Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 239: ṣāḍguṇyam Die sechs Maßnahmen der Außenpolitik

Rāma beschreibt den Kreis der zwölf Könige um den Eroberungswilligen und die sechs politischen Maßnahmen: Bündnis (mit sechzehn Arten und zwanzig bündnisunfähigen Herrschern), Krieg (Ursachen, Arten der Feindschaft, sechzehn zu meidende Kriege), Marsch, Verharren, Doppelhaltung und Anlehnung an einen Stärkeren. Mehrere Namen der Bündnisliste sind in der Digitalisierung entstellt (V. 7–8), ebenso einige Wörter in V. 5 und V. 10.

rāma uvāca | maṇḍalaṃ cintayet mukhyaṃ rājā dvādaśarājakaṃ / arirmitramarermitraṃ mitramitramataḥ paraṃ //

Rāma sprach: Als Hauptsache soll der König den Kreis (maṇḍala) bedenken, der zwölf Könige umfasst: der Feind, der Freund, der Freund des Feindes, danach der Freund des Freundes,

Wort für Wort
maṇḍala
Kreis (der Staaten)
dvādaśa-rājaka
zwölf Könige umfassend
ari
Feind
areḥ mitram
Freund des Feindes
mitra-mitra
Freund des Freundes

tathārimitramitrañca vijigīṣoḥ puraḥ smṛtāḥ / pārṣṇigrāhaḥ smṛtaḥ paścādākrandastadanantaraṃ //

ebenso der Freund des Freundes des Feindes – diese gelten als vor dem Eroberungswilligen gelegen. Hinter ihm gilt der ‚Fersengreifer‘ (pārṣṇigrāha), danach der ‚Hilferufer‘ (ākranda),

Wort für Wort
ari-mitra-mitra
Freund des Freundes des Feindes
vijigīṣu
der Eroberungswillige
puraḥ
vorn
pārṣṇi-grāha
Fersengreifer, Rückenfeind
ākranda
Hilferufer, Verbündeter im Rücken

āsārāvanayoś caivaṃ vijagīṣāś ca maṇḍalaṃ / areś ca vijigīṣoś ca madhyamo bhūmyanantaraḥ //

und ebenso die beiden Helfer (āsāra) dieser beiden sowie der Eroberungswillige – (das ist) der Kreis. Der ‚Mittlere‘ (madhyama) grenzt an das Gebiet des Feindes und des Eroberungswilligen;

Wort für Wort
āsārau anayoḥ
die beiden Helfer dieser beiden
madhyama
der Mittlere
bhūmi-anantara
an das Gebiet angrenzend
vijigīṣoḥ
des Eroberungswilligen

vijagīṣāś ist Tippfehler für vijigīṣuś.

anugrahe saṃhatayor nigrahe vyastayoḥ prabhuḥ / maṇḍalādvahireteṣāmudāsīno balādhikaḥ //

er ist mächtig genug, beiden, wenn sie vereint sind, Gunst zu erweisen, und sie, wenn sie getrennt sind, zu bezwingen. Außerhalb des Kreises dieser (Könige) steht der Neutrale (udāsīna), an Macht überlegen,

Wort für Wort
anugraha
Gunst, Unterstützung
saṃhatayoḥ
den beiden Vereinten
nigraha
Bezwingung
vyastayoḥ
den beiden Getrennten
udāsīna
der Neutrale
bala-adhika
an Macht überlegen

anugrahe saṃhatānāṃ vyastānāṃ ca budhe prabhuḥ / sandhiñca vigrahaṃ yānamāsānadi vadāmi te //

mächtig, den Vereinten Gunst zu erweisen und die Getrennten zu vernichten. Bündnis, Krieg, Marsch, Verharren und das Übrige will ich dir erklären.

Wort für Wort
vyastānāṃ vadhe
zur Vernichtung der Getrennten [konj.]
sandhi
Bündnis, Friede
vigraha
Krieg
yāna
Marsch, Feldzug
āsana
Verharren, Abwarten

‚budhe‘ ist wohl für vadhe ‚zur Vernichtung‘ verschrieben; āsānadi für āsanādi.

balavadvigrahītena sandhiṃ kuryācchivāya ca / kapāla upahāraś ca santānaḥ saṅgatas tathā //

Von einem Stärkeren angegriffen, soll er zu (seinem) Heil ein Bündnis schließen. Das ‚Schalen‘-Bündnis (kapāla), das Geschenk-Bündnis (upahāra), das Nachkommenschafts-Bündnis (santāna), das Freundschafts-Bündnis (saṅgata),

