Kapitel 314: stambhanādimantrāḥ
Mantras für Lähmung und andere [magische Handlungen]
Das Kapitel behandelt die sogenannten schädigenden Riten: Lähmung des Feindes mittels einer auf Birkenrinde gezeichneten Schildkröte, lange Kranz-Mantras (mālāmantra) zur Lähmung und Betörung, Mittel zur Entzweiung, Vertreibung, Krankheitserregung und Tötung sowie eine Anrufung der Mütter gegen den Feind. Mehrere Stellen sind verderbt (bes. Verse 1, 2, 4, 6, 13); das Kolophon trägt die Folgenummer {315}.
Agni sprach: Ich will [die Riten für] Lähmung, Betörung, Unterwerfung, Entzweiung, Vertreibung, [gegen] Gift und Krankheit [?], Tötung und wiederum Befriedung darlegen.
Auf Birkenrinde soll man eine Schildkröte zeichnen, sechs Finger breit [?]; an Maul und den vier Füßen soll dann der Zweimalgeborene den Mantra auflegen:
Wort für Wort
bhūrje
auf Birkenrinde
kūrmam samālikhya
eine Schildkröte zeichnend
ṣaḍ-aṅgulam
sechs Finger breit
mukha-pāda-catuṣkeṣu
an Maul und vier Füßen
mantram nyaset
den Mantra auflegen
„tāḍanena“ hier unklar; „caturṣkeṣu“ zu catuṣkeṣu.
an die vier Füße die Silbe „krīṃ“, die Silbe „hrīṃ“ in die Mitte des Mauls; in den Bauch schreibe man dann die Vidyā und auf den Rücken den Adepten [bzw. das Opfer?].
Mit den Kranz-Mantras umwickelt soll man [es] auf einen Ziegel legen; unter dem Rücken einer Schildkröte angeordnet, soll man [es] mit dem Karāla[-Mantra] besprechen [?].
Wort für Wort
mālā-mantraiḥ saṃveṣṭya
mit Kranz-Mantras umwickelt
iṣṭakā-upari
auf einen Ziegel
kūrma-pṛṣṭhena
mit dem Rücken der Schildkröte
karālena
mit dem Karāla-Mantra
Zweite Hälfte verderbt („karālenābhisampaṭhenat“).
Nachdem man die große Schildkröte verehrt hat, soll man Fußwaschwasser darauf gießen; man soll [sie] mit dem linken Fuß schlagen, siebenmal an den Feind denkend.
oṃ śatrusukhastambhanī kāmarūpā ālīḍhakarī hrīṃ pheṃ phetkāriṇī mama śatrūṇāṃ devadattānāṃ mukhaṃ stambhaya 2 mama sarvavidveṣiṇāṃ mukhastambhanaṃ kuru 2 oṃ hūṃ pheṃ phetkāriṇi svāhā phaṭ hetuñca samālikhya tajjapāntaṃ mahābalaṃ / vāmenaiva nagaṃ śūlaṃ saṃlikheddakṣiṇe kare //
„oṃ śatrumukhastambhani kāmarūpe ālīḍhakari hrīṃ pheṃ phetkāriṇi mama śatrūṇāṃ devadattānāṃ mukhaṃ stambhaya stambhaya, mama sarvavidveṣiṇāṃ mukhastambhanaṃ kuru kuru, oṃ hūṃ pheṃ phetkāriṇi svāhā phaṭ“ (Oṃ, die du den Mund der Feinde lähmst, Gestaltwandlerin, in Ālīḍha-Stellung, hrīṃ pheṃ, Phetkāriṇī: lähme, lähme den Mund meiner Feinde, der N.N. [devadatta], bewirke, bewirke die Lähmung des Mundes all meiner Widersacher! …). Hat man auch den „Grund“ [?] geschrieben, [wird] durch sein Murmeln [die Wirkung] sehr stark; in die linke [Hand] soll man einen Berg, in die rechte Hand einen Spieß zeichnen.
