Kapitel 334: prastāranirūpaṇam
Darlegung des Prastāra
Das kurze Kapitel fasst die mathematischen Verfahren der Metrik zusammen: das Aufstellen der Tabelle aller Kurz-Lang-Kombinationen (prastāra), das Auffinden einer Form aus ihrer Nummer (naṣṭa) und umgekehrt (uddiṣṭa), die Berechnung der Anzahl der Formen, den Meru-Prastāra (Zahlendreieck) und den Raumbedarf der Tabelle. Die Regeln sind äußerst knapp formuliert und teilweise entstellt; die Übersetzung erschließt sie aus dem Zusammenhang.
Agni sprach: Ein Versmaß, [das] hier [nicht eigens] festgelegt ist, gilt als Gāthā [?]. [Für den Prastāra setze man] im Pāda alle Silben schwer; der Prastāra [entsteht so]: unter die erste Schwere [eine Kürze], das Folgende gleich [dem Darüberstehenden], das Vorangehende [wird mit] Schweren [aufgefüllt].
Wort für Wort
gāthā
Gāthā (nicht klassifiziertes Metrum)
sarva-gurau
wenn alle schwer sind
prastāraḥ
Prastāra (Ausbreitung, Tabelle aller Kombinationen)
para-tulyaḥ
das Folgende gleich
pūrva-gaḥ
das Vorangehende mit Schweren
'siddhaṃ' steht vermutlich für 'anuktaṃ' (nicht genannt); 'ādyagāthonaḥ' wohl 'ādyagāt laḥ' (unter der ersten Schweren eine Kürze).
naṣṭamadhye same 'ṅkenaḥ same 'rdha viṣame guruḥ / pratilomaguṇaṃ nādyaṃ dviruddiṣṭaga ekanut //
Beim Naṣṭa [Auffinden einer Form aus ihrer Nummer]: halbieren; ist [die Zahl] gerade, [setze man] eine Kürze; ist sie ungerade, [nach Hinzufügen von eins halbieren und] eine Schwere. Beim Uddiṣṭa [Auffinden der Nummer aus der Form]: in umgekehrter Folge, mit eins beginnend, verdoppeln; bei den Schweren eins abziehen [?].
Wort für Wort
naṣṭa
Naṣṭa (Ermittlung der verlorenen Form)
same
bei gerader (Zahl)
viṣame guruḥ
bei ungerader eine Schwere
pratiloma
in umgekehrter Folge
uddiṣṭa
Uddiṣṭa (Ermittlung der Nummer)
eka-nut
eins abziehend
'naṣṭamadhye same 'ṅkenaḥ' entstellt, wohl 'naṣṭasyārdhe same laḥ'; 'pratilomaguṇaṃ nādyaṃ dviruddiṣṭaga ekanut' nur sinngemäß gedeutet.
[Zur Berechnung der] Anzahl: [die Silbenzahl] halbieren – [dafür] 'zwei' [notieren]; bei [ungerader, nach Abzug von] eins: 'Null'. Bei 'Null' verdoppeln, bei der Hälfte [das Ergebnis] mit sich selbst multiplizieren. [Das Endergebnis] verdoppelt und um zwei vermindert [ergibt die Summe aller Formen] bis zu diesem [Metrum].
Wort für Wort
saṃkhyā
Anzahl (der Formen)
dviḥ ardhe
zwei bei Halbierung
śūnyam
Null
tāvat ardhe tad-guṇitam
bei der Hälfte mit sich selbst multipliziert
dvi-dvi-ūnam
verdoppelt, weniger zwei
'rūpe' wohl für 'ekena/rūpe' (bei eins); Rechenregel nur in knappen Stichworten.
pare pūrṇaṃ pare pūrṇaṃ meruprastārato bhavet / nagasaṃkhyā vṛttasaṃkhyā cādhvāṅgulamadhordhataḥ / saṅkhyaiva dviguṇaikonā chandaḥsāro 'yamīritaḥ //
Im folgenden [Feld jeweils] die Summe, im folgenden die Summe – so entsteht der Meru-Prastāra. [Daraus ergeben sich] die Zahl der Kürzen und Schweren (nagasaṃkhyā) und die Zahl der Metren; der Raum (adhvan) [beträgt je] ein Aṅgula nach unten und oben: die Zahl, verdoppelt und um eins vermindert. Dies ist als das Wesentliche der Metrik dargelegt.
Wort für Wort
pare pūrṇam
im Folgenden die Summe
meru-prastāraḥ
Meru-Prastāra (Zahlendreieck)
vṛtta-saṃkhyā
Zahl der Metren
adhvā
Raum, Länge (der Tabelle)
dviguṇa-ekonā
verdoppelt, weniger eins
chandaḥ-sāraḥ
Essenz der Metrik
'nagasaṃkhyā' wohl für 'lagasaṃkhyā'; 'cādhvāṅgulamadhordhataḥ' = ca adhvā aṅgulam adha-ūrdhvataḥ. Der Vers hat drei Halbzeilen.