Wort für Wort
balavat-vigṛhīta
von einem Stärkeren angegriffen
śivāya
zum Heil
kapāla
‚Schale‘ (Bündnisart)
upahāra
Geschenk (Bündnisart)
santāna
Nachkommenschaft (Bündnisart)
saṅgata
Verbindung, Freundschaft (Bündnisart)

upanyāsaḥ pratīkāraḥ saṃyogaḥ puruṣāntaraḥ / adṛṣṭanara ādiṣṭa ātmāpi sa upagrahaḥ //

das Zweck-Bündnis (upanyāsa), das Gegenleistungs-Bündnis (pratīkāra), das Vereinigungs-Bündnis (saṃyoga), das Bündnis durch Stellvertreter (puruṣāntara), das Bündnis ‚ohne gesehenen Mann‘ (adṛṣṭanara), das Anweisungs-Bündnis (ādiṣṭa), das Selbstpfand-Bündnis (ātmāmiṣa) [?], das Tribut-Bündnis (upagraha),

Wort für Wort
upanyāsa
Darlegung, Zweckbündnis
pratīkāra
Gegenleistung
puruṣa-antara
anderer Mann, Stellvertreter
adṛṣṭa-nara
ohne gesehenen Mann
ādiṣṭa
angewiesen, abgetreten
upagraha
Tribut, Unterwerfung

‚ātmāpi‘ ist vermutlich für ātmāmiṣa verschrieben (sonst fehlt ein Glied der Sechzehnerliste).

parikramas tathā chinnas tathā ca paradūṣaṇaṃ / skandhopayeyaḥ sandhiś ca sandhayaḥ ṣoḍaśeritāḥ //

ebenso das Loskauf-Bündnis (parikraya), das Abtrennungs-Bündnis (ucchinna), ferner das Bündnis mit ‚Belastung des (ganzen) Ertrags‘ (paradūṣaṇa) und das ‚auf der Schulter zu bringende‘ Bündnis (skandhopaneya) – (diese) sechzehn Bündnisse werden genannt.

Wort für Wort
parikraya
Loskauf
ucchinna
Abgetrenntes (Land)
para-dūṣaṇa
Belastung (des Ertrags)
skandha-upaneya
auf der Schulter (in Raten) zu bringen
ṣoḍaśa
sechzehn

parikramas für parikrayas, chinnas für ucchinnas, skandhopayeyaḥ für skandhopaneyaḥ.

parasparopakāraś ca maitraḥ sambandhakas tathā / upahārāś ca catvārasteṣu mukhyāś ca sandhayaḥ //

Gegenseitige Hilfe, das freundschaftliche, das verwandtschaftliche und das Geschenk-Bündnis – diese vier sind unter ihnen die hauptsächlichen Bündnisse.

Wort für Wort
paraspara-upakāra
gegenseitige Hilfe
maitra
freundschaftlich
sambandhaka
verwandtschaftlich
upahāra
Geschenk
mukhya
hauptsächlich

bālo vṛddho dīrgharogas tathā bandhuvahiṣkṛtaḥ / mauruko bhīrukajano lubdho lubdhajanas tathā //

Ein Kind, ein Greis, ein lange Kranker, ebenso einer, der von seinen Verwandten verstoßen ist, ein Feigling, einer mit feigen Leuten, ein Habgieriger, ebenso einer mit habgierigen Leuten,

Wort für Wort
bāla
Kind
dīrgha-roga
lange krank
bandhu-bahiṣkṛta
von den Verwandten verstoßen
bhīruka
Feigling
lubdha
habgierig

mauruko ist wohl für bhīruko verschrieben (sonst ergibt sich nicht die Zwanzigzahl).

viraktaprakṛtiś caiva viṣayeṣvatiśaktimān / anekacittamantraś ca devabrāhmaṇanindakaḥ //

einer, dessen Untertanen abgeneigt sind, einer, der den Sinnesgenüssen übermäßig anhängt, einer mit vielerlei Gesinnungen und Ratschlüssen, ein Schmäher von Göttern und Brahmanen,

Wort für Wort
virakta-prakṛti
mit abgeneigten Untertanen
viṣayeṣu atisakti
übermäßige Anhänglichkeit an Sinnesdinge
aneka-citta-mantra
mit vielerlei Gesinnung und Rat
deva-brāhmaṇa-nindaka
Schmäher von Göttern und Brahmanen

atiśaktimān wohl für atisaktimān.

