Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 241: rāmoktarājanītiḥ Die von Rāma gelehrte Staatskunst (Heereszug und Schlachtordnungen)

Rāma beschreibt die sechs Heeresarten, die Marschordnung, günstige Gelegenheiten für Überfälle und den listigen Kampf, die Aufgaben von Elefanten, Wagen, Pferden und Fußvolk, das geeignete Gelände, Belohnungen der Krieger und ausführlich die Schlachtordnungen (Stab, Schlange, Kreis, Ungeschlossener mit ihren Unterarten); zum Schluss stellt Agni den Bezug zu Rāmas und Lakṣmaṇas Siegen her. Die Abschnitte über die Unterarten der Schlachtordnungen (bes. V. 52–54, 65–68, 71) sind stark verkürzt und in der Digitalisierung vielfach entstellt. Der Titel lautet in der Eingabe ‚rājanītiḥ‘, im Kolophon ‚rāmoktarājanītiḥ‘.

rāma uvāca | ṣaḍvidhantu balaṃ vyūhya devān prārcya ripuṃ vrajet / maulaṃ bhūtaṃ śroṇisuhṛddviṣadāṭavikaṃ balaṃ //

Rāma sprach: Nachdem er das sechsfache Heer in Schlachtordnung aufgestellt und die Götter verehrt hat, soll er gegen den Feind ziehen: Stammtruppen, Söldner, Gildentruppen, Verbündete, (übergelaufene) Feinde und Waldstämme (bilden) das Heer.

Wort für Wort
ṣaḍvidha bala
sechsfaches Heer
vyūhya
in Schlachtordnung aufgestellt
prārcya
verehrt habend
maula
Stammtruppe
bhṛta
Söldner
śreṇi
Gilde

bhūtaṃ für bhṛtaṃ ‚Söldner‘, śroṇi für śreṇi.

pūrvaṃ pūrvaṃ garīyastu balānāṃ vyasanaṃ tathā / ṣaḍaṅgaṃ mantrakoṣābhyāṃ padātyaśvarathadvipaiḥ //

Jeweils das frühere (Heer) ist gewichtiger (als das folgende), ebenso (die Schwere) der Notlage der Heere. Sechsgliedrig (ist das Heer) mit Beratung und Schatz, Fußvolk, Pferden, Wagen und Elefanten.

Wort für Wort
pūrvaṃ pūrvaṃ garīyas
jeweils das frühere gewichtiger
vyasana
Notlage
ṣaḍaṅga
sechsgliedrig
mantra-koṣa
Beratung und Schatz
padāti-aśva-ratha-dvipa
Fußvolk, Pferde, Wagen, Elefanten

nadyadravanadurgeṣu yatra yatra bhayaṃ bhavet / senāpatistatra tatra gacchedvyūhīkṛtair balaiḥ //

Bei Flüssen, Bergen, Wäldern und Festungen – wo immer Gefahr besteht, dorthin soll der Heerführer mit in Schlachtordnung gebrachten Truppen gehen.

Wort für Wort
nadī-adri-vana-durga
Fluss, Berg, Wald, Festung
bhaya
Gefahr
senāpati
Heerführer
vyūhīkṛta
in Schlachtordnung gebracht

nadyadravanadurgeṣu = nady-adri-vana-durgeṣu.

nāyakaḥ purato yāyāt pravīrapuruṣāvṛtaḥ / madhye kalatraṃ svāmī ca koṣaḥ phalgu ca yadbalaṃ //

Der Anführer soll vorn ziehen, umgeben von den tapfersten Männern; in der Mitte die Frauen, der Herrscher, der Schatz und das schwache Heer.

Wort für Wort
nāyaka
Anführer
purataḥ
vorn
pravīra-puruṣa-āvṛta
von tapfersten Männern umgeben
kalatra
Frauen
phalgu bala
schwaches Heer

pārśvayorubhayoraśvā vājināṃ pārśvayo rathāḥ / rathānāṃ pārśvayornāgā nāgānāṃ cāṭavībalaṃ //

An beiden Seiten die Pferde, an den Seiten der Pferde die Wagen, an den Seiten der Wagen die Elefanten und (an denen) der Elefanten das Waldstammheer.

Wort für Wort
pārśvayoḥ ubhayoḥ
an beiden Seiten
aśva, vājin
Pferd
ratha
Wagen
nāga
Elefant
āṭavī-bala
Waldstammheer

paścāt senāpatiḥ sarvaṃ puraskṛtya kṛtī svayaṃ / yāyātsannaddhasainyaughaḥ khinnānāśvāsayañcchanaiḥ //

Hinten soll der Heerführer, der Erfahrene, nachdem er selbst alles vorangeschickt hat, mit der Masse des gerüsteten Heeres ziehen und die Ermüdeten allmählich ermutigen.

Wort für Wort
paścāt
hinten
puraskṛtya
vorangeschickt habend
kṛtin
der Erfahrene
sannaddha-sainya-ogha
Masse des gerüsteten Heeres
āśvāsayan
ermutigend

yāyādvyūhena mahatā makareṇa purobhaye / śyenenoddhṛtapakṣeṇa sūcyā vā vīravaktrayā //

Bei Gefahr von vorn soll er in einer großen Schlachtordnung ziehen: dem ‚Makara‘, dem ‚Falken‘ mit ausgebreiteten Flügeln oder der ‚Nadel‘ mit Helden an der Spitze.

Wort für Wort
puraḥ-bhaye
bei Gefahr von vorn
makara
Makara (Seeungeheuer), Schlachtordnung
śyena
Falke
uddhṛta-pakṣa
mit ausgebreiteten Flügeln
sūcī
Nadel
vīra-vaktra
mit Helden an der Spitze

purobhaye = puro-bhaye.

paścādbhaye tu śakaṭaṃ pārśvayorvajrasañjñitaṃ / sarvataḥ sarvatobhadraṃ bhaye vyūhaṃ prakalpayet //

Bei Gefahr von hinten aber den ‚Wagen‘, an den Seiten den ‚Donnerkeil‘ genannten; bei Gefahr von allen Seiten soll er die Schlachtordnung ‚Allseits-Heil‘ (sarvatobhadra) bilden.

