Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 41: śilāvinyāsavidhānam Die Vorschrift zur Legung der Grundsteine

Beschrieben wird die 'Fußweihe' (Grundsteinlegung): Maße der Ziegel und Steine, die Aufstellung von neun Wasserkrügen unter vedischen Mantras, Feueropfer, die Niederlegung der Steine mit den Schatz- und Śakti-Gottheiten und die nächtliche 'Keimlegung' (garbhādhāna) mit Anrufungen der Erdgöttin. Es folgen Maße des Sockels, das Verdienst des Tempelbaus und Regeln zur Ausrichtung im Dorf. Der Kolophon nennt das Kapitel abweichend pātālayogakathana; einige Mantra-Anfänge und Opferangaben (Verse 7, 10-12, 15) sind verderbt.

bhagavānuvāca | pādapratiṣṭhāṃ vakṣāmi śilāvinyāsalakṣaṇaṃ / agrato maṇḍapaḥ kāryaḥ kuṇḍalānāntu catuṣṭayaṃ //

Der Erhabene sprach: Ich werde die Fußweihe (pādapratiṣṭhā) darlegen, die Merkmale der Steinlegung. Davor ist eine Halle (maṇḍapa) zu errichten und vier Feuergruben,

Wort für Wort
pāda-pratiṣṭhām
die Fußweihe (Grundsteinlegung)
śilā-vinyāsa-lakṣaṇam
die Merkmale der Steinlegung
agrataḥ
davor
maṇḍapaḥ kāryaḥ
eine Halle ist zu errichten
kuṇḍānām catuṣṭayam
vier Feuergruben

vakṣāmi: lies vakṣyāmi; kuṇḍalānāṃ wohl für kuṇḍānāṃ 'Feuergruben'.

kumbhanyāseṣṭakānyāso dvārastambhocchrayaṃ śubhaṃ / pādonaṃ pūrayet khātaṃ tatra vāstuṃ yajet same //

[ferner] die Setzung der Krüge, die Setzung der Ziegel [und] die glückbringende Aufrichtung der Türpfosten. Die Grube fülle er zu drei Vierteln; dort, auf ebenem [Grund], verehre er den Vāstu.

Wort für Wort
kumbha-nyāsa
Setzung der Krüge
iṣṭakā-nyāsaḥ
Setzung der Ziegel
dvāra-stambha-ucchrayam
Aufrichtung der Türpfosten
pāda-ūnam pūrayet
soll um ein Viertel weniger füllen
vāstum yajet
soll den Vāstu verehren

iṣṭakāś ca supakvāḥ syurdvādaśāṅgulasammitāḥ / savistāratribhāgena vaipulyena samanvitāḥ //

Die Ziegel sollen gut gebrannt sein, zwölf Fingerbreit messend, versehen mit einer Breite [und] einer Dicke von einem Drittel [davon] [?].

Wort für Wort
iṣṭakāḥ
Ziegel
supakvāḥ
gut gebrannt
dvādaśa-aṅgula-sammitāḥ
zwölf Fingerbreit messend
tri-bhāgena
mit einem Drittel
vaipulyena
mit der Dicke, Weite

savistāratribhāgena vaipulyena: Verhältnis von Breite und Dicke nicht eindeutig.

karapramāṇā śreṣṭhā syācchilāpyatha śilāmaye / nava kumbhāṃstāmramayān sthāpayediṣṭakāghaṭān //

Bei einem Steinbau sei [auch] der Stein am besten eine Elle groß. Neun Krüge aus Kupfer, Krüge für die Ziegel, soll er aufstellen,

Wort für Wort
kara-pramāṇā
eine Elle groß
śreṣṭhā
am besten
śilā-maye
bei einem Steinbau
nava kumbhān tāmra-mayān
neun kupferne Krüge
sthāpayet
soll aufstellen

adbhiḥ pañcakaṣāyeṇa sarvauṣadhijalena ca / gandhatoyena ca tathā kumbhaistoyasupūritaiḥ //

mit Wasser, mit dem Absud der fünf Rinden, mit Wasser mit allen Heilkräutern und ebenso mit Duftwasser – mit Krügen, gut mit Wasser gefüllt,

