Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 212: merudānāni Die Meru-Gaben

Agni beschreibt zunächst monatlich zu gebende Wunschgaben (meist Figuren aus Mehl, Zucker o. Ä.) mit ihren Himmelsfrüchten, dann die zwölffache Meru-Gabe: Nachbildungen des Weltberges Meru mit zwölf umliegenden Bergen aus Juwelen, Gold, Silber, Land, Elefanten, Pferden, Kühen, Stoffen, Butterschmalz, Zucker, Getreide und Sesam, samt Maßen und Weihespruch. In V. 4 ist narakaṃ („Hölle“) wohl für nākaṃ („Himmel“) verderbt; in V. 25 ist hayayadvādaśa° entstellt; einige Bergnamen (V. 13) sind unsicher.

agnir uvāca | kāmyadānāni vakṣyāmi sarvakāma pradāni te / nityapūjāṃ māsi māsi kṛtvātho kāmyapūjanaṃ //

Agni sprach: Ich werde dir die Wunschgaben (kāmyadāna) darlegen, die alle Wünsche gewähren. Nachdem man Monat für Monat die tägliche Verehrung vollzogen hat, dann die auf einen Wunsch gerichtete Verehrung;

Wort für Wort
kāmya-dānāni
die auf Wünsche gerichteten Gaben
sarva-kāma-pradāni
alle Wünsche gewährend
nitya-pūjām
die tägliche Verehrung
māsi māsi
Monat für Monat
kāmya-pūjanam
die Wunschverehrung

vratārhaṇaṃ guroḥ pūjā vatsarānte mahārcanaṃ / aśvaṃ vai mārgaśairṣe tu kamalaṃ piṣṭasambhavaṃ //

[ferner] die Ehrung beim Gelübde, die Verehrung des Lehrers und am Jahresende die große Verehrung. Wer aber im [Monat] Mārgaśīrṣa ein Pferd [und] einen aus Mehl geformten Lotus,

Wort für Wort
vrata-arhaṇam
Ehrung beim Gelübde
guroḥ pūjā
Verehrung des Lehrers
vatsara-ante
am Jahresende
mahā-arcanam
große Verehrung
mārgaśīrṣe
im Monat Mārgaśīrṣa
piṣṭa-sambhavam
aus Mehl entstanden

mārgaśairṣe wohl für mārgaśīrṣe.

śivāya pūjya yo dadyāt sūryaloke ciraṃ vaset / gajaṃ pauṣe piṣṭamayaṃ trisaptakulamuddharet //

nachdem er Śiva verehrt hat, darbringt, der weilt lange in der Welt der Sonne. [Wer] im Pauṣa einen Elefanten aus Mehl [gibt], errettet einundzwanzig Geschlechter.

Wort für Wort
śivāya pūjya
nachdem er Śiva verehrt hat
sūrya-loke
in der Welt der Sonne
ciram vaset
weilt lange
gajam piṣṭamayam
einen Elefanten aus Mehl
tri-sapta-kulam
einundzwanzig (3×7) Geschlechter
uddharet
errettet

māghe cāśvarathaṃ paiṣṭhaṃ dattvā narakaṃ vrajet / phālgune tu vṛṣaṃ paiṣṭaṃ svargabhuk syānmahīpatiḥ //

Wer im Māgha einen Pferdewagen aus Mehl gibt, gelangt in den Himmel [?]. Wer aber im Phālguna einen Stier aus Mehl [gibt], genießt den Himmel und wird [danach] ein König.

Wort für Wort
māghe
im Monat Māgha
aśva-ratham paiṣṭham
einen Pferdewagen aus Mehl
narakam (nākam?) vrajet
geht zur Hölle (lies: in den Himmel)
vṛṣam paiṣṭam
einen Stier aus Mehl
svarga-bhuk
den Himmel genießend
mahīpatiḥ
König

Der Text hat narakaṃ vrajet „geht zur Hölle“, was dem Zusammenhang widerspricht; wohl für nākaṃ vrajet „gelangt in den Himmel“ verderbt.

caitre cekṣumayīṃ gāvandāsadāsīsamanvitāṃ / dattvā svarge ciraṃ sthitvā tadante syānmahīpatiḥ //

Wer im Caitra eine Kuh aus Zuckerrohr samt Dienern und Dienerinnen gibt, weilt lange im Himmel und wird an dessen Ende ein König.

