Kapitel 12: śrīharivaṃśavarṇanam
Beschreibung des Harivaṃśa (des Geschlechts Haris)
Das Kapitel gibt einen Abriss des Harivaṃśa: die Genealogie von Brahmā bis zu den Yādavas, die Geburt Kṛṣṇas und Balarāmas, Kṛṣṇas Jugendtaten, die Tötung Kaṃsas, die Gründung Dvārakās, die Geschichte Pradyumnas und den Kampf um Uṣā und Aniruddha gegen Bāṇa und Śiva. Die Verse 36 und 37 bestehen nur aus je einem Halbvers; dazwischen fehlt offenbar der Bericht von Pradyumnas Raub. Mehrere verderbte Formen (V. 27 kaṃsage, V. 31 uvāca, V. 32 saratrañca, V. 42) sind vermerkt.
Agni sprach: Ich will den Harivaṃśa [Anm.: das Geschlecht Haris] verkünden. Aus dem Nabellotus Viṣṇus [entstand] der Ungeborene [Anm.: Brahmā]; von Brahmā [stammte] Atri, von diesem Soma; von Soma wurde Purūravas geboren.
druhyaṃ cānuṃ ca pūruṃ ca śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī / yadoḥ kule yādavāś ca vasudevastaduttamaḥ //
Druhyu, Anu und Pūru [gebar] Śarmiṣṭhā, die Tochter Vṛṣaparvans. Im Geschlecht Yadus [entstanden] die Yādavas, und Vasudeva war der vorzüglichste unter ihnen.
Um die Last der Erde abzunehmen, [wurde Viṣṇu] von Vasudeva in Devakī [gezeugt]. Die sechs Söhne Hiraṇyakaśipus wurden als Embryonen durch die Yoganidrā,
in Rohiṇī übertragen worden; daher [heißt er] Rauhiṇeya. Darauf [wurde] Hari am achten Tag der dunklen Monatshälfte im [Monat] Nabhas um Mitternacht vierarmig [geboren].
vāritopi sa devakyā mṛtyurgarbhoṣṭamo mama / śrutvāśarīriṇīṃ vācaṃ matto garbhāstu māritāḥ //
obwohl Devakī ihn davon abzuhalten suchte. Denn nachdem er die körperlose Stimme gehört hatte: „Der achte Embryo ist mein Tod“, waren von ihm die Embryonen getötet worden,
rakṣaṇāya ca kaṃsāder bhītenaiva hi gokule / rāmakṛṣṇau ceratustau gobhirgopālakaiḥ saha //
der aus Furcht vor Kaṃsa und den anderen [dies] zu ihrem Schutz [tat], Rāma und Kṛṣṇa; die beiden streiften im Kuhdorf (Gokula) mit den Kühen und den Hirtenknaben umher.
yamalārjunamadhye 'gād bhagnau ca yamalārjunau / parivṛttaś ca śakaṭaḥ pādakṣepāt stanārthinā //
kroch zwischen die beiden Yamalārjuna-Bäume, und die Zwillings-Arjunabäume brachen. Und der Karren wurde durch einen Fußtritt von ihm umgestürzt, als er nach der Brust verlangte.
Pūtanā, die sich anschickte, ihn zu töten, wurde durch das Saugen an der Brust getötet. Nach Vṛndāvana gegangen, [vertrieb] Kṛṣṇa den Kāliya aus dem Teich der Yamunā:
Indem er den Berg hochhielt, wehrte er den Regen Śakras ab. Govinda wurde von Mahendra durch Verneigung geehrt, und dann wurde [ihm] Arjuna anvertraut.
Das Indra-Fest aber wurde von dem zufriedenen Kṛṣṇa wieder veranstaltet. Auf einem Wagen fuhr er nach Mathurā, gepriesen von Akrūra, den Kaṃsa geschickt hatte,
nachgeblickt von den ihm zugetanen Hirtinnen, mit denen er gespielt hatte. Einen Wäscher, der [die Kleider] nicht hergeben wollte, tötete er und nahm die Kleider.