Wort für Wort
adbhiḥ
mit Wasser
pañca-kaṣāyeṇa
mit dem Absud der fünf [Baum]rinden
sarva-oṣadhi-jalena
mit Allkräuterwasser
gandha-toyena
mit Duftwasser
toya-supūritaiḥ
gut mit Wasser gefüllt

hiraṇyavrīhisaṃyuktair gandhacandanacarcitaiḥ / āpo hi ṣṭheti tisṛbhiḥ śanno devīti cāpyatha //

mit Gold und Reiskörnern versehen, mit Duftstoffen und Sandel bestrichen; [unter Rezitation] der drei [Verse] 'āpo hi ṣṭhā' und dann 'śaṃ no devīḥ',

Wort für Wort
hiraṇya-vrīhi-saṃyuktaiḥ
mit Gold und Reis versehen
gandha-candana-carcitaiḥ
mit Duft und Sandel bestrichen
āpo hi ṣṭhā
Mantra-Anfang 'ihr Wasser seid ja …'
tisṛbhiḥ
mit den dreien
śaṃ no devīḥ
Mantra-Anfang 'Heil uns, die Göttinnen …'

Vedische Mantra-Anfänge im Original belassen.

tarat samandīriti ca pāvamānībhireva ca / uduttamaṃ varuṇamiti kathānaś ca tathaiva ca //

'taratsamandī' und den Pāvamānī-[Versen], 'ud uttamaṃ varuṇa' und ebenso 'kathā naḥ' [?],

Wort für Wort
tarat sa mandī
Mantra-Anfang 'taratsamandī'
pāvamānībhiḥ
mit den Pāvamānī-Versen
ud uttamam varuṇa
Mantra-Anfang 'löse, Varuṇa, die oberste [Fessel]'
tathā eva ca
und ebenso

kathānaś: wohl der Mantra-Anfang kathā naḥ; unsicher.

varuṇasyeti mantreṇa haṃsaḥ śuciṣadityapi / śrīsūktena tathā śilāḥ saṃsthāpya saṃghaṭāḥ //

mit dem Mantra 'varuṇasya', mit 'haṃsaḥ śuciṣat' und ebenso mit dem Śrī-Sūkta – nachdem er die Steine samt den Krügen aufgestellt hat,

Wort für Wort
varuṇasya iti mantreṇa
mit dem Mantra 'varuṇasya'
haṃsaḥ śuciṣat
Mantra-Anfang 'der Schwan, im Lichten sitzend'
śrī-sūktena
mit dem Śrī-Hymnus
śilāḥ saṃsthāpya
die Steine aufgestellt habend
sa-ghaṭāḥ
samt den Krügen

śayyāyāṃ maṇḍape prācyāṃ maṇḍale harimarcayet / juhuyājjanayitvāgniṃ samidho dvādaśīstataḥ //

verehre er Hari auf einem Lager in der Halle, im Osten, im Maṇḍala. Nachdem er das Feuer erzeugt hat, opfere er dann zwölf Brennhölzer.

Wort für Wort
śayyāyām
auf einem Lager
prācyām
im Osten
harim arcayet
soll Hari verehren
janayitvā agnim
das Feuer erzeugt habend
samidhaḥ dvādaśa
zwölf Brennhölzer

āghārāvājyabhāgau tu praṇavenaiva kārayet / aṣṭāhutīs tathāṣṭāntair ājyaṃ vyāhṛtibhiḥ kramāt //

Die beiden Āghāra- und die beiden Ājyabhāga-Spenden vollziehe er allein mit dem Praṇava (oṃ); ebenso acht Spenden mit den auf 'acht' endenden [Mantras] [?], [dann] Schmalz mit den Vyāhṛtis der Reihe nach.

Wort für Wort
āghārau ājya-bhāgau
die beiden Āghāra- und Ājyabhāga-Spenden
praṇavena eva
allein mit Oṃ
aṣṭa-āhutīḥ
acht Spenden
ājyam
Schmalz
vyāhṛtibhiḥ kramāt
mit den Vyāhṛtis der Reihe nach

aṣṭāntaiḥ ist unklar.

lokeśānāmagnaye vai somāyāvagraheṣu ca / puruṣottamāyeti ca vyāhṛtīrjuhuyāttataḥ //

'Den Welthütern', 'dem Agni', 'dem Soma', bei den Avagrahas [?] und 'dem Puruṣottama' – dann opfere er die Vyāhṛtis.

