Kapitel 60: vāsudevapratiṣṭhādividhiḥ
Das Ritual der Einsetzung Vāsudevas und Verwandtes
Beschreibt die Aufstellung eines Vāsudeva-Bildes: Einteilung des Allerheiligsten und Position des Sockels, Edelsteinniederlegung, Reinigung und Feueropfer, Umzug und Bad des Bildes, Aufstellung auf dem Sockel sowie die Belebung (jīvāvāhana, sānnidhyakaraṇa) mit den zugehörigen Gebeten. Es folgen Verehrung der Begleitgottheiten und Regeln für den Opferlohn; das Verfahren gilt sinngemäß für alle Götter. Der Titel stammt aus dem Kapitelkopf; der Text zeigt einige Digitalisierungs- bzw. Überlieferungsfehler (z.B. khaṇḍila, vimba).
bhagavānuvāca | piṇḍikāsthāpanārthantu garbhāgāraṃ tu saptadhā / vibhajed brahmabhāge tu pratimāṃ sthāpayed budhaḥ //
Der Erhabene sprach: Zur Aufstellung des Sockels (piṇḍikā) teile man das Allerheiligste (garbhāgāra) siebenfach; im Brahmā-Teil stelle der Kundige das Bildnis auf.
devamanuṣapaiśācabhāgeṣu na kadācana / brahmabhāgaṃ parityajya kiñcidāśritya cāṇḍaja //
In den Teilen der Götter, der Menschen und der Piśācas niemals. Den Brahmā-Teil (nur) verlassend, indem man sich ein wenig (auf ihn) stützt [?], o Eigeborener,
Wort für Wort
deva-manuṣa-paiśāca-bhāgeṣu
in den Teilen der Götter, Menschen und Piśācas
na kadācana
niemals
brahma-bhāgam parityajya
den Brahmā-Teil verlassend
kiñcit āśritya
ein wenig sich stützend
aṇḍaja
o Eigeborener (Anrede an Brahmā)
Die Konstruktion reicht in Vers 3 hinüber; gemeint ist wohl, dass der Sockel etwas aus dem Brahmā-Teil heraus in die Götter- und Menschenteile ragt. Metrisch fehlerhaft: devamanuṣa- für devamānuṣa-.
ist der Sockel sorgfältig in den Teilen der Götter und Menschen aufzustellen. Auf einem geschlechtslosen Stein vollziehe man die Niederlegung der Edelsteine (ratnanyāsa).
Wort für Wort
deva-mānuṣa-bhāgābhyām
in den Götter- und Menschenteilen
sthāpyā yatnāt
sorgfältig aufzustellen
piṇḍikā
der Sockel
napuṃsaka-śilāyām
auf dem geschlechtslosen Stein
ratna-nyāsam samācaret
vollziehe die Edelsteinniederlegung
napuṃsakaka- wohl Verschreibung für napuṃsaka- ('geschlechtsloser', d.h. rituell neutraler Stein).
nārasiṃhena hutvā ratnanyāsaṃ ca tena vai / vrīhīn ratnāṃstridhātūṃś ca lohādīṃś candanādikān //
Nachdem man mit dem Narasiṃha-(Mantra) geopfert hat, (vollziehe man) mit eben diesem die Edelsteinniederlegung: Reiskörner, Edelsteine, die drei Metalle, Eisen usw. und Sandel usw.
lege man in die neun Gruben, beginnend mit der östlichen, in die mittlere nach Belieben. Dann wird mit den Mantras des Indra usw. die Grube mit Guggulu bedeckt.
ratnanyāsavidhiṃ kṛtvā pratimāmālabhedguruḥ / saśalākair darbhapuñjaiś ca sahadevaiḥ samanvitaiḥ //
Nachdem er das Ritual der Edelsteinniederlegung vollzogen hat, berühre der Lehrer das Bildnis; mit Darbha-Büscheln samt Stäbchen und mit Sahadevā-Kräutern versehen
Wort für Wort
ratna-nyāsa-vidhim kṛtvā
das Edelsteinniederlegungs-Ritual vollzogen habend
In den acht Himmelsrichtungen stelle er gemäß der Anordnung auch Krüge auf, beginnend im Osten, mit dem Achtsilbigen (Mantra); dann bringe er das geweihte Feuer herbei
Wort für Wort
aṣṭa-dikṣu
in den acht Richtungen
yathā-nyāsam
gemäß der Anordnung
kalaśān vinyaset
stelle Krüge auf
aṣṭa-varṇena
mit dem Achtsilbigen
agnim ānīya saṃskṛtam
das geweihte Feuer herbeibringend
aṣṭavarṇa: der achtsilbige Mantra (oṃ namo nārāyaṇāya).
und opfere mit „tvam agne dyubhiḥ“ und mit der Gāyatrī Brennhölzer; mit dem Achtsilbigen (opfere er) hundertacht Spenden Butterschmalz und bringe die Vollspende dar.
