Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel A1: sṛṣṭi-prakaraṇam (prathamo 'dhyāyaḥ) Abschnitt über die Schöpfung I: Zeitmaße, Weltalter und Kalpas

Anhang, Kapitel 1: Sūta erklärt Bharadvāja die Zeitmaße vom Lidschlag bis zum Tag Brahmās, die vier Yugas mit ihren Dämmerungen, die Manvantaras sowie Pādma- und Varāha-Kalpa. Die Eingabe hat keinen Kopftitel; der Titel ist aus dem Kolophon („sṛṣṭi-prakaraṇaṃ nāma prathamo 'dhyāyaḥ“) abgeleitet, der zusätzlich eine Zählmarke „% chapter {2}“ enthält. Der Rahmen (Sūta an Bharadvāja, Narasiṃha als Schöpfer) weist auf eine vom Agni-Purāṇa verschiedene Vorlage hin; mehrere Zahlenangaben (V. 10, 16–18) sind verderbt.

sūta uvāca | brahmā bhūtva jagatsṛṣṭau narasiṃhaḥ pravartate / tathā te kathayiṣyāmi bharadvāja nibodha me //

Sūta sprach: Wie Narasiṃha, zu Brahmā geworden, bei der Schöpfung der Welt tätig wird, so will ich es dir erzählen, Bharadvāja; vernimm es von mir.

Wort für Wort
brahmā bhūtvā
zu Brahmā geworden
jagat-sṛṣṭau
bei der Weltschöpfung
narasiṃhaḥ pravartate
Narasiṃha wird tätig
kathayiṣyāmi
ich werde erzählen
nibodha me
vernimm von mir

„bhūtva“ für „bhūtvā“.

nārāyaṇākhyo bhagavān brahmā lokapitāmahaḥ / utpannaḥ prohyate priyapriyāmaropacārataḥ //

Der Erhabene namens Nārāyaṇa, Brahmā, der Großvater der Welten, wird [nur] im übertragenen Sinn [?] als „entstanden“ bezeichnet.

Wort für Wort
nārāyaṇa-ākhyaḥ bhagavān
der Erhabene namens Nārāyaṇa
loka-pitāmahaḥ
Großvater der Welten
utpannaḥ
entstanden
prohyate
wird bezeichnet
upacārataḥ
im übertragenen Sinn [?]

Zweiter Halbvers verderbt („priyapriyāmaropacārataḥ“); „upacārataḥ“ (im übertragenen Sinn) scheint erkennbar.

nijena tasya mānena āyurvarṣaśataṃ smṛtaṃ / kālaś ca viṣṇuryastena tasyāyuḥ parigaṇyate //

Nach seinem eigenen Maß gilt seine Lebensdauer als hundert Jahre. Die Zeit aber ist Viṣṇu; durch sie wird seine Lebensdauer bemessen,

Wort für Wort
nijena mānena
nach eigenem Maß
āyuḥ varṣa-śatam
Lebensdauer von hundert Jahren
kālaḥ viṣṇuḥ
die Zeit ist Viṣṇu
parigaṇyate
wird bemessen

anyeṣāñcaiva bhūtānāṃ carāṇāmacarāś ca ye / bhūmimṛtsāgarādīnāmaśeṣāṇāñca sattama //

und die der übrigen Wesen, der beweglichen wie der unbeweglichen, der Erde, des Lehms, der Ozeane usw., aller ohne Ausnahme, o Bester.

Wort für Wort
anyeṣām bhūtānām
der übrigen Wesen
carāṇām acarāḥ
der beweglichen und unbeweglichen
bhūmi-mṛt-sāgara-ādīnām
der Erde, des Lehms, der Ozeane usw.
aśeṣāṇām
aller ohne Ausnahme
sattama
o Bester

aṣṭādaśa nimeṣāś ca kāṣṭhaikā parikīrtitā / kāṣṭhāstriṃśat kalāstriṃśat kalā jñeyā muhūrtakaṃ //

Achtzehn Nimeṣas (Lidschläge) heißen eine Kāṣṭhā; dreißig Kāṣṭhās sind eine Kalā; dreißig Kalās sind als ein Muhūrta zu wissen.

Wort für Wort
aṣṭādaśa nimeṣāḥ
achtzehn Lidschläge
kāṣṭhā ekā
eine Kāṣṭhā
kāṣṭhāḥ triṃśat kalāḥ
dreißig Kāṣṭhās sind eine Kalā
muhūrtakam
ein Muhūrta

tāvat saṃkhyair ahorātraṃ muhūrtair mānuṣaṃ smṛtaṃ / ahorātrāṇi tāvanti māsaḥ pakṣadvayātmakaḥ //

Aus ebenso vielen [d. h. dreißig] Muhūrtas besteht ein menschlicher Tag mit Nacht. Ebenso viele Tage mit Nächten sind ein Monat, aus zwei Monatshälften bestehend.

