Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 222: rājadharmāḥ Die Pflichten des Königs: Verwaltung, Schutz und Abgaben

Puṣkara beschreibt die Verwaltungshierarchie vom Dorfvorsteher bis zum Bezirksherrn, den Wert des Reichtums und die Pflicht des Königs, die Untertanen vor Günstlingen, Dieben und Schreibern zu schützen. Danach folgen Rechtsregeln über gefundene Schätze, herrenloses Gut, das Erbe Minderjähriger und den Schutz schutzloser Frauen, über den Ersatz gestohlenen Gutes sowie ein Katalog von Zöllen und Abgaben; Brahmanen sind steuerfrei, Handwerker schulden Arbeitsdienst. Der Text hat einige entstellte Stellen (z. B. 6 lokeṣe, 17 arthayukto, 27 pañcaṣaḍbhāgam); der letzte Vers ist nur ein Halbvers.

puṣkara uvāca | grāmasyādhipatiṃ kuryāddaśagrāmādhipaṃ nṛpaḥ / śatagrāmādhipañcānyaṃ tathaiva viṣayeśvaraṃ //

Puṣkara sprach: Der König soll einen Vorsteher über ein Dorf einsetzen, einen Vorsteher über zehn Dörfer, einen weiteren als Vorsteher über hundert Dörfer und ebenso einen Herrn über einen Bezirk.

Wort für Wort
grāmasya adhipatim
den Vorsteher eines Dorfes
daśa-grāma-adhipam
den Vorsteher von zehn Dörfern
śata-grāma-adhipam
den Vorsteher von hundert Dörfern
viṣaya-īśvaram
den Herrn eines Bezirks
kuryāt
er setze ein

teṣāṃ bhogavibhāgaś ca bhavet karmānurūpataḥ / nityameva tathā kāryaṃ teṣāñcāraiḥ parīkṣaṇaṃ //

Die Zuteilung ihrer Einkünfte soll ihrer Tätigkeit entsprechen; und ebenso ist ständig ihre Überprüfung durch Späher vorzunehmen.

Wort für Wort
bhoga-vibhāgaḥ
Zuteilung der Einkünfte
karma-anurūpataḥ
entsprechend der Tätigkeit
nityam eva
ständig
cāraiḥ
durch Späher
parīkṣaṇam
Überprüfung

grāme doṣān samutpannān grāmeśaḥ prasamaṃ nayet / aśakto daśapālasya sa tu gatvā nivedayet //

Die im Dorf entstandenen Missstände soll der Dorfvorsteher beilegen; ist er dazu nicht imstande, soll er zum Vorsteher der Zehn gehen und (es) melden.

Wort für Wort
grāme doṣān samutpannān
im Dorf entstandene Missstände
grāma-īśaḥ
der Dorfvorsteher
praśamam nayet
er bringe zur Ruhe
aśaktaḥ
nicht imstande
daśa-pālasya nivedayet
er melde dem Vorsteher der Zehn

prasamaṃ für praśamaṃ.

śrutvāpi daśapālo 'pi tatra yuktimupācaret / vittādyāpnoti rājā vai viṣayāttu surakṣitāt //

Wenn der Vorsteher der Zehn (es) gehört hat, soll auch er dort ein (geeignetes) Mittel anwenden. Aus einem wohlbeschützten Bezirk erlangt der König Reichtum usw.

Wort für Wort
śrutvā
gehört habend
yuktim upācaret
er wende ein Mittel an
vitta-ādi
Reichtum usw.
āpnoti rājā
erlangt der König
viṣayāt surakṣitāt
aus einem wohlbeschützten Bezirk

dhanavāndharmamāpnoti dhanavān kāmamaśnute / ucchidyante vinā hy arthaiḥ kriyā grīṣme saridyathā //

Der Wohlhabende erlangt Dharma, der Wohlhabende genießt Kāma; denn ohne Mittel gehen die Unternehmungen zugrunde wie ein Fluss im Sommer.