Wort für Wort
paścāt-bhaye
bei Gefahr von hinten
śakaṭa
Wagen (Schlachtordnung)
vajra-sañjñita
‚Donnerkeil‘ genannt
sarvatobhadra
‚Allseits-Heil‘
prakalpayet
er soll bilden

kandare śailagahane nimnagāvanasaṅkaṭe / dīrghādhvani pariśrāntaṃ kṣutpipāsāhitaklamaṃ //

In einer Schlucht, im Bergdickicht, im Engpass von Fluss und Wald, auf langem Marsch erschöpft, von Hunger und Durst ermattet,

Wort für Wort
kandara
Schlucht
śaila-gahana
Bergdickicht
nimnagā-vana-saṅkaṭa
Engpass von Fluss und Wald
dīrgha-adhvan
langer Marsch
kṣut-pipāsā
Hunger und Durst

vyādhidurbhikṣamarakapīḍitaṃ dasyuvidrutaṃ / paṅkāṃśujalaskandhaṃ vyastaṃ puñjīkṛtaṃ pathi //

von Krankheit, Hungersnot und Seuche bedrängt, von Räubern zersprengt, bis zu den Schultern in Schlamm, Staub [?] und Wasser, zerstreut, auf dem Weg zusammengedrängt,

Wort für Wort
vyādhi-durbhikṣa-maraka
Krankheit, Hungersnot, Seuche
dasyu-vidruta
von Räubern zersprengt
paṅka-pāṃsu-jala-skandha
bis zu den Schultern in Schlamm, Staub, Wasser [?]
vyasta
zerstreut
puñjīkṛta
zusammengedrängt

paṅkāṃśujalaskandham unsicher (aṃśu evtl. für pāṃsu ‚Staub‘).

prasuptaṃ bhojanavyagramabhūmiṣṭhamasusthitaṃ / caurāgnibhayavitrastaṃ vṛṣṭivātasamāhataṃ //

schlafend, mit dem Essen beschäftigt, auf ungünstigem Boden stehend, schlecht aufgestellt, durch Furcht vor Dieben und Feuer verstört, von Regen und Wind gepeitscht –

Wort für Wort
prasupta
schlafend
bhojana-vyagra
mit Essen beschäftigt
abhūmiṣṭha
auf ungünstigem Boden
caura-agni-bhaya
Furcht vor Dieben und Feuer
vṛṣṭi-vāta-samāhata
von Regen und Wind gepeitscht

ityādau svacamūṃ rakṣet prasainyaṃ ca ghatayet / viśiṣṭo deśakālābhyāṃ bhinnaviprakṛtirbalī //

in solchen (Lagen) soll er das eigene Heer schützen und das feindliche vernichten. Wer durch Ort und Zeit überlegen ist, (gegen einen Feind,) dessen Staatsglieder gespalten und abgeneigt sind, als der Stärkere –

Wort für Wort
sva-camū
eigenes Heer
para-sainya
feindliches Heer
ghātayet
er soll vernichten
viśiṣṭa
überlegen
bhinna-viprakṛti
mit gespaltenen, abgeneigten Staatsgliedern

prasainyaṃ für parasainyaṃ, ghatayet für ghātayet.

kuryāt prakāśayuddhaṃ hi kūṭayuddhaṃ viparyaye / teṣvavaskandakāleṣu paraṃ hanyātsamākulaṃ //

der soll offenen Kampf führen, im umgekehrten Fall den listigen Kampf. In jenen Zeitpunkten für einen Überfall soll er den in Verwirrung geratenen Feind schlagen.

Wort für Wort
prakāśa-yuddha
offener Kampf
kūṭa-yuddha
listiger Kampf
viparyaye
im umgekehrten Fall
avaskanda-kāla
Zeitpunkt für einen Überfall
samākula
verwirrt

abhūmiṣṭhaṃ svabhūmiṣṭhaṃ svabhūmau copajāyataḥ / prakṛtipragrahākṛṣṭaṃ pāśair vanacarādibhiḥ //

Einen (Feind), der auf ungünstigem Boden steht, (während er selbst) auf eigenem Boden steht, und (einen,) der auf dem eigenen Boden durch Aufwiegelung [?] (bedrängt ist), einen, der durch die Fesseln der Staatsglieder [?] herausgelockt ist, (einen, der) durch Schlingen von Waldläufern und anderen (gefangen ist) –

Wort für Wort
abhūmiṣṭha
auf ungünstigem Boden
sva-bhūmiṣṭha
auf eigenem Boden
upajāpa
Aufwiegelung [konj.]
prakṛti-pragraha-ākṛṣṭa
durch Bindung der Staatsglieder herausgelockt [?]
pāśa
Schlinge
vana-cara
Waldläufer

upajāyataḥ vermutlich für upajāpataḥ ‚durch Aufwiegelung‘; prakṛtipragrahākṛṣṭam unsicher.

hanyāt pravīrapuruṣair bhaṅgadānāpakarṣaṇaiḥ / purastāddarśanaṃ datvā tallakṣakṛtaniś cayāt //

soll er mit den tapfersten Männern schlagen, durch vorgetäuschte Flucht und Hinweglocken. Nachdem er sich vorn gezeigt hat und (der Feind) sich darauf als Ziel festgelegt hat,

Wort für Wort
bhaṅga-dāna
vorgetäuschte Flucht
apakarṣaṇa
Hinweglocken
purastāt darśanaṃ dattvā
sich vorn gezeigt habend
tat-lakṣa-kṛta-niścaya
auf dieses Ziel festgelegt

datvā für dattvā.

hanyātpaścāt pravīreṇa balenopetya veginā / paścādvā saṅkulīkṛtya hanyācchūreṇa pūrvataḥ //

soll er (ihn) von hinten mit einem tapferen, ungestüm heranrückenden Heer schlagen; oder, nachdem er (ihn) von hinten in Verwirrung gebracht hat, soll er (ihn) mit einem Helden von vorn schlagen.