daivopahatakaś caiva daivanindaka eva ca / durbhikṣavyasanopeto balavyasanasaṅkulaḥ //

einer, der vom Schicksal geschlagen ist, und einer, der das Schicksal schmäht, einer, den Hungersnot und Unglück getroffen haben, einer, dessen Heer in Not geraten ist,

Wort für Wort
daiva-upahata
vom Schicksal geschlagen
daiva-nindaka
das Schicksal schmähend
durbhikṣa
Hungersnot
vyasana
Unglück, Notlage
bala-vyasana
Not des Heeres

svadeśastho bahuripurmuktaḥ kālena yaś ca ha / satyadharmavyapetaś ca viṃśatiḥ puruṣā amī //

einer, der (nur) in seinem eigenen Land steht, einer mit vielen Feinden, einer, den die (günstige) Zeit verlassen hat, und einer, der von Wahrheit und Recht abgewichen ist – diese zwanzig Männer:

Wort für Wort
sva-deśa-stha
im eigenen Land stehend
bahu-ripu
mit vielen Feinden
muktaḥ kālena
von der Zeit verlassen
satya-dharma-vyapeta
von Wahrheit und Recht abgewichen
viṃśatiḥ puruṣāḥ
zwanzig Männer

ertaiḥ sandhiṃ na kurvīta vigṛhṇīyāttu kebalaṃ / parasparāpakāreṇa puṃsāṃ bhavati vigrahaḥ //

Mit diesen soll er kein Bündnis schließen, sondern nur Krieg führen. Aus gegenseitiger Schädigung entsteht unter den Menschen Krieg.

Wort für Wort
sandhiṃ na kurvīta
er soll kein Bündnis schließen
vigṛhṇīyāt
er soll bekriegen
kevalam
nur
paraspara-apakāra
gegenseitige Schädigung

ertaiḥ ist Tippfehler für etaiḥ, kebalaṃ für kevalaṃ.

ātmano 'bhyudayākāṅkṣī pīḍyamānaḥ pareṇa vā / deśakālabalopetaḥ prārabheteha vigrahaṃ //

Wer seinen eigenen Aufstieg wünscht oder von einem anderen bedrängt wird, der soll, mit (günstigem) Ort, (günstiger) Zeit und Macht ausgestattet, hier den Krieg beginnen.

Wort für Wort
abhyudaya-ākāṅkṣin
den Aufstieg wünschend
pīḍyamāna
bedrängt
deśa-kāla-bala-upeta
mit Ort, Zeit, Macht versehen
prārabheta
er soll beginnen

rājyastrīsthānadeśānāṃ jñānasya ca balasya ca / apahārī mado mānaḥ pīḍā vaiṣayikī tathā //

(Ursachen des Krieges sind:) der Raub von Herrschaft, Frau, Platz, Land, Wissen und Heer; Hochmut, Stolz, eine das Gebiet betreffende Bedrängnis,

Wort für Wort
apahārin
Raub, Wegnahme
rājya-strī-sthāna-deśa
Herrschaft, Frau, Platz, Land
mada
Hochmut
māna
Stolz
pīḍā vaiṣayikī
das Gebiet betreffende Bedrängnis

jñānātmaśaktidharmāṇāṃ vighāto daivameva ca / mitrārthañcāpamānaś ca tathā bandhuvināśanaṃ //

die Beeinträchtigung von Wissen, eigener Kraft und Dharma, das Schicksal selbst, die Sache eines Freundes, Kränkung, ebenso die Vernichtung von Verwandten,

Wort für Wort
jñāna-ātma-śakti-dharma
Wissen, eigene Kraft, Dharma
vighāta
Beeinträchtigung
daiva
Schicksal
mitra-artha
Sache eines Freundes
apamāna
Kränkung
bandhu-vināśana
Vernichtung von Verwandten

bhūtānugrahavicchedas tathā maṇḍaladūṣaṇaṃ / ekārthābhiniveśatvamiti vigrahayonayaḥ //

die Unterbrechung der Gunst gegenüber den Wesen, ebenso die Verderbnis des (Staaten-)Kreises und das Beharren auf ein und demselben Ziel – dies sind die Ursprünge des Krieges.

