Kapitel 131: ghātacakrādiḥ
Das Verwundungsrad (Ghātacakra) und anderes
Īśvara lehrt Divinationsräder für den Kriegsausgang: das mit Caitra beginnende Vokalrad, die Deutung nach langen und kurzen Namensvokalen, das Menschen-Rad (naracakra) mit der Verteilung der Mondhäuser auf eine Körperfigur, das Sieges-Rad (jayacakra) mit Zahlensymbolen und die Rangfolge der acht Tiere nach Division durch acht. Der Text ist technisch knapp, teils lückenhaft (die Körperverteilung ergibt nur 23 Mondhäuser) und mehrfach verschrieben (ciṣame, samutpatre, padyād, yāsyās).
Īśvara sprach: Man schreibe im Rechtsumlauf die Vokale, beginnend mit a, vom Osten an. Durch das Umlaufen [entsteht] das mit Caitra beginnende Rad; die Mondtage [sind]: Pratipad (der erste), Pūrṇimā (Vollmond),
trayodaśī caturdaśī aṣṭamyekā ca saptamī / pratipattrayodaśyantāstithayo dvādaśa smṛtāḥ //
der dreizehnte, der vierzehnte, der achte, der eine [?] und der siebte; die zwölf Mondtage, die mit Pratipad beginnen und mit Trayodaśī enden, sind [so] überliefert.
Wort für Wort
trayodaśī
der dreizehnte (Mondtag)
caturdaśī
der vierzehnte
aṣṭamī
der achte
saptamī
der siebte
pratipat-trayodaśī-antāḥ
von Pratipad bis Trayodaśī
dvādaśa smṛtāḥ
zwölf überliefert
Die Aufzählung der Tithis ist unvollständig bzw. unklar (ekā „eine“); die Zuordnung zu den zwölf Monaten wird im Text nicht vollständig ausgeführt.
caitracakre tu saṃsparśājjayalābhādikaṃ viduḥ / ciṣame tu śubhaṃ jñeyaṃ same cāśubhamīritam //
Im Caitra-Rad erkennt man aus der Berührung [der Felder] Sieg, Gewinn und dergleichen: Im Ungeraden ist Günstiges zu erkennen, im Geraden wird Ungünstiges verkündet.
yuddhakāle samutpatre yasya nama hy udāhṛtam / mātrārūḍhantu yannāma ādityo gurureva ca //
Wenn die Zeit des Kampfes eingetreten ist: Wessen Name ausgesprochen wird – ein Name, der auf einer [langen] Vokalquantität ruht –, und [für den] die Sonne und Jupiter [günstig stehen] [?],
Wort für Wort
yuddha-kāle samutpanne
wenn die Kampfzeit eingetreten ist
nāma udāhṛtam
der Name ist ausgesprochen
mātrā-ārūḍham
auf eine Vokalquantität gestiegen
ādityaḥ
die Sonne
guruḥ
Jupiter
samutpatre ist Tippfehler für samutpanne; nama für nāma. Der Satz ist elliptisch.
Der erste [Kämpfer] ist lang, am Anfang stehend; der zweite in der Mitte ist der Todbringende [?]; zwei, der erste und der letzte, entstehen durch die Mitte [?] – daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
prathamaḥ dīrghaḥ
der erste, lang
ādi-sthaḥ
am Anfang stehend
madhye
in der Mitte
antakaḥ
Todbringer, Ende
prathama-antau
der erste und der letzte
na atra saṃśayaḥ
kein Zweifel hierbei
Sehr dunkler Vers; vermutlich geht es um die Stellung langer und kurzer Vokale am Anfang, in der Mitte und am Ende des Namens.
Und ferner: Wenn am Ende oder am Anfang [des Namens] etwas auf einem Vokal Ruhendes erscheint, erkenne man den Tod des Kurzen; dem Langen wird Sieg zuteil.
Ich werde das Menschen-Rad (naracakra) darlegen, wie es aus der Gesamtheit der Mondhäuser besteht: Zuerst zeichne man eine Figur, danach verteile man [auf sie] die Mondhäuser.
Auf den Kopf drei, auf den Mund eines, zwei Mondhäuser lege man auf die Augen; so viele wie die Veden (vier) auf die beiden Hände, auf das Ohr wiederum zwei Mondhäuser;
hṛdaye bhūtasaṅkhyāni ṣaḍṛkṣāṇi tu pādayoḥ / nāma hy ṛkṣaṃ sphuṭaṃ kṛṭvā cakramadhye tu vinyaset //
auf das Herz so viele wie die Elemente (fünf), sechs Mondhäuser auf die Füße. Nachdem man das Mondhaus des Namens genau bestimmt hat, setze man es in die Mitte des Rades.