Wort für Wort
śatru-mukha-stambhani
o Lähmerin des Mundes der Feinde
stambhaya
lähme
sarva-vidveṣiṇām
aller Widersacher
vāmena nagam
links einen Berg
śūlam dakṣiṇe kare
rechts einen Spieß
„śatrusukha“ zu śatrumukha gebessert; devadatta = Platzhaltername. „hetuñca“ unklar.
Man schreibe den Mantra des Aghora; in der Schlacht lähmt man [so] die Feinde. „oṃ namo bhagavatyai bhagamālini visphura visphura spanda spanda nityaklinne drava drava hūṃ saḥ krīṃ kārākṣare svāhā“ (Oṃ, Verehrung der Erhabenen; o Bhagamālinī, strahle, strahle hervor, zucke, zucke, o ewig Feuchte, fließe, fließe …). Mit diesem [Mantra] und mit Gorocanā usw. betört man durch ein Stirnzeichen die Welt.
„oṃ pheṃ hūṃ phaṭ phetkāriṇi hrīṃ jvala jvala trailokyaṃ mohaya mohaya guhyakālike svāhā“ (…, o Phetkāriṇī, flamme, flamme, betöre, betöre die drei Welten, o Guhyakālikā, svāhā) – macht man hiermit ein Stirnzeichen, [ist es] ein Unterwerfungsmittel für Könige usw. Nimmt man Staub von einem Esel, die „Blüte“ [das Blut] einer Wöchnerin
[und] das Menstrualblut einer Frau und streut [es] nachts auf das Bett usw., so wirkt es Hass erzeugend. Einen Kuhhuf und ebenso ein Horn und einen Pferdehuf
zu Pulver gemacht soll man in Öl werfen; eine Einreibung damit bewirkt Aussatz. „oṃ navagrahāya [?] sarvaśatrūn mama sādhaya sādhaya māraya māraya oṃ soṃ maṃ vuṃ cuṃ oṃ śaṃ vāṃ keṃ oṃ svāhā“ ([Oṃ, den neun Planeten:] bezwinge, bezwinge, töte, töte alle meine Feinde …) – mit diesem [Mantra] und hundert Arka[-Blüten] verehrt, soll man [es] auf dem Verbrennungsplatz niederlegen.
Wort für Wort
cūrṇīkṛtya
zu Pulver gemacht
kṣipet taile
in Öl werfen
abhyaṅgaḥ kuṣṭha-kṛt
Einreibung bewirkt Aussatz
sādhaya māraya
bezwinge, töte
arka-śataiḥ arcya
mit hundert Arka verehrt
śmaśāne nidhāpayet
auf dem Verbrennungsplatz niederlegen
„navarahāya“ vermutlich navagrahāya; „svahā“ zu svāhā.
Auf Birkenrinde oder an einem Bild [wirken] die Planeten zur Tötung des Feindes. „oṃ kuñjarī brahmāṇī, oṃ mañjarī māheśvarī, oṃ vetālī kaumārī, oṃ kālī vaiṣṇavī, oṃ aghorā vārāhī, oṃ vetālī indrāṇī urvaśī, oṃ jayānī yakṣiṇī – navamātaro he mama śatruṃ gṛhṇata gṛhṇata“ (… o neun Mütter, ergreift, ergreift meinen Feind!). Schreibt man den Namen des Feindes auf Birkenrinde und verehrt [sie] auf dem Verbrennungsplatz, so stirbt er.
Wort für Wort
māraṇāya ripoḥ grahāḥ
die Planeten zur Tötung des Feindes
nava-mātaraḥ
o neun Mütter
mama śatrum gṛhṇata
ergreift meinen Feind
bhūrje nāma ripoḥ likhya
den Namen des Feindes auf Birkenrinde schreibend
mriyet
er stirbt
„intrāṇī“ zu indrāṇī. Genannt werden nur sieben bzw. acht Namenpaare, obwohl von „neun Müttern“ die Rede ist.