Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 211: nānādānāni Verschiedene Gaben

Agni zählt eine Vielzahl von Gaben und ihren Lohn auf: Kühe, Büffelkuh, Pflüge, Freilassung eines Stieres (mit Spruch), Land (mit Flächenmaßen), Sesam, Betten, Häuser, besondere Figurengaben (Yama-Büffel, Zeitrad, Kālapuruṣa), Gold, Speise, Wasser, Bücher und Wissen sowie Gaben an Tempel und das Baden der Gottheit. Speise- und Wissensgabe werden besonders gepriesen. Mehrere Schreibfehler der Digitalisierung (z. B. kuṇḍa statt daṇḍa in V. 13, taikañca, puṇḍalīka); einige Figurenbeschreibungen (V. 19–21) sind unklar.

agnir uvāca | ekāṅgāṃ daśagurdadyāddaśa dadyācca gośatī / śataṃ sahasragurdadyāt sarve tulyaphalā hi te //

Agni sprach: Wer zehn Kühe hat, gebe eine Kuh; wer hundert Kühe hat, gebe zehn; wer tausend Kühe hat, gebe hundert – denn sie alle haben gleiche Frucht.

Wort für Wort
ekām gām daśa-guḥ dadyāt
wer zehn Kühe hat, gebe eine Kuh
daśa dadyāt go-śatī
wer hundert Kühe hat, gebe zehn
śatam sahasra-guḥ
hundert, wer tausend Kühe hat
sarve tulya-phalāḥ
alle haben gleiche Frucht

ekāṅgāṃ = ekāṃ gāṃ.

prāsādā yatra sauvarṇā vasordhārā ca yatra sā / gandharvāpsaraso yatra tatra yānti sahasradāḥ //

Wo goldene Paläste sind, wo jener Strom der Güter (Vasordhārā) ist, wo Gandharvas und Apsaras sind – dorthin gehen die Geber von tausend [Kühen].

Wort für Wort
prāsādāḥ sauvarṇāḥ
goldene Paläste
vasoḥ-dhārā
der Strom der Güter
gandharva-apsarasaḥ
Gandharvas und Apsaras
tatra yānti sahasra-dāḥ
dorthin gehen die Tausendgeber

gavāṃ śatapradānena mucyate narakārṇavāt / dattvā vatsatarīṃ caiva svarhaloke mahīyate //

Durch die Gabe von hundert Kühen wird man aus dem Ozean der Hölle befreit; und wer eine junge Kuh gegeben hat, wird in der Himmelswelt verherrlicht.

Wort für Wort
gavām śata-pradānena
durch Gabe von hundert Kühen
mucyate naraka-arṇavāt
wird aus dem Höllenozean befreit
dattvā vatsatarīm
eine junge Kuh gegeben habend
svar-loke mahīyate
wird in der Himmelswelt verherrlicht

godānādāyurārogyasaubhāgyasvargamāpnuyāt / indrādilokapālānāṃ yā rājamahiṣī śubhā //

Durch die Kuhgabe erlangt man Leben, Gesundheit, Glück und Himmel. [Spruch bei der Gabe einer Büffelkuh:] „Die glückverheißende Hauptgemahlin der Welthüter Indra und der übrigen,

Wort für Wort
go-dānāt
durch Kuhgabe
āyuḥ-ārogya-saubhāgya-svargam
Leben, Gesundheit, Glück, Himmel
indra-ādi-loka-pālānām
der Welthüter Indra usw.
rāja-mahiṣī śubhā
die glückverheißende Hauptkönigin

rājamahiṣī „Hauptkönigin“ enthält ein Wortspiel mit mahiṣī „Büffelkuh“.

mahiṣīdānamāhātmyādastu me sarvakāmadā / dharmarājasya sāhāyye yasyāḥ putraḥ pratiṣṭhitaḥ //

sie sei mir durch die Kraft der Büffelkuh-Gabe alle Wünsche gewährend. Sie, deren Sohn als Helfer des Dharmarāja (Yama) eingesetzt ist [Anm.: der Büffel als Reittier Yamas],

Wort für Wort
mahiṣī-dāna-māhātmyāt
durch die Kraft der Büffelkuhgabe
astu me sarva-kāma-dā
sei mir allwunschgewährend
dharma-rājasya sāhāyye
zur Hilfe des Dharmarāja
yasyāḥ putraḥ pratiṣṭhitaḥ
deren Sohn eingesetzt ist

mahiṣāsurasya jananī yā sāstu varadā mama / mahiṣīdānācca saubhāgyaṃ vṛṣadānāddivaṃ vrajet //

die Mutter des Mahiṣāsura – sie sei mir Gnaden spendend.“ Durch Gabe einer Büffelkuh [erlangt man] Glück, durch Gabe eines Stieres gelangt man in den Himmel.

Wort für Wort
mahiṣa-asurasya jananī
die Mutter des Büffeldämons
sā astu varadā mama
sie sei mir gnadenspendend
mahiṣī-dānāt saubhāgyam
durch Büffelkuhgabe Glück
vṛṣa-dānāt divam vrajet
durch Stiergabe geht man zum Himmel

saṃyuktahalapaṅktyākhyaṃ dānaṃ sarvaphalapradaṃ / paṅktirdaśahalā proktā dārujā vṛṣasaṃyutā //

Die „Reihe angespannter Pflüge“ genannte Gabe gewährt alle Früchte. Eine Reihe heißt [eine Gruppe von] zehn Pflügen, aus Holz gefertigt, mit Stieren versehen.

Wort für Wort
saṃyukta-hala-paṅkti-ākhyam
„Reihe angespannter Pflüge“ genannt
dānam sarva-phala-pradam
eine alle Früchte gewährende Gabe
paṅktiḥ daśa-halā
eine Reihe aus zehn Pflügen
dāru-jā vṛṣa-saṃyutā
aus Holz, mit Stieren

sauvarṇapaṭṭasannaddhāndattvā svarge mahīyate / daśānāṃ kapilānāṃ tu dattānāṃ jyeṣṭhapuṣkare //

Wer [die Stiere], mit goldenen Bändern angeschirrt, gegeben hat, wird im Himmel verherrlicht. Die Frucht von zehn braunen Kühen, die am Jyeṣṭha-Puṣkara gegeben werden,

Wort für Wort
sauvarṇa-paṭṭa-sannaddhān
mit goldenen Bändern angeschirrt
dattvā svarge mahīyate
gegeben habend wird er im Himmel verherrlicht
daśānām kapilānām
von zehn braunen Kühen
dattānām jyeṣṭha-puṣkare
am Jyeṣṭha-Puṣkara gegeben

tat phalañcākṣayaṃ proktaṃ vṛṣabhasya tu mokṣaṇe / dharmo 'sitvañcatuṣpādaś catasraste priyā imāḥ //

heißt unvergänglich, [ebenso die] beim Freilassen eines Stieres. [Spruch:] „Du bist Dharma, der Vierfüßige; diese vier [Färsen] sind deine Lieben.

