fort: Fristen nach Fehlgeburt, beim Tod von Kindern je nach Alter und Stand, Abstufungen nach Gelehrsamkeit, Verwandtschaftsgrade (Sapiṇḍa, Samānodaka, Gotra), Sonderfälle (Selbstmord, Tod in der Fremde, Seuche), die Verbrennung mit Totensprüchen, die Zahl der Totenklöße sowie das Zusammentreffen mehrerer Unreinheiten. Zahlreiche Verschreibungen der Digitalisierung (u.a. 6 naiśilkī, 22 āvivihād, 51 tibhir, 69 ninivarteta) und einige schwer deutbare Zahlenangaben (1–5, 7, 12) sind in den Anmerkungen vermerkt; der verderbte Spruch in 55 ist konjiziert.

puṣkara uvāca | srāvāśaucaṃ pravakṣyāmi manvādimunisammataṃ / rātribhirmāsatulyābhirgarbhasrāve tryaheṇa yā //

Puṣkara sprach: Ich will die Unreinheit bei einem Abgang (srāva) verkünden, wie sie von Manu und den anderen Weisen gebilligt ist. Bei einem Abgang der Leibesfrucht [erfolgt die Reinigung] durch so viele Nächte, wie Monate [verstrichen sind]; [für die Frau,] die nach drei Tagen [?]

Wort für Wort
puṣkaraḥ uvāca
Puṣkara sprach
srāva-āśaucam
Unreinheit beim Abgang
manu-ādi-muni-sammatam
von Manu und anderen Weisen gebilligt
rātribhiḥ māsa-tulyābhiḥ
durch Nächte gleich den Monaten
garbha-srāve
beim Abgang der Leibesfrucht
tri-ahena
nach drei Tagen

tryaheṇa yā: Bezug unklar.

cāturmāsikapātānte daśāhaṃ pañcamāsataḥ / rājanye ca catūrātraṃ vaiśye pañcāhameva ca //

nach einem Abgang bis zum Ende des vierten Monats [?]; vom fünften Monat an zehn Tage; beim Kṣatriya vier Nächte und beim Vaiśya fünf Tage,

Wort für Wort
cāturmāsika-pāta-ante
nach einem Abgang im vierten Monat
daśa-aham
zehn Tage
pañca-māsataḥ
vom fünften Monat an
rājanye
beim Kṣatriya
catur-rātram
vier Nächte
vaiśye pañca-aham
beim Vaiśya fünf Tage

catūrātraṃ für caturātraṃ.

aṣṭāhena tu śūdrasya dvādaśāhādataḥ paraṃ / strīṇāṃ viśuddhiruditā snānamātreṇa vai pituḥ //

beim Śūdra aber acht Tage, danach [?] zwölf Tage. So ist die Reinigung der Frauen gelehrt; für den Vater [genügt] allein ein Bad.

Wort für Wort
aṣṭa-ahena
nach acht Tagen
śūdrasya
des Śūdra
dvādaśa-ahāt
nach zwölf Tagen
strīṇām viśuddhiḥ
Reinigung der Frauen
snāna-mātreṇa
durch bloßes Bad
pituḥ
des Vaters

na snānaṃ hi sapiṇḍe syāttrirātraṃ saptamāṣṭayoḥ / sadyaḥ śaucaṃ sapiṇḍānāmādantajananāttathā //

Für die Sapiṇḍas ist [dabei] nicht einmal ein Bad [nötig]; im siebten und achten [Monat] drei Nächte. Ebenso gilt für die Sapiṇḍas sofortige Reinheit [beim Tod eines Kindes] bis zum Zahndurchbruch;

Wort für Wort
na snānam
kein Bad
sapiṇḍe
beim Sapiṇḍa
tri-rātram
drei Nächte
saptama-aṣṭayoḥ
im siebten und achten
sadyaḥ śaucam
sofortige Reinheit
ā-danta-jananāt
bis zum Zahndurchbruch

ācūḍādekarātraṃ syādāvratācca trirātrakaṃ / daśarātraṃ bhavedasmānmātāpitrostrirātrakaṃ //

bis zur Tonsur eine Nacht, bis zur Einweihung drei Nächte, danach zehn Nächte; für Mutter und Vater drei Nächte [?].

Wort für Wort
ā-cūḍāt
bis zur Tonsur
eka-rātram
eine Nacht
ā-vratāt
bis zur Einweihung
daśa-rātram
zehn Nächte
asmāt
danach
mātā-pitroḥ
für Mutter und Vater

Die Angabe für die Eltern ist unklar.

ajātadante tu mṛte kṛtacūḍe 'rbhake tathā / prete nyūne tribhirvarṣair mṛte śuddhistu naiśilkī //

Stirbt ein [Kind], das noch keine Zähne hat, oder ebenso ein Knabe mit vollzogener Tonsur, stirbt ein Kind unter drei Jahren, so erfolgt die Reinigung nach einer Nacht.

Wort für Wort
ajāta-dante
beim Zahnlosen
kṛta-cūḍe arbhake
beim Knaben mit Tonsur
nyūne tribhiḥ varṣaiḥ
unter drei Jahren
mṛte
gestorben
naiśikī
nach einer Nacht

naiśilkī verschrieben für naiśikī.

dvyaheṇa kṣatriye śuddhistribhirvaiśye mṛte tathā / śuddhiḥ śūdre pañcabhiḥ syāt prāgvivāhad dviṣaṭtvahaḥ //

Beim Kṣatriya erfolgt die Reinigung nach zwei Tagen, beim Vaiśya nach drei, wenn [ein solches Kind] gestorben ist; beim Śūdra erfolgt die Reinigung nach fünf; vor der Heirat aber zweimal sechs [?] Tage.

Wort für Wort
dvi-ahena
nach zwei Tagen
kṣatriye
beim Kṣatriya
tribhiḥ vaiśye
beim Vaiśya nach drei
pañcabhiḥ
nach fünf
prāk vivāhāt
vor der Heirat

dviṣaṭ unklar (zwölf oder zwei bis sechs).

yatra trirātraṃ viprāṇāmaśaucaṃ sampradṛśyate / tatra śūdre dvādaśāhaḥ ṣaṇṇava kṣatravaiśayyoḥ //

Wo für Brahmanen eine Unreinheit von drei Nächten vorgesehen ist, da [gelten] für den Śūdra zwölf Tage, für Kṣatriya und Vaiśya sechs bzw. neun.