Wort für Wort
hṛdaye
auf das Herz
bhūta-saṅkhyāni
in der Zahl der Elemente (5)
ṣaṭ pādayoḥ
sechs auf die Füße
nāma-ṛkṣam
Mondhaus des Namens
sphuṭam kṛtvā
genau bestimmt habend
cakra-madhye
in die Mitte des Rades
Die genannten Zahlen ergeben zusammen nur 23 der 27 Mondhäuser; der Text ist hier wohl unvollständig.
netre śirodakṣakarṇe yāmyahaste ca pādayoḥ / hṛdgrīvāvāmahaste tu punarguhye tu pādayoḥ //
[Die Stellen sind:] Augen, Kopf, rechtes Ohr, rechte Hand und Füße; Herz, Hals, linke Hand, ferner Schamteil und Füße.
Wort für Wort
netre
an den Augen
śiraḥ
Kopf
dakṣa-karṇe
am rechten Ohr
yāmya-haste
an der rechten (südlichen) Hand
vāma-haste
an der linken Hand
guhye
am Schamteil
Aufzählung der Körperstellen ohne Verb; ihre Funktion (vermutlich Stellen, die bei Besetzung durch Unheilsplaneten Verwundung anzeigen) ergibt sich aus V. 12.
In welchem Mondhaus die Sonne, Saturn, Mars oder Rāhu steht – [wenn der Name] an dieser Stelle steht, erkenne man Verwundung (ghāta), daran ist kein Zweifel.
jayacakraṃ pravakṣyāmi ādihāntāṃś ca vai likhet / rekhāstrayodaśālikhya ṣaḍrekhāstiryagālikhet //
Ich werde das Sieges-Rad (jayacakra) darlegen: Man schreibe [die Laute] von a bis ha. Nachdem man dreizehn Linien gezogen hat, ziehe man sechs Linien quer.
Der Reihe nach [gelten die Zahlen]: Himmelsrichtungen (10), Planeten (9), Weise (7), Sonnen (12), Opferpriester (16), Rudra (11), Mondtag (15), Mūrchanā (21), Smṛti (18), Veda (4), Mondhäuser (27), Jinas (24); darunter [stehen] a, ka, ḍa, ma.
Wort für Wort
diś
Himmelsrichtung (10)
grahāḥ
Planeten (9)
munayaḥ
Weise (7)
sūryāḥ
Sonnen (12)
mūrchanā
Tonleitermodus (21)
jināḥ
Jinas (24)
Symbolzahlen (bhūtasaṅkhyā); die Zahlwerte sind nach üblichem Gebrauch in Klammern ergänzt, ṛtvij = 16 ist unsicher.
Wenn [die Summe] durch sieben geteilt ist, [zeigen die Reste] die mit der Sonne beginnenden Planeten an; am Ende des Namens sind die Planeten stark: Die Sonne, Saturn und Mars genannten [bedeuten] Sieg, die milden [Planeten] Bündnis.
rekhā dvādaśa coddhṛtya ṣaṭ ca yāsyāstathottarāḥ / manuś caiva tu ṛkṣāṇi netre ca ravimaṇḍalaṃ //
Nachdem man zwölf Linien und sechs gezogen hat, südliche und ebenso nördliche, [gelten die Zahlen]: Manu (14), Mondhäuser (27), Augen (2) und Sonnenscheibe (12),
Wort für Wort
rekhāḥ dvādaśa
zwölf Linien
uddhṛtya
gezogen habend
yāmyāḥ uttarāḥ
südliche, nördliche
manuḥ
Manu (14)
netre
Augen (2)
ravi-maṇḍalam
Sonnenscheibe (12)
yāsyās ist wohl Verschreibung für yāmyās („südliche“).
Mondtage (15), Geschmacksrichtungen (6), Veden (4), Feuer (3) oder siebzehn, Vasus (8) und Öffnungen (9) werden genannt; darunter setze man a, ka, ṭa, pa.
Nachdem man jeweils einen Laut gesetzt hat, setze man die übrigen ebenso der Reihe nach. Die aus den Lauten des Namens gebildete Summe teile man dann durch acht (Vasus).
besser als der Elefant wiederum der Löwe, besser als der Löwe der Kharu [?], stärker als der Kharu der Dhūmra (der Rauchfarbene) – so und ähnlich [bestimmt man] Stärke und Schwäche.
Wort für Wort
siṃhaḥ
Löwe
kharuḥ
Kharu (unklar)
balī
stärker
dhūmraḥ
der Rauchfarbene
bala-abalam
Stärke und Schwäche
kharu ist unklar (vielleicht verderbt aus khara „Esel“ oder einem anderen Tiernamen); siṃhāś ist Verschreibung für siṃhāc.