Wort für Wort
tat phalam akṣayam proktam
diese Frucht heißt unvergänglich
vṛṣabhasya mokṣaṇe
beim Freilassen eines Stieres
dharmaḥ asi tvam catuṣpādaḥ
du bist Dharma, der Vierfüßige
catasraḥ te priyāḥ imāḥ
diese vier sind deine Lieben

dharmo 'sitvañ = dharmo 'si tvaṃ.

namo brahmaṇyadeveśa pitṛbhūtarṣipoṣaka / tvayi mukte 'kṣayā lokā mama santu nirāmayāḥ //

Verehrung dir, Herr der Götter, den Brahmanen Holder, Ernährer der Ahnen, Wesen und Seher! Wenn du freigelassen bist, mögen mir unvergängliche, leidlose Welten zuteil werden.

Wort für Wort
namaḥ brahmaṇya-deva-īśa
Verehrung dir, brahmanenholder Götterherr
pitṛ-bhūta-ṛṣi-poṣaka
Ernährer der Ahnen, Wesen, Seher
tvayi mukte
wenn du freigelassen bist
akṣayāḥ lokāḥ nirāmayāḥ
unvergängliche, leidlose Welten

mā me ṛṇo 'stu daivatyo bhautaḥ paitro 'tha mānuṣaḥ / dharmastvaṃ tvatprapannasya yā gatiḥ sāstu me dhruvā //

Keine Schuld soll mir bleiben, weder gegenüber den Göttern noch den Wesen, den Ahnen oder den Menschen. Du bist Dharma; der Weg dessen, der zu dir Zuflucht nimmt, der sei mir gewiss!“

Wort für Wort
mā me ṛṇaḥ astu
keine Schuld sei mir
daivatyaḥ bhautaḥ paitraḥ mānuṣaḥ
gegenüber Göttern, Wesen, Ahnen, Menschen
dharmaḥ tvam
du bist Dharma
tvat-prapannasya gatiḥ
der Weg des zu dir Zuflucht Nehmenden
sā astu me dhruvā
die sei mir gewiss

aṅgayeccakraśūlābhyāṃ mantreṇānena cotsṛjet / ekādaśāhe pretasya yasya cotsṛjyate vṛṣaḥ //

Man zeichne ihn mit Rad und Dreizack und lasse ihn mit diesem Mantra frei. Der Verstorbene, für den am elften Tag ein Stier freigelassen wird,

Wort für Wort
aṅkayet cakra-śūlābhyām
man zeichne mit Rad und Dreizack
mantreṇa anena utsṛjet
mit diesem Mantra lasse man frei
ekādaśa-ahe pretasya
am elften Tag des Verstorbenen
yasya utsṛjyate vṛṣaḥ
für den ein Stier freigelassen wird

aṅgayet = aṅkayet „kennzeichnen“.

mucyate pretalokāttu ṣaṇmāse cāvdikādiṣu / daśahastena kuṇḍena triṃśatkuṇḍānnivartanaṃ //

wird aus der Welt der Totengeister befreit; [ebenso] im sechsten Monat und bei den Jahresriten usw. Mit einem Stab (Daṇḍa) von zehn Ellen [gemessen]: dreißig Stäbe sind ein Nivartana;

Wort für Wort
mucyate preta-lokāt
wird aus der Welt der Totengeister befreit
ṣaṇ-māse ābdika-ādiṣu
im sechsten Monat, bei Jahresriten usw.
daśa-hastena daṇḍena
mit einem Stab von zehn Ellen
triṃśat-daṇḍāt nivartanam
dreißig Stäbe ein Nivartana

kuṇḍena, kuṇḍān wohl verderbt für daṇḍena, daṇḍān (Messstab); āvdika = ābdika.

tānyeva daśavistārādgocarme tatprado 'ghabhit / gobhūhiraṇyasaṃyuktaṃ kṛṣṇājinantu yo 'rpayet //

eben diese [Nivartanas] in zehnfacher Ausdehnung ergeben ein Gocarman; wer dieses [Land] gibt, zerstört die Sünde. Wer ein schwarzes Antilopenfell samt Kuh, Land und Gold darbringt,

Wort für Wort
tāni eva daśa-vistārāt
eben diese in zehnfacher Ausdehnung
go-carma
ein Gocarman (Landmaß)
tat-pradaḥ agha-bhid
wer es gibt, zerstört die Sünde
go-bhū-hiraṇya-saṃyuktam kṛṣṇa-ajinam
ein schwarzes Antilopenfell samt Kuh, Land, Gold

sarvaduṣkṛtakarmāpi sāyujyaṃ brahmaṇo vrajet / bhājanantilasampūrṇaṃ madhunā pūrṇameva ca //

gelangt, auch wenn er alle Übeltaten begangen hat, zur Vereinigung mit Brahman. Ein Gefäß voll Sesam und ebenso eines voll Honig

Wort für Wort
sarva-duṣkṛta-karmā api
auch wenn er alle Übeltaten beging
sāyujyam brahmaṇaḥ vrajet
gelangt zur Vereinigung mit Brahman
bhājanam tila-sampūrṇam
ein Gefäß voll Sesam
madhunā pūrṇam
voll Honig

dadyāt kṛṣṇatilānāñca prasthamekañca māgadhaṃ / śayyāṃ dattvā tu saguṇāṃ bhuktimuktimavāpnuyāt //

gebe man, und ein Prastha schwarzen Sesams nach Magadha-Maß. Wer ein Bett samt Zubehör gegeben hat, erlangt Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
kṛṣṇa-tilānām prastham
ein Prastha schwarzen Sesams
māgadham
nach Magadha-Maß
śayyām dattvā sa-guṇām
ein Bett samt Zubehör gegeben habend
bhukti-muktim avāpnuyāt
erlangt Genuss und Erlösung

haimīṃ pratikṛtiṃ kṛtvā dattvā svargas tathātmanaḥ / vipulantu gṛhaṃ kṛtvā dattvā syādbhuktimuktibhāk //

Wer ein goldenes Abbild seiner selbst gemacht und gegeben hat, [erlangt] ebenso den Himmel. Wer ein geräumiges Haus gebaut und gegeben hat, hat teil an Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
haimīm pratikṛtim kṛtvā
ein goldenes Abbild gemacht habend
ātmanaḥ
seiner selbst
svargaḥ
der Himmel
vipulam gṛham kṛtvā
ein geräumiges Haus gebaut habend

gṛhaṃ maṭhaṃ sabhāṃ svargī dattvā syācca pratiśriyaṃ / dattvā kṛtvā gogṛhañca niṣpāpaḥ svargamāpnuyāt //

Wer ein Haus, ein Kloster, eine Halle oder eine Herberge gegeben hat, kommt in den Himmel; wer einen Kuhstall gebaut und gegeben hat, erlangt sündlos den Himmel.