Wort für Wort
tāvat-saṃkhyaiḥ muhūrtaiḥ
aus ebenso vielen Muhūrtas
ahorātram mānuṣam
ein menschlicher Tag mit Nacht
māsaḥ
Monat
pakṣa-dvaya-ātmakaḥ
aus zwei Monatshälften bestehend

taiḥ ṣaḍabhirayanaṃ māsair dve 'yane dakṣiṇottare / ayanaṃ dakṣiṇaṃ rātrirdevānāmuttaraṃ dinaṃ //

Aus sechs dieser Monate besteht ein Ayana (Sonnenhalbjahr); es gibt zwei Ayanas, das südliche und das nördliche. Das südliche Ayana ist die Nacht der Götter, das nördliche ihr Tag.

Wort für Wort
ṣaḍbhiḥ māsaiḥ
aus sechs Monaten
ayanam
Sonnenhalbjahr
dakṣiṇa-uttare
das südliche und nördliche
rātriḥ devānām
Nacht der Götter
uttaram dinam
das nördliche ist der Tag

ayanadvayañca varṣañca martyānāṃ parikīrtitaṃ / nṛṇāṃ māsaḥ pitṝṇāntu ahorātramudāhṛtaṃ //

Zwei Ayanas gelten als ein Jahr der Sterblichen. Ein Monat der Menschen heißt ein Tag mit Nacht der Ahnen.

Wort für Wort
ayana-dvayam
zwei Ayanas
varṣam martyānām
Jahr der Sterblichen
nṛṇām māsaḥ
Monat der Menschen
pitṝṇām ahorātram
Tag mit Nacht der Ahnen

vasvādīnāmahorātraṃ mānuṣo vatsaraḥ smṛtaḥ / divyair varṣasahasraistu kṛtatretādisaṃjñitaṃ //

Ein Tag mit Nacht der Vasus usw. gilt als ein menschliches Jahr. Aus Tausenden von Götterjahren [besteht das], was Kṛta, Tretā usw. heißt;

Wort für Wort
vasu-ādīnām ahorātram
Tag mit Nacht der Vasus usw.
mānuṣaḥ vatsaraḥ
ein menschliches Jahr
divyaiḥ varṣa-sahasraiḥ
aus Tausenden von Götterjahren
kṛta-tretā-ādi-saṃjñitam
Kṛta, Tretā usw. genannt

caturdarśadvādaśabhistadvibhāgaṃ nibodha me / catvāri trīṇi dve caikaṃ kṛtādiṣu yathākramaṃ //

aus zwölf[tausend] – vernimm von mir ihre Einteilung: vier, drei, zwei und eins, beim Kṛta usw. der Reihe nach,

Wort für Wort
dvādaśabhiḥ
aus zwölf [tausend]
tat-vibhāgam
ihre Einteilung
catvāri trīṇi dve ca ekam
vier, drei, zwei und eins
kṛta-ādiṣu yathā-kramam
beim Kṛta usw. der Reihe nach

„caturdarśadvādaśabhis“ verderbt; gemeint sind wohl die zwölftausend Götterjahre eines Caturyuga.

divyābdānāṃ sahasrāṇi yugeṣvāhuḥ purāvidaḥ / tatpramāṇaiḥ śataiḥ sandhyā pūrvā tatrābhidhīyate //

[je so viele] tausend Götterjahre nennen die Kenner der Vorzeit in den Yugas. Mit ebenso vielen Hunderten [an Jahren] wird dort die vorangehende Dämmerung (Sandhyā) bemessen.

Wort für Wort
divya-abdānām sahasrāṇi
tausende Götterjahre
purā-vidaḥ
die Kenner der Vorzeit
tat-pramāṇaiḥ śataiḥ
mit ebenso vielen Hunderten
sandhyā pūrvā
die vorangehende Dämmerung

sandhyāṃśakaś ca tattulyo yugasyānantaro hi saḥ / sandhyāsandhyāṃśayormadhye yaḥ kālo vartate dvija //

Und der Dämmerungsteil (Sandhyāṃśa), ebenso groß, folgt unmittelbar auf das Yuga. Die Zeit, die zwischen Dämmerung und Dämmerungsteil verläuft, o Zweimalgeborener,

Wort für Wort
sandhyā-aṃśakaḥ
Dämmerungsteil
tat-tulyaḥ
ebenso groß
yugasya anantaraḥ
unmittelbar auf das Yuga folgend
madhye
dazwischen
kālaḥ vartate
die Zeit verläuft

yugākhyaṃ sa tu vijñeyaḥ kṛtatre tādisaṃjñitaṃ / kṛtaṃ tretā dvāparañca kaliśceti catuyugaṃ //

ist als Yuga zu verstehen, Kṛta, Tretā usw. genannt. Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali: das sind die vier Yugas.