Wort für Wort
paścāt
von hinten
pravīra
tapfer
upetya
heranrückend
vegin
ungestüm
saṅkulīkṛtya
in Verwirrung gebracht habend
pūrvataḥ
von vorn

ābhyāṃ pārśvābhighātau tu vyākhyātau kūṭayodhane / purastādviṣame deśe paścāddhanyāttu vegavān //

Durch diese beiden sind die Angriffe auf die Flanken beim listigen Kampf erklärt. Bei ungünstigem Gelände vorn soll er, ungestüm, von hinten schlagen,

Wort für Wort
pārśva-abhighāta
Flankenangriff
vyākhyāta
erklärt
kūṭa-yodhana
listiger Kampf
viṣame deśe
bei ungünstigem Gelände
vegavat
ungestüm

puraḥ paścāttu viṣame evameva tu pārśvayoḥ / prathamaṃ yodhayitvā tu dūṣyāmitrāṭavībalau //

bei ungünstigem (Gelände) hinten von vorn, ebenso auch an den Seiten. Nachdem er zuerst die unzuverlässigen, die feindlichen und die Waldstammtruppen hat kämpfen lassen,

Wort für Wort
puraḥ paścāt
vorn, hinten
evam eva pārśvayoḥ
ebenso an den Seiten
yodhayitvā
kämpfen lassen habend
dūṣya
unzuverlässig
amitra-āṭavī-bala
Feindes- und Waldstammtruppen

śrāntaṃ mandannirākrandaṃ hanyādaśrāntavāhanaṃ / dūṣyāmitrabalair vāpi bhaṅgandatvā prayatnavān //

soll er mit unermüdeten Reittieren den erschöpften, geschwächten, hilflosen (Feind) schlagen; oder er soll, nachdem er mit unzuverlässigen und feindlichen Truppen eine Flucht vorgetäuscht hat, eifrig

Wort für Wort
śrānta
erschöpft
manda
geschwächt
nirākranda
hilflos, ohne Beistand
aśrānta-vāhana
mit unermüdeten Reittieren
bhaṅgaṃ dattvā
Flucht vorgetäuscht habend

jitamityeva viśvastaṃ hanyānmantravyapāśrayaḥ / skandhāvārapuragrāmaśasyasvāmiprajādiṣu //

(den Feind), der im Gedanken ‚Gesiegt!‘ vertrauensselig geworden ist, schlagen, auf (kluge) Beratung gestützt. Bei Heerlager, Stadt, Dorf, Feldfrucht, Herrscher, Volk usw.

Wort für Wort
jitam iti
‚gesiegt!‘
viśvasta
vertrauensselig
mantra-vyapāśraya
auf Beratung gestützt
skandhāvāra
Heerlager
śasya
Feldfrucht

viśrabhyantaṃ parānīkamapramatto vināśayet / athavā gograhākṛṣṭaṃ tallakṣyaṃ mārgabandhanāt //

soll er das (dort) sich erholende feindliche Heer, selbst wachsam, vernichten. Oder (einen,) der durch Rinderraub hinweggelockt ist, ihn ins Ziel fassend, durch Sperrung der Wege (vernichten).

Wort für Wort
viśrāmyat
sich erholend
para-anīka
feindliches Heer
apramatta
wachsam
go-graha-ākṛṣṭa
durch Rinderraub hinweggelockt
mārga-bandhana
Sperrung der Wege

viśrabhyantaṃ für viśrāmyantam.

avaskandabhayādrātripūjāgarakṛtaśramaḥ / divāsuptaṃ samāhanyānnidrāvyākulasainikaṃ //

Einen, der aus Furcht vor Überfall durch nächtliches Wachen ermüdet ist, am Tag schlafend, dessen Soldaten vom Schlaf benommen sind, soll er schlagen,

Wort für Wort
avaskanda-bhaya
Furcht vor Überfall
rātri-prajāgara
nächtliches Wachen
kṛta-śrama
ermüdet
divā-supta
am Tag schlafend
nidrā-vyākula
vom Schlaf benommen

rātripūjāgara für rātriprajāgara.

niśi viśrabdhasaṃsuptaṃ nāgair vā khaḍgapāṇibhiḥ / prayāne pūrvayāyitvaṃ vanadurgapraveśanaṃ //

oder nachts den vertrauensvoll Schlafenden mit Elefanten oder mit Schwertträgern. Beim Aufbruch das Vorangehen, das Eindringen in Wald- und Festungsgelände,

Wort für Wort
viśrabdha-saṃsupta
vertrauensvoll schlafend
khaḍga-pāṇi
Schwertträger
prayāṇa
Aufbruch, Marsch
pūrva-yāyitva
Vorangehen
vana-durga-praveśana
Eindringen in Wald und Festung

abhinnānāmanīkānāṃ bhedanaṃ bhinnasaṅgrahaḥ / vibhīṣakādvāraghātaṃ koṣarakṣebhakarma ca //

das Aufbrechen ungebrochener Heeresreihen, das Sammeln gebrochener, das Erschrecken (des Feindes), das Zerschlagen von Toren und der Schutz des Schatzes – (das ist) die Aufgabe der Elefanten.

Wort für Wort
abhinna anīka
ungebrochene Heeresreihe
bhinna-saṅgraha
Sammeln der Gebrochenen
vibhīṣaka
Erschrecken
dvāra-ghāta
Zerschlagen der Tore
ibha-karman
Aufgabe der Elefanten

abhinnabhedanaṃ mitrasandhānaṃ rathakarma ca / vanadiṅmārgavicaye vīvadhāsāralakṣaṇaṃ //

Das Aufbrechen des Ungebrochenen und das Verbinden mit Verbündeten ist die Aufgabe der Wagen. Bei der Erkundung von Wald, Himmelsrichtungen und Wegen, Sicherung von Nachschub und Hilfstruppen,

Wort für Wort
abhinna-bhedana
Aufbrechen des Ungebrochenen
mitra-sandhāna
Verbinden mit Verbündeten
ratha-karman
Aufgabe der Wagen
vana-diś-mārga-vicaya
Erkundung von Wald, Richtung, Weg
vīvadha-āsāra
Nachschub und Hilfstruppen

anuyānāpasaraṇe śīghrakāryopapādanaṃ / dīnānusaraṇaṃ ghātaḥ koṭīnāṃ jaghanasya ca //

bei Verfolgung und Rückzug, rasches Erledigen von Aufgaben, Nachsetzen hinter den Geschlagenen, Schlagen der Flügelspitzen und der Nachhut –

Wort für Wort
anuyāna
Verfolgung
apasaraṇa
Rückzug
śīghra-kārya-upapādana
rasches Erledigen
dīna-anusaraṇa
Nachsetzen hinter Geschlagenen
koṭi
Flügelspitze
jaghana
Nachhut

aśvakarmātha patteś ca sarvadā śastradhāraṇaṃ / śivirasya ca mārgādeḥ śodhanaṃ vastikarma ca //

das ist die Aufgabe der Pferde. Die des Fußvolks aber: jederzeit Waffen tragen, Säubern von Lager, Wegen usw. und Arbeiten für die Unterkünfte [?].