Wort für Wort
gṛham maṭham sabhām
Haus, Kloster, Halle
pratiśrayam
Herberge
svargī syāt
kommt in den Himmel
go-gṛham
Kuhstall
niṣpāpaḥ svargam āpnuyāt
sündlos erlangt er den Himmel

yamamāhiṣadānāttu niṣpāpaḥ svargamāpnuyāt / brahmā haro harirdevair madhye ca yamadūtakaḥ //

Durch die Gabe eines Yama-Büffels erlangt man sündlos den Himmel. Brahmā, Hara und Hari mit den Göttern und in der Mitte ein Bote Yamas

Wort für Wort
yama-māhiṣa-dānāt
durch Gabe des Yama-Büffels
niṣpāpaḥ svargam
sündlos den Himmel
brahmā haraḥ hariḥ devaiḥ
Brahmā, Hara, Hari mit den Göttern
madhye yama-dūtakaḥ
in der Mitte ein Bote Yamas

pāśī tasya śiraśchittvā taṃ dadyāt svargabhāgbhavet / trimukhākhyamidaṃ dānaṃ gṛhītvā tu dvijo 'ghabhāk //

mit der Schlinge – nachdem man dessen Kopf abgeschnitten hat [?], gebe man jenen [Aufbau]; man wird des Himmels teilhaftig. Diese Gabe heißt „Dreigesicht“; ein Brahmane, der sie annimmt, lädt Sünde auf sich.

Wort für Wort
pāśī
mit der Schlinge versehen
tasya śiraḥ chittvā
dessen Kopf abgeschnitten habend
svarga-bhāj bhavet
wird des Himmels teilhaftig
tri-mukha-ākhyam idam dānam
diese Gabe heißt Dreigesicht
gṛhītvā dvijaḥ agha-bhāj
annehmend lädt der Brahmane Sünde auf sich

Die Beschreibung der Figurengruppe ist knapp und unklar.

cakraṃ rūpyamayaṃ kṛtvā ke dhṛtvā tat pradāpayet / hemayuktaṃ dvijāyaitat kālacakramidammahat //

Man fertige ein Rad aus Silber, halte es auf dem Kopf [?] und lasse es übergeben; mit Gold versehen [gebe man] es einem Brahmanen: dies ist das große Zeitrad (Kālacakra).

Wort für Wort
cakram rūpya-mayam kṛtvā
ein silbernes Rad gefertigt habend
ke dhṛtvā
auf dem Kopf haltend [?]
tat pradāpayet
man lasse es übergeben
hema-yuktam dvijāya
mit Gold einem Brahmanen
kāla-cakram idam mahat
dies ist das große Zeitrad

ke dhṛtvā: ka „Kopf“ oder „Luft“; unsicher.

ātmatulyantu yo lauhaṃ dadenna narakaṃ vrajet / pañcāśatpalasaṃyuktaṃ lauhadaṇḍaṃ tu yo 'rpayet //

Wer Eisen im Gewicht seines eigenen Körpers gibt, geht nicht zur Hölle. Wer einen eisernen Stab von fünfzig Pala darbringt,

Wort für Wort
ātma-tulyam lauham
Eisen gleich dem eigenen Gewicht
na narakam vrajet
geht nicht zur Hölle
pañcāśat-pala-saṃyuktam
von fünfzig Pala
lauha-daṇḍam arpayet
einen Eisenstab bringe er dar

dadet = dadyāt.

vastreṇācchādya viprāya yamadaṇḍo na vidyate / mūlaṃ phalādi vā dravyaṃ saṃhataṃ vātha caikaśaḥ //

mit einem Tuch umhüllt, einem Brahmanen, für den gibt es keinen Stab Yamas (keine Strafe). Wurzeln, Früchte und dergleichen oder [sonst eine] Substanz, gesammelt oder einzeln,

Wort für Wort
vastreṇa ācchādya
mit Tuch umhüllt
yama-daṇḍaḥ na vidyate
gibt es keinen Stab Yamas
mūlam phala-ādi dravyam
Wurzel, Früchte usw., Substanz
saṃhatam vā ekaśaḥ
gesammelt oder einzeln

mṛtyujjayaṃ samuddiśya dadyādāyurvivardhaye / pumān kṛṣṇatilaiḥ kāryo raupyadantaḥ suvarṇadṛk //

gebe man mit Bezug auf Mṛtyuñjaya (den Todesbezwinger) zur Mehrung des Lebens. Ein Mann ist aus schwarzem Sesam zu bilden, mit silbernen Zähnen und goldenen Augen,

Wort für Wort
mṛtyuñjayam samuddiśya
auf den Todesbezwinger bezogen
āyuḥ-vivardhaye
zur Mehrung des Lebens
pumān kṛṣṇa-tilaiḥ kāryaḥ
ein Mann ist aus schwarzem Sesam zu bilden
raupya-dantaḥ suvarṇa-dṛś
mit Silberzähnen, Goldaugen

khaḍgodyatakaro dīrgho javākusumamaṇḍalaḥ / raktāmvaradharaḥ sragvī śaṅkamālāvibhūṣitaḥ //

das Schwert in der erhobenen Hand, groß, mit einem Kranz von Hibiskusblüten, ein rotes Gewand tragend, bekränzt, mit einer Kette aus Muscheln geschmückt,

Wort für Wort
khaḍga-udyata-karaḥ
mit erhobenem Schwert in der Hand
dīrghaḥ
groß
javā-kusuma-maṇḍalaḥ
mit Hibiskusblütenkranz
rakta-ambara-dharaḥ
rotes Gewand tragend
śaṅkha-mālā-vibhūṣitaḥ
mit Muschelkette geschmückt

raktāmvara = raktāmbara; śaṅkamālā = śaṅkhamālā.

upānadyugayuktāṅghriḥ kṛṣṇakambalapārśvakaḥ / gṛhītamāṃsapiṇḍaś ca vāme vai kālapūruṣaḥ //

die Füße mit einem Paar Sandalen versehen, an der Seite eine schwarze Decke, und in der Linken einen Fleischkloß haltend – [das ist] der Kālapuruṣa (Mann der Zeit/des Todes).