Wort für Wort
yuga-ākhyam
Yuga genannt
vijñeyaḥ
zu verstehen
kṛtam tretā dvāparam
Kṛta, Tretā, Dvāpara
kaliḥ
Kali
catur-yugam
die vier Yugas

„kṛtatre tādi-“ für „kṛtatretādi-“; „catuyugaṃ“ für „caturyugam“.

procyate tat sahasrañca brahmaṇo divasaṃ dvija / brahmaṇo divase brahmanmanavaś ca caturdaśa //

Tausend davon heißen ein Tag Brahmās, o Zweimalgeborener. An einem Tag Brahmās, o Brahmane, gibt es vierzehn Manus,

Wort für Wort
tat sahasram
tausend davon
brahmaṇaḥ divasam
ein Tag Brahmās
brahman
o Brahmane
manavaḥ caturdaśa
vierzehn Manus

bhavanti pratimānañca teṣāṃ kālakṛtaṃ śubhaṃ / saptarṣayaḥ surāḥ śakro manustatsūnavo nṛpāḥ //

und deren Gegenmaß [?] ist glückverheißend, durch die Zeit bestimmt. Die Sieben Weisen, die Götter, Śakra, Manu und dessen Söhne, die Könige,

Wort für Wort
pratimānam
Gegenmaß [?]
kāla-kṛtam
durch die Zeit bestimmt
sapta-ṛṣayaḥ surāḥ
die Sieben Weisen, die Götter
śakraḥ manuḥ
Śakra, Manu
tat-sūnavaḥ nṛpāḥ
dessen Söhne, die Könige

„pratimānañca“ unsicher; vielleicht ist die jeweilige Zeitspanne (Maß) der Manus gemeint.

ekakāle hi sṛjyante saṃkriyante ca pūrvavat / caturyugānāṃ saṅkhyātā sāhyekāntekasaptatī //

werden zu einer Zeit geschaffen und wieder zurückgenommen wie zuvor. Die Zahl der Vierer-Yugas [je Manvantara] beträgt einundsiebzig.

Wort für Wort
eka-kāle
zu einer Zeit
sṛjyante
werden geschaffen
saṃhriyante
werden zurückgenommen
catur-yugānām saṅkhyātā
die Zahl der Vierer-Yugas
eka-adhikā saptatiḥ
einundsiebzig

„sāhyekāntekasaptatī“ verderbt für „sā hy ekādhikā saptatiḥ“ (71).

manvantaraṃ manoḥ kālaḥ śakrādīnāmapi dvija / aṣṭhau śatasahasrāṇi divyayā saṅkhyayā sūta //

Ein Manvantara ist die Zeit eines Manu, und auch die Śakras und der übrigen, o Zweimalgeborener. Achthunderttausend nach göttlicher Zählung, o Sūta [?],

Wort für Wort
manu-antaram
Manvantara
manoḥ kālaḥ
Zeit eines Manu
śakra-ādīnām
der Śakras usw.
aṣṭau śata-sahasrāṇi
achthunderttausend
divyayā saṅkhyayā
nach göttlicher Zählung

Die Anrede „sūta“ passt nicht (Sūta ist der Sprecher); wohl verderbt für „smṛtā“ o. ä.

ekapañcāśattathānyāni sapta cānyāni vai mune / viṃśatiś ca sahasrāṇi kāloyaṃ sādhikaḥ smṛtaḥ //

und weitere einundfünfzig, und weitere sieben, o Weiser, und zwanzigtausend – diese Zeitspanne gilt als etwas darüber hinausgehend.

Wort für Wort
eka-pañcāśat
einundfünfzig
sapta ca anyāni
und weitere sieben
viṃśatiḥ sahasrāṇi
zwanzigtausend
kālaḥ ayam
diese Zeitspanne
sa-adhikaḥ
etwas darüber hinaus

Die Zahlenangaben sind verderbt; rechnerisch ergeben 71 × 12 000 = 852 000 Götterjahre ein Manvantara.

brāhmamevamaharjñeyametadevānukīrtitaṃ / etasmin vai sa manasā sṛṣṭvā devāṃs tathā pitṝn //

So ist ein Tag Brahmās zu verstehen; eben dies wurde dargelegt. An diesem [Tag] schuf er im Geist die Götter und ebenso die Ahnen,