Wort für Wort
loka-īśānām
den Welthütern
agnaye
dem Agni
somāya
dem Soma
puruṣottamāya
dem Höchsten Geist
vyāhṛtīḥ juhuyāt
soll die Vyāhṛtis opfern

somāyāvagraheṣu: vielleicht 'dem Soma, den Planeten (grahebhyaḥ)'; verderbt.

prāyaścittaṃ tataḥ pūrṇāṃ mūrtimāṃsaghṛtāṃstilān / vedādyair dvādaśāntena kumbheṣu ca pṛthak pṛthak //

Dann die Sühne und die Vollspende; Sesam mit Butterschmalz [?] [opfere er] mit [Mantras], die mit dem Veda-Anfang (oṃ) beginnen und mit dem Zwölfsilbigen enden, in die Krüge je einzeln.

Wort für Wort
prāyaścittam
Sühnehandlung
pūrṇām
die Vollspende
ghṛtān tilān
Sesam mit Schmalz
veda-ādyaiḥ
mit dem Veda-Anfang (oṃ)
dvādaśa-antena
mit dem Zwölfsilbigen am Ende
pṛthak pṛthak
je einzeln

mūrtimāṃsaghṛtāṃs tilān ist verderbt; übersetzt ist nur 'Sesam mit Schmalz'.

prāṅmukhastu guruḥ kuryādaṣṭadikṣu vilipya ca / madhye caikāṃ śilāṃ kumbhaṃ nyasedetān surān kramāt //

Der Guru, nach Osten gewandt, soll [den Boden] in den acht Richtungen bestreichen und in der Mitte einen Stein [und] einen Krug niederlegen; diese Gottheiten lege er der Reihe nach nieder:

Wort für Wort
prāṅmukhaḥ
nach Osten gewandt
aṣṭa-dikṣu
in den acht Richtungen
vilipya
bestrichen habend
madhye ekām śilām
in der Mitte einen Stein
nyaset surān kramāt
soll die Götter der Reihe nach niederlegen

padmaṃ caiva mahāpadmaṃ makaraṃ kacchapaṃ tathā / kumudañca tathā nandaṃ padmaṃ śaṅkhañca padminīṃ //

Padma, Mahāpadma, Makara, ebenso Kacchapa, Kumuda, ebenso Nanda, Padma [?], Śaṅkha und Padminī.

Wort für Wort
padmam mahāpadmam
Padma, Mahāpadma
makaram kacchapam
Makara, Kacchapa
kumudam nandam
Kumuda, Nanda
śaṅkham
Śaṅkha
padminīm
Padminī

Dies sind die Schatz-Gottheiten (nidhi); Padma erscheint zweimal, vermutlich verderbt (etwa für Nīla).

kumbhānna cālayetteṣu iṣṭakānāntu devatāḥ / īśānāntāś ca pūrvādāviṣṭakāṃ prathamaṃ nyaset //

Die Krüge soll er dabei nicht bewegen. Die Gottheiten der Ziegel [sind] ... bis Īśāna [?]; im Osten usw. lege er zuerst den Ziegel nieder.

Wort für Wort
kumbhān na cālayet
soll die Krüge nicht bewegen
iṣṭakānām devatāḥ
die Gottheiten der Ziegel
īśāna-antāḥ
mit Īśāna endend
pūrva-ādau
im Osten usw.
prathamam nyaset
soll zuerst niederlegen

Der erste Halbvers wiederholt iṣṭakānāntu devatāḥ aus Vers 16 und ist wohl verderbt; īśānāntāś 'mit Īśāna endend' bezieht sich vermutlich auf die Richtungsfolge.

śaktayo vimalādyāstu iṣṭakānāntu devatāḥ / nyasanīyā yathā yogaṃ madhye nyasyā tvanugrahā //

Die Kräfte (śakti) Vimalā usw. sind die Gottheiten der Ziegel; sie sind gemäß der Zuordnung niederzulegen; in der Mitte ist Anugrahā niederzulegen.