Wort für Wort
caitre
im Monat Caitra
ikṣumayīm gām
eine Kuh aus Zuckerrohr
dāsa-dāsī-samanvitām
mit Dienern und Dienerinnen versehen
svarge ciram sthitvā
lange im Himmel verweilt habend
tat-ante
an dessen Ende

saptavrīhīṃś ca vaiśākhe dattvā śivamayo bhavet / balimaṇḍalakañcānnaiḥ kṛtvāṣāḍhe śivo bhavet //

Wer im Vaiśākha die sieben Getreidearten gibt, wird Śiva gleich. Wer im Āṣāḍha aus Speisen einen Opferkreis (balimaṇḍala) bereitet, wird zu Śiva.

Wort für Wort
sapta-vrīhīn
die sieben Getreidearten
vaiśākhe
im Monat Vaiśākha
śivamayaḥ bhavet
wird Śiva-artig
bali-maṇḍalakam
Opfergabenkreis
annaiḥ kṛtvā
aus Speisen gefertigt habend
āṣāḍhe
im Monat Āṣāḍha

vimānaṃ śrāvaṇe pauṣpaṃ dattvā svargī tato nṛpaḥ / śatadvayaṃ phalānāntu dattvoddhṛtya kulaṃ nṛpaḥ //

Wer im Śrāvaṇa einen Himmelswagen aus Blumen gibt, kommt in den Himmel, danach [wird er] König. Wer zweihundert Früchte gibt, errettet sein Geschlecht [und wird] König.

Wort für Wort
vimānam pauṣpam
einen Himmelswagen aus Blumen
śrāvaṇe
im Monat Śrāvaṇa
svargī
in den Himmel gelangend
śata-dvayam phalānām
zweihundert Früchte
uddhṛtya kulam
nachdem er das Geschlecht errettet hat

guggulādi dahedbhādre svargī sa syāttato nṛpaḥ / kṣīrasarpirbhṛtaṃ pātramāśvine svargadambhavet //

Wer im Bhādra Guggulu und dergleichen [als Räucherwerk] verbrennt, kommt in den Himmel, danach wird er König. Ein mit Milch und geklärter Butter gefülltes Gefäß im Āśvina [gegeben] verleiht den Himmel.

Wort für Wort
guggula-ādi
Guggulu(-Harz) usw.
dahet
verbrennt
bhādre
im Monat Bhādra(pada)
kṣīra-sarpiḥ-bhṛtam pātram
ein mit Milch und Butterschmalz gefülltes Gefäß
āśvine
im Monat Āśvina
svargadam
den Himmel verleihend

svargadambhavet = svargadaṃ bhavet.

kārttike guḍakhaṇḍājyaṃ dattvā svargī tato nṛpaḥ / merudānaṃ dvādaśakaṃ vakṣye 'haṃ bhuktimuktidaṃ //

Wer im Kārttika Rohzucker, Kandiszucker und Butterschmalz gibt, kommt in den Himmel, danach [wird er] König. [Nun] werde ich die zwölffache Meru-Gabe darlegen, die Genuss und Erlösung verleiht.

Wort für Wort
kārttike
im Monat Kārttika
guḍa-khaṇḍa-ājyam
Rohzucker, Kandiszucker und Butterschmalz
meru-dānam
die Meru-Gabe
dvādaśakam
zwölffach
bhukti-mukti-dam
Genuss und Erlösung gewährend

meruvrate tu kārttikyāṃ ratnamerundaded dvije / sarveṣāñcaiva merūṇāṃ pramāṇaṃ kramaśaḥ śṛṇu //

Beim Meru-Gelübde am Vollmondtag des Kārttika gebe man einem Zweimalgeborenen einen Juwelen-Meru. Hört der Reihe nach das Maß aller Merus!