Wort für Wort
aśva-karman
Aufgabe der Pferde
patti
Fußvolk
śastra-dhāraṇa
Waffentragen
śibira
Lager
śodhana
Säubern
vasti-karman
Unterkunftsarbeit [?]

vastikarma unklar (evtl. vasatikarma ‚Unterkunftsarbeiten‘).

saṃsthūlasthāṇuvalmīkavṛkṣagulmāpakaṇṭakaṃ / sāpasārā padātīnāṃ bhūrnātiviṣamā matā //

Ein Boden frei von großen Baumstümpfen, Ameisenhügeln, Bäumen, Gestrüpp und Dornen, mit Ausweichmöglichkeit und nicht allzu uneben, gilt als (geeignet) für das Fußvolk.

Wort für Wort
sthāṇu
Baumstumpf
valmīka
Ameisenhügel
gulma
Gestrüpp
apa-kaṇṭaka
ohne Dornen
sa-apasāra
mit Ausweichmöglichkeit
bhū
Boden

svalpavṛkṣopalā kṣipralaṅghanīyanagā sthirā / niḥśarkarā vipaṅkā ca sāpasārā ca vājibhūḥ //

Mit wenigen Bäumen und Steinen, mit rasch überwindbaren Anhöhen, fest, ohne Geröll, ohne Schlamm und mit Ausweichmöglichkeit – (so ist) der Boden für Pferde.

Wort für Wort
svalpa-vṛkṣa-upala
mit wenigen Bäumen und Steinen
kṣipra-laṅghanīya-naga
mit rasch überwindbaren Anhöhen
niḥśarkara
ohne Geröll
vipaṅka
ohne Schlamm
vāji-bhū
Pferdeboden

nisthāṇuvṛkṣakedārā rathabhūmirakardamā / mardanīyatarucchedyavratatīpaṅkavarjitā //

Ohne Baumstümpfe, Bäume und Ackerbeete, ohne Morast, frei von niederzuwalzenden Bäumen, abzuschneidenden Ranken und Schlamm – (so ist) der Boden für Wagen.

Wort für Wort
nisthāṇu
ohne Baumstümpfe
kedāra
Ackerbeet
akardama
ohne Morast
vratatī
Ranke
ratha-bhūmi
Wagenboden

nirjharāgamyaśailā ca viṣamā gajamedinī / urasyādīni bhinnāni pratigṛhṇan balāni hi //

Mit Wasserfällen und unzugänglichen Bergen, uneben – (so ist) der Boden für Elefanten. (Die Truppe,) welche die Brust und die übrigen (Teile), wenn sie gebrochen sind, auffängt,

Wort für Wort
nirjhara
Wasserfall
agamya-śaila
unzugänglicher Berg
gaja-medinī
Elefantenboden
urasya-ādīni
Brust usw.
pratigṛhṇan
auffangend

pratigraha iti khyāto rājakāryāntarakṣamaḥ / tena śūnyastu yo vyūhaḥ sa bhinna iva lakṣyate //

wird ‚Rückhalt‘ (pratigraha) genannt; sie ist für die übrigen Aufgaben des Königs tauglich. Eine Schlachtordnung ohne diesen erscheint wie gebrochen.

Wort für Wort
pratigraha
Rückhalt, Reserve
khyāta
genannt
rāja-kārya-antara-kṣama
für andere Königsaufgaben tauglich
śūnya
ohne
bhinna iva
wie gebrochen

jayārthī na ca yuddhyeta matimānapratigrahaḥ / yatra rājā tatra koṣaḥ koṣādhīnā hi rājatā //

Ein Kluger, der nach Sieg strebt, soll nicht ohne Rückhalt kämpfen. Wo der König ist, dort (sei) der Schatz; denn die Königsherrschaft hängt vom Schatz ab.

Wort für Wort
jaya-arthin
nach Sieg strebend
apratigraha
ohne Rückhalt
yatra rājā tatra koṣaḥ
wo der König, da der Schatz
koṣa-adhīna
vom Schatz abhängig
rājatā
Königsherrschaft

yodhebhyastu tato dadyāt kiñciddātuṃ na yujyate / dravyalakṣaṃ rājaghāte tadardhaṃ tatsutārdane //

Aus diesem soll er den Kriegern (Belohnungen) geben; es ziemt sich nicht, (dann) etwas (zurückzuhalten) [?]. Hunderttausend an Gütern bei Tötung des (feindlichen) Königs, die Hälfte davon bei Tötung seines Sohnes,

Wort für Wort
yodha
Krieger
dadyāt
er soll geben
dravya-lakṣa
Hunderttausend an Gütern
rāja-ghāta
Tötung des Königs
tat-ardha
die Hälfte davon
sutārdana
Tötung des Sohnes

kiñciddātuṃ na yujyate unklar; tatsutārdane wörtl. ‚bei Bedrängung (Tötung) seines Sohnes‘.

senāpatibadhe tadvaddadyāddhastyādimardane / athavā khalu yudhyeran pratyaśvarathadantinaḥ //

ebenso viel bei Tötung des Heerführers; ebenso soll er bei Vernichtung von Elefanten usw. geben. Oder aber sie sollen kämpfen: Pferd gegen Pferd, Wagen gegen Wagen, Elefant gegen Elefant,

Wort für Wort
senāpati-vadha
Tötung des Heerführers
tadvat
ebenso
hasti-ādi-mardana
Vernichtung von Elefanten usw.
prati-aśva-ratha-dantin
Pferd, Wagen, Elefant gegen ihresgleichen

badhe für vadhe.

yathā bhavedasaṃbādho vyāyāmavinivartane / asaṅkareṇa yuddheran saṅkaraḥ saṅkulāvahaḥ //

sodass beim Vorrücken und Zurückweichen kein Gedränge entsteht. Ohne Vermischung sollen sie kämpfen; Vermischung bringt Verwirrung.