Wort für Wort
yatra
wo
tri-rātram viprāṇām
drei Nächte für Brahmanen
sampradṛśyate
vorgesehen ist
dvādaśa-ahaḥ
zwölf Tage
ṣaṭ nava
sechs, neun
kṣatra-vaiśyayoḥ
für Kṣatriya und Vaiśya

dvyabde naivāgnisaṃskāro mṛte tannikhaned bhuvi / na codakakriyā tasya nāmni cāpi kṛte sati //

Stirbt ein Zweijähriger, so gibt es keine Feuerbestattung; man soll ihn in der Erde begraben. Auch keine Wasserspende gibt es für ihn, selbst wenn die Namengebung vollzogen ist.

Wort für Wort
dvi-abde
beim Zweijährigen
na agni-saṃskāraḥ
keine Feuerbestattung
nikhanet bhuvi
soll in der Erde begraben
na udaka-kriyā
keine Wasserspende
nāmni kṛte sati
auch wenn der Name gegeben ist

jātadantasya vā kāryā syādupanayanāddaśa / ekāhācchuddhyate vipro yo 'gnivedasamanvitaḥ //

Oder [die Wasserspende] ist für einen, der Zähne hat, zu vollziehen; von der Einweihung an [gelten] zehn [Tage]. Ein Brahmane, der die Feuer [unterhält] und den Veda [beherrscht], wird in einem Tag rein;

Wort für Wort
jāta-dantasya
für einen, der Zähne hat
kāryā
ist zu vollziehen
upanayanāt daśa
von der Einweihung an zehn
eka-ahāt
nach einem Tag
agni-veda-samanvitaḥ
mit Feuern und Veda versehen

hīne hīnatare caiva tryahaś caturahas tathā / pañcāhenāgnihīnastu daśāhādbrāhmaṇavruvaḥ //

ein geringerer und noch geringerer in drei bzw. vier Tagen; einer ohne Feuer in fünf Tagen, ein bloß dem Namen nach Brahmane in zehn Tagen.

Wort für Wort
hīne hīnatare
beim Geringeren und noch Geringeren
tri-ahaḥ catur-ahaḥ
drei Tage, vier Tage
agni-hīnaḥ
ohne Feuer
pañca-ahena
nach fünf Tagen
brāhmaṇa-bruvaḥ
Brahmane nur dem Namen nach

kṣatriyo navasaptāhacchuddhyedvipro guṇair yutaḥ / daśāhāt saguṇo vaiśyo viṃśāhācchūdra eva ca //

Der Kṣatriya wird in neun oder sieben Tagen rein, [ebenso] ein Brahmane mit Vorzügen [?]; ein Vaiśya mit Vorzügen in zehn Tagen und der Śūdra in zwanzig Tagen.

Wort für Wort
kṣatriyaḥ
der Kṣatriya
nava-sapta-ahāt
nach neun oder sieben Tagen
guṇaiḥ yutaḥ
mit Vorzügen versehen
sa-guṇaḥ vaiśyaḥ
ein Vaiśya mit Vorzügen
viṃśa-ahāt
nach zwanzig Tagen

vipro guṇair yutaḥ im Zusammenhang schwer verständlich.

daśāhācchuddhyate vipro dvādaśāhena bhūmipaḥ / vaiśyaḥ pañcadaśāhena śūdro māsena śuddhyati //

Der Brahmane wird in zehn Tagen rein, der Fürst in zwölf Tagen, der Vaiśya in fünfzehn Tagen, der Śūdra wird in einem Monat rein.

Wort für Wort
daśa-ahāt
nach zehn Tagen
vipraḥ
der Brahmane
bhūmipaḥ
der Fürst
pañcadaśa-ahena
nach fünfzehn Tagen
māsena
nach einem Monat

Wiederholt die Regel von 157.16.

guṇotkarṣe daśāhāptau tryahamekāhakaṃ tryahe / ekāhāptau sadyaḥ śaucaṃ sarvatraivaṃ samūhayet //

Bei Überlegenheit an Vorzügen [gilt]: wo zehn Tage zukämen, drei Tage; bei drei Tagen ein Tag; wo ein Tag zukäme, sofortige Reinheit. So soll man es überall erschließen.

Wort für Wort
guṇa-utkarṣe
bei Überlegenheit an Vorzügen
daśa-aha-āptau
wo zehn Tage zukämen
tri-aham eka-ahakam
drei Tage, ein Tag
sadyaḥ śaucam
sofortige Reinheit
samūhayet
soll erschließen

dāsāntevāsibhṛtakāḥ śiṣyāś caivātra vāsinaḥ / svāmitulyamaśaucaṃ syānmṛte pṛthak pṛthagbhavet //

Für Sklaven, im Haus lebende Schüler, Lohnarbeiter und die hier wohnenden Schüler gilt eine Unreinheit gleich der des Herrn; stirbt [einer von ihnen], so [gilt sie] für jeden gesondert.

Wort für Wort
dāsa-antevāsi-bhṛtakāḥ
Sklaven, Hausschüler, Lohnarbeiter
śiṣyāḥ
Schüler
svāmi-tulyam
gleich dem Herrn
mṛte
wenn einer stirbt
pṛthak pṛthak
jeweils gesondert

maraṇādeva kartavyaṃ saṃyogo yasya nāgnibhiḥ / dāhādūrdhvamaśaucaṃ syādyasya vaitāniko vidhiḥ //

Wer keine Verbindung mit den [heiligen] Feuern hat, für den ist [die Unreinheit] vom Tod an zu rechnen; für wen die Vorschrift der drei Śrauta-Feuer (vaitānika) gilt, für den beginnt die Unreinheit nach der Verbrennung.