Wort für Wort
śaktayaḥ
die Kräfte
vimalā-ādyāḥ
Vimalā usw.
nyasanīyāḥ
sind niederzulegen
yathā-yogam
gemäß der Zuordnung
anugrahā
Anugrahā (Gnade)

avyaṅge cākṣata pūrṇaṃ muneraṅgirasaḥ sute / iṣṭake tvaṃ prayaccheṣṭaṃ pratiṣṭhāṃ kārayāmyahaṃ //

'Makellose, Unversehrte, Vollkommene, Tochter des Weisen Aṅgiras! O Ziegel, gewähre du das Erwünschte; ich vollziehe die Weihe.'

Wort für Wort
avyaṅge
o Makellose
akṣate
o Unversehrte
pūrṇe
o Vollkommene
aṅgirasaḥ sute
Tochter des Aṅgiras
prayaccha iṣṭam
gewähre das Erwünschte

mantreṇānena vinyasya iṣṭakā deśakramottamaḥ / garbhādhānaṃ tataḥ kuryānmadhyasthāne samāhitaḥ //

Mit diesem Mantra lege der vorzüglichste Lehrer die Ziegel nieder; dann vollziehe er, gesammelt, die 'Keimlegung' (garbhādhāna) an der mittleren Stelle.

Wort für Wort
mantreṇa anena
mit diesem Mantra
vinyasya iṣṭakāḥ
die Ziegel niederlegend
deśika-uttamaḥ
der beste Lehrer
garbha-ādhānam
die Keimlegung
samāhitaḥ
gesammelt

deśakramottamaḥ wohl verderbt für deśikottamaḥ 'bester Lehrer'.

kumbhopariṣṭhādeveśaṃ padminīṃ nyasya devatāṃ / mṛttikāś caiva puṣpāṇi dhātavo ratnameva ca //

Auf den Krug lege er die Göttin Padminī, die Herrin der Götter [?]; Erden, Blumen, Mineralien und Edelsteine,

Wort für Wort
kumbha-upariṣṭāt
oben auf den Krug
padminīm devatām
die Gottheit Padminī
mṛttikāḥ
Erden
dhātavaḥ
Mineralien, Metalle
ratnam
Edelstein

kumbhopariṣṭhādeveśaṃ: wohl kumbhopariṣṭhād deveśīṃ.

lauhāni dikpaterastraṃ yajedvai garbhabhājane / dvādaśāṅgulavistāre caturaṅgulakocchraye //

Metalle und die Waffe des Richtungshüters verehre er im Keimgefäß, [das] zwölf Fingerbreit weit und vier Fingerbreit hoch [ist],

Wort für Wort
lauhāni
Metalle
dikpateḥ astram
die Waffe des Richtungshüters
garbha-bhājane
im Keimgefäß
dvādaśa-aṅgula-vistāre
zwölf Fingerbreit weit
catur-aṅgula-ucchraye
vier Fingerbreit hoch

padmākāre tāmramaye bhājane pṛthivīṃ yajet / ekānte sarvabhūteśe parvatāsanamaṇḍite //

lotosförmig, aus Kupfer; in diesem Gefäß verehre er die Erde [mit den Worten]: 'Einzige, Herrin aller Wesen, mit Bergen als Sitz geschmückt,

Wort für Wort
padma-ākāre
lotosförmig
tāmra-maye
kupfern
pṛthivīm yajet
soll die Erde verehren
ekānte
o Einzige
parvata-āsana-maṇḍite
mit Bergen als Sitz geschmückt

samudraparivāre tvaṃ devi garbhaṃ samāśraya / nande nandaya vāsiṣṭhe vasubhiḥ prajayā saha //

vom Ozean umgeben, o Göttin, nimm du den Keim auf! Nandā, Tochter des Vasiṣṭha, erfreue [uns] mit Gütern und Nachkommenschaft!

Wort für Wort
samudra-parivāre
vom Ozean umgeben
garbham samāśraya
nimm den Keim auf
nande
o Nandā
nandaya
erfreue
vasubhiḥ prajayā saha
mit Gütern und Nachkommen

jaye bhārgavadāyāde prajānāṃ vijayāvahe / pūrṇeṅgirasadāyāde pūrṇakāmaṃ kuruṣva māṃ //

Jayā, Nachfahrin des Bhṛgu, die du den Geschöpfen Sieg bringst! Pūrṇā, Nachfahrin des Aṅgiras, mache mich zu einem, dessen Wünsche erfüllt sind!