Wort für Wort
dhanavān
der Wohlhabende
dharmam āpnoti
erlangt Dharma
kāmam aśnute
genießt Liebe/Lust
vinā arthaiḥ
ohne Mittel
ucchidyante kriyāḥ
Unternehmungen gehen zugrunde
grīṣme sarit
ein Fluss im Sommer

viśeṣo nāsti lokeṣe patitasyādhanasya ca / patitānna tu gṛhṇanti daridro na prayacchati //

In dieser Welt gibt es keinen Unterschied zwischen einem Ausgestoßenen und einem Mittellosen: Von Ausgestoßenen nimmt man nichts an, und der Arme gibt nichts.

Wort für Wort
viśeṣaḥ na asti
es gibt keinen Unterschied
patitasya
des Ausgestoßenen
adhanasya
des Mittellosen
na gṛhṇanti
man nimmt nicht an
daridraḥ na prayacchati
der Arme gibt nicht

lokeṣe wohl für loke 'smin.

dhanahīnasya bhāryāpi naikā syādupavartinī / rāṣṭrapīḍākaro rājā narake vasate ciraṃ //

Dem Mittellosen ist nicht einmal die eigene Frau zugetan. Ein König, der das Reich bedrückt, wohnt lange in der Hölle.

Wort für Wort
dhana-hīnasya
des Mittellosen
bhāryā api
sogar die Gattin
upavartinī
zugetan
rāṣṭra-pīḍā-karaḥ
das Reich bedrückend
narake vasate ciram
wohnt lange in der Hölle

naikā wohl für naiva.

nityaṃ rājñā tathā bhāvyaṃ garbhiṇī sahadharmiṇī / yahā svaṃ sukhamutsṛjya garbhasya sukhamāvahet //

Der König soll sich stets so verhalten wie eine schwangere Gattin: Wie diese ihr eigenes Wohlbehagen aufgibt und das Wohl der Leibesfrucht herbeiführt, (so auch er für die Untertanen).

Wort für Wort
tathā bhāvyam
so soll er sein
garbhiṇī saha-dharmiṇī
eine schwangere Gattin
svam sukham utsṛjya
das eigene Wohl aufgebend
garbhasya sukham
das Wohl der Leibesfrucht
āvahet
sie führe herbei

yahā für yathā.

kiṃ yajñaistapasā tasya prajā yasya na rakṣitāḥ / surakṣitāḥ prajā yasya svargastasya gṛhopamaḥ //

Was nützen Opfer und Askese dem, dessen Untertanen nicht geschützt sind? Wessen Untertanen wohlbeschützt sind, dem ist der Himmel wie sein Haus.

Wort für Wort
kim yajñaiḥ tapasā
was (nützen) Opfer und Askese
prajāḥ na rakṣitāḥ
die Untertanen nicht geschützt
surakṣitāḥ
wohlbeschützt
svargaḥ
der Himmel
gṛha-upamaḥ
wie ein Haus

arakṣitāḥ prajā yasya narakaṃ tasya mandiraṃ / rājā ṣaḍbhāgamādatte sukṛtādduṣkṛtādapi //

Wessen Untertanen ungeschützt sind, dem ist die Hölle Wohnstatt. Der König erhält den sechsten Teil sowohl von der guten als auch von der bösen Tat (der Untertanen).

Wort für Wort
arakṣitāḥ
ungeschützt
narakam mandiram
die Hölle als Wohnstatt
ṣaḍ-bhāgam ādatte
er erhält den sechsten Teil
sukṛtāt
von der guten Tat
duṣkṛtāt api
auch von der bösen Tat

dharmāgamo rakṣaṇācca pāpamāpnotyarakṣaṇāt / subhagā viṭabhīteva rājavallabhataskaraiḥ //

Durch Schutz erwächst (ihm) Verdienst, durch Nichtschutz erlangt er Sünde. Wie eine schöne Frau von Wüstlingen bedroht ist, (so werden) die Untertanen von den Günstlingen des Königs und von Dieben

Wort für Wort
dharma-āgamaḥ
Erwerb von Verdienst
rakṣaṇāt
durch Schutz
pāpam arakṣaṇāt
Sünde durch Nichtschutz
subhagā viṭa-bhītā iva
wie eine Schöne, von Wüstlingen bedroht
rāja-vallabha-taskaraiḥ
von Günstlingen des Königs und Dieben

bhakṣyamāṇāḥ prajā rakṣyāḥ kāyasthaiś ca viśeṣataḥ / rakṣitā tadbhayebhyastu rājño bhavati sā prajā //

verzehrt; die Untertanen sind zu schützen, besonders vor den Schreibern (kāyastha). Vor diesen Gefahren geschützt, gehört das Volk dem König;