Wort für Wort
maraṇāt eva
vom Tod an
saṃyogaḥ agnibhiḥ
Verbindung mit den Feuern
dāhāt ūrdhvam
nach der Verbrennung
vaitānikaḥ vidhiḥ
Vorschrift der Śrauta-Feuer

sarveṣāmeva varṇānāntribhāgāt sparśanambhavet / tricatuḥpañcadaśabhiḥ spṛśyavarṇāḥ krameṇa tu //

Für alle Stände ist nach einem Drittel [der Frist] die Berührung [wieder erlaubt]; nach drei, vier, fünf bzw. zehn [Tagen] sind die Stände der Reihe nach berührbar.

Wort für Wort
sarveṣām varṇānām
für alle Stände
tri-bhāgāt
nach einem Drittel
sparśanam
Berührung
tri-catuḥ-pañca-daśabhiḥ
nach drei, vier, fünf, zehn
spṛśya-varṇāḥ
berührbare Stände
krameṇa
der Reihe nach

caturthe pañcame caiva saptame navame tathā / asthisañcayanaṃ kāryaṃ varṇānāmanupūrvaśaḥ //

Am vierten, fünften, siebten und neunten [Tag] ist das Sammeln der Knochen bei den Ständen der Reihe nach zu vollziehen.

Wort für Wort
caturthe pañcame
am vierten, fünften
saptame navame
am siebten, neunten
asthi-sañcayanam
Sammeln der Knochen
anupūrvaśaḥ
der Reihe nach

ahastvadattakanyāsu pradattāsu tryahaṃ bhavet / pakṣiṇī saṃskṛtāsveva svasrādiṣu vidhīyate //

Bei Töchtern, die noch nicht versprochen sind, [gilt] ein Tag; bei versprochenen drei Tage; bei verheirateten Schwestern und dergleichen ist ein Tag mit zwei Nächten (pakṣiṇī) vorgeschrieben.

Wort für Wort
ahaḥ
ein Tag
adatta-kanyāsu
bei nicht versprochenen Töchtern
pradattāsu
bei versprochenen
pakṣiṇī
ein Tag mit zwei Nächten
saṃskṛtāsu
bei verheirateten
svasṛ-ādiṣu
bei Schwestern usw.

pitṛgotraṃ kumārīṇāṃ vyūḍhānāṃ bhartṛgotratā / jalapradānaṃ pitre ca udvāhe cobhayatra tu //

Das Geschlecht (gotra) unverheirateter Mädchen ist das des Vaters, das der verheirateten das des Gatten; die Wasserspende für den Vater und bei der Heirat [erfolgt] auf beiden Seiten.

Wort für Wort
pitṛ-gotram
Geschlecht des Vaters
kumārīṇām
der Mädchen
vyūḍhānām
der Verheirateten
bhartṛ-gotratā
Zugehörigkeit zum Geschlecht des Gatten
jala-pradānam
Wasserspende
ubhayatra
auf beiden Seiten

daśāhopari pitroś ca duhiturmaraṇe tryahaṃ / sadyaḥ śaucaṃ sapiṇḍānāṃ pūrvaṃ cūḍākṛterdvija //

Über zehn Tage [hinaus] für die Eltern; beim Tod einer Tochter drei Tage; sofortige Reinheit der Sapiṇḍas vor der Tonsur, o Zweimalgeborener.

Wort für Wort
daśa-aha-upari
über zehn Tage
pitroḥ
für die Eltern
duhituḥ maraṇe
beim Tod einer Tochter
sapiṇḍānām
der Sapiṇḍas
pūrvam cūḍā-kṛteḥ
vor der Tonsur

ekāhato hy āvivihādūrdhvaṃ hastodakāt tryahaṃ / pakṣiṇī bhrātṛputrasya sapiṇḍānāṃ ca sadyataḥ //

Bis zur Heirat nämlich ein Tag, nach dem Handwasser (hastodaka) [der Verlobung] drei Tage; für den Sohn eines Bruders ein Tag mit zwei Nächten, für die Sapiṇḍas sofort.

Wort für Wort
eka-ahataḥ
ein Tag
ā-vivāhāt
bis zur Heirat
hasta-udakāt ūrdhvam
nach dem Handwasser
pakṣiṇī
ein Tag mit zwei Nächten
bhrātṛ-putrasya
des Bruderssohnes

āvivihād verschrieben für āvivāhād.

daśāhācchuddhyate vipro janmahānau svayoniṣu / ṣadbhistribhirahaikena kṣatraviṭśūdrayoniṣu //

Ein Brahmane wird bei Geburt oder Tod in [Familien] seines eigenen Standes nach zehn Tagen rein; nach sechs, drei und einem Tag bei [Verwandten] aus Kṣatriya-, Vaiśya- und Śūdra-Schoß.

Wort für Wort
daśa-ahāt
nach zehn Tagen
janma-hānau
bei Geburt und Tod
sva-yoniṣu
im eigenen Stand
ṣaḍbhiḥ tribhiḥ ekena
nach sechs, drei, einem
kṣatra-viṭ-śūdra-yoniṣu
bei Kṣatriya-, Vaiśya-, Śūdra-Schoß

etajjñeyaṃ sapiṇḍānāṃ vakṣye cānaurasādiṣu / anauraseṣu putreṣu bhāryāsvanyagatāsu ca //

Dies ist für die Sapiṇḍas zu wissen; ich will nun über die nicht leiblichen [Söhne] und dergleichen sprechen. Bei nicht leiblichen Söhnen, bei Gattinnen, die zu einem anderen gegangen sind,

Wort für Wort
etat jñeyam
dies ist zu wissen
sapiṇḍānām
für die Sapiṇḍas
an-aurasa-ādiṣu
über die nicht leiblichen usw.
putreṣu
bei Söhnen
bhāryāsu anya-gatāsu
bei zu anderen gegangenen Gattinnen

parapūrvāsu ca strīṣu trirātrācchuddhiriṣyate / vṛthāsaṅkarajātānāṃ pravrajyāsu ca tiṣṭhatāṃ //

und bei Frauen, die zuvor einem anderen gehörten, wird die Reinigung nach drei Nächten angesetzt. Für die aus unrechtmäßiger Vermischung Geborenen, für die in der Hauslosigkeit Verharrenden

Wort für Wort
para-pūrvāsu
bei zuvor einem anderen gehörenden
tri-rātrāt
nach drei Nächten
vṛthā-saṅkara-jātānām
der aus unrechtmäßiger Vermischung Geborenen
pravrajyāsu tiṣṭhatām
der in der Hauslosigkeit Verharrenden