Wort für Wort
jaye
o Jayā
bhārgava-dāyāde
Nachfahrin des Bhṛgu
prajānām vijaya-āvahe
den Geschöpfen Sieg bringend
pūrṇe
o Pūrṇā
pūrṇa-kāmam kuruṣva
mache wunscherfüllt

bhadre kāśyapadāyāde kuru bhadrāṃ matiṃ mama / sarvavījasamāyukte sarvaratnauṣadhīvṛte //

Bhadrā, Nachfahrin des Kaśyapa, mache meinen Sinn glückhaft! Die du mit allen Samen versehen und von allen Edelsteinen und Heilkräutern umgeben bist,

Wort für Wort
bhadre
o Bhadrā
kāśyapa-dāyāde
Nachfahrin des Kaśyapa
bhadrām matim
glückhaften Sinn
sarva-bīja-samāyukte
mit allen Samen versehen
sarva-ratna-oṣadhī-vṛte
von allen Edelsteinen und Kräutern umgeben

jaye surucire nande vāsiṣṭhe ramyatāmiha / prajāpatisute devi caturasre mahīyasi //

Jayā, Wunderschöne, Nandā, Vāsiṣṭhī, erfreue dich hier! Tochter des Prajāpati, Göttin, Viereckige, Überaus Große,

Wort für Wort
surucire
o Wunderschöne
vāsiṣṭhe
o Vāsiṣṭhī
ramyatām iha
erfreue dich hier
prajāpati-sute
Tochter des Prajāpati
catur-asre
o Viereckige

subhage suprabhe bhadre gṛhe kāśyapi ramyatāṃ / pūjite paramāś carye gandhamālyair alaṅkṛte //

Glückselige, Schönglänzende, Bhadrā, Kāśyapī, erfreue dich im Haus! Verehrte, höchst Wunderbare, mit Duftstoffen und Kränzen Geschmückte,

Wort für Wort
subhage
o Glückselige
suprabhe
o Schönglänzende
kāśyapi
o Kāśyapī
parama-āścarye
o höchst Wunderbare
gandha-mālyaiḥ alaṅkṛte
mit Duft und Kränzen geschmückt

bhavabhūtikarī devi gṛhe bhārgavi ramyatāṃ / deśasvāmipurasvāmigṛhasvāmiparigrahe //

Göttin, die du Gedeihen und Wohlstand bewirkst, Bhārgavī, erfreue dich im Haus! Zur Inbesitznahme durch den Landesherrn, den Stadtherrn und den Hausherrn,

Wort für Wort
bhava-bhūti-karī
Gedeihen und Wohlstand bewirkend
bhārgavi
o Bhārgavī
deśa-svāmin
Landesherr
pura-svāmin
Stadtherr
gṛha-svāmi-parigrahe
zur Inbesitznahme durch den Hausherrn

manuṣyādikatuṣṭyarthaṃ paśuvṛddhikarī bhava / evamuktvā tataḥ khātaṃ gomūtreṇa tu secayet //

zur Zufriedenheit der Menschen usw. sei du Mehrerin des Viehs!' Nachdem er so gesprochen hat, besprenge er dann die Grube mit Kuhurin.

Wort für Wort
manuṣya-ādika-tuṣṭi-artham
zur Zufriedenheit der Menschen usw.
paśu-vṛddhi-karī bhava
sei Mehrerin des Viehs
evam uktvā
so gesprochen habend
khātam
die Grube
go-mūtreṇa secayet
soll mit Kuhurin besprengen

kṛtvā nidhāpayedgarbhaṃ garbhādhānaṃ bhavenniśi / govastrādi pradadyācca guravenyeṣu bhojanaṃ //

Nachdem er [dies] getan, soll er den Keim niederlegen; die Keimlegung geschehe nachts. Und er gebe dem Guru Kuh, Gewand usw., den anderen Speise.

Wort für Wort
nidhāpayet garbham
soll den Keim niederlegen
niśi
nachts
go-vastra-ādi
Kuh, Gewand usw.
gurave
dem Guru
anyeṣu bhojanam
den anderen Speise

guravenyeṣu: lies gurave 'nyeṣu.

garbhaṃ nyasyeṣṭakā nyasya tato garbhaṃ prapūrayet / pīṭhabandhamataḥ kuryānmitaprāsādamānataḥ //

Nachdem er den Keim und die Ziegel niedergelegt hat, fülle er dann die Keimgrube auf. Danach errichte er den Sockelbau nach dem Maß des geplanten Tempels.

