Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 265: vināyakasnānam Das Bad gegen Vināyaka

Puṣkara schildert die Traum- und Lebenszeichen eines von Vināyaka Befallenen und das heilende Bad: Einreibung, vier Krüge mit Kräutern und Erden, Übergießungsmantra, Senfölopfer auf den Kopf, Spenden an die sechs Vināyaka-Wesen an einer Wegkreuzung und eine Bitte an Ambikā. Verderbt sind u. a. V. 10 (bhagavante für bhagaṃ te), V. 16 und V. 17.

puṣkara uvāca | vināyakopasṛṣṭānāṃ snānaṃ sarvakaraṃ vade / vināyakaḥ karmavighnasiddhyarthaṃ viniyojitaḥ //

Puṣkara sprach: Ich spreche über das Bad für die von Vināyaka Befallenen, das alles bewirkt. Vināyaka wurde zur Behinderung und zum Gelingen der Handlungen eingesetzt

Wort für Wort
vināyaka-upasṛṣṭānām
der von Vināyaka Befallenen
snānam sarva-karam
das alles bewirkende Bad
vade
ich spreche
karma-vighna-siddhi-artham
zur Behinderung und zum Gelingen der Handlungen
viniyojitaḥ
eingesetzt

gaṇānāmādhipatye ca keśaveśapitāmahaiḥ / svapnevagāhate 'tyarthaṃ jalaṃ muṇḍāṃś ca paśyati //

und zur Oberherrschaft über die Scharen (gaṇa), von Keśava, Īśa und dem Großvater [Brahman]. [Der Befallene] taucht im Traum übermäßig ins Wasser ein und sieht Geschorene.

Wort für Wort
gaṇānām ādhipatye
zur Herrschaft über die Scharen
keśava-īśa-pitāmahaiḥ
von Keśava, Īśa und Brahman
svapne avagāhate
taucht im Traum ein
atyartham jalam
übermäßig ins Wasser
muṇḍān paśyati
sieht Geschorene

svapnevagāhate = svapne 'vagāhate.

vināyakopasṛṣṭastu kravyādānadhirohati / vrajamānas tathātmānaṃ manyate 'nugatamparaiḥ //

Der von Vināyaka Befallene besteigt Fleischfresser; beim Gehen meint er, von anderen verfolgt zu werden.

Wort für Wort
kravyādān adhirohati
besteigt Fleischfresser
vrajamānaḥ
beim Gehen
ātmānam manyate
meint von sich
anugatam paraiḥ
von anderen verfolgt

vimanā viphalārambhaḥ saṃsīdatyanimittataḥ / kanyā varaṃ na cāpnoti na cāpatyaṃ varāṅganā //

Missmutig, mit fruchtlosen Unternehmungen, sinkt er grundlos nieder. Ein Mädchen erhält keinen Bräutigam, eine edle Frau keine Nachkommen,

Wort für Wort
vimanāḥ
missmutig
viphala-ārambhaḥ
mit fruchtlosen Unternehmungen
saṃsīdati animittataḥ
sinkt grundlos nieder
kanyā varam na āpnoti
ein Mädchen erhält keinen Bräutigam
na apatyam vara-aṅganā
eine edle Frau keine Nachkommen

ācāryatvaṃ śrotriyaś ca na śiṣyo 'dhyayanaṃ labhet / dhanī na lābhamāpnoti na kṛṣiñca kṛṣībalaḥ //

ein Vedagelehrter nicht die Lehrerstellung, ein Schüler kein Studium, ein Reicher erlangt keinen Gewinn und ein Bauer keinen Ackerertrag,

Wort für Wort
ācāryatvam śrotriyaḥ
der Vedagelehrte die Lehrerstellung
śiṣyaḥ adhyayanam
der Schüler das Studium
dhanī na lābham
der Reiche keinen Gewinn
kṛṣim kṛṣībalaḥ
der Bauer den Ackerertrag

rājā rājyaṃ na cāpnoti snapanantasya kārayet / hastapuṣyāśvayuksaumye vaiṣṇave bhadrapīṭhake //

ein König erlangt kein Königreich. Für ihn lasse man das Bad vornehmen, unter [den Mondhäusern] Hasta, Puṣya, Aśvinī, dem Soma-[Mondhaus] und dem Viṣṇu-[Mondhaus], auf dem Glücksthron,

Wort für Wort
rājā rājyam na āpnoti
der König erlangt kein Reich
snapanam tasya kārayet
für ihn lasse man das Bad vornehmen
hasta-puṣya-aśvayuj
Hasta, Puṣya, Aśvinī
saumye vaiṣṇave
unter dem Soma- und dem Viṣṇu-Mondhaus
bhadra-pīṭhake
auf dem Glücksthron

Das saumya-Mondhaus ist wohl Mṛgaśiras, das vaiṣṇava-Mondhaus Śravaṇa.

gaurasarṣapakalkena sājyenotsāditasya ca / sarvauṣadhaiḥ sarvagandhaiḥ praliptaśirasas tathā //

nachdem er mit einer Paste aus weißem Senf und Butterschmalz eingerieben und am Kopf mit allen Kräutern und allen Duftstoffen gesalbt ist,

