Kapitel 273: somavaṃśavarṇanam
Beschreibung des Mondgeschlechts
Agni schildert die Herkunft Somas, dessen Rājasūya, den Abfall von neun Göttinnen zu ihm, den Raub der Tārā und den daraus entstehenden Krieg sowie die Geburt Budhas. Es folgen Purūravas und Urvaśī, deren Söhne, die Geschichte Rajis und seiner Söhne, Nahuṣas Söhne und die fünf Söhne Yayātis. Der Kopf nennt keinen Titel; der Titel stammt aus dem Kolophon. In V. 1–2 stehen versprengte Halbverse aus der Yadu-Genealogie; mehrere Wortformen sind verderbt (V. 3, 16, 19, 21).
Agni sprach: Ich werde das Mondgeschlecht darlegen, das, wenn es rezitiert wird, die Sünde tilgt. Aus dem Nabel-Lotos Viṣṇus wurde Brahmā geboren, Brahmās Sohn [war] Atri, von Atri [stammt Soma]. [Anm.: Es folgt ein hierher versprengter Halbvers:] Nīla, Añjaka [?], Raghu, Kroṣṭu, Śatajit und Sahasrajit.
Wort für Wort
soma-vaṃśam pravakṣyāmi
das Mondgeschlecht werde ich darlegen
paṭhitam pāpa-nāśanam
rezitiert sündentilgend
viṣṇu-nābhi-abja-jaḥ
aus Viṣṇus Nabel-Lotos geboren
brahma-putraḥ atriḥ
Brahmās Sohn Atri
nīla-añjakaḥ raghuḥ kroṣṭuḥ
Nīla, Añjaka, Raghu, Kroṣṭu
śatajit sahasrajit
Śatajit, Sahasrajit
Die dritte Zeile (nīlāñjako … sahasrajit) gehört inhaltlich zur Yadu-Genealogie (Kap. 274) und ist hier wohl versprengt; radhuḥ für raghuḥ. Nach atritaḥ fehlt das Subjekt (Soma).
Soma vollzog das Rājasūya-Opfer und gab die drei Welten als Opferlohn. Als das abschließende Reinigungsbad beendet war, [kamen] zu Soma, begierig, seine Gestalt zu schauen, … [Anm.: versprengter Halbvers:] Śatajits [Söhne waren] Haihaya, Reṇuhaya und Haya – drei.
Wort für Wort
somaḥ cakre rājasūyam
Soma vollzog das Rājasūya
trailokyam dakṣiṇām dadau
gab die drei Welten als Opferlohn
samāpte avabhṛthe
als das Abschlussbad beendet war
tat-rūpa-ālokana-icchavaḥ
begierig, seine Gestalt zu sehen
śatajit haihayaḥ reṇuhayaḥ hayaḥ
Śatajit: Haihaya, Reṇuhaya, Haya
Die dritte Zeile (śatajid … trayaḥ) gehört zur Yadu-Genealogie; śatajiddhaihayo wohl für śatajito haihayo; reṇuhaya sonst meist veṇuhaya.
na śaśākāpacārāya śāpaiḥ śastrādibhiḥ punaḥ / saptalokaikanāthatvamavāptastapasā hy uta //
für seinen Frevel mit Flüchen, Waffen und dergleichen [zu strafen]; denn er hatte durch Askese die alleinige Herrschaft über die sieben Welten erlangt.
[ein Krieg] zwischen den Göttern und den Dānavas, gewaltig, der den Untergang der Welten herbeiführte. Brahmā hielt Uśanas zurück und gab Tārā dem Aṅgiras[-Sohn] zurück.
Als er sie schwanger sah, sprach der Lehrer (Bṛhaspati): „Gib die Leibesfrucht preis!“ Die preisgegebene Leibesfrucht, strahlend, sprach dann: „Ich bin aus Soma entsprungen.“
Früher gab es nur ein [einziges] Feuer; durch ihn wurde die Dreiheit [der Feuer] (tretā) eingeführt. Purūravas, dem Yoga ergeben, gelangte in die Welt der Gandharven.
Wort für Wort
ekaḥ agniḥ abhavat pūrvam
früher gab es ein Feuer
tena tretā pravartitā
durch ihn wurde die Dreiheit eingeführt
yoga-śīlaḥ
dem Yoga ergeben
gāndharva-lokam īyivān
ging in die Gandharvenwelt
tretā: die drei Opferfeuer, zugleich Anspielung auf das Tretā-Zeitalter.
bekannt als die Rājeyas. Raji, dem Viṣṇu eine Gunst gewährt hatte, tötete in der Schlacht zwischen Göttern und Asuras die Daityas, von den Göttern darum gebeten.
Dem [zu ihm] gekommenen Indra gewährte er die Sohnschaft, übergab [ihm] die Herrschaft und ging in den Himmel. Rajis Söhne aber raubten Śakra die Herrschaft; da war dieser sehr bekümmert.
Durch das Ritual der Planetenbesänftigung und dergleichen gab der Lehrer (Bṛhaspati) sie Indra zurück, nachdem er die Söhne Rajis verblendet hatte; sie wurden [dadurch] ihrem eigenen Dharma abtrünnig [?].
Wort für Wort
graha-śānti-ādi-vidhinā
durch Planetenbesänftigung usw.
guruḥ indrāya tat dadau
der Lehrer gab es Indra
mohayitvā
verblendet habend
raji-sutān
die Söhne Rajis
āsan te nija-dharma-gāḥ (?)
sie waren (nicht mehr?) dem eigenen Dharma folgend
āsaṃste nijadharmagāḥ wörtlich „sie waren ihrem Dharma folgend“; der Kontext verlangt „abtrünnig“ – wohl verderbt.