Wort für Wort
brāhmam ahaḥ
ein Tag Brahmās
jñeyam
zu verstehen
anukīrtitam
dargelegt
manasā sṛṣṭvā
im Geist geschaffen habend
devān pitṝn
Götter und Ahnen

gandharvān dānavān yakṣān rākṣasān guhyakāṃs tathā / ṛṣīn vidyādharāṃś caiva manuṣyāṃś ca paśūṃs tathā //

die Gandharvas, Dānavas, Yakṣas, Rākṣasas und Guhyakas, die Ṛṣis und Vidyādharas, die Menschen und ebenso die Tiere,

Wort für Wort
gandharvān dānavān
Gandharvas, Dānavas
yakṣān rākṣasān
Yakṣas, Rākṣasas
guhyakān
Guhyakas
ṛṣīn vidyādharān
Ṛṣis, Vidyādharas
manuṣyān paśūn
Menschen, Tiere

pakṣiṇaḥ sthāvarāṃś caiva pipīlikabhujaṅgamān / cāturvarṇyaṃ tathā sṛṣṭaṃ niyujyādharakarmaṇi //

die Vögel und die unbeweglichen [Wesen], Ameisen und Schlangen; ebenso wurden die vier Stände geschaffen, und er setzte [sie] in ihre grundlegenden Pflichten [?] ein.

Wort für Wort
pakṣiṇaḥ sthāvarān
Vögel, Unbewegliche
pipīlika-bhujaṅgamān
Ameisen und Schlangen
cāturvarṇyam
die vier Stände
sṛṣṭam
geschaffen
niyujya
einsetzend

„niyujyādharakarmaṇi“ unklar; vielleicht „niyujya svadharmakarmaṇi“.

punardinānte trailokyamapasaṃhṛtya sa prabhuḥ / śete so 'nantaśayane tāvatīṃ rātrimavyayaḥ //

Am Ende des Tages zieht der Herr die drei Welten wieder ein und ruht, der Unvergängliche, eine ebenso lange Nacht auf dem Lager Ananta.

Wort für Wort
dina-ante
am Ende des Tages
trailokyam apasaṃhṛtya
die drei Welten einziehend
śete
ruht
ananta-śayane
auf dem Lager Ananta
tāvatīm rātrim
eine ebenso lange Nacht

tasyānte 'bhūnmahākalpaḥ pādma ity abhiviśrutaḥ / tasminmatsyāvatāro 'bhūnmanthanārthaṃ mahodadheḥ //

An deren Ende war der große Kalpa, bekannt als der Pādma (Lotus-Kalpa). In ihm fand die Fisch-Herabkunft statt, zum Quirlen des großen Ozeans.

Wort für Wort
mahā-kalpaḥ
der große Kalpa
pādmaḥ
der Pādma (Lotus-)Kalpa
abhiviśrutaḥ
bekannt
matsya-avatāraḥ
die Fisch-Herabkunft
manthana-artham mahā-udadheḥ
zum Quirlen des großen Ozeans

Die Verbindung der Fisch-Herabkunft mit dem Quirlen des Ozeans ist ungewöhnlich (sonst Schildkröte); so im Text.

tadvadvarāhakalpaś ca tṛtīyaḥ parikalpitaḥ / tatra viṣṇuḥ svayaṃ vārāhaṃ vapurāsthitaḥ //

Ebenso ist der Varāha-Kalpa als dritter angesetzt; in ihm nahm Viṣṇu selbst die Gestalt des Ebers an.

Wort für Wort
varāha-kalpaḥ
der Eber-Kalpa
tṛtīyaḥ parikalpitaḥ
als dritter angesetzt
viṣṇuḥ svayam
Viṣṇu selbst
vārāham vapuḥ āsthitaḥ
nahm die Ebergestalt an

sṛṣṭvā jagadvyoma dharāntu toyaṃ prajāstu sṛṣṭvā sakalāstatheśaḥ / naimittikākhye pralaye samastaṃ hṛtvāvaśete harirādidevaḥ //

Nachdem der Herr die Welt, den Himmelsraum, die Erde und das Wasser geschaffen und alle Geschöpfe geschaffen hatte, ruht Hari, der Urgott, bei der gelegentlichen Auflösung, nachdem er alles eingezogen hat.

Wort für Wort
sṛṣṭvā jagat vyoma dharām toyam
Welt, Raum, Erde, Wasser geschaffen habend
prajāḥ sakalāḥ
alle Geschöpfe
naimittika-ākhye pralaye
bei der gelegentlichen Auflösung
hṛtvā avaśete
alles eingezogen habend ruht er
hariḥ ādi-devaḥ
Hari, der Urgott

Metrisch abweichender Schlussvers (Triṣṭubh).

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