Wort für Wort
meru-vrate
beim Meru-Gelübde
kārttikyām
am Kārttika-Vollmond
ratna-merum
einen Juwelen-Meru
dadet dvije
gebe einem Brahmanen
pramāṇam kramaśaḥ śṛṇu
höre der Reihe nach das Maß

vajrapadmamahānīlanīlasphaṭikasañjñitaḥ / puṣpaṃ marakataṃ muktā prasthamātreṇa cottamaḥ //

[Er besteht aus den Steinen] namens Diamant, Padma [Rubin], Mahānīla und Nīla [Saphire] und Kristall, [ferner] Puṣpa [Topas], Smaragd und Perle; mit dem Maß eines Prastha ist er der beste.

Wort für Wort
vajra
Diamant
padma
Padma(rāga), Rubin
mahānīla-nīla
großer und gewöhnlicher Saphir
sphaṭika
Bergkristall
marakatam muktā
Smaragd, Perle
prastha-mātreṇa uttamaḥ
mit einem Prastha als Maß der beste

puṣpa wohl Kurzform für puṣparāga (Topas); padma wohl padmarāga (Rubin).

madhyo 'rdhaḥ syāttadardho 'dho vittaśāṭhyaṃ vivarjayet / kārṇikāyāṃ nyasenmeruṃ brahmaviṣṇvīśadaivataṃ //

Der mittlere hat die Hälfte, der geringste die Hälfte davon; Knauserei mit dem Vermögen meide man. Auf die Samenkapsel [des Lotusdiagramms] setze man den Meru, dem Brahmā, Viṣṇu und Īśa als Gottheiten zugeordnet sind.

Wort für Wort
madhyaḥ ardhaḥ
der mittlere: die Hälfte
tat-ardhaḥ adhaḥ
die Hälfte davon der geringste
vitta-śāṭhyam vivarjayet
meide Knauserei beim Vermögen
karṇikāyām nyaset
setze auf die Samenkapsel
brahma-viṣṇu-īśa-daivatam
mit Brahmā, Viṣṇu, Īśa als Gottheiten

mālyavān pūrvataḥ pūjyastatpūrve bhadarasañjñitaḥ / aśvarakṣastataḥ prokto niṣadho merudakṣiṇe //

Mālyavān ist im Osten zu verehren, östlich davon der Bhadra genannte [Berg], danach wird Aśvarakṣa genannt; Niṣadha [steht] südlich des Meru,

Wort für Wort
mālyavān
Mālyavān (Bergname)
pūrvataḥ pūjyaḥ
im Osten zu verehren
bhadra-sañjñitaḥ
Bhadra genannt
aśvarakṣaḥ
Aśvarakṣa (Bergname)
niṣadhaḥ meru-dakṣiṇe
Niṣadha südlich des Meru

bhadarasañjñitaḥ wohl für bhadrasañjñitaḥ (vgl. Bhadrāśva); aśvarakṣa als Bergname unsicher.

hemakūṭo 'tha himavān trayaṃ saumye tathā trayaṃ / nīlaḥ śvetaś ca śṛṅgī ca paścime gandhamādanaḥ //

[dazu] Hemakūṭa und Himavān – [das sind] drei [im Süden]; im Norden ebenso drei: Nīla, Śveta und Śṛṅgī; im Westen Gandhamādana,

Wort für Wort
hemakūṭaḥ himavān
Hemakūṭa und Himavat
trayam saumye
drei im Norden
nīlaḥ śvetaḥ śṛṅgī
Nīla, Śveta, Śṛṅgin
paścime
im Westen
gandhamādanaḥ
Gandhamādana

saumye „im Norden“ (Richtung des Soma/Kubera).

vaikaṅkaḥ ketumālaḥ syānmerurdvādaśasaṃyutaḥ / sopavāso 'rcayedviṣṇuṃ śivaṃ vā snānapūrvakaṃ //

Vaikaṅka und Ketumāla: [so] ist der Meru mit zwölf [Bergen] verbunden. Fastend und nach vorherigem Bad verehre man Viṣṇu oder Śiva.