Wort für Wort
garbham nyasya
den Keim niederlegend
iṣṭakāḥ nyasya
die Ziegel niederlegend
prapūrayet
soll auffüllen
pīṭha-bandham
Sockelbau
mita-prāsāda-mānataḥ
nach dem Maß des bemessenen Tempels

pīṭhottamañcocchrayeṇa prāsādasyārdhavistarāt / padahīnaṃ madhyamaṃ syāt kaniṣṭhaṃ cottamārdhataḥ //

Der beste Sockel [hat] in der Höhe die Hälfte der Breite des Tempels; um ein Viertel verringert ist der mittlere, der kleinste die Hälfte des besten.

Wort für Wort
pīṭha-uttamam
der beste Sockel
ucchrayeṇa
in der Höhe
prāsādasya ardha-vistarāt
nach der halben Breite des Tempels
pada-hīnam
um ein Viertel verringert
uttama-ardhataḥ
die Hälfte des besten

pīṭhabandhopariṣṭhāttu vāstuyāgaṃ punaryajet / pādapratiṣṭhākārī tu niṣpāpo divi modate //

Oberhalb des Sockelbaus vollziehe er erneut ein Vāstu-Opfer. Wer die Fußweihe vollzieht, freut sich sündlos im Himmel.

Wort für Wort
pīṭha-bandha-upariṣṭāt
oberhalb des Sockelbaus
vāstu-yāgam
Vāstu-Opfer
punaḥ yajet
soll erneut opfern
pāda-pratiṣṭhā-kārī
wer die Fußweihe vollzieht
niṣpāpaḥ divi modate
freut sich sündlos im Himmel

devāgāraṃ karomīti manasā yastu cintayet / tasya kāyagataṃ pāpaṃ tadahnā hi praṇaśyati //

Wer im Geist denkt: 'Ich baue ein Götterhaus', dessen am Körper haftende Sünde vergeht noch am selben Tag.

Wort für Wort
deva-āgāram karomi
ich baue ein Götterhaus
manasā cintayet
im Geist denkt
kāya-gatam pāpam
die am Körper haftende Sünde
tat-ahnā
am selben Tag
praṇaśyati
vergeht

kṛte tu kiṃ punastasya prāsāde vidhinaiva tu / aṣṭeṣṭakasamāyuktaṃ yaḥ kuryāddevatālayaṃ //

Wie viel mehr erst, wenn der Tempel vorschriftsgemäß gebaut ist! Wer einen Göttertempel mit acht Ziegeln versehen baut –

Wort für Wort
kṛte tu
wenn aber gebaut
kim punaḥ
wie viel mehr
vidhinā eva
vorschriftsgemäß
aṣṭa-iṣṭaka-samāyuktam
mit acht Ziegeln versehen
devatā-ālayam
Göttertempel

na tasya phalasampattirvaktuṃ śakyeta kenacit / anenaivānumeyaṃ hi phalaṃ prāsādavistarāt //

die Fülle seines Lohns vermag niemand auszusprechen. Allein hieraus ist der Lohn bei größerem Umfang des Tempels zu erschließen.

Wort für Wort
phala-sampattiḥ
die Fülle des Lohns
vaktum śakyeta
könnte ausgesprochen werden
kenacit
von irgendwem
anumeyam
zu erschließen
prāsāda-vistarāt
nach dem Umfang des Tempels

grāmamadhye ca pūrve ca pratyagdvāraṃ prakalpayet / vidiśāsu ca sarvāsu grāme pratyaṅmukho bhavet / dakṣiṇe cottare caiva paścime prāṅmukho bhavet //

In der Mitte des Dorfes und im Osten soll er die Tür nach Westen anlegen; in allen Zwischenrichtungen im Dorf soll [der Tempel] nach Westen gewandt sein; im Süden, im Norden und im Westen soll er nach Osten gewandt sein.

Wort für Wort
grāma-madhye
in der Mitte des Dorfes
pratyak-dvāram
eine westliche Tür
prakalpayet
soll anlegen
vidiśāsu
in den Zwischenrichtungen
pratyaṅmukhaḥ
nach Westen gewandt
prāṅmukhaḥ
nach Osten gewandt

Der Vers hat drei Halbverse.

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