Kapitel 339: rītinirūpaṇam
Darlegung der Stilarten (Rīti)
Agni beschreibt die vier Stilarten (rīti) Pāñcālī, Gauḍīyā, Vaidarbhī und Lāṭīyā nach Gebrauch übertragener Ausdrücke, Fügung und Kompositalänge, dann die vier Darstellungsweisen (vṛtti) Bhāratī, Ārabhaṭī, Kaiśikī und Sāttvatī mit den Gliedern der Bhāratī und den dreizehn Gliedern der Vīthī. In der Vorlage ist die Sprecherangabe 'agnir uvāca' (verderbt 'agnirucāca') in den Kapiteltitel geraten; der Kapiteltitel wurde daher aus dem Kolophon übernommen. Das Kapitel endet abrupt nach den Gliedern der Ārabhaṭī.
[Agni sprach:] Bei der Verständigung über die Redekunst [gilt]: auch der Stil (rīti) ist vierfach – Pāñcālī, die aus dem Gauḍa-Land, Vaidarbhī und die aus Lāṭa stammende.
Wort für Wort
vāg-vidyā
Redekunst
sampratijñāne
bei der Verständigung
rītiḥ
Stil
caturvidhā
vierfach
pāñcālī
Pāñcālī (Stil von Pañcāla)
vaidarbhī
Vaidarbhī (Stil von Vidarbha)
Die Sprecherangabe ist in der Vorlage in den Kapiteltitel geraten ('agnirucāca' für 'agnir uvāca') und fehlt hier im Vers; sie ist in eckigen Klammern ergänzt.
upacārair na bahubhirupacārair vivarjitā / nātikomalasandarbhā vaidarbhī muktavigrahā //
Die Vaidarbhī ist nicht mit vielen übertragenen Ausdrücken [versehen], [aber auch] nicht ohne übertragene Ausdrücke, mit nicht übermäßig weicher Fügung und frei von Komposita.
Die Lāṭīyā hat eine deutliche Fügung und nicht allzu schillernde Komposita; sie gilt als [Stil], der auch auf eine Fülle übertragener Ausdrücke verzichtet.
Die Darstellungsweise (vṛtti) ist die in den Handlungen nicht unausgewogene [Art]; Bhāratī, Ārabhaṭī, Kaiśikī und Sāttvatī – so ist sie vierfach festgelegt.
Die Bhāratī, in der die Rede vorherrscht, meist von Männern getragen, mit Frauen verbunden [?] und in Prakrit-Äußerungen, heißt Bhāratī als Stil, weil sie von Bharata eingeführt wurde.
Wort für Wort
vāk-pradhānā
mit vorherrschender Rede
nara-prāyā
meist von Männern
strī-yuktā
mit Frauen verbunden
prākṛta-uktitā
mit Prakrit-Äußerungen
bharatena praṇītatvāt
weil von Bharata eingeführt
'strīyuktā' steht im Widerspruch zur erwarteten Definition (sonst 'ohne Frauen'); möglicherweise entstellt.
catvāryaṅgāni bhāratyā vīthī prahasanantathā / prastāvanā nāṭakādervīthyaṅgāś ca trayodaśa //
Vier Glieder hat die Bhāratī: die Vīthī, ebenso das Prahasana, die Prastāvanā des Dramas usw. [und ein viertes]; und die Glieder der Vīthī sind dreizehn:
tāpasādeḥ prahasanaṃ parihāsaparaṃ vacaḥ / māyendrajālayuddhādibahulārabhaṭī smṛtā / maṅkṣiptakārapātau ca vastūtthāpanameva ca //
Das Prahasana ist die auf Spott gerichtete Rede von Asketen usw. Die Ārabhaṭī gilt als reich an Zauberei, Gaukelei, Kampf usw.; [zu ihr gehören] Saṅkṣiptaka und Avapāta sowie Vastūtthāpana.
Wort für Wort
tāpasa-ādeḥ
von Asketen usw.
parihāsa-param vacaḥ
auf Spott gerichtete Rede
māyā-indrajāla-yuddha
Zauberei, Gaukelei, Kampf
ārabhaṭī
Ārabhaṭī
saṅkṣiptaka
Saṅkṣiptaka
vastu-utthāpanam
Vastūtthāpana
'maṅkṣiptakārapātau' = saṅkṣiptakāvapātau. Drei Halbzeilen; das Kapitel bricht hier ab (Kaiśikī und Sāttvatī nicht weiter behandelt).