Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 213: pṛthvīdānāni Die Erd-Gaben

Agni beschreibt die Gabe goldener Nachbildungen der Erde in drei Größenklassen (mit Schildkröte und Lotus als Träger), ferner die Gabe eines goldenen Wunschbaums, einer goldenen Wunschkuh, einer Kapilā-Kuh, einer geschmückten Braut, von Land, Dörfern und Städten sowie die Stierfreilassung. Die Maßangaben in V. 2–4 sind knapp und teilweise unklar (tadardhāntarajaṃ, dvyaṃśena).

agnir uvāca | pṛthvīdānaṃ pravakṣyāmi pṛthivī trividhā matā / śatakoṭiryojanānāṃ saptadvīpā sasāgarā //

Agni sprach: Ich werde die Gabe der Erde darlegen. Die Erde gilt als dreifach. [Die Erde] von hundert Koṭi Yojana, mit sieben Kontinenten samt den Ozeanen,

Wort für Wort
pṛthvī-dānam
die Gabe der Erde
trividhā matā
gilt als dreifach
śata-koṭiḥ yojanānām
hundert Koṭi Yojana
sapta-dvīpā
mit sieben Kontinenten
sa-sāgarā
samt den Ozeanen

jambudvīpāvadhiḥ sā ca uttamā medinīritā / uttamāṃ pañcabhirbhāraiḥ kāñcanaiś ca prakalpayet //

die bis an Jambudvīpa reicht [?], wird die beste Erde genannt. Die beste stelle man aus fünf Bhāra Gold her.

Wort für Wort
jambudvīpa-avadhiḥ
mit Jambudvīpa als Grenze
uttamā medinī
die beste Erde
īritā
wird genannt
pañcabhiḥ bhāraiḥ kāñcanaiḥ
mit fünf Bhāra Gold
prakalpayet
stelle her

jambudvīpāvadhiḥ „mit Jambudvīpa als Grenze“ – Bezug unklar; gemeint ist wohl das Nachbild der ganzen Erde.

tadardhāntarajaṃ kūrmaṃ tathā padmaṃ samādiśet / uttamā kathitā pṛthvī dvyaṃśenaiva tu madhyamā //

Aus der Hälfte davon lasse man eine innen [liegende] Schildkröte und ebenso einen Lotus anfertigen [?]. [So] ist die beste Erde beschrieben; die mittlere aber [entsteht] mit zwei Teilen,

Wort für Wort
tat-ardha
die Hälfte davon
antaraja
im Inneren befindlich
kūrmam padmam
Schildkröte und Lotus
samādiśet
ordne an
dvi-aṃśena
mit zwei Teilen
madhyamā
die mittlere

tadardhāntarajaṃ schwer deutbar („aus der Hälfte davon, im Inneren entstanden“). dvyaṃśena wohl „mit zwei Dritteln“.

kanyasā ca tribhāgena trihānyā kūrmapaṅkaje / palānāntu sahasreṇa kalpayet kalpapādapaṃ //

und die geringste mit einem Drittel; Schildkröte und Lotus [sind] um ein Drittel vermindert. Mit tausend Pala [Gold] stelle man einen Wunschbaum (kalpapādapa) her,

Wort für Wort
kanyasā
die geringste
tri-bhāgena
mit einem Drittel
tri-hānyā
um ein Drittel vermindert
kūrma-paṅkaje
Schildkröte und Lotus
kalpa-pādapam
einen Wunschbaum

mūladaṇḍaṃ sapatrañca phalapuṣpasamanvitaṃ / pañcaskandhantu saṅkalpya pañcānāndāpayet sudhīḥ //

mit Wurzel und Stamm, mit Blättern, versehen mit Früchten und Blüten; nachdem der Kundige [ihm] fünf Hauptäste gegeben hat, lasse er [ihn] fünf [Brahmanen] geben.

Wort für Wort
mūla-daṇḍam
Wurzel und Stamm
sa-patram
mit Blättern
phala-puṣpa-samanvitam
mit Früchten und Blüten
pañca-skandham
mit fünf Hauptästen
dāpayet sudhīḥ
der Kluge lasse geben

pañcānāṃ „den fünf“ – Empfänger nicht genannt; wohl fünf Brahmanen.

etaddātā brahmaloke pitṛbhirmodate ciraṃ / viṣṇvagre kāmadhenuntu palānāṃ pañcabhiḥ śataiḥ //

Wer dies gibt, freut sich lange mit den Vätern in der Welt Brahmās. Vor Viṣṇu [gebe man] eine Wunschkuh aus fünfhundert Pala [Gold].

Wort für Wort
etat-dātā
der Geber dessen
brahma-loke
in Brahmās Welt
pitṛbhiḥ modate
freut sich mit den Vätern
kāma-dhenum
eine Wunschkuh
palānām pañcabhiḥ śataiḥ
mit fünfhundert Pala

brahmaviṣṇumaheśādyā devā dhenau vyavasthitāḥ / dhenudānaṃ sarvadānaṃ sarvada brahmalokadaṃ //

Brahmā, Viṣṇu, Maheśa und die übrigen Götter sind in der Kuh gegenwärtig. Die Gabe einer Kuh ist die Gabe von allem; sie gewährt alles und verleiht Brahmās Welt.

Wort für Wort
dhenau vyavasthitāḥ
in der Kuh gegenwärtig
dhenu-dānam
die Kuhgabe
sarva-dānam
die Gabe von allem
sarvadam
alles gewährend
brahma-loka-dam
Brahmās Welt verleihend

sarvada wohl für sarvadaṃ.

viṣṇvagre kapilāṃ dattvā tārayet sakalaṃ kulaṃ / alaṅkṛtya striyaṃ dadyādaśvamedhaphalaṃ labhet //

Wer vor Viṣṇu eine rotbraune Kuh (kapilā) gibt, errettet sein ganzes Geschlecht. Wer eine Frau geschmückt [zur Ehe] gibt, erlangt die Frucht eines Pferdeopfers.

Wort für Wort
kapilām dattvā
eine rotbraune Kuh gegeben habend
tārayet sakalam kulam
errettet das ganze Geschlecht
alaṅkṛtya striyam
eine Frau geschmückt habend
dadyāt
gebe
aśvamedha-phalam
die Frucht des Pferdeopfers

bhūmiṃ dattvā sarvabhāk syāt sarvaśasyaprarohiṇīm / grāmaṃ vātha puraṃ vāpi kheṭakañca dadt sukhī //

Wer Land gibt, auf dem alle Feldfrüchte gedeihen, hat an allem teil. Wer ein Dorf, eine Stadt oder einen Marktflecken gibt, wird glücklich.

Wort für Wort
bhūmim dattvā
Land gegeben habend
sarva-bhāk
an allem teilhabend
sarva-śasya-prarohiṇīm
auf dem alle Feldfrüchte wachsen
grāmam puram
Dorf, Stadt
kheṭakam
Marktflecken, Weiler

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kārttikyādau vṛṣotsargaṃ kurvaṃstārayate kulaṃ //10 //

Wer am Kārttika-Vollmond und dergleichen [Zeiten] die Freilassung eines Stiers (vṛṣotsarga) vollzieht, errettet sein Geschlecht.

Wort für Wort
kārttikī-ādau
am Kārttika-Vollmond usw.
vṛṣa-utsargam
die Freilassung eines Stiers
kurvan
vollziehend
tārayate kulam
errettet das Geschlecht

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