Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 236: śrīstotram Lobpreis der Śrī

Puṣkara überliefert den Lobpreis, mit dem einst Indra die Göttin Śrī (Lakṣmī) pries, um die Beständigkeit seines Reiches zu sichern; der König soll ihn um des Sieges willen sprechen. Die Hymne feiert Śrī als Mutter der Welt, Verkörperung allen Wissens und Quelle aller Tugenden und allen Wohlstands. Einzelne Tippfehler der Digitalisierung (V. 2, 3, 5, 10, 13).

puṣkara uvāca | rājyalakṣmīsthiratvāya yathendreṇa purā śriyaḥ / stutiḥ kṛtā tathā rājā jayārthaṃ stutimācaret //

Puṣkara sprach: Wie einst Indra zur Festigung des königlichen Glücks einen Lobpreis der Śrī vollzog, so soll [auch] der König um des Sieges willen den Lobpreis vollziehen.

Wort für Wort
rājya-lakṣmī-sthiratvāya
zur Festigung des Königsglücks
yathā indreṇa purā
wie einst von Indra
śriyaḥ stutiḥ kṛtā
ein Lobpreis der Śrī vollzogen
jaya-artham
um des Sieges willen
stutim ācaret
soll den Lobpreis vollziehen

indra uvāca | namasye sarvalokānāṃ jananīmabdhisambhavāṃ / śriyamunnindrapadmākṣīṃ viṣṇuvakṣaḥsthalasthitāṃ //

Indra sprach: Ich verneige mich vor Śrī, der Mutter aller Welten, der aus dem Ozean Entstandenen, mit Augen wie erblühte Lotosblumen, die auf Viṣṇus Brust weilt.

Wort für Wort
namasye
ich verneige mich
sarva-lokānām jananīm
die Mutter aller Welten
abdhi-sambhavām
die aus dem Meer Entstandene
unnidra-padma-akṣīm
mit Augen wie erblühte Lotosse
viṣṇu-vakṣaḥ-sthala-sthitām
auf Viṣṇus Brust weilend

unnindra wohl für unnidra (‚erblüht‘).

tvaṃ siddhistvaṃ svadhā svāhā sudhā tvaṃ lokapāvani / sandhayā rātriḥ prabhā bhūtirmedhā śraddhā sarasvatī //

Du bist das Gelingen (siddhi), du Svadhā und Svāhā, du der Nektar, o Reinigerin der Welt; [du bist] Dämmerung, Nacht, Glanz, Wohlstand, Einsicht, Glaube und Sarasvatī.

Wort für Wort
tvam siddhiḥ
du bist das Gelingen
svadhā svāhā
Svadhā und Svāhā (Opferrufe)
sudhā
Nektar
loka-pāvani
o Reinigerin der Welt
sandhyā rātriḥ prabhā bhūtiḥ
Dämmerung, Nacht, Glanz, Wohlstand
medhā śraddhā sarasvatī
Einsicht, Glaube, Sarasvatī

sandhayā für sandhyā.

yajñavidyā mahāvidyā guhyavidyā ca śobhane / ātmavidyā ca devi tvaṃ vimuktiphaladāyinī //

Du bist das Opferwissen, das große Wissen und das geheime Wissen, o Schöne, und das Wissen vom Selbst, o Göttin, die du die Frucht der Erlösung verleihst.

Wort für Wort
yajña-vidyā
Opferwissen
mahā-vidyā
großes Wissen
guhya-vidyā
geheimes Wissen
ātma-vidyā
Wissen vom Selbst
vimukti-phala-dāyinī
Erlösungsfrucht verleihend

ānvīkṣikī trayī vārtā daṇḍanītistvameva ca / saumyā saumyair jagadrūpaistvayaitaddevi pūritaṃ //

Du allein bist die Logik (ānvīkṣikī), die drei Veden (trayī), die Wirtschaftskunde (vārtā) und die Staatskunst (daṇḍanīti). Durch dich, o Göttin, ist diese Welt mit milden und nicht milden [?] Weltgestalten erfüllt.

Wort für Wort
ānvīkṣikī
Logik, Untersuchungskunde
trayī
die drei Veden
vārtā
Wirtschaftskunde
daṇḍa-nītiḥ
Staatskunst
saumya-asaumyaiḥ jagat-rūpaiḥ
mit milden und rauen Weltgestalten
pūritam
erfüllt

saumyā saumyaiḥ wohl für saumyāsaumyaiḥ.

kā tvanyā tvāmṛte devi sarvayajñamayaṃ vapuḥ / adhyāste deva devasya yogicintyaṃ gadābhṛtaḥ //

Welche andere als du, o Göttin, bewohnt den aus allen Opfern bestehenden Leib des Gottes der Götter, des Keulenträgers, über den die Yogins meditieren?