ātmanastyāgināñcaiva nivartetodakakriyā / mātraikayā dvipitarau bhratarāvanyagāminau //

und für die, welche sich selbst aufgeben (Selbstmörder), entfällt die Wasserspende. Bei zwei Brüdern von einer Mutter und zwei Vätern, die [je] zu anderen [Vätern] gehören,

Wort für Wort
ātmanaḥ tyāginām
der sich selbst Aufgebenden
nivarteta
entfällt
udaka-kriyā
Wasserspende
mātrā ekayā
mit einer Mutter
dvi-pitarau
mit zwei Vätern
bhrātarau
zwei Brüder

ekāhaḥ sūtake tatra mṛtake tu dvyaho bhavet / sapiṇḍānāmaśaucaṃ hi samānodakatāṃ vade //

gilt dabei bei Geburtsunreinheit ein Tag, bei Todesunreinheit aber zwei Tage. [So ist] die Unreinheit der Sapiṇḍas; nun sage ich [dir] die Gemeinschaft der Wasserspende (samānodaka).

Wort für Wort
eka-ahaḥ
ein Tag
sūtake
bei Geburtsunreinheit
mṛtake
bei Todesunreinheit
dvi-ahaḥ
zwei Tage
samāna-udakatām
Gemeinschaft der Wasserspende

vade wohl für vakṣye.

bāle deśāntarasthe ca pṛthakpiṇḍe ca saṃsthite / savāsā jalamāplutya sadya eva viśuddhyati //

Ist ein Kind, einer, der sich in einem anderen Land aufhält, oder einer mit gesondertem Kloßopfer gestorben, so wird man sofort rein, indem man mitsamt dem Gewand im Wasser untertaucht.

Wort für Wort
bāle
beim Kind
deśa-antara-sthe
beim in einem anderen Land Weilenden
pṛthak-piṇḍe
beim mit gesondertem Kloß
saṃsthite
gestorben
sa-vāsāḥ
mitsamt Gewand
jalam āplutya
im Wasser untertauchend

daśāhena sapiṇḍāstu śuddhyanti pretasūtake / trirātreṇa sukulyāstu snānāt śuddhyanti gotriṇaḥ //

Die Sapiṇḍas werden bei Tod und Geburt nach zehn Tagen rein, die Angehörigen des Geschlechts (kulya) nach drei Nächten, die Gotra-Genossen durch ein Bad.

Wort für Wort
sapiṇḍāḥ
die Sapiṇḍas
preta-sūtake
bei Tod und Geburt
tri-rātreṇa
nach drei Nächten
su-kulyāḥ
die Geschlechtsangehörigen
snānāt
durch ein Bad
gotriṇaḥ
die Gotra-Genossen

sapiṇḍatā tu puruṣe saptame vinivartate / samānodakabhāvastu nivartetācaturdaśāt //

Die Sapiṇḍa-Verwandtschaft endet mit dem siebten Glied, die Gemeinschaft der Wasserspende endet mit dem vierzehnten,

Wort für Wort
sapiṇḍatā
Sapiṇḍa-Verwandtschaft
puruṣe saptame
mit dem siebten Glied
vinivartate
endet
samāna-udaka-bhāvaḥ
Gemeinschaft der Wasserspende
ā-caturdaśāt
bis zum vierzehnten

janmanāmasmṛte vaitat tatparaṃ gotramucyate / vigatantu videśasthaṃ śṛṇuyādyo hy anirdaśaṃ //

oder wenn Geburt und Name nicht mehr erinnert werden; was darüber hinausgeht, heißt Gotra. Wer hört, dass einer in der Fremde verschieden ist, bevor zehn [Tage] verstrichen sind,

Wort für Wort
janma-nāma-asmṛte
wenn Geburt und Name nicht erinnert werden
tat-param
darüber hinaus
gotram ucyate
heißt Gotra
vigatam
verschieden
videśa-stham
in der Fremde weilend
a-nirdaśam
vor Ablauf der zehn [Tage]

yaccheṣaṃ daśarātrasya tāvadevāśucirbhavet / atikrānte daśāhe tu trirātramaśucirbhavet //

ist so lange unrein, wie von den zehn Nächten übrig ist; sind die zehn Tage aber verstrichen, ist er drei Nächte unrein.

Wort für Wort
yat śeṣam
was übrig ist
tāvat eva
nur so lange
aśuciḥ
unrein
atikrānte daśa-ahe
wenn die zehn Tage verstrichen sind
tri-rātram
drei Nächte

Entspricht 157.13.

saṃvatsare vyatīte tu spṛṣṭvaivāpo viśuddhyati / mātule pakṣiṇo rātriḥ śiṣyatvigbāndhaveṣu ca //

Ist ein Jahr verstrichen, wird er rein, indem er bloß Wasser berührt. Beim Oheim mütterlicherseits [gilt] ein Tag mit zwei Nächten, ebenso bei Schüler, Opferpriester und Verwandten.

Wort für Wort
saṃvatsare vyatīte
wenn ein Jahr verstrichen ist
spṛṣṭvā eva apaḥ
bloß Wasser berührend
mātule
beim Oheim mütterlicherseits
pakṣiṇī rātriḥ
ein Tag mit zwei Nächten
śiṣya-ṛtvik-bāndhaveṣu
bei Schüler, Priester, Verwandten

mṛṭe jāmātari prete daihitre bhaginīsute / śyālake tatsute caiva snānamātraṃ vidhīyate //

Stirbt ein Schwiegersohn, ein Tochtersohn, ein Schwestersohn, ein Schwager (Bruder der Gattin) oder dessen Sohn, so ist bloß ein Bad vorgeschrieben.