Wort für Wort
vaikaṅkaḥ ketumālaḥ
Vaikaṅka und Ketumāla
dvādaśa-saṃyutaḥ
mit zwölf verbunden
sa-upavāsaḥ
fastend
arcayet
verehre
snāna-pūrvakam
nach vorherigem Bad

devāgre cārcya meruñca mantrair viprāya vai dadet / viprāyāmukagotrāya merundravyamayamparaṃ //

Und nachdem man vor der Gottheit auch den Meru verehrt hat, gebe man ihn mit [folgenden] Sprüchen dem Brahmanen: „Dem Brahmanen aus dem Geschlecht NN diesen höchsten, aus [solcher] Substanz bestehenden Meru –

Wort für Wort
deva-agre
vor der Gottheit
arcya merum
den Meru verehrt habend
mantraiḥ
mit Sprüchen
amuka-gotrāya
dem aus dem Geschlecht NN
dravyamayam param
den höchsten, aus Substanz bestehenden

amuka „der und der“ steht für den einzusetzenden Namen.

bhuktyai muktyai nirmalatve viṣṇudaivaṃ dadāmi te / indraloke brahmaloke śivaloke hareḥ pure //

zum Genuss, zur Erlösung, zur Reinheit gebe ich dir diesen, der Viṣṇu zur Gottheit hat.“ In der Welt Indras, in der Welt Brahmās, in der Welt Śivas [und] in Haris Stadt

Wort für Wort
bhuktyai muktyai
zum Genuss, zur Erlösung
nirmalatve
zur Reinheit
viṣṇu-daivam
Viṣṇu als Gottheit habend
dadāmi te
gebe ich dir
hareḥ pure
in Haris Stadt

kulamuddhṛtya krīḍeta vimāne devapūjitaḥ / anyeṣvapi ca kāleṣu saṅkrāntyādau pradāpayet //

vergnügt sich [der Geber], nachdem er sein Geschlecht errettet hat, auf einem Himmelswagen, von den Göttern verehrt. Auch zu anderen Zeiten, bei einem Sonneneintritt (saṅkrānti) und dergleichen, lasse man [die Gabe] geben.

Wort für Wort
kulam uddhṛtya
das Geschlecht errettet habend
krīḍeta vimāne
vergnügt sich im Himmelswagen
deva-pūjitaḥ
von Göttern verehrt
saṅkrānti-ādau
bei Sonneneintritt usw.
pradāpayet
lasse geben

palānāntu sahasreṇa hemamerumprakalpayet / śṛṅgatrayasamāyuktaṃ brahmaviṣṇuharānvitaṃ //

Mit tausend Pala [Gold] stelle man einen Gold-Meru her, mit drei Gipfeln versehen, begleitet von Brahmā, Viṣṇu und Hara.

Wort für Wort
palānām sahasreṇa
mit tausend Pala
hema-merum
einen Gold-Meru
prakalpayet
stelle her
śṛṅga-traya-samāyuktam
mit drei Gipfeln versehen
brahma-viṣṇu-hara-anvitam
mit Brahmā, Viṣṇu, Hara

ekaikaṃ parvatantasya śataikaikena kārayet / meruṇā saha śailāstu khyātāstatra trayodaśa //

Jeden einzelnen seiner Berge lasse man mit je hundert [Pala] anfertigen; zusammen mit dem Meru sind die Berge dort als dreizehn bekannt.

Wort für Wort
ekaikam parvatam
jeden einzelnen Berg
śata-ekaikena
mit je hundert
kārayet
lasse anfertigen
meruṇā saha śailāḥ
die Berge samt Meru
trayodaśa
dreizehn

ayane grahaṇādau ca viṣṇvagre harimarcya ca / svarṇameruṃ dvijāyārpya viṣṇuloke ciraṃ vaset //

Wer bei einer Sonnenwende, einer Finsternis und dergleichen vor Viṣṇu Hari verehrt und den Gold-Meru einem Zweimalgeborenen darbringt, weilt lange in Viṣṇus Welt.