Wort für Wort
bhakṣyamāṇāḥ
verzehrt werdend
prajāḥ rakṣyāḥ
die Untertanen sind zu schützen
kāyasthaiḥ
vor den Schreibern
viśeṣataḥ
besonders
tat-bhayebhyaḥ rakṣitā
vor diesen Gefahren geschützt

arakṣitā sā bhavati teṣāmeveha bhojanaṃ / duṣṭasammardanaṃ kuryācchāstroktaṃ karamādadet //

ungeschützt wird es hier zu deren Speise. Er soll die Bösen niederwerfen und die in den Lehrbüchern genannte Steuer erheben.

Wort für Wort
arakṣitā
ungeschützt
teṣām eva bhojanam
eben deren Speise
duṣṭa-sammardanam
Niederwerfen der Bösen
śāstra-uktam karam
die in den Lehrbüchern genannte Steuer
ādadet
er erhebe

koṣe praveśayedardhaṃ nityañcārdhaṃ dvije dadet / nidhiṃ dvijottamaḥ prāpya gṛhṇīyātsakalaṃ tathā //

Die Hälfte soll er in den Schatz einbringen und die (andere) Hälfte stets den Brahmanen geben. Findet ein vornehmster Zweimalgeborener einen Schatz, so soll er ihn ganz nehmen.

Wort für Wort
koṣe praveśayet ardham
die Hälfte lege er in den Schatz
ardham dvije dadet
die Hälfte gebe er dem Brahmanen
nidhim
einen Schatz
dvija-uttamaḥ prāpya
ein vornehmster Brahmane, (ihn) gefunden habend
gṛhṇīyāt sakalam
er nehme ihn ganz

Die Bezugsgröße von „Hälfte“ (Steuer oder Fund) ist nicht eindeutig; vermutlich bezieht sie sich bereits auf einen vom König gefundenen Schatz.

caturthamaṣṭamaṃ bhāgaṃ tathā ṣoḍaśamaṃ dvijaḥ / varṇakrameṇa dadyācca nidhiṃ pātre tu dharmataḥ //

Den vierten, den achten und ebenso den sechzehnten Teil soll der (andere) Finder nach der Reihenfolge der Stände geben; und den Schatz (soll man) gemäß dem Dharma einem würdigen Empfänger (geben).

Wort für Wort
caturtham aṣṭamam bhāgam
den vierten, den achten Teil
ṣoḍaśamam
den sechzehnten
varṇa-krameṇa
nach der Reihenfolge der Stände
pātre
einem würdigen Empfänger
dharmataḥ
gemäß dem Dharma

Sinn: Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra als Finder geben ein Viertel, Achtel bzw. Sechzehntel ab. dvijaḥ steht hier wohl ungenau. Deutung unsicher.

anṛtantu vadan daṇḍyaḥ suvittasyāṃśamaṣṭamaṃ / praṇaṣṭasvāmikamṛkthaṃ rājātryabdaṃ nidhāpayet //

Wer aber (bei der Fundanzeige) die Unwahrheit sagt, ist mit dem achten Teil seines Vermögens zu bestrafen. Gut, dessen Eigentümer verloren ist, soll der König drei Jahre lang verwahren lassen.

Wort für Wort
anṛtam vadan
die Unwahrheit sagend
daṇḍyaḥ
ist zu bestrafen
su-vittasya aṃśam aṣṭamam
den achten Teil seines Vermögens
praṇaṣṭa-svāmikam riktham
Gut, dessen Eigentümer verloren ist
tri-abdam nidhāpayet
er lasse drei Jahre verwahren

arvāk tryabdāddharet svāmī pareṇa nṛpatirharet / mamedamiti yo brūyāt so 'rthayukto yathāvidhi //

Vor Ablauf von drei Jahren darf der Eigentümer es nehmen, danach soll der König es nehmen. Wer sagt: „Das ist mein“, der ist der Regel gemäß (zu prüfen) [?].