Wort für Wort
upānat-yuga-yukta-aṅghriḥ
mit Sandalenpaar an den Füßen
kṛṣṇa-kambala-pārśvakaḥ
mit schwarzer Decke an der Seite
gṛhīta-māṃsa-piṇḍaḥ vāme
einen Fleischkloß links haltend
kāla-pūruṣaḥ
der Mann der Zeit

sampūjya tañca gandhādyaiḥ brāhmaṇāyopapādayet / maraṇavyādhihīnaḥ syādrājarājeśvaro bhavet //

Nachdem man ihn mit Duftstoffen und dergleichen verehrt hat, übergebe man ihn einem Brahmanen. [Der Geber] wird frei von Tod und Krankheit und wird ein König der Könige.

Wort für Wort
sampūjya gandha-ādyaiḥ
mit Duftstoffen usw. verehrt habend
brāhmaṇāya upapādayet
übergebe man einem Brahmanen
maraṇa-vyādhi-hīnaḥ
frei von Tod und Krankheit
rāja-rāja-īśvaraḥ bhavet
wird König der Könige

govṛṣau tu dvije dattvā bhuktimuktimavāpnuyāt / revantādhiṣṭhitañcāśvaṃ haimaṃ dattvā na mṛtybhāk //

Wer Kuh und Stier einem Brahmanen gegeben hat, erlangt Genuss und Erlösung. Wer ein goldenes Pferd, auf dem Revanta sitzt, gegeben hat, verfällt nicht dem Tod.

Wort für Wort
go-vṛṣau dvije dattvā
Kuh und Stier einem Brahmanen gegeben habend
revanta-adhiṣṭhitam aśvam
ein von Revanta bestiegenes Pferd
haimam
golden
na mṛtyu-bhāj
nicht dem Tod verfallen

mṛtybhāk = mṛtyubhāk.

ghaṇṭādipūrṇamapyekaṃ dattvā syādbhuktimuktibhāk / sarvān kāmānavāpnoti yaḥ prayacchati kāñcanaṃ //

Wer auch nur eines, mit Glocken und dergleichen versehen, gegeben hat, hat teil an Genuss und Erlösung. Alle Wünsche erlangt, wer Gold gibt.

Wort für Wort
ghaṇṭā-ādi-pūrṇam
mit Glocken usw. versehen
api ekam dattvā
auch nur eines gegeben habend
sarvān kāmān avāpnoti
erlangt alle Wünsche
yaḥ prayacchati kāñcanam
wer Gold gibt

suvarṇe dīyamāne tu rajataṃ dakṣiṇeṣyate / anyeṣāmapi dānānāṃ suvarṇaṃ dakṣiṇā smṛtā //

Wird Gold gegeben, so ist Silber als Opferlohn erwünscht; auch bei den anderen Gaben gilt Gold als Opferlohn.

Wort für Wort
suvarṇe dīyamāne
wenn Gold gegeben wird
rajatam dakṣiṇā iṣyate
ist Silber als Opferlohn erwünscht
anyeṣām api dānānām
auch bei den anderen Gaben
suvarṇam dakṣiṇā smṛtā
gilt Gold als Opferlohn

suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ taṇḍulaṃ dhānyameva ca / nityaśrāddhaṃ devapūjā sarvametadadakṣiṇaṃ //

Gold, Silber, Kupfer, Reiskörner und Getreide, das tägliche Ahnenopfer und die Götterverehrung – all dies [erfordert] keinen Opferlohn.

Wort für Wort
suvarṇam rajatam tāmram
Gold, Silber, Kupfer
taṇḍulam dhānyam
Reiskörner, Getreide
nitya-śrāddham deva-pūjā
tägliches Ahnenopfer, Götterverehrung
sarvam etat adakṣiṇam
all dies ohne Opferlohn

rajataṃ dakṣiṇā pitre dharmakāmārthasādhanaṃ / suvarṇaṃ rajataṃ tāmraṃ maṇimuktāvasūni ca //

Silber ist Opferlohn beim Ahnenritus, ein Mittel zu Dharma, Kāma und Artha. Gold, Silber, Kupfer, Juwelen, Perlen und Güter –

Wort für Wort
rajatam dakṣiṇā pitre
Silber ist Opferlohn für den Ahnen(ritus)
dharma-kāma-artha-sādhanam
Mittel zu Dharma, Kāma, Artha
maṇi-muktā-vasūni
Juwelen, Perlen, Güter

sarvametanmahāprājño dadāti vasudhāndadat / pitṝṃś ca pitṛlokasthān devasthāne ca devatāḥ //

all dies gibt der Hochweise, der Land gibt. Die Ahnen, die in der Ahnenwelt weilen, und die Gottheiten am Ort der Götter

Wort für Wort
sarvam etat dadāti
all dies gibt
mahā-prājñaḥ
der Hochweise
vasudhām dadat
Land gebend
pitṝn pitṛ-loka-sthān
die Ahnen in der Ahnenwelt
deva-sthāne devatāḥ
die Gottheiten am Götterort

santarpayati śāntātmā yo dadāti vasundharām / kharvaṭaṃ kheṭakaṃ vāpi grāmaṃ vā śasyaśālinaṃ //

sättigt der Friedvolle, der Land gibt. Ein Marktdorf (Kharvaṭa), einen Weiler (Kheṭaka) oder ein an Feldfrucht reiches Dorf,

Wort für Wort
santarpayati śānta-ātmā
sättigt der Friedvolle
yaḥ dadāti vasundharām
wer Land gibt
kharvaṭam kheṭakam
Marktdorf, Weiler
grāmam śasya-śālinam
ein an Feldfrucht reiches Dorf

nivartanaśataṃ vāpi tadardhaṃ vā gṛhādikaṃ / api gocarmamātrāmbā dattvorvīṃ sarvabhāg bhavet //

oder hundert Nivartana oder die Hälfte davon oder ein Hausgrundstück und dergleichen – selbst wer Land nur von der Größe eines Gocarman gegeben hat, wird an allem teilhaben.

