Kapitel 14: kurupāṇḍavasaṅgrāmavarṇanam (mahābhāratavarṇanam)
Beschreibung des Kampfes zwischen Kurus und Pāṇḍavas (Beschreibung des Mahābhārata)
Das Kapitel fasst den Krieg auf dem Kurukṣetra zusammen: Kṛṣṇas kurze Belehrung Arjunas, die Heerführerschaften von Bhīṣma, Droṇa, Karṇa und Śalya, Duryodhanas Tod, den nächtlichen Überfall Aśvatthāmans und die Rettung Parīkṣits bis zu Yudhiṣṭhiras Herrschaft und Himmelfahrt. Der Kolophon nennt es mahābhāratavarṇana. Verderbte Stellen (V. 13 dhṛṣṭadyumnādhipatitā, V. 20 naṣṭādeśehani) sind vermerkt.
Agni sprach: Das Heer Yudhiṣṭhiras und das Heer Duryodhanas zogen nach Kurukṣetra. Als [Arjuna] Bhīṣma, Droṇa und die anderen sah, kämpfte er nicht, [denn er dachte:] „Es sind meine Ehrwürdigen.“
ayamātmā paraṃ brahma ahaṃ brahmasmi viddhi tam / siddhyasiddhyoḥ samo yogī rājadharmaṃ prapālaya //
Dieses Selbst ist das höchste Brahman; ‚Ich bin das Brahman‘ – so erkenne es. Gleichmütig in Gelingen und Misslingen, als Yogin, befolge die Pflicht des Königs.“
Von Kṛṣṇa so angesprochen, kämpfte Arjuna, auf dem Wagen stehend, unter dem Schall der Instrumente. Bhīṣma war anfangs der Heerführer im Heer Duryodhanas,
die Pāṇḍavas mit Śikhaṇḍin an der Spitze schlugen in der Schlacht die Söhne Dhṛtarāṣṭras. Der Kampf der Heere der Kurus und Pāṇḍavas war wie ein Kampf zwischen Göttern und Asuras;
daśame hy arjuno vāṇair bhīṣmaṃ vīraṃ vavarṣa ha / śikhaṇḍī drupadokto 'strair vavarṣa jalado yathā //
Am zehnten [Tag] aber überschüttete Arjuna den Helden Bhīṣma mit Pfeilen; Śikhaṇḍin, von Drupada angewiesen, überschüttete ihn mit Geschossen wie eine Regenwolke.
hastyaśvarathapādātamanyonyāstranipātitam / bhīṣmaḥ svacchandamṛtyuś ca yuddhamārgaṃ pradarśya ca //
Elefanten, Pferde, Wagen und Fußvolk wurden durch gegenseitige Geschosse gefällt. Bhīṣma, dessen Tod von seinem eigenen Willen abhing, zeigte [noch] den Weg des Kampfes,
pañcamehani durdharṣaḥ sarvakṣatraṃ pramathya ca / duryodhane tu śokārte karṇaḥ senāpatistvabhūt //
Nachdem der Unbezwingliche am fünften Tag [seines Oberbefehls] den gesamten Kriegerstand zermalmt hatte [, fiel er]. Als Duryodhana [wieder] von Kummer gequält war, wurde Karṇa Heerführer.
arjunaḥ pāṇḍavānāñca tayoryuddhaṃ babhūva ha / śastrāśastri mahāraudraṃ devāsuraraṇopamam //
Arjuna [führte] die Pāṇḍavas; zwischen den beiden kam es zu einem überaus furchtbaren Kampf, Waffe gegen Waffe, gleich dem Kampf der Götter und Asuras.
Mit der Keule [fällte er] auch andere, seine jüngeren Brüder, an diesem achtzehnten Tag. In der Nacht streckte [dann] das schlafende Heer der Pāṇḍavas,
Kṛtavarman, Kṛpa und Drauṇi [Anm.: Aśvatthāman] – diese drei entkamen aus der Schlacht; [auf der anderen Seite] die Pāṇḍavas, Sātyaki und Kṛṣṇa – sieben entkamen, sonst niemand.
Yudhiṣṭhira tröstete mit Bhīma und den anderen die bekümmerten Frauen, vollzog die Bestattungsriten für die gefallenen Helden und spendete Wasser, Güter und anderes.
bhīṣmācchāntanavācchrutvā dharmān sarvāṃś ca śāntidām / rājadharmānmokṣadharmāndānadharmān nṛpo 'bhavat //
Nachdem er von Bhīṣma, dem Sohn Śāntanus, alle Frieden schenkenden Lehren über die Pflichten gehört hatte – die Königspflichten, die Pflichten der Erlösung und die Pflichten des Gebens –, wurde er König.
Beim Pferdeopfer gab der Feindebezwinger den Brahmanen Gaben. Als er von Arjuna vom Keulenkampf und vom Untergang der Yādavas gehört hatte, setzte er Parīkṣit in die Herrschaft ein und gelangte mit seinen Brüdern in den Himmel.
Wort für Wort
aśvamedhe dadau dānam
gab beim Pferdeopfer Gaben
ari-mardanaḥ
der Feindebezwinger
mauṣaleyam
den Keulenkampf
yādavānām saṅkṣayam
den Untergang der Yādavas
rājye parīkṣitam sthāpya
Parīkṣit auf den Thron gesetzt
sa-anujaḥ svargam āptavān
gelangte mit den Brüdern in den Himmel
Dreizeiliger Vers; mauṣaleya bezieht sich auf das Mausalaparvan (Keulenkampf der Yādavas).