Kapitel 206: agastyārghyadānakathanaṃ
Die Darbringung des Arghya an Agastya
Agni beschreibt das Gelübde der Arghya-Gabe an den Weisen Agastya kurz vor dem Eintritt der Sonne in die Jungfrau: Bildnis aus Kāśa-Blüten im Krug, Nachtwache, Arghya am Gewässer mit Anrufungsformeln, auch an Lopāmudrā, und Gaben an Brahmanen; die Übung über sieben Jahre gewährt alle Wünsche. Das Kolophon nennt das Kapitel agastyārghyadānavrataṃ. In V. 13 ist ein vedischer Vers (Ṛgveda 1,179,6) eingefügt; mehrere Schreibfehler der Digitalisierung (miniśārdūla, arcayisyāmi, agastryam, nīrā).
Agni sprach: Agastya ist der erhabene Viṣṇu; wer ihn verehrt, erlangt Hari. Wenn die Sonne die Jungfrau (Kanyā) noch nicht erreicht hat, [und zwar] drei Tage samt [je] drei Teilen [vorher] [?],
Wort für Wort
agastyaḥ bhagavān viṣṇuḥ
Agastya ist der erhabene Viṣṇu
tam abhyarcya
ihn verehrt habend
āpnuyāt harim
erlangt Hari
aprāpte bhāskare kanyām
wenn die Sonne die Jungfrau nicht erreicht hat
sa-tribhāgaiḥ tribhiḥ dinaiḥ
mit drei Tagen samt Dritteln
satribhāgais tribhir dinaiḥ „mit drei Tagen samt Dritteln“: genaue Zeitangabe unklar; gemeint ist wohl der Aufgang des Agastya-Sterns (Canopus) kurz vor dem Eintritt der Sonne in die Jungfrau.
soll man, nachdem man gefastet und [ihn] verehrt hat, dem Agastya das Arghya-Wasser darbringen. Ein Bildnis aus Kāśa-Blüten stelle man am Abend (pradoṣa) in einen Krug.
Jenes im Krug befindliche [Bildnis] des Weisen verehre man und halte in der Nacht Wache: „Agastya, Tiger unter den Weisen, Fülle der Glut, Hochgesinnter,
Wort für Wort
muneḥ yajet tām kumbha-sthām
man verehre jenes im Krug befindliche [Bild] des Weisen
imāṃ mama kṛtāṃ pūjāṃ gṛhṇīṣva priyayā saha / āvāhyārghye ca sammukhyaṃ prārcayeccandanādinā //
nimm diese von mir vollzogene Verehrung zusammen mit deiner Geliebten an!“ Nachdem man [ihn] herbeigerufen hat und [er] im Arghya gegenwärtig ist [?], verehre man ihn mit Sandel und dergleichen.
Wort für Wort
imām mama kṛtām pūjām
diese von mir vollzogene Verehrung
gṛhṇīṣva priyayā saha
nimm an samt der Geliebten
āvāhya
herbeigerufen habend
arghye sammukhyam
im Arghya gegenwärtig [?]
prārcayet candana-ādinā
man verehre mit Sandel usw.
sammukhyaṃ unklar; wohl sammukhīkṛtya bzw. sammukham „zugewandt, anwesend“.
jalāśayasamīpe tu prātarnītvārghyamarpayet / kāśapuṣpapratīkāśa agnimārutasambhava //
Am Morgen aber bringe man [das Bildnis] in die Nähe eines Gewässers und bringe das Arghya dar: „Du, der Kāśa-Blüte Gleichender, aus Agni und Māruta Geborener,
den Sohn des Mitra (Maitra) will ich verehren aus Verlangen nach der jenseitigen Welt. Das auf einem anderen Kontinent entstandene, den Göttern höchst liebe,
īpsitaṃ me varaṃ dehi paratra ca śubhāṅgatiṃ / surāsurairmuniśreṣṭha sarvakāmaphalaprada //
Gib mir die ersehnte Gnadengabe und im Jenseits einen heilvollen Weg, du Bester der Weisen, [verehrt] von Göttern und Asuras, Gewährer der Frucht aller Wünsche!
Mit Früchten will ich das Arghya darbringen; nimm das Arghya, großer Weiser!“ [Dann der vedische Spruch:] „Agastya, so grabend mit Grabscheiten, nach Nachkommenschaft, Kindern und Kraft strebend, hat, der Seher von gewaltiger Glut, beide [Farben] genährt; wahre Segenswünsche erlangte er bei den Göttern.“
Wort für Wort
phalaiḥ arghyam pradāsyāmi
mit Früchten will ich das Arghya geben
gṛhāṇa arghyam mahā-mune
nimm das Arghya, großer Weiser
khanamānaḥ khanitraiḥ
grabend mit Grabscheiten
prajām apatyam balam īhamānaḥ
nach Nachkommen, Kindern, Kraft strebend
ubhau karṇau (varṇau) pupoṣa
nährte beide [Farben]
satyāḥ deveṣu āśiṣaḥ jagāma
erlangte wahre Segnungen bei den Göttern
Der zweite Teil ist ein vedischer Vers (vgl. Ṛgveda 1,179,6); karṇau „beide Ohren“ ist wohl Verderbnis für varṇau „beide Farben/Stände“.
arghyaṃ dadyādagastyāya strīśūdrāṇāmavaidikaṃ / agastya muniśārdūla tejorāśe ca sarvada //
[als] Arghya gebe man dem Agastya. Für Frauen und Śūdras [gilt] die nichtvedische [Formel]: „Agastya, Tiger unter den Weisen, Fülle der Glut und Allgewährender,
nimm diese von mir vollzogene Verehrung an und geh hin zum Frieden!“ Mit Bezug auf Agastya verzichte man [künftig] auf eine Getreideart, eine Frucht und einen Saft (Geschmack).
Wenn sie sieben Jahre lang das Arghya gegeben haben, erlangen alle alles: die Frau Söhne und Eheglück, das Mädchen einen Gatten aus königlichem Geschlecht.