Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 4: varāhādyavatāravarṇanaṃ Beschreibung der Eber- und weiterer Herabkünfte

Kurze Darstellung der Herabkünfte Viṣṇus als Eber (Tötung Hiraṇyākṣas), Mannlöwe (Tötung Hiraṇyakaśipus), Zwerg (drei Schritte bei Bali) und Paraśurāma (Rache an Kārttavīrya und Vernichtung der Kṣatriyas). Das Kolophon nennt das Kapitel „varāhanṛsiṃhādyavatāra“. Kleinere Textverderbnisse (devān für vedān in Vers 8, abhṛt in Vers 14).

agnir uvāca | avatāraṃ varāhasya vakṣye 'haṃ pāpanāśanam / hiraṇyākṣo 'sureśo 'bhūt devān jitvā divi sthitaḥ //

Agni sprach: „Ich werde die sündentilgende Herabkunft des Ebers darlegen. Hiraṇyākṣa war der Herr der Asuras; nachdem er die Götter besiegt hatte, weilte er im Himmel.

Wort für Wort
avatāram varāhasya
die Herabkunft des Ebers
pāpa-nāśanam
sündentilgend
hiraṇyākṣaḥ asura-īśaḥ
Hiraṇyākṣa, Herr der Asuras
devān jitvā
die Götter besiegt habend
divi sthitaḥ
im Himmel weilend

devair gatvā stuto viṣṇur yajñarūpo varāhakaḥ / abhūt, taṃ dānavaṃ hatvā daityaiḥ sākañca kaṇṭakam //

Von den Göttern aufgesucht und gepriesen, wurde Viṣṇu zum Eber, dessen Gestalt das Opfer ist; nachdem er jenen Dānava, den Dorn [der Welt], samt den Daityas getötet hatte,

Wort für Wort
devaiḥ gatvā stutaḥ
von den Göttern aufgesucht und gepriesen
yajña-rūpaḥ
opfergestaltig
varāhakaḥ abhūt
wurde zum Eber
dānavam hatvā
den Dānava getötet habend
daityaiḥ sākam kaṇṭakam
den Dorn samt den Daityas

dharmadevādirakṣākṛt tataḥ so 'ntardadhe hariḥ / hiraṇyākṣasya vai bhrātā hiraṇyakaśipus tathā //

[wurde er] zum Beschützer von Dharma, Göttern usw.; darauf verschwand Hari. Ebenso [herrschte] Hiraṇyakaśipu, der Bruder des Hiraṇyākṣa,

Wort für Wort
dharma-deva-ādi-rakṣā-kṛt
Schützer von Dharma, Göttern usw.
antardadhe
verschwand
hiraṇyākṣasya bhrātā
Bruder des Hiraṇyākṣa
hiraṇyakaśipuḥ
Hiraṇyakaśipu
tathā
ebenso

jitadevayajñabhāgaḥ sarvadevādhikārakṛt / nārasiṃhavapuḥ kṛtvā taṃ jaghāna suraiḥ saha //

der den Opferanteil der Götter an sich gerissen hatte und die Ämter aller Götter ausübte; [Viṣṇu] nahm die Gestalt des Mannlöwen an und tötete ihn zusammen mit den Göttern.

Wort für Wort
jita-deva-yajña-bhāgaḥ
der den Opferanteil der Götter erbeutet hatte
sarva-deva-adhikāra-kṛt
die Ämter aller Götter ausübend
nārasiṃha-vapuḥ kṛtvā
Mannlöwengestalt annehmend
jaghāna
tötete
suraiḥ saha
zusammen mit den Göttern

svapadasthān surāṃś cakre nārasiṃhaḥ suraiḥ stutaḥ / devāsure purā yuddhe baliprabhṛtibhiḥ surāḥ //

Der Mannlöwe, von den Göttern gepriesen, setzte die Götter wieder in ihre eigenen Stellungen ein. Einst, im Kampf zwischen Göttern und Asuras, wurden die Götter von Bali und anderen

Wort für Wort
sva-pada-sthān
in ihren eigenen Stellungen
surān cakre
machte die Götter
suraiḥ stutaḥ
von den Göttern gepriesen
devāsure yuddhe
im Götter-Asura-Kampf
bali-prabhṛtibhiḥ
von Bali und anderen

jitāḥ svargātparibhraṣṭā hariṃ vai śaraṇaṃ gatāḥ / surāṇāmabhayaṃ datvā adityā kaśyapena ca //

besiegt, aus dem Himmel vertrieben, und nahmen Zuflucht zu Hari. Nachdem er den Göttern Schutz vor Furcht gewährt hatte und von Aditi und Kaśyapa

Wort für Wort
jitāḥ
besiegt
svargāt paribhraṣṭāḥ
aus dem Himmel gestürzt
harim śaraṇam gatāḥ
nahmen Zuflucht zu Hari
abhayam datvā
Furchtlosigkeit gewährend
adityā kaśyapena ca
von Aditi und Kaśyapa

stuto 'sau vāmano bhūtvā hy adityāṃ sa kratuṃ yayau / baleḥ śrīyajamānasya, rājadvāre 'gṛṇāt śrutiṃ //

gepriesen worden war, wurde er als Zwerg (Vāmana) aus Aditi [geboren] und ging zum Opfer Balis, des glanzvollen Opferherrn; am Königstor rezitierte er die Offenbarung (Veda).