Wort für Wort
bhūta-anugraha-viccheda
Abbruch der Gunst gegen die Wesen
maṇḍala-dūṣaṇa
Verderbnis des Staatenkreises
eka-artha-abhiniveśa
Beharren auf dasselbe Ziel
vigraha-yoni
Ursprung des Krieges

sāpatnyaṃ vāstujaṃ strījaṃ vāgjātamaparādhajaṃ / vairaṃ pañcavidhaṃ proktaṃ sādhanaiḥ praśamannayet //

Aus Nebenbuhlerschaft, aus Grundbesitz, wegen einer Frau, aus Worten und aus einem Vergehen entstanden – fünffach wird die Feindschaft genannt; mit (geeigneten) Mitteln soll man sie zur Ruhe bringen.

Wort für Wort
sāpatnya
Nebenbuhlerschaft
vāstu-ja
aus Grundbesitz entstanden
vāk-jāta
aus Worten entstanden
aparādha-ja
aus einem Vergehen entstanden
praśamaṃ nayet
er soll zur Ruhe bringen

praśamannayet = praśamaṃ nayet.

kiñcitphalaṃ niṣphalaṃ vā sandigdhaphalameva ca / tadātve doṣajananamāyatyāñcaiva niṣphalaṃ //

(Ein Krieg,) der geringe Frucht bringt, der fruchtlos ist, dessen Frucht zweifelhaft ist, der für den Augenblick Schaden erzeugt und für die Zukunft fruchtlos ist,

Wort für Wort
kiñcit-phala
von geringer Frucht
niṣphala
fruchtlos
sandigdha-phala
von zweifelhafter Frucht
tadātve
für den Augenblick
āyatyām
für die Zukunft

āyatyāñca tadātve ca doṣasañjananaṃ tathā / aparijñātavīryeṇa pareṇa stobhito 'pi vā //

der für die Zukunft wie für den Augenblick Schaden erzeugt; ebenso einer gegen einen Gegner von unbekannter Stärke, oder einer, zu dem man von einem anderen angestachelt ist,

Wort für Wort
doṣa-sañjanana
Schaden erzeugend
aparijñāta-vīrya
von unbekannter Stärke
stobhita
angestachelt [?]
pareṇa
von einem anderen

parārthaṃ strīnimittañca dīrghakālaṃ dvijaiḥ saha / akāladaivayuktena baloddhatasakhena ca //

einer um eines anderen willen, einer wegen einer Frau, einer von langer Dauer, einer gegen Brahmanen, einer zur unrechten Zeit und unter (ungünstigem) Schicksal, einer gegen den, dessen Freund an Macht übermütig ist,

Wort für Wort
para-artha
um eines anderen willen
strī-nimitta
wegen einer Frau
dīrgha-kāla
von langer Dauer
dvijaiḥ saha
mit Brahmanen
akāla-daiva-yukta
zur Unzeit, mit (widrigem) Schicksal
bala-uddhata-sakha
mit machtübermütigem Freund

tadātve phalasaṃyuktamāyatyāṃ phalavarjitaṃ / āyatyāṃ phalasaṃyuktaṃ tadātve niṣphalaṃ tathā //

einer, der für den Augenblick Frucht bringt, für die Zukunft aber fruchtlos ist, und ebenso einer, der für die Zukunft Frucht bringt, für den Augenblick aber fruchtlos ist –

Wort für Wort
phala-saṃyukta
fruchtbringend
phala-varjita
ohne Frucht
tadātve
im Augenblick
āyatyām
in Zukunft

itīmaṃ ṣoḍaśavidhannakuryādeva vigrahaṃ / tadātvāyatisaṃśuddhaṃ karma rājā sadācaret //

diesen sechzehnfachen Krieg soll er keinesfalls führen. Der König soll stets eine Handlung vollziehen, die für Gegenwart und Zukunft einwandfrei ist.

Wort für Wort
ṣoḍaśa-vidha
sechzehnfach
na kuryāt eva
soll keinesfalls tun
tadātva-āyati-saṃśuddha
für Gegenwart und Zukunft einwandfrei
sadā ācaret
er soll stets vollziehen

ṣoḍaśavidhannakuryād = ṣoḍaśavidhaṃ na kuryād.

hṛṣṭaṃ puṣṭaṃ balaṃ matvā gṛhṇīyādviparītakaṃ / mitramākranda āsāro yadā syurdṛḍhabhaktayaḥ //

Hat er sein Heer als froh und wohlgenährt erkannt, soll er den (Gegner), bei dem es umgekehrt steht, angreifen; wenn Freund, Hilferufer und Helfer fest ergeben sind

