Kapitel 291: śāntyāyurvedaḥ
Befriedungsriten und Heilkunde der Rinder
Dhanvantari preist die Heiligkeit der Kühe und ihrer Erzeugnisse, beschreibt die auf ihnen beruhenden Bußgelübde (Mahāsāntapana, Kṛcchrātikṛcchra, Taptakṛcchra, Śītakṛcchra, Kuhgelübde) und gibt Heilmittel für Horn-, Ohren-, Zahn-, Mund-, Kehl- und Darmleiden, Brüche und Wunden sowie Futter und Räucherungen. Es folgen die Befriedungsriten für Rinder im Āśvayuja und zu Beginn des Makara; ein abschließender Vers Agnis nennt Śālihotra und Pālakāpya als Lehrer der Pferde- und Elefantenheilkunde. In Vers 26 steht unvermittelt die Anrede „Rāma“; mehrere Stellen (9, 31, 35, 36) sind verderbt.
Dhanvantari sprach: Die Behütung von Kühen und Brahmanen ist vom König zu betreiben; ich lege den Befriedungsritus für die Kühe dar. Die Kühe sind rein und glückbringend; in den Kühen sind die Welten gegründet.
Ihr Dung und ihr Urin sind vorzüglich, sie vertreiben am besten das Unglück (Alakṣmī). Das Kratzen der Kühe [und] das Wasser vom Horn zerschlägt die Flut der Sünden.
Kuhurin, Kuhdung, Milch, Sauermilch, Butterschmalz und Gorocanā: diese sechsteilige [Mischung] ist das Beste zum Trinken und wehrt böse Träume usw. ab.
Wort für Wort
gomūtram gomayam kṣīram
Kuhurin, Kuhdung, Milch
dadhi sarpiḥ rocanā
Sauermilch, Butterschmalz, Gorocanā
ṣaḍ-aṅgam paramam pāne
sechsteilig, das Beste zum Trinken
duḥsvapna-ādi-vāraṇam
böse Träume usw. abwehrend
sarpaś für sarpiś; śaḍaṅgaṃ für ṣaḍaṅgaṃ; duḥsvapnādyādi doppelt.
Gorocanā vertreibt Gift und Dämonen. Wer den Kühen einen Bissen gibt, gelangt in den Himmel. Der Mann, in dessen Haus die Kühe leiden, geht in die Hölle.
Wer der Kuh eines anderen einen Bissen gibt, gelangt in den Himmel; wer den Kühen Gutes tut, hat teil an der Welt Brahmās. Durch Schenken von Kühen, durch Preisen und Beschützen rettet er sein Geschlecht.
ekarātropavāsaś ca śvapākamapi śodhayet / sarvāśubhavināśāya purācīratamīśvaraiḥ //
und ein Fasten von einer Nacht reinigen sogar einen Śvapāka [Hundekocher, Kastenlosen]. Zur Vernichtung alles Unheilvollen [wurde dies] einst von den Herren [den Weisen] geübt.
Das Kṛcchrātikṛcchra [besteht darin, sich] einundzwanzig Tage von Milch [zu nähren]. Makellos, mit Erlangung aller Wünsche, gelangen [so] die besten Menschen in den Himmel [?].
Wort für Wort
kṛcchra-atikṛcchram
das Kṛcchrātikṛcchra-Gelübde
payasā
mit Milch
divasān ekaviṃśatim
einundzwanzig Tage
nirmalāḥ
makellos
sarva-kāma-āptyā
mit Erlangung aller Wünsche
Zweiter Halbvers verderbt (syurgagāḥ spur natottamāḥ), wohl für svargagāḥ syur narottamāḥ.
[das ist] das Taptakṛcchra-Gelübde, das alle Sünden vertreibt und die Welt Brahmās verleiht. Mit kalten [Mitteln] ist es das Śītakṛcchra, von Brahmā verkündet, das die Welt Brahmās verleiht.
Wer das Kuhgelübde hält, soll mit Kuhurin baden, sich von den Erzeugnissen der Kuh ernähren, mit den Kühen gehen und erst essen, wenn sie gefressen haben.
In einem einzigen Monat wird er sündlos, gelangt in die Welt der Kühe und in den Himmel. Und wer das Gomatī-Wissen [den Gomatī-Spruch] murmelt, gelangt in die höchste Welt der Kühe (Goloka).
pāvanaṃ sarvabhūtānāṃ kṣaranti ca vadanti ca / haviṣā mantrapūtena tarpayantyamarāndivi //
Sie lassen [Milch] fließen und sprechen [aus], was alle Wesen reinigt [?]; mit der durch Sprüche geheiligten Opfergabe sättigen sie die Unsterblichen im Himmel.
Wort für Wort
pāvanam sarva-bhūtānām
Reinigung aller Wesen
kṣaranti
sie lassen fließen
haviṣā mantra-pūtena
mit der durch Sprüche geheiligten Gabe
tarpayanti amarān divi
sie sättigen die Unsterblichen im Himmel
kṣaranti ca vadanti ca in diesem Zusammenhang unklar.
Die Kühe sind das höchste Reinigungsmittel, die Kühe das beste Glückbringende; die Kühe sind die Treppe zum Himmel, die Kühe sind segensreich und ewig.
