Kapitel 225: sāmādyupāyaḥ
Die Mittel der Politik (Versöhnung usw.)
Puṣkara erörtert das Verhältnis von Schicksal und menschlicher Anstrengung, nennt die sieben Mittel der Politik (Versöhnung, Geschenk, Entzweiung, Gewalt, Täuschung, Nichtbeachtung, Gaukelei) und erläutert Versöhnung, Entzweiung, Geschenk und Strafgewalt; zuletzt wird der König mit Sonne, Mond, Wind, Yama, Agni, Kubera, Varuṇa, Erde und Hari verglichen. Titelfeld der Quelle: rājadharmāḥ, Kolophon: sāmādyupāyaḥ. In V. 11 ist koṣa wohl kopa zu lesen; V. 21 ist ein Halbvers.
Puṣkara sprach: Wisse, das „Schicksal“ Genannte ist nichts anderes als das eigene, in einem früheren Körper erworbene Tun. Deshalb erklären die Weisen die menschliche Anstrengung hier für das Vorzüglichere.
Ebenso wird ein widriges Schicksal durch menschliche Anstrengung überwunden. Aus früherem reinem (sāttvika) Handeln kann Erfolg auch ohne Anstrengung entstehen.
Die Anstrengung trägt, wenn das Schicksal günstig ist, zur rechten Zeit Frucht, o Bhārgava; Schicksal und Mannestat – beide zusammen bringen dem Menschen Frucht.
kṛṣervṛṣṭisamāyogāt kāle syuḥ phalasiddhayaḥ / sadharmaṃ pauruṣaṃ kuryānnālaso na ca daivavān //
Wie durch das Zusammenwirken von Ackerbau und Regen zur rechten Zeit die Früchte gedeihen, [so auch hier]. Man übe rechtmäßige Anstrengung, sei weder träge noch verlasse man sich auf das Schicksal.
Durch die Mittel wie Versöhnung usw. aber gelingen alle Unternehmungen. Versöhnung (sāman) und Geschenk (upapradāna), ferner Entzweiung (bheda) und Gewalt (daṇḍa),
Täuschung (māyā), Nichtbeachtung (upekṣā) und Gaukelei (indrajāla) – das sind die sieben Mittel; höre sie. Die Versöhnung wird als zweifach bezeichnet: wahrhaftig und unwahrhaftig.
tatrāpyatathyaṃ sādhūnāmākrośāyaiva jāyate / mahākulīnā hy ṛjavo dharmanityā jitendriyāḥ //
Davon führt die unwahrhaftige bei den Guten nur zu Schmähung. Denn die aus vornehmem Geschlecht, die Aufrichtigen, stets Pflichttreuen und Sinnesbezwungenen
sāmasādhyā atathyaiś ca gṛhyante rākṣasā api / tathā taduprakārāṇāṃ kṛtānāñcaiva varṇanaṃ //
sind durch [wahrhaftige] Versöhnung zu gewinnen; durch unwahrhaftige [Worte] werden sogar Rākṣasas gewonnen. Ebenso [gehört dazu] das Aufzählen der von ihnen erwiesenen Wohltaten.
ātmīyān darśayedāśāṃ yena doṣeṇa bibhyati / parāstenaiva te bhedyā rakṣyo vai jñātibhedakaḥ //
Den Eigenen zeige er Hoffnung; mit eben dem Fehler, vor dem sie sich fürchten, sind die Fremden zu entzweien. Vor dem, der die Verwandten entzweit, muss man sich hüten [?].
Wort für Wort
ātmīyān
den Eigenen
darśayet āśām
er zeige Hoffnung
yena doṣeṇa bibhyati
vor welchem Fehler sie sich fürchten
parāḥ bhedyāḥ
die Fremden sind zu entzweien
rakṣyaḥ jñāti-bhedakaḥ
vor dem Verwandten-Entzweier ist man zu schützen [?]
Äußerer Aufruhr [kommt] von den Grenznachbarn, [innerer] von Ratgebern, Ministern, Söhnen usw. Hat er den inneren Aufruhr beschwichtigt und [ihn] beim Feind erregt, so besiege er diesen.
Wort für Wort
sāmanta-kopaḥ bāhyaḥ
äußerer Aufruhr durch Grenznachbarn
mantri-amātya-ātmaja-ādikaḥ
durch Ratgeber, Minister, Söhne usw.
antaḥ-kopam upaśāmya
den inneren Aufruhr beschwichtigend
śatroḥ kurvan
beim Feind erregend
tam jayet
er besiege ihn
koṣa ist hier offenbar als kopa („Aufruhr, Empörung“) zu lesen (sāmanta-kopa, antaḥ-kopa).
dānavāneva śaknoti saṃhatān bhedituṃ parān / trayāsādhyaṃ sādhayettaṃ daṇḍena ca kṛtena ca //
Nur wer freigebig ist, vermag vereinte Feinde zu entzweien. Was durch diese drei nicht zu erreichen ist, das erreiche er durch die Gewalt, wenn sie angewandt wird.
Auf der Strafgewalt ruht alles; schlecht gehandhabt, richtet die Strafgewalt zugrunde. Ein König, der Straflose straft, geht zugrunde, ebenso wenn er Strafwürdige nicht straft.
Götter, Daityas, Schlangen, Menschen, Siddhas, Geister und Vögel würden ihre eigenen Grenzen überschreiten, wenn [der König] die Strafgewalt nicht aufrechterhielte.
Denn wegen seines Glanzes ist der König schwer anzublicken, darum [ist er] wie die Sonne; durch seinen Anblick gewinne er dann die Gunst der Leute wie der Mond.
Wenn er den Übelgesinnten verbrennt, ist er Pāvaka [das Feuer]; weil er den Zweimalgeborenen Gaben spendet, ist er deshalb der Herr des Reichtums [Kubera].
Weil er Ströme von Reichtum auf Götter usw. herabregnen lässt, gilt er als Varuṇa [?]; indem er die Welten in Geduld trägt, wird der Erdherr (pārthiva) zur Erde (pṛthivī) gleich [Anm.: Wortspiel].