Wort für Wort
hṛṣṭa
froh, begeistert
puṣṭa
wohlgenährt
matvā
erkannt habend
viparītaka
umgekehrt beschaffen
dṛḍha-bhakti
fest ergeben

parasya viparītañca tadā vigrahamācaret / vigṛhya sandhāya tathā sambhūyātha prasaṅgataḥ //

und beim Gegner das Gegenteil (der Fall ist), dann soll er Krieg führen. Nach Kriegserklärung, nach Bündnisschluss, ebenso nach Zusammenschluss, dann beiläufig

Wort für Wort
vigraham ācaret
er soll Krieg führen
vigṛhya
nach Kriegsbeginn
sandhāya
nach Bündnisschluss
sambhūya
nach Zusammenschluss
prasaṅgataḥ
beiläufig, bei Gelegenheit

upekṣayā ca nipuṇair yānaṃ pañcavidhaṃ smṛtaṃ / parasparasya sāmarthyavighātādāsanaṃ smṛtaṃ //

und unter Nichtbeachtung (des Gegners) – so gilt bei den Kundigen der Marsch als fünffach. Das Verharren gilt als (eintretend) aus der gegenseitigen Lähmung der Leistungsfähigkeit.

Wort für Wort
upekṣā
Nichtbeachtung
yāna
Marsch, Feldzug
pañcavidha
fünffach
sāmarthya-vighāta
Lähmung der Leistungsfähigkeit
āsana
Verharren

areś ca vijagīṣoś ca yānavat pañcadhā smṛtam / balinīrdviṣatormadhye vācātmānaṃ samarpayan //

(Das Verharren) von Feind und Eroberungswilligem gilt wie der Marsch als fünffach. Zwischen zwei starken Feinden soll er sich (beiden) mit Worten anheimgeben

Wort für Wort
yāna-vat
wie der Marsch
pañcadhā
fünffach
balinoḥ dviṣatoḥ madhye
zwischen zwei starken Feinden
vācā
mit Worten
ātmānaṃ samarpayan
sich anheimgebend

balinīrdviṣator ist für balinor dviṣator verschrieben.

dvaidhībhāvena tiṣṭheta kākākṣivadalakṣitaḥ / ubhayorapi sampāte seveta balavattaraṃ //

und in Doppelhaltung verharren, unbemerkt wie das Auge der Krähe [Anm.: das nach beiden Seiten blickt]. Stoßen die beiden aufeinander, soll er sich dem Stärkeren anschließen.

Wort für Wort
dvaidhī-bhāva
Doppelhaltung, Doppelspiel
kāka-akṣi-vat
wie das Krähenauge
alakṣita
unbemerkt
sampāta
Zusammenstoß
balavattara
der Stärkere

yadā dvāvapi necchetāṃ saṃśleṣaṃ jātasaṃvidau / tadopasarpettacchatrumadhikaṃ vā svayaṃ vrajet //

Wenn beide, nachdem sie sich verständigt haben, keine Verbindung (mit ihm) wollen, dann soll er sich an deren Feind heranmachen oder selbst zu einem Überlegenen gehen.

Wort für Wort
na icchetām
die beiden wollen nicht
saṃśleṣa
Verbindung
jāta-saṃvid
übereingekommen
upasarpet
er soll sich nähern
adhika
Überlegener

ucchidyamāno balinā nirupāyapratikriyaḥ / kuloddhataṃ satyamāryamāseveta balotkaṭaṃ //

Wird er von einem Starken ausgerottet und hat kein Mittel zur Abwehr, soll er sich einem (Herrscher) anschließen, der aus erhabenem Geschlecht, wahrhaftig, edel und an Macht überragend ist.

Wort für Wort
ucchidyamāna
ausgerottet werdend
nirupāya-pratikriya
ohne Mittel zur Abwehr
kula-uddhata
aus erhabenem Geschlecht
ārya
edel
āseveta
er soll sich anschließen
bala-utkaṭa
an Macht überragend

taddarśanopāstikatā nityantadbhāvabhāvitā / tatkāritapraśriyatā vṛttaṃ saṃśrayiṇaḥ śrutaṃ //

Ihn aufzusuchen und ihm aufzuwarten, stets in seiner Gesinnung aufzugehen, sich in dem von ihm Aufgetragenen ehrerbietig zu zeigen – dies gilt als überliefertes Verhalten des Schutzsuchenden.

Wort für Wort
tad-darśana
ihn aufsuchen
upāstikatā
Aufwartung
tad-bhāva-bhāvitā
Aufgehen in seiner Gesinnung
praśrayatā
Ehrerbietigkeit
saṃśrayin
Schutzsuchender

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