Wort für Wort
ayane
bei einer Sonnenwende
grahaṇa-ādau
bei einer Finsternis usw.
harim arcya
Hari verehrt habend
svarṇa-merum
den Gold-Meru
dvijāya arpya
dem Brahmanen dargebracht habend
viṣṇu-loke
in Viṣṇus Welt

paramāṇavo yāvanta iha rājā bhavecciraṃ / raupyameruṃ dvādaśādriyutaṃ saṅkalpato dadet //

So viele Atome [es darin gibt], so lange ist er hier [auf Erden] König. Einen Silber-Meru, verbunden mit zwölf Bergen, gebe man unter feierlichem Entschluss (saṅkalpa).

Wort für Wort
paramāṇavaḥ yāvantaḥ
so viele Atome
rājā bhavet ciram
ist lange König
raupya-merum
einen Silber-Meru
dvādaśa-adri-yutam
mit zwölf Bergen
saṅkalpataḥ dadet
gebe mit feierlichem Entschluss

prāguktaṃ ca phalaṃ tasya viṣṇuṃ vipraṃprapūjya ca / bhūmimeruñca viṣayaṃ maṇḍalaṃ grāmameva ca //

Und seine Frucht ist die zuvor genannte, nachdem man Viṣṇu und den Brahmanen verehrt hat. Einen Land-Meru: [nämlich] einen Bezirk, einen Gau oder ein Dorf –

Wort für Wort
prāk-uktam phalam
die zuvor genannte Frucht
vipram prapūjya
den Brahmanen verehrt habend
bhūmi-merum
einen Land-Meru
viṣayam maṇḍalam
einen Bezirk, einen Gau
grāmam
ein Dorf

parikalpyāṣṭamāṃśena śeṣāṃśāḥ pūrvavat phalaṃ / dvādaśādrisamāyuktaṃ hastimerusvarūpiṇaṃ //

nachdem man ihn mit einem Achtel [als Meru] eingeteilt hat, [bilden] die übrigen Teile [die übrigen Berge]; die Frucht ist wie zuvor. [Einen Meru] in Gestalt eines Elefanten-Meru, mit zwölf Bergen versehen,

Wort für Wort
parikalpya
eingeteilt habend
aṣṭama-aṃśena
mit einem Achtel
śeṣa-aṃśāḥ
die übrigen Teile
pūrvavat phalam
die Frucht wie zuvor
hasti-meru-svarūpiṇam
in Gestalt eines Elefanten-Meru

Die Aufteilung (ein Achtel für den Meru, der Rest für die zwölf Berge) ist sinngemäß ergänzt.

dadettripuruṣair yuktaṃ dattvānantaṃ phalaṃ labhet / tripañcāśvair aśvameruṃ hayayadvādaśasaṃyutaṃ //

gebe man, ausgestattet mit drei Männern [als Begleitern] [?]; nachdem man ihn gegeben hat, erlangt man unendliche Frucht. Mit fünfzehn Pferden [bilde man] einen Pferde-Meru, verbunden mit zwölf [weiteren] Pferden [?],

Wort für Wort
tri-puruṣaiḥ yuktam
mit drei Männern versehen
ananta phalam labhet
erlangt unendliche Frucht
tri-pañca-aśvaiḥ
mit fünfzehn Pferden
aśva-merum
einen Pferde-Meru
haya-dvādaśa-saṃyutam
mit zwölf Pferden verbunden

tripuruṣair yuktaṃ unklar (drei Wärter? drei Generationen?). hayayadvādaśa° offensichtlich verderbt, wohl für hayadvādaśa°.

viṣṇvādīn pūjya taṃ dattvā bhuktabhogo nṛpo bhavet / aśvasaṅkhyāpramāṇena gomeruṃ pūrvavaddadet //

verehrt Viṣṇu und die übrigen [Götter] und gibt ihn: [dann] wird er, nachdem er die Genüsse genossen hat, ein König. Nach der Zahl und dem Maß der Pferde gebe man wie zuvor einen Kuh-Meru.

