Quellen der Menschheit

Agni-Purāṇa

Kapitel 60: vāsudevapratiṣṭhādividhiḥ Das Ritual der Einsetzung Vāsudevas und Verwandtes

Beschreibt die Aufstellung eines Vāsudeva-Bildes: Einteilung des Allerheiligsten und Position des Sockels, Edelsteinniederlegung, Reinigung und Feueropfer, Umzug und Bad des Bildes, Aufstellung auf dem Sockel sowie die Belebung (jīvāvāhana, sānnidhyakaraṇa) mit den zugehörigen Gebeten. Es folgen Verehrung der Begleitgottheiten und Regeln für den Opferlohn; das Verfahren gilt sinngemäß für alle Götter. Der Titel stammt aus dem Kapitelkopf; der Text zeigt einige Digitalisierungs- bzw. Überlieferungsfehler (z.B. khaṇḍila, vimba).

bhagavānuvāca | piṇḍikāsthāpanārthantu garbhāgāraṃ tu saptadhā / vibhajed brahmabhāge tu pratimāṃ sthāpayed budhaḥ //

Der Erhabene sprach: Zur Aufstellung des Sockels (piṇḍikā) teile man das Allerheiligste (garbhāgāra) siebenfach; im Brahmā-Teil stelle der Kundige das Bildnis auf.

Wort für Wort
bhagavān uvāca
der Erhabene sprach
piṇḍikā-sthāpana-artham
zum Zweck der Aufstellung des Sockels
garbha-agāram
Cella, Allerheiligstes
saptadhā vibhajet
teile siebenfach
brahma-bhāge
im Brahmā-Teil
pratimām sthāpayet
stelle das Bildnis auf

devamanuṣapaiśācabhāgeṣu na kadācana / brahmabhāgaṃ parityajya kiñcidāśritya cāṇḍaja //

In den Teilen der Götter, der Menschen und der Piśācas niemals. Den Brahmā-Teil (nur) verlassend, indem man sich ein wenig (auf ihn) stützt [?], o Eigeborener,

Wort für Wort
deva-manuṣa-paiśāca-bhāgeṣu
in den Teilen der Götter, Menschen und Piśācas
na kadācana
niemals
brahma-bhāgam parityajya
den Brahmā-Teil verlassend
kiñcit āśritya
ein wenig sich stützend
aṇḍaja
o Eigeborener (Anrede an Brahmā)

Die Konstruktion reicht in Vers 3 hinüber; gemeint ist wohl, dass der Sockel etwas aus dem Brahmā-Teil heraus in die Götter- und Menschenteile ragt. Metrisch fehlerhaft: devamanuṣa- für devamānuṣa-.

devamānuṣabhāgābhyāṃ sthāpyā yatnāttu piṇḍikā / napuṃsakakaśilāyāntu ratnanyāsaṃ samācaret //

ist der Sockel sorgfältig in den Teilen der Götter und Menschen aufzustellen. Auf einem geschlechtslosen Stein vollziehe man die Niederlegung der Edelsteine (ratnanyāsa).

Wort für Wort
deva-mānuṣa-bhāgābhyām
in den Götter- und Menschenteilen
sthāpyā yatnāt
sorgfältig aufzustellen
piṇḍikā
der Sockel
napuṃsaka-śilāyām
auf dem geschlechtslosen Stein
ratna-nyāsam samācaret
vollziehe die Edelsteinniederlegung

napuṃsakaka- wohl Verschreibung für napuṃsaka- ('geschlechtsloser', d.h. rituell neutraler Stein).

nārasiṃhena hutvā ratnanyāsaṃ ca tena vai / vrīhīn ratnāṃstridhātūṃś ca lohādīṃś candanādikān //

Nachdem man mit dem Narasiṃha-(Mantra) geopfert hat, (vollziehe man) mit eben diesem die Edelsteinniederlegung: Reiskörner, Edelsteine, die drei Metalle, Eisen usw. und Sandel usw.

