Kapitel 324: aṃśakādiḥ
Die Anteile (aṃśaka) der Mantras u. a.
Das Kapitel behandelt das Tragen von Rudrākṣa-Perlen und eines goldenen Rings, die vier Śaiva-„Familien“ (gocara/kula) mit ihren Untergruppen, die Prüfung eines Mantras auf seine Eignung für den Adepten (Siddha–Sādhya–Susiddha–Ari-Zählung, göttliche und dämonische „Anteile“), die Einteilung der Mantras nach Silbenzahl sowie die Zuordnung von Riten zu Buchstaben, Mondtagen, Atemflüssen (Iḍā, Piṅgalā, Viṣuva) und Elementen. Mehrere Stellen sind verderbt (bes. V. 18 und 21); Vers 23 hat drei Halbverse.
Īśvara sprach: Ein Armband aus Rudrākṣa[-Perlen] ist zu tragen, in ungerader Zahl [?], recht gleichmäßig, fest; ein-, drei- und fünfgesichtige [Perlen] trage man, wie man sie erhält.
Wer nicht keusch lebt, wird [dadurch] ein Keuscher, wer nicht gebadet hat, ein Gebadeter. Oder man trage einen goldenen Ring, nachdem man ihn mit dem Śiva-Mantra verehrt hat.
Śiva, Śikhā, Jyoti und Sāvitra – dies sind die „Gocaras“ (Bereiche); Gocara ist als „Familie“ (kula) zu verstehen; danach ist der Eingeweihte zu kennzeichnen.
Auf den Boden sind die Mātṛkā-Buchstaben zu schreiben, ohne Kūṭa [kṣa] und die „geschlechtslosen“ [Vokale ṛ, ṝ, ḷ, ḹ]. Man zerlege die Buchstaben des Mantras und stelle den Anusvāra gesondert.
Wort für Wort
bhūmau mātṛkāḥ lekhyāḥ
auf den Boden die Mātṛkās zu schreiben
kūṭa-ṣaṇḍa-varjitāḥ
ohne Kūṭa und geschlechtslose (Vokale)
mantra-akṣarāṇi viśliṣya
die Mantrabuchstaben zerlegend
anusvāram
den Anusvāra
nayet pṛthak
stelle gesondert
kūṭaṣaṇḍāvavarjitāḥ = kūṭa-ṣaṇḍau varjitāḥ; Deutung von kūṭa als kṣa und ṣaṇḍa als die vier neutralen Vokale nach üblicher Tantra-Terminologie.
Siddha (vollendet), Sādhya (zu vollenden), Susiddha (wohlvollendet), Ari (Feind) – so benannt zähle man der Reihe nach. Am Anfang und am Ende des Mantras [steht er so], [dann] gewährt er Erfolg nach dem hundertsten Teil [?].
siddhādiścāntasiddhaś ca tatkṣaṇādeva sidhyati / susiddhādiḥ susiddhantaḥsiddhavat parikalpayet //
Ein [Mantra] mit Siddha am Anfang und Siddha am Ende gelingt auf der Stelle; einen mit Susiddha am Anfang und Susiddha am Ende betrachte man wie Siddha.
Bei einem durch Māyā (hrīṃ), Prasāda und Praṇava bekannten Mantra [bestimmt man] den Anteil (aṃśaka): Brahmā-Anteil – Brahman-Wissen; Viṣṇu-Anteil – gilt als vaiṣṇava;
[wer] einen Rudra-Anteil [hat], ist heldenhaft; einen Indra-Anteil – liebt die Herrschaft; einen Nāga-Anteil – hat den starren Blick der Schlange; einen Yakṣa-Anteil – liebt Schmuck;
Piśāca-Anteil – von Schmutz befallen. Nach [solcher] Prüfung gebe man den Mantra. Ein „Mantra“ [umfasst] von einer [Silbe] an [bis ...], mit phaṭ am Ende; eine „Vidyā“ bis zu fünfzig [Silben];
die kurzen sind hell, die langen dunkel, die Mondtage beginnen mit dem ersten (pratipad). Beim Aufgehen [des Atems, udita] [vollziehe man] befriedende [Riten] usw., beim Kreisen (bhramita) Unterwerfung usw.;
beim Kreisenlassen (bhrāmita) die Übergänge [?]; bei Feindschaft, Vertreibung und Lähmung ... [aṣṭakam?]; bei [Atemfluss durch] Iḍā befriedende [Riten] usw., bei Piṅgalā Heranziehen usw.;
Wort für Wort
bhrāmite sandhayaḥ
beim Kreisenlassen die Übergänge
dveṣa-uccāṭane
bei Feindschaft und Vertreibung
stambhane
bei Lähmung
iḍā-vāhe śāntika-ādyam
bei Iḍā-Fluss Befriedung usw.
piṅgale karṣaṇa-ādikam
bei Piṅgalā Heranziehen usw.
ihāvāhe wohl für iḍāvāhe; stambhane 'stakam unklar.
Tötung, Vertreibung usw. beim Viṣuva [Anm.: gleichmäßiger Atem durch beide Nasenlöcher], fünffach gesondert. Im Bereich des Unteren die Erde, oben das Feuer, dazwischen das Flüssige,
an der Seite der Öffnung, außen, der Wind; alles durchdringend [ist] Maheśvara (der Raum). Lähmung im Erd[element], Befriedung im Wasser, Unterwerfung usw. im Feuer; im Wind das Umherirrenlassen, im Leeren [Raum] Verdienstvolles – man nehme die [rechte] Zeit wahr.