Wort für Wort
asaṃbādha
ohne Gedränge
vyāyāma
Vorrücken
vinivartana
Zurückweichen
asaṅkara
ohne Vermischung
saṅkula-āvaha
Verwirrung bringend

mahāsaṅkulayuddheṣu saṃśrayeranmataṅgajaṃ / aśvasya pratiyoddhāro bhaveyuḥ puruṣāstrayaḥ //

In großen Getümmelkämpfen sollen sie sich an einen Elefanten anlehnen. Zu einem Pferd sollen drei Männer als Kämpfer gehören.

Wort für Wort
mahā-saṅkula-yuddha
großer Getümmelkampf
saṃśrayeran
sie sollen sich anlehnen
mataṅgaja
Elefant
pratiyoddhṛ
(Neben-)Kämpfer
puruṣāḥ trayaḥ
drei Männer

iti kalpyāstrayaścāśvā vidheyāḥ kuñjarasya tu / pādagopā bhaveyuś ca puruṣā daśa pañca ca //

So sind zu einem Elefanten drei Pferde zu bestimmen, und fünfzehn Männer sollen (seine) Fußschützer sein.

Wort für Wort
kalpya
zu bestimmen
kuñjara
Elefant
pāda-gopa
Fußschützer
daśa pañca ca
fünfzehn

vidhānamiti nāgasya vihitaṃ syandanasya ca / anīkamiti vijñeyamiti kalpyā nava dvipāḥ //

Dies ist die Anordnung für den Elefanten, ebenso für den Wagen festgesetzt. Als ‚Abteilung‘ (anīka) ist zu verstehen: so sind neun Elefanten zu bestimmen.

Wort für Wort
vidhāna
Anordnung
syandana
Wagen
anīka
Abteilung
nava dvipāḥ
neun Elefanten

tathānīkasya randhrantu pañcadhā ca pracakṣate / ityanīkavibhagena sthāpayed vyūhasampadaḥ //

Ebenso gibt man den Zwischenraum einer Abteilung als fünffach an. Durch diese Einteilung der Abteilungen soll er die vollkommenen Schlachtordnungen aufstellen.

Wort für Wort
randhra
Zwischenraum, Lücke
pañcadhā
fünffach
anīka-vibhāga
Einteilung der Abteilungen
vyūha-sampad
vollkommene Schlachtordnung
sthāpayet
er soll aufstellen

vibhagena für vibhāgena.

urasyakakṣapakṣāṃstu kalpyānetān pracakṣate / uraḥkakṣau ca pakṣau ca madhyaṃ pṛṣṭhaṃ pratigrahaḥ //

Brust, Achseln und Flügel – diese nennt man die zu bildenden (Teile). Brust, die beiden Achseln und die beiden Flügel, Mitte, Rücken, Rückhalt

Wort für Wort
urasya
Brust(teil)
kakṣa
Achsel
pakṣa
Flügel
madhya
Mitte
pṛṣṭha
Rücken

koṭī ca vyūhaśāstrajñaiḥ saptāṅgo vyūha ucyate / urasyakakṣapakṣāstu vyūho 'yaṃ sapratigrahaḥ //

und Spitze – (so) wird bei den Kennern der Lehre von den Schlachtordnungen die Schlachtordnung siebengliedrig genannt. Brust, Achseln und Flügel – diese Schlachtordnung mit Rückhalt

Wort für Wort
koṭi
Spitze
vyūha-śāstra-jña
Kenner der Schlachtordnungslehre
saptāṅga
siebengliedrig
sa-pratigraha
mit Rückhalt

guroreṣa ca śukrasya kakṣābhyāṃ parivarjitaḥ / tiṣṭheyuḥ senāpatayaḥ pravīraiḥ puruṣair vṛtāḥ //

ist die des Guru [Anm.: Bṛhaspati]; und die des Śukra ist ohne die Achseln. Die Heerführer sollen, umgeben von tapferen Männern, (auf ihren Posten) stehen.

Wort für Wort
guru
Bṛhaspati
śukra
Śukra
parivarjita
ohne
tiṣṭheyuḥ
sie sollen stehen
senāpati
Heerführer

abhedena ca yudhyeran rakṣeyuś ca parasparaṃ / madhyavyūhe phalgu sainyaṃ yuddhavastu jaghanyataḥ //

Sie sollen geschlossen kämpfen und einander schützen. In der Mitte der Schlachtordnung (stehe) das schwache Heer, der Kampfbedarf hinten.

Wort für Wort
abhedena
geschlossen
parasparam
einander
madhya-vyūha
Mitte der Schlachtordnung
phalgu sainya
schwaches Heer
jaghanyataḥ
hinten

yuddhavastu unsicher (‚Kampfbedarf, Tross‘?).

yuddhaṃ hi nāyakaprāṇaṃ hanyate tadanāyakaṃ / urasi sthāpayennāgān pracaṇḍān kakṣayo rathān //

Denn der Kampf hat den Anführer zum Lebenshauch; ohne Anführer wird (das Heer) geschlagen. In die Brust soll er die wilden Elefanten stellen, in die Achseln die Wagen

Wort für Wort
nāyaka-prāṇa
den Anführer zum Lebenshauch habend
anāyaka
ohne Anführer
uras
Brust
pracaṇḍa
wild, ungestüm
kakṣayoḥ
in die Achseln

hayāṃś ca pakṣayorvyūho madhyabhedī prakīrtitaḥ / madhyadeśe hayānīkaṃ rathānīkañca kakṣayoḥ //

und die Pferde in die Flügel – diese Schlachtordnung heißt ‚Mitte-Durchbrecher‘ (madhyabhedin). In der Mitte die Pferdeabteilung, die Wagenabteilung in den Achseln