Wort für Wort
gaura-sarṣapa-kalkena
mit einer Paste aus weißem Senf
sa-ājyena
mit Butterschmalz
utsāditasya
des Eingeriebenen
sarva-auṣadhaiḥ sarva-gandhaiḥ
mit allen Kräutern und Duftstoffen
pralipta-śirasaḥ
am Kopf gesalbt

caturbhiḥ kalasaiḥ snānanteṣu sarvauṣādhau kṣipet / aśvasthānādgajasthānādvalmīkāt saṅgamāddhradāt //

das Bad mit vier Krügen; in diese lege man alle Kräuter. Von einem Pferdestall, einem Elefantenstall, einem Termitenhügel, einem Zusammenfluss und einem See

Wort für Wort
caturbhiḥ kalasaiḥ
mit vier Krügen
sarva-auṣadhīḥ kṣipet
lege alle Kräuter hinein
aśva-sthānāt gaja-sthānāt
vom Pferde- und Elefantenstall
valmīkāt
vom Termitenhügel
saṅgamāt hradāt
vom Zusammenfluss, vom See

mṛttikāṃ rocanāṅgandhaṅguggulunteṣu nikṣipet / sahasrākṣaṃ śatadhāramṛṣibhiḥ pāvanaṃ kṛtam //

[entnommene] Erde, Rocanā, Duftstoff und Guggulu lege man in sie. [Mantra:] „Was tausendäugig und hundertströmig von den Weisen als Reinigungsmittel geschaffen ist –

Wort für Wort
mṛttikām
Erde
rocanām gandham guggulum
Rocanā, Duftstoff, Guggulu-Harz
sahasra-akṣam
tausendäugig
śata-dhāram
hundertströmig
ṛṣibhiḥ pāvanam kṛtam
von den Weisen zum Reinigungsmittel gemacht

tena tvāmabhiṣiñcāmi pāvamānyaḥ punantu te / bhagavante varuṇo rājā bhagaṃ sūryo vṛhaspatiḥ //

damit übergieße ich dich; die Pāvamānī-Verse mögen dich reinigen. Glück (bhaga) gaben dir König Varuṇa, Glück Sūrya und Bṛhaspati,

Wort für Wort
tena tvām abhiṣiñcāmi
damit übergieße ich dich
pāvamānyaḥ punantu te
die Pāvamānī-Verse mögen dich reinigen
bhagam te
Glück dir
varuṇaḥ rājā
König Varuṇa
sūryaḥ bṛhaspatiḥ
Sūrya, Bṛhaspati

bhagavante ist als bhagaṃ te zu lesen.

bhagamindraś ca vāyuś ca bhagaṃ saptarṣayo daduḥ / yatte keśeṣu daurbhāgyaṃ sīmante yacca mūrdhani //

Glück gaben Indra und Vāyu, Glück gaben die sieben Weisen. Was an Unglück in deinen Haaren ist, im Scheitel und auf dem Kopf,

Wort für Wort
bhagam indraḥ vāyuḥ
Glück Indra und Vāyu
sapta-ṛṣayaḥ daduḥ
gaben die sieben Weisen
yat te keśeṣu
was in deinen Haaren
daurbhāgyam
Unglück
sīmante mūrdhani
im Scheitel, auf dem Kopf

lalāṭe karṇayorakṣṇorāpastadghnantu sarvadā / darbhapiñjalimādāya vāmahaste tato guruḥ //

auf der Stirn, in den Ohren und in den Augen – das mögen die Wasser allezeit vertreiben.“ Dann nimmt der Lehrer ein Büschel Darbha-Gras in die linke Hand

Wort für Wort
lalāṭe karṇayoḥ akṣṇoḥ
auf der Stirn, in Ohren und Augen
āpaḥ tat ghnantu
die Wasser mögen es vertreiben
darbha-piñjalim ādāya
ein Darbha-Büschel nehmend
vāma-haste
in die linke Hand
guruḥ
der Lehrer

snātasya sārṣapantailaṃ śruveṇauḍumbareṇa ca / juhuyānmūrdhani kuśān savyena parigṛhya ca //

und opfert dem Gebadeten mit einem Löffel aus Uḍumbara-Holz Senföl auf den Scheitel, wobei er die Kuśa-Halme mit der Linken [?] ergreift,

Wort für Wort
snātasya
des Gebadeten
sārṣapam tailam
Senföl
sruveṇa auḍumbareṇa
mit einem Löffel aus Uḍumbara-Holz
juhuyāt mūrdhani
opfere auf den Kopf
kuśān savyena parigṛhya
Kuśa mit der Linken fassend

savyena bedeutet gewöhnlich „mit der Linken“; zusammen mit V. 12 wäre hier eher „mit der Rechten“ zu erwarten.

mitaś ca sammitaś caiva tathā śālakakaṇṭakau / kuṣmāṇḍo rājaputraś ca etaiḥ svāhāsamanvitaiḥ //

[mit den Namen] Mita und Sammita, ebenso Śāla und Kaṇṭaka, Kuṣmāṇḍa und Rājaputra – diesen, mit svāhā verbunden.