Wort für Wort
vāmanaḥ bhūtvā
zum Zwerg geworden
adityām
in/aus Aditi
kratum yayau
ging zum Opfer
śrī-yajamānasya
des glanzvollen Opferherrn
rāja-dvāre agṛṇāt śrutim
rezitierte am Königstor den Veda

devān paṭhantaṃ taṃ śrutvā vāmanaṃ varado 'bravīt / nivārito 'pi śukreṇa balir brūhi yad icchasi //

Als Bali, der Gabengewährer, jenen Zwerg die Veden [?] rezitieren hörte, sprach er, obwohl Śukra ihn davon abzuhalten suchte: ‚Sag, was du wünschst;

Wort für Wort
vedān paṭhantam
die Veden rezitierend (Konjektur)
varadaḥ
Gabengewährer
nivāritaḥ api śukreṇa
obwohl von Śukra abgehalten
brūhi
sprich
yat icchasi
was du wünschst

devān paṭhantam: wohl verderbt für vedān „die Veden“.

tatte 'haṃ sampradāsyāmi, vāmano balimabravīt / padatrayaṃ hi gurvarthaṃ dehi dāsye tamabravīt //

das werde ich dir geben.‘ Vāmana sprach zu Bali: ‚Gib [mir] drei Schritte [Land] um meines Lehrers willen.‘ ‚Ich werde [sie] geben‘, sprach jener zu ihm.

Wort für Wort
sampradāsyāmi
ich werde geben
pada-trayam
drei Schritte
guru-artham
um des Lehrers willen
dehi
gib
dāsye
ich werde geben

toye tu patite haste vāmano 'bhūdavāmanaḥ / bhūrlokaṃ sa bhuvarlokaṃ svarlokañca padatrayaṃ //

Als aber das Wasser in die Hand gefallen war [zur Besiegelung der Gabe], wurde der Zwerg zum Nicht-Zwerg; die Bhūr-Welt, die Bhuvar-Welt und die Svar-Welt machte er zu [seinen] drei Schritten

Wort für Wort
toye patite haste
als das Wasser in die Hand fiel
avāmanaḥ abhūt
wurde zum Nicht-Zwerg
bhūr-lokam bhuvar-lokam
die Erd- und Luftwelt
svar-lokam
die Himmelswelt
pada-trayam
drei Schritte

cakre baliñca sūtalaṃ tacchakrāya dadau hariḥ / śakro devair hariṃ stutvā bhuvaneśaḥ sukhī tvabhūt //

und [versetzte] Bali in die Sutala[-Unterwelt]; jene [Welten] gab Hari dem Śakra. Śakra pries mit den Göttern Hari und wurde glücklicher Herr der Welten.

Wort für Wort
balim ca sutalam
Bali in die Sutala-Welt
śakrāya dadau
gab dem Śakra (Indra)
harim stutvā
Hari gepriesen habend
bhuvana-īśaḥ
Herr der Welten
sukhī
glücklich

sūtala = sutala.

vakṣye paraśurāmasya cāvatāraṃ śṛṇu dvija / uddhatān kṣatriyān matvā bhūbhāraharaṇāya saḥ //

Ich werde auch die Herabkunft des Paraśurāma darlegen – höre, o Zweimalgeborener. Da er die Kṣatriyas für überheblich hielt, stieg er, um die Last der Erde abzunehmen,

Wort für Wort
paraśurāmasya avatāram
Paraśurāmas Herabkunft
uddhatān kṣatriyān matvā
die Kṣatriyas für überheblich haltend
bhū-bhāra-haraṇāya
zur Abnahme der Erdenlast
śṛṇu dvija
höre, Zweimalgeborener
saḥ
er

avatīrṇo hariḥ śāntyai devaviprādipālakaḥ / jamadagne reṇukāyāṃ bhārgavaḥ śastrapāragaḥ //

herab – Hari, um Frieden zu schaffen, als Beschützer der Götter, Brahmanen usw.: als Bhārgava [Nachkomme Bhṛgus], Sohn des Jamadagni in der Reṇukā, vollkommen kundig in den Waffen.

Wort für Wort
avatīrṇaḥ hariḥ
Hari stieg herab
śāntyai
zur Befriedung
deva-vipra-ādi-pālakaḥ
Schützer der Götter, Brahmanen usw.
jamadagneḥ reṇukāyām
von Jamadagni in Reṇukā
śastra-pāragaḥ
in Waffen vollendet

dattātreyaprasādena kārttavīryo nṛpastvabhṛt / sahasrabāhuḥ sarvorvī- patiḥ sa mṛgayāṃ gataḥ //

Durch die Gnade Dattātreyas war Kārttavīrya König geworden, tausendarmig, Herr der ganzen Erde; er ging auf die Jagd.