Wort für Wort
nārasiṃhena hutvā
mit dem Narasiṃha-Mantra geopfert habend
tena vai
eben damit
vrīhīn
Reiskörner
ratnān
Edelsteine
tri-dhātūn
die drei Metalle
loha-ādīn candana-ādikān
Eisen usw., Sandel usw.

pūrvādinavagarteṣu nyasen madhye yathāruci / atha cendrādimantraiś ca garto guggulunāvṛtaḥ //

lege man in die neun Gruben, beginnend mit der östlichen, in die mittlere nach Belieben. Dann wird mit den Mantras des Indra usw. die Grube mit Guggulu bedeckt.

Wort für Wort
pūrva-ādi-nava-garteṣu
in die neun Gruben, beginnend im Osten
nyaset
lege nieder
madhye yathā-ruci
in der Mitte nach Belieben
indra-ādi-mantraiḥ
mit den Mantras Indras usw.
gartaḥ guggulunā āvṛtaḥ
die Grube mit Guggulu bedeckt

ratnanyāsavidhiṃ kṛtvā pratimāmālabhedguruḥ / saśalākair darbhapuñjaiś ca sahadevaiḥ samanvitaiḥ //

Nachdem er das Ritual der Edelsteinniederlegung vollzogen hat, berühre der Lehrer das Bildnis; mit Darbha-Büscheln samt Stäbchen und mit Sahadevā-Kräutern versehen

Wort für Wort
ratna-nyāsa-vidhim kṛtvā
das Edelsteinniederlegungs-Ritual vollzogen habend
pratimām ālabhet
berühre das Bildnis
guruḥ
der Lehrer
sa-śalākaiḥ darbha-puñjaiḥ
mit Darbha-Büscheln samt Stäbchen
sahadevaiḥ
mit Sahadevā-Pflanzen

savāhyantaiś ca saṃskṛtya pañcagavyena śodhayet / prokṣayeddarbhatoyena nadītīrthodakena ca //

und es innen und außen weihend, reinige er es mit den fünf Kuhprodukten; er besprenge es mit Darbha-Wasser und mit Wasser von Flussfurten.

Wort für Wort
sa-bāhya-antaiḥ
samt Außen- und Innenseite
saṃskṛtya
weihend
pañcagavyena śodhayet
reinige mit den fünf Kuhprodukten
darbha-toyena
mit Darbha-Wasser
nadī-tīrtha-udakena
mit Wasser von Flussbadeplätzen

savāhyantaiḥ wohl für sabāhyāntaiḥ ('samt Außen und Innen').

homārthe khaṇḍilaṃ kuryāt sikatābhiḥ samantataḥ / sārdhahastapramāṇaṃ tu caturasraṃ suśobhanaṃ //

Für das Feueropfer mache er ringsum aus Sand einen Opferplatz von anderthalb Ellen Maß, viereckig und sehr schön.

Wort für Wort
homa-arthe
zum Feueropfer
sthaṇḍilam kuryāt
mache einen Opferplatz
sikatābhiḥ
aus Sand
sārdha-hasta-pramāṇam
von anderthalb Ellen Maß
caturasram
viereckig

khaṇḍila für sthaṇḍila.

aṣṭadikṣu yathānyāsaṃ kalaśānapi vinyaset / pūrvādyānaṣṭavarṇena agnimānīya saṃskṛtaṃ //

In den acht Himmelsrichtungen stelle er gemäß der Anordnung auch Krüge auf, beginnend im Osten, mit dem Achtsilbigen (Mantra); dann bringe er das geweihte Feuer herbei

Wort für Wort
aṣṭa-dikṣu
in den acht Richtungen
yathā-nyāsam
gemäß der Anordnung
kalaśān vinyaset
stelle Krüge auf
aṣṭa-varṇena
mit dem Achtsilbigen
agnim ānīya saṃskṛtam
das geweihte Feuer herbeibringend

aṣṭavarṇa: der achtsilbige Mantra (oṃ namo nārāyaṇāya).

tvamagnedyubhiriti gāyatryā samidho hunet / aṣṭārṇenāṣṭaśatakaṃ ājyaṃ pūrṇāṃ pradāpayet //

und opfere mit „tvam agne dyubhiḥ“ und mit der Gāyatrī Brennhölzer; mit dem Achtsilbigen (opfere er) hundertacht Spenden Butterschmalz und bringe die Vollspende dar.