Wort für Wort
nivartana-śatam
hundert Nivartana
tat-ardham vā
oder die Hälfte davon
gṛha-ādikam
Hausgrundstück usw.
go-carma-mātrām vā
oder nur ein Gocarman groß
dattvā urvīm sarva-bhāj
Land gegeben habend an allem teilhabend

mātrāmbā = mātrāṃ vā.

tailavinduryathā cāpsu prasarped bhūgataṃ tathā / sarveṣāmevadānānamekajanmānugaṃ phalaṃ //

Wie ein Tropfen Öl sich auf dem Wasser ausbreitet, so [breitet sich das Verdienst] des auf Land Gegebenen aus. Die Frucht aller [übrigen] Gaben begleitet [nur] eine Geburt;

Wort für Wort
taila-binduḥ yathā apsu
wie ein Öltropfen im Wasser
prasarpet
breitet sich aus
bhū-gatam tathā
so das auf Land Bezogene
sarveṣām eva dānānām
aller Gaben
eka-janma-anugam phalam
die Frucht begleitet eine Geburt

vindu = bindu.

hāṭakakṣitigaurīṇāṃ saptajanmānugaṃ phalaṃ / trisaptakulamuddhṛtya kanyādo brahmalokabhāk //

die Frucht von Gold, Land und einer Gaurī (einem jungen Mädchen) begleitet sieben Geburten. Wer ein Mädchen [zur Ehe] gibt, errettet dreimal sieben Geschlechter und hat teil an der Brahman-Welt.

Wort für Wort
hāṭaka-kṣiti-gaurīṇām
von Gold, Land und Mädchen
sapta-janma-anugam phalam
die Frucht begleitet sieben Geburten
tri-sapta-kulam uddhṛtya
dreimal sieben Geschlechter errettend
kanyā-daḥ brahma-loka-bhāj
der Mädchengeber hat teil an der Brahman-Welt

gajaṃ sadakṣiṇaṃ dattvā nirmalaḥ svargabhāg bhavet / aśvaṃ dattvāyurārogyasaubhāgyasvargamāpnuyāt //

Wer einen Elefanten samt Opferlohn gegeben hat, wird makellos und hat teil am Himmel. Wer ein Pferd gegeben hat, erlangt Leben, Gesundheit, Glück und Himmel.

Wort für Wort
gajam sa-dakṣiṇam dattvā
einen Elefanten samt Opferlohn gegeben habend
nirmalaḥ svarga-bhāj
makellos, am Himmel teilhabend
aśvam dattvā
ein Pferd gegeben habend
āyuḥ-ārogya-saubhāgya-svargam
Leben, Gesundheit, Glück, Himmel

dāsīṃ dattvā dvijendrāya apsarolokamāpnuyāt / dattvā tāmramayīṃ sthālīṃ palānāṃ pañcabhiḥ śataiḥ //

Wer einem vorzüglichen Brahmanen eine Sklavin gegeben hat, erlangt die Welt der Apsaras. Wer eine Kupferschüssel von fünfhundert Pala gegeben hat

Wort für Wort
dāsīm dattvā dvija-indrāya
einem besten Brahmanen eine Sklavin gegeben
apsaraḥ-lokam
die Welt der Apsaras
tāmra-mayīm sthālīm
eine Kupferschüssel
palānām pañcabhiḥ śataiḥ
von fünfhundert Pala

ardhaistadardhair ardhair vā bhuktimuktimavāpnuyāt / śakaṭaṃ vṛṣasaṃyuktaṃ dattvā yānena nākabhāk //

oder von der Hälfte, deren Hälfte oder wiederum der Hälfte, erlangt Genuss und Erlösung. Wer einen Wagen samt Stieren gegeben hat, gelangt auf einem Gefährt in den Himmel.

Wort für Wort
ardhaiḥ tat-ardhaiḥ
mit der Hälfte, deren Hälfte
śakaṭam vṛṣa-saṃyuktam
einen Wagen samt Stieren
dattvā
gegeben habend
yānena nāka-bhāj
auf einem Gefährt des Himmels teilhaftig

vastradānāllabhedāyurārogyaṃ svargamakṣayaṃ / dhānyagodhūmakalamayavādīn svargabhāg dadat //

Durch Gewandgabe erlangt man Leben, Gesundheit und unvergänglichen Himmel. Wer Getreide, Weizen, Kalama-Reis, Gerste und dergleichen gibt, hat teil am Himmel.

Wort für Wort
vastra-dānāt
durch Gewandgabe
āyuḥ ārogyam svargam akṣayam
Leben, Gesundheit, unvergänglichen Himmel
dhānya-godhūma-kalama-yava-ādīn
Getreide, Weizen, Kalama-Reis, Gerste usw.
svarga-bhāj dadat
gebend am Himmel teilhabend

āsanaṃ taijasaṃ pātraṃ lavaṇaṃ gandhacandanaṃ / dhūpaṃ dīpañca tāmvūlaṃ lohaṃ rūpyañca ratnakaṃ //

Sitz, Metallgefäß, Salz, Duftstoff und Sandel, Räucherwerk und Lampe, Betel, Eisen, Silber und Juwel,

Wort für Wort
āsanam taijasam pātram
Sitz, Metallgefäß
lavaṇam gandha-candanam
Salz, Duftstoff, Sandel
dhūpam dīpam tāmbūlam
Räucherwerk, Lampe, Betel
loham rūpyam ratnakam
Eisen, Silber, Juwel

tāmvūlaṃ = tāmbūlaṃ.

divyāni nānādravyāṇi dattvā syād bhuktimuktibhāk / tilāṃś ca tilapātrañca dattvā svargamavāpnuyāt //

und vielerlei himmlische [kostbare] Dinge – wer sie gegeben hat, hat teil an Genuss und Erlösung. Wer Sesam und ein Sesamgefäß gegeben hat, erlangt den Himmel.

Wort für Wort
divyāni nānā-dravyāṇi
vielerlei himmlische Dinge
bhukti-mukti-bhāj
an Genuss und Erlösung teilhabend
tilān tila-pātram
Sesam und Sesamgefäß
svargam avāpnuyāt
erlangt den Himmel

annadānāt paraṃ nāsti na bhūtaṃ na bhaviṣyati / hastyaśvarathadānāni dāsīdāsagṛhāṇi ca //

Es gibt nichts Höheres als die Speisegabe, es gab es nicht und wird es nicht geben. Die Gaben von Elefanten, Pferden und Wagen, von Sklavinnen, Sklaven und Häusern –

Wort für Wort
anna-dānāt param na asti
nichts ist höher als Speisegabe
na bhūtam na bhaviṣyati
es war nicht und wird nicht sein
hasti-aśva-ratha-dānāni
Gaben von Elefanten, Pferden, Wagen
dāsī-dāsa-gṛhāṇi
Sklavinnen, Sklaven, Häuser

annadānasya sarvāṇi kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīṃ / kṛtvāpi sumahatpāpaṃ yaḥ paścādannado bhavet //

sie alle sind nicht ein Sechzehntel der Speisegabe wert. Wer, auch nachdem er eine sehr große Sünde begangen hat, danach ein Speisegeber wird,

Wort für Wort
anna-dānasya kalām
eines Teils der Speisegabe
na arhanti ṣoḍaśīm
sind nicht das Sechzehntel wert
kṛtvā api su-mahat pāpam
auch nach sehr großer Sünde
paścāt anna-daḥ bhavet
danach Speisegeber wird

sarvapāpavinirmukto lokānāpnoti cākṣayān / pānīyañca prapāndattvā bhuktimuktimavāpnuyāt //

ist von allen Sünden befreit und erlangt unvergängliche Welten. Wer Trinkwasser und eine Tränke (Wasserstelle) gegeben hat, erlangt Genuss und Erlösung.