Wort für Wort
mitaḥ sammitaḥ
Mita und Sammita
śāla-kaṇṭakau
Śāla und Kaṇṭaka
kuṣmāṇḍaḥ rājaputraḥ
Kuṣmāṇḍa und Rājaputra
svāhā-samanvitaiḥ
mit svāhā verbunden

Namen der Vināyaka-Wesen; śālakakaṇṭakau vielleicht als Śāla und Kaṭaṅkaṭa zu verstehen [?].

nāmabhirbalimantraiś ca namaskārasamanvitaiḥ / dadyāccatuṣpathe śūrpe kuśānāstīrya sarvataḥ //

Mit [diesen] Namen und mit Spende-Mantras, die mit „namaḥ“ verbunden sind, gebe man [die Spende] an einer Wegkreuzung in einem Worfelkorb, nachdem man ringsum Kuśa-Gras ausgebreitet hat:

Wort für Wort
nāmabhiḥ bali-mantraiḥ
mit den Namen und Spende-Mantras
namaskāra-samanvitaiḥ
mit Verehrungsformel verbunden
catuṣpathe
an der Wegkreuzung
śūrpe
im Worfelkorb
kuśān āstīrya sarvataḥ
ringsum Kuśa ausbreitend

kṛtākṛtāṃstaṇḍulāṃś ca palalaudanameva ca / matsyānpaṅkāṃstathaivāmān puṣpaṃ citraṃ surāṃ tridhā //

gekochte und ungekochte Reiskörner, Sesambrei und Reisbrei, Fische, gekochte [?] und ebenso rohe, bunte Blumen und dreierlei Branntwein,

Wort für Wort
kṛta-akṛtān taṇḍulān
gekochte und ungekochte Reiskörner
palala-odanam
Sesambrei, Reisbrei
matsyān pakvān āmān
Fische, gekocht und roh
puṣpam citram
bunte Blumen
surām tridhā
dreierlei Branntwein

paṅkān („Schlamm“) ist wohl für pakvān („gekochte“) verschrieben.

mūlakaṃ pūrikāṃ pūpāṃstathaivaiṇḍavikāsrajaḥ / dadhyannaṃ pāyasaṃ piṣṭaṃ modakaṃ guḍamarpayet //

Rettich, Pūrikā- und Pūpa-Kuchen, ebenso Kränze aus … [?], Reis mit Dickmilch, Milchreis, Mehlspeise, Modaka-Bällchen und Rohzucker bringe man dar.

Wort für Wort
mūlakam
Rettich
pūrikām pūpān
Pūrikā- und Pūpa-Kuchen
dadhi-annam pāyasam
Dickmilchreis, Milchreis
piṣṭam modakam
Mehlspeise, Modaka
guḍam arpayet
bringe Rohzucker dar

aiṇḍavikāsrajaḥ ist unklar; vielleicht Kränze aus einer Pflanze oder eine Gebäckart.

vināyakasya jananīmupatiṣṭhettato 'mbikāṃ / dūrvāsarṣapapuṣpāṇāṃ datvārghyaṃ pūrṇamañjaliṃ //

Dann trete man vor Ambikā, die Mutter Vināyakas, und gebe [ihr] ein Gastwasser aus Dūrvā-Gras, Senf und Blumen, eine volle Handvoll:

Wort für Wort
vināyakasya jananīm
die Mutter Vināyakas
upatiṣṭhet ambikām
trete vor Ambikā
dūrvā-sarṣapa-puṣpāṇām
aus Dūrvā, Senf und Blumen
arghyam
Gastwasser
pūrṇam añjalim
eine volle Handvoll

rūpaṃ dehi yaśo dehi saubhāgyaṃ subhage mama / putraṃ dehi dhanaṃ dehi sarvān kāmāṃś ca dehi me //

„Gib mir Schönheit, gib Ruhm, gib Glück, o Glückselige; gib einen Sohn, gib Reichtum, gib mir alle Wünsche!“

Wort für Wort
rūpam dehi
gib Schönheit
yaśaḥ dehi
gib Ruhm
saubhāgyam subhage
Glück, o Glückselige
putram dhanam
Sohn, Reichtum
sarvān kāmān
alle Wünsche

bhojayedbrāhmaṇāndadyādvastrayugmaṃ gurorapi / vināyakaṃ grahānprārcya śriyaṃ karmaphalaṃ labhet //

Man speise Brahmanen und gebe auch dem Lehrer ein Paar Gewänder. Wer Vināyaka und die Planeten verehrt hat, erlangt Glück und die Frucht seiner Handlungen.

Wort für Wort
bhojayet brāhmaṇān
speise Brahmanen
vastra-yugmam guroḥ
ein Gewandpaar dem Lehrer
vināyakam grahān prārcya
Vināyaka und die Planeten verehrend
śriyam
Glück
karma-phalam labhet
erlangt die Frucht der Handlungen

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