Wort für Wort
kā tu anyā tvām ṛte
welche andere außer dir
sarva-yajña-mayam vapuḥ
den aus allen Opfern bestehenden Leib
adhyāste
bewohnt
yogi-cintyam
von Yogins zu bedenken
gadā-bhṛtaḥ
des Keulenträgers

tvayā devi parityaktaṃ sakalaṃ bhuvanatrayaṃ / vinaṣṭaprāyamabhavat tvayedānīṃ samedhitaṃ //

Von dir verlassen, o Göttin, war die gesamte Dreiwelt nahezu zugrunde gegangen; nun ist sie durch dich wieder zum Gedeihen gebracht.

Wort für Wort
tvayā parityaktam
von dir verlassen
sakalam bhuvana-trayam
die ganze Dreiwelt
vinaṣṭa-prāyam abhavat
war fast zugrunde gegangen
idānīm
nun
samedhitam
zum Gedeihen gebracht

dārāḥ putrās tathāgāraṃ suhṛddhānyadhanādikaṃ / bhavatyetanmahābhāge nityaṃ tvadvīkṣaṇān nṛṇāṃ //

Gattinnen, Söhne und ebenso Haus, Freunde, Getreide, Reichtum und dergleichen – dies wird den Menschen stets durch deinen Blick zuteil, o Hochbeglückte.

Wort für Wort
dārāḥ putrāḥ
Gattinnen, Söhne
āgāram suhṛd
Haus, Freund
dhānya-dhana-ādikam
Getreide, Reichtum usw.
mahā-bhāge
o Hochbeglückte
tvad-vīkṣaṇāt nṛṇām
durch deinen Blick den Menschen

śarīrārogyamaiśvaryamaripakṣakṣayaḥ sukhaṃ / devi tvaddṛṣṭidṛṣṭānāṃ puruṣāṇāṃ na durlabhaṃ //

Körperliche Gesundheit, Herrschaft, Vernichtung der Feindespartei und Glück sind für Männer, die von deinem Blick erfasst sind, o Göttin, nicht schwer zu erlangen.

Wort für Wort
śarīra-ārogyam
Gesundheit des Körpers
aiśvaryam
Herrschaft
ari-pakṣa-kṣayaḥ
Vernichtung der Feindespartei
tvad-dṛṣṭi-dṛṣṭānām
der von deinem Blick Gesehenen
na durlabham
nicht schwer erlangbar

tvamambā sarvabhūtānāṃ devadevo hariḥ pitā / tvayaitadvoiṣṇunā cāmba jagadvyāptaṃ carācaraṃ //

Du bist die Mutter aller Wesen, der Gott der Götter Hari der Vater; von dir und von Viṣṇu, o Mutter, ist diese Welt, das Bewegte und Unbewegte, durchdrungen.

Wort für Wort
tvam ambā sarva-bhūtānām
du bist die Mutter aller Wesen
hariḥ pitā
Hari der Vater
tvayā viṣṇunā ca
von dir und Viṣṇu
jagat vyāptam
die Welt durchdrungen
cara-acaram
Bewegtes und Unbewegtes

voiṣṇunā für viṣṇunā.

mānaṃ koṣaṃ tathā koṣṭhaṃ mā gṛhaṃ mā paricchadaṃ / mā śarīraṃ kalatrañca tyajethāḥ sarvapāvani //

Verlass nicht meine Ehre, meinen Schatz, ebenso nicht meine Vorratskammer, nicht mein Haus, nicht mein Gefolge, nicht meinen Leib und meine Gattin, o Allreinigende;

Wort für Wort
mānam koṣam
Ehre, Schatz
koṣṭham
Vorratskammer
mā gṛham mā paricchadam
nicht das Haus, nicht das Gefolge
śarīram kalatram
Leib, Gattin
mā tyajethāḥ
verlass nicht
sarva-pāvani
o Allreinigende

mānaṃ viell. für mā naḥ; hier als ‚Ehre‘ übersetzt.

mā putrānmāsuhṛdvargānmā paśūnmā vibhūṣaṇaṃ / tyajethā mama devasya viṣṇorvakṣaḥsthalālaye //

verlass nicht meine Söhne, nicht den Kreis meiner Freunde, nicht mein Vieh, nicht meinen Schmuck, o du, die du auf der Brust des Gottes Viṣṇu wohnst.

Wort für Wort
mā putrān
nicht die Söhne
mā suhṛd-vargān
nicht den Freundeskreis
mā paśūn
nicht das Vieh
mā vibhūṣaṇam
nicht den Schmuck
viṣṇoḥ vakṣaḥ-sthala-ālaye
die du auf Viṣṇus Brust wohnst

sattvena satyaśaucābhyāṃ tathā śīlādibhirguṇaiḥ / tyajante te narā sadyaḥ santyaktā ye tvayāmale //

Von Lauterkeit, Wahrhaftigkeit und Reinheit und ebenso von den Tugenden wie gutem Wandel werden jene Menschen sogleich verlassen, die von dir verlassen sind, o Makellose.