Wort für Wort
sarva-pāpa-vinirmuktaḥ
von allen Sünden befreit
lokān āpnoti akṣayān
erlangt unvergängliche Welten
pānīyam prapām dattvā
Trinkwasser und Tränke gegeben habend
bhukti-muktim
Genuss und Erlösung

agniṃ kāṣṭhañca mārgādau dattvā dīptyādimāpnuyāt / devagandharvanārībhirvimāne sevyate divi //

Wer auf dem Weg und dergleichen Feuer und Holz gegeben hat, erlangt Glanz und dergleichen; im Himmel wird er in einem Himmelswagen von Götter- und Gandharva-Frauen bedient.

Wort für Wort
agnim kāṣṭham mārga-ādau
Feuer und Holz am Weg usw.
dīpti-ādim āpnuyāt
erlangt Glanz usw.
deva-gandharva-nārībhiḥ
von Götter- und Gandharva-Frauen
vimāne sevyate divi
wird im Himmel im Himmelswagen bedient

ghṛtaṃ taikañca lavaṇaṃ dattvā sarvamavāpnuyāt / chatropānahakāṣṭhādi dattvā svarge sukhī vaset //

Wer Ghee, Öl und Salz gegeben hat, erlangt alles. Wer Schirm, Sandalen, Holz und dergleichen gegeben hat, lebt glücklich im Himmel.

Wort für Wort
ghṛtam tailam lavaṇam
Ghee, Öl, Salz
sarvam avāpnuyāt
erlangt alles
chatra-upānah-kāṣṭha-ādi
Schirm, Sandalen, Holz usw.
svarge sukhī vaset
lebt glücklich im Himmel

taikañca = tailañca.

pratipattithimukhyeṣu viṣkumbhādikayogake / caitrādau vatsarādau ca aśvinyādau hariṃ haraṃ //

An den wichtigsten Mondtagen wie dem ersten, an Yogas wie Viṣkumbha, am Anfang des Caitra und des Jahres, an [Mondhäusern wie] Aśvinī – Hari, Hara,

Wort für Wort
pratipat-tithi-mukhyeṣu
an den wichtigsten Mondtagen wie dem ersten
viṣkumbha-ādika-yogake
an Yogas wie Viṣkumbha
caitra-ādau vatsara-ādau
am Anfang des Caitra, des Jahres
aśvinī-ādau
an Aśvinī usw.
harim haram
Hari, Hara

brahmāṇaṃ lokapālādīn prārcya dānaṃ mahāphalaṃ / vṛkṣārāmān bhojanādīn mārgasaṃvāhanādikān //

Brahmā, die Welthüter und die übrigen verehrt habend, ist die Gabe von großer Frucht. Bäume und Gärten, Speisen und dergleichen, Beförderung auf dem Weg und dergleichen,

Wort für Wort
brahmāṇam loka-pāla-ādīn
Brahmā, die Welthüter usw.
prārcya dānam mahā-phalam
verehrt habend ist die Gabe von großer Frucht
vṛkṣa-ārāmān
Bäume, Gärten
bhojana-ādīn
Speisen usw.
mārga-saṃvāhana-ādikān
Beförderung auf dem Weg usw.

mārgasaṃvāhana unsicher: „Tragen/Beförderung auf dem Weg“ oder „Massage für Reisende“.

pādābhyaṅgādikaṃ dattvā bhuktimuktimavāpnuyāt / trīṇi tulyaphalānīha gāvaḥ pṛthvī sarasvatī //

Fußsalbung und dergleichen gegeben – erlangt man Genuss und Erlösung. Drei [Dinge] sind hier gleich an Frucht: Kühe, Erde und Sarasvatī (das Wissen).

Wort für Wort
pāda-abhyaṅga-ādikam
Fußsalbung usw.
trīṇi tulya-phalāni
drei sind gleich an Frucht
gāvaḥ pṛthvī sarasvatī
Kühe, Erde, Wissen

vrāhmīṃ sarasvatīndattvā nirmalo brahmalokabhāk / saptadvīpamahīdaḥ sa brahmajñānaṃ dadāti yaḥ //

Wer die brahmanische Sarasvatī (das vedische Wissen) gegeben hat, wird makellos und hat teil an der Brahman-Welt. Der gibt die Erde mit ihren sieben Kontinenten, wer Brahman-Erkenntnis gibt.

Wort für Wort
brāhmīm sarasvatīm dattvā
das brahmanische Wissen gegeben habend
nirmalaḥ brahma-loka-bhāj
makellos, an der Brahman-Welt teilhabend
sapta-dvīpa-mahī-daḥ
Geber der Erde mit sieben Kontinenten
brahma-jñānam dadāti
gibt Brahman-Erkenntnis

vrāhmīṃ = brāhmīṃ.

abhayaṃ sarvabhūtebhyo yo dadyāt sarvabhāṅ naraḥ / purāṇaṃ bhārataṃ vāpi rāmāyaṇamathāpi vā //

Der Mensch, der allen Wesen Furchtlosigkeit gibt, hat an allem teil. Wer ein Purāṇa, das Bhārata oder auch das Rāmāyaṇa

Wort für Wort
abhayam sarva-bhūtebhyaḥ
Furchtlosigkeit allen Wesen
sarva-bhāj naraḥ
der Mensch hat an allem teil
purāṇam bhāratam
ein Purāṇa, das Bhārata
rāmāyaṇam
das Rāmāyaṇa

likhitvā pustakaṃ dattvā bhuktimuktimavāpnuyāt / vedaśāstraṃ nṛtyagītaṃ yo 'dhyāpayati nākabhāk //

als Buch abgeschrieben und gegeben hat, erlangt Genuss und Erlösung. Wer Veda und Lehrbücher, Tanz und Gesang lehrt, hat teil am Himmel.