Wort für Wort
jāmātari
beim Schwiegersohn
dauhitre
beim Tochtersohn
bhaginī-sute
beim Schwestersohn
śyālake tat-sute
beim Schwager und dessen Sohn
snāna-mātram
bloß ein Bad

mātāmahyāṃ tathācārye mṛte mātāmahe tryahaṃ / durbhikṣe rāṣṭrasampāte āgatāyāṃ tathāpadi //

Bei der Großmutter mütterlicherseits, ebenso beim Lehrer, und wenn der Großvater mütterlicherseits gestorben ist, [gelten] drei Tage. Bei Hungersnot, bei Zusammenbruch des Reiches, ebenso wenn ein Unglück hereingebrochen ist,

Wort für Wort
mātāmahyām
bei der mütterlichen Großmutter
ācārye
beim Lehrer
mātāmahe
beim mütterlichen Großvater
durbhikṣe
bei Hungersnot
rāṣṭra-sampāte
bei Zusammenbruch des Reiches
āpadi
im Unglück

upasargamṛtānāñca dāhe brahmavidāntathā / satrivrati brahmattārisaṅgrāme deśaviplave //

bei den an einer Seuche Gestorbenen, bei der Verbrennung von Brahman-Kennern, bei einem Opfersitzungsteilnehmer, einem Gelübdetreuen und einem Brahmacārin [?], in der Schlacht, beim Aufruhr im Land,

Wort für Wort
upasarga-mṛtānām
der an einer Seuche Gestorbenen
dāhe
bei der Verbrennung
brahma-vidām
der Brahman-Kenner
saṅgrāme
in der Schlacht
deśa-viplave
beim Aufruhr im Land

satrivrati brahmattāri verderbt; gelesen als satri-vrati-brahmacāri.

dāne yajñe vivāhe ca sadyaḥ śaucaṃ vidhīyate / vipragonṛpahantṝṇāmanuktaṃ cātmaghātināṃ //

bei Spende, Opfer und Hochzeit ist sofortige Reinheit vorgeschrieben. Für Mörder von Brahmanen, Kühen und Königen und für Selbstmörder ist [keine Unreinheit] genannt.

Wort für Wort
dāne yajñe vivāhe
bei Spende, Opfer, Hochzeit
sadyaḥ śaucam
sofortige Reinheit
vipra-go-nṛpa-hantṝṇām
der Mörder von Brahmanen, Kühen, Königen
anuktam
nicht genannt
ātma-ghātinām
der Selbstmörder

asādhyavyādhiyuktasya svādhyāye cākṣamasya ca / prāyaścittamanujñātamagnitoyapraveśanaṃ //

Für einen, der von einer unheilbaren Krankheit befallen ist und zum Vedastudium unfähig ist, ist als Sühne das Eingehen in Feuer oder Wasser erlaubt.

Wort für Wort
asādhya-vyādhi-yuktasya
des von unheilbarer Krankheit Befallenen
svādhyāye akṣamasya
des zum Vedastudium Unfähigen
prāyaścittam
Sühne
anujñātam
erlaubt
agni-toya-praveśanam
Eingehen in Feuer oder Wasser

apamānāttathā krodhāt snehātparibhavādbhayāt / udbadhya mriyate nārī puruṣo vā kathañcana //

Wenn aus Kränkung, aus Zorn, aus Zuneigung, aus Demütigung oder aus Furcht eine Frau oder ein Mann sich erhängt und auf irgendeine Weise stirbt,

Wort für Wort
apamānāt krodhāt
aus Kränkung, aus Zorn
snehāt paribhavāt bhayāt
aus Zuneigung, Demütigung, Furcht
udbadhya
sich erhängend
mriyate
stirbt
nārī puruṣaḥ vā
Frau oder Mann

ātmaghātī caikalakṣaṃ vasetsa narake śucau / vṛddhaḥ śrautasmṛterluptaḥ parityajati yastvasūn //

so weilt dieser Selbstmörder hunderttausend [Jahre] in einer unreinen [?] Hölle. Ein Greis aber, der der Befolgung von Śruti und Smṛti verlustig gegangen ist und das Leben aufgibt —

Wort für Wort
ātma-ghātī
der Selbstmörder
eka-lakṣam
hunderttausend
vaset narake
weilt in der Hölle
vṛddhaḥ
ein Greis
śrauta-smṛteḥ luptaḥ
der Śruti und Smṛti verlustig
tyajati asūn
gibt das Leben auf

narake śucau wohl für narake 'śucau.

trirātraṃ tatra śāśaucaṃ dvitīye cāsthisañcayaṃ / tṛtīye tūdakaṃ kāryaṃ caturthe śrāddhamācaret //

dabei gilt eine Unreinheit von drei Nächten; am zweiten [Tag] das Sammeln der Knochen, am dritten ist die Wasserspende zu vollziehen, am vierten soll man das Ahnenmahl begehen.

Wort für Wort
tri-rātram
drei Nächte
āśaucam
Unreinheit
dvitīye
am zweiten
asthi-sañcayam
Knochensammeln
tṛtīye udakam
am dritten die Wasserspende
caturthe śrāddham
am vierten das Ahnenmahl

śāśaucaṃ verschrieben für cāśaucaṃ.

vidyudagnihatānāñca tryahaṃ śuddhiḥ sapiṇḍike / pāṣaṇḍāśritā bhartṛghnyo nāśaucodakagāḥ striyaḥ //

Bei den durch Blitz und Feuer Getöteten [gilt] für den Sapiṇḍa die Reinigung nach drei Tagen. Frauen, die sich Irrlehrern angeschlossen oder ihren Gatten getötet haben, erhalten weder Unreinheit noch Wasserspende.

Wort für Wort
vidyut-agni-hatānām
der durch Blitz und Feuer Getöteten
tri-aham
drei Tage
pāṣaṇḍa-āśritāḥ
den Irrlehrern Angeschlossene
bhartṛ-ghnyaḥ
Gattenmörderinnen
na āśauca-udaka-gāḥ
weder Unreinheit noch Wasserspende erhaltend

pitṛmātrādipāte tu ārdravāsā hy upoṣitaḥ / atītebde prakurvīta pretakāryaṃ yathāvidhi //

Beim Tod von Vater, Mutter und dergleichen soll man, im nassen Gewand und fastend, auch wenn ein Jahr verstrichen ist, die Totenriten nach Vorschrift vollziehen.