Wort für Wort
viṣṇu-ādīn pūjya
Viṣṇu usw. verehrt habend
bhukta-bhogaḥ
die Genüsse genossen habend
nṛpaḥ bhavet
wird König
aśva-saṅkhyā-pramāṇena
nach Zahl und Maß der Pferde
go-merum
einen Kuh-Meru

paṭṭavastrair bhāramātrair vastrameruś ca madhyataḥ / śailair dvādaśavastraiś ca dattvā tañcākṣayaṃ phalaṃ //

Mit Seidengewändern im Maß eines Bhāra [bilde man] in der Mitte den Kleider-Meru, und die Berge mit [je] zwölf Gewändern; hat man ihn gegeben, [ist] die Frucht unvergänglich.

Wort für Wort
paṭṭa-vastraiḥ
mit Seidengewändern
bhāra-mātraiḥ
im Maß eines Bhāra
vastra-meruḥ madhyataḥ
der Kleider-Meru in der Mitte
śailaiḥ dvādaśa-vastraiḥ
die Berge mit zwölf Gewändern
akṣayam phalam
unvergängliche Frucht

ghṛtapañcasahasraiś ca palānāmājyaparvataḥ / śataiḥ pañcabhirekaikaḥ pārvate 'smin hariṃ yajet //

Mit fünftausend Pala Butterschmalz [bilde man] einen Butterschmalz-Berg, [die übrigen] einzeln mit je fünfhundert; auf diesem Berg verehre man Hari.

Wort für Wort
ghṛta-pañca-sahasraiḥ palānām
mit fünftausend Pala Butterschmalz
ājya-parvataḥ
Butterschmalz-Berg
śataiḥ pañcabhiḥ ekaikaḥ
jeder einzelne mit fünfhundert
parvate asmin
auf diesem Berg
harim yajet
verehre Hari

pārvate wohl für parvate.

viṣṇvagre brāhmaṇāyārpya sarvaṃ prāpya hariṃ vrajet / evaṃ ca khaṇḍameruñca kṛtvā dattvāpnuyāt phalaṃ //

Wer ihn vor Viṣṇu einem Brahmanen darbringt, erlangt alles und geht zu Hari ein. Ebenso erlangt man die Frucht, wenn man einen Zucker-Meru anfertigt und gibt.

Wort für Wort
viṣṇu-agre
vor Viṣṇu
brāhmaṇāya arpya
dem Brahmanen dargebracht habend
sarvam prāpya
alles erlangt habend
harim vrajet
geht zu Hari
khaṇḍa-merum
einen Zucker-Meru

dhānyameruḥ pañcakhāro 'para ekaikakhārakāḥ / svarṇatriśṛṅgakāḥ sarve brahmaviṣṇumaheśvarān //

Der Getreide-Meru [umfasst] fünf Khāri, die anderen je eine Khāri; alle haben drei goldene Gipfel. Brahmā, Viṣṇu und Maheśvara

Wort für Wort
dhānya-meruḥ
Getreide-Meru
pañca-khāraḥ
von fünf Khāri
apare ekaika-khārakāḥ
die anderen je von einer Khāri
svarṇa-tri-śṛṅgakāḥ
mit drei goldenen Gipfeln
brahma-viṣṇu-maheśvarān
Brahmā, Viṣṇu, Maheśvara

khāra = khārī, ein Hohlmaß für Getreide.

sarveṣu pūjya viṣṇuṃ vā viśeṣādakṣayaṃ phalaṃ / evaṃ daśāṃśamānena tilameruṃ prakalpayet //

verehre man auf allen [Bergen], oder besonders Viṣṇu: [dann ist] die Frucht unvergänglich. Ebenso bilde man nach dem Maß von einem Zehntel [?] einen Sesam-Meru.