Wort für Wort
arvāk tri-abdāt
vor Ablauf von drei Jahren
haret svāmī
der Eigentümer nehme
pareṇa
danach
mama idam iti
„das ist mein“
yathāvidhi
der Regel gemäß

so 'rthayukto unklar; vermutlich „ist zu befragen“ (anuyojyaḥ).

sampādya rūpasaṅkhyādīn svāmī tad dravyamarhati / bāladāyādikamṛkthaṃ tāvadrājānupālayet //

Hat er Aussehen, Anzahl usw. (richtig) angegeben, so hat der Eigentümer Anspruch auf dieses Gut. Das Erbe von Minderjährigen usw. soll der König so lange schützen,

Wort für Wort
sampādya
angegeben habend
rūpa-saṅkhyā-ādīn
Aussehen, Anzahl usw.
tat dravyam arhati
hat Anspruch auf dieses Gut
bāla-dāyādikam riktham
das Erbe Minderjähriger
anupālayet
er schütze

yāvatsyātsa samāvṛtto yāvadvātītaśaiśavaḥ / bālaputrāsu caivaṃ syādrakṣaṇaṃ niṣkalāsu ca //

bis er (vom Studium) heimgekehrt ist oder bis er die Kindheit überschritten hat. Ebenso soll Schutz (gewährt werden) für (Frauen) mit kleinen Söhnen und für die Familienlosen [?],

Wort für Wort
samāvṛttaḥ
heimgekehrt (vom Lehrer)
atīta-śaiśavaḥ
die Kindheit überschritten habend
bāla-putrāsu
bei (Frauen) mit kleinen Söhnen
rakṣaṇam
Schutz
niṣkalāsu
bei Familienlosen (?)

niṣkalāsu unklar; evtl. für niṣkulāsu („ohne Familie“).

pativratāsu ca strīṣu vidhabāsvāturāsu ca / jīvantīnāntu tāsāṃ ye saṃhareyuḥ svavāndhavāḥ //

für gattentreue Frauen, für Witwen und Kranke. Welche eigenen Verwandten diesen Frauen, solange sie leben, (ihr Gut) wegnehmen,

Wort für Wort
pativratāsu
bei gattentreuen (Frauen)
vidhavāsu āturāsu
bei Witwen und Kranken
jīvantīnām
der Lebenden
saṃhareyuḥ
sie nehmen weg
sva-bāndhavāḥ
die eigenen Verwandten

vidhabāsv für vidhavāsv; svavāndhavāḥ für svabāndhavāḥ.

tāñchiṣyāccauradaṇḍena dhārmikaḥ pṛthivīpatiḥ / sāmānyato hṛtañcauraistadvai dadyāt svayaṃ nṛpaḥ //

die soll der rechtschaffene Herr der Erde mit der Diebesstrafe züchtigen. Was allgemein von Dieben geraubt wurde, das soll der König selbst (ersetzen und) geben.

Wort für Wort
śiṣyāt
er züchtige
caura-daṇḍena
mit der Diebesstrafe
sāmānyataḥ
allgemein
hṛtam cauraiḥ
von Dieben geraubt
dadyāt svayam
er gebe selbst

tāñchiṣyāc für tāñ chiṣyāt (śās).

caurarakṣādhikāribhyo rājāpi hṛtamāpnuyāt / ahṛte yo hṛtaṃ brūyānniḥsāryo daṇḍya eva saḥ //

Der König aber soll das Geraubte von den mit dem Schutz vor Dieben Betrauten (wieder) erlangen. Wer, obwohl nichts geraubt ist, (etwas als) geraubt angibt, ist auszuweisen und zu bestrafen.