Wort für Wort
pitṛ-mātṛ-ādi-pāte
beim Tod von Vater, Mutter usw.
ārdra-vāsāḥ
im nassen Gewand
upoṣitaḥ
fastend
atīte abde
wenn ein Jahr verstrichen ist
preta-kāryam
Totenritus
yathāvidhi
nach Vorschrift

yaḥ kaścittu haret pretamasapiṇḍaṃ kathañcana / snātvā scelaḥ spṛṣṭvāgniṃ ghṛtaṃ prāśya viśuddhyati //

Wer auch immer einen Verstorbenen, der nicht sein Sapiṇḍa ist, auf irgendeine Weise trägt, wird rein, indem er mitsamt dem Gewand badet, Feuer berührt und Butterschmalz isst.

Wort für Wort
haret pretam
einen Toten trägt
a-sapiṇḍam
einen Nicht-Sapiṇḍa
snātvā sa-celaḥ
mitsamt Gewand gebadet
spṛṣṭvā agnim
Feuer berührend
ghṛtam prāśya
Butterschmalz essend

scelaḥ für sacelaḥ.

yadyannamatti teṣāntu daśāhenaiva śuddhyati / anadannannamahnyeva na vai tasmin gṛhe vaset //

Wenn er aber deren Speise isst, wird er erst nach zehn Tagen rein; isst er die Speise nicht, [wird er] schon am selben Tag [rein]; doch soll er nicht in jenem Haus wohnen.

Wort für Wort
yadi annam atti
wenn er die Speise isst
daśa-ahena eva
erst nach zehn Tagen
an-adan annam
die Speise nicht essend
ahni eva
am selben Tag
na vaset
soll nicht wohnen

anāthaṃ vrāhmaṇaṃ pretaṃ ye vahanti dvijātayaḥ / pade pade yajñaphalaṃ śuddhiḥ syāt snānamātrataḥ //

Die Zweimalgeborenen, die einen schutzlosen verstorbenen Brahmanen tragen, [erlangen] bei jedem Schritt den Lohn eines Opfers; ihre Reinheit erfolgt allein durch ein Bad.

Wort für Wort
anātham brāhmaṇam pretam
einen schutzlosen verstorbenen Brahmanen
vahanti
tragen
pade pade
bei jedem Schritt
yajña-phalam
Lohn eines Opfers
snāna-mātrataḥ
allein durch ein Bad

pretībhūtaṃ dvijaḥ śūdramanugacchaṃstryahācchuciḥ / mṛtasya bāndhavaiḥ sārdhaṃ kṛtvā ca paridevanaṃ //

Ein Zweimalgeborener, der einem verstorbenen Śūdra folgt, ist nach drei Tagen rein. Hat man mit den Verwandten eines Toten die Totenklage gehalten,

Wort für Wort
pretībhūtam śūdram
einem verstorbenen Śūdra
anugacchan
folgend
tri-ahāt śuciḥ
nach drei Tagen rein
mṛtasya bāndhavaiḥ sārdham
mit den Verwandten des Toten
paridevanam
Totenklage

varjayettadahorātraṃ dānaśrāddhādi kāmataḥ / śūdrāyāḥ prasavo gehe śūdrasya maraṇaṃ tathā //

so soll man an jenem Tag und in jener Nacht Spenden, Ahnenmahl und dergleichen nach Belieben unterlassen. [Findet] eine Entbindung einer Śūdra-Frau im Haus oder ebenso der Tod eines Śūdra [statt],

Wort für Wort
varjayet
soll unterlassen
tat aho-rātram
jenen Tag und jene Nacht
dāna-śrāddha-ādi
Spende, Ahnenmahl usw.
śūdrāyāḥ prasavaḥ
Entbindung einer Śūdra-Frau
śūdrasya maraṇam
Tod eines Śūdra

bhāṇḍāni tu parityajya tryahādbhūlepataḥ śuciḥ / na vipraṃ sveṣu tiṣṭhatsu mṛtaṃ śūdreṇa nāyayet //

so ist man, nachdem man die Gefäße weggeworfen hat, nach drei Tagen durch Bestreichen des Bodens rein. Solange eigene [Angehörige] vorhanden sind, soll man einen verstorbenen Brahmanen nicht von einem Śūdra tragen lassen.

Wort für Wort
bhāṇḍāni parityajya
die Gefäße wegwerfend
bhū-lepataḥ
durch Bestreichen des Bodens
sveṣu tiṣṭhatsu
solange Eigene vorhanden sind
mṛtam vipram
einen toten Brahmanen
na nāyayet
soll nicht tragen lassen

nayet pretaṃ snāpitañca pūjitaṃ kusumair dahet / nagnadehaṃ dahen naiva kiñciddehaṃ parityajet //

Man soll den Verstorbenen hinaustragen und ihn, nachdem er gebadet und mit Blumen geehrt ist, verbrennen. Einen nackten Leib soll man keinesfalls verbrennen; man soll etwas vom Leib [unbedeckt?] lassen [?].

Wort für Wort
nayet pretam
soll den Toten hinaustragen
snāpitam
gebadet
pūjitam kusumaiḥ
mit Blumen geehrt
dahet
soll verbrennen
nagna-deham
einen nackten Leib

kiñcid dehaṃ parityajet: Sinn unklar.

gotrajastu gṛhītvā tu citāṃ cāropayettadā / āhitāgniryathānyāyaṃ dagdhavyastibhiragnibhiḥ //

Ein Gotra-Genosse soll [ihn] nehmen und dann auf den Scheiterhaufen legen. Wer die Feuer angelegt hat (āhitāgni), ist ordnungsgemäß mit den drei Feuern zu verbrennen;

Wort für Wort
gotra-jaḥ
ein Gotra-Genosse
gṛhītvā
nehmend
citām āropayet
soll auf den Scheiterhaufen legen
āhita-agniḥ
wer die Feuer angelegt hat
dagdhavyaḥ tribhiḥ agnibhiḥ
mit drei Feuern zu verbrennen

tibhir verschrieben für tribhir.

anāhitāgnirekena laukikenāparas tathā / asmāt tvamabhijāto 'si tvadayaṃ jāyatāṃ punaḥ //

wer die Feuer nicht angelegt hat, mit einem, ein anderer mit einem gewöhnlichen [Feuer]. [Mit den Worten:] „Aus diesem bist du geboren; aus dir werde dieser wiedergeboren;

Wort für Wort
an-āhita-agniḥ
wer die Feuer nicht angelegt hat
ekena
mit einem
laukikena
mit einem gewöhnlichen
asmāt tvam abhijātaḥ asi
aus diesem bist du geboren
tvat ayam jāyatām punaḥ
aus dir werde dieser wiedergeboren

asau svargāya lokāya sukhāgniṃ pradadetsutaḥ / sakṛtprasiñcantyudakaṃ nāmagotreṇa bāndhavāḥ //

dieser [gehe] zur Himmelswelt“ soll der Sohn das wohltuende Feuer [an den Scheiterhaufen] geben. Die Verwandten gießen einmal Wasser unter Nennung von Name und Geschlecht aus.