Wort für Wort
dattātreya-prasādena
durch Dattātreyas Gnade
kārttavīryaḥ nṛpaḥ
König Kārttavīrya
sahasra-bāhuḥ
tausendarmig
sarva-urvī-patiḥ
Herr der ganzen Erde
mṛgayām gataḥ
ging auf die Jagd

abhṛt wohl für abhūt.

śrānto nimantrito 'raṇye muninā jamadagninā / kāmadhenuprabhāveṇa bhojitaḥ sabalo nṛpaḥ //

Ermüdet, wurde er im Wald vom Weisen Jamadagni eingeladen; durch die Macht der Wunschkuh wurde der König samt seinem Heer bewirtet.

Wort für Wort
śrāntaḥ
ermüdet
nimantritaḥ araṇye
im Wald eingeladen
kāmadhenu-prabhāveṇa
durch die Macht der Wunschkuh
bhojitaḥ
bewirtet
sa-balaḥ nṛpaḥ
der König samt Heer

aprārthayat kāmadhenuṃ yadā sa na dadau tadā / hṛtavānatha rāmeṇa śiraśchitvā nipātitaḥ //

Er erbat die Wunschkuh; als [Jamadagni] sie nicht hergab, raubte er sie. Darauf wurde er von Rāma, der ihm das Haupt abschlug, niedergestreckt,

Wort für Wort
prārthayat kāmadhenum
erbat die Wunschkuh
na dadau
gab nicht
hṛtavān
raubte
rāmeṇa
von Rāma
śiraḥ chitvā nipātitaḥ
nach Abschlagen des Hauptes niedergestreckt

aprārthayat wohl für prārthayat.

yuddhe paraśunā rājā dhenuḥ svāśramamāyayau / kārttavīryasya putraistu jamadagnirnipātitaḥ //

der König, im Kampf mit der Axt; die Kuh kehrte in ihre Einsiedelei zurück. Von den Söhnen Kārttavīryas aber wurde Jamadagni erschlagen,

Wort für Wort
yuddhe paraśunā
im Kampf mit der Axt
dhenuḥ
die Kuh
sva-āśramam āyayau
kehrte in die eigene Einsiedelei zurück
kārttavīryasya putraiḥ
von Kārttavīryas Söhnen
jamadagniḥ nipātitaḥ
Jamadagni wurde erschlagen

rāme vanaṃ gate vairād atha rāmaḥ samāgataḥ / pitaraṃ nihataṃ dṛṣṭvā pitṛnāśābhimarṣitaḥ //

aus Feindschaft, als Rāma in den Wald gegangen war. Dann kam Rāma zurück; als er den Vater erschlagen sah, ergrimmt über die Tötung des Vaters,

Wort für Wort
rāme vanam gate
als Rāma in den Wald gegangen war
vairāt
aus Feindschaft
samāgataḥ
zurückgekehrt
pitaram nihatam dṛṣṭvā
den Vater erschlagen sehend
pitṛ-nāśa-abhimarṣitaḥ
über den Tod des Vaters erzürnt

abhimarṣita hier „erzürnt“ (vgl. amarṣa).

triḥsaptakṛtvaḥ pṛthivīṃ niḥkṣatrāmakarodvibhuḥ / kurukṣetre pañca kuṇḍān kṛtvā santarpya vai pitṝn //

machte der Mächtige die Erde dreimal siebenmal von Kṣatriyas frei. In Kurukṣetra legte er fünf Teiche an und sättigte [damit] die Ahnen,

Wort für Wort
triḥ-sapta-kṛtvaḥ
dreimal siebenmal
niḥkṣatrām akarot
machte kṣatriyafrei
kurukṣetre
in Kurukṣetra
pañca kuṇḍān kṛtvā
fünf Teiche anlegend
santarpya pitṝn
die Ahnen sättigend

kāśyapāya mahīṃ datvā mahendre parvate sthitaḥ / kūrmasya ca varāhasya nṛsiṃhasya ca vāmanaṃ / avatāraṃ ca rāmasya śrutvā yāti divaṃ naraḥ //

gab die Erde dem Kāśyapa und blieb auf dem Berg Mahendra. Wer die Herabkunft der Schildkröte, des Ebers, des Mannlöwen, des Zwerges und des Rāma hört, gelangt in den Himmel.

Wort für Wort
kāśyapāya mahīm datvā
dem Kāśyapa die Erde gebend
mahendre parvate sthitaḥ
auf dem Berg Mahendra weilend
kūrmasya varāhasya
der Schildkröte, des Ebers
nṛsiṃhasya vāmanasya
des Mannlöwen, des Zwerges
śrutvā yāti divam naraḥ
wer hört, geht in den Himmel

Vers mit drei Halbversen; vāmanaṃ wohl für vāmanasya.

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