Wort für Wort
sarveṣu pūjya
auf allen verehrt habend
viśeṣāt
besonders
akṣayam phalam
unvergängliche Frucht
daśa-aṃśa-mānena
nach dem Maß eines Zehntels
tila-merum
einen Sesam-Meru

daśāṃśamānena „mit dem Maß eines Zehntels“ – Bezugsgröße unklar (vielleicht zehn Teile des Getreidemaßes).

śṛṅgāṇi pūrvavattasya tathaivānyanageṣu ca / tilameruṃ pradāyātha bandhubhirviṣṇulokabhāk //

Seine Gipfel [seien] wie zuvor und ebenso auf den anderen Bergen. Wer dann den Sesam-Meru gibt, hat mit seinen Verwandten Anteil an Viṣṇus Welt.

Wort für Wort
śṛṅgāṇi pūrvavat
die Gipfel wie zuvor
anya-nageṣu
auf den anderen Bergen
pradāya
gegeben habend
bandhubhiḥ
mit den Verwandten
viṣṇu-loka-bhāk
an Viṣṇus Welt teilhabend

namo viṣṇusvarūpāya dharādharāya vai namaḥ / brahmaviṣṇvīśaśṛṅgāya dharānābhisthitāya ca //

[Spruch bei der Gabe:] „Verehrung dem, der Viṣṇus Gestalt hat, Verehrung dem Erdträger, dem, der Brahmā, Viṣṇu und Īśa zu Gipfeln hat, und dem, der im Nabel der Erde steht,

Wort für Wort
namaḥ
Verehrung
viṣṇu-svarūpāya
dem von Viṣṇus Gestalt
dharā-dharāya
dem Erdträger (Berg)
brahma-viṣṇu-īśa-śṛṅgāya
dem mit Brahmā, Viṣṇu, Īśa als Gipfeln
dharā-nābhi-sthitāya
dem im Nabel der Erde Stehenden

dharādhara „Erdträger“ = Berg.

nagadvādaśanāthāya sarvapāpāpahāriṇe / viṣṇubhaktāya śāntāya trāṇaṃ me kuru sarvathā //

dem Herrn der zwölf Berge, dem Vertilger aller Sünden, dem Viṣṇu-Ergebenen, dem Friedvollen: gewähre mir Schutz in jeder Hinsicht!

Wort für Wort
naga-dvādaśa-nāthāya
dem Herrn der zwölf Berge
sarva-pāpa-apahāriṇe
dem Vertilger aller Sünden
viṣṇu-bhaktāya
dem Viṣṇu-Ergebenen
śāntāya
dem Friedvollen
trāṇam me kuru
gewähre mir Schutz

niṣpāpaḥ pitṛbhiḥ sārdhaṃ viṣṇuṃ gacchāmi oṃ namaḥ / tvaṃ haristu hareragre ahaṃ viṣṇuś ca viṣṇave //

Sündenlos gehe ich samt den Vätern zu Viṣṇu. Oṃ namaḥ. Du bist Hari [selbst], vor Hari [stehend]; ich [bin] Viṣṇu, [und] dem Viṣṇu

Wort für Wort
niṣpāpaḥ
sündenlos
pitṛbhiḥ sārdham
samt den Vätern
viṣṇum gacchāmi
gehe ich zu Viṣṇu
tvam hariḥ
du bist Hari
hareḥ agre
vor Hari
viṣṇave
dem Viṣṇu

Die Identifikationsformel (Gabe = Hari, Geber = Viṣṇu, Empfänger = Viṣṇu) setzt sich in V. 36 fort.

nivedayāmi bhaktyā tu bhuktimuktyarthahetave //

übergebe ich [dich] in Hingabe, als Ursache für Genuss und Erlösung.“

Wort für Wort
nivedayāmi
übergebe ich
bhaktyā
in Hingabe
bhukti-mukti-artha-hetave
als Ursache für Genuss und Erlösung

Halbvers; die Verszählung endet hier.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks