Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 15: pāṇḍavacaritavarṇanam (mahābhāratavarṇanam) Beschreibung des Wandels der Pāṇḍavas (Beschreibung des Mahābhārata, Schluss)

Das Kapitel schließt die Mahābhārata-Zusammenfassung ab: Dhṛtarāṣṭras Rückzug in den Wald, der Untergang der Yādavas durch die Keule, Kṛṣṇas Heimgang in Prabhāsa, die Überflutung Dvārakās, Arjunas Machtverlust und die letzte Wanderung der Pāṇḍavas bis zu Yudhiṣṭhiras Aufnahme in den Himmel. Der Kolophon wiederholt den Namen mahābhāratavarṇana des vorigen Kapitels.

agnir uvāca | yudhiṣṭhire tu rājyasthe āśramādāśramāntaram / dhṛtarāṣṭro vanamagād gāndhārī ca pṛthā dvija //

Agni sprach: Als Yudhiṣṭhira auf dem Thron saß, ging Dhṛtarāṣṭra vom einen Lebensstadium in das andere über [Anm.: vom Hausvater- in das Waldeinsiedlerstadium] und zog in den Wald, und [mit ihm] Gāndhārī und Pṛthā, o Brahmane.

Wort für Wort
rājya-sthe
als er auf dem Thron war
āśramāt āśrama-antaram
von einem Lebensstadium in ein anderes
vanam agāt
ging in den Wald
pṛthā
Pṛthā (Kuntī)
dvija
o Zweimalgeborener

āśrama hier „Lebensstadium“, nicht „Einsiedelei“.

vidurastvagninā dagdho vanajena divaṅgataḥ / evaṃ viṣṇurbhuvo bhāramaharaddānavādikam //

Vidura aber ging, vom Waldfeuer verbrannt, in den Himmel ein. So nahm Viṣṇu die Last der Erde, die Dānavas und die übrigen, hinweg,

Wort für Wort
agninā dagdhaḥ
vom Feuer verbrannt
vana-jena
vom im Wald entstandenen (Waldbrand)
divam gataḥ
ging in den Himmel
bhuvaḥ bhāram aharat
nahm die Last der Erde weg
dānava-ādikam
die Dānavas usw.

dharmāyādharmanāśāya nimittīkṛtya pāṇḍavān / sa vipraśāpavyājena muṣalenāharat kulam //

zugunsten des Dharma und zur Vernichtung des Adharma, indem er die Pāṇḍavas zu seinem Werkzeug machte. Unter dem Vorwand eines Brahmanenfluchs vernichtete er durch die Keule das Geschlecht

Wort für Wort
dharmāya adharma-nāśāya
für den Dharma, zur Vernichtung des Adharma
nimittī-kṛtya
zum Werkzeug machend
vipra-śāpa-vyājena
unter dem Vorwand eines Brahmanenfluchs
muṣalena
durch die Keule
aharat kulam
raffte das Geschlecht hinweg

yādavānāṃ bhārakaraṃ vajraṃ rājyebhyaṣecayat / devadeśāt prabhāse sa dehaṃ tyaktvā svayaṃ hariḥ //

der Yādavas, das [der Erde] zur Last war. Vajra weihte er zum Herrscher. Auf Geheiß der Götter gab Hari selbst in Prabhāsa seinen Körper auf

Wort für Wort
bhāra-karam
Last verursachend
vajram rājye abhyaṣecayat
weihte Vajra zum Herrscher
deva-ādeśāt
auf Weisung der Götter
prabhāse
in Prabhāsa
deham tyaktvā svayam
selbst den Körper aufgebend

rājyebhyaṣecayat = rājye 'bhyaṣecayat.

indraloke brahmaloke pūjyate svargavāsibhiḥ / balabhadronantamūrtiḥ pātālasvargamīyivān //

und wird in Indras Welt und in Brahmās Welt von den Himmelsbewohnern verehrt. Balabhadra, eine Gestalt des Ananta, ging in den Himmel der Unterwelt ein.

Wort für Wort
indra-loke brahma-loke
in Indras und Brahmās Welt
pūjyate
wird verehrt
svarga-vāsibhiḥ
von den Himmelsbewohnern
ananta-mūrtiḥ
Gestalt des Ananta (Weltschlange)
pātāla-svargam īyivān
ging in den Unterwelt-Himmel

balabhadronantamūrtiḥ = balabhadro 'nantamūrtiḥ.

avināśī harirdevo dhyānibhirdhyeya eva saḥ / vinā taṃ dvārakāsthānaṃ plāvayāmāsa sāgaraḥ //

Der unvergängliche Gott Hari ist von den Meditierenden allein zu meditieren. Ohne ihn überflutete das Meer die Stätte Dvārakā.

Wort für Wort
avināśī
unvergänglich
dhyānibhiḥ dhyeyaḥ
von Meditierenden zu meditieren
vinā tam
ohne ihn
dvārakā-sthānam
die Stätte Dvārakā
plāvayāmāsa sāgaraḥ
das Meer überflutete

saṃskṛtya yādavān pārtho dattodakadhanādikaḥ / striyoṣṭāvakraśāpena bhāryā viṣṇoś ca yāḥ sthitāḥ //

Nachdem Pārtha die Yādavas bestattet und Wasserspenden, Güter und anderes gegeben hatte, [wurden] die Frauen – die Gattinnen Viṣṇus, die übrig geblieben waren – infolge des Fluchs Aṣṭāvakras

Wort für Wort
saṃskṛtya yādavān
die Yādavas bestattet
datta-udaka-dhana-ādikaḥ
Wasser, Güter usw. gegeben
aṣṭāvakra-śāpena
durch Aṣṭāvakras Fluch
bhāryāḥ viṣṇoḥ
die Gattinnen Viṣṇus
yāḥ sthitāḥ
die übrig waren

striyoṣṭāvakra = striyo 'ṣṭāvakra-.

punastacchāpato nītā gopālair laguḍāyudhaiḥ / arjunaṃ hi tiraskṛtya pārthaḥ śokañcakāra ha //

wiederum durch dessen Fluch von Hirten, die Knüppel als Waffen führten, weggeführt, die Arjuna geringschätzten; der Pārtha war darüber tief bekümmert.

Wort für Wort
punaḥ tat-śāpataḥ
wiederum durch dessen Fluch
nītāḥ
weggeführt
gopālaiḥ laguḍa-āyudhaiḥ
von Hirten mit Knüppeln als Waffen
arjunam tiraskṛtya
Arjuna missachtend
śokam cakāra
war bekümmert

vyāsenāśvāsito mene balaṃ me kṛṣṇasannidhau / hastināpuramāgatya pārthaḥ sarvaṃ nyavedayat //

Von Vyāsa getröstet, erkannte er: „Meine Kraft [bestand nur] in der Nähe Kṛṣṇas.“ Nach Hastināpura zurückgekehrt, berichtete der Pārtha alles

Wort für Wort
vyāsena āśvāsitaḥ
von Vyāsa getröstet
mene
erkannte, dachte
balam me
meine Kraft
kṛṣṇa-sannidhau
in Kṛṣṇas Nähe
sarvam nyavedayat
berichtete alles

yudhiṣṭhirāya sa bhrātre pālakāya nṛṇāntadā / taddhanustāni cāstrāṇi sa rathaste ca vājinaḥ //

damals seinem Bruder Yudhiṣṭhira, dem Hüter der Menschen: „Jener Bogen, jene Geschosse, jener Wagen und jene Pferde –

Wort für Wort
bhrātre
dem Bruder
pālakāya nṛṇām
dem Hüter der Menschen
tat dhanuḥ
jener Bogen
astrāṇi
Geschosse
rathaḥ vājinaḥ
Wagen, Pferde

vinā kṛṣṇena tannaṣṭaṃ dānañcāśrotriye yathā / tac chrutvā dharmarājastu rājye sthāpya parīkṣitam //

ohne Kṛṣṇa ist das [alles] zunichte, wie eine Gabe an einen, der nicht vedakundig ist.“ Als der Dharma-König dies gehört hatte, setzte er Parīkṣit in die Herrschaft ein

Wort für Wort
vinā kṛṣṇena
ohne Kṛṣṇa
tat naṣṭam
das ist verloren
dānam aśrotriye yathā
wie eine Gabe an einen Nicht-Vedakundigen
rājye sthāpya parīkṣitam
Parīkṣit in die Herrschaft eingesetzt

prasthānaṃ prasthito dhīmān draupadyā bhrātṛbhiḥ saha / saṃsārānityatāṃ jñātvā japannaṣṭaśataṃ hareḥ //

und brach, der Weise, mit Draupadī und den Brüdern zur großen Wanderung auf; er erkannte die Unbeständigkeit des Daseinskreislaufs und murmelte die hundertacht [Namen] Haris.

Wort für Wort
prasthānam prasthitaḥ
brach zur (großen) Wanderung auf
draupadyā bhrātṛbhiḥ saha
mit Draupadī und den Brüdern
saṃsāra-anityatām
die Unbeständigkeit des Saṃsāra
japan aṣṭa-śatam hareḥ
die 108 (Namen) Haris murmelnd

prasthāna: die letzte Wanderung (mahāprasthāna); naṣṭaśataṃ = aṣṭaśataṃ.

mahāpathe tu patitā draupadī sahadevakaḥ / nakulaḥ phālguno bhīmo rājā śokaparāyaṇaḥ //

Auf dem großen Weg aber stürzten Draupadī, Sahadeva, Nakula, Phālguna [Anm.: Arjuna] und Bhīma. Der König, ganz dem Kummer hingegeben,

Wort für Wort
mahā-pathe
auf dem großen Weg
patitāḥ
fielen
phālgunaḥ
Phālguna (Arjuna)
śoka-parāyaṇaḥ
dem Kummer hingegeben

indrānītarathārūḍhaḥ sānujaḥ svargamāptavān / dṛṣṭvā duryodhanādīṃś ca vāsudevaṃ ca harṣitaḥ / etatte bhārataṃ proktaṃ yaḥ paṭhetsa divaṃ vrajet //

bestieg den von Indra gebrachten Wagen und gelangte mit seinen Brüdern in den Himmel; als er Duryodhana und die anderen sowie Vāsudeva sah, freute er sich. Dies ist dir als das Bhārata verkündet; wer es rezitiert, gelangt in den Himmel.

Wort für Wort
indra-ānīta-ratha-ārūḍhaḥ
den von Indra gebrachten Wagen bestiegen
sa-anujaḥ svargam āptavān
gelangte mit den Brüdern in den Himmel
dṛṣṭvā
gesehen habend
harṣitaḥ
erfreut
yaḥ paṭhet saḥ divam vrajet
wer es liest, geht in den Himmel

Dreizeiliger Vers.

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