Wort für Wort
tvam agne dyubhiḥ iti
mit (dem Vers) 'tvam agne dyubhiḥ'
gāyatryā
mit der Gāyatrī
samidhaḥ hunet
opfere Brennhölzer
aṣṭa-śatakam
hundertacht
ājyam
Butterschmalz
pūrṇām pradāpayet
bringe die Vollspende dar

'gāyatryā' kann auch als Bezeichnung des Verses selbst verstanden werden; tvam agne dyubhiḥ (ṚV 2,1,1) ist jedoch kein Gāyatrī-Vers.

śāntyudakaṃ āmrapatraiḥ mūlena śatamantritaṃ / siñceddevasya tanmūrdhni śrīś ca te hy anayā ṛcā //

Das Friedenswasser, mit dem Wurzel-(Mantra) hundertmal besprochen, sprenge er mit Mangoblättern auf das Haupt des Gottes, und zwar mit diesem Vers „śrīś ca te“.

Wort für Wort
śānti-udakam
Friedenswasser
āmra-patraiḥ
mit Mangoblättern
mūlena śata-mantritam
mit dem Wurzelmantra hundertmal besprochen
siñcet
sprenge
devasya tat-mūrdhni
auf das Haupt des Gottes
anayā ṛcā
mit diesem Vers

brahmayānena coddhṛtya uttiṣṭha brahmaṇaspate / tadviṣṇoriti mantreṇa prāsādābhimukhaṃ nayet //

Und nachdem er (ihn) mit dem Brahma-Wagen [?] und mit „uttiṣṭha brahmaṇaspate“ emporgehoben hat, führe er ihn mit dem Mantra „tad viṣṇoḥ“ zum Tempel hin.

Wort für Wort
brahma-yānena
mit dem Brahma-Wagen (?)
uddhṛtya
emporgehoben habend
uttiṣṭha brahmaṇaspate
'erhebe dich, Brahmaṇaspati'
tad viṣṇoḥ iti mantreṇa
mit dem Mantra 'tad viṣṇoḥ'
prāsāda-abhimukham nayet
führe zum Tempel hin

brahmayāna unklar; vielleicht eine Trage/ein Wagen oder ein Mantra.

śivikāyāṃ hariṃ sthāpya bhrāmayīta purādikaṃ / gītavedādiśabdaiś ca prāsādadvāri dhārayet //

Hari in eine Sänfte setzend, lasse er ihn durch die Stadt usw. umhertragen; unter Klängen von Gesang, Vedarezitation usw. halte er ihn am Tempeltor an.

Wort für Wort
śivikāyām
in einer Sänfte
harim sthāpya
Hari setzend
bhrāmayīta pura-ādikam
trage umher durch Stadt usw.
gīta-veda-ādi-śabdaiḥ
mit Klängen von Gesang, Veda usw.
prāsāda-dvāri dhārayet
halte am Tempeltor an

strībhirviprair maṅgalāṣṭaghaṭaiḥ saṃsnāpayeddhariṃ / tato gandhādinābhyarcya mūlamantreṇa deśikaḥ //

Durch Frauen und Brahmanen lasse er Hari mit acht glückverheißenden Krügen baden; dann, nachdem der Lehrer ihn mit Duftstoffen usw. unter dem Wurzelmantra verehrt hat,

Wort für Wort
strībhiḥ vipraiḥ
durch Frauen und Brahmanen
maṅgala-aṣṭa-ghaṭaiḥ
mit acht glückverheißenden Krügen
saṃsnāpayet harim
lasse Hari baden
gandha-ādinā abhyarcya
mit Duft usw. verehrt habend
deśikaḥ
der Lehrer

ato deveti vastrādyamaṣṭāṅgārghyaṃ nivedya ca / sthire lagne piṇḍikāyāṃ devasya tveti dhārayet //

Gewänder usw. mit „ato devāḥ“ und die achtteilige Gastgabe (arghya) darbringend, setze er (den Gott) bei einer festen Aszendenz mit „devasya tvā“ auf den Sockel.

