Kapitel 138: ṣaṭkarmāṇi
Die sechs magischen Handlungen
Īśvara erklärt, wie Mantra und Name des Zielobjekts (sādhya) für die magischen Handlungen kombiniert werden (Pallava, Yoga, Rodhaka, Sampuṭa, Grathana, Vidarbha) und welche Schlussformeln (svāhā, namaḥ, vaṣaṭ, phaṭ) zu welchem Zweck gehören. Es folgen eine Anrufung Yamas zur Tötung eines Feindes sowie kurze Riten mit Kuleśvarī, Durgā und Bhairavī. Einzelne Wörter sind verschrieben (prathitañ, vaśyākākarṣeṣu).
Īśvara sprach: Ich werde die sechs [magischen] Handlungen darlegen, [wie sie] bei allen Mantras [gelten]; höre dies: Zuerst schreibe man den Sādhya (den Namen des Zielobjekts) voran und am Ende mit dem Mantra verbunden –
pallavaḥ sa tu vijñeyo mahoccāṭakaraḥ paraḥ / ādau mantraḥ tataḥ sādhyo madhye sādhyaḥ punarmanuḥ //
das ist als Pallava („Spross“) zu erkennen, überaus wirksam für starke Vertreibung. Zuerst das Mantra, dann der Sādhya; in der Mitte der Sādhya, dann wieder das Mantra:
Diese Anordnung heißt Yoga („Verbindung“); man wende sie bei der Vernichtung von Geschlechtern an. Am Anfang setze man das Mantra-Wort, in der Mitte füge man den Sādhya ein,
und am Ende schreibe man wiederum das Mantra; [dann] den Sādhya, wiederum das Mantra-Wort: Diese Anordnung [heißt] Rodhaka („Hemmer“); man wende sie bei Lähmung und dergleichen an.
adhordhvaṃ yāmyavāme tu madhye sādhyantu yojayet / sampuṭaḥ satu vijñeyo vaśyākarṣeṣu yojayet //
Unten und oben, rechts und links [das Mantra], in der Mitte füge man den Sādhya ein: Das ist als Sampuṭa („Umschließung“) zu erkennen; man wende es bei Unterwerfung und Anziehung an.
Wenn die Laute des Mantra und des Sādhya Laut um Laut verflochten sind, sei das die erste [?] Anordnung (grathana), die Anziehung und Unterwerfung bewirkt.
Wort für Wort
mantra-akṣaram
Mantra-Laut
grathitam
verflochten
akṣara-akṣaram
Laut um Laut
ākṛṣṭi-vaśa-kārakaḥ
Anziehung und Unterwerfung bewirkend
prathitañ ist wohl für grathitaṃ („verflochten“) verschrieben, prathamaḥ vielleicht für grathanaḥ.
Nachdem man zwei Laute des Mantra geschrieben hat, dann wieder einen Laut des Sādhya: Das ist als Vidarbha zu erkennen; man wende es bei Unterwerfung und Anziehung an.
Bei Entzweiung, Vertreibung und Tötung sei phaṭ [zu gebrauchen], [ebenso] beim Zerstückeln, o Schöne. Bei Gewinn und dergleichen, bei Mantra-Weihe und dergleichen verleiht vaṣaṭ Erfolg.
Wort für Wort
vidveṣa-uccāṭane
bei Entzweiung und Vertreibung
mṛtyau
bei Tötung
khaṇḍīkṛtau
beim Zerstückeln
mantra-dīkṣā-ādau
bei Mantra-Weihe usw.
siddhi-daḥ
Erfolg verleihend
śubhe kann auch „günstig“ bedeuten; hier als Anrede aufgefasst.
Nachdem man Yama auf einem weißen Lotus verehrt hat, gelingt dies durch ein Feueropfer. Nachdem man sich selbst als Bhairava meditiert hat, dann in der Mitte die Kuleśvarī –