Wort für Wort
asau svargāya lokāya
dieser zur Himmelswelt
sukha-agnim
das wohltuende Feuer
pradadet sutaḥ
soll der Sohn geben
sakṛt
einmal
prasiñcanti udakam
gießen Wasser aus
nāma-gotreṇa
mit Name und Geschlecht

evaṃ mātāmahācāryapretānāñcodakakriyā / kāmyodakaṃ sakhipretasvasrīyaśvaśrurartvijāṃ //

Ebenso [erfolgt] die Wasserspende für den verstorbenen Großvater mütterlicherseits und den Lehrer; freiwillig ist die Wasserspende für einen verstorbenen Freund, Schwestersohn, Schwiegervater und Opferpriester.

Wort für Wort
mātāmaha-ācārya-pretānām
für den verstorbenen mütterlichen Großvater und Lehrer
udaka-kriyā
Wasserspende
kāmya-udakam
freiwillige Wasserspende
sakhi-svasrīya-śvaśura-ṛtvijām
für Freund, Schwestersohn, Schwiegervater, Priester

apo naḥ śośucidayaṃ daśāhañca suto 'rpayet / brāhmaṇe daśapiṇḍāḥ syuḥ kṣatriye dvādaśa smṛtāḥ //

[Mit dem Spruch] „apa naḥ śośucad agham“ soll der Sohn zehn Tage lang [Wasser] darbringen. Beim Brahmanen sollen es zehn Klöße sein, beim Kṣatriya gelten zwölf,

Wort für Wort
apa naḥ śośucat agham
„Hinweg brenne unsere Sünde“
daśa-aham
zehn Tage
sutaḥ arpayet
soll der Sohn darbringen
daśa piṇḍāḥ
zehn Klöße
kṣatriye dvādaśa
beim Kṣatriya zwölf

Der Spruch ist entstellt überliefert (apo naḥ śośucidayaṃ); gemeint wohl „apa naḥ śośucad agham“ („Hinweg brenne unsere Sünde“).

vaiśye pañcadaśa proktāḥ śūdre triṃśat prakīrtitā / putro vā putrikānyo vā piṇḍaṃ dadyācca putravat //

beim Vaiśya werden fünfzehn genannt, beim Śūdra dreißig gelehrt. Der Sohn, die als Sohn eingesetzte Tochter (putrikā) oder ein anderer soll den Kloß wie ein Sohn darbringen.

Wort für Wort
vaiśye pañcadaśa
beim Vaiśya fünfzehn
śūdre triṃśat
beim Śūdra dreißig
putraḥ
der Sohn
putrikā
die als Sohn eingesetzte Tochter
piṇḍam dadyāt
soll den Kloß geben
putravat
wie ein Sohn

vidiśya nimbapatrāṇi niyato dvāri veśmanaḥ / ācamya cāgnimudakaṃ gomayaṃ gaurasarṣapān //

Nachdem sie Nimba-Blätter zerkaut, sich an der Tür des Hauses gezügelt, den Mund gespült und Feuer, Wasser, Kuhdung und weiße Senfkörner

Wort für Wort
vidaśya nimba-patrāṇi
Nimba-Blätter zerkauend
niyataḥ
gezügelt
dvāri veśmanaḥ
an der Tür des Hauses
ācamya
nach Mundspülen
gomayam
Kuhdung
gaura-sarṣapān
weiße Senfkörner

vidiśya für vidaśya.

praviśeyuḥ samālabhya kṛtvāśmani padaṃ śanaiḥ / akṣaralavaṇānnaḥ syur nirmāṃsā bhūmiśāyinaḥ //

berührt und langsam den Fuß auf einen Stein gesetzt haben, sollen sie eintreten. Sie sollen ohne scharf Gesalzenes essen, ohne Fleisch sein und auf dem Boden schlafen,

Wort für Wort
praviśeyuḥ
sollen eintreten
samālabhya
berührend
aśmani padam
den Fuß auf einen Stein
akṣāra-lavaṇa-annāḥ
ohne scharf Gesalzenes essend
nirmāṃsāḥ
ohne Fleisch
bhūmi-śāyinaḥ
auf dem Boden schlafend

akṣaralavaṇa für akṣāralavaṇa.

krītalabdhāśanāḥ snātā ādikartā daśāhakṛt / abhāve brahmacārī tu kuryātpiṇḍodakādikaṃ //

von gekaufter oder geschenkter Speise leben und gebadet sein; der Hauptvollzieher vollzieht die Zehn-Tage-[Riten]. Fehlt er, soll ein Brahmacārin Kloß, Wasserspende und dergleichen vollziehen.

Wort für Wort
krīta-labdha-aśanāḥ
von gekaufter oder erhaltener Speise lebend
snātāḥ
gebadet
ādi-kartā
der Hauptvollzieher
daśa-aha-kṛt
die Zehn-Tage-Riten vollziehend
abhāve
wenn er fehlt
piṇḍa-udaka-ādikam
Kloß, Wasserspende usw.

yathedaṃ śāvamāśaucaṃ sapiṇḍeṣu vidhīyate / jananepyevaṃ syānnipuṇāṃ śuddhimicchatāṃ //

Wie diese Leichenunreinheit für die Sapiṇḍas vorgeschrieben ist, ebenso soll es bei der Geburt für jene sein, die vollkommene Reinheit wünschen.