Wort für Wort
ato deva iti
mit 'ato devāḥ'
vastra-ādyam
Gewänder usw.
aṣṭa-aṅga-arghyam
achtteilige Gastgabe
sthire lagne
bei fester Aszendenz
piṇḍikāyām dhārayet
setze auf den Sockel

'ato deva' wohl für ato devā(ḥ) (ṚV 1,22,16).

oṃ trailokyavikrāntāya namastestu trivikrama / saṃsthyāpya piṇḍikāyāntu sthiraṃ kuryādvicakṣaṇaḥ //

„Oṃ, dem, der die drei Welten durchschritten hat, Verehrung; Verehrung sei dir, o Trivikrama!“ – Nachdem der Kundige ihn auf dem Sockel aufgestellt hat, mache er ihn fest

Wort für Wort
trailokya-vikrāntāya
dem, der die drei Welten durchschritten hat
namaḥ te astu
Verehrung sei dir
trivikrama
o Dreischreiter
saṃsthāpya piṇḍikāyām
auf dem Sockel aufgestellt habend
sthiram kuryāt
mache fest

dhruvā dyauriti mantreṇa viśvataś cakṣurityapi / pañcagavyena saṃsnāpya kṣālya gandhadakena ca //

mit dem Mantra „dhruvā dyauḥ“ und auch mit „viśvataś cakṣuḥ“. Nachdem er ihn mit den fünf Kuhprodukten gebadet und mit Duftwasser abgewaschen hat,

Wort für Wort
dhruvā dyauḥ iti mantreṇa
mit dem Mantra 'dhruvā dyauḥ'
viśvataś cakṣuḥ
'allseitig das Auge'
pañcagavyena saṃsnāpya
mit den fünf Kuhprodukten gebadet habend
kṣālya
abgewaschen habend
gandha-udakena
mit Duftwasser

gandhadakena für gandhodakena.

pūjayet sakalīkṛtya sāṅgaṃ sāvaraṇaṃ hariṃ / dhyāyet svaṃ tasya mūrtintu pṛthivī tasya pīṭhikā //

verehre er Hari samt Gliedern und Umhüllungen (āvaraṇa), nachdem er die Vervollständigung (sakalīkaraṇa) vollzogen hat. Er meditiere dessen Gestalt als seine eigene [?]; die Erde ist sein Sitz.

Wort für Wort
sakalī-kṛtya
die Vervollständigung (sakalīkaraṇa) vollzogen habend
sa-aṅgam sa-āvaraṇam
samt Gliedern und Umhüllungen
dhyāyet
meditiere
tasya mūrtim
seine Gestalt
pṛthivī tasya pīṭhikā
die Erde ist sein Sitz

kalpayedvigrahaṃ tasya taijasaiḥ paramāṇubhiḥ / jīvamāvāhayiṣyāmi pañcaviṃśatitattvagaṃ //

Seinen Körper bilde er (in der Vorstellung) aus feurigen Uratomen. „Ich werde die Lebensseele herbeirufen, die in den fünfundzwanzig Prinzipien (tattva) weilt,

