Kapitel 36: pavitrāropaṇavidhānam
Die Vorschrift für das Anlegen der Pavitras an Viṣṇu
Am Morgen nach der Einweihung werden die Pavitras hervorgeholt; nach Bad und Verehrung des Gottes wird das Pavitra mit Gebeten an Kṛṣṇa angelegt, auch den Torhütern, dem Lehrer und den Gefolgsgottheiten werden Pavitras gegeben. Es folgen Sühne-Vollspende, Schlussgebet, Beschenkung von Lehrer und Brahmanen, die Entlassung der Pavitras und die Verheißung himmlischen Lohnes. Der Kolophon nennt das Kapitel „viṣṇupavitrārohaṇam“.
agnir uvāca | prātaḥ snānaṃ kṛtvā dvārapālān prapūjya ca / praviśya gupte deśe ca samākṛṣyātha dhārayet //
Agni sprach: Nachdem er am Morgen gebadet und die Torhüter verehrt hat, trete er ein und hole (die Pavitras) an dem verborgenen Ort hervor und halte sie bereit.
(ebenso) die vorher eingeweihten Dinge: Gewänder, Schmuck und Duftstoffe. Nachdem er alle (alten) Opferreste (nirmālya) entfernt hat, stelle er den Gott auf und verehre ihn
Nachdem er wie beim täglichen (Ritus) ins Feuer geopfert hat, bitte er den Gott und verneige sich; nachdem er das Werk dem Gott übergeben hat, vollziehe er die anlassgebundene (naimittika) Verehrung.
Er gebe sich selbst ein Pavitra und, nachdem er das Schutzband gelöst hat, (spreche er): „Nimm die heilige Schnur (brahmasūtra) an, die ich bereitet habe, o Herr,
karmaṇāṃ pūraṇārthāya yathā doṣo na me bhavet / dvārapālāsanagurumukhyānāñca pavitrakam //
zur Vervollständigung der Riten, damit mir kein Fehler anhafte!“ Den Torhütern, dem Sitz, den Lehrern und den vornehmsten (Gottheiten) (gebe er) ein Pavitra,
kaniṣṭādi ca devāya vanamālāñca mūlataḥ / hṛdādiviśvaksenānte pavitrāṇi samarpayet //
und dem Gott (die Pavitras), beginnend mit dem kleinsten, und die Waldgirlande mit dem Grundmantra; vom Herz(-Mantra) usw. bis zu Viśvaksena übergebe er die Pavitras.
Nachdem er ins Feuer geopfert hat, (gebe er) den im Feuer Weilenden, Viṣṇu usw., ein Pavitra; nachdem er verehrt hat, bringe er zur Sühne (für Fehler) die Vollspende mit dem Grundmantra dar,
das sei mir durch die Vorschrift unter Beseitigung der Hindernisse (bzw. trotz Auslassungen) [?] vollständig!“ Nachdem er so gebeten, sich verneigt und um Nachsicht gebeten hat, lege er das Pavitra auf das Haupt (des Gottes).
Nachdem er die Spende (bali) gegeben hat, stelle er den vaiṣṇavischen Lehrer mit Opferlohn zufrieden, (ebenso) die Brahmanen mit Speise, Kleidern usw., einen Tag lang oder auch einen halben Monat.
vraja pavitrakedānīṃ viṣṇulokaṃ visarjitaḥ / madhye someśayoḥ prārcya viṣvaksenaṃ hi tasya ca //
geh nun, o Pavitra, entlassen, in die Welt Viṣṇus!“ Nachdem er in der Mitte zwischen Soma (Norden) und Īśa (Nordosten) den Viṣvaksena verehrt hat, (nehme er) auch dessen
so viele tausend Weltzeitalter wird er in der Welt Viṣṇus verherrlicht. Nachdem er hundert Geschlechter emporgehoben hat, zehn frühere und zehn spätere, und (sie) in der Welt Viṣṇus angesiedelt hat, erlangt er selbst die Erlösung.
Wort für Wort
tāvat yuga-sahasrāṇi
so viele tausend Weltzeitalter
viṣṇu-loke mahīyate
wird in Viṣṇus Welt verherrlicht
kulānām śatam uddhṛtya
hundert Geschlechter emporhebend
daśa pūrvān daśa aparān
zehn frühere, zehn spätere
svayam muktim avāpnuyāt
erlangt selbst die Erlösung
Dreizeiliger Vers. „Hundert Geschlechter“ neben „zehn frühere und zehn spätere“ so im Text.