Wort für Wort
caura-rakṣā-adhikāribhyaḥ
von den mit Diebesschutz Betrauten
hṛtam āpnuyāt
er erlange das Geraubte
ahṛte
wenn nichts geraubt ist
niḥsāryaḥ
ist auszuweisen
daṇḍyaḥ
ist zu bestrafen

na tadrājñā pradātavyaṃ gṛhe yad gṛhagair hṛtaṃ / svarāṣṭrapaṇyādādadyādrājā viṃśatimaṃ dvija //

Nicht zu erstatten ist vom König, was im Haus von Hausgenossen geraubt wurde. Vom Handelsgut des eigenen Reiches soll der König den zwanzigsten Teil nehmen, o Zweimalgeborener,

Wort für Wort
na pradātavyam
ist nicht zu erstatten
gṛhagaiḥ hṛtam
von Hausgenossen geraubt
sva-rāṣṭra-paṇyāt
vom Handelsgut des eigenen Reiches
viṃśatimam
den zwanzigsten Teil
dvija
o Zweimalgeborener

śulkāṃśaṃ paradeśācca kṣayavyayaprakāśakaṃ / jñātvā saṅkalpayecchulkaṃ lābhaṃ vaṇigyathāpnuyāt //

und vom (Handelsgut) aus dem Ausland einen Zollanteil, nachdem Verlust und Aufwand offengelegt sind; nachdem er (dies) erkundet hat, soll er den Zoll so festsetzen, dass der Kaufmann Gewinn erzielt.

Wort für Wort
śulka-aṃśam
den Zollanteil
para-deśāt
aus dem Ausland
kṣaya-vyaya-prakāśakam
Verlust und Aufwand offenlegend
saṅkalpayet śulkam
er setze den Zoll fest
lābham vaṇik āpnuyāt
der Kaufmann erziele Gewinn

viṃśāṃśaṃ lābhamādadyāddaṇḍanīyastato 'nyathā / strīṇāṃ pravrajitānāñca taraśulkaṃ vivarjayet //

Vom Gewinn soll er den zwanzigsten Teil nehmen; wer anders verfährt, ist zu bestrafen. Von Frauen und Wanderasketen soll er keinen Fährzoll erheben.

Wort für Wort
viṃśa-aṃśam lābham
den zwanzigsten Teil des Gewinns
daṇḍanīyaḥ
ist zu bestrafen
anyathā
andernfalls
pravrajitānām
der Wanderasketen
tara-śulkam vivarjayet
er erhebe keinen Fährzoll

tareṣu dāsadoṣeṇa naṣṭaṃ dāsāṃstu dāpayet / śūkadhānyeṣu ṣaḍbhāgaṃ śimbidhānye tathāṣṭamaṃ //

Was an den Fähren durch Verschulden der Fährleute verloren geht, soll er die Fährleute ersetzen lassen. Von Ährengetreide (nehme er) den sechsten Teil, ebenso von Hülsenfrüchten den achten.

Wort für Wort
tareṣu
an den Fähren
dāsa-doṣeṇa
durch Verschulden der Fährleute
naṣṭam
Verlorenes
dāpayet
er lasse ersetzen
śūka-dhānyeṣu ṣaḍbhāgam
von Ährengetreide ein Sechstel
śimbi-dhānye aṣṭamam
von Hülsenfrüchten ein Achtel

dāsa hier „Fährmann“ (vgl. dāśa „Fischer“).

rājā vanyārthamādadyāddeśakālānurūpakaṃ / pañcaṣaḍbhāgamādadyād rājā paśuhiraṇyayoḥ //

Von den Waldprodukten soll der König (eine Abgabe) nehmen, die Ort und Zeit entspricht; von Vieh und Gold soll der König den fünfzigsten [?] Teil nehmen.

Wort für Wort
vanya-artham
Waldprodukte
deśa-kāla-anurūpakam
Ort und Zeit entsprechend
paśu-hiraṇyayoḥ
von Vieh und Gold
ādadyāt
er nehme

pañcaṣaḍbhāgam unklar; wörtlich „fünf-sechs-Teil“, evtl. für pañcāśadbhāgam („ein Fünfzigstel“).

gandhauṣadhirasānāñca puṣpamūlaphalasya ca / patraśākatṛṇānāñca vaṃśavaiṇavacarmaṇāṃ //

Von Duftstoffen, Heilkräutern und Säften, von Blüten, Wurzeln und Früchten, von Blättern, Gemüse und Gras, von Bambus, Bambuswaren und Leder,