Wort für Wort
kalpayet vigraham
bilde den Körper
taijasaiḥ paramāṇubhiḥ
aus feurigen Uratomen
jīvam āvāhayiṣyāmi
ich werde die Lebensseele herbeirufen
pañcaviṃśati-tattva-gam
in den 25 Prinzipien weilend

caitanyaṃ paramānandaṃ jāgratsvapnavivarjitaṃ / dehendriyamanobuddhiprāṇāhaṅkāravarjitaṃ //

das Bewusstsein, die höchste Wonne, frei von Wachen und Traum, frei von Körper, Sinnen, Denken, Einsicht, Lebensatem und Ich-Bewusstsein,

Wort für Wort
caitanyam
Bewusstsein
parama-ānandam
höchste Wonne
jāgrat-svapna-vivarjitam
frei von Wachen und Traum
deha-indriya-manas-buddhi
Körper, Sinne, Denken, Einsicht
prāṇa-ahaṅkāra-varjitam
frei von Lebensatem und Ichbewusstsein

brahmādistambaparyantaṃ hṛdayeṣu vyavasthitaṃ / hṛdayāt pratimāvimbe sthiro bhava pareśvara //

das von Brahmā bis zum Grashalm in den Herzen weilt. Aus dem Herzen (kommend) sei fest im Abbild des Bildnisses, o höchster Herr!

Wort für Wort
brahma-ādi-stamba-paryantam
von Brahmā bis zum Grashalm
hṛdayeṣu vyavasthitam
in den Herzen weilend
hṛdayāt
aus dem Herzen
pratimā-bimbe
im Abbild des Bildnisses
sthiraḥ bhava pareśvara
sei fest, o höchster Herr

vimba für bimba.

sajīvaṃ kuru bimbaṃ tvaṃ savāhyābhyantarasthitaḥ / aṅguṣṭhamātraḥ puruṣo dehopādhiṣu saṃsthitaḥ //

Mache du das Bildnis belebt, innen und außen weilend! Der daumengroße Puruṣa, der in den körperlichen Bedingtheiten weilt,

Wort für Wort
sa-jīvam kuru bimbam
mache das Bildnis belebt
sa-bāhya-abhyantara-sthitaḥ
innen und außen weilend
aṅguṣṭha-mātraḥ puruṣaḥ
der daumengroße Puruṣa
deha-upādhiṣu saṃsthitaḥ
in den körperlichen Bedingtheiten weilend

jyotirjñānaṃ paraṃ brahma ekamevādvitīyakaṃ / sajīvīkaraṇaṃ kṛtvā praṇavena nibodhayet //

das Licht, die Erkenntnis, das höchste Brahman, das Eine ohne Zweites.“ Nachdem er die Belebung vollzogen hat, erwecke er (ihn) mit dem Praṇava (oṃ).

Wort für Wort
jyotiḥ jñānam
Licht, Erkenntnis
param brahma
das höchste Brahman
ekam eva advitīyakam
das Eine ohne Zweites
sa-jīvī-karaṇam kṛtvā
die Belebung vollzogen habend
praṇavena nibodhayet
erwecke mit dem Oṃ

sānnidhyakaraṇannāma hṛdayaṃ spṛśya vai japet / sūktantu pauruṣaṃ dhyāyan idaṃ guhyamanuṃ japet //

Die sogenannte „Herbeiführung der Gegenwart“ (sānnidhyakaraṇa): Das Herz berührend, murmele er, und das Puruṣa-Lied meditierend, murmele er diesen geheimen Mantra:

Wort für Wort
sānnidhya-karaṇam nāma
die sogenannte Herbeiführung der Gegenwart
hṛdayam spṛśya
das Herz berührend
japet
murmele
sūktam pauruṣam dhyāyan
das Puruṣa-Lied meditierend
guhyam manum
den geheimen Mantra

namastestu sureśāya santoṣavibhavātmane / jñānavijñānarūpāya brahmatejonuyāyine //

„Verehrung sei dir, dem Herrn der Götter, dessen Wesen Zufriedenheit und Machtfülle ist, der die Gestalt von Wissen und Erkenntnis hat, der dem Glanz des Brahman folgt,

Wort für Wort
sura-īśāya
dem Herrn der Götter
santoṣa-vibhava-ātmane
dessen Wesen Zufriedenheit und Machtfülle ist
jñāna-vijñāna-rūpāya
der Gestalt von Wissen und Erkenntnis
brahma-tejas-anuyāyine
dem Brahman-Glanz folgend

guṇātikrāntaveśāya puruṣāya mahātmane / akṣayāya purāṇāya viṣṇo sannihito bhava //

dessen Erscheinung die Guṇas übersteigt, dem Puruṣa, dem großen Selbst, dem Unvergänglichen, dem Uralten – o Viṣṇu, sei gegenwärtig!