Wort für Wort
sattvena
von Lauterkeit
satya-śaucābhyām
von Wahrhaftigkeit und Reinheit
śīla-ādibhiḥ guṇaiḥ
von Tugenden wie gutem Wandel
tyajyante sadyaḥ
werden sogleich verlassen
santyaktāḥ tvayā amale
von dir verlassen, o Makellose

tyajante für tyajyante.

tvayāvalokitāḥ sadyaḥ śīlādyair akhilair guṇaiḥ / kulaiśvaryaiś ca yujyante puruṣā nirguṇā api //

Von dir angeblickt, werden Männer, selbst wenn sie ohne Vorzüge sind, sogleich mit allen Tugenden wie gutem Wandel, mit edler Herkunft und Macht verbunden.

Wort für Wort
tvayā avalokitāḥ
von dir angeblickt
śīla-ādyaiḥ akhilaiḥ guṇaiḥ
mit allen Tugenden wie gutem Wandel
kula-aiśvaryaiḥ
mit Herkunft und Macht
yujyante
werden verbunden
nirguṇāḥ api
auch die Vorzugslosen

sa ślāghyaḥ sa guṇī dhanyaḥ sa kulīnaḥ sa buddhimān / sa śūraḥ sa ca vikrānto yastvayā devi vīkṣitaḥ //

Der ist rühmenswert, der ist tugendhaft und glücklich, der ist von edler Herkunft, der ist verständig, der ist tapfer und kühn, den du, o Göttin, angeblickt hast.

Wort für Wort
ślāghyaḥ
rühmenswert
guṇī dhanyaḥ
tugendhaft, glücklich
kulīnaḥ buddhimān
edel, verständig
śūraḥ vikrāntaḥ
tapfer, kühn
yaḥ tvayā vīkṣitaḥ
wen du angeblickt hast

sadyo vaiguṇyamāyānti śīlādyāḥ sakalā guṇāḥ / parāṅmukhī jagaddhātrī yasya tvaṃ viṣṇuvallabhe //

Sogleich werden alle Tugenden wie guter Wandel zu Untugenden bei dem, von dem du dich abwendest, o Welterhalterin, Geliebte Viṣṇus.

Wort für Wort
sadyaḥ vaiguṇyam āyānti
werden sogleich zu Untugenden
śīla-ādyāḥ sakalāḥ guṇāḥ
alle Tugenden wie guter Wandel
parāṅmukhī
abgewandt
jagad-dhātrī
Welterhalterin
viṣṇu-vallabhe
o Geliebte Viṣṇus

na te varṇayituṃ śaktā guṇān jihvāpi vedhasaḥ / prasīda devi padmākṣi nāsmāṃstyākṣīḥ kadācana //

Nicht einmal die Zunge des Schöpfers vermag deine Vorzüge zu beschreiben. Sei gnädig, o lotosäugige Göttin, verlass uns niemals!

Wort für Wort
na te varṇayitum śaktā
vermag dich nicht zu beschreiben
guṇān
die Vorzüge
jihvā api vedhasaḥ
selbst die Zunge des Schöpfers
prasīda devi padma-akṣi
sei gnädig, lotosäugige Göttin
na asmān tyākṣīḥ kadācana
verlass uns niemals

puṣkara uvāca | evaṃ stutā dadau śrīś ca varamindrāya cepsitaṃ / susthiratvaṃ ca rājyasya saṅgrāmavijayādikaṃ //

Puṣkara sprach: So gepriesen, gewährte Śrī Indra die erwünschte Gnade: die feste Beständigkeit seines Reiches, den Sieg in der Schlacht und dergleichen.

Wort für Wort
evam stutā
so gepriesen
dadau śrīḥ
gab Śrī
varam īpsitam
die erwünschte Gnade
susthiratvam rājyasya
feste Beständigkeit des Reiches
saṅgrāma-vijaya-ādikam
Sieg in der Schlacht usw.

svastotrapāṭhaśravaṇakartṝṇāṃ bhuktimuktidaṃ / śrīstotraṃ satataṃ tasmāt paṭhecca śṛṇuyānnaraḥ //

Denen, die ihren Lobpreis rezitieren oder hören, gewährt sie Genuss und Erlösung. Darum soll ein Mann den Śrī-Lobpreis beständig rezitieren und hören.

Wort für Wort
sva-stotra-pāṭha-śravaṇa-kartṝṇām
denen, die ihren Lobpreis lesen und hören
bhukti-mukti-dam
Genuss und Erlösung gewährend
śrī-stotram
den Śrī-Lobpreis
satatam
beständig
paṭhet śṛṇuyāt naraḥ
soll der Mann rezitieren und hören

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