Wort für Wort
haya
Pferd
madhya-bhedin
Mitte-Durchbrecher
madhya-deśa
Mitte
haya-anīka
Pferdeabteilung
ratha-anīka
Wagenabteilung

pakṣayoś ca gajānīkaṃ vyūhontarbhedyayaṃ smṛtaḥ / rathasthāne hayān dadyāt padātīṃś ca hayaśrāye //

und in den Flügeln die Elefantenabteilung – diese Schlachtordnung gilt als ‚Innen-Durchbrecher‘ (antarbhedin). An die Stelle der Wagen soll er Pferde setzen und Fußvolk an die Stelle der Pferde;

Wort für Wort
gaja-anīka
Elefantenabteilung
antar-bhedin
Innen-Durchbrecher
ratha-sthāne
an Stelle der Wagen
padāti
Fußvolk
haya-āśraye
an Stelle der Pferde

vyūhontarbhedyayaṃ = vyūho 'ntarbhedy ayam; hayaśrāye für hayāśraye.

rathābhāve tu dviradān vyūhe sarvatra dāpayet / yadi syāddaṇḍabāhulyamābādhaḥ samprakīrtitaḥ //

bei Mangel an Wagen aber soll er überall in der Schlachtordnung Elefanten einsetzen. Wenn ein Überschuss an Truppen besteht, wird (die Ordnung) ‚Bedrängung‘ (ābādha) genannt [?].

Wort für Wort
ratha-abhāve
bei Mangel an Wagen
dvirada
Elefant
dāpayet
er soll einsetzen
daṇḍa-bāhulya
Überschuss an Truppen
ābādha
Bedrängung [?]

ābādhaḥ unsicher (evtl. für āvāpaḥ ‚Überschuss(einsatz)‘).

maṇḍalāṃsaṃhato bhogo daṇḍāste bahudhā śṛṇu / tiryagvṛttistu daṇḍaḥ syād bhogo 'nyāvṛttireva ca //

Kreis (maṇḍala), Ungeschlossener (asaṃhata), Schlange (bhoga) und Stab (daṇḍa) – diese (gibt es) vielfach; höre! Der Stab ist die Aufstellung in der Querreihe, die Schlange die Aufstellung hintereinander,

Wort für Wort
maṇḍala
Kreis(ordnung)
asaṃhata
ungeschlossene Ordnung
bhoga
Schlangen(ordnung)
daṇḍa
Stab(ordnung)
tiryag-vṛtti
Querstellung
anvāvṛtti
Hintereinanderstellung

anyāvṛtti wohl für anvāvṛtti.

maṇḍalaḥ sarvatovṛttiḥ pṛthagvṛttirasaṃhataḥ / pradaro dṛḍhako 'sahyaḥ cāpo vai kukṣireva ca //

der Kreis die Aufstellung nach allen Seiten, der Ungeschlossene die getrennte Aufstellung. Pradara, Dṛḍhaka, Asahya, Cāpa und Kukṣi,

Wort für Wort
sarvato-vṛtti
Aufstellung nach allen Seiten
pṛthag-vṛtti
getrennte Aufstellung
pradara
‚Aufreißer‘
dṛḍhaka
‚Fester‘
asahya
‚Unwiderstehlicher‘
cāpa
‚Bogen‘

pratiṣṭhaḥ supratiṣṭhaś ca śyeno vijayasañjayau / viśālo vijayaḥ śūcī sthūṇākarṇacamūmukhau //

Pratiṣṭha, Supratiṣṭha, Śyena, Vijaya und Sañjaya, Viśālavijaya, Sūcī, Sthūṇākarṇa und Camūmukha,

Wort für Wort
pratiṣṭha
‚Fester Stand‘
śyena
‚Falke‘
vijaya
‚Sieg‘
sūcī
‚Nadel‘
sthūṇā-karṇa
‚Pfeilerohr‘
camū-mukha
‚Heeresmaul‘

viśālo vijayaḥ ist wohl als ein Name (Viśālavijaya) zu nehmen, sonst ergibt sich nicht die Zahl 17 (V. 60); śūcī für sūcī.

sarpāsyo valayaś caiva daṇḍa daṇḍabhedāś ca durjayāḥ / atikrāntaḥ pratikrāntaḥ kakṣābhyāñcaikakṣapakṣataḥ //

Sarpāsya und Valaya – (dies sind) die schwer zu besiegenden Unterarten des Stabes. Vorgeschoben, zurückgenommen an den Achseln und an einer Achsel und einem Flügel [?],

Wort für Wort
sarpa-āsya
‚Schlangenmaul‘
valaya
‚Ring‘
daṇḍa-bheda
Unterart des Stabes
atikrānta
vorgeschoben
pratikrānta
zurückgenommen

Die Definitionen der Stab-Unterarten (V. 52b–54) sind stark verkürzt und teilweise verderbt; Übersetzung wörtlich und unsicher.

atikrāntastu pakṣābhyāṃ trayo 'nye tadviparyaye / pakṣorasyair atikrāntaḥ pratiṣṭho 'nyo viparyayaḥ //

vorgeschoben an den beiden Flügeln; drei andere im umgekehrten Fall. Mit Flügeln und Brust vorgeschoben ist Pratiṣṭha; der andere [Anm.: Supratiṣṭha] ist das Umgekehrte.

Wort für Wort
pakṣābhyām
an den beiden Flügeln
trayaḥ anye
drei andere
tad-viparyaye
im umgekehrten Fall
pakṣa-urasya
Flügel und Brust
viparyaya
Umkehrung

sthūṇāpakṣo dhanuḥpakṣo dvisthūṇo daṇḍa ūrdhvagaḥ / dviguṇontastvatikrāntapakṣo 'nyasya viparyayaḥ //

Mit Pfeilerflügeln, mit Bogenflügeln, der Doppelpfeiler, der aufwärtsgerichtete Stab, der im Innern verdoppelte, der mit vorgeschobenen Flügeln, der andere im umgekehrten Fall [?],

Wort für Wort
sthūṇā-pakṣa
mit Pfeilerflügeln
dhanuḥ-pakṣa
mit Bogenflügeln
dvi-sthūṇa
Doppelpfeiler
ūrdhva-ga
aufwärtsgerichtet
dviguṇa-anta
im Innern verdoppelt [?]

dvicaturdaṇḍa ity ete jñeyā lakṣaṇataḥ kramāt / gomūtrikāhisañcārīśakaṭo makaras tathā //

der mit zwei und der mit vier Stäben – diese sind der Reihe nach an ihren Merkmalen zu erkennen. Gomūtrikā (‚Kuhharnlinie‘), Ahisañcārī (‚Schlangengang‘), Śakaṭa (‚Wagen‘) und ebenso Makara