Wort für Wort
guṇa-atikrānta-veśāya
dessen Erscheinung die Guṇas übersteigt
puruṣāya mahātmane
dem Puruṣa, dem großen Selbst
akṣayāya purāṇāya
dem Unvergänglichen, Uralten
viṣṇo sannihitaḥ bhava
o Viṣṇu, sei gegenwärtig

yacca te paramaṃ tattvaṃ yacca jñānamayaṃ vapuḥ / tat sarvamekato līnamasmindehe vibudhyatāṃ //

Was dein höchstes Wesen ist und was dein aus Erkenntnis bestehender Leib ist, das alles, an einem Ort vereinigt, möge in diesem Körper erwachen.“

Wort für Wort
yat ca te paramam tattvam
und was dein höchstes Wesen
jñāna-mayam vapuḥ
der aus Erkenntnis bestehende Leib
sarvam ekataḥ līnam
alles an einem Ort vereint
asmin dehe vibudhyatām
möge in diesem Körper erwachen

ātmānaṃ sannidhīkṛtya brahmādiparivārakān / svanāmnā sthāpayedanyānāyudhān svamudrayā //

Nachdem er das Selbst (des Gottes) gegenwärtig gemacht hat, stelle er die Begleiter, Brahmā usw., mit ihrem eigenen Namen auf, die anderen, die Waffen, mit ihrer eigenen Handgeste (mudrā).

Wort für Wort
ātmānam sannidhī-kṛtya
das Selbst gegenwärtig gemacht habend
brahma-ādi-parivārakān
die Begleiter, Brahmā usw.
sva-nāmnā sthāpayet
stelle mit eigenem Namen auf
anyān āyudhān
die anderen, die Waffen
sva-mudrayā
mit eigener Handgeste

yātrāvarṣādikaṃ dṛṣṭvā jñeyaḥ sannihito hariḥ / natvā stutvā stavādyaiś ca japtvā cāṣṭākṣarādikaṃ //

Wenn man Prozession, Regen und dergleichen [Anm.: als Vorzeichen] sieht, ist Hari als gegenwärtig zu erkennen. Sich verneigend, mit Hymnen usw. preisend und den Achtsilbigen usw. murmelnd,

Wort für Wort
yātrā-varṣa-ādikam dṛṣṭvā
Prozession, Regen usw. gesehen habend
jñeyaḥ sannihitaḥ hariḥ
Hari ist als gegenwärtig zu erkennen
natvā stutvā
sich verneigend, preisend
stava-ādyaiḥ
mit Hymnen usw.
japtvā aṣṭa-akṣara-ādikam
den Achtsilbigen usw. gemurmelt habend

yātrāvarṣādikam unsicher; vielleicht 'Jahresfest' o.ä.

caṇḍapracaṇḍau dvārasthau nirgatyābhyarcayedguruḥ / agnimaṇḍapamāsādya garuḍaṃ sthāpya pūjayet //

trete der Lehrer hinaus und verehre Caṇḍa und Pracaṇḍa, die am Tor stehen; zum Feuerpavillon gelangt, stelle er Garuḍa auf und verehre ihn.