Wort für Wort
yathā
wie
śāvam āśaucam
die Leichenunreinheit
janane api evam
ebenso bei der Geburt
nipuṇām śuddhim
vollkommene Reinheit
icchatām
der Wünschenden

sarveṣāṃ śāvamāśaucaṃ mātāpitroś ca sūtakaṃ / sūtakaṃ mātureva syādupaspṛśya pitā śuciḥ //

Die Leichenunreinheit gilt für alle, die Geburtsunreinheit für Mutter und Vater; [oder] die Geburtsunreinheit gilt nur für die Mutter, der Vater ist nach Wasserberührung rein.

Wort für Wort
sarveṣām
für alle
mātā-pitroḥ
für Mutter und Vater
sūtakam
Geburtsunreinheit
mātuḥ eva
nur der Mutter
upaspṛśya
nach Wasserberührung
pitā śuciḥ
der Vater ist rein

putrajanmadine śrāddhaṃ kartavyamiti niścitaṃ / tadahastatpradānārthaṃ gohiraṇyādivāsasāṃ //

Am Tag der Geburt eines Sohnes ist ein Ahnenmahl zu vollziehen, das steht fest; jener Tag [ist geeignet] für die Spende von Kühen, Gold und dergleichen sowie Gewändern.

Wort für Wort
putra-janma-dine
am Tag der Sohnesgeburt
śrāddham kartavyam
ein Ahnenmahl ist zu vollziehen
niścitam
feststehend
tat-ahaḥ
jener Tag
go-hiraṇya-ādi-vāsasām
von Kühen, Gold usw. und Gewändern

maraṇaṃ maraṇenaiva sūtakaṃ sūtakena tu / ubhayorapi yat pūrvaṃ tenāśaucena śuddhyati //

Eine Todesunreinheit [endet] mit einer Todesunreinheit, eine Geburtsunreinheit mit einer Geburtsunreinheit; welche von beiden die frühere ist, durch diese Unreinheit wird man rein.

Wort für Wort
maraṇam maraṇena
Tod mit Tod
sūtakam sūtakena
Geburt mit Geburt
ubhayoḥ
von beiden
yat pūrvam
welche die frühere ist
tena āśaucena
durch diese Unreinheit

sūtake mṛtakaṃ cetsyān mṛtake tvatha sūtakaṃ / tatrādhikṛtya mṛtakaṃ śaucaṃ kuryānna sūtakaṃ //

Tritt während einer Geburtsunreinheit eine Todesunreinheit ein oder während einer Todesunreinheit eine Geburtsunreinheit, so soll man die Reinigung nach der Todesunreinheit ausrichten, nicht nach der Geburtsunreinheit.

Wort für Wort
sūtake mṛtakam
Tod während der Geburtsunreinheit
mṛtake sūtakam
Geburt während der Todesunreinheit
adhikṛtya mṛtakam
nach der Todesunreinheit ausgerichtet
śaucam kuryāt
soll die Reinigung vollziehen
na sūtakam
nicht nach der Geburtsunreinheit

samānaṃ laghvaśaucantu prathamena samāpayet / asamānaṃ dvitīyena dharmarājavaco yathā //

Eine gleiche oder leichtere Unreinheit soll man mit der ersten beenden, eine ungleiche mit der zweiten, gemäß dem Wort des Dharmarāja.

Wort für Wort
samānam
eine gleiche
laghu-āśaucam
eine leichtere Unreinheit
prathamena samāpayet
soll mit der ersten beenden
asamānam dvitīyena
eine ungleiche mit der zweiten
dharmarāja-vacaḥ
Wort des Dharmarāja

Vgl. 157.11–12.

śāvāntaḥ śāva āyāte pūrvāśaucena śuddhyati / guruṇā laghu bādhyeta laghunā naiva tadguru //

Tritt innerhalb einer Leichenunreinheit ein [weiterer] Todesfall ein, wird man durch die frühere Unreinheit rein. Durch die schwere wird die leichte aufgehoben, nicht aber durch die leichte die schwere.

Wort für Wort
śāva-antaḥ
innerhalb einer Leichenunreinheit
śāve āyāte
wenn ein Todesfall eintritt
pūrva-āśaucena
durch die frühere Unreinheit
guruṇā laghu bādhyeta
durch die schwere wird die leichte aufgehoben
laghunā na tat guru
nicht durch die leichte die schwere

mṛtake sūtake vāpi rātrimadhye 'nyadāpatet / taccheṣeṇaiva suddhyeran rātriśeṣe dvyahādhikāt //

Fällt während einer Todes- oder Geburtsunreinheit innerhalb der Nächte [der Frist] eine andere an, so werden sie mit deren Rest rein; [fällt sie] in die letzte Nacht, mit zwei zusätzlichen Tagen.

Wort für Wort
mṛtake sūtake vā
bei Todes- oder Geburtsunreinheit
rātri-madhye
innerhalb der Nächte
anyat āpatet
eine andere anfällt
tat-śeṣeṇa eva
mit deren Rest
rātri-śeṣe
in der letzten Nacht
dvi-aha-adhikāt
mit zwei Tagen mehr

suddhyeran für śuddhyeran.

prabhāte yadyaśaucaṃ syācchuddheraṃś ca tribhirdinaiḥ / ubhayatra daśāhāni kulasyānnaṃ na bhujyate //

Tritt die Unreinheit am [letzten] Morgen ein, so werden sie nach drei Tagen rein. In beiden Fällen isst man zehn Tage lang nicht die Speise der Familie.

Wort für Wort
prabhāte
am Morgen
śuddheran
sollen rein werden
tribhiḥ dinaiḥ
nach drei Tagen
ubhayatra
in beiden Fällen
kulasya annam
die Speise der Familie
na bhujyate
wird nicht gegessen

dānādi ninivarteta kulasyānnaṃ na bhujyate / ajñāte pātakaṃ nādye bhokturekamaho 'nyathā //

Spenden und dergleichen sollen ruhen; die Speise der Familie wird nicht gegessen. Geschieht es unwissentlich, trifft den Essenden keine Sünde; andernfalls [ist er] einen Tag [unrein].

Wort für Wort
dāna-ādi
Spenden usw.
nivarteta
sollen ruhen
ajñāte
unwissentlich
pātakam na
keine Sünde
bhoktuḥ
für den Essenden
ekam ahaḥ anyathā
andernfalls einen Tag

ninivarteta verschrieben für nivarteta; nādye wohl für na adye (‚nicht für den Esser‘).

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