Wort für Wort
likhitvā pustakam dattvā
ein Buch geschrieben und gegeben habend
veda-śāstram
Veda und Lehrbücher
nṛtya-gītam
Tanz und Gesang
yaḥ adhyāpayati nāka-bhāj
wer lehrt, hat teil am Himmel

vittaṃ dadyādupādhyāye chātrāṇāṃ bhojanādikaṃ / kimadattaṃ bhavettena dharmakāmādidarśinā //

Man gebe dem Lehrer Vermögen, den Schülern Speise und dergleichen. Was hätte der nicht gegeben, der [so] Dharma, Kāma und die übrigen [Ziele] im Blick hat?

Wort für Wort
vittam dadyāt upādhyāye
dem Lehrer gebe man Vermögen
chātrāṇām bhojana-ādikam
den Schülern Speise usw.
kim adattam bhavet tena
was wäre von ihm nicht gegeben
dharma-kāma-ādi-darśinā
von dem, der Dharma, Kāma usw. im Blick hat

vājapeyasahasrasya samyagdattasya yat phalaṃ / tatphalaṃ sarvamāpnoti vidyādānanna saṃśayaḥ //

Welche Frucht tausend richtig dargebrachte Vājapeya-Opfer haben – diese ganze Frucht erlangt [man durch] die Wissensgabe, ohne Zweifel.

Wort für Wort
vājapeya-sahasrasya
von tausend Vājapeya-Opfern
samyak dattasya
richtig dargebracht
tat phalam sarvam āpnoti
diese ganze Frucht erlangt er
vidyā-dānam
die Wissensgabe
na saṃśayaḥ
ohne Zweifel

śivālaye viṣṇugṛhe sūryasya bhavane tathā / sarvadānapradaḥ sa syāt pustakaṃ vācayettu yaḥ //

In einem Śiva-Tempel, in einem Viṣṇu-Haus und ebenso im Heiligtum der Sonne – der ist Geber aller Gaben, wer [dort] ein Buch vorlesen lässt.

Wort für Wort
śiva-ālaye viṣṇu-gṛhe
im Śiva-Tempel, im Viṣṇu-Haus
sūryasya bhavane
im Heiligtum der Sonne
sarva-dāna-pradaḥ
Geber aller Gaben
pustakam vācayet
ein Buch vorlesen lässt

trailokye caturo varṇāś catvāraścāśramāḥ pṛthak / brahmādyā devatāḥ sarvā vidyādāne pratiṣṭhatāḥ //

In den drei Welten beruhen die vier Kasten, die vier Lebensstadien einzeln und alle Götter, beginnend mit Brahmā, auf der Wissensgabe.

Wort für Wort
trailokye
in den drei Welten
caturaḥ varṇāḥ
die vier Kasten
catvāraḥ āśramāḥ pṛthak
die vier Lebensstadien einzeln
brahma-ādyāḥ devatāḥ
die Götter ab Brahmā
vidyā-dāne pratiṣṭhitāḥ
beruhen auf der Wissensgabe

pratiṣṭhatāḥ = pratiṣṭhitāḥ.

vidyā kāmadughā dhenurvidyā cakṣuranuttamaṃ / upavedapradānena gandharvaiḥ saha modate //

Wissen ist die Wunschkuh, Wissen das unübertroffene Auge. Durch die Gabe der Upavedas freut man sich mit den Gandharvas;

Wort für Wort
vidyā kāma-dughā dhenuḥ
Wissen ist die Wunschkuh
vidyā cakṣuḥ anuttamam
Wissen ist das unübertroffene Auge
upaveda-pradānena
durch Gabe der Upavedas
gandharvaiḥ saha modate
freut sich mit den Gandharvas

vedāṅgānāñca dānena svargalokamavāpnuyāt / dharmaśāstrapradānena dharmeṇa saha modate //

durch die Gabe der Vedāṅgas erlangt man die Himmelswelt; durch die Gabe der Dharmaśāstras freut man sich mit Dharma.

Wort für Wort
vedāṅgānām dānena
durch Gabe der Vedāṅgas
svarga-lokam avāpnuyāt
erlangt die Himmelswelt
dharma-śāstra-pradānena
durch Gabe der Rechtsbücher
dharmeṇa saha modate
freut sich mit Dharma

siddhāntānāṃ pradānena mokṣamāpnotyasaṃśayaṃ / vidyādānamavāpnoti pradānāt pustakasya tu //

Durch die Gabe der Siddhāntas (Lehrwerke) erlangt man zweifellos die Erlösung. Durch die Gabe eines Buches aber erlangt man [das Verdienst] der Wissensgabe.

Wort für Wort
siddhāntānām pradānena
durch Gabe der Lehrwerke
mokṣam āpnoti asaṃśayam
erlangt zweifellos Erlösung
vidyā-dānam avāpnoti
erlangt die Wissensgabe
pradānāt pustakasya
durch Gabe eines Buches

śāstrāṇi ca purāṇāni dattvā sarvamavāpnuyāt / śiṣyāṃś ca śikṣayedyastu puṇḍalīkaphalaṃ labhet //

Wer Lehrbücher und Purāṇas gegeben hat, erlangt alles. Wer aber Schüler unterweist, erlangt die Frucht eines Puṇḍarīka-Opfers.

Wort für Wort
śāstrāṇi purāṇāni dattvā
Lehrbücher und Purāṇas gegeben habend
sarvam avāpnuyāt
erlangt alles
śiṣyān śikṣayet
wer Schüler unterweist
puṇḍarīka-phalam labhet
erlangt die Frucht des Puṇḍarīka-Opfers

puṇḍalīka = puṇḍarīka.

yena jīvati taddattvā phalasyānto na vidyate / loke sreṣṭhatamaṃ sarvamātmanaścāpi yat priyaṃ //

Wer das gegeben hat, wovon [ein anderer] lebt – dessen Frucht hat kein Ende. Was in der Welt das Allerbeste ist und was einem selbst lieb ist,

Wort für Wort
yena jīvati tat dattvā
das gegeben, wovon einer lebt
phalasya antaḥ na vidyate
der Frucht Ende gibt es nicht
loke śreṣṭhatamam sarvam
alles Beste in der Welt
ātmanaḥ api yat priyam
und was einem selbst lieb ist

sreṣṭhatamaṃ = śreṣṭhatamaṃ.

sarvaṃ pitṝṇāṃ dātavyaṃ teṣāmevākṣayārthinā / viṣṇuṃ rudraṃ padmayoniṃ devīvighneśvarādikān //

all das ist den Ahnen zu geben von dem, der für sie Unvergänglichkeit wünscht. Viṣṇu, Rudra, den Lotosgeborenen (Brahmā), die Göttin, Vighneśvara (Gaṇeśa) und die übrigen

Wort für Wort
sarvam pitṝṇām dātavyam
alles ist den Ahnen zu geben
teṣām eva akṣaya-arthinā
von dem, der für sie Unvergänglichkeit wünscht
viṣṇum rudram padma-yonim
Viṣṇu, Rudra, den Lotosgeborenen
devī-vighneśvara-ādikān
die Göttin, Gaṇeśa usw.

pūjayitvā pradadyādyaḥ pūjādravyaṃ sa sarvabhāk / devālayaṃ ca pratimāṃ kārayat sarvamāpnuyāt //

verehrt habend – wer Verehrungsmittel gibt, der hat an allem teil. Wer einen Tempel und ein Götterbild errichten lässt, erlangt alles.