Wort für Wort
tvam agne dyubhiḥ iti
mit (dem Vers) 'tvam agne dyubhiḥ'
gāyatryā
mit der Gāyatrī
samidhaḥ hunet
opfere Brennhölzer
aṣṭa-śatakam
hundertacht
ājyam
Butterschmalz
pūrṇām pradāpayet
bringe die Vollspende dar
'gāyatryā' kann auch als Bezeichnung des Verses selbst verstanden werden; tvam agne dyubhiḥ (ṚV 2,1,1) ist jedoch kein Gāyatrī-Vers.
śāntyudakaṃ āmrapatraiḥ mūlena śatamantritaṃ / siñceddevasya tanmūrdhni śrīś ca te hy anayā ṛcā //
Das Friedenswasser, mit dem Wurzel-(Mantra) hundertmal besprochen, sprenge er mit Mangoblättern auf das Haupt des Gottes, und zwar mit diesem Vers „śrīś ca te“.
Und nachdem er (ihn) mit dem Brahma-Wagen [?] und mit „uttiṣṭha brahmaṇaspate“ emporgehoben hat, führe er ihn mit dem Mantra „tad viṣṇoḥ“ zum Tempel hin.
Wort für Wort
brahma-yānena
mit dem Brahma-Wagen (?)
uddhṛtya
emporgehoben habend
uttiṣṭha brahmaṇaspate
'erhebe dich, Brahmaṇaspati'
tad viṣṇoḥ iti mantreṇa
mit dem Mantra 'tad viṣṇoḥ'
prāsāda-abhimukham nayet
führe zum Tempel hin
brahmayāna unklar; vielleicht eine Trage/ein Wagen oder ein Mantra.
Hari in eine Sänfte setzend, lasse er ihn durch die Stadt usw. umhertragen; unter Klängen von Gesang, Vedarezitation usw. halte er ihn am Tempeltor an.
strībhirviprair maṅgalāṣṭaghaṭaiḥ saṃsnāpayeddhariṃ / tato gandhādinābhyarcya mūlamantreṇa deśikaḥ //
Durch Frauen und Brahmanen lasse er Hari mit acht glückverheißenden Krügen baden; dann, nachdem der Lehrer ihn mit Duftstoffen usw. unter dem Wurzelmantra verehrt hat,
ato deveti vastrādyamaṣṭāṅgārghyaṃ nivedya ca / sthire lagne piṇḍikāyāṃ devasya tveti dhārayet //
Gewänder usw. mit „ato devāḥ“ und die achtteilige Gastgabe (arghya) darbringend, setze er (den Gott) bei einer festen Aszendenz mit „devasya tvā“ auf den Sockel.
„Oṃ, dem, der die drei Welten durchschritten hat, Verehrung; Verehrung sei dir, o Trivikrama!“ – Nachdem der Kundige ihn auf dem Sockel aufgestellt hat, mache er ihn fest
verehre er Hari samt Gliedern und Umhüllungen (āvaraṇa), nachdem er die Vervollständigung (sakalīkaraṇa) vollzogen hat. Er meditiere dessen Gestalt als seine eigene [?]; die Erde ist sein Sitz.
Wort für Wort
sakalī-kṛtya
die Vervollständigung (sakalīkaraṇa) vollzogen habend
Seinen Körper bilde er (in der Vorstellung) aus feurigen Uratomen. „Ich werde die Lebensseele herbeirufen, die in den fünfundzwanzig Prinzipien (tattva) weilt,
Die sogenannte „Herbeiführung der Gegenwart“ (sānnidhyakaraṇa): Das Herz berührend, murmele er, und das Puruṣa-Lied meditierend, murmele er diesen geheimen Mantra:
„Verehrung sei dir, dem Herrn der Götter, dessen Wesen Zufriedenheit und Machtfülle ist, der die Gestalt von Wissen und Erkenntnis hat, der dem Glanz des Brahman folgt,
Nachdem er das Selbst (des Gottes) gegenwärtig gemacht hat, stelle er die Begleiter, Brahmā usw., mit ihrem eigenen Namen auf, die anderen, die Waffen, mit ihrer eigenen Handgeste (mudrā).
Wenn man Prozession, Regen und dergleichen [Anm.: als Vorzeichen] sieht, ist Hari als gegenwärtig zu erkennen. Sich verneigend, mit Hymnen usw. preisend und den Achtsilbigen usw. murmelnd,
digīśān diśi devāṃś ca sthāpya sampūjya deśikaḥ / viśvaksenaṃ tu saṃsthāpya śaṅkhacakrādi pūjayet //
Nachdem der Lehrer die Herren der Himmelsrichtungen und die Gottheiten in den Richtungen aufgestellt und verehrt hat, stelle er Viṣvaksena auf und verehre Muschel, Diskus usw.
Auch anderen gebe er Lohn; dann speise er die Brahmanen. Ungehinderte Früchte [Anm.: d.h. Segen ohne Einschränkung] [?] gewähre der Lehrer dem Opferherrn.
Der Stifter führt mit sich selbst sein ganzes Geschlecht zu Viṣṇu. Dies ist die gemeinsame Vorschrift für alle Götter; ihre Wurzelmantras sind je verschieden, das Übrige ist gleichartig auszuführen.