Wort für Wort
gandha-oṣadhi-rasānām
von Duftstoffen, Heilkräutern, Säften
puṣpa-mūla-phalasya
von Blüten, Wurzeln, Früchten
patra-śāka-tṛṇānām
von Blättern, Gemüse, Gras
vaṃśa-vaiṇava-carmaṇām
von Bambus, Bambuswaren, Leder

vaidalānāñca bhāṇḍānāṃ sarvasyāśmamayasya ca / ṣaḍbhāgameva cādadyān madhumāṃsasya sarpiṣaḥ //

von Flechtwerk, von Gefäßen und von allem, was aus Stein ist, ebenso von Honig, Fleisch und Butterschmalz soll er den sechsten Teil nehmen.

Wort für Wort
vaidalānām
von Flechtwerk
bhāṇḍānām
von Gefäßen
aśma-mayasya
von Steinernem
madhu-māṃsasya sarpiṣaḥ
von Honig, Fleisch, Butterschmalz
ṣaḍbhāgam
den sechsten Teil

mriyannapi na cādadyād brāhmaṇebhyas tathā karaṃ / yasya rājñastu viṣaye śrotriyaḥ sīdati kṣudhā //

Selbst wenn er am Sterben ist, soll er von Brahmanen keine Steuer nehmen. In wessen Königs Gebiet ein vedagelehrter Brahmane (śrotriya) vor Hunger darbt,

Wort für Wort
mriyan api
selbst sterbend
na ādadyāt karam
er nehme keine Steuer
brāhmaṇebhyaḥ
von Brahmanen
śrotriyaḥ
ein Vedagelehrter
sīdati kṣudhā
darbt vor Hunger

tasya sīdati tadrāṣṭraṃ vyādhidurbhikṣataskaraiḥ / śrutaṃ vṛttantu vijñāya vṛttiṃ tasya prakalpayet //

dessen Reich verkommt durch Krankheit, Hungersnot und Diebe. Nachdem er dessen Gelehrsamkeit und Wandel erkannt hat, soll er ihm einen Unterhalt festsetzen

Wort für Wort
sīdati tat rāṣṭram
dessen Reich verkommt
vyādhi-durbhikṣa-taskaraiḥ
durch Krankheit, Hungersnot und Diebe
śrutam vṛttam
Gelehrsamkeit und Wandel
vṛttim prakalpayet
er setze Unterhalt fest

rakṣecca sarvatastvenaṃ pitā putramivaurasaṃ / saṃrakṣyamaṇo rājñā yaḥ kurute dharmamanvahaṃ //

und ihn in jeder Hinsicht schützen wie ein Vater seinen leiblichen Sohn. Das Dharma, das (ein solcher), vom König beschützt, Tag für Tag vollbringt,

Wort für Wort
rakṣet sarvataḥ
er schütze in jeder Hinsicht
pitā putram aurasam
wie ein Vater den leiblichen Sohn
saṃrakṣyamāṇaḥ rājñā
vom König beschützt
dharmam anvaham
Dharma Tag für Tag

saṃrakṣyamaṇo für saṃrakṣyamāṇo.

tenāyurvardhate rājño draviṇaṃ rāṣṭrameva ca / karma kuryur narendrasya māsenaikañca śilpinaḥ //

durch dieses mehren sich des Königs Leben, Reichtum und Reich. Die Handwerker sollen für den König im Monat einen (Tag) arbeiten,

Wort für Wort
āyuḥ vardhate
das Leben mehrt sich
draviṇam rāṣṭram
Reichtum und Reich
karma kuryuḥ
sie sollen arbeiten
māsena ekam
einen (Tag) im Monat
śilpinaḥ
die Handwerker

bhuktamātreṇa ye cānye svaśarīropajīyinaḥ //34 //

und die anderen, die von ihrem Körper leben (Tagelöhner), (ebenso) nur gegen Verköstigung.

Wort für Wort
bhukta-mātreṇa
nur gegen Verköstigung
anye
die anderen
sva-śarīra-upajīvinaḥ
die von ihrem Körper leben

Nur ein Halbvers, Fortsetzung von 33. svaśarīropajīyinaḥ für svaśarīropajīvinaḥ.

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