Zusammen mit Rāma, Girlanden tragend, gewährte er dem Kranzbinder eine Gnade. Die Bucklige, die ihm Salbe gegeben hatte, machte er gerade. Er erschlug den Elefanten,
Nachdem Hari Kaṃsa, den Herrn von Mathurā, getötet hatte, machte er dessen Vater zum König der Yādavas. Asti und Prāpti aber, die zu Kaṃsa gehörten [Anm.: seine Gattinnen],
Wort für Wort
mathurā-adhipatim
den Herrn von Mathurā
tat-pitaram
dessen Vater (Ugrasena)
yādava-rājānam cakre
machte zum König der Yādavas
asti-prāptī
Asti und Prāpti
kaṃsage
zu Kaṃsa gehörig [?]
kaṃsage unklar (etwa „die mit Kaṃsa verbundenen“); Sinn nach dem Folgevers erschlossen.
purīṃ ca dvārakāṃ kṛtvā nyavasad yādavair vṛtaḥ / bhaumaṃ tu narakaṃ hatvā tenānītāś ca kanyakāḥ //
und die Stadt Dvārakā gegründet hatte, wohnte er [dort], umgeben von den Yādavas. Nachdem er aber Naraka, den Sohn der Erde, getötet hatte, [nahm] die von diesem [geraubten und] herbeigebrachten Mädchen
Mit Satyabhāmā vereint, auf Garuḍa [reitend], holte der Bezwinger Narakas, Hari, den Juwelenberg samt den Kleinodien [?]; nachdem er im Himmel Indra besiegt hatte,
Wort für Wort
satyabhāmā-samāyuktaḥ
mit Satyabhāmā vereint
garuḍe
auf Garuḍa
naraka-ardanaḥ
Bezwinger Narakas
maṇi-śailam
den Juwelenberg
indram jitvā divi
Indra im Himmel besiegt
saratrañca wohl verderbt für saratnaṃ ca „samt Juwelen“.
brachte er den Pārijāta[-Baum] herbei und pflanzte ihn im Haus Satyabhāmās. Nachdem er von Sāndīpani die Kunde der Hieb- und Wurfwaffen erlernt hatte, gab er ihm seinen Knaben [zurück],
Jenen Fisch gab man dem Śambara, und Śambara [gab ihn] der Māyāvatī.
Wort für Wort
tam matsyam
jenen Fisch
śambarāya adāt
gab dem Śambara
māyāvatyai
der Māyāvatī
śambaraḥ
Śambara
Nur ein Halbvers überliefert; zwischen V. 36 und 37 fehlt der Bericht von Pradyumnas Geburt, Raub und Verschlingung durch den Fisch (taṃ matsyaṃ setzt ihn voraus).
kāmastvaṃ śambhunānaṅgaḥ kṛtohaṃ śambareṇa ca / hṛtā na tasya patnī tvaṃ māyājñaḥ śambaraṃ jahi //
Kāma; du wurdest von Śambhu körperlos gemacht, und ich wurde von Śambara geraubt, bin aber nicht seine Gattin. Du, der Zauberkünste kundig, töte Śambara!“
am zwölften Tag des Monats Vaiśākha wird der Mann [, den du dann siehst,] dein Gatte sein.“ So von Gaurī angesprochen und erfreut, sah Uṣā, im Haus schlafend, ihn.
Da sie erkannte, dass er sich mit ihr vereinigt hatte, ließ sie durch ihre Freundin Citralekhā – [ihn erkennend] am gemalten Bildtuch – Aniruddha herbeibringen,
vāṇadhvajasya sampātai rakṣibhiḥ sa niveditaḥ / aniruddhasya vāṇena yuddhamāsītsadāruṇam //
Durch das Umstürzen von Bāṇas Banner [angezeigt], wurde er von den Wächtern gemeldet. Es kam zu einem überaus grausamen Kampf zwischen Aniruddha und Bāṇa.
Dann kam es zum Kampf zwischen Hari und Śaṅkara, Pfeil gegen Pfeil. Nandin, Vināyaka, Skanda und die übrigen wurden von Tārkṣya und den anderen besiegt.
Zwischen uns beiden gibt es keinen Unterschied; wer einen Unterschied macht, gelangt in die Hölle.“ Viṣṇu, von Śiva und den anderen verehrt, [zog] mit Aniruddha, der mit Uṣā und den anderen verbunden war,
Balabhadra war der Töter Pralambas, der die Yamunā [mit dem Pflug] herbeizog, der Spalter des Affen Dvivida und der Vernichter des Übermuts der Kauravas.
harī remenekamūrto rukmiṇyādibhirīśvaraḥ / putrānutpādayāmāsa tvasaṃkhyātān sa yādavān / harivaṃśaṃ paṭhet yaḥ sa prāptakāmo hariṃ vrajet //
Hari, der Herr, vergnügte sich in vielen Gestalten mit Rukmiṇī und den anderen und zeugte unzählige Söhne, die Yādavas. Wer den Harivaṃśa rezitiert, erlangt seine Wünsche und gelangt zu Hari.