Die Brahmanen und die Kühe sind ein einziges Geschlecht, das in zwei Teile geteilt wurde: Auf der einen Seite stehen die Sprüche, auf der anderen steht die Opfergabe.
pivanti yatra tattīrthaṃ gaṅgādyā gāva eva hi / gavāṃ māhātmyamuktaṃ hi cikitsāñca tathā śṛṇu //
Wo sie trinken, das ist eine heilige Furt; die Kühe sind wahrhaftig die Gaṅgā usw. Die Größe der Kühe ist nun verkündet; höre ebenso ihre Heilbehandlung.
bei Kapha Vyoṣa mit Honig, bei Blut[-leiden] mit Puṣkara und Karañja [?]; Öl, Butterschmalz und Auripigment, gekocht, soll er bei Brüchen und Wunden geben.
Wort für Wort
kaphe vyoṣam sa-madhu
bei Kapha Vyoṣa mit Honig
asṛje
bei Blutleiden
taila-ājyam haritālam
Öl, Butterschmalz, Auripigment
bhagna-kṣati
Brüche und Wunden
śṛtam dadyāt
gekocht gebe er
sapuṣṭakarajo 'sraje unsicher (sapuṣkarakarañjam asṛje?); dadet für dadyāt.
Er verleiht den Gehörnten Kraft. Zur Vertreibung der Besessenheitsdämonen [dient] eine Räucherung: Devadāru, Vacā, Māṃsī, Guggulu, Asa foetida und Senf.
Zur Vertreibung von Besessenheit und anderen Krankheiten ist diese Räucherung für die Kühe heilsam. Auch eine Glocke ist für die Kühe anzufertigen, mit dieser Räucherung beräuchert.
Wort für Wort
graha-ādi-gada-nāśāya
zur Vertreibung von Besessenheit und anderen Krankheiten
aśvagandhātilaiḥ śuklaṃ tena gauḥ kṣīriṇī bhavet / rasāyanañca pinyākaṃ matto yo dhāryate gṛhe //
Mit Aśvagandhā und Sesam [gegeben], [wird] Weißes [Milch reichlich] [?]; dadurch wird die Kuh milchreich. Ein Verjüngungsmittel ist auch Ölkuchen; [so bleibt] der [Stier], der im Haus gehalten wird, kraftvoll [?].
Am fünften [Mondtag] soll man auf dem Kuhdung [?] stets zur Befriedung Śrī verehren und Vāsudeva mit Duftstoffen usw.; [dies] wird als ein weiterer Befriedungsritus bezeichnet.
Wort für Wort
gavām purīṣe
auf dem Kuhdung
pañcamyām
am fünften Mondtag
nityam śāntyai śriyam yajet
stets zur Befriedung verehre er Śrī
vāsudevam gandha-ādyaiḥ
Vāsudeva mit Duftstoffen usw.
aparā śāntiḥ ucyate
wird als weiterer Befriedungsritus bezeichnet
bhavāṃ purīṣe pañcabhyāṃ wohl für gavāṃ purīṣe pañcamyāṃ.
Nachdem er Sauermilch genossen und die Kühe verehrt hat, ist das Umschreiten des Feuers vorzunehmen; draußen soll er unter dem Schall von Gesängen und Musikinstrumenten Stierkämpfe veranstalten.
Wort für Wort
dadhi samprāśya
Sauermilch genießend
gāḥ pūjya
die Kühe verehrend
vahni-pradakṣiṇam
das Umschreiten des Feuers
vṛṣāṇām yojayet yuddham
er veranstalte Kämpfe der Stiere
gīta-vādya-ravaiḥ bahiḥ
draußen mit Gesang und Musik
vāhnipradakṣiṇaṃ für vahnipradakṣiṇaṃ; yojeyed für yojayed; vahiḥ für bahiḥ.
auf dem Opferplatz im Lotos[-diagramm], [ihn] in der Mitte befindlich, und in den Himmelsrichtungen die Götter auf den Staubfäden; Subhadrā, Aja und Ravi sind zu verehren, Bahurūpa und Bali außen,
Wort für Wort
sthaṇḍile abje
auf dem Opferplatz im Lotos
madhya-gate
in der Mitte befindlich
dikṣu keśara-gān surān
in den Richtungen die Götter auf den Staubfäden
subhadrā ajaḥ raviḥ pūjyaḥ
Subhadrā, Aja, Ravi sind zu verehren
bahurūpaḥ baliḥ bahiḥ
Bahurūpa und Bali außen
sthaṇḍilebje = sthaṇḍile 'bje; die Namen in 40-41 teils unsicher.
khaṃ viśvarūpā siddhiś ca ṛddhiḥ śāntiś ca rohiṇī / digdhenavo hi pūrvādyāḥ kṛśaraiś candra īśvaraḥ //
Kha [Luftraum], Viśvarūpā, Siddhi, Ṛddhi, Śānti und Rohiṇī: [diese sind] die Kühe der Himmelsrichtungen, im Osten beginnend; mit Kṛśara [Sesamreis] Candra und Īśvara;
dikpālāḥ padmapatreṣu kumbheṣvagnau ca homayet / kṣīravṛkṣasya samidhaḥ sarṣapākṣatataṇḍulān //
die Hüter der Richtungen auf den Lotosblättern und in Krügen. Und ins Feuer soll er opfern: Brennhölzer von einem Milchsaftbaum, Senfkörner, unzerbrochene Reiskörner,
je hundert; und Gold, Bronze usw. soll er dem Zweimalgeborenen geben. Die verehrten Kühe sind, mit Milch usw. versehen [?], zur Befriedung freizulassen.