Kapitel 286: gajacikitsā
Die Heilbehandlung der Elefanten
Pālakāpya lehrt Lomapāda die Merkmale guter und untauglicher Elefanten und ihre Behandlung bei Fieber, Blähung, Ohnmacht, Kopf-, Fuß-, Hals- und Hautleiden, Würmern, Durchfall und Kolik, dazu Fütterung, Augensalben für den Kampf und Stallpflege. Die Sprecherangabe „pālakāpya uvāca“ steht in der Quelle im Kapitelkopf (Titelfeld: „gajacikitsā pālakāpya uvāca(1)“), der Titel ist aus dem Kolophon übernommen. Mehrere Verse (3, 4, 7, 27, 30) sind textlich unsicher.
[Pālakāpya sprach:] Die Merkmale der Elefanten und ihre Heilbehandlung werde ich dir, Lomapāda, darlegen. Die mit langem Rüssel und mächtigem Atem sind gepriesen; sie sind kraftvoll.
Wort für Wort
gaja-lakṣma
Merkmale der Elefanten
cikitsām
Heilbehandlung
vadāmi te
ich lege dir dar
dīrgha-hastāḥ
mit langem Rüssel
mahā-ucchvāsāḥ praśastāḥ
mit mächtigem Atem, gepriesen
Die Sprecherangabe pālakāpya uvāca steht in der Quelle im Kapitelkopf, nicht im Vers; yadāmi für vadāmi; mahiṣṇavaḥ unsicher (evtl. „kraftvoll“ oder verderbt).
viṃśatyaṣṭādaśanakhāḥ śītakālamadāś ca ye / dakṣiṇañconnatandantaṃ vṛṃhitaṃ jaladopamaṃ //
Die zwanzig oder achtzehn Zehennägel haben und die in der kalten Jahreszeit brünstig sind; [bei denen] der rechte Stoßzahn erhoben ist, deren Trompeten der Regenwolke gleicht,
karṇaur ca vipūlau yeṣāṃ sūkṣmavindvanvitatvacau / te dhāryā na tathā dhāryā vāmanā ye ca saṅkuśāḥ //
deren Ohren breit sind und deren Haut mit feinen Punkten versehen ist – diese sind zu halten; nicht so zu halten sind die Zwergwüchsigen und die Gedrungenen [?],
Wort für Wort
karṇau vipulau
breite Ohren
sūkṣma-bindu-anvita-tvacau
mit fein gepunkteter Haut
te dhāryāḥ
diese sind zu halten
na tathā dhāryāḥ
nicht so zu halten
vāmanāḥ
die Zwergwüchsigen
karṇaur für karṇau; saṅkuśāḥ unsicher (evtl. saṅkucita „zusammengezogen“).
die Elefantenkühe, die seitlich trächtig sind [?], und die stumpfsinnigen Elefanten. Farbe, Wesensstärke (Sattva), Kraft, Gestalt, Glanz, fester Körperbau und Schnelligkeit –
saptasthito gajaścedṛk saṅgrāmerīñjayetsa ca / kuñjarāḥ paramā śobhā śivirasya balasya ca //
ein Elefant, der in diesen sieben [Eigenschaften] fest steht, wird in der Schlacht die Feinde besiegen. Elefanten sind die höchste Zierde des Lagers und des Heeres.
Wort für Wort
sapta-sthitaḥ gajaḥ
ein in den sieben [Eigenschaften] feststehender Elefant
saṅgrāme arīn jayet
besiegt in der Schlacht die Feinde
kuñjarāḥ
Elefanten
paramā śobhā
höchste Zierde
śibirasya balasya ca
des Lagers und des Heeres
saṅgrāmerīñjayet für saṅgrāme 'rīñ jayet; śivira für śibira.
[ferner] Einreibung mit gekochtem Ghee und Öl und ein windgeschützter Stall; und bei Schulter[leiden] ist die Behandlung so vorzunehmen, wie ein Hüter [es tut], o Könige [?].
Kuhharn bei Bleichsucht-Krankheiten, Ghee mit den zwei Rajanī (Gelbwurzarten), o Zweimalgeborener; bei Blähung (Ānāha) wird für den mit Öl Begossenen ein Übergießen empfohlen.
Wort für Wort
go-mūtram pāṇḍu-rogeṣu
Kuhharn bei Bleichsucht
rajanībhyām ghṛtam
Ghee mit den zwei Gelbwurzarten
ānāhe
bei Blähung
taila-siktasya
des mit Öl Begossenen
niṣekaḥ śasyate
Übergießung wird empfohlen
Die Anrede dvija passt nicht zu Lomapāda; evtl. Überlieferungsrest.
gebe man dem Elefanten bei Ohnmachten zu fressen und lasse ihn Honigwasser trinken. Bei Kopfschmerz werden Einreibung des Kopfes und Nasenbehandlung empfohlen.
mit Ūṣaṇa (Pfeffer) versehen, beseitigt die Krankheit der Halsstarre (Galagraha). Mit acht zerriebenen Salzen lasse man Prasannā (klares Bier) [und] Ghee trinken
Trivṛt, Vyoṣa, Agni (Citraka), Dantī, Arka, Śyāmā, Kṣīrā [?] und Ibhapippalī (Gajapippalī): ein damit bereitetes Fett beseitigt Gulma; ebenso ein anderes.
Als Hauptnahrung für sie [gelten] Ṣaṣṭika-, Vrīhi- und Śāli-Reis; mittelmäßig sind Gerste und Weizen; die übrigen sind für den Elefanten die geringsten.
Für den durch die Brunst geschwächten Elefanten wird Milchtrinken empfohlen; ebenso ist mit verdauungsanregenden Stoffen gekochte Fleischbrühe heilsam.
Krähe und Hund, beide, [Tiere] aus dem Geschlecht von Krähe und Eule [?], Hari [?] – [ihr Fleisch] mit Honig vermischt sei ein Kloß [für den Elefanten] in der Schlacht, in großer Not.
Wort für Wort
vāyasaḥ kukkuraḥ
Krähe, Hund
kāka-ulūka-kulaḥ
aus dem Geschlecht von Krähe und Eule
kṣaudreṇa saṃyuktaḥ
mit Honig vermischt
piṇḍaḥ
Kloß
yuddhe mahā-āpadi
in der Schlacht, in großer Not
Vers stark unklar; hari kann Affe, Löwe, Pferd u. a. bezeichnen.
taṇḍulodakapiṣṭāni netranirvāpanaṃ param / nakhavṛddhau nakhacchedastailasekaś ca māsyapi //
mit Reiswasser zerrieben, [sind] die beste Kühlung der Augen. Bei Wachstum der Nägel [ist] Nägelschneiden und Übergießen mit Öl auch jeden Monat [vorzunehmen].