Wort für Wort
pūjayitvā
verehrt habend
pūjā-dravyam pradadyāt
wer Verehrungsmittel gibt
sarva-bhāj
an allem teilhabend
deva-ālayam pratimām
einen Tempel und ein Götterbild
kārayet sarvam āpnuyāt
errichten lässt, erlangt alles

kārayat = kārayet.

sammārjanaṃ copalepaṃ kurvan syānnirmalaḥ pumān / nānāmaṇḍalakāryagre maṇḍalādhipatirbhavet //

Wer [den Tempel] fegt und [mit Kuhdung] bestreicht, wird ein makelloser Mensch. Wer vor [der Gottheit] vielerlei Maṇḍalas anlegt, wird Herr eines Landkreises (Maṇḍala).

Wort für Wort
sammārjanam upalepam
Fegen und Bestreichen
kurvan nirmalaḥ pumān
tuend wird ein makelloser Mensch
nānā-maṇḍala-kārī agre
wer vorne vielerlei Maṇḍalas anlegt
maṇḍala-adhipatiḥ bhavet
wird Herr eines Landkreises

nānāmaṇḍalakāryagre = nānāmaṇḍalakārī agre; Wortspiel mit maṇḍala.

gandhaṃ puṣpaṃ dhūpadīpaṃ naivedyañca pradakṣiṇaṃ / ghaṇṭādhvajavitānañca prekṣaṇaṃ vādyagautakaṃ //

Duftstoff, Blume, Räucherwerk und Lampe, Speiseopfer und Umwandlung (Pradakṣiṇa), Glocke, Banner und Baldachin, Schauspiel, Instrumentalmusik und Gesang,

Wort für Wort
gandham puṣpam dhūpa-dīpam
Duftstoff, Blume, Räucherwerk, Lampe
naivedyam pradakṣiṇam
Speiseopfer, Umwandlung
ghaṇṭā-dhvaja-vitānam
Glocke, Banner, Baldachin
prekṣaṇam vādya-gītakam
Schauspiel, Musik, Gesang

gautakaṃ wohl = gītakaṃ.

vastrādidattvādevāya bhuktimuktimavāpnuyāt / kastūrikāṃ śihlakañca śrīkhaṇḍamagurūntathā //

Gewänder und dergleichen – wer sie der Gottheit gegeben hat, erlangt Genuss und Erlösung. Moschus, Śihlaka-Harz, Sandel (Śrīkhaṇḍa) und ebenso Aguru,

Wort für Wort
vastra-ādi dattvā devāya
Gewänder usw. der Gottheit gegeben habend
bhukti-muktim
Genuss und Erlösung
kastūrikām śihlakam
Moschus, Śihlaka-Harz
śrīkhaṇḍam agurum
Sandel, Aguru

karpūrañca tathāmustaṃ gugguluṃ vijayaṃ dadet / ghṛtaprasthena saṃsthāpya saṅkrāntyādau sa sarvabhāk //

Kampfer und ebenso Musta, Guggulu und Vijaya gebe man. Wer [die Gottheit] mit einem Prastha Ghee zur Saṅkrānti und dergleichen badet [?], der hat an allem teil.

Wort für Wort
karpūram mustam
Kampfer, Musta
guggulum vijayam dadyāt
Guggulu, Vijaya gebe man
ghṛta-prasthena saṃsthāpya
mit einem Prastha Ghee [badend]
saṅkrānti-ādau
zur Saṅkrānti usw.
saḥ sarva-bhāj
der hat an allem teil

saṃsthāpya „aufgestellt habend“ wohl für snāpya „gebadet habend“; vijaya bezeichnet hier wohl eine Duft- oder Heilpflanze.

snānaṃ palaśataṃ jñeyamabhyaṅgaṃ pañcaviṃśatiḥ / palānāntu sahasreṇa mahāsnānaṃ prakīrtitaṃ //

Ein Bad ist mit hundert Pala anzusetzen, eine Salbung mit fünfundzwanzig; mit tausend Pala heißt es ein großes Bad.

Wort für Wort
snānam pala-śatam jñeyam
ein Bad sind hundert Pala
abhyaṅgam pañcaviṃśatiḥ
eine Salbung fünfundzwanzig
palānām sahasreṇa
mit tausend Pala
mahā-snānam prakīrtitam
heißt es großes Bad

daśāparādhāstoyena kṣīreṇa snāpanācchataṃ / sahasraṃ payasā dadhnā ghṛtenāyutamiṣyate //

Durch Baden [der Gottheit] mit Wasser [werden] zehn Vergehen [getilgt], mit Milch hundert, tausend mit Milch [und] Dickmilch [?], zehntausend mit Ghee, so gilt es.

Wort für Wort
daśa aparādhāḥ toyena
zehn Vergehen durch Wasser
kṣīreṇa snāpanāt śatam
hundert durch Baden mit Milch
sahasram payasā dadhnā
tausend mit Milch, Dickmilch
ghṛtena ayutam iṣyate
zehntausend mit Ghee

Die Unterscheidung kṣīra/payas ist unklar.

dāsīdāsamalaṅkāraṃ gobhūmyaśvagajādikaṃ / devāya dattvā saubhāgyaṃ dhanāyuṣmān vrajeddivaṃ //

Wer Sklavin, Sklave, Schmuck, Kuh, Land, Pferd, Elefant und dergleichen der Gottheit gegeben hat, gelangt mit Glück, Reichtum und langem Leben in den Himmel.

Wort für Wort
dāsī-dāsam alaṅkāram
Sklavin, Sklave, Schmuck
go-bhūmi-aśva-gaja-ādikam
Kuh, Land, Pferd, Elefant usw.
devāya dattvā
der Gottheit gegeben habend
saubhāgyam dhana-āyuṣmān
Glück, reich und langlebig
vrajet divam
gelangt in den Himmel

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