Wort für Wort
caṇḍa-pracaṇḍau dvāra-sthau
Caṇḍa und Pracaṇḍa, die Torhüter
nirgatya abhyarcayet
hinausgetreten verehre er
agni-maṇḍapam āsādya
zum Feuerpavillon gelangt
garuḍam sthāpya pūjayet
stelle Garuḍa auf und verehre ihn

digīśān diśi devāṃś ca sthāpya sampūjya deśikaḥ / viśvaksenaṃ tu saṃsthāpya śaṅkhacakrādi pūjayet //

Nachdem der Lehrer die Herren der Himmelsrichtungen und die Gottheiten in den Richtungen aufgestellt und verehrt hat, stelle er Viṣvaksena auf und verehre Muschel, Diskus usw.

Wort für Wort
diś-īśān
die Herren der Himmelsrichtungen
diśi devān
die Gottheiten in den Richtungen
sthāpya sampūjya
aufgestellt und verehrt habend
viśvaksenam
Viṣvaksena
śaṅkha-cakra-ādi
Muschel, Diskus usw.

sarvapārṣadakebhyaś ca baliṃ bhūtebhya arcayet / paramavastrasuvarṇādi gurave dakṣiṇāṃ dadet //

Allen Gefolgsleuten und den Wesen bringe er eine Spende (bali) dar. Beste Gewänder, Gold usw. gebe er dem Lehrer als Opferlohn.

Wort für Wort
sarva-pārṣadakebhyaḥ
allen Gefolgsleuten
balim bhūtebhyaḥ
Spende an die Wesen
parama-vastra-suvarṇa-ādi
beste Gewänder, Gold usw.
gurave dakṣiṇām dadet
gebe dem Lehrer den Opferlohn

bhūtebhya für bhūtebhyaḥ (Sandhi/metri causa); arcayet hier im Sinne von 'darbringen'.

yāgopayogidravyādyamācāryāya narorpayet / ācāryadakṣiṇārdhantu ṛtvigbhyo dakṣiṇāṃ dadet //

Die für das Opfer gebrauchten Gegenstände usw. übergebe der Mann dem Ācārya; die Hälfte des Ācārya-Lohnes gebe er den Opferpriestern als Lohn.

Wort für Wort
yāga-upayogi-dravya-ādyam
die zum Opfer dienlichen Gegenstände usw.
ācāryāya naraḥ arpayet
der Mann übergebe dem Ācārya
ācārya-dakṣiṇā-ardham
die Hälfte des Ācārya-Lohnes
ṛtvigbhyaḥ
den Opferpriestern

anyebhyo dakṣiṇāṃ dadyādbhojayed brāhmaṇāṃstataḥ / avāritān phalān dadyādyajamānāya vai guruḥ //

Auch anderen gebe er Lohn; dann speise er die Brahmanen. Ungehinderte Früchte [Anm.: d.h. Segen ohne Einschränkung] [?] gewähre der Lehrer dem Opferherrn.

Wort für Wort
anyebhyaḥ dakṣiṇām dadyāt
anderen gebe er Lohn
bhojayet brāhmaṇān
speise die Brahmanen
avāritān phalān
ungehinderte Früchte
yajamānāya
dem Opferherrn
guruḥ
der Lehrer

viṣṇuṃ nayet pratiṣṭhātā cātmanā sakalaṃ kulaṃ / sarveṣāmeva devānāmeṣa sādhāraṇo vidhiḥ / mūlamantrāḥ pṛthakteṣāṃ śeṣaṃ kāryaṃ samānakaṃ //

Der Stifter führt mit sich selbst sein ganzes Geschlecht zu Viṣṇu. Dies ist die gemeinsame Vorschrift für alle Götter; ihre Wurzelmantras sind je verschieden, das Übrige ist gleichartig auszuführen.

Wort für Wort
viṣṇum nayet
führt zu Viṣṇu
pratiṣṭhātā
der Stifter der Einsetzung
sakalam kulam
das ganze Geschlecht
sādhāraṇaḥ vidhiḥ
gemeinsame Vorschrift
mūla-mantrāḥ pṛthak
die Wurzelmantras gesondert
śeṣam samānakam
das Übrige gleich

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