Wort für Wort
dvi-catur-daṇḍa
mit zwei und vier Stäben
lakṣaṇataḥ
nach den Merkmalen
go-mūtrikā
‚Kuhharnlinie‘ (Zickzack)
ahi-sañcārin
‚Schlangengang‘
makara
Makara

bhogabhedāḥ samākhyātās tathā pariplavaṅgakaḥ / daṇḍapakṣau yugārasyaḥ śakaṭastadviparyaye //

werden als Unterarten der Schlange genannt, ebenso Pariplavaṅgaka. Mit Stab-Flügeln und deichselartiger Brust (ist es) der Wagen; im umgekehrten Fall

Wort für Wort
bhoga-bheda
Unterart der Schlange
pariplavaṅgaka
‚Umherspringer‘
daṇḍa-pakṣa
mit Stab-Flügeln
yuga-urasya
mit jochartiger Brust [?]
śakaṭa
Wagen

yugārasyaḥ wohl für yugorasyaḥ ‚mit jochartiger Brust‘ [?].

makaro vyatikīrṇaś ca śeṣaḥ kuñjararājibhiḥ / maṇḍalavyūhabhedau tu sarvatobhadradurjayau //

der Makara; der mit Elefantenreihen durchsetzte ist der übrige (Pariplavaṅgaka). Die beiden Unterarten der Kreis-Schlachtordnung aber sind Sarvatobhadra und Durjaya;

Wort für Wort
vyatikīrṇa
durchsetzt
kuñjara-rāji
Elefantenreihe
maṇḍala-vyūha-bheda
Unterart der Kreisordnung
sarvatobhadra
‚Allseits-Heil‘
durjaya
‚Schwer-Besiegbar‘

aṣṭānīko dvitīyastu prathamaḥ sarvatomukhaḥ / ardhacandraka ūrdhvāṅgo vajrabhedāstu saṃhateḥ //

der zweite hat acht Abteilungen, der erste ist nach allen Seiten gewandt. Ardhacandraka, Ūrdhvāṅga und die Vajra-Arten gehören zum Ungeschlossenen,

Wort für Wort
aṣṭa-anīka
mit acht Abteilungen
sarvato-mukha
nach allen Seiten gewandt
ardha-candraka
‚Halbmond‘
ūrdhva-aṅga
‚Aufgerichtet‘
vajra
‚Donnerkeil‘

saṃhateḥ wohl für asaṃhateḥ.

tathā karkaṭaśṛṅgī ca kākapādau ca godhikā / tricatuḥsainyānāṃ jñeyā ākārabhedataḥ //

ebenso Karkaṭaśṛṅgī, Kākapāda und Godhikā – sie sind bei drei- und viergliedrigen Heeren nach der Verschiedenheit der Form zu erkennen.

Wort für Wort
karkaṭa-śṛṅgī
‚Krebsschere‘
kāka-pāda
‚Krähenfuß‘
godhikā
‚Eidechse‘
tri-catuḥ-sainya
drei-, viergliedrige Heere
ākāra-bheda
Verschiedenheit der Form

daṇḍasya syuḥ saptadaśa vyūhā dvau maṇḍalasya ca / asaṅghātasya ṣaṭ pañca bhogasyaiva tu saṅgare //

Der Stab hat siebzehn Schlachtordnungen, der Kreis zwei, der Ungeschlossene sechs und die Schlange fünf in der Schlacht.

Wort für Wort
saptadaśa
siebzehn
dvau
zwei
ṣaṭ
sechs
pañca
fünf
saṅgara
Schlacht

pakṣādīnāmathaikena hatvā śeṣaiḥ parikṣipet / urasā vā samāhatya koṭibhyāṃ pariveṣṭayet //

Nachdem er mit einem der Flügel usw. (den Feind) geschlagen hat, soll er (ihn) mit den übrigen umzingeln; oder, nachdem er mit der Brust angegriffen hat, soll er (ihn) mit den beiden Spitzen umschließen.

Wort für Wort
pakṣa-ādīnām ekena
mit einem der Flügel usw.
parikṣipet
er soll umzingeln
urasā samāhatya
mit der Brust angreifend
koṭibhyām
mit den beiden Spitzen
pariveṣṭayet
er soll umschließen

pare koṭī samākramya pakṣābhyāmapratigrahāt / koṭibhyāñjaghanaṃ hanyādurasā ca prapīḍayet //

Nachdem er beim Gegner die beiden Spitzen mit den Flügeln angegriffen hat, soll er – da (jener) keinen Rückhalt hat – mit den beiden Spitzen die Nachhut schlagen und mit der Brust bedrängen.

Wort für Wort
pare
beim Gegner
samākramya
angegriffen habend
apratigrahāt
wegen fehlenden Rückhalts
jaghana
Nachhut
prapīḍayet
er soll bedrängen

yataḥ phalgu yato bhinnaṃ yataścānyair adhiṣṭhitaṃ / tataścāribalaṃ hanyādātmanaścopavṛṃhayet //

Wo (das feindliche Heer) schwach ist, wo es gebrochen ist und wo es von anderen besetzt ist, von dort aus soll er das feindliche Heer schlagen und sein eigenes verstärken.

Wort für Wort
phalgu
schwach
bhinna
gebrochen
anyaiḥ adhiṣṭhita
von anderen besetzt
ari-bala
feindliches Heer
upabṛṃhayet
er soll verstärken

sāraṃ dviguṇasāreṇa phalgusāreṇa pīḍayet / saṃhatañca gajānīkaiḥ pracaṇḍair dārayedbalaṃ //

Den Kern (des Feindes) soll er mit doppelt starkem Kern, den schwachen (Teil) mit dem Kern bedrängen; ein geschlossenes Heer soll er mit wilden Elefantenabteilungen zersprengen.

Wort für Wort
sāra
Kern(truppe)
dviguṇa-sāra
doppelt starker Kern
phalgu
schwacher Teil
saṃhata
geschlossen
dārayet
er soll zersprengen

syāt kakṣapakṣorasyaś ca vartamānastu daṇḍakaḥ / tatra prayogo ḍaṇḍasya sthānanturyeṇa darśayet //

Stehen Achseln, Flügel und Brust (in einer Linie), so ist es der Stab; dabei soll er den Einsatz des Stabes durch die Stellung des Vierten zeigen [?].

Wort für Wort
kakṣa-pakṣa-urasya
Achseln, Flügel, Brust
vartamāna
stehend
daṇḍaka
Stab(ordnung)
prayoga
Einsatz
turya
der Vierte [?]

Die Stelle ist unklar; ḍaṇḍasya ist Tippfehler für daṇḍasya; sthānanturyeṇa = sthānaṃ turyeṇa.

syāddaṇḍasamapakṣābhyāmatikrānto dṛḍhaḥ smṛtaḥ / bhavetsa pakṣakakṣābhyāmatikrāntaḥ pradārakaḥ //

(Die Ordnung) mit gleichmäßig wie der Stab vorgeschobenen Flügeln gilt als Dṛḍha; vorgeschoben an Flügeln und Achseln sei sie Pradāraka.

Wort für Wort
daṇḍa-sama-pakṣa
mit stabgleichen Flügeln
atikrānta
vorgeschoben
dṛḍha
‚Fest‘
pakṣa-kakṣa
Flügel und Achseln
pradāraka
‚Aufreißer‘

kakṣābhyāñca pratikrāntavyūho 'sahyaḥ smṛto yathā / kakṣapakṣāvadhaḥ sthapyorasyaiḥ kāntaś ca khātakaḥ //

Mit zurückgenommenen Achseln gilt die Schlachtordnung als Asahya; sind Achseln und Flügel unten aufgestellt, mit (vorgeschobenen) Brustteilen, (heißen sie) Kānta und Khātaka [?].

Wort für Wort
kakṣābhyām pratikrānta
an den Achseln zurückgenommen
asahya
‚Unwiderstehlich‘
adhaḥ sthāpya
unten aufzustellen
kānta
Kānta [?]
khātaka
Khātaka [?]

V. 67b–68a verderbt; Übersetzung unsicher (sthapyorasyaiḥ für sthāpyorasyaiḥ).

dvau daṇḍau balayaḥ prokto kāntaś ca khātakaḥ / durjayaś caturvalayaḥ śatrorbalavimardanaḥ //

Zwei Stäbe heißen Valaya, (ebenso) Kānta und Khātaka [?]; Durjaya hat vier Ringe und zermalmt das Heer des Feindes.

Wort für Wort
dvau daṇḍau
zwei Stäbe
valaya
Ring
durjaya
‚Schwer-Besiegbar‘
catur-valaya
mit vier Ringen
śatru-bala-vimardana
das Feindesheer zermalmend

balayaḥ für valayaḥ, prokto für proktaḥ, caturvalayaḥ ‚mit vier Ringen‘.

kakṣapakṣaurasyair bhogo viṣayaṃ parivartayan / sarpacārī gomūtrikā śarkaṭaḥ śakaṭākṛtiḥ //

Mit Achseln, Flügeln und Brust, die ihre Stellung wechseln, (ist es) die Schlange: Sarpacārī, Gomūtrikā und der Wagen in Wagengestalt,

Wort für Wort
bhoga
Schlange(nordnung)
viṣayaṃ parivartayan
die Stellung wechselnd
sarpa-cārin
‚Schlangengang‘
go-mūtrikā
‚Kuhharnlinie‘
śakaṭa-ākṛti
von Wagengestalt

śarkaṭaḥ für śakaṭaḥ.

viparyayo 'maraḥ proktaḥ sarvaśatruvimardakaḥ / syāt kakṣapakṣorasyānāmekībhāvastu maṇḍalaḥ //

das Umgekehrte heißt Makara, der alle Feinde zermalmt. Die Vereinigung von Achseln, Flügeln und Brust (zu einem Ganzen) ist der Kreis.

Wort für Wort
viparyaya
Umkehrung
makara
Makara
sarva-śatru-vimardaka
alle Feinde zermalmend
ekībhāva
Vereinigung
maṇḍala
Kreis

'maraḥ für makaraḥ.

cakrapadmādayo bhedā maṇḍalasya prabhedakāḥ / evañca sarvatobhadro vajrākṣavarakākavat //

Rad, Lotus und andere sind die Unterarten, die den Kreis weiter unterteilen. Ebenso Sarvatobhadra, Vajra, Akṣavara [?] und Kāka(pāda),

Wort für Wort
cakra
Rad
padma
Lotus
prabhedaka
Unterteilung
sarvatobhadra
‚Allseits-Heil‘
vajra
Donnerkeil
kāka
Krähe

vajrākṣavarakākavat unsicher gegliedert.

ardhacandraś ca śṛṅgāṭo hy acalo nāmarūpataḥ / vyūhā yathāsukhaṃ karyāḥ śatrūṇāṃ balavāraṇāḥ //

Ardhacandra, Śṛṅgāṭa und Acala – benannt nach Name und Gestalt. Die Schlachtordnungen sind nach Belieben zu bilden, um das Heer der Feinde abzuwehren.

Wort für Wort
ardha-candra
Halbmond
śṛṅgāṭa
‚Dreispitz‘, Wegkreuzung
acala
‚Unbeweglich‘
nāma-rūpataḥ
nach Name und Gestalt
yathā-sukham
nach Belieben
bala-vāraṇa
Heer abwehrend

karyāḥ für kāryāḥ.

agnir uvāca | rāmastu rāvaṇaṃ hatvā ayodhyāṃ prāptavān dvija / rāmoktanītyendrajitaṃ hatavāṃllakṣmaṇaḥ purā //

Agni sprach: Rāma aber gelangte, nachdem er Rāvaṇa getötet hatte, nach Ayodhyā, o Zweimalgeborener. Mit der von Rāma gelehrten Staatskunst hatte einst Lakṣmaṇa den Indrajit getötet.

Wort für Wort
rāvaṇaṃ hatvā
nachdem er Rāvaṇa getötet hatte
ayodhyāṃ prāptavān
gelangte nach Ayodhyā
dvija
o Zweimalgeborener
rāma-ukta-nīti
von Rāma gelehrte Staatskunst
indrajit
Indrajit

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