Agni legt die Grundlagen des Dhanurveda dar: die fünf Waffengattungen, die Rangfolge der Kampfarten und die Befugnis der Stände zum Kampf. Danach werden die Schützenstellungen (Samapada, Vaiśākha, Maṇḍala, Ālīḍha, Pratyālīḍha, Jāta, Vikaṭa, Sampuṭa, Svastika), das Spannen und Lösen des Pfeils sowie die Maße von Pfeil und Bogen beschrieben. Mehrere technische Stellen sind verderbt (V. 6, 8, 17, 29, 35).
Agni sprach: Die Bogenkunde (Dhanurveda) ist vierfüßig, o Zweimalgeborener, und in der Lehre fünffach; sie ist verkündet in Bezug auf die Kämpfer auf Wagen, Elefanten, Pferden und zu Fuß.
Das mit einer Vorrichtung Geschleuderte, das mit der Hand Geschleuderte, ebenso das Geschleuderte und Zurückgehaltene, das Nicht-Geschleuderte und der Armkampf: so wird sie als fünffach bezeichnet.
tatra śastrāstrasampattyā dvividhaṃ parikīrtitaṃ / ṛjumāyāvibhedena bhūyo dvividhamucyate //
Dabei wird [der Kampf] nach der Ausstattung mit Hiebwaffen (śastra) und Wurfgeschossen (astra) als zweifach bezeichnet; nach der Unterscheidung in geraden und listigen [Kampf] heißt er nochmals zweifach.
Was mit Schleuder, Bogen, Vorrichtungen usw. [abgeschossen wird], heißt ‚mit Vorrichtung geschleudert‘; Stein, Tomara-Speer usw. heißen ‚mit der Hand geschleudert‘.
Als ‚geschleudert und zurückgehalten‘ ist zu kennen, was etwa ein Prāsa (Speer) ist; Schwert usw. ist ‚nicht geschleudert‘; der Ringkampf (niyuddha) ist ohne Waffen.
kuryādyogyāni prātrāṇi yoddhumicchurjitaśramaḥ / dhanuḥśreṣṭhāni yuddhāni prāsamadhyāni tāni ca //
Wer zu kämpfen wünscht und die Mühsal [der Übung] bezwungen hat, verwende geeignete Waffen [?]. Die Kämpfe mit dem Bogen sind die besten, die mit dem Speer die mittleren,
tāni khaḍgajaghanyāni bāhupratyavarāṇi ca / dhanurvede gururvipraḥ prokto varṇadvayasya ca //
die mit dem Schwert die geringen und die mit den Armen die niedrigsten. In der Bogenkunde gilt der Brahmane als Lehrer, und zwar für die beiden [übrigen] Stände.
Der Śūdra hat das Recht zu kämpfen [nur] selbst in der Not [?], durch Schulung. Die im Land [lebenden] Mischkasten sollen dem König im Krieg Hilfe leisten.
Wenn große Zehen, Knöchel, Hände [?] und Füße aneinanderliegen und geschlossen sind, so ist das, nach seinem Merkmal ebenso gesehen, die Stellung ‚Samapada‘ (Gleichfuß).
Wort für Wort
aṅguṣṭha-gulpha
große Zehen, Knöchel
śliṣṭāḥ sahitāḥ
anliegend, geschlossen
sama-padam sthānam
Gleichfuß-Stellung
lakṣaṇataḥ
nach dem Merkmal
pāṇyaṅghyaḥ = pāṇyaṅghrayaḥ; pāṇi hier eher ‚Ferse‘ (pārṣṇi)?
Wenn beide Füße auf den äußeren Zehen stehen, beide Knie steif und kraftvoll sind, mit einem Abstand von drei Spannen: diese Stellung heißt ‚Vaiśākha‘.
Die Füße ein wenig auseinandergedreht, gleichmäßig stockgerade gestreckt und fest, sechzehn Fingerbreiten ausgedehnt: so ist es regelgemäß gelehrt [Anm.: gemeint ist offenbar die Svastika-Stellung].
In der Svastika[-Stellung] vollziehe man hier zuerst die Verneigung, o Zweimalgeborener; man ergreife den Bogen mit der Linken, den Pfeil aber mit der Rechten.
mit beiden Armen, mit gebeugten Unterarmen, o Tugendhafter. [Bei jemandem,] dessen Pfeil und Bogen vortrefflich sind, [sei] an der Schaftende-Stelle des Pfeils
Mit der vorderen Faust ist [der Bogen] zu fassen, der Pfeil an der rechten Brustspitze. Nachdem man dann das Ziehen ausgeführt hat, strecke man rasch die vordere [Hand] aus.
nābhyantarā naiva vāhyā nordhvakā nādharā tathā / na ca kubjā na cottānā na calā nātiveṣṭitā //
[Die Faust sei] weder nach innen noch nach außen, weder nach oben noch nach unten [gerichtet], weder gekrümmt noch nach oben gewendet, weder wackelnd noch zu stark eingedreht,
lalāṭanāsāvaktrāṃsāḥ kuryuraśvasamambhavet / antaraṃ tryaṅgulaṃ jñeyaṃ civukasyāṃsakasya ca //
Stirn, Nase, Gesicht und Schultern sollen [in einer Linie] gleich stehen [?]; der Abstand zwischen Kinn und Schulter ist mit drei Fingerbreiten zu bemessen.
Beim ersten [Anschlag] sind es drei Fingerbreiten, beim zweiten gelten zwei Fingerbreiten, beim dritten ist eine Fingerbreite als Abstand zwischen Kinn und Schulter gelehrt.
gṛhītvā sāyakaṃ puṅkhāttarjanyāṅguṣṭhakena tu / anāmayā punargṛhya tathā madhyamayāpi ca //
Nachdem man den Pfeil am gefiederten Ende mit Zeigefinger und Daumen gefasst und ihn wiederum mit dem Ringfinger und ebenso mit dem Mittelfinger gefasst hat,
Der Gelübdetreue durchbohre mit dem Pfeil das mit Blick und Faust anvisierte Ziel. Nach dem Loslassen schleudere man die hintere Hand mit Schwung nach hinten.
Wenn der Schuss nach oben erfolgt [?], [heißt] der am Ziel haftende [Schuss] mittel; der weit gezogene gilt nach den Kennern der Bogenlehre als der beste [?].
Ein Bogen von vier Ellen ist der beste, einer von dreieinhalb der mittlere, einer von drei [Ellen] gilt als der